Polizeiliche Vorladung

Als unbescholtener Bürger habe ich im Allgemeinen recht wenig mit der Polizei zu tun. Ich hatte immer mal wieder im erweiterten Freundeskreis Polizisten, seltsamerweise immer bei der Mordkommission, die dann so merkwürdige Jubiläen feiern wie die tausendste Leiche. Ab und zu wurden meine kreativen Parkversuche und mein eher sportlicher Fahrstil mit schriftlichen Auszeichnungen quittiert, bei denen ich leider immer für die Ausstellung der Glückwunschurkunde eine kleine Bearbeitungsgebühr entrichten musste. Dreimal war ich an Autounfällen beteiligt, einmal als Verursacher, zweimal als Geschädigte. Alle Male zum Glück nur Blechschäden. Und auch sonst hielt sich der Kontakt zu den Gesetzeshütern eher in Grenzen.

Ich habe bislang genau viermal eine Anzeige erstattet, und immer hatte es was mit meinem Auto zu tun.

Das erste Mal geschah noch zu Zeiten, als ich als Wochenendpendler unterwegs war. Weil 2x pro Woche 500km auf der Autobahn unterwegs zu sein auf die Dauer recht langweilig und auch kostenintensiv ist, lud ich gerne und zahlreich Mitfahrer ins Auto, die mir Gesellschaft leisteten. Ist ja auch ein Schnäppchen für 20 oder 25 Euro, in einer überschaubaren Zeit einmal quer durch die Republik zu kommen. Hin und wieder wurde versucht, diesen Preis noch zu verhandeln, doch meist nicht mal ernsthaft. Nur einmal meinte einer, 10 Euro für 500 km wären doch mehr als ausreichend. Als ich mich nicht darauf einließ, fing er an mich zu beschimpfen und zu bedrohen. Nur durch den Einsatz meines Mannes, den ich telefonisch alarmierte, konnte eine weitere Eskalation verhindert werden. Am nächsten Morgen entdeckte ich einen riesigen Kratzer auf der Beifahrerseite über die komplette Länge meines Autos. Ich erstattete daraufhin Anzeige, deren Verfolgung letztendlich eingestellt wurde, da Aussage gegen Aussage stand und ich außer einem starken Verdacht keine Beweise hatte. Ein ein paar Wochen später mitfahrender TÜV-Sachverständiger schätzte den entstandenen Schaden auf ca. 3500 Euro.
Den Kratzer hat mein Auto immer noch.

Ungefähr anderthalb Jahre später kam dann die nächste Anzeige. Mittlerweile war ich Tagespendler und fuhr um die 250 km täglich. Und eines Morgens meinte ein Autofahrer, dass die Autobahn ihm gehöre und versuchte mich erst, von der Autobahn abzudrängen und später auszubremsen. Mich hätte es an diesem Tag auch richtig zerlegen können, ich hätte nur einmal das Lenkrad in Panik umreißen oder nicht rechtzeitig genug bremsen müssen. Daraufhin war ich ziemlich fertig und hatte ganz schön zu knabbern, überhaupt wieder in ein Auto zu steigen. Was aus der Anzeige geworden ist, weiß ich leider nicht, da die Polizei darüber keine Auskunft erteilt.

Dann war einige Jahre Ruhe, bis mich im Stadtverkehr ein Transporter an der Seite streifte, weil er die Spur nicht halten konnte. An sich wäre das als normaler Unfall auch ohne Polizei durchgegangen, wenn der Transporterfahrer nicht entschieden hätte, den Unfall zu ignorieren und einfach weiter zu fahren. Selbst als ich ihn an der nächsten Ampel stellte und auf den Unfall hinwies, hielt er es nicht für nötig, anzuhalten und wenigstens die Kontaktdaten auszutauschen. Stattdessen beschimpften er und sein Azubi mich, von wegen Frauen am Steuer und die ganzen anderen Klischees. Dann also die Anzeige wegen Fahrerflucht. Auf der Polizei teilte man mir mit, dass der Fahrer kein Unbekannter wäre und wohl schon öfter aufgefallen ist.
Auch hier weiß ich leider nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Mein letzter Fall ist vom Juni diesen Jahres. Wieder einmal Autobahn. Wieder einmal ein Drängler. Der von hinten kam und bereits 300 m entfernt ausdauernd Lichthupe gab. Da die rechte Spur besetzt war und ich mich nicht in Luft auflösen kann, fuhr dieser Wagen bis auf wenige Meter – gefühlt Millimeter – auf und drängelte so lange, bis endlich rechts frei war. Nach dem Überholen zeigte mir seine Beifahrerin einen Vogel.
Ich hab in meiner Zeit als Autofahrer und mit über 300.000 selbst gefahrenen Kilometern echt schon einiges erlebt und bin relativ abgebrüht, was Raser und Drängler angeht, aber das war dann auch für mich ein neuer Höhepunkt. Ich stellte daraufhin Anzeige und diese wird immer wieder mal, wenn ich die Angelegenheit gerade eben vergessen habe, sporadisch bearbeitet.
Und so flatterte heute per Post die polizeiliche Vorladung ins Haus zur Durchführung einer „Wahllichtbildvorlage“. Wie arm wäre doch die deutsche Sprache ohne das Beamtendeutsch 🙂 Ich soll also aus mir vorgelegten Bildern die beiden Übeltäter herausfischen. Die ich nur für wenige Sekunden in zweifelhaften Lichtverhältnissen gesehen habe. Vor mehreren Monaten.

Das wird sicher ein Spaß 😀

EDIT: Termin ist nächsten Montag 8 Uhr morgens – uahhhh!

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