Babyratgeber von vor 35 Jahren

Meine Eltern brauchen Platz und entrümpeln gerade ihre Wohnung. Dabei sortieren sie auch jede Menge alter Bücher aus, die sie mir dann vermachen. Beim Durchgucken ihrer Schätze fiel mir ein Babyratgeber aus der DDR und dem Jahre 1976 in die Hände und beim Durchlesen bin ich auf die folgenden, für mich sehr befremdlich wirkenden, Passagen gestoßen:

Vor Babys Ankunft:

  • Gesunde Lebensführung ist die sicherste und beste Voraussetzung für das Gedeihen Ihres Kindes. Sicher wollen Sie sich niemals den Vorwurf machen müssen, daß Ihrem Kind, das Sie sich gewünscht haben, ein Mangel durch Ihr Verschulden anhaftet!
  • Aber ersparen Sie ihm [dem Kind] Genuß- und Arzneimittel -> das ist der einzige Hinweis, dass Alkohol oder Rauchen in der Schwangerschaft jetzt nicht so günstig sind
  • Reinigen Sie täglich Ihren ganzen Körper. Wechselduschen oder Kalt-Warm-Waschungen im Wechsel bereiten nicht nur Vergnügen, […]
  • Wochen- evtl. monatelang wird Ihre Brust Ernährungsquelle für Ihren Liebling sein. Härten Sie Ihre Brustwarzen darum durch kalte Waschungen und Bürstenmassagen schon jetzt ab
  • Nach der Geburt gehen Sie dann noch einmal auf Einkaufsbummel und beschaffen sich Kinderwagen, Wickelunterlage, Badewanne und Badethermometer. -> Wehe, diese Dinge werden vor der Geburt beschafft 😉

Babys erster Lebensmonat:

  • Stillen Sie Ihr Baby regelmäßig alle vier Stunden wechselweise an der rechten bzw. linken Brust, aber jeweils nur 20 Minuten. Gönnen Sie sich jedoch eine 8stündige Nachtpause. Ist Baby satt, pumpen Sie mit der Hand oder Milchpumpe Ihre Brust ganz leer, damit die Milchmenge nicht zurückgeht. Haben Sie viel mit einer Pumpe gewonnene überschüssige Milch, so denken Sie bitte an die kranken und schwachen Kinder, die diese dringend benötigen. Liefern Sie diese für Sie nutzlose Milch in der Frauenmilchsammelstelle ab. Für 1 Liter reiner Frauenmilch werden Ihnen 11,- Mark gezahlt.
  • Nach dem Trinken [von Fertignahrung], wenn nötig, auch schon zwischendurch, setzen Sie Baby aufrecht, denn es möchte aufstoßen. Tun Sie das nicht, wird es nach der Mahlzeit mit einem Teil der Nahrung sein hübsches frisches Jäckchen bespucken. Spuckt Baby trotzdem gern, müssen Sie das in Kauf nehmen. Gerade dann müssen Sie es vor dem Füttern frisch wickeln.
  • Seien Sie energisch, schicken Sie jeden, der Baby und seine Gegenstände berühren möchte, zum Händewaschen.
  • Seien Sie unbarmherzig erkälteten und erkrankten Personen gegenüber, lassen Sie sie nicht zum Kind! Seien Sie auch sich selbst gegenüber rücksichtslos! Baby verträgt auch die Bazillen der eigenen Mutti nicht. Binden Sie sich darum vor Nase und Mund ein dichtes Tuch, wenn Sie erkältet sind. Wenn Sie Baby versorgen, ziehen Sie eine nur hierfür bestimmte kochbare, möglichst weiße Kittelschürze über.
  • Küssen Sie Baby nicht auf den Mund oder die Hände!

Zwischen dem 2. und 4. Monat:

  • Babys Körper braucht jetzt schon zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe. Darum werden ihm ab 6. Lebenswoche bestimmt Obst- und Gemüsesäfte schmecken und dürfen an keinem Tag mehr fehlen. Beginnen Sie mit 1 bis 2 Teelöffel pro Tag und steigern dann bis auf 10 Teelöffel. Baby lernt gleichzeitig schon vom Löffel zu essen.
  • Ab 3. Lebensmonat gewinnt der Löffel ohnehin seine endgültige Bedeutung. Flaschennahrung allein macht Baby nicht mehr satt.
  • B i t t e  b e a c h t e n  S i e  a u ß e r d e m : Möhren-pur ist KEINE Säuglingsfertignahrung, sondern besteht nur aus feinen pürierten Möhren und Wasser. Es darf nur nach ärztlicher Beratung als Heilnahrung, z.B. bei Ernährungsstörungen, gegeben werden.
  • Hat Baby die ersten vier Monate in einem Körbchen geschlafen, so soll es jetzt aus dieser Enge heraus. Es muß Bewegungsfreiheit haben. Kaufen Sie ihm ein Bettchen.
  • Geben Sie ihm keine Stoff- und Plüschtiere. Sie sind nicht abwaschbar und können Krankheitskeime übertragen. Aus diesem Grund waschen Sie auch auf den Boden gefallenes Spielzeug ab, bevor Sie es zurückgeben.

Der 5. und 7. Monat:

  • Ab 5. Monat erhält Baby täglich einen Fertigbrei mit einem Fleisch- oder Leberzusatz.
  • Auch, wenn es sein Fläschchen liebt, sollte Baby abends jetzt einen Milchbrei erhalten. -> Gestillt wird anscheinend gar nicht mehr :/
  • Sitzt Baby etwa im 7. Monat allein, beginnt eine neue Periode, die ihm selbst Spaß machen wird und Ihnen Erleichterung verschafft: Das  Töpfchen tritt in Aktion. Seien Sie konsequent, aber geduldig. Gewöhnen Sie Baby an bestimmte Zeiten.

Kommt mir doch alles recht steinzeitlich vor, aber wer weiß, was in 30 oder 40 Jahren von den heutigen Methoden gehalten wird.

7 Kommentare zu “Babyratgeber von vor 35 Jahren

  1. blumenelfe sagt:

    Das Kind mit dem Töpfchen an bestimme Zeiten gewöhnen? =O
    Alles in allem bin ich froh in der heutigen Zeit Mama zu sein 😀

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  2. mupfens sagt:

    Meine Vermieterin hat auch solche Tipps auf Lager. Und sie ist schon über 80.
    Aber wie meine Mutter schon sagt, wir Menschen sind eine zähe Spezies und halten ganz schön viel aus.

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    • xayriel sagt:

      Die Kinder sind auch damals groß geworden, keine Frage, aber es wurde eben hauptsächlich auf die körperlichen Aspekte geschaut, die kleine Babyseele wurde gern mal übersehen. Und das finde ich schon traurig und bin froh, dass sich da die Zeiten gewandelt haben.
      Meiner Ma wurde übrigens im Krankenhaus auch diese 4-Stunden-Regel eingebläut, mit dem Ergebnis, dass sie gar keine Milch produziert hat und ich von Anfang an mit der Flasche großgezogen wurde. Und als meine erste Kinderärztin bei meinem Großen mit diesem Unsinn kam, hab ich den Arzt gewechselt 🙂

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  3. Franzi sagt:

    wen interessiert schon die Gretchenfrage….
    die töpfchenfrage..ist entscheidend 😀 :D..

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