Ikea

Ausflüge zu Ikea sind bei uns in den letzten Jahren immer spannend, was vielleicht auch daran liegt, dass der Anfahrtsweg so unglaublich lang ist und wir erst jedesmal eine gute halbe Stunde quer durch die Stadt müssen. Als ich noch im Südwesten der Republik wohnte und ein Ikea direkt neben meinem 10-minütigen Arbeitsweg hatte, gab es nie solche Dramen.

Das letzte Ereignis dieser Art gab es vor knapp 1,5 Jahren und trug sich so zu:

Eigentlich wollten wir ja nur kurz zu Ikea. Eigentlich!

Wir haben auch alles generalstabsmäßig vorbereitet:
Einkaufsliste online zusammengestellt und ausgedruckt, Fahrer mit Kombi und Anhänger organisiert, Wohnungsverwaltung bequatscht, dass wir eher in die Wohnung dürfen, 10%-Rabattaktion beim Schweden.

Tja, aber es gibt Dinge, die kann man einfach nicht beeinflussen. Zum Beispiel, dass just an diesem Tag Coldplay in der Stadt spielt und die komplette Innenstadt durch Besucherverkehr lahmgelegt und die direkte Schwedenzufahrt gesperrt ist. Oder dass die einzige andere Ausfallstraße zu den 4 gelben Buchstaben wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Oder aber dass im Möbelhaus selbst so ein Andrang herrscht, dass wir erst eine geraume Weile suchen mussten, bis wir einen freien, hilfsbereiten Mitarbeiter gefunden haben. Oder dass es so voll war, dass wir eine halbe Stunde allein an der Kasse gestanden haben, nur um dann festzustellen, dass die Rabattaktion einen eher fauligen Beigeschmack hat. Denn anstatt 10% vom Kaufpreis erlassen zu kriegen, gibt es nur einen Aktionsgutschein mit den 10% – und der ist sage und schreibe 6 Monate gültig. Na klar, nachdem ich da 3 Einkaufswagen vollgekracht habe, gehe ich die nächsten 6 Monate garantiert wieder zu Ikea. Soviel Wohnung haben wir gar nicht. Also ein wenig den Aufstand geprobt mit dem Erfolg, den Aktionsgutschein in einen normalen, 3 Jahre gültigen Gutschein umgewandelt zu haben.

Doch der Lichtblick war nur von kurzer Dauer, denn an der Warenausgabe haben wir nochmal 45 Minuten gewartet. Da waren die leckeren Hotdogs nur ein kleiner Trost. Als dann die Waren kamen, dachte ich sofort an Mission Impossible. Nach einer ausgiebigen Expertenrunde Tetris war dann doch alles auf die 2 Autos und den Anhänger verteilt, und kurz vor 22:30 Uhr konnten wir dann wieder Richtung Heimat. Aber kaum sind wir losgefahren, fing es an zu regnen – und das bei einem offenen Anhänger und den praktischen Pappverpackungen von Ikea. Passt! Dass sich nach 3 Kilometern der erste Spanngurt löste, ist da nur eine Randnotiz. Zurück in der Stadt haben wir den ausfallenden Besucherverkehr des Abends nur um Haaresbreite verpasst, war aber trotzdem noch nervig durch die Streckensperrungen.

Der Rest ging dann zum Glück aber glatt, und auch der Kleene hat die ganze Zeit ganz lieb mitgemacht, nicht gezickt und nur ganz wenig gejammert. Er hat mich richtig stolz gemacht!

Den erwähnten Gutschein hatten wir immer noch, weswegen ich auch einigermaßen optimistisch war, was den Kostenfaktor der heutigen Aktion anging. Aber Ikea wäre nicht Ikea, wenn nicht doch der eine oder andere ungeplante Gegenstand im Einkaufswagen landete. Überhaupt bestand das Erlebnis heute aus vornehmlich ungeplanten Sachen.

So verschob sich meine Abfahrt durch diverse unvorhergesehene Dinge um gute 2 Stunden, so dass ich spontan beschloss, Mann und Kind als Einkaufsberater mitzunehmen. Außerdem könnten wir so auch das „was gibt’s eigentlich zum Abendbrot“ Problem erledigen. Mit Mann also Treffpunkt verabredet und zum Auto gelaufen. Den Schnee vom Auto gekehrt und festgestellt, dass unter dem Schnee ein dicker Eispanzer matt glänzte. Ein bisschen auf dem Panzer rumgekratzt, aber fast nix bewirkt. Ins Auto gesetzt, dem Gatten eine SMS geschrieben, dass ich mich ein wenig verspäte, dann verbotenerweise das Auto angelassen und die Heizung auf höchste Stufe gedreht. Wieder ausgestiegen und weiter gekratzt. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich erste Löcher im Eispanzer und dann ging das mit dem Kratzen eigentlich recht fix. Trotzdem rechnete ich mit einem grummelnden, durchgefrorenen Mann am Treffpunkt.

Er hat zwar gegrummelt und ihm war auch kalt, aber das hatte ich schon schlimmer erlebt. Kind schnell vom Kindergarten abgeholt und dann ab ins Möbelhaus. Dort angekommen durch die Ausstellung gebummelt und meine Einkaufsliste versucht, abzuhaken, was vor allem dadurch erschwert wurde, dass es das Antonius-Regalsystem nicht mehr im Sortiment gab. Entweder die Ausweichvariante oder aber improvisieren und bis zur Warenhalle schaute ich hier und da und begutachtete andere Regale und Schränke und grübelte darüber nach.

Beim Essen wälzte ich den Katalog, was aber überhaupt nicht hilfreich war, weil ich da drin nix gefunden habe. Dann die Kinderabteilung, wo zwar das gewünschte Babybett, aber leider nicht die gewünschte Matratze ausgestellt war. Das Mobile, was ich eigentlich haben wollte, gab es auch nicht. Dann noch durch die Markthalle, wo ich mir noch eine Garnitur Teelöffel holen wollte. Gab es nur nicht. Überhaupt war die Besteckabteilung sehr enttäuschend, das hatte ich schon anders erlebt. Dafür haben wir aber die gewünschten Teller und Schüsseln bekommen. Wir brauchten dringend Ersatz, zwei Katzen und ein Kind sind nicht unbedingt förderlich für den Geschirrbestand. Als Belohnung für uns Großen gab es jeweils noch einen großen Teepot, falls mal wieder einer kaputt gehen sollte.
Und fürs Kind, was wirklich ganz tapfer mitgemacht hat, gibt es morgen (heute war es dafür schon zu spät) als Belohnung eine Zickzackschere.

Zum Glück haben wir alle Möbel in der Warenhalle gefunden und mussten nicht noch extra zur Warenausgabe. Dann schnell zur Kasse, alles eingescannt und beim Gesamtpreis kurz einen Herzstillstand bekommen, da wir minimal ein wenig ganz schön über das angepeilte Ziel hinausgeschossen sind. Der Gutschein hat den Schock ein wenig abgemildert, doch hatte ich eigentlich mit weniger gerechnet. Letztendlich sind die Ausgaben genau im Rahmen, ich hatte nur bei der ursprünglichen Planung vergessen, zwei CD-Regale mit einzurechnen und das war genau der Betrag vom Gutschein. Nun ja, irgendwas ist immer.

Alles relativ problemlos im Auto verstaut und ab nach Hause. Im Schneckentempo. Denn es hatte angefangen leicht zu schneien. Und bei uns im Flachland bedeutet eine Schneeflocke automatisch den Notstand. Irgendwann hatten wir es dann doch geschafft, mein Mann schleppte brav alles nach oben, während ich das Kind bettfertig machte. Und jetzt lungern wir beide auf der Couch, unwillig, uns überhaupt noch einen Zentimeter zu bewegen.

Nun hoffe ich, dass ich nix vergessen hab und nicht so bald wieder dahin muss.

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