Aufgeklärt

Wir wurden heute im Geburtshaus aufgeklärt. Nicht über die Sache mit den Bienchen und Blümchen, das wäre jetzt irgendwie schon zu spät gewesen. Aber über die Risiken und Nebenwirkungen einer Geburt im Geburtshaus.

Hauptsächlich ging es darum, was bei einer Geburt so alles passieren könnte, das dann eine Verlegung ins Krankenhaus nötig macht. Und das ist schon eine ganze Menge. Eigentlich so viel, dass ich mich gefragt habe, ob normale Geburten überhaupt möglich sind. Letztendlich wollen die Hebammen sich aber nur gegen alles mögliche absichern und sie sagten uns auch von vornherein, dass sie eher zu früh verlegen lassen und nicht auf Biegen und Brechen jede Geburt dort durchziehen.

Es wurde erklärt, wie eine Verlegung erfolgen kann. Entweder im Taxi, da die Hebamme nicht gleichzeitig Auto fahren und Gebärende betreuen darf, oder falls es einen extra Fahrer gibt, im privaten PKW. Bei bestimmten Situationen muss auch ein Krankenwagen gerufen werden, was aber 10 – 15 Minuten dauern kann und damit fast 3 mal so lang wie die Fahrt mit dem Taxi., aber manchmal geht es eben nur so. Der Mann/Partner hat bei allem ein wenig das Nachsehen, da sich die Hebamme oder auch ein Rettungswagenteam nur um die Frau und/oder das Baby kümmert.
Wir sollten deswegen schon vorsorglich Bargeld fürs Taxi in den Mutterpass legen, damit wir nicht im brenzligsten Moment erst danach suchen müssen.

Im Geburtshaus selbst haben sie natürlich keinen Arzt und keinen OP, könnten aber bei Notfällen das Kind fit spritzen oder die Wehen beschleunigen. Sie werden die Dinge aber nicht bei normalen Geburten verwenden, da sie bei einer etwaigen Verlegung ins Krankenhaus eine mehr oder weniger „jungfräuliche“ Frau übergeben wollen, mit dem vollen Spektrum der Beschwerden und ohne mögliche Kontraindikation, was eine vorangegangene Medikamentengabe angeht.

Es klang alles recht unaufgeregt und ich hatte immer das Gefühl, dass sie das kopflose Umherwuseln einzig den werdenden Eltern überlassen. Es wurde mehrmals betont, dass das Geburtshaus zu allen Krankenhäusern in der Umgebung einen sehr intensiven Kontakt und dort auch einen guten Ruf habe*. Trotzdem kann es mal vorkommen, dass es kleinere Sticheleien gibt, vor allem bei den Krankenwagenfahrern, die das Geburtshaus eben nicht kennen.

Neuerdings gibt es wohl auch eine Vereinbarung mit der Uniklinik, dass ein Kinderarzt, falls nötig, ins Geburtshaus fährt samt Wärmebettchen und dem großen Notfallkoffer und dann die Betreuung direkt vor Ort und bis ins Krankenhaus übernimmt.

Wir dürfen jetzt noch 24 Stunden warten und mindestens einmal ausgiebig über das ganze Thema schlafen, dann startet die Rufbereitschaft. Wir können uns auch jederzeit, ohne Angabe von Gründen, umentscheiden.
Was noch spannend wird, ist, dass meine Hebamme ab 21.3. – meinem errechneten Termin – für 9 Tage in Urlaub geht. Ab diesem Zeitpunkt ist ihre Vertretung quasi alleine. Und wenn es da ungünstig läuft, springt ihre Vertretung ein, die Hebamme, die meinen Geburtsvorbereitungskurs geleitet hat. Und falls sie gerade nicht kann, gibt es noch zwei weitere Hebammen, die bereit stehen. Mal schauen, wie viele Hebammen ich so verschleißen werde 😉

* Den guten Ruf kann ich bestätigen. Als ich vor 5 Jahren in der Uniklinik entbunden habe, wurde ich unter anderem gefragt, wo ich meine Vorsorge und den Kurs gemacht hatte und als ich das Geburtshaus nannte, war das gesamte Team sofort erleichtert und ganz entspannt, weil sie wussten, dass sie eine gut vorbereitete Gebärende vor sich hatten.

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2 Kommentare zu “Aufgeklärt

  1. Miss Mami sagt:

    Es ist gut, das ihr so gut aufgeklärt wurdet. Im Krankenhaus wird das nicht gemacht, oder? Es macht aber auch etwas Angst, muss ich zugeben. Aber wie du schon gesagt hast, sichern die sich nur ab. Das erinnert mich ein wenig an mein Blinddarm-OP. Da musste ich auch alles mögliche unterschreiben und habe mich gefragt, ob man sowas überhaupt überleben kann. 😉

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    • xayriel sagt:

      Ich weiß gar nicht mehr, ob und was die mir im KH erzählt haben damals, hatte aber von vornherein erstmal alles abgelehnt. Sie durften mir nur einen Zugang legen, damit es im Notfall schneller geht und die nicht bei einer sich windenden, schmerzgeplagten Frau im Arm rumstochern müssen. Bei meiner Blinddarm-OP hätten die mir sonstwas erzählen können, ich hätte alles unterschrieben, war ja immerhin als Notfall dort 😉

      Es macht definitiv Angst, wenn so geballt alle Eventualitäten angesprochen werden, die Hebamme hatte 2 A4-Seiten voll mit möglichen Dingen, die sie alle abhakte. Da war auch der „berühmte“ Nabelschnurvorfall dabei, aber den hat sie immerhin relativiert, indem sie meinte, dass ihn von den Geburtshaushebammen nur 2 bisher erlebt hätten: einmal das Urgestein, welches seit über 30 Jahren Geburten leitete und einmal meine Hebamme bei ihren Diensten in Afrika.
      Aber wenn es tatsächlich so risikoreich ist, dann frag ich mich, wie wir es auf 7+ Milliarden Weltbevölkerung geschafft haben 😀

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