Jeannie, Teil 2

Am nächsten Morgen sahen wir, dass die kleine Katze gefressen, getrunken und ihr Katzenklo bestimmungsgemäß genutzt hatte und sie rannte auch nicht mehr vor uns weg. Also öffneten wir die Küchentür und die Katze konnte anfangen, die gesamte Wohnung zu erkunden.

Was sie tat. Gerne. Und viel. Und rennend. Und springend. Und kratzend.

Was jetzt noch fehlte, war ein Name. Mein Mann hatte gelesen, dass Katzen besser auf Worte mit i und a hören und deswegen ein Katzenname diese Buchstaben enthalten sollte. Wir grübelten und schmissen dann unsere Vorschläge zusammen, aber so richtig konnte uns keiner überzeugen.
Ich weiß nicht mehr, wie wir auf Jeannie gekommen sind oder wer den entscheidenden Vorschlag gemacht hat, aber wir waren uns sofort einig: das ist er.

Nachdem das nun geklärt war, blieb noch das Thema der Allergie. Als ich die Zusage für die Katze gemacht habe, konnte ich es nicht ahnen, aber ich war in der Zwischenzeit schwanger geworden. Somit erledigte sich auch das Thema mit der Medikamentenunterstützung. Und wie Katzen nunmal sind, sie gehen immer dahin, wo sie am wenigsten erwünscht sind. In diesem Fall zu mir.
Sobald ich mich auf dem Sofa lang gemacht hatte, kam Jeannie an, hüpfte auf mich drauf und legte sich auf meinen Bauch und schlief dort ein. Ich wurde dann mit schöner Regelmäßigkeit von einem Niesanfall nach dem anderen geplagt, aber das interessierte die Katze wenig.

Aber ich konnte Fortschritte entdecken. Von Tag zu Tag wurden die Niesanfälle weniger und nach 4 Wochen tränenden Augen und krabbelnder Nase waren die schlimmsten Beschwerden vorbei. Nur noch, wenn sie mich kratzte oder ich mir direkt nach dem Streicheln in den Augen rieb, gab es noch unschöne Reaktionen. Aber selbst die haben sich im Laufe der Zeit gegeben.

Jeannie hatte in der Zwischenzeit auch Fortschritte gemacht. Sie ist unglaublich gewachsen, unglaublich frech geworden und stellte sich als unglaublich intelligente Katze heraus. Wenn sie in ein bestimmtes Zimmer wollte, setzte sie sich vor die Tür und wartete, bis wir ihr aufmachten. Dabei beobachtete sie sehr genau, was wir machten und nach 3 Tagen Beobachtung schaffte sie es, von selbst die Türen zu öffnen, in dem sie an die Türklinken sprang und sich mit ihrem Gewicht solange dran hängte, bis sie auf war.
Da wir nur zwei abschließbare Räume hatten, nämlich Küche und Bad, und ich wegen der Allergie nicht wollte, dass sie zu uns ins Schlafzimmer kommt (ich wollte wenigstens einen allergenfreien Raum haben), schlossen wir sie nachts in der Küche ein. Außerdem konnten wir so auch verhindern, dass sie uns nachts sämtliche Pflanzen im Wohnzimmer zerlegt.

Jetzt im Nachhinein war das vielleicht nicht die klügste Entscheidung, aber damals wussten wir es nicht besser. Sie ist lange Zeit nicht so richtig zutraulich geworden, sondern rennt bei jedem etwas lauterem Geräusch erschrocken weg und versteckt sich in der hintersten Ecke. Sei es die Türklingel oder ein knarzender Stuhl – Jeannie macht den schwarzen Blitz. Das wurde dann besonders spannend, als wir schwangerschaftsbedingt umgezogen sind.

Wir hatten sie vorsorglich ins Bad gesperrt, damit sie aus dem größten Trubel raus ist, aber so richtig hat das nicht funktioniert. Als ich das erste Mal nach ihr schaute, hockte sie völlig verängstigt in einer Ecke und zitterte vor sich hin. Ich hab dann meinem Mann Bescheid gesagt, wo ich bin und da ich wegen meines dicken Bauches eh nicht mit tragen helfen könnte, hockte ich mich zu ihr ins Bad, packte sie mir auf den Schoss und streichelte sie beruhigend. Es dauerte ziemlich lange, bis sie mit dem Zittern aufhörte, aber sie rannte auch nicht weg, sondern blieb bei mir.

Und so haben wir gemeinsam den Umzug überstanden.

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