Es läuft weiter

Als wenn eine höhere Macht hier mitliest und festgestellt hat, dass wir einen längeren Urlaub bei nicht ganz so prall gefüllter Haushaltskasse planen, gibt es jetzt die nächsten finanziellen Tiefschläge.

Vor zwei Tagen wollte meine Kamera keine Bilder mit Blitz mehr machen. Ich dachte erst, das liegt an den Batterien, weil kurz darauf auch die entsprechende Meldung von der Kamera kam. Also erstmal neue Batterien besorgt, aber der Blitz bleibt aus. Vermutlich hat es nach 5 Jahren einfach das Lämpchen durchgehauen und wie das bei modernen Dingen meist üblich, ist ein Austausch nicht vorgesehen. Da ich die Kamera sehr mag und die echt schöne Bilder macht, hab ich mich nach einem neuen Exemplar unseres Modells umgeschaut, mit 200 Euro wären wir dabei.

Dann steht noch ein mobiles Navigationsgerät im Raum. In England haben wir das Google Navigationssystem auf meinem Handy genutzt, aber erstens braucht es dafür eine permanente Internetverbindung und zweitens hält der Akku meines Handys nur noch 6-8 Stunden bei intensiver Nutzung, was uns mehrmals auf der Heimfahrt in Schwierigkeiten brachte, weil das Navi dann nicht mehr verfügbar war. Derzeit habe ich ein Einsteigermodell ins Auge gefasst für schlanke 140 Euro.

Dazu kommen noch Akkus + Ladegerät für die Kamerabatterien, da wir doch einen recht heftigen Verbrauch haben und gescheite Einwegbatterien sind mit 5 Euro/4 Stück nicht sonderlich preiswert. 12 Akkus + Station kosten dann aber auch gleich mal knapp 50 Euro.
Dazu noch eine neue Speicherkarte, in extra groß, damit mein Mann jeden Tag seine 800 Fotos machen kann und schon sind wieder 16 Euro weg.

In Summe sind das knapp 400 Euro und wir haben noch nicht mal das Haus verlassen. Sicherlich könnte man ohne Navi zurecht kommen, früher ging es ja auch mit Straßenkarten und Passanten fragen. Aber einen Urlaub ohne Kamera geht nun wirklich nicht. Normalerweise hätte ich mir die Kamera meiner Eltern borgen können, sie haben das 2 Jahre alte Modell (ich bin nun mal echt überzeugt von dem Produkt 😉 ), fahren aber zur selben Zeit wie wir in den Urlaub.
Ich habe zudem geschaut, was denn ein Navi leihweise kosten würde und bei einem seriösen Verleiher wären wir auch mit 50 Euro für die 3 Wochen dabei. Und da kann ich mir gleich für etwas mehr Geld ein neues, eigenes Gerät holen.

Immerhin haben wir mittlerweile den groben Reiseplan fertig und ich werde mich demnächst um die Unterkünfte kümmern. Wenn die dann durch sind, können wir den ungefähren Kostenfaktor des gesamten Urlaubs grob überschlagen. Wird sicherlich ein wenig in den Dispo gehen, aber für unseren letzten größeren Urlaub auf absehbare Zeit nehm ich das in Kauf.

P.S. Wie mir gerade einfällt, wenige Monate nach der Geburt des Großen ist meine damals ebenfalls 5 Jahre alte Kamera kaputt gegangen. Ergo: Geburten sind nicht gut für Kameras 😉
Alternative Theorie: Kameras haben einen Selbstzerstörungsmodus, welcher nach 5 Jahren automatisch aktiviert wird!

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MONTAGSFRAGE // HAPPY END ERWÜNSCHT?

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Nein, bloß nicht!

Erstens mag ich Schnulzenromane nicht, bei denen das Happy End bereits von der ersten Seite an feststeht. Und zweitens finde ich das völlig weltfremd.

Bücher brauchen das Ende, welches zu ihnen passt, nicht das, welches sich der Leser wünscht. Und auch, wenn es weit weg von einem Happy End ist, fand ich das Ende von David Nicholls‘ One Day / Zwei an einem Tag mal so richtig doof. Da hätte es bessere Möglichkeiten gegeben.

Das Harry Potter glücklich enden muss, liegt in der Natur der Sache, Jugendbuch eben. Genauso Tolkiens Herr der Ringe. Wo würden wir denn hinkommen, wenn der Eine Ring eben nicht zerstört würde? Wo bliebe denn die Hoffnung der Menschheit?

Eigentlich finde ich es auch schade, dass mein Lieblingsgenre immer genau das eine Ende hat, im Krimi wird eben am Ende des Buchs der Mörder gefunden. Ab und zu gibt es Abweichungen von dem Muster, sei es, dass der Mörder auf der ersten Seite bekannt gemacht wird -> Ruth Rendells Urteil in Stein, oder aber dass es in ganz seltenen Fällen DEN einen Mörder nicht gibt -> Agatha Christies Mörder im Orientexpress.

Und welches Ende hat mir jetzt gefallen? Ich mach es jetzt mal daran fest, welches Ende mich nachhaltig beeindruckt hat, so sehr, dass es mir schwer fiel, überhaupt ein anderes Buch in die Hand zu nehmen, so lange wirkte es nach:

  • Barbara Vine: Die im Dunklen sieht man doch
  • Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb
  • Isabel Allende: Eva Luna

Das glaubt uns keiner

Die Kleene war heute sehr unruhig und nervös, das kleinste Geräusch erschreckte sie, so dass sie anfing zu weinen. Nun ist das Zusammenleben mit einem großen Rabaukenbruder und zwei Katzen nicht sonderlich geräuscharm, so dass meine Süße heute recht oft erschrocken ist. Nach einer recht entspannten Phase um den Mittag rum ließ sich sich seit dem Nachmittag aber nicht mehr ablegen.

Wir schleppten und wiegten sie, ab und zu schlief sie für kurze Zeit mal ein, bis sie wieder hochgeschreckt wurde. Ich merkte ihr an, dass sie total müde war, aber einfach nicht in den Schlaf fand. Am Abend waren wir alle recht geschafft und ich wollte sie nicht mehr durch die Gegend tragen, nur damit sie beim Ablegen wieder wach würde und der ganze Spaß von vorne los ginge.

Ich legte sie also auf ihre Decke, setzte mich daneben und hielt ihre Hand fest. Sie meckerte und keckerte in bester Ottermanier und ich wartete eigentlich nur darauf, dass sie endlich einnickte.
Doch plötzlich schrie sie wie am Spieß los, als wenn wir sie mit rotglühendem Eisen foltern würden. Erschrocken schaute ich sie an und versuchte herauszufinden, was denn los ist, ob ihr etwas weh tut. Und während ich noch grübelte, was wohl ingesamt eine oder anderthalb Minuten – gefühlt natürlich eine halbe Ewigkeit – gedauert hat, holt sie auf einmal ganz tief Luft, schluchzt noch zweimal, wie man das nach ganz großem Gejammer eben so tut, dreht den Kopf zur Seite und ist eingeschlafen.

Echt jetzt, ich hätte das filmen sollen, denn das glaubt uns sonst niemand.

P.S. Leider ist die Süße immer noch so nervös und hat sich von meinem Tastengeklacker so erschreckt, dass sie wieder wach geworden ist 😦

Die Nierchen wieder

Heute waren wir wieder zur Kontrolle der Doppelniere und deren Entwicklung in der Uniklinik. Früh um 8. Also zu völlig nachtschlafender Zeit. Und dass, wo der Biergarten nebenan gestern bis 2:30 Uhr laute Musik spielte und pünktlich 6:15 Uhr die Baustelle nebenan ihre Bagger anschmiss. Entsprechend ausgeruht und frisch schleppte ich uns zum Krankenhaus.

Als erstes stand wieder der Ultraschall an. Während der 45-minütigen Wartezeit gab meine Süße ihr Bestes und machte ordentlich die Windel voll. Yes. Also fix im Kinderwagen die Windel wechseln. Und dabei passierte etwas, dass sie _noch nie_ gemacht hat, nämlich einfach so ohne Windel um loszupinkeln. Schön mittig auf die Kinderwagenmatratze. Na, was solls. Windelwechsel abgeschlossen und Moltontuch auf die Matratze gelegt.

Beim sehr ausgiebigen Ultraschall pullerte sie irgendwann wieder, aber verfehlte die untergelegte Windel meilenweit. Das kannte ich bisher nur vom Goßen, welcher von Natur aus wesentlich mehr Bewegungsfreiheit in diesem Bereich hat. Da die Ärzte in der Kinderradiologie sowas bei jedem zweiten Patienten erleben, war es auch kein großes Drama. Nur ich durfte dann die 2. und letzte Ersatzwindel ihrer Bestimmung zuführen.

Viertel 10 war dann fertig geschallt und wir durften auf die urologische Station gehen. Dort angekommen teilte uns die Schwester mit, dass der Doktor gerade in einem anderen Termin sei und es noch bis um 10 Uhr dauere. Ich könne ein wenig spazieren gehen. Wenn ich den Wickelraum bräuchte, solle ich einfach Besched sagen, dann schließt sie mir den auf. Ich dagegen hoffte inständig, dass wir den Raum nicht mehr brauchen.

Zum angegeben Zeitpunkt fand ich mich wieder auf der Station ein, so wie 3 andere Patienten auch. Was fehlte, war der Arzt. Der tauchte gegen halb 11 auf und glücklicherweise waren wir die ersten, die dran gekommen sind.

Die Nierenbeckenerweiterung ist immer noch vorhanden und genauso groß wie beim letzten Mal. Der Arzt erklärte, dass dies nicht ungewöhnlich sei, da durch den enormen Druck der Anfangszeit die Wände des Harnleiter und die Niere selbst sich in der Struktur verändert hätten und dies eben seine Zeit dauere bzw. vermutlich so in der Form bestehen bleiben, aber durch das Größenwachstum der Kleenen relativiert wird. Zudem sei auch gar nicht sicher gestellt, dass die obere Nierenanlage, welche zusätzlich da ist und da eigentlich nicht hin gehört, überhaupt richtig arbeitet.

Beim nächsten Termin Mitte Oktober gibt es wie gewohnt den Ultraschall und zusätzlich noch eine MCU, bei der geschaut werden soll, ob eventuell Urin aus der Blase zurück Richtung Niere läuft. Sollte dies nicht der Fall sein, können wir endlich die Antibiotikumprophylaxe beenden. Bis dahin jedoch muss meine Süße jeden Abend ihre Medizin schlucken. Eine Nieren- oder Blaseninfektion will ich allerdings auch nicht riskieren und der Arzt versicherte mir, dass die Dosis nur ein Zehntel der üblichen AB-Menge bei einer richtigen Infektion beträgt. Mit Langzeitfolgen ist nicht zu rechnen, es könne maximal zu einer Störung der Darmflora und damit verbunden zu Durchfall kommen. Aber da die Kleene bislang keinerlei Unverträglichkeiten gezeigt hat, wird sie das vermutlich auch in Zukunft nicht tun.

Dann durften wir endlich wieder nach Hause und ich hau mich jetzt erstmal, zusammen mit meiner Süßen, eine Runde aufs Ohr, wir haben da etwas nachzuholen.
Achja, die Windel hat übrigens bis jetzt gehalten 🙂

Treppenhausgeschäfte

Ich finde, unser Mietshaus ist etwas besonderes. Das mag daran liegen, dass hier hauptsächlich WGs drin wohnen und von den 8 Mietparteien nur 3 „echte“ Familien sind. Dass da öfter mal jemand auszieht und jemand anderes neu einzieht, liegt dann in der Natur der Sache. So sind wir mit unseren knapp 2 Jahren hier schon die drittältesten Hausbewohner.

Durch die hohe Fluktuation hat sich allerdings ein hausinterner Flohmarkt etabliert. Jeder, der etwas loswerden möchte, was er aber zu schade zum Wegwerfen findet, stellt das unten ins Treppenhaus und pappt ein Schild „zu verschenken“ dran. Meist findet sich auch jemand, der genau das haben möchte. Allzu oft sind genau wir das 😉

Ganz oft stehen große Kisten mit Büchern unten und ich finde da immer ein oder zwei Bücher, die ich immer schon mal haben wollte. Manchmal ist es auch ganz praktische Lektüre. So hatte ein Nachbar eines Tages einen Karton voller Lustiger Taschenbücher unten deponiert, den wir uns sofort schnappten. Comics für Kinder geht immer und so hat der Große eine beachtliche Auswahl und muss nicht an meine heißgeliebten und teilweise antiken Sammlerstücke. Mit seinen Comics kann er jetzt machen, was er will und wenn er sie zerfleddern möchte, bitte.

Manchmal stehen kleinere Möbel im Flur, ein Ikea-Lacktisch oder Kommoden beispielsweise. Eine Familie entrümpelte vorm Umzug ihre Küche und bot unter anderem eine Knoblauchpresse feil. Wir hatten wenige Tage zuvor festgestellt, dass wir genau das brauchen und ich würde beim nächsten Stadtbummel nach einer schauen. Hatte sich damit erledigt. Die Presse hat nur einen kleinen Makel, sie hat rosa Griffe, aber einem geschenkten Barsch guckt man bekanntlich nicht in die Kiemen.

Der Große entdeckte ein anderes Mal ein Pfeffer- und Salzstreuerpaar in Katzenform, welches er unbedingt haben musste. Da wir bis dahin keinerlei Streuer unser eigen nannten, durfte er sie mitnehmen.

Bei einem Auszug stand auf einmal eine Kiste voller Gesellschaftsspiele da. Wir suchten uns die am wenigsten nervigen raus und zack, hatte unser Kind Spiele, für die wir sonst teuer Geld bezahlt hätten. Dass die Kartons schon ein wenig angeschlagen sind und vielleicht auch das eine oder andere Zubehörteil fehlt, ist egal, die werden bei uns auch nicht besser.

Wie komme ich gerade darauf? Heute stand wieder so eine Kiste unten und es lachten mich ein Reiseführer Italien und ein Langenscheidtsches Italienischwörterbuch an, zwar die extra große Ausgabe, aber hey, geschenkt 🙂

Es läuft wieder

Und zwar schon seit Freitag, aber mir isses schlicht zu warm für irgendwas kreatives.

Also am Donnerstag war der Geschirrspülerreparaturmensch ein zweites Mal da, hatte auch den richtigen Schlauch dabei, aber fummelte sich einen Wolf, das Ding auch an die richtige Stelle zu kriegen. Er hat sich echt Mühe gegeben, nicht allzu viel zu fluchen, aber es gelang ihm nur leidlich 😉
Am Ende hat er es geschafft und auch den Probekurzlauf hat die Maschine bestanden. Die Rechnung war mit 76 Euro moderat, jedoch wesentlich höher als die ursprünglich angesetzten 50 Euro, was meine Bargeldreserven so komplett erschöpfte, dass ich maximal 20 Cent Trinkgeld hätte geben können und das wäre einer Beleidigung gleich gekommen. Das tat mir echt leid, weil da richtig gefriemelt werden musste.

Gefriemelt und geflucht hat auch mein Autoheilemachspezi. Er schaffte es, nicht einen komplett neuen Fensterhebermotor von Renault besorgen zu müssen, sondern nur die Halterung plus Seilzüge zu tauschen. Allerdings gestand er mir hinterher, dass er diese Reparatur doch bitte nicht noch mal machen möchte, denn er hätte sich beinahe seine Finger dabei gebrochen. Den gewünschten Öl- und Innenraumfilterwechsel hatte er auch durchgeführt und am Ende durfte ich das Auto gegen Hinterlegung einer Kaution in Höhe von knapp 500 Euro wieder mitnehmen. Immer noch viel, aber ein originaler Motor allein hätte schon 400 Euro gekostet, ohne Einbau und Ölwechsel.

Reißt alles ein ziemliches Loch in unsere Finanzen, aber für Italien sollte es trotzdem noch reichen. Wir haben ein wenig auf der hohen Kante und zur Not nutze ich eben meinen Dispo. Es darf jetzt nur nichts neues, unvorhergesehenes kommen. *Daumen drück und klopf auf Holz*

MONTAGSFRAGE // MIT WELCHER ROMANFIGUR WÄRST DU GERNE BEFREUNDET?

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Oh, für das Finden der für mich passenden Antwort habe ich eine ganze Weile gebraucht. Ich stellte mir vor, mit wem könnte ich an einem Strand liegen, Cocktails schlürfen und stundenlang schweigend auf die Wellen starren. Oder alternativ stundenlang mit einem Auto schweigend durch die Gegend gondeln.

Die üblichen Verdächtigen aus dem Harry-Potter- oder Scheibenweltuniversum, meine Krimidetektive oder Fantasieromanhelden fielen alle durch. Und dann dachte ich an Arya Stark. Das fände ich echt cool, mit ihr um die Häuser zu ziehen. Ich würde mich dabei im Hintergrund versteckt halten und ihr einfach bei ihrer Arbeit zuschauen.

Abends würden wir uns dann an den Strand legen und die Cocktails schlürfen. Niemand bräuchte ein Wort zusagen. Doch, das wär cool 🙂

Alles doof

Heute bin ich das „Alles doof“ Schaf. Egal, was es ist, es geht mir auf den Keks.

Keine neuen Blogger-Artikel. Doof.

Auf Twitter ist irgendwie auch Ebbe. Doof.

Blöde Anmache über unseren Erziehungsstil in einem Fußballforum. Ultra doof.

Diese elendige Hitze. Doof.

Ein unleidliches Kind und ein unausgelastetes. Doof.

Übermäßigen Tatendrang, aber keine Ahnung, was ich machen soll. Doof.

Italiener, die so viele Außnahmen bei ihren Grammatikregeln haben, dass man am besten zu jedem Wort separat die richtige Grammatik lernt. Extra doof.

Hatte ich schon die Hitze erwähnt? Doof.

Dazu tut mir irgendwie alles weh. Doof.

Dann vergess ich, was ich noch schreiben wollte. Doppelt doof.

Ich hab irgendwie dauernd Hunger, dabei wollte ich doch ein wenig abnehmen. Sowas von doof.

Will mehr Artikel schreiben, kann aber nicht klar denken. Doof.

 

Ich hoffe, dass sich das alles sehr bald wieder gibt und dass die Temperaturen wieder auf ein erträgliches Maß zurückgehen, denn selbst die Katzen finden heute alles doof.

 

So ein Kindergarten

Am Dienstag hatten wir das Gespräch mit der Erzieherin des Großen. Ich habe sie zum ersten Mal gesehen, ist ein ganz liebe, noch recht jung.

Wir sprachen über den Großen und sein mitunter unterirdisches Benehmen. Sie fragte, seit wann das so wäre und wir sagten, seit G., sein ehemaliger Erzieher, von heute auf morgen den Kindergarten verlassen hat. Mehr oder weniger zu diesem Zeitpunkt wurde auch seine Schwester geboren. A., die Neue, erklärte, dass der Weggang Gs für alle überraschend kam und niemand weiß, warum er gegangen ist.

Sie selber hat versucht, den Kontakt zu ihm herzustellen, bekam jedoch keine Antwort. Sie meinte, wir könnten noch bei der Leitung nachfragen, aber mein Mann schüttelte nur den Kopf. Hätte er schon gemacht, aber keine Antwort erhalten. Uns wundert das alles sehr und natürlich gibt es die wildesten Spekulationen. Ich vermute, er hat sich mit dem Chef oder einem Elternpaar überworfen, denn in einer Infomail vom Kindergarten wurden alle darüber informiert, dass G nach 3-monatiger Kündigungsfrist den Kindergarten verlässt und bis dahin freigestellt ist. Sollten schwerwiegendere Sachen vorgefallen sein, wäre er mit Sicherheit fristlos gekündigt worden.

Unser Kind erzählt leider nur sporadisch vom Kindergarten, aber wenn er erzählt, dann bezeichnet er sich selber immer noch als Gs Kind. Dazu muss man wissen, dass 2 bis 3 reguläre Kindergartengruppen in einer großen Gruppe auf einer Etage zusammen sind und jedes Kind einen sogenannten Bezugserzieher hat, der die Entwicklung des Kindes überwacht und bei Fragen und Problemen von Kindern und Eltern bereit steht.
Von sich aus hat unser Großer noch nie von A erzählt, erst auf Nachfrage bestätigte er, dass er jetzt ein A-Kind sei.

Mit dem Weggang Gs gab es zudem strukturelle Umbauten im Kindergarten. Mehrere andere Erzieher haben sich krank gemeldet oder gekündigt, so dass die heißgeliebten, regelmäßigen Montagswanderungen in ein nahe gelegenes Wäldchen ausfallen mussten.
Jeden Freitag war Experimentetag, wo G sehr anschaulich den Kindern ein bestimmtes Thema näher gebracht hat. Einmal erklärte er bspw., warum frische Blätter grün und alte Blätter braun sind und warum die braunen Blätter gut brennen, die grünen hingegen gar nicht.
Auch die anderen Tage hatten bestimmte Themen, aber ich gehe davon aus, dass diese, da nicht so umfangreich, fortgeführt wurden.

Auf jeden Fall sind allein die Ereignisse im Kindergarten schon ziemlich heftig und müssen von so einem kleinen Kind erstmal verarbeitet werden. Dass dann zusätzlich noch die kleine Schwester kam, hat dem ganzen die Krone aufgesetzt. Er brauchte einfach einen Prellbock, um seine ganze Wut, den Ärger und seine Ängste irgendwie abzubauen. Und diesen Job mussten und müssen wir wohl oder übel übernehmen.

Wir sprachen dann noch über Möglichkeiten, den Kleenen dabei zu unterstützen. Ganz wichtig dabei ist, ihm immer wieder zu erklären, warum G nicht mehr da ist. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er eine Arbeit in seiner Heimatstadt gefunden und deswegen weggegangen ist. Nur deswegen und nicht, weil er den Großen nicht mehr mag oder was auch immer er sich eingeredet hat.

A sucht zusätzlich das Gespräch mit dem Großen, sobald sie dazu Gelegenheit hat, denn derzeit sind mehrere Erzieher krank und sie kümmert sich zeitweise allein um 25 Kinder, und will auch noch mal ausloten, was sie in Sachen G ausrichten kann. Außerdem meinte sie, dass sie Gs Ansichten nicht unbedingt teile, was die Vorschulbildung angehe. Es ist durchaus angezeigt, dass er Lesen, Schreiben und Rechnen lernen kann, wenn er das von sich aus möchte. Es wäre entwicklungstechnisch jetzt eh an der Reihe, dass er einfache Rechenaufgaben lösen und seinen Namen schreiben könne. Na, wenn es nur das ist, das kriegen wir hin. Ich hab von einer Freundin vor einiger Zeit einen Tipp zu altersgerechten Lernhilfen bekommen und da werden wir einfach mal aktiv werden. (Werde dazu evtl. noch einen separaten Beitrag verfassen.)

Zum Schluss tauschten wir uns noch über die Macken unseres Rabauken aus. Wie er genau weiß, dass es falsch ist, der Katze auf den Schwanz zu latschen. Wie entnervend es ist, wenn er gefragt wird, warum er das tut und dann entweder gar keine Reaktion oder ein genuscheltes „ich weiß nicht“ kommt. Er kennt alle Regeln, entscheidet sich dennoch, diese nicht zu befolgen. Als er das jetzt zu Hause machte, fragte ich ihn, warum. Als erstes kam wieder „ich weiß nicht“, doch das ließ diesmal ich nicht gelten. Ich hakte nach, er zierte sich und ich zählte von 3 runter. Seltsamerweise wirkt dieser kleine Countdown immer. Spätestens beim Luftholen zu 1 hat er plötzlich eine Antwort parat. Selbst bei so simplen Sachen wie „welche Eissorte möchtest du?“ muss der Countdown her, sonst stehen wir ewig vor der Eistheke.
Als ich also von 3 runter zähle, sagt er mir bei 2, dass es ihm Spaß mache. Auch, wenn er keine 2 Sekunden später die Aussage widerrufen hat, denke ich, dass das der Wahrheit recht nahe kommt.

Nun stellt sich die Frage, warum macht ihm das Spaß? Weil er sich als Rebell fühlen kann? Weil die Trotzigen im Kindergarten die Helden sind? Geht der Gruppendruck schon los? Ist es der Versuch, unsere Aufmerksamkeit zu kriegen? Oder Eifersucht auf seine Schwester? Weil der eigentlich coole Job als großer Bruder in echt ziemlich uncool ist?
Vermutlich wird es eine Mischung aus allem sein.

A und wir sind uns ziemlich sicher, dass es für den Großen besser wird, wenn er offiziell als Vorschulkind zählt. Dann bekommt er wesentlich mehr Geistesfutter, es gibt wieder regelmäßig Ausflüge, diesmal in Schulen, und er ist mit seinen besten Freunden, nachdem einer davon, ein chinesischer Junge wegen Sprachdefiziten zurückgestellt wurde, in einem kleinen, elitären Kreis.
Seit letzter Woche geht er jeden Donnerstag zur Ballschule, exklusives (Fußball-)Training nur für ihn. Es gefällt ihm, er mag den Trainer und er lernt neue Tricks.

Ich bin zwar noch skeptisch, aber die letzten beiden Tage waren recht friedlich, vielleicht entspannt sich die Situation ja langsam. Unser Verständnis für seine schwierige Situation ist aber mit Sicherheit ein guter Anfang.