Ihhhhh, so ne Rabenmutter

Jammert gerade eine von den Märzmamis, dass sie ein total schlechtes Gewissen hat, weil sie ihre größeren Kinder, 4 oder 5 Jahre und zwei Schulkinder, in die Betreuung gegeben hat. Sie denkt, ihre Kinder würden sich abgeschoben fühlen, sagt aber im nächsten Satz, dass die Kinder es toll finden.

Ich find das sehr befremdlich, da ich an meine Kindergarten- und Hortzeit nur gute Erinnerungen habe und nie das Gefühl hatte, abgeschoben zu sein. Im Gegenteil, ich fand es klasse, mit den anderen Kindern zu toben und zu spielen und zwischen ganz vielen Spielsachen aussuchen zu können. War mir nach Klettergerüst, bin ich geklettert, war mir nach Wippen, dann ab auf die Wippe. War ich eigenbrötlerisch, hab ich mir Stelzen oder ein Springseil geschnappt. Vor allem fand sich immer jemand, der mitmachen wollte oder bei dem ich mitmachen konnte.
Das sind schlicht Dinge, die nicht mal die beste Mutter der Welt leisten kann.

Ich frage mich auch, warum diese Mutter so ein schlechtes Gewissen hat, das wird sie sich kaum selber eingeredet haben. Gibt es also in ihrem Umfeld die Auffassung, das Mütter, die ihre Kinder in die Betreuung geben, schlechte Mütter sind? Woher kommt diese Einstellung? Liegt es daran, dass sonst den „Hausfrauen und Müttern“ die Hälfte ihrer Daseinsberechtigung entzogen wird, weil sie dann eben auch „nur“ Teilzeitmütter sind?*
Ich mein, wir reden hier von „großen“ Kindern, von Kindern, denen man schon Dinge erklären kann und die vieles verstehen, die schon in die Schule gehen oder kurz davor stehen und von ein paar Stunden über Mittag und am frühen Nachmittag.

Dass man über die Fremdbetreuung der ganz kleinen Kinder diskutieren kann, kann ich nachvollziehen, aber spätestens ab 3 Jahren sollte keine Mutter mehr ein schlechtes Gewissen haben müssen. Hier bei uns in der Stadt ist der Kindergarten sogar das letzte Jahr vor der Einschulung kostenlos, da festgestellt wurde, dass nur daheim erzogene Kinder oft kein ausreichendes Sozialverhalten haben, um sich in eine Schulklasse zu integrieren und diese Aufgabe dann an den Lehrern hängen bleibt.

Außerdem, und jetzt komm ich zum eigentlich Punkt, was sagt das über mich als Mutter aus, wenn ich meine Kinder jeweils schon mit einem Jahr zur Tagesmutter bzw. in die Kinderkrippe bringe?
Bin ich dann eine Kohlrabenmutter?

* Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich verurteile niemanden, der sich entscheidet, zu Hause zu bleiben. Für mich wäre es nix, mir würde innerhalb kürzester Zeit die Decke auf den Kopf fallen. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, wie er sein Leben gestalten möchte.

NACHTRAG: Ich wurde darauf hingewiesen, dass das kostenlose Vorschuljahr im Kindergarten wieder abgeschafft wurde, weil dafür kein Geld da ist. Sehr schade, da jetzt doch wieder die Lehrer diese Aufgabe übernehmen müssen, anstatt den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.

5 Kommentare zu “Ihhhhh, so ne Rabenmutter

  1. blumenelfe sagt:

    Ich finde es immer schade, was unter Müttern teilweise abgeht. Das Umfeld hat auf jeden Fall einen großen Einfluss auf das schlechte Gewissen. Hier ist es genau anders herum, ich arbeite nicht & betreue Bambino zu Hause. Was natürlich so gar nicht in Ordnung ist.
    Naja, jeder weiß es halt immer besser & ich finde man sollte die Entscheidung ganz allein den Eltern überlassen. Ohne unnötige Kommentare etc.

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    • xayriel sagt:

      Stimme dir da voll zu. Ich finde, da wird mitunter ein ziemlicher Druck auf die einzelnen Personen aufgebaut. Besagte Mama saß heulend zuhause, weil sie sich als so schlechte Mama fühlte, hatte aber auch keine Kraft mehr, um sich um die Kinder zu kümmern, weswegen sie in die Betreuung kamen.

      Da hört für mich der Spaß echt auf! Warum kann nicht jeder so leben, wie er möchte? Ich versteh’s nicht.

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  2. Nenu sagt:

    Ach, eigentlich ist es doch egal, was man macht und wie.. irgendwer kommt immer und findet es verwerflich. Lässt man die Kinder fremdbetreuen, ist man ne Rabenmutter. Bleibt man daheim und betreut sie selbst, ist man zu faul und hat es ja nicht nötig arbeiten zu gehen wie normale Menschen… Egal wie, irgendwer verurteilt einen immer.
    Ich glaube, der Trick besteht einfach darin, sich in solchen Dingen nichts einreden zu lassen. Bin mal gespannt, ob ich das dann tatsächlich hinbekomme oder ob ich auch die Krise kriege… 😉

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    • xayriel sagt:

      Nichts einreden lassen ist manchmal gar nicht so einfach und der Gruppendruck darf auch nicht unterschätzt werden.

      Ich hoffe, du bleibst standhaft 🙂

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      • Nenu sagt:

        Ja, ich weiß.. Gruppendruck halte ich zum Glück ganz gut aus, ich bin ja eh dran gewöhnt Dinge anders zu machen und zu sehen als die meisten anderen Leute. Allerdings bin ich nach wie vor nicht besonders selbstsicher, und wenn dann jemand kommt und behauptet, ich würde meinem Kind schaden, werde ich mir vermutlich schon Gedanken machen.. Vielleicht muss ich mir hier irgendwo ein fettes Schild hinhängen, das mich regelmäßig dran erinnert, dass „richtig“ und „falsch“ in Sachen Kindererziehung in vielen Fällen eher subjektive Eindrücke sind..

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