Jeannie, Teil 1

Zu unserer Familie gehören auch zwei Katzen und die kommen irgendwie immer bei der Berichterstattung zu kurz, was ich sehr schade finde, da dies zwei wunderbare Geschöpfe sind und ein bißchen mehr Aufmerksamkeit kriegen sollten.

Den Anfang macht Jeannie, die ältere der beiden, auch genannt die Dicke oder Große oder Maus 🙂

Mein Mann hatte als Kind eine Katze und lag mir immer wieder in den Ohren, dass er doch gerne wieder eine haben möchte. Nur leider bin ich allergisch gegen Katzen, weswegen ich dankend ablehnte. Irgendwann im Sommer 2008 erzählte mir eine Bekannte, dass die Katze ihrer Schwester Junges bekommen hätte und sie diese jetzt gern loswerden würden. Und wenn sich niemand finde, dann würde sie eben, wie auf dem Dorf üblich, ertränkt. Es wären auch nur noch 2 Katzen übrig, aber für die gibt es keinerlei Interessenten.

Ich sagte spontan zu, dass wir eine Katze nehmen würden und besprach das dann später mit meinem Mann. Natürlich machte er sich Sorgen wegen der Allergie, aber ich meinte, das würde schon irgendwie gehen und vielleicht könne ich mich ja mit Medikamentenunterstützung selber hyposensibilisieren. Ich hatte da so Geschichten gehört und das würde schon klappen. Dachte ich.

Doch erstmal mussten wir um die Katze kämpfen, denn die Besitzer wollten sie so schnell wie möglich loswerden, am besten sofort, bevor sie irgendwelche Kosten verursachte. Dabei war sie gerade mal 6 Wochen alt und jeder Tierarzt, den wir kennen (und das sind nicht wenige), hat bestätigt, dass Katzen ca. 12 Wochen bei ihrer Mama bleiben sollen, solange, bis die Mama sie verstößt, was ein durchaus natürlicher Prozess ist. Wir redeten immer wieder mit den Besitzern und baten sie, die Katze noch ein wenig länger bei der Mama zu lassen, aber in der 9. Woche setzten sie uns die Pistole auf die Brust. Entweder wir holen die Katze sofort ab oder sie wird ertränkt.

Also sind wir mit einer Transportbox und einem kuschligen Handtuch bewaffnet los, um die Katze abzuholen. Sie war noch total klein, völlig verängstigt und maunzte die ganze Autofahrt zurück in die Stadt, die leider ein wenig dauerte.
Zuhause angekommen packten wir sie in die Küche, in der schon Futter- und Wassernapf, ein Kratzbaum und ein Katzenklohäuschen bereit standen. Wir hatten gelesen, dass man Katzen erstmal in Ruhe lassen sollte, damit sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnen und diese erkunden können. Also haben wir sie allein in der Küche gelassen. Ich hab aller Stunden nachgeschaut, ob alles ok ist, aber jedes Mal hockte sie immer noch in der Transportbox und traute sich nicht raus.

Nach 3 Stunden schaute ich wieder, und diesmal war die Katze weg. Ich suchte unsere überschaubar große 9 m² große Küche ab, konnte aber keine Katze finden. Nur ein leises Maunzen hörte ich, konnte aber nicht orten, woher. Ich rief meinen Mann zu Hilfe und gemeinsam suchten wir jetzt die Katze. Das Maunzen wurde ein wenig lauter und kam aus der Ecke hinter der Tür. Aber dort stand nur der Kühlschrank, sonst nichts. Und eine Katze war auch nicht zu sehen. Nach weiteren 5 Minuten Suchen und Lauschen meinte ich, wir sollten mal den Kühlschrank vorziehen.

Gesagt, getan, Und siehe, da war unsere kleine Katze. Eingeklemmt zwischen Kupferrohren über dem Kühlaggregat des Kühlschrank. Wie sie sich in diese missliche Lage zwängen konnte, ist uns immer noch unklar, weil der Platz hintern Kühlschrank und zwischen den Rohren eigentlich nicht dafür ausreichte. Aber vermutlich wollte sie wohin, wo es warm und dunkel war – und das war der ideale Platz.
Ich hockte mich jetzt also auf den Boden und versuchte, die Katze zum Verlassen zu bewegen. Aber sie hatte sich so verheddert, das ging weder vor noch zurück. Ich versuchte vorsichtig, ein Bein zu lösen, aber sie fing sofort wieder mit Maunzen an, so dass ich befürchtete, ich würde ihr Schmerzen zufügen. Ich war mittlerweile klatschnass geschwitzt und leicht panisch.

Doch ich konnte sie ja nicht da drin lassen. Also probierte ich es weiter, streichelte sie beruhigend und flüsterte ihr leise zu und versuchte es diesmal rückwärts. Ich könnte ein Hinterbein lösen und merkte, wie die Katze langsam nach unten rutschte. Ich war also auf dem richtigen Weg. Dann weiter, immer vorsichtig ziehen, die Vorderpfoten von den Rohren lösen, den Kopf ein wenig nach unten drücken, auf den Schwanz aufpassen und so arbeiteten wir uns Millimeter um Millimeter voran. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich sie aus dem Kühlschrank geschält und hab sie dann erstmal ganz lange bekuschelt und sie weiter gestreichelt. Sie maunze auch nicht mehr, sondern war, glaub ich, ganz dankbar, dass wir sie gerettet haben.

Sie zitterte immer noch am ganzen Körper und wurde auch wieder unruhig, so viel Nähe behagte ihr anscheinend nicht, Rettung hin oder her. Mein Mann verklebte den Spalt hinter dem Kühlschrank mit Pappstreifen, so dass die Katze nicht mehr dahinter krabbeln konnte und ich machte ihr meine Kuschelschafwärmflasche fertig, damit sie etwas zum ankuscheln hatte, wenn sie wieder nach Wärme suchte. Dann ließen wir sie wieder allein, schauten jedoch immer wieder mal bei ihr rein.

Beim letzten Kontrollgang an diesem Abend hatte sie es sich in ihren Katzenklohäuschen bequem gemacht. Höhle ist Höhle.

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3 Kommentare zu “Jeannie, Teil 1

  1. Engelchen sagt:

    Muss ja auch schlimm für so ein kleines Kätzchen sein, von der Mutter weg, an einen unbekannten Ort. Bei eine meiner Katzen mussten wir die ganze Küche ausbauen, weil sich der Racker immer weiter verkrochen hatte, weil er Angst vor uns hatte. Nach der Rettungsaktion war er uns wohl dankbar. Vorher wehrte er sich gegen jegliche Nähe, danach genoss er das Kuscheln und Streicheln, Beweis dafür war das Schnurren. Seitdem war er sehr kuschlig, bei fremden Menschen jedoch immer noch sehr ängstlich. Leider ist er vor einem Jahr spurlos verschwunden 😦

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    • xayriel sagt:

      Scheint ja wirklich so eine Sache zu sein,Katzen und Küchen 🙂

      Es tut mir leid, dass euer Kater verschwunden ist. Wir sehen auch immer wieder mal Vermisstenanzeigen bei uns im Park und das macht uns jedes Mal traurig 😦

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      • Engelchen sagt:

        Katzen haben ja die Fähigkeit, in Löcher zu verschwinden, die eigentlich viel zu klein für sie sind. Manchmal frag ich mich auch bei meiner ausgewachsenen Katze, wo die steckt, selbst wenn ich alle möglichen Verstecke abgesucht hatte, fand ich sie nicht – 5min später tauchte sie plötzlich irgendwo her auf – und zwar nicht von draussen, denn die Katzenklappe hätte ich gehört. Darüber staune ich immer wieder.

        Mich machen solche Vermisstenanzeigen auch immer traurig. Leider kann man nichts machen, ausser die Katze zuhause einsperren, was ich aber auch nicht so toll finde für die Katzen, wenn sie Freigang gewöhnt sind und man die Möglichkeit hat.

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