Schlaf, Kindlein, schlaf

Als ich vor knapp einem Monat einen Beitrag über meine Ängste bezüglich des plötzlichen Kindstods veröffentlichte, bekam ich vom Kat in den Kommentaren eine wunderbare Linkempfehlung, welche wiederum einen Link zum Thema Familienbett enthielt. Beide Artikel bestätigten das, was ich schon vermutete, was ich aber durch die alles verblendende Angst nicht sehen konnte.

Gerade beim Thema Familienbett war ich sehr verunsichert, wurde doch eine schottische Studie angeführt, welches ein höheres Risiko für SIDS zeigte, wenn das Kind bei den Eltern im Bett schläft. Die Ergebnisse der Studie widersprachen aber ganz grundlegend meinem und dem Bedürfnis meiner Tochter nach Nähe, so dass ich die ersten Wochen nur mit sehr schlechtem Gewissen und ständiger latenter Panik ins Bett gegangen bin.

Bei meinem großen Kind handhabten wir es damals so, dass er die ersten beiden Wochen bei uns im Bett lag. Dann las ich irgendwo oder jemand empfahl mir, dass Kind in seinem eigenen Bett schlafen zu lassen. Da unsere damalige Wohnsituation es nicht zuließ, das Kinderbett mit ins Elternschlafzimmer zu stellen, schlief mein Junge also im eigenen Zimmer im eigenen Bett. Ich tigerte aller 20 Minuten zu ihm, um zu schauen, ob es ihm noch gut geht. Wenn er nachts wach wurde, weil er Hunger hatte, setzte ich mich in sein Zimmer, stillte ihn, fror mir dabei den Hintern ab, da es dort ja nur die empfohlenen 16-18 Grad hatte und legte ihn danach wieder ins Bett. Dann wartete ich, bis er auch wirklich eingeschlafen war, schlich mich wie ein Dieb aus dem Zimmer und versuchte, selber ein wenig zu schlafen.

Aber wirklich geschlafen habe ich in dieser Zeit nie, ich war ständig mit einem Ohr im Kinderzimmer und unzählige Male auch mit dem restlichen Körper. Nach zwei Wochen wurde es mir zu blöd, ich hab mir gesagt, dass es das doch nicht sein kann, dass ich ständig müde und in Sorge bin. Ich holte ihn wieder zurück ins Familienbett und schlief endlich wieder normal. Dem Kleinen war das zum Glück alles egal, der ratzte hier wie dort.

Irgendwann kam er ins mobile Alter und robbte im Schlaf trotz Schlafsacks quer durchs Bett, drängelte uns an den Rand und weckte uns, weil wir einen Fuß im Gesicht hatten oder ähnliches. Ein Beistellbett ist bei uns konstruktionsbedingt nicht möglich, da der Rand unseres Bettes zu breit ist.
Wir wechselten also unsere Taktik: Er schlief am Anfang in seinem Bett in seinem Zimmer und wenn er wach wurde, kam er zu uns und schlief dort weiter.
Aber auch das jagte mir eines Morgens einen Riesenschreck ein, als ich aufwachte am helllichten Tage und kein Baby neben mir fand. Sämtliche Schreckensszenarien in meinem Kopf durchspielend bin ich ins Kinderzimmer gerannt, aber der Bub lag friedlich schlafend in seinem Bett. Seit diesem Zeitpunkt hat er eigentlich immer durch geschlafen.

Bei meinem Mädchen ist es wieder ganz anders. Wir haben zwar das Kinderbett keinen Meter vom Elternbett entfernt im Schlafzimmer stehen, aber sie hat noch nicht eine Nacht darin geschlafen. Sie braucht Kontakt, um überhaupt einschlafen zu können. Wenn ihr niemand die Hand hält, wird sie unruhig und kann sich regelrecht in Panik brüllen. Und auch mich beruhigt es ungemein, wenn ich ihre Hand in meiner halte.

hand

Unser Bett ist genügend groß, 2 x 1,80 m. Wir haben die großen Kopfkissen aus dem Bett verbannt und schlafen mit Huschelkissen (35×35 cm). Damit bleibt für die Kleine genug Platz und sie kann sich nicht unter ein Kissen wühlen. Da ich ihre Hand festhalte, spüre ich jede Bewegung. Auch, wenn ich mich dabei nicht beobachten konnte, gehe ich davon aus, dass ich, ebenso wie im Artikel oben beschrieben, im Schlaf mein Kind beruhige und automatisch die Vitalzeichen checke. Ich glaube, diese Fähigkeit bekommt man beim Mama werden kostenlos mit.

Seit ich das so mache und seit den beiden Artikeln schlafe ich endlich wieder gut und die Ängste sind nur noch minimal vorhanden. Ganz werden sie eh nie verschwinden, aber derzeit praktizieren wir alles uns Mögliche, um Schaden vom Kind abzuwenden.

Wir pucken nicht. Wir haben das beim Großen gemacht und es hat ihn beruhigt. Bei der Kleenen habe ich es einmal im Krankenhaus gemacht, weil ich zu erschöpft war, um sie noch länger zu tragen, sie sich aber nach 2 Stunden Schreien einfach nicht beruhigen wollte.
Wenn es jetzt solche Situationen gibt, dann packe ich sie tagsüber ins Tragetuch, umarme und streichel sie beruhigend und Sch-sch-sche leise auf sie ein. Sie beruhigt sich dann meist recht fix. Nachts halte ich ihr beide Hände fest, was ja quasi nichts anderes als beim Pucken ist, und je nach Tagesform fängt sie sich mal schneller, mal weniger schnell wieder.

Mir hilft es auch zu wissen, dass Schreien für die Kinder DAS Mittel zur Stressverarbeitung ist. Und auch Babys können schon gestresst sein. Der unangenehme Besuch beim Arzt, die unbedingt kuscheln wollende Oma, Straßenlärm beim Shopping, Hundegebell in der Nachbarschaft oder das dauernd dudelnde Radio. Zu grelles Licht, zu viele Lichtwechsel. Alles neu für das Baby, alles ungewohnt, alles Sinneseindrücke, die verarbeitet werden müssen. Was meiner Erfahrung nach dann gut hilft, ist eine reizarme Umgebung schaffen und sich selber nicht stressen. Kinder spüren den Stress ihrer Eltern und das verstärkt ihren eigenen Stress.

Auch hier wieder: Tragetuch, Sch-sch-sch, sanft streicheln, Licht und Ton aus, laufen oder im Sitzen hin und her wiegen. Falls sich noch jemand fragt, wofür Schaukelstühle erfunden wurden: genau dafür. Wir haben 2 Poängs und ich hab einen genialen Bürostuhl mit herrlicher Kippelfunktion 🙂

Aber gerade abends im Bett merke ich, dass man als Elternteil es auch einfach mal aushalten muss, wenn das Kind den Tag verarbeitet. Sie ist frisch gewickelt, randvoll gestillt, sie liegt in einem dunklen, ruhigen Raum, ich halte ihre Hände und sie schreit und schreit. Es ist kein Schmerzschrei und auch kein Hunger, das höre ich, das ist purer Stress. Mir tut das auch jedes Mal leid und ich wünschte, ich könnte ihr irgendwie helfen, aber alles, was ich tun würde, würde einen weiteren Reiz erzeugen und ihren Stress vergrößern. Das Schwierigste ist, dabei nicht die Nerven zu verlieren.
Manchmal würde ich sie gerne anbrüllen und bitten: so sage mir doch, was los ist. Ich merke, wie meine Nerven blank liegen und dann zwinge ich mich, ganz tief durchzuatmen, mir mantramäßig immer wieder zu sagen „ich bin ganz ruhig, ich bin ganz ruhig“ und meinen Unterkiefer und meine Schultern zu lockern. Ich weiß, sie wird sich beruhigen. Sollte ich aber meine Nerven verlieren, dann verliert sie einen Teil des Vertrauens in mich als Fels in der Brandung und das werde ich nie wieder gut machen können.

Meine Süße ist ein sehr unruhiges, nervöses Kind, aber wir haben uns aufeinander eingestellt und die Abläufe sind eingespielt. Ich höre weiter auf meinen Bauch und so lange der mir sagt, dass sie unmöglich alleine in ihrem Bett schlafen kann, schläft sie neben mir. Ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, sondern kann beruhigt schlafen.

Ich wünsche allen eine Gute Nacht!

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3 Kommentare zu “Schlaf, Kindlein, schlaf

  1. Danielle sagt:

    Es freut mich wirklich von Herzen, dass Dir der Link geholfen hat :-).
    Liebe Grüße!
    Danielle

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  2. Mama-I sagt:

    Toller Beitrag!
    Ich habe Reize aller Art auch scharf im Blick. Was einem als Mama plötzlich alles auffällt….

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