Feindiagnostik

Heute war der langersehnte Termin zur Feindiagnostik. Ich hatte ja den Krümel zum letzten Mal in der 8. Woche bei einem richtigen Ultraschall bestaunen dürfen und entsprechend neugierig war ich.

Das Kind hatte sich auch gut zurecht gelegt und saß aufrecht in Beckenendlage und hielt erstaunlich still. Vermutlich hatte es mein Spaziergang zum Pränatalzentrum einschlummern lassen. Also wurde zuerst der Kopf geschallt und grünes Licht gegeben. Alles an Ort und Stelle, alles so, wie es sein sollte, keine Auffälligkeiten, keine Abweichungen von der Norm. Man konnte sogar erkennen, dass das Gehirn sich langsam faltete, sich also gut entwickelte. Das Gesicht war allerdings teilweise durch eine quer liegende Hand verdeckt, so dass nur Profilansichten gelangen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei den Armen – 2 Stück vorhanden samt zugehöriger Knochen und Händen mit je 5 Fingern – ging es weiter zum Herz. Die Verkabelung war, soweit erkennbar, in Ordnung und auch die Herzkammern arbeiteten erwartungsgemäß.

Dann weiter zu den Organen. Magen, Leber, Blase – alles in Ordnung. Niere links – in Ordnung. Niere rechts – nicht in Ordnung. Da wurde dann länger geschallt und viel gemessen und am Ende festgestellt, dass sich dort eine Doppelniere (Wikipedia) gebildet hatte. Leider gab es dazu keine Erläuterung, was das genau bedeutet. Es wurde weiter gesucht und auch gefunden, nämlich Hydronephrosen (Wikipedia, englisch) beideseitig. Keinerlei Erklärung, was das ist, was es macht oder auch nicht und ob man es behandeln kann. Ich war ziemlich geplättet und hab den Rest der Untersuchung nur noch so halb mitbekommen. Meine Gedanken fingen sofort an zu rattern, wollten mehr Informationen. Wirbelsäule und Beine waren wohl auch ok, es wurden auch jeweils 5 Zehen gefunden.

Nach der Untersuchung gab es noch ein Aufklärungsgespräch, wo uns jede Menge Wahrscheinlichkeiten um die Ohren geknallt wurden. So habe ich wohl wegen meines Alters eine 0,3%ige Wahrscheinlichkeit, dass mein Kind an Trisomie 21 erkrankt ist, Ohne die gefunden Auffälligkeiten wären es 0,01% gewesen und damit praktisch ausgeschlossen. Aber mit den Auffälligkeiten bin ich wieder dabei bei den 0,3%.

Uns wurde angeboten, eine Fruchtwasserpunktion oder andere invasive Untersuchungen durchzuführen, was wir aber ablehnten. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation bei nur 0,2% liegt, ist es eben ein invasiver Eingriff. Und solange es keine weiteren Anzeichen für Fehlbildungen gibt, riskieren wir da nichts.

Was bei dem ganzen Gespräch fehlte, war eine Einordnung der ganzen Zahlen und Befunde. Ich war total verunsichert, konnte das alles nicht deuten, meine Gedanken rotierten auf Hochtouren, ganz viele wilde Ideen jagten durch meinen Kopf und am liebsten hätte ich mich in eine Ecke verkrümelt und geweint, weil ich mich so unglaublich hilflos fühlte.

Als wir wieder zuhaue waren, nachdem wir noch das große Kind vom Kindergarten abgeholt hatten, hab ich erstmal Wikipedia angeworfen und gelesen. Vor allem über die ganzen Fehlbildungssyndrome. Und überall wurde von Symptomen gesprochen, die unser Krümel nicht hatte. Der Krümel ist fast auf den Tag genau zeitgerecht entwickelt, hatte keine Herzfehler oder Kiefer-Gaumen-Spalte, kein Nackenödem, keine sonstigen Auffälligkeiten. All dies gab mir zwar immer noch keine Garantie, dass alles gut ist, aber es beruhigte mich.

Ich chattete danach noch mit einer Freundin, die gerade Medizin studiert und auch gerade ihr 3. Kind erwartet und sie nahm mir dann endgültig meine Sorgen. Sie zitierte aus Studien, wie oft diese Nephrosen auftreten und dass diese sich auch sehr oft wieder verwachsen und dadurch meist gar nicht entdeckt werden. Und die Doppelniere an sich sollte auch keine Beeinträchtigungen mit sich bringen und bleibt ebenfalls meist unentdeckt, wenn sie nicht durch einen Ultraschall aufgespürt wird.

Fazit: Alles halb so schlimm, sollte aber immer wieder mal kontrolliert werden.

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