Loslassen

Beim gestrigen Vorsorgetermin sagte meine Hebamme zu mir, dass die Geburt erst starten würde, wenn ich auch innerlich bereit bin, loszulassen.

Seitdem denke ich darüber nach und ich bin tatsächlich noch nicht soweit. Im Moment genieße ich einfach die intime Zweisamkeit, die ich mit dem Krümel habe. Jeder Tritt ist ein kleine Dialog zwischen uns. Ich spüre, wie er sich im Bauch wohl fühlt, wie sicher es  da ist. Draußen lauert nur die böse, böse Welt und der Weg dahin ist auch nicht ohne. Erschwert wird das Loslassen zusätzlich dadurch, dass mein Mann und ich beschlossen haben, dass es wohl das letzte Kind bleiben wird.

Am Anfang, als der Himmel noch voller Geigen hing, sprachen wir immer von drei Kindern, die wir haben wollten. Mein Mann kennt es, viele Geschwister zu haben und wollte das auch seinen Kindern weiter geben. Ich kenn nur die Einzelkindseite und wollte dies für meine Kinder unbedingt vermeiden. Doch es ist wirklich nicht einfach in diesem Land, Kinder zu haben. Ich bewunder Familien, die 4, 5 oder noch mehr Kinder haben und frage mich, wie sie das machen. Und es geht dabei nicht nur um die staatlichen Angebote wie Krippen- oder Kindergartenplätze. Vor allem ist es ein gesellschaftliches Problem, welches Kinder nur bedingt akzeptiert. Beispielsweise bei meinem Mann auf Arbeit, wo sich zwei Kollegen jeweils abwechselnd in die Weihnachts- und Osterferien teilen müssen – bei einem Job, der es wirklich verkraftet, wenn die beiden mal eine Woche gleichzeitig ausfallen, besonders wenn es noch vorher angekündigt wird. Aber so lange sich der kinderlose Chef auf Kosten seiner Untergebenen bei den ebenfalls kinderlosen Bossen profilieren will, wird sich da nix ändern.

Finanziell werden mehr Kinder auch zum Wagnis. Wie oft muss ich mir vorwerfen lassen, dass ich eine Rabenmutter bin, wenn ich nach einem Jahr wieder voll arbeiten will und muss und das Kind in eine Krippe stecke. Bringt es einem Kind wirklich mehr, wenn es zuhause von seiner totunglücklichen, weil unterforderten Mutter betreut wird, die viel lieber arbeiten gehen würde? Was nützt das Kindergeld, wenn es derzeit in der kompletten Höhe vom Kindergartenbeitrag aufgefressen wird? Vom Krippenbeitrag mal ganz zu schweigen.

Also bleibt es wohl bei den beiden Kindern. Und für das zweite ist noch nicht alles vorbereitet. Wir haben zwar eine Betreuung für den Großen während der Geburt gefunden, aber bis auf ein generelles OK ist da noch nichts geklärt. Falls die Geburt über Nacht geht, wo kann der Kleene schlafen? Wie ist das mit dem Kindergarten, müsste der Ersatzpapa auf Zeit evtl. den Erziehern vorgestellt werden, falls das Kind von ihm abgeholt oder gebracht werden muss? Wie erfolgt der Transport zur und von der Ersatzfamilie? Was muss alles in die Kindertasche gepackt werden?

Haben wir zuhause wirklich alles vorbereitet? Ich hab dauernd das Gefühl, irgendetwas total wichtiges vergessen zu haben, doch immer wenn ich meine interne Checkliste durchgehe, ist alles vorhanden. Es ist auch nicht hilfreich, dass mein Mann bislang seinen Chef noch nicht davon überzeugen konnte, dass er nach der Geburt, quasi auf Zuruf, eine Woche Urlaub nimmt. Dies allerdings ist notwendig, damit mir meine Hebamme auch die Geburt im Geburtshaus erlaubt, denn sie ist nicht bereit, eine direkt nach der Geburt herumwuselnde Neumama zu betreuen, weil dies zu allen möglichen Komplikationen führen kann.

Dann doch lieber alles so lassen, wie es jetzt ist *seufz*

4 Kommentare zu “Loslassen

  1. Mama-I sagt:

    Ach ja, loslassen… seufz. Werde ja gleich wieder sentimental. Ich glaube, es ist mir bis zum Ende nicht gelungen. Aber dann wurde der Kleine mir ja aus dem Bauch geholt, loslassen war also nicht Bedingung für die Geburt. Obwohl ich jetzt natürlich überglücklich bin, denke ich schon mit Wehmut zurück *schluchz*.

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    • xayriel sagt:

      Es wird langsam besser bei mir, unterstützt durch das wieder erstarkte, ewig nervige Sodbrennen 😉
      Außerdem werden die ganzen kleinen noch zu erledigenden Sachen Stück für Stück abgearbeitet und bald sitz ich bestimmt gelangweilt da und warte, dass es endlich losgeht.

      Kann deine Wehmut sehr gut verstehen und egal, wie viel Vorlaufzeit man hat, man ist nie wirklich bereit oder gänzlich vorbereitet *knuddel*

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