Murphy

Als unsere große Katze Jeannie ein gutes Jahr alt war und ich das mit der Allergie ganz gut auf die Reihe gekriegt habe, beschlossen wir, uns eine zweite Katze zuzulegen, damit die erste nicht so allein ist.

Uns wurde vom Tierheim ein junger Kater empfohlen, 12 Wochen alt, die Mutter ein Fundtier, über deren Verbleib nichts bekannt ist.
Er war so total anders als Jeannie, voller Energie, sprang und rannte durch die Wohnung und wagte sich auch an unseren Kleenen ran. Allerdings wehrte er sich auch, wenn der Kurze ihn zu sehr piesakte und so gab es öfter mal Geschrei und Kratzer auf dem Kindergesicht. Anscheinend funktioniert Lernen durch Schmerz nicht immer 🙂

Murphy ist ein absoluter Fresssack. Alles, was nicht in Schränken oder Plastikboxen verpackt wurde, wurde vom Kater gefressen. Silberpapier oder Folie hin oder her, der Typ hatte ständig Knast. Und er war erfinderisch. Er schaffte es, unseren Kühlschrank aufzubekommen und auszurauben, so dass wir an diesem eine Kindersicherung anbringen musste, obwohl unser Kind unseren Kühlschrank höchst uninteressant findet.

So sehr sich der Kater bei uns wohl fühlte, so vertrug er sich gar nicht mit Jeannie. Oder sie mit ihm. Sobald er der Dicken gewahr wurde, stürmte er auf sie los und tatzte ihr auf den Kopf oder versuchte, sie in den Nacken zu beißen. Das besserte sich auch nicht, als wir ihn kastrierten.
Er hatte sich in der Zwischenzeit leider auch angewöhnt, in die Wohnung zu pinkeln. Er wusste durchaus, was ein Katzenklo ist und wie man das benutzt, nur weigerte er sich eben. Vermutlich aus Protest oder eben doch zur Reviermarkierung.

Und er pinkelte wirklich alles an. Unser Sofa, unser Bett, die Sessel, an Türen, auf Tische, in Zimmerecken, an Wände. Egal, was, es wurde mit Urin getränkt. Er erhielt dann frühzeitig ein Schlafzimmerverbot – auf einem nach Katzenpisse stinkendem Bett zu schlafen ist wirklich eklig – und wurde nachts in die Küche eingesperrt. Auch, damit Jeannie nicht bestraft würde und sich weiter frei bewegen konnte.

Er pinkelte sogar in seinen Fressnapf. Und wie bei den Kerlen üblich, war er dabei nicht besonders treffsicher. Wir holten also eine flache Katzenkloschale, füllten sie halbvoll mit Katzenstreu und stellten dahinein seinen Fressnapf. Das ersparte uns immerhin das tägliche Aufwischritual. Ansonsten pinkelte er so 1-2 mal die Woche in eine Ecke. Einmal auch gegen die Arbeitszimmertür, als keinen Meter entfernt mein Mann sass und sich über das strullernde Geräusch wunderte. Oh mei, war der sauer. Aber Murphy hat das nicht weiter gestört.

Und er konnte so lieb und treudoof gucken und herzzerreissend niedlich liegen und schlafen. Und er ließ sich streicheln und sanft an den Ohren zupfen und am Bauch kraulen und konnte sich dekorativ zusammen rollen. Das hat einiges vom Ärger wieder wett gemacht.

Doch dann kam auch für ihn der Umzug. Da wir in der neuen Wohnung kein Laminat mehr haben, sondern schönen alten Dielenboden mit teilweise fingerbreiten Spalten zwischen den Dielen und der einzige „katersichere“ Raum die 8 m² große Küche gewesen wäre, durfte Murphy nicht mit in die neue Wohnung. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, wir haben Freunde und Bekannt gefragt, auf Arbeit Aushänge gemacht, aber niemand wollte oder konnte den Kater aufnehmen. Also sind wir wieder zum Tierheim gefahren und haben um Aufnahme des Katers gebeten.

Sie waren verständlicherweise wenig begeistert, haben ihn dann aber doch aufgenommen. Wir haben, auch um zu zeigen, dass es uns nicht um die finanziellen Aspekte ging, für ihn ein sogenanntes Sponsoring übernommen. Dabei zahlt man einen monatlichen Betrag, der zur Pflege des Tieres (und vermutlich auch der anderen Tiere) genutzt wird. Außerdem erfährt man so auch, wenn das Tier weitervermittelt wird, weil dann automatisch das Sponsoring endet.
Und es war uns schon wichtig zu wissen, dass es dem Kerl gut geht und dass er hoffentlich bald eine neue Familie findet.

Dennoch war der Tag des Abschieds absoluter Horror. Wir hatten Murphy ja lieb gewonnen und er war Teil unserer Familie. Das Verhalten des Tierheims war auch nicht hilfreich.
Wir klingelten am Katzenhaus, eine mürrische Frau öffnete und nahm uns wortlos, nachdem wir unser Anliegen schilderten, die Transportbox samt Katze ab, schlug uns die Tür grußlos vor der Nase wieder zu. Sie brachte den Käfig dann in ein Behandlungszimmer und stellte ihn auf den Tisch. Dort stand sie dann für längere Zeit, niemand kümmerte sich um Murphy. Wir standen draußen und ich weinte und ärgerte mich zugleich, weil ich so gerne noch Abschied genommen hätte.

Wir sind ein paar Tage später zur regulären Besuchszeit wieder ins Katzenhaus gefahren, um Murphy zu besuchen und zu schauen, wie es ihm geht. Wir haben ihn kaum wieder erkannt, so vollgefuttert war er. Aber es schien im gut zu gehen und er kam mit dem anderen Katzen gut klar.
Als wir einen Monat später zur Adventsvesper wieder vorbei schauen wollten, war Murphy bereits wieder vermittelt und die 10 Tage Probezeit waren auch schon rum.

Er hatte also ein neues Zuhause gefunden 🙂

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EDIT: Gestern war eine Dame vom Tierheim da, die sich vergewissern wollte, dass es Trinity gut geht. Und als sie von Murphy hörte, läutete bei ihr ein Glöckchen, den Namen hatte sie doch erst vor Kurzem auf der Liste gehabt und er war so ungewöhnlich, dass er sich bei ihr eingeprägt hat. Sie erzählte uns, dass es dem Kater im neuen Zuhause gut ginge und es dort auch keine Probleme mit dem Pinkeln gäbe. Und sie meinte, es wäre nicht so ungewöhnlich, wenn zwei Katzen sich nicht vertragen, dass dann eine „komisch“ wird und es durchaus normal ist, wenn die komische Katze dann in einer neuen Umgebung und dort der alleinige King ist, sich die anderen Probleme geben.

Coole Sache das 🙂

 

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