Justizskandal

Vor gut einem Jahr besuchten wir Freunde im Hessischen. Auf der Rückfahrt meinte ein Autofahrer, dass die Autobahn ihm gehöre. Schon von Weitem konnte ich ihn im Rückspiegel beobachten, wie er auf der linken Spur fuhr, Blinker links und ständig Lichthupe gebend. Da er aber entgegen seiner Meinung nicht alleine unterwegs war und ich selber mit dem Überholen von langsameren Fahrzeugen beschäftigt, blockierte ich die linke Spur. Immer noch Lichthupe gebend fuhr er extrem dicht auf und blieb auch während meines gesamten Überholvorgangs an meinem Hintern kleben.

Nun habe ich schon so um die 250.000 selbstgefahrene Autobahnkilometer hinter mir und habe solche Situationen bereits zur Genüge erlebt, als dass sie mich wirklich noch aufregen könnten. Durch das Feedback diverser Mitfahrer, die ich auf meinen unzähligen Pendlerfahrten an Bord hatte, weiß ich, dass ich ein guter, besonnener und rücksichtsvoller Autofahrer bin. Ich fahre so oft es geht rechts, achte auf den rückwärtigen Verkehr und habe gelernt, dass es wichtiger ist, gesund am Ziel anzukommen als am schnellsten.

Ich ärgerte mich also nur kurz über den Autofahrer, beendete den Überholvorgang und scherte rechts wieder ein. Aus Neugier schaute ich mir den Drängler an, als er an mir vorbei fuhr, sah aber nur seine Beifahrerin, welche mir per Handzeichen unmissverständlich klar machte, was sie von meiner Fahrweise hielt. Jetzt ärgerte ich mich so richtig und beschloss, es diesmal nicht auf sich beruhen zu lassen. Ich prägte mir das Kennzeichen ein und stellte zuhause online Anzeige gegen das Paar.

Kurz darauf bekam ich von der zuständigen Polizeibehörde einen Brief mit Formularen zum Ausfüllen und der Bitte, den Tathergang nochmals ausführlich mit meinen Worten zu schildern, was ich bereitwillig tat. Allerdings hatte ich mit den Formularen so meine Probleme. Nun bilde ich mir ein, dass ich ein halbwegs intelligenter Mensch bin, der ausreichend gut der deutschen Sprache mächtig ist und im Allgemeinen versteht, was Behörden von mir wollen. Aber jener Vordruck war so voll von Hinweisen, dass dieses Feld bitte nur vom verantwortlichen Polizisten, jenes Feld vom Antragsteller und diverse Felder gar nicht ausgefüllt werden dürfen, dass ich relativ ratlos davor saß. Auch mein Mann konnte mir nicht weiter helfen. Ich füllte also das Formular nach besten Wissen und Gewissen aus und vertraute darauf, dass sich die Polizei schon melden würde, wenn etwas fehlt.

Einige Zeit später, die ganze Geschichte hatte sich gerade aus meinem Gedächtnis geschlichen, bekam ich die Vorladung zur Wahllichtbildvorlage, bei der ich nur die Beifahrerin, nicht aber den Fahrer, sicher identifizieren konnte. Dann passierte wieder einige Monate nichts, dann kam wieder ein Brief der Polizei, sie bräuchten noch dieses oder jenes, was ich wiederum bereitwillig lieferte.

Im Frühjahr dieses Jahres, wiederum hatte ich die Angelegenheit gerade vergessen, kam ein Brief, dass ich auf dem ursprünglichen Strafantrag die Unterschrift vergessen hätte und ob ich diese denn zeitnah nachliefern könnte. Ich kam der Aufforderung nach und hoffte aufs Beste.

Doch vor Kurzem bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren eingestellt werden müsse, weil auf dem ursprünglichen Strafantrag meine Unterschrift fehle und ich die innerhalb von 3 Monaten nach Antragstellung hätte liefern müssen. Na toll.

Da hat es also der Beamte nicht geschafft, meinen Antrag auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu prüfen. Stattdessen setzte er den kompletten polizeilichen Ermittlungsapparat in Bewegung, stahl anderen Dienststellen und mir die Zeit und verschwendete Steuergelder in unbekannter Höhe. Von der nicht geahndeten Beleidigung meiner Person mal ganz angesehen.

Irgendwie glaube ich nicht, dass dies ein Einzelfall ist 😦

Ein Kommentar zu “Justizskandal

  1. Mama-I sagt:

    Wir haben neulich eine alte (!) Autofahrerin gemeldet die als Geisterfahrerin in die AutobahnABFAHRT gefahren ist, auf unser mehrfaches hupen nicht reagiert hat und dann, als es auf die Autobahn ging, scharf nach rechts abgebogen ist um in die richtige Richtung in Schneckentempo weiterzufahren. Das kam aber bestimmt keiner Anzeige gleich. Vielleicht sollte ich es noch nachholen.

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