Diese Frau und Schuhe

Was jetzt folgt, ist eine Leidensgeschichte!

Ich liebe Schuhe, nur mögen mich Schuhe überhaupt nicht. Immer wieder kommt es in unserem Verhältnis zu Missverständnissen, schmerzhaften Verletzungen, Enttäuschungen und finanziellen Verlusten.

Das ich in einem Schuhladen zielgerichtet das teuerste Paar im Laden aussuche, ist ja schon Normalität. Aber auch das zweite oder dritte Paar meiner Wahl sind immer eine zu hohe Belastung für meinen Geldbeutel. Nach langem Suchen finde ich manchmal auch ein Paar, welches ich mir leisten kann und mir auch vom Aussehen gefällt. Also fix anprobiert und schon setzt sich das Drama fort. Die 41, welche mir sonst immer passt, ist entweder nur in der 40 verfügbar oder ist hier viel zu groß und die 40 ist grad aus oder die 40 kneift oder der Schuh hat genau am Fußballen eine Naht, oder der Schaft drückt gegen den Knöchel oder sonst irgendwas.

Selten finde ich dann doch ein Paar, welches die grundlegenden Kriterien an Aussehen, Passform und Preis erfüllt. Mit diesen Schuhen laufe ich dann einen Halbmarathon im Laden, ich drehe und wende meine Füße darin, hüpfe und renne und probiere sonst alles, um deren Alltagstauglichkeit herauszufinden. Aber im Prinzip kann ich mir das auch sparen. Denn es ist völlig egal, wie ausgiebig ich teste, im Einsatz zeigen die Schuhe eh wieder ihr wahres Gesicht. Dann habe ich innerhalb kürzester Zeit Blasen und Druckstellen und meine Füße fühlen sich an, als wenn sie in einen Schraubstock gespannt wurden.

Und das ist nicht nur bei schicken Absatzschuhen so. Nein, auch der gemeine Turnschuh offenbart sein gemeines Wesen. Als ich mir vor einigen Jahren spezielle Walkingschuhe gekauft habe – für richtig viel Geld – fühlte es sich im Laden an, als würde ich auf Wolken gehen. So ein tolles Gefühl, schön gepolstert, gut gestützt, super bequem. Bis ich dann bei meinem Waldlauf bei Kilometer 4 auf halber Strecke feststellen musste, dass ich mir an der Innenseite beider Fersen hühnereigroße Blasen angelaufen hatte. Nach einem weiteren Kilometer gingen diese Blasen dann auf. Zwei Kilometer vorm Ziel wurde die Angelegenheit blutig. Im Ziel war ich vor Schmerzen schweißgebadet und konnte eine Woche lang nur in Schlappen rumlaufen.

Bei meinen Hochzeitsschuhen war es ähnlich. Da ich unbedingt in weinrot und im November heiraten wollte, brauchte ich auch passende Schuhe dazu, am Besten ein paar Stiefel, die ich eventuell auch an ganz normalen Tagen noch anziehen kann. Mit diesen Parametern gestaltete sich die Suche durchaus schwierig, aber war irgendwann von Erfolg gekrönt, und sogar mit einem satten Rabatt wegen Geschäftsauflösung. Schönes weiches Leder, der Farbton perfekt zum Kleid passend, nicht zu hohe Absätze, um damit auch übern Tag zu kommen. Nur leider stauchte sich der Schaft nach kurzem Tragen so seltsam am Knöchel, dass die nach innen zeigende Falte äußerst schmerzhaft auf den Knöchel drückte – bei beiden Schuhen. Da ich an Tag X eh bis zu den Haarspitzen mit Adrenalin vollgepumpt war, machte mir das nicht so viel aus. Im Alltag ging es aber gar nicht. Ich habe versucht, die Stellen mit Watte und dicken Socken ein wenig abzupolstern, aber die Falte war stärker. Letztendlich habe ich die Schuhe genau dreimal getragen.

Und als vorläufig letztes Highlight reihen sich die Schuhe ein, die ich heute zum zweiten Mal trage. Ich habe sie vor gut einem Jahr anlässlich meines Vorstellungsgespräches in meiner neuen, jetzigen Firma gekauft. Es sind ein paar leichte Sommerschuhe mit niedrigen Absätzen und ohne große Schnörkel. Im Laden waren sie wie gewohnt superbequem, ich konnte wunderbar in ihnen laufen und ich dachte, ich hätte endlich das perfekte Paar gefunden. Da ich glücklicherweise auf Arbeit laufen kann, die Strecke mit guten 2 Kilometern nicht zu weit ist und die Schuhe echt bequem waren, wagte ich das Experiment. Nach einem Kilometer bemerkte ich den Fehler in meiner Logik, als sich unter der Fußsohle dicke Blasen bemerkbar machten und sich eine schmerzhafte Druckstelle auf dem Spann entwickelte. Zum Umsteigen auf die Bahn war es zu spät, es hätte mir da maximal 300 Meter gespart. (Warum ich nicht von Anfang an mit der Bahn gefahren bin, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Vermutlich war ich so aufs Laufen geeicht, dass mir eine Alternative gar nicht erst in den Sinn kam.) Ich schleppte mich also auf Arbeit und lief dort den ganzen Tag barfuß rum. Abends hatte ich das Gespräch, also quälte ich mich wieder in die Schuhe und tippelte vorsichtig die 200 Meter zur avisierten neuen Arbeitsstätte. Während des Gesprächs hämmerten und pochten meine Füße ohne Unterlass, aber hey, ich hab ein Kind gekriegt, da überleb ich auch solche Schmerzen.
Nach dem Termin kroch ich weitere 200 Meter zum SportScheck und hauchte dem Verkäufer mit letzter Kraft „Turnschuhe und Socken bitte“ entgegen. Diese Turnschuhe schleppe ich heute noch, da sie die rühmliche Ausnahme der Regel darstellen.

An dieser Stelle unerwähnt bleiben die ungezählten Ballerinas, Stoffschuhe, Sandalen, Stiefel, Stiefeletten und selbst Bioschlappen, die sich in die lange Liste der niederträchtigen Fußbekleidung einreihen, weil sie entweder nach kurzem Tragen auseinander fielen, oder die Sohle brüchig war oder mir an diversen Punkten Druckstellen und Blasen verursachten.

Ein paar Schuhe möchte ich allerdings positiv herausheben. Und zwar ein Paar Sandalen mit 4 oder 5 cm hohen Pfennigabsätzen, die sowas von bequem waren, dass ich mit ihnen 3 Tage durch Rom gelaufen bin, ohne auch nur das kleinste Wehwehchen davon zu tragen. Leider ist bei einem Schuh dann der Absatz abgebrochen, was mich sehr traurig zurück ließ. Ich habe seitdem nie wieder solche Schuhe gefunden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s