Geduld

Wenn man eines beim Kinderkriegen braucht, dann ist es Geduld. Und zwar jede Menge davon!

Ich bin erwiesenermaßen nicht der geduldigste Mensch auf Erden. Eigentlich kann es mir bei vielen Dingen gar nicht schnell genug gehen, weil ich viel zu neugierig auf die Ergebnisse bin. Deswegen verschlinge ich Bücher in einem Rutsch, um zu wissen, wie sie ausgehen, statt einfach die Momente und Atmosphäre zu genießen mit der Gewissheit, dass mir das Ende ja nicht weg läuft.

Nur die Natur lässt sich nicht drängeln. Das fängt beim Warten auf den ersten möglichen Termin für einen positiven Schwangerschaftstest an. Das geht weiter mit dem Warten auf das erste aussagekräftige Ultraschallbild. Dann wird die erste Kindsbewegung im Bauch herbeigesehnt. Dann das erste Mal, dass sich ein Fuß unter der Bauchdecke abzeichnet. Endlich die Geburt und das erste Mal ein echtes Ergebnis.

Doch dann geht es weiter mit dem Warten. Dass der Wurm das erste Mal ohne Schreien ausdrücken kann, was ihm fehlt. Dass er läuft. Dass die Schule startet. Dass die Teenager-Trotzphase vorbei geht. Dass die erste eigene Wohnung bezogen wird. Wann denn die Enkelkinder endlich kommen.

Und bei jedem dieser Schritte ist der innere Zwiespalt da, einerseits endlich am Ziel anzukommen, andererseits aber genau zu wissen, dass ein vorzeitiges Erreichen des Ziels sehr wahrscheinlich negative Folgen haben wird. Und bei jedem Schritt mischt sich die Sehnsucht ein, doch die Zeit anhalten oder zu einem früheren Schritt zurückgehen zu können, weil dass dann doch alles viel zu schnell geht. Die Momente genießen und dennoch loslassen und sich auf neue Momente einlassen zu können ist das Schwierigste überhaupt.

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Ein Kommentar zu “Geduld

  1. Engelchen sagt:

    Die Fähigkeit im Jetzt leben zu können finde ich sehr wichtig. Natürlich gelingt das nicht immer, aber das ist etwas, was ich üben möchte. Denn gestern ist schon vorbei und morgen noch nicht da. Alles was man hat ist das Jetzt. Und wenn man jetzt nicht hundertprozent im Jetzt ist, bereut man es nachträglich in der Zukunft.

    Das Buch „Der Weg des friedvollen Kriegers“ thematisiert dieses Thema sehr gut. Es gibt auch einen Film darüber: „Peaceful Warrior“. Nur wenn man es schafft, sich von der Angst vor der Zukunft, von der Verbissenheit und den Traumata der Vergangenheit zu lösen, kann man vollkommen im Jetzt aufgehen und Höchstleistungen erbringen. Einfach weil man das Jetzt geniesst und alles um sich herum (inklusive gestern und morgen) vergisst.

    Für ungeduldige Menschen ist das bestimmt eine speziell anspruchsvolle Aufgabe, aber an seinen Aufgaben wächst man 😉

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