Lone Ranger

Wir waren dann letzte Woche doch noch im Kino. Das aktuelle Programm ist derzeit richtig mau, so dass wir uns trotz der vielen schlechten Kritiken für Lone Ranger entschieden haben. Wegen Johnny Depp und Helena Bonham Carter.

Das wichtigste zuerst: die schlechten Kritiken sind vollkommen berechtigt. Ich habe mich selten bei einem Film so gelangweilt, und ich habe echt schon ne Menge Rotz gesehen.
Auf satten 149 Minuten Länge zieht sich eine müde, absolut vorhersehbare Story wie Kaugummi. Es ist völlig unverständlich, warum dieser Film so lang sein muss. Für den Plot sicherlich nicht, denn der ist locker in 5 Minuten erzählt, mit allen Wendungen. Für die Charaktere auch nicht, denn obwohl sie von der Grundanlage viel Entwicklungspotential haben, bleiben sie den ganzen Film über flach und unausgereift.

Die beiden Helden sind der tatsächliche und einzige Lichtblick. Johnny Depp, der auf den Filmfotos sehr nach einem Jack-Sparrow-Verschnitt aussieht, schafft es, sich wohltuend von seiner Figur des Käpt’n zu distanzieren und einen sehr stillen, in sich gekehrten Indianer zu mimen. So etwas können nur die wirklich guten Schauspieler. Diese Leistung ist eine Herausforderung für Armie Hammer, um da nicht komplett in der faden Story unterzugehen. Und doch schafft er es, als guter Gegenpart zu überzeugen. Von dem möchte ich gerne mehr sehen.

Doch beide leiden unter der sehr schwachen Geschichte, die zu oft in Slapstick-Komik abrutscht und dort nur schwer wieder heraus findet. Überhaupt wurde die Komik in diesem Film zum Zwang, was mir besonders im Nachhinein massiv sauer aufstieß. Da stirbt des Heldens Bruder und er verzieht nicht einmal die Mine in Trauer, weil sofort der nächste Gag lauert. Da erfährt eine Frau vom Tod ihres Mannes und es bleibt nur Zeit für ein paar ungläubig aufgerissene Augen, da bereits wieder die Humorkeule geschwungen wird. Dass das Kind so völlig nebenbei vom Tod seines Vaters erfährt und nicht mal Zeit bleibt, eine Träne zu verdrücken – wenn nicht beim Kind, bei wem denn dann? – reiht sich da nur konsequent ein.

All dies wird mit unsäglicher Kinomusik von Hans Zimmer untermalt. Da bleibt kaum eine Sekunde ohne Noten, selbst die kleinste Geste muss noch musikalisch akzentuiert werden. Die eh schon schwer erträglichen, weil schon hundert mal in anderer, meist besserer Form, gesehenen Action-Szenen werden durch die Musik erst richtig zur Tortur.

Selten war ich so froh, dass ein Film endlich vorbei war.

Randbemerkung: Als wenn der Film nicht schon grausam genug war, war der Abend selbst auch keine Werbung fürs angeblich darbende Kino. Durch Personalmangel und weil unbedingt noch der Eisverkäufer ergebnislos durchs zum Glück spärliche Publikum gejagt werden musste, fing der Film erst mit guten 15 Minuten Verspätung an. Nach 20 Minuten wurde die Aufführung dann jäh unterbrochen, wir sollten doch bitte in einen anderen Saal umziehen, da es in jenem Saal technische Probleme geben würde. Wir 20 Besucher tauschten also mit den ca. 200 Besuchern des anderen Saals die Plätze. Wir hatten uns alle nach 5 Minuten sortiert, durften aber warten, bis dies auch die 200 anderen Gäste geschafft hatten, erst dann wurde unser Film wieder gestartet. Macht nochmal lockere 20 Minuten Wartezeit. Zu allem Überfluss wurde der Abspann, den ich mir tatsächlich gern in voller Länge gebe, in bester Fernsehmanier einfach so abgeschnitten.
Auf das als Wiedergutmachung angebotene Eis nach der Vorstellung habe ich verzichtet. Ich war pappsatt!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s