MONTAGSFRAGE // HABT IHR AKTUELL BÜCHER VORBESTELLT?

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Vorbestellt nicht.

Aber ich warte seit November, dass mir „How to not kill your baby“ geliefert wird. Vermutlich kriege ich das Buch erst, wenn meine Kleene in die Schule kommt und dann brauche ich es wirklich nicht mehr.

Und ich habe eine Wunschliste, auf der alle Bücher des Witcher-Zyklus von Andrzej Sapkowski drauf sind und falls ich mal ganz viel Geld habe, dann werde ich mir die kaufen. Bis dahin schmachte ich Geralt eben in den ersten beiden Teilen der Computerspielserie an, deren 3. Teil ich mir definitiv vorbestellen werde 😉

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Nerdgasm

Als ich im März 2001 anfing, meine Diplomarbeit über UMTS zu schreiben, waren wenige Monate zuvor die Lizenzen für sagenhafte 90 Milliarden Euro versteigert worden. Analysten sagten damals voraus, dass von den sechs Bietern nur 3 jemals wieder diese Ausgaben zuzüglich Netzausbau amortisieren können. Fand ich damals einen klasse Einstieg und hat mich unglaublich motiviert 😉

Um überhaupt zu wissen, worum es bei UMTS geht, musste ich mich erst einmal grundlegend mit Mobilfunk beschäftigen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwar schon mein drittes Handy, aber außer anrufen und SMS schreiben konnte ich nichts damit anfangen. Na gut, ich hatte auch ein oder zweimal Snake auf dem Nokia 3410 gespielt. Ich hatte allerdings schon leidvoll herausgefunden, dass es verschiedene Netze gibt. Als ich in Finnland war, schloss ich einen Mobilfunkvertrag ab und musste mir separat dazu ein Handy kaufen, da die Finnen das Konzept des gesponserten Telefons nicht kannten. Wieder zurück in Deutschland schloss ich einen deutschen Vertrag ab, verzichtete auf das Handy, da ich ja schon eines hatte, und bekam im Gegenzug dafür 200 Euro geschenkt. Fand ich als Student richtig klasse.

Blöd nur, dass mein Mobiltelefon nur im GSM-900 funken konnte, Viag Interkom aber eine GSM-1800-er Frequenz belegte. So lernte ich gleich ebay mit kennen und ersteigerte mir ein passendes Handy für 100 Euro. Mein altes, für mich unbrauchbares Handy verkaufte ich für 50 Euro an eine Studienkollegin und hatte am Ende immer noch 150 Euro gut gemacht. Ich glaube, ich habe das in Drinks und Klamotten investiert, wie man das eben als arme Studentin so macht 😀

Meine alten Handys waren noch echte Knochen, die man neben dem Telefonieren auch als Wurfgeschoss oder zur Selbstverteidigung einsetzen konnte. Sie gingen auch nicht kaputt. Mein heutiges schnurloses Festnetztelefon ist samt Ladestation kleiner als die Handys damals.
Ein Kollege in der Firma, in der ich die Diplomarbeit verfasste, hatte zu jener Zeit das Non-Plus-Ultra der Mobilfunktechnik: ein Handy mit Farbdisplay. Waren zwar nur 3 Farben (rot, blau, grün) + schwarz, aber damit war er der King. Selbst sein Chef, der „nur“ den Nokia Communicator hatte, konnte dagegen nicht anstinken. Ich hab mich immer ein wenig geschämt, wenn ich mein türkises Allerweltsnokia aus der Tasche kramte.

Zur Einstimmung in das ganze Thema sollte ich zusammen mit den richtigen Experten ein Konzept erarbeiten, wie man mobiles Ticketing bei den örtlichen Verkehrsbetrieben umsetzen könnte. Damals waren RFIDs gerade im Kommen, genauso wie der doppelte Barcode, der heute als QR-Code bekannt ist. Das größte Problem war damals sicherzustellen, dass das mobile Ticket auch wirklich von den Verkehrsbetrieben ausgestellt und vom Fahrgast bezahlt worden ist. Es gab die fantastischsten Verrenkungen, eine unpraktischer als die andere. Ich habe leider vergessen, welche Lösung letztendlich in die Testphase ging, aber ich war stolz wie Oskar, als nicht ganz so unwichtiger Teil dabei gewesen zu sein.

In meiner Arbeit selbst sollte ich die beiden Bezahlsysteme Prepaid und Rechnung gegenüber stellen und versuchen, Szenarien zu entwickeln, wie man die Vorteile dieser Systeme für die jeweils andere Option nutzen kann und welche Synergieeffekte sich daraus ergeben könnten. Mir sind tatsächlich welche eingefallen, die später, viel später vom Magenta-T auch umgesetzt worden und heute gang und gäbe sind. Als ich eines Tages einen Werbespot mit einem von mir entwickelten Feature im Fernsehen gesehen habe, bin ich fast von meinem Höckerchen gekippt.
Und bevor jemand fragt: Nein, ich bin damit nicht reich geworden, alle Rechte an „meinen“ Erfindungen habe ich an die Firma abgetreten, bei der ich über dieses spannende Thema schreiben durfte. Sie haben mir allerdings im Gegenzug jeden Monat ein klein wenig Geld geschenkt. Fand ich nett 🙂

Ich bin kein Early Adopter, ich warte lieber, bis die Technik bezahlbar ist und die Kinderkrankheiten ausgestanden sind. Ich laufe nicht jedem Trend sofort hinterher, dafür habe ich schon zu viele „das ist die Zukunft“ in der Versenkung verschwinden sehen. So dauerte es auch bis Weihnachten 2011, bis ich mir endlich ein Smartphone zulegte. Lange überlegte ich hin und her, ob ich so viel Geld wirklich ausgeben will und ob ich das überhaupt brauche, Internet für unterwegs, ging doch bis dahin auch. Als dann aber mein zweites Walkman-Handy altersbedingt sein Leben aushauchte, wagte ich den Schritt.

Ich habe es bis heute nicht bereut und frage mich, wie ich jemals ohne diesen kleinen Schatz leben konnte. Immer wieder gibt es Situationen, da bin ich einfach nur fasziniert von den Möglichkeiten der modernen Technik, ich staune und freue mich wie ein Schnitzel, was so ein kleines Ding alles kann. Aktuell beschert mir die Fußball-WM jede Menge solcher Glücksmomente, jedes Mal, wenn ich in letzter Minute meine WM-Tipps abgebe oder mir zu später Stunde per Livestream in gestochen scharfer Qualität die Spiele auf meinem Handy anschaue:

handy

Da geht mir echt einer ab, da feier ich innerlich und krieg dieses dusslige Grinsen nicht aus dem Gesicht.

Genauso wie vor 4 Wochen. Da steuerte ich per Handy unseren Fernseher über WLan an, da die dazugehörige Fernbedienung nach nur wenigen Wochen in unserem Besitz die plötzliche Bekanntschaft mit Apfelsaft nicht überlebte, originaler Ersatz zu teuer ist und Universalfernbedienungen weder das Universum noch Spezialfunktionen bedienen können.
Ich startete den Sendersuchlauf, kopierte die Senderliste auf einen USB-Stick, lud mir am Rechner ein kleines Programm zum Editieren der Liste aus dem Netz, sortierte alles nach unseren Vorstellungen, kopierte alles wieder zurück auf den Stick und von dort auf den Fernseher. Und dann brauche ich eine halbe Stunde, bis ich das richtig begriffen habe. Als ich klein war, gab es nur 2 Sender und die meisten TV-Geräte konnten nur schwarz-weiß. Man musste zum Umschalten aufstehen und bis zum Fernseher hinlatschen und nach Mitternacht gab es gar kein Programm mehr, nur noch das Testbild.

Manchmal, wenn ich ein Spiel auf dem Handy zocke oder ein eBook lese, denke ich an die Zeit zurück, als mein Handy nur 6 SMS speichern konnte und das Display nur 2 oder 3 Zeilen hatte.
Das ist gerade mal 13 Jahre her.

MONTAGSFRAGE // HATTET IHR SCHON MAL EINE LESEFLAUTE?

Oh ja, ständig 🙂

Meine Lesephasen sind immer wellenförmig. Es gibt Phasen von 2-3 Monaten Dauer, da les ich alles, was mir in die Finger kommt. In letzter Zeit sind das dann hauptsächlich Blogs, weil die im Allgemeinen häppchenweise daher kommen und sich das mit meinem chaotischen Familienleben gut vereinbaren lässt. Und dann gibt es wieder Phasen, auch ungefähr 2-3 Monate lang, da lese ich fast gar nichts. Da kann mich selbst das spannendste Buch, der interessanteste Blog nicht begeistern, da les ich nicht mal Nachrichten.

Seltsamerweise wechseln sich diese Phasen absolut spontan ab, so dass es mir mitten in einem Buch passieren kann, dass ich es weglege und erst einige Monate später wieder in die Hand nehme.

Warum das so ist, darüber habe ich noch nie nachgedacht, ist aber schon seit meiner Kindheit so. Ich habe mich daran gewöhnt und quäle mich nicht mehr durch die letzten Kapitel des aktuellen Buches, sondern warte einfach die Flaute ab.

Train Wreck

Ich bin mal wieder für ein langes Wochenende bei meinen Eltern zu Besuch. Und meine Ma hat sich ein neues Handy geholt, so ein tolles, das auch Internet kann. Und zwar weil – und jetzt kommt die beste Begründung EVAR – sie nicht immer auf den Papa warten will, wenn ich per WhatsApp Fotos der Enkel verschicke.

Ich sag dazu nüschd, sondern wappne mich für die anstehenden Technik-Erklär-Runden. Das Handy ist auch fix eingerichtet, WhatsApp, Wetter-App und Fahrplanauskunft runtergeladen, Klingeltöne kopiert, fertig.

Und jetzt sitze ich seit einer Stunde neben meiner Ma und beobachte sie, wie sie mit dem Smartphone kämpft. Das hat ein bisschen was von einem Verkehrsunfall, ist nicht schön anzusehen, aber weggucken geht auch nicht 😉

Habe leider zu spät dran gedacht, das Ganze live zu twittern. So überlasse ich das Geschehen eurer Fantasie, ihr könnt euch das sicherlich ganz gut selbst ausmalen. Nur nebenbei am Rande: meine Ma hat ungefähr ein halbes Jahr gebraucht, um Solitair mit der Maus am Rechner zu meistern.

Bald bin ich ein Schulkind

Die Stadt, in der ich lebe, ist für viele Dinge bekannt. Touristen schätzen die historischen Stätten, Denkmäler und Sehenswürdigkeiten und kommen in Scharen hierher. Die Einwohner kennen vor allem die schlampige, teilweise korrupte Kommunalpolitik und die sehr fragwürdigen Entscheidungen des Stadtrats.

Mich hätten also die Absurditäten, die mit der Schulanmeldung unseres Großen einher gehen, gar nicht wundern sollen. Im nächsten Frühjahr wird mein Junge 6 Jahre alt und kommt dann entsprechend im Sommer in die Schule. Damit wir auch die Schuleinführung feiern können, müssen wir das Kind jetzt im September an „seiner“ Schule anmelden.

In meinem jugendlichen Leichtsinn bin ich davon ausgegangen, dass die für ihn zuständige Schule die ist, die gleich bei uns um die Ecke liegt. Würde auch Sinn machen, da der Schulweg über eine wenig befahrene Nebenstraße mit Zone 30 führt und direkt vor der Schule eine Fußgängerampel ist. Außerdem ist der Schulweg nur gute 200 m lang. Zudem können wir die Schule von unserer Wohnung aus sehen:

schule

Aber weit gefehlt. Die uns zugeordnete Schule liegt in einem anderen Stadtteil, der Schulweg führt an 2 großen Hauptstraßen entlang und ist ca. einen Kilometer lang. Ich habe die Schule noch nie von Nahem gesehen, da wir so gut wie nie in diesem Viertel sind. 2 Straßen weiter ist übrigens der an anderer Stelle erwähnte integrative Kindergarten, bei dem die Integration darin besteht, dass die Eltern ihre Kinder schlagen. Und noch eine Straße weiter ist die Bronx unserer Stadt, in der Messerattacken und Schußwechsel quasi an der Tagesordnung sind. Sorry, ich möchte nicht, dass mein Kind dorthin zur Schule geht.

Nun könnte man denken, dass wir einfach nur Pech hatten. Nein. Denn auch die Kinder, die direkt gegenüber der Schule wohnen, dürfen nicht in diese gehen, sondern müssen auch in die Bronx-nahe Schule. Kinder, deren Schulweg darin bestehen würde, nur durch einen kleinen Park und über gar keine Straße zu gehen, müssen in die Bronx-Schule, und ihr Schulweg führt sie wegen der Fußgängerampel auch noch direkt an dieser Schule vorbei. Das nenn ich doch mal richtig gut durchdacht.

Neulich saß ich mit einer Nachbarin bei uns im Hof zusammen und wir redeten auch über die Schule, da sie eine 9-jährige Tochter hat. Sie konnte nur mit dem Kopf schütteln, sie findet die Regelung genauso unsinnig. Sie erzählte mir, dass sie gegen diese Zuordnung Einspruch einlegen wollte, die Stadt dafür aber 32 Euro verlangt. Da sie diesen Betrag nicht aufbringen wollte, geht ihr Kind nun in diese Schule. Ich finde es schade, dass in Deutschlands Sozialhauptstadt so mit der Not der Einwohner umgegangen wird. Wir jedenfalls sind in der glücklichen Lage, Einsprüche noch und nöcher einzulegen, denn ich werde alles tun, damit mein Kind nicht in die Bronx-nahe Schule muss.

Eine Kollegin meines Mannes gab uns noch den Hinweis, dass, wenn man Einspruch einlegt, die folgenden Gründe die besten Erfolgsaussichten haben:

  • der beste Freund geht in diese Schule – da müssen wir mal im Kindergarten rumhorchen. Ich weiß, dass ein paar Kinder auch aus unserer Ecke kommen und hoffentlich reicht die Namensangabe, nicht, dass der Kleene noch befragt wird, ob dies wirklich sein best buddy ist.
  • das Schulprofil ist anders und entspricht mehr unseren Vorstellungen – da es sich um die Grundschule handelt, weiß ich nicht, wie unterschiedlich die Profile sein können und ob dies bei den beiden Schulen überhaupt zutrifft. Muss ich mich mal schlau machen.
  • der Schulweg ist unpraktisch, weil dadurch der Arbeitsweg o.ä. maßgeblich verlängert wird – unsere größte Hoffnung. Für mich würde der Schulweg den Arbeitsweg fast verdoppeln, da die Bronxschule völlig abseits von meinem Arbeitsweg liegt, während die Schule um die Ecke direkt auf meinem Arbeitsweg liegt. Bei meinem Mann wäre es noch komplizierter, da wir davon ausgehen, dass die Kleene in die Krippe im Kindergarten des Großen kommt. Mein Mann müsste also erst zu Fuß in die entgegensetzte Richtung zur Schule, dann zu Fuß wieder bei uns an der Wohnung vorbei zur Bushaltestelle, dann zum Kindergarten und von dort zur Arbeit. Dauer ca. 2 Stunden. Hingegen liegt die Schule um die Ecke auch hier auf seinem Weg zur Bushaltestelle, Arbeitsweg ca. 1 Stunde inkl. Kinderauslieferung. Dabei eingerechnet ist noch nicht mal die Kindabholung, die sicher auch lustig wird.

Wir werden versuchen, eine Kombination dieser drei Gründe zu basteln, um die größten Erfolgschancen zu haben. Ich bin gespannt, wie es nach der Anmeldung im September weiter geht, ich rechne mit diversen heißen Tänzen auf den Ämtern. Auf jeden Fall werde ich alles tun um zu verhindern, dass unser Kind in die Bronx-Schule kommt. Notfalls ziehen wir eben nochmal um.

Auftakt nach Maß*

Vor dem gestrigen Spiel Deutschland gegen Portugal gab es ziemlich viele Unbekannte. Im Vorfeld der WM hatten sich viele Leistungsträger verletzt, deren Einsatz lange fraglich war und bei denen feststand, dass die Tagesform entscheidend sein würde. Man weiß aber auch, dass die Deutschen eine absolute Turniermannschaft sind, die sich auf den Punkt genau vorbereiten können.

Dennoch war die Aufstellung lange und heftig diskutiert worden. Jogi nahm mit Miroslav Klose nur einen echten Stürmer mit nach Brasilien und wenn er in der Anfangsaufstellung fehlt, würde einer der offensiven Mittelfeldkräfte, voraussichtlich Thomas Müller, eine fasche 9 spielen müssen. Im Testspiel gegen Kamerun konnte man sehen, dass dies auch nach hinten los gehen kann. Andererseits hat Klose mittlerweile das für einen Fußballspieler gesegnete Alter von 36 Jahren erreicht und man kann sich durchaus die Frage stellen, ob er noch fit genug ist. Bei Messi konnte man sehen, dass dieser nicht mehr die Geschwindigkeit von früher hat und ich hoffe, dass dem Miro dieses Schicksal erspart bleibt.

Portugal schätzten viele Experten und auch ich als den stärksten Gruppengegner ein, wobei man gerechterweise sagen muss, dass es international keine Kleinen oder leichten Gegner mehr gibt und vor allem die USA in Sachen Fußball ordentlich nachgelegt haben, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Arbeit eines Jürgen Klinsmanns. Und so war das gestrige Spiel dann auch ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel. Wer das gewinnt, ist quasi schon durch, wer verliert, wird sich in den verbleibenden beiden Spielen ordentlich strecken müssen.

Auf dem Papier, welches Deutschland auf Platz 2 der Weltrangliste führt und Portugal nur auf Platz 4, sind wir die stärkere Mannschaft, doch hatte ich starke Zweifel, dass wir dies auf dem Platz auch umsetzen können. Wir können zwar wunderschönen Fußball spielen mit klasse Kombinationen, aber das allein reicht nicht mehr. Gerade Spanien hat im Spiel gegen die Niederlande gezeigt, dass man mit schönem Fußball und Tiki-Taka nicht Weltmeister wird. Entsprechend skeptisch war ich.

Das Spiel begann entsprechend, ein wenig fahrig, niemand wollte ein frühes Gegentor fangen, denn wie immer musste die Devise lauten: Hinten muss die Null stehen. Das Torverhältnis kann in einer so engen Gruppe entscheidend sein. Nach einem groben Schnitzer von Philipp Lahm brannte es auf einmal lichterloh in der Abwehr der Deutschen, doch konnte diese Gefahr schnell gebannt werden. Philipp und die gesamte Mannschaft fingen sich aber sofort wieder und fanden danach endlich zu ihrem Spiel. Die Portugiesen wurden mehr oder weniger in der eigenen Hälfte festgenagelt, doch der entscheidende Pass, die präzise Flanke fehlte. Nur einmal gelang dies und prompt wurde Götze im Strafraum umgerissen und es gab Elfmeter. Der Tradition folgend, dass der Gefoulte nie selbst schießen sollte, legte sich Thomas Müller den Ball zurecht und verwandelte den Strafstoß in der 12. Minute sicher ins linke untere Eck. Der Plan, ein frühes Tor zu erzielen, ist aufgegangen.

Nach diesem Tor konnte die Mannschaft befreit aufspielen und auf einmal gelangen sämtliche Kombinationen, während Portugal zunehmend abbaute. Nach einem wunderbar eingeleiteten Konter wurde der präzise Schuss Götzes von einem Portugiesen ganz knapp am Tor vorbeigelenkt. Die daraus resultierende Ecke verwandelte Hummels mit einem herrlichen Kopfball zum 2:0. Was für Hammer!

Die Portugiesen verloren mehr und mehr den Spielfaden und der dadurch aufgestaute Frust entlud sich in einem ziemlich rüden Foul Pepes an Müller, dem er zuerst seinen Ellenbogen und anschließend seinen Kopf ins Gesicht drückte. Das war mindestens dunkelgelb, aber der Schiedsrichter entschied auf glatt rot und Portugal musste ab der 37. Spielminute mit 10 Mann auskommen. Da wird es schwierig, die Räume für die Deutschen eng zu machen und so beschränkten sie sich aufs Verteidigen. Kurz vor der Pause, zu einem psychologisch für die Portugiesen äußerst ungünstigem Zeitpunkt fiel dann das 3:0 und damit auch die Vorentscheidung.

Nach der Pause plätscherte das Spiel vor sich hin. Deutschland ließ nichts mehr anbrennen, stürmte aber auch nicht mehr in letzter Konsequenz aufs Tor. Portugal versuchte nur noch, einen noch höheren Spielstand zu verhindern. Eigene Torversuche gab es nicht, wohl auch, weil der Mannschaft ein richtiger Leitwolf fehlte, der sie dazu motivieren konnte, nochmal 110% zu geben. Der hochgelobte Cristiano Ronaldo blieb blass, wartete vorne nur auf Bälle, die ihn viel zu selten erreichten. Zudem wurde er von Khedira und Boateng gut ausgeschaltet. Umso bezeichnender war es, als er einen Freistoß in aussichtsreicher Position direkt in die Lahmsche 1-Mann-Mauer zirkelte.

Trotz der haushohen Überlegenheit der deutschen Mannschaft dauerte es bis zur 78. Minute, bis das 4:0 fiel. Wieder war es Thomas Müller, der das Tor machte und sich damit an die Spitze der Torschützenliste setzte.

Alles in allem ein überzeugender Auftritt der Deutschen, die wunderbar ins Turnier gekommen sind. Ich bin gespannt, ob sie dieses hohe Niveau halten können. Wenn ja, dann können sie sehr weit kommen.

 

*Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert vom extra3-WM-Bullshit-Bingo 😉

Elterngeld

Am Wochenende flatterte mein Elterngeldbescheid in unseren Briefkasten. Ich wusste zwar schon vorher, in welcher Größenordnung sich mein Elterngeld bewegen würde, doch hatte ich mal wieder das Kleingedruckte nicht richtig gelesen.

Denn da steht: In den Fällen, in denen das Bemessungseinkommen aus Erwerbstätigkeit vor Geburt höher als 1200 Euro war, sinkt der Prozentsatz von 67 Prozent um 0,1 Prozentpunkte je 2 Euro, um die dieses Einkommen den Betrag von 1200 Euro überschreitet, auf bis zu 65 Prozent.

Yeah, Bingo, Volltreffer. Ich erhalte also nur 65%. Ja, die 2% machen das Kraut  jetzt bestimmt nicht fett, mag der eine oder andere denken. Doch, machen sie. Bei mir sind es um die 50 Euro. Dazu kommt, dass, warum auch immer, ich im September ca. 500 Euro weniger Bruttolohn hatte, als in den anderen Monaten. Zack, und schon wieder fehlen ein paar Euro. Es werden noch Steuern und Versicherungen abgezogen und am Ende stehe ich mit rund 100 Euro weniger als geplant da, was in Summe über 700 Euro weniger sind, als wenn ich wie gewohnt arbeiten gehen würden. Und das ist ein Betrag, der ordentlich weh tut.

Beim ersten Kind war die Sachlage anders. Dort war ich erst arbeitslos (ALG I), wurde längerfristig krank und bekam Krankengeld, wurde quasi mit der Gesundschreibung schwanger und bezog wieder ALG I. Beim Elterngeld zählen diese beiden Leistungen nicht als Einkommen, also qualifizierte ich mich dadurch nur für den Mindestbetrag von 300 Euro. Da davon niemand leben kann, beantragten wir ALG II/Hartz IV. Ich hatte Glück und bekam einen netten und kompetenten Sachbearbeiter zugewiesen, der unseren Antrag schnell und problemlos bearbeitete und ohne Auflagen gewährte. (Eine Freundin kann da ganz andere Geschichten erzählen und das Internet ist auch voll davon.)

So, und wenn ich nun diese beiden Szenarien gegenüber stelle, muss ich feststellen, dass sich unsere finanzielle Situation damals und heute nicht großartig unterscheidet. Dadurch, dass ALG II die Miete übernimmt und den Grundbedarf für 4 Personen sichert, haben wir ungefähr genauso viel Geld zur freien Verfügung wie jetzt mit dem Elterngeld.

Spätestens jetzt sieht man, dass das Elterngeld nicht durchdacht und nur auf die klassische Familie zugeschnitten ist, in der der Mann der Hauptverdiener ist und nur die 2 Monate zu Hause bleibt. Dass die Mutter den größeren Einkommensanteil hat, wird nicht berücksichtigt oder aber billigend in Kauf genommen. Und wenn ich dazu noch sehe, wie sich die Regierung für das Elterngeld Plus feiert, welches diese finanzielle Situation nur noch verschärft bzw. nur die klassische Familie stärkt, könnt ich kotzen.

Ganz unabhängig davon, dass ich mich eh schon gef*ckt fühle. Sorry für den Ausdruck, aber das „familienfreundlich“ kann sich die Regierung grad mal sonstwo hinstecken. Ich freu mich schon auf den Tanz um den Krippenplatz und das Theater mit der Schule (dazu demnächst mehr).

MONTAGSFRAGE // EUER LIEBSTES SOMMERBUCH

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Sommerbuch? Was ist das?

Ein Buch, welches man im Sommer am Strand liest? Also eher leichte Kost, evtl. etwas romantisches? Oder ist es eher ein Buch, das einen an Sommer erinnert, weil es im Sommer spielt?

So richtig kann ich mit der Frage nichts anfangen. Wie ich jedoch darüber sinniere, drängelt sich ein Buch in meinen Kopf, welches mich tatsächlich an Sommer erinnert: Das Haus der geheimen Wünsche von Ruth Rendell.

Wie so oft geht es bei Rendell um Mord, aber dieses Buch ist kein Krimi im klassischen Sinn. Stattdessen nimmt sie den Leser mit nach Mallorca und in die Jugend der Protagonistin, welche durch das Verschwinden ihres großen Bruders eines Mittelmeersommers geprägt ist.
Diese Geschichte habe ich das erste Mal in einem kalten finnischen Winter 1999 gelesen und seitdem tauchten immer wieder Bilder und Szenen daraus in meinem Kopf aus, ohne dass ich jemals auf Mallorca war. Ich habe lange nach einem Exemplar für meine Sammlung gesucht und letztes Jahr wurde ich endlich fündig.

Also, wenn Sommerbuch, dann das 🙂

 

Schlaf, Kindlein, schlaf

Als ich vor knapp einem Monat einen Beitrag über meine Ängste bezüglich des plötzlichen Kindstods veröffentlichte, bekam ich vom Kat in den Kommentaren eine wunderbare Linkempfehlung, welche wiederum einen Link zum Thema Familienbett enthielt. Beide Artikel bestätigten das, was ich schon vermutete, was ich aber durch die alles verblendende Angst nicht sehen konnte.

Gerade beim Thema Familienbett war ich sehr verunsichert, wurde doch eine schottische Studie angeführt, welches ein höheres Risiko für SIDS zeigte, wenn das Kind bei den Eltern im Bett schläft. Die Ergebnisse der Studie widersprachen aber ganz grundlegend meinem und dem Bedürfnis meiner Tochter nach Nähe, so dass ich die ersten Wochen nur mit sehr schlechtem Gewissen und ständiger latenter Panik ins Bett gegangen bin.

Bei meinem großen Kind handhabten wir es damals so, dass er die ersten beiden Wochen bei uns im Bett lag. Dann las ich irgendwo oder jemand empfahl mir, dass Kind in seinem eigenen Bett schlafen zu lassen. Da unsere damalige Wohnsituation es nicht zuließ, das Kinderbett mit ins Elternschlafzimmer zu stellen, schlief mein Junge also im eigenen Zimmer im eigenen Bett. Ich tigerte aller 20 Minuten zu ihm, um zu schauen, ob es ihm noch gut geht. Wenn er nachts wach wurde, weil er Hunger hatte, setzte ich mich in sein Zimmer, stillte ihn, fror mir dabei den Hintern ab, da es dort ja nur die empfohlenen 16-18 Grad hatte und legte ihn danach wieder ins Bett. Dann wartete ich, bis er auch wirklich eingeschlafen war, schlich mich wie ein Dieb aus dem Zimmer und versuchte, selber ein wenig zu schlafen.

Aber wirklich geschlafen habe ich in dieser Zeit nie, ich war ständig mit einem Ohr im Kinderzimmer und unzählige Male auch mit dem restlichen Körper. Nach zwei Wochen wurde es mir zu blöd, ich hab mir gesagt, dass es das doch nicht sein kann, dass ich ständig müde und in Sorge bin. Ich holte ihn wieder zurück ins Familienbett und schlief endlich wieder normal. Dem Kleinen war das zum Glück alles egal, der ratzte hier wie dort.

Irgendwann kam er ins mobile Alter und robbte im Schlaf trotz Schlafsacks quer durchs Bett, drängelte uns an den Rand und weckte uns, weil wir einen Fuß im Gesicht hatten oder ähnliches. Ein Beistellbett ist bei uns konstruktionsbedingt nicht möglich, da der Rand unseres Bettes zu breit ist.
Wir wechselten also unsere Taktik: Er schlief am Anfang in seinem Bett in seinem Zimmer und wenn er wach wurde, kam er zu uns und schlief dort weiter.
Aber auch das jagte mir eines Morgens einen Riesenschreck ein, als ich aufwachte am helllichten Tage und kein Baby neben mir fand. Sämtliche Schreckensszenarien in meinem Kopf durchspielend bin ich ins Kinderzimmer gerannt, aber der Bub lag friedlich schlafend in seinem Bett. Seit diesem Zeitpunkt hat er eigentlich immer durch geschlafen.

Bei meinem Mädchen ist es wieder ganz anders. Wir haben zwar das Kinderbett keinen Meter vom Elternbett entfernt im Schlafzimmer stehen, aber sie hat noch nicht eine Nacht darin geschlafen. Sie braucht Kontakt, um überhaupt einschlafen zu können. Wenn ihr niemand die Hand hält, wird sie unruhig und kann sich regelrecht in Panik brüllen. Und auch mich beruhigt es ungemein, wenn ich ihre Hand in meiner halte.

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Unser Bett ist genügend groß, 2 x 1,80 m. Wir haben die großen Kopfkissen aus dem Bett verbannt und schlafen mit Huschelkissen (35×35 cm). Damit bleibt für die Kleine genug Platz und sie kann sich nicht unter ein Kissen wühlen. Da ich ihre Hand festhalte, spüre ich jede Bewegung. Auch, wenn ich mich dabei nicht beobachten konnte, gehe ich davon aus, dass ich, ebenso wie im Artikel oben beschrieben, im Schlaf mein Kind beruhige und automatisch die Vitalzeichen checke. Ich glaube, diese Fähigkeit bekommt man beim Mama werden kostenlos mit.

Seit ich das so mache und seit den beiden Artikeln schlafe ich endlich wieder gut und die Ängste sind nur noch minimal vorhanden. Ganz werden sie eh nie verschwinden, aber derzeit praktizieren wir alles uns Mögliche, um Schaden vom Kind abzuwenden.

Wir pucken nicht. Wir haben das beim Großen gemacht und es hat ihn beruhigt. Bei der Kleenen habe ich es einmal im Krankenhaus gemacht, weil ich zu erschöpft war, um sie noch länger zu tragen, sie sich aber nach 2 Stunden Schreien einfach nicht beruhigen wollte.
Wenn es jetzt solche Situationen gibt, dann packe ich sie tagsüber ins Tragetuch, umarme und streichel sie beruhigend und Sch-sch-sche leise auf sie ein. Sie beruhigt sich dann meist recht fix. Nachts halte ich ihr beide Hände fest, was ja quasi nichts anderes als beim Pucken ist, und je nach Tagesform fängt sie sich mal schneller, mal weniger schnell wieder.

Mir hilft es auch zu wissen, dass Schreien für die Kinder DAS Mittel zur Stressverarbeitung ist. Und auch Babys können schon gestresst sein. Der unangenehme Besuch beim Arzt, die unbedingt kuscheln wollende Oma, Straßenlärm beim Shopping, Hundegebell in der Nachbarschaft oder das dauernd dudelnde Radio. Zu grelles Licht, zu viele Lichtwechsel. Alles neu für das Baby, alles ungewohnt, alles Sinneseindrücke, die verarbeitet werden müssen. Was meiner Erfahrung nach dann gut hilft, ist eine reizarme Umgebung schaffen und sich selber nicht stressen. Kinder spüren den Stress ihrer Eltern und das verstärkt ihren eigenen Stress.

Auch hier wieder: Tragetuch, Sch-sch-sch, sanft streicheln, Licht und Ton aus, laufen oder im Sitzen hin und her wiegen. Falls sich noch jemand fragt, wofür Schaukelstühle erfunden wurden: genau dafür. Wir haben 2 Poängs und ich hab einen genialen Bürostuhl mit herrlicher Kippelfunktion 🙂

Aber gerade abends im Bett merke ich, dass man als Elternteil es auch einfach mal aushalten muss, wenn das Kind den Tag verarbeitet. Sie ist frisch gewickelt, randvoll gestillt, sie liegt in einem dunklen, ruhigen Raum, ich halte ihre Hände und sie schreit und schreit. Es ist kein Schmerzschrei und auch kein Hunger, das höre ich, das ist purer Stress. Mir tut das auch jedes Mal leid und ich wünschte, ich könnte ihr irgendwie helfen, aber alles, was ich tun würde, würde einen weiteren Reiz erzeugen und ihren Stress vergrößern. Das Schwierigste ist, dabei nicht die Nerven zu verlieren.
Manchmal würde ich sie gerne anbrüllen und bitten: so sage mir doch, was los ist. Ich merke, wie meine Nerven blank liegen und dann zwinge ich mich, ganz tief durchzuatmen, mir mantramäßig immer wieder zu sagen „ich bin ganz ruhig, ich bin ganz ruhig“ und meinen Unterkiefer und meine Schultern zu lockern. Ich weiß, sie wird sich beruhigen. Sollte ich aber meine Nerven verlieren, dann verliert sie einen Teil des Vertrauens in mich als Fels in der Brandung und das werde ich nie wieder gut machen können.

Meine Süße ist ein sehr unruhiges, nervöses Kind, aber wir haben uns aufeinander eingestellt und die Abläufe sind eingespielt. Ich höre weiter auf meinen Bauch und so lange der mir sagt, dass sie unmöglich alleine in ihrem Bett schlafen kann, schläft sie neben mir. Ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, sondern kann beruhigt schlafen.

Ich wünsche allen eine Gute Nacht!