Sotschi – Eröffnungsfeier

Zum Glück ist sie vorbei. Und das ist auch schon das Beste, was man dazu sagen kann.

Selten habe ich eine so langweilige und leblose Zeremonie gesehen.

Als erstes durften die Athleten die Arena betreten. Finde ich eine gute Sache, bekommen so die Sportler auch etwas von der Zeremonie mit, nicht wie früher, wo sie erst gegen Ende mitmachen durften und so einen Gutteil verpasst haben. Interessant fand ich wie immer die Garderobe der Teilnehmer. Das reichte von traditionell (Russland) zu kunterbunt  bis zu langweilig (Irland) und lieblos (Frankreich). Die Deutschen stachen mit ihren regenbogenfarbenen Anoraks ein wenig heraus und ich hoffe, sie können das mit ihren sportlichen Leistungen fortführen.

Es folgte ein Abriss über die russische Geschichte, der sich von der Antike bis zur Neuzeit zog. Mit allem Drum und Dran, vielen Teilnehmern, viel Kulisse, viel Ballett. Vor allem eben viel. Und das Viel war nervenaufreibend. Mir fehlte der rote Faden. Es wurde zwar versucht, durch ein kleines Mädchen – unschuldig-niedlich geht ja angeblich immer – den Bogen zwischen den einzelnen Etappen zu spannen, was aber gründlich daneben ging. Das Mädchen wurde immer wieder in Szene gesetzt, aber eine Verbindung konnte ich nicht erkennen.

Besonders schlimm fand ich die Inszenierung der Neuzeit. Fast glaubte ich zu meinen, dass die Wende nie in Russland angekommen ist, so bunt und nett wurde das alles dargestellt. Die Propagandamaschine funktioniert also noch.

Die Musik war anstrengend. Die sehr treibenden Klänge in Endlosschleife zum Einlauf der Athleten verursachten mir Kopfschmerzen. Die in der gesamten Feier gespielte, hauptsächlich klassische Musik hat mir den letzten Nerv geraubt. Nur selten gelang es der Musik wirklich, Akzente zu setzen und diese wurden, wie bspw. bei der Tron-Titelmelodie und der dazugehörigen Lichtinstallation, dann auch noch versemmelt, weil Takt und Bild nicht so recht zueinander passen wollten.

Der offizielle Teil wurde durch zwei langatmige Reden geprägt. Dass der russische NOC-Präsident alle über den grünen Klee lobte, kam nicht überraschend. Dass dies auch der IOC-Präsident tat, hat mich erstaunt. Besonders seine immer wieder geforderte Zurückhaltung bzw. Nichteinmischung, sowohl von Sportlern als auch Politikern, fand ich anmassend. Sicher will er vor allem friedliche Spiele, bei denen der Sport im Vordergrund steht, aber dennoch hatte ich erwartet, dass er ein klareres Zeichen gegen Diskriminierung und für die Einhaltung der Menschenrechte setzt, was ja durchaus dem Olympischen Gedanken entspricht.

Bezeichnend war auch das Entzünden der Olympischen Flamme. Wie üblich gab es einen Staffellauf mit berühmten russischen Sportlern, die sich sichtlich darüber freuten, die Fackel tragen zu dürfen. Doch als es darum ging, die Fackel aus dem Stadion zur großen Fackel auf dem Platz davor zu bringen, setzte sich wieder die Lieblosigkeit fort. Da wurden zwei ältere, gestandene Sportlerlegenden über einen weiträumigen Platz geschickt, der mehr an ein Rollfeld erinnerte. Endlos liefen sie über das schmucklose Vorfeld, bis sie endlich am Zielort ankamen. Das eigentliche Entzünden der Flamme war unspektakulär und lief fehlerfrei. Es mag dem besonderen Charakter Olympischer Spiele zuzuschreiben sein, aber als das Feuer anging, hatte ich doch einen dicken Kloß im Hals und ein wenig Pipi in den Augen.

Das anschließende Feuerwerk war erst großartig, bevor es dann bei der zweiten Wiederholung in das gewohnte langweilige Zuviel ausartete.

Abgerundet, und leider muss ich das so sagen, wurde die gesamte Übertragung durch die ausgesprochen schlechte Moderation von Anne Gellinek, ihres Zeichens Russlandkennerin. Zu viele Versprecher, zu oft das Mikro offen bei internen Absprachen, ein stammelnder Sprechstil. Fast wünschte ich mir Kathrin Müller-Hohenstein als Co-Moderatorin und das will was heißen, da ich diese Person überhaupt nicht abkann und mir ihr durch die Zähne gepresstes Nuscheln gehörig auf den Keks geht. Der gewohnt routinierte Wolf-Dieter Poschmann konnte sich noch so viel Mühe geben, doch so ein Versagen konnte er einfach nicht kompensieren.

Fazit: Ein seelenloses Spektakel, bei dem einfach nicht der Funke überspringen wollte. Sicher liegt die Messlatte nach London extrem hoch, aber gerade eine so reiche Seele wie die russische hat da doch wesentlich mehr Potential. Ich kann nicht mal sagen, dass die Feier durch technische oder akrobatische Raffinesse, wie bspw. in Peking, heraus stach.

Ich hoffe, dass sich diese Stimmung bei den Wettkämpfen ändert und die Athleten richtig Spaß haben werden.

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4 Kommentare zu “Sotschi – Eröffnungsfeier

  1. Das Entzünden des Feuers auf diesem leeren Platz fand ich auch ganz schlimm. Seien wir gespannt auf die Wettkämpfe.

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  2. Mama-I sagt:

    Ja, irgendwie hat die Musik bei mir nur immer wieder das Gefühl untermauert, Putin gern ins Gesicht schlagen zu wollen. Die Worte vom IOC-Chef fand ich auch richtig richtig gruselig, nach dem Motto „lasset uns doch nun endlich alles ordentlich todschweigen und gut is“ (dazu passt übrigens auch das Statement vom IOC zu den Homo-Festnahmen- wäre ja schließlich total berechtigt, bei unangekündigten Demos die Leute einzusammeln und außerdem wären sie dann ja nicht lange festgenommen gewesen). Wobei natürlich die Anti-Homo-Demo fast schon erwünscht war, nur leider ging es ja gar nicht, dass da das verbotene Wort HOMO auf nem Plakat stand…. Ach, grummel! Ich wünsche den Spirtlern natürlich allen Erfolg. Darum sollte sich das genze drehen. Nur der bittere Beigeschmack bleibt irgendwie. Die treffendsten Worten fanden meiner Meinung nach leider die Mädels von Pussy Riot. Sinngemäß- Glaubt bloß nicht das, was versucht wird, hier darzustellen. Das ist nicht das wahre Russland. (Leider) Und eigentlich hätte ich riesen Interesse mal dort hin zu reisen, aber ich bin nicht so scharf auf den russischen Knast.

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