Geburtsvorbereitungskurs – Teil 1

Es ist ja noch ein bisschen hin bis zum Stichtag am 21.3., doch der Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus meines Vertrauens startete schon heute. Es ist ein spezieller Kurs für Wiederholungstäterinnen und ohne Männer. Ich war sehr gespannt auf den Kurs, erstens weil die Klientel eines Geburtshaus doch ein wenig anders ist und ich nicht wusste, ob und wie ich mich da jetzt einfügen würde und zweitens weil ich so gar keine Vorstellung davon hatte, was in dem Kurs passieren wird.

Ich war extra pünktlich da, weil die Parkplätze in der Gegend recht knapp sind und zeitiges Kommen, wenn auch nicht die besten, so doch immerhin Plätze sicherte. Ein wenig erstaunt war ich, als ich den Raum betrat und dort einen Stuhlkreis vorfand. Vom letzten Kurs konnte ich mich noch erinnern, dass wir da immer auf Matten auf dem Boden gelümmelt haben. Nachdem der organisatorische Teil erledigt und alle Teilnehmerinnen eingetroffen waren, begann die obligatorische Vorstellungsrunde, die aber ein wenig anders ablief als ich das bisher kannte.

Wir wurden gebeten, unseren Namen zu sagen, und zwar denjenigen, mit dem wir auch angesprochen werden wollen, das konnte der echte oder aber auch ein Spitzname sein. Dazu sollten wir noch die Entstehungsgeschichte erzählen, wie unsere Eltern denn genau auf diesen Namen gekommen sind. Ungefähr die Hälfte hatte biblische Vornamen, weil die Eltern gläubige Christen sind. Die andere Hälfte hatte Vornamen nach Schauspielerinnen, Sängerinnen oder den Namen aus einem Filmabspann. Niemand hatte und wollte einen Spitznamen, jeder war mit seinem Namen zufrieden.
Außer mir. Mein echter Name war eine Notlösung meiner Mutter. Sie wollte mich ursprünglich ganz anders nennen, aber im Krankenhaus wurde ihr gesagt, das wäre kein richtiger Name und sie solle doch einen anderen aussuchen. Daraufhin wählte sie einen Allerweltsnamen, den ich dann im Gymnasium in unserer 20er Klasse mit 3 anderen Mädels teilte. Wenige Jahre später hab ich mir bei meinen ersten Gehversuchen im Internet einen Nickname ausgesucht, aus dem sich ein Spitzname entwickelte, mit dem mich heute alle anreden außer meinen Eltern und Arbeitskollegen.

Dann wurde geschaut, woher wir alle kamen und wo wir wohnten. Nicht eine Einzige wurde hier in der Stadt geboren, einige kamen es dem Umland, viele aus einem ca 150 km Umkreis, zwei von ganz weit weg. Wohnhaft sind bis auf einen „Wessi“ alle im Osten, Südosten oder Süden der Stadt.

Spannend war dann die Aufteilung nach Geschwistern. Als erstes die eigenen Kinder. Bis auf eine 3-fache Mutter haben alle nur ein Kind. Von den bereits vorhandenen Kindern sind zwei Mädchen, der Rest alles Jungs. Die Verteilung der „neuen“ Kinder wurde nicht erfragt, aber die errechneten Termine und die erstreckten sich vom 1.3. bis zum 14.4. Wir sind jetzt alle gespannt, wie gut diese Reihenfolge eingehalten wird und haben zur Erinnerung ein Foto gemacht.
Die Aufteilung „unserer“ Geschwister folgte. Ich war das einzige Einzelkind, die eine Hälfte war große Schwester, die anderen Hälfte hatte mindestens einen großen Bruder oder eine große Schwester, viele auch mehrere Geschwister (ich glaube, der Rekord lag bei insgesamt 7 Kindern).

Hier erzählte ich dann auch das erste Mal etwas recht persönliches, da meine Familiengeschichte minimal kompliziert ist. Denn mein leiblicher Vater hat noch 3 andere Kinder, meine Halbgeschwister. Ich kenne meinen leiblichen Vater aber nicht, da den Job mein Papa übernommen hat, welcher meine Ma kennenlernte, als ich 4 Monate alt war. Durch diese Konstellation habe ich auch keine Geschwister, da meine Eltern, allen voran meine Ma, befürchteten, dass sie ein gemeinsames leibliches Kind mir vorziehen würden und das wollten sie mir nicht antun. Ganz aus der Luft gegriffen ist diese Befürchtung leider auch nicht, denn die Schwester meiner Mutter hat nämlich genau dies getan. Meine Cousine stammt aus der ersten Ehe, ihre beiden Schwestern aus der zweiten Ehe und der Stiefvater hatte absolut keine Liebe übrig für sie und behandelte sie auch entsprechend. Ich fand das als Kind immer recht seltsam, begriff aber zu diesem Zeitpunkt die Zusammenhänge nicht.
Ich wollte immer Geschwister haben, weil ich dies von meinen Klassenkameraden kannte und ich auch einen Verbündeten gegen meine Eltern haben wollte. Aus genannten Gründen wurde mein Wunsch nicht erfüllt und ich bin mir auch des Opfers bewusst, das meine Eltern für mich gebracht haben, wenngleich ich die tatsächliche Gefahr des Vernachlässigtwerdens als sehr gering einschätze allein durch die Tatsache, dass meine Eltern sich genau dieses Umstands bewusst waren und alles getan hätten, um dies zu vermeiden. Aber dies ist nun nicht mehr zu ändern.

Die Geschichten der Geschwisterkinder waren auch sehr spannend und reichte von innigen Verhältnissen über erbitterte Konkurrenzkämpfe bis hin zum teilweisen Übernehmen der Mutterrolle für kleinere Geschwister. Bei einigen Geschichten merkte ich, dass sich damit schon intensiv auseinandergesetzt wurde, es aber immer noch einiges an Hadern mit dem Schicksal gibt. Ich finde, dass es für die generelle gute Atmosphäre in der Gruppe spricht, dass bereits beim ersten Termin so offen über augenscheinlich sehr emotionale Aspekte gesprochen wurde.

Nach diesem ersten Kennenlernen brauchten wir alle eine Verschnaufpause und so machten wir ein paar Bewegungsübungen. Beckenkreisen, Beckenkippen, Schultern lockern, mit den Armen schlenkern, räkeln und strecken. Alles Sachen, bei denen man so herrlich dusslig und ungelenk aussehen kann 🙂

Gleich darauf ging es wieder ans Eingemachte. Wir sollten von unserer ersten Geburt erzählen, wobei wir den Fokus auf die Dinge legen sollten, auf die wir besonders stolz sind und was uns vielleicht vom ersten Mal noch nachhängt und in die neue Geburt mitgeschleppt wird. So wie jede Geburt waren auch die Geschichten sehr unterschiedlich.

Die erste ging recht blauäugig ran, hatte sie sich doch mit Büchern von Frédérick Leboyer belesen und fühlte sich so ausreichend auf die Geburt vorbereitet. Die Realität hat sie dann ganz schnell ernüchtert, aber sie hat die Geburt trotzdem gut über die Bühne gebracht.
Die nächste fand sich zu sehr von der Klinik zu Schmerzmitteln und Medikamenten gedrängelt und möchte dieses Mal mehr selbstbestimmt sein.
Es folgte eine unkomplizierte Hausgeburt.
Dann eine weitere Klinikgeburt, die übermäßig lange dauerte, nach Vermutung der Mutter, weil sie noch nicht bereit war, loszulassen.
Als nächstes eine dramatische Geburt mit Blasensprung in der 32. Woche und Notkaiserschnitt, Frühchenintensiv und Infektionen, massiven Stillproblemen. Das Kind hat zwar alles gut überstanden, aber man sah der Mama an, dass noch ganz viel unverarbeitetes Trauma und Schuldgefühle dabei waren. Völlig nachvollziehbar, dass sie sich jetzt nichts sehnlicher als eine normale spontane Geburt wünscht, sie aber oft mit dem (Vor-)Urteil „einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt“ zu kämpfen hat.
Die Dreifachmama wünschte sich, dass die vierte Geburt ein wenig länger dauern würde, da ihre bisherigen Geburten alle turbomässig abliefen und keine zwei Stunden dauerten. Dafür waren alle ihre Kinder ca. 2 Wochen übertragen, jedoch ohne negative Folgen.
Die nächste Mama wurde eingeleitet, da bei ihr, zum Glück erst relativ spät in der Schwangerschaft, HELLP auftrat. Die Geburt war trotz Einleitung schön und auch nicht über die Maßen schmerzhaft. Hinterher stellte sich heraus, dass das Kind wohl schon zwei Wochen lang nicht mehr richtig versorgt wurde, es war nicht mehr gewachsen und die Plazenta war völlig verkalkt.
Als letztes noch eine Mama mit Diabetes Typ 1, die nach Einleitung und Geburtsstillstand per Kaiserschnitt entbunden wurde. Das Kind musste danach auf die Frühchenintensiv, aber dies scheint wohl üblich zu sein bei diesem Diabetes-Typ und auch beim jetzigen Kind wird es so sein. Da aber alle Bescheid wissen, ist das letztendliche Risiko für Mutter und Kind überschaubar. Auch dieser Mama merkte man beim Erzählen an, dass sie noch einen ordentlichen Rucksack mit sich rumschleppte.
Und meine Geschichte? Die folgt in einem separaten Eintrag 🙂

Nach diesem Trip in die Vergangenheit erstmal wieder was unverfängliches und so besprachen wir die möglichen Kursinhalte. Was wollten wir unbedingt noch wissen, was ist uns wichtig, was musste aufgefrischt werden, was kann aber auch weggelassen werden. Am Ende unterschied sich die Liste nicht wesentlich von meinen Erinnerungen aus dem ersten Kurs, aber Wiederholen kann ja nie schaden.

Zum Abschluss entspannten wir noch ein wenig bei meditativer Musik, die Kursleiterin lenkte unseren Fokus mal auf unsere Gedanken, mal auf unsere Atmung, mal auf unsere Bäuche. Es war ein guter Ausklang, wir konnten nochmal über die letzten 2 Stunden reflektieren und wurden nicht ganz so unsanft wieder in die kalte Realität geschubst.
Doch, war ein guter Termin, der noch ein wenig nachwirkt.

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3 Kommentare zu “Geburtsvorbereitungskurs – Teil 1

  1. Mama-I sagt:

    Hört sich an als würdest Du auch planen, im Geburtshaus zu entbinden? 🙂

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  2. xayriel sagt:

    Ich schwanke noch. Bis vor Kurzem war ich mehr für Geburtshaus, doch dann gab es so viele Komplikationen bei „meinen“ Märzmamis, da ist so richtig der Wurm drin, dass ich jetzt total unsicher bin und wohl lieber die Uniklinik nehmen werde. Außerdem bin ich grad sehr wehleidig und schmerzempfindlich und im Geburtshaus gibt’s nur Paracetamol, was mir auch so ein bissl Angst macht, ob ich es trotzdem schaffe.

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