Feuerprobe

Ich bin seit ich denken kann leidenschaftlicher Fußballfan. Meine Eltern nahmen mich bereits als Kind mit zu Spielen und in meiner Jugend kickte ich selber einige Jahre im Verein, bis dieser aufgrund mangelnder Spielerinnen die Frauenmannschaft dicht machte.

Für mich war es daher keine Frage, dass meine Kinder dies auch erleben sollten. Als mein Großer 6 Monate alt war, ging ich mit ihm das erste Mal zu einem Spiel. Ihm hat es gut gefallen, nur beim Torjubel der Menge oder sehr lauten Aufregen über fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen erschrak er sich ordentlich und weinte auch ein wenig. Da damals „meine“ Mannschaft noch in einem überschaubar großen Dorfstadion und in der Oberliga kickte, hielt sich die generelle Lautstärke doch in engen Grenzen.

Seit dem hat sich einiges geändert. Die Mannschaft ist in der 3. Liga angekommen. Mein Mann teilt mittlerweile meine Leidenschaft und die gesamte Familie hat Dauerkarten. Das Stadion und auch der Lautstärkepegel sind ungleich größer.

Heute stand nun ein sehr wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Spiel der Saison an und ich überlegte hin und her, ob ich mit der Kleenen zum Spiel gehen sollte oder nicht. Meine Jungs waren schon ganz heiß das Duell. Ich jedoch machte mir Gedanken, ob mein Mädchen schon bereit ist dafür. Wir haben im Vorfeld schon Kinderohrenschützer gekauft, doch waren die geradezu riesig auf dem winzigen Babykopf. Sie dämpfen nur die Geräusche und wenn es ausreichend laut ist, dann ist es vielleicht doch noch zu viel fürs Baby. Würde sie den Stress verkraften? Wie mach ich das mit dem Windeln wechseln, gibt ja eher selten Wickelräume in Stadien und die Toilettenkabinen sind sehr eng.

Aber wenn ich es nicht probiere, werde ich es nie wissen und der Eintritt ist ja nun schon bezahlt, da ist es auch egal, ob ich für 5 Minuten oder 90 oder gar nicht gehe. Ich beschloss, es zu versuchen und im Zweifelsfall einfach wieder zu gehen, falls es meinem Mädchen zuviel werden würde.

Sie wurde direkt vor der Abfahrt noch mal ausgiebig gestillt, frisch gewickelt und ins Tragetuch gepackt. Vorm Einlass gab es die Ohrenschützer auf und ich mummelte sie zusätzlich noch in meine Jacke ein.

Bis auf kurze Unruhephasen und einen Minibrüller hat sie wunderbar bis zur 70. Minute durchgehalten. Dann wurde sie hungrig und es gibt eben Dinge, die dulden keinen Aufschub. Ich verließ den Fanblock mit ihr, setzte mich ein wenig außerhalb auf den Rasen und stillte sie. Dabei konnte ich zwar nicht das Spiel sehen, aber immerhin noch die Atmosphäre genießen. Kurz vor Abpfiff packte ich sie wieder ins Tragetuch und ging wieder an meinen Platz, um mit den Jungs den Sieg zu feiern.

Die Kleene schlief wieder friedlich und hat bis jetzt keinerlei gesteigerte Stressreaktion gezeigt. Ich sag mal: Feuerprobe erfolgreich bestanden 🙂

fussball

Da drin ist ein Kind versteckt 🙂

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