Sehr ärgerlich

Zwei Tage vor Weihnachten bekamen wir ein Geschenk der besonderen Art in den Briefkasten gelegt: unsere Betriebskostenabrechnung für 2012.

Leider stand darin, dass wir für die 3 Monate, die wir in jenem Jahr in der Wohnung gewohnt haben, über 360 Euro Nebenkosten nachzahlen sollten. Dass in den letzten 3 Jahresmonaten mehr geheizt wird als im Sommer und da eine Nachzahlung nicht untypisch ist, war uns schon klar, nur fanden wir die Höhe ein wenig extrem. Aber nur so ein Gefühl haben reicht nicht aus, um wirkungsvoll etwas dagegen unternehmen zu können, weswegen ich den Rat eines Fachmanns brauchte. Ich rief bei der Verbraucherzentrale an und vereinbarte einen Termin zur Überprüfung der Abrechnung.

Ich fand mich also gestern pünktlich bei der Verbraucherzentrale ein und traf dort erstmal auf eine sehr genervte Empfangsdame. Sie hatte irgendjemanden am Telefon, der nicht begreifen wollte, dass nicht sie, sondern das Amtsgericht für sein Anliegen zuständig sei. Mit einer bewundernswerten Engelsgeduld erklärte sie dem Anrufer ein ums andere Mal, was er tun und wo er anrufen solle. Irgendwann schaffte sie es tatsächlich, das Gespräch zu beenden. Ich schilderte mein Anliegen, wurde auf einer Liste abgehakt und durfte die 15 Euro Beratungsgebühr bezahlen. Danach sollte ich vor der Tür des Beraters Platz nehmen und noch ein wenig warten, er hätte noch einen anderen Kunden.

Ich tat wie mir geheißen und keine 20 Minuten nach der vereinbarten Zeit war ich dann an der Reihe. Ich legte die Abrechnung vor und ließ den Fachmann seines Amtes walten. Er schaute sich alles aufmerksam an und fing dann an, die einzelnen Posten durchzurechnen und zu erklären. Er tat dies sehr ausführlich und wiederholte sich dabei immer wieder, was ich als sehr ermüdend empfand, da seine Erklärungen wenn auch ein wenig umständlich, doch durchaus leicht nachvollziehbar waren.

Es stellte sich heraus, dass die Abrechnung vollkommen in Ordnung war und auch die Höhe an sich nicht ungewöhnlich für einen sanierten Altbau. Daraus folgerte er messerscharf, dass die Vorauszahlung in keinster Weise angemessen war und vermutlich einer schön niedrig erscheinenden Lockmiete geopfert wurde. Für uns als Laien war dies dennoch nicht erkennbar, denn die im Mietvertrag vereinbarten Heiznebenkosten orientierten sich in der Höhe der in unserem Bundesland üblichen durchschnittlichen Kosten. Allerdings hätte die Hausverwaltung wissen müssen, dass diese Kosten nie und nimmer ausreichen, um die tatsächlichen Kosten zu decken.

Das Ganze untermalte der Fachmann mit konkreten Zahlen:

  • durchschnittliche Heizkosten: ca. 0,90 Euro / m² / Monat
  • im Mietvertrag vereinbarte Heizkosten: 0,87 Euro / m² / Monat
  • durchschnittliche Heizkosten des Gesamtobjekts: 1,23 Euro /m² / Monat
  • unsere tatsächlich verursachten Heizkosten: 1,25 Euro / m² /Monat

Macht also jeden Monat 0,38 Euro / m² / Monat zu niedrig angesetzte Heizkosten, was wiederum hochgerechnet auf die 3 Monate und die knapp 94 m² Wohnfläche 107,16 Euro macht. Desweiteren rechnete er vor, dass wir pro Quadratmeter insgesamt nur 1,75 Euro Nebenkosten zahlen, obwohl die Empfehlung bei 2,20 Euro, bei Altbauwohnungen und Dachgeschoss besser 2,50 Euro liegt. Dazu kommen eben noch die anderen Betriebskosten und das nicht vorhandene Nebenkostenpolster aus den Sommermonaten und schon entsteht so ein horrender Betrag.

Für das Jahr 2013 rechnet der Experte aufgrund obiger Zahlen mit einer Nachzahlung von mindestens 500, wahrscheinlich eher 600-700 Euro, da es ja doch ein recht langer Winter war.

Dass ich nicht direkt in Jubelschreie ausgebrochen bin, kann wohl gut nachvollzogen werden. Ich fragte, welche Möglichkeiten wir denn jetzt hätten, aber da winkte er nur ab. Es wäre maximal arglistige Täuschung möglich, aber die würde bei Gericht nur durchgehen, wenn die Nebenkosten um mindestens die Hälfte zu niedrig angesetzt wären, also irgendwo um die 1,20 Euro rum.
Alles in allem hätten wir noch „Glück im Unglück“, weil wir bereits nach einem guten Jahr wissen, wie hoch die eigentlichen Nebenkosten sind. Wären wir im Januar eingezogen, hätten wir das erst nach 2 Jahren erfahren. Und das wäre der Moment, bei dem viele Mieter den Mietvertrag kündigen, weil sie sich über den Tisch gezogen fühlten. Tät ich ja auch gerne machen, gerade auch wegen dieser unsäglichen Schimmelgeschichte und der Reaktion der Hausverwaltung darauf, aber wieder 1000 Euro für einen Umzug haben wir grad nicht, zumal das außerdem immer eine Menge Stress bedeutet. Aber mittelfristig werden wir uns wohl nach einer neuen Wohnung umschauen.

Eigentlich soll die Nachzahlung bis morgen an die Hausverwaltung überwiesen werden, aber das können die sich erstmal an die Backe schmieren. Es ist Jahresanfang und da will so ziemlich jeder Geld haben und mein Konto ist schlicht und ergreifend leer. Wenn ich Glück habe, ist mit dem Februargehalt genug Geld da, um den Betrag ohne große Bauchschmerzen abdrücken zu können.
Zusätzlich werden wir jeden Monat 50 Euro zurücklegen, damit wir in einem Jahr die Nachzahlung für 2013 halbwegs stemmen können.
Und ich werde die Hausverwaltung anrufen und ihnen mitteilen, dass ich ab Februar die Nebenkosten eigenständig um 50 Euro anheben werde, damit wir eine mögliche Nachzahlung für 2014 minimieren. Außerdem werde ich denen mal gepflegt sagen, als was für eine Sauerei ich das Ganze empfinde. Ich hoffe, ich kann mich einigermaßen in Zaum halten, denn ich bin richtig wütend und im Moment sollte mir keiner von denen im Dunkeln begegnen.

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