Leichtes Gepäck

Seit einigen Tagen wirbele ich durch die Wohnung, als gäbe es kein Morgen. Und irgendwie ist das auch der Grund für die Wirbelei. Falls mir etwas im Urlaub zustoßen sollte, dann muss ich mich nicht schämen, wenn die Nachlassverwalter unseren Haushalt auseinander nehmen.

Im Grunde könnte es mir ja egal sein, ich krieg es ja nicht mehr mit, aber es ist mir eben nicht egal. Außerdem kann ich gleichzeitig einer weiteren Leidenschaft frönen, dem Wegwerfen nämlich. Ich entrümpele und miste unglaublich gerne aus. Ich finde, das hat etwas befreiendes.

Einer meiner Ex-Schwiegerväter war gelernter Schreiner, aber als ich ihn kennenlernte bereits mehrere Jahre im Ruhestand. Trotzdem lagen im nicht gerade kleinen Garten diverse Holzstapel, ordentlich mit Planen abgedeckt, vom Unkraut teilweise schon halb zugewachsen. Als ich ihn fragte, warum er denn das noch aufhebt, man könnte den Garten doch sicherlich anders nutzen, meinte er, dass er das Holz bestimmt noch mal gebrauchen kann. Falls er mal wieder einen Schrank zimmern möchte.
Leider war dieses Sammelgen auf seinen Sprößling übergegangen. Der konnte auch nichts wegschmeißen. Ist doch noch gut, kann man sicherlich noch mal gebrauchen. Nach 1,5 Jahren habe ich ihn dann entsorgt.

Mein anschließender Auszug war die erste echte Entrümpelungsaktion meines Lebens. Ich nahm meine Studienunterlagen, meinen Computer, den Hasen und das Meerschweinchen und meine Bücher mit. Ein oder zwei Regale waren wohl auch noch dabei. Die Wohnung möblierte ich mit meinen alten Kinderzimmermöbeln und preiswert zusammengesuchten Schränken. Ich wohnte genau 2 Wochen in diesem Heim, bevor ich meinen jetzt Ex-Freund kennenlernte und mehr oder weniger bei ihm einzog. 2 Jahre später gab ich dann tatsächlich die Wohnung auf, weitere 3 Jahre später war die Beziehung vorbei und ich zog ins Württembergische.

Mit 13 Bücherkisten und einer Reisetasche voll Klamotten. Und einem oder zwei Regalen. Ohne Computer diesmal, Hase und Meerschweinchen waren mittlerweile altersbedingt gestorben.
Also wieder alles auf Null. Immerhin bewohnte ich diese Wohnung ein gutes halbes Jahr und das auch nur, weil ich so schnell keinen neuen Job in meiner alten Heimat fand, denn nach nur 4 Wochen im nicht ganz so trauten Heim allein lernte ich meinen Mann kennen.

Diesmal nahm ich tatsächlich alle Möbel und Gegenstände mit, mein Mann hatte als WG-bewohnender Student nur ein oder zwei Regale zur Einrichtung beizutragen. Die erste gemeinsame Wohnung war anfangs mehr improvisiert katalogreif möbliert. Die Matratze auf dem Boden, Garderobenständer als Kleiderschränke, Schwerlastregale in der Küche, aus einem dichtgemachten Jugendclub mitgenommene Stühle. Als ich nach 3 Jahren im trauten Heim schwanger wurde und der nächste Umzug anstand, gab es das nächste große Entrümpeln. Ich wollte alles wegwerfen, mein Mann klammerte sich verzweifelt an alles. Also schmiss ich mein überflüssiges Zeug weg und seines zog mit um.

Weitere 3 Jahre später der nächste Umzug und diesmal entrümpelte mein Mann auch ordentlich. Er hatte gemerkt, dass er viele von den Dingen, die man ja noch mal gebrauchen könnte, in den 3 Jahren nicht gebraucht hat. Und wenn keine speziellen Erinnerungen dran hängen, dann bringt es auch nichts, diesen Ballast weiter mit sich rum zu schleppen.

Und auch, wenn wir im Alltag schon relativ viel nicht aufheben, sammelt sich noch genug an, um mich immer wieder in Erstaunen zu versetzen. Heute war das Bad dran und eine mittelgroße Einkaufstüte überflüssigen Krams sind da auf den 8 m² zusammengekommen. Alte Shampoo-Pröbchen, eingetrocknete Creme-Tiegel und Erfrischungstücherpackungen, fast leere Schaumbadflaschen mit fingerdicker Staubschicht, ungenutzte Rasierer und Nahrungsergänzungsmittel, siffige Haarbürsten und brüchige Haargummis und ähnlicher Kram.

Das Wohnzimmer war vorgestern dran. Da war es eine große Einkaufstüte. Aber das Zimmer ist ja auch größer. Morgen folgt die Küche.

Für leichtes Gepäck auf der Reise des Lebens.

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5 Kommentare zu “Leichtes Gepäck

  1. Ich müsste das auch mal viel öfters mit dem Entrümpeln machen! 😉

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