Flutlicht

Es geht mal wieder um Susi, meine Schwangerschaftsvertretung. Susi hält sich ja eh für das größte Geschenk an die Menschheit seit der Erfindung von geschnitten Brot und hat grundsätzlich zu allem und jedem eine Meinung.

So begab es sich Mitte der letzten Woche, dass die zweite Runde des DFB-Pokals anstand und wir als Familie im Stadion zugegen waren, um unsere Mannschaft anzufeuern. Leider gab es bei diesem Spiel ein etwas unappetitliches Problem, da die Damentoiletten massiv verunreinigt worden sind, welches ich danach im Fanforum zur Sprache brachte. Klar passiert es mal, dass jemand daneben pinkelt und ein paar Tropfen auf der Brille landen oder in der Aufregung das Spülen vergisst. Doch dieses Mal wurden gezielt die Hälfte aller Toiletten beschmutzt und das fand ich schon eklig.

Es entbrannte eine Diskussion, dass man das als Fan wohl abkönnen muss und man sollte gar nicht bei den Männern schauen, da wäre alles viel schlimmer und in anderen Stadien erst und so weiter. Ich konterte, dass es während der letzten Jahre nicht ein einziges Mal diesbezüglich Probleme gab und es mich eben wundert, warum ausgerechnet an diesem Abend. Ich fügte hinzu, dass ich notgedrungen wegen der zwei Kinder häufig auf den Örtlichkeiten zugange bin.

Diese Äußerung nahm Susi zum Anlass, um mitten in die Diskussion zu fragen, ob denn meine Kinder, allen voran die Kleine, um diese Uhrzeit nicht viel besser zuhause aufgehoben seien.
Dieser Kommentar find ich aus zwei Gründen unmöglich:

  1. Das hat überhaupt nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun.
  2. Susi kann auf einen riesigen Erfahrungsschatz in Sachen Kindererziehung zurückgreifen, immerhin hat sie selber genau Null Kinder und weiß genau nicht, wovon sie spricht.

Am meisten allerdings kotzt mich an, und dafür kann Susi nichts, dass mich dieser Kommentar, von ihr nur kurz hingerotzt und nach drei Sekunden vermutlich schon wieder komplett vergessen, so ewig lang beschäftigt. Ich kann nicht, wie von anderen immer wieder bei (Internet-)Diskussionen gefordert, solche Bemerkungen einfach ignorieren, ich nehm mir den Kram zu herzen. Selbst, wenn ich mir hundert mal einrede, dass es das nicht wert ist, es beschäftigt mich trotzdem.

Nun liegt es mir fern, mich zu rechtfertigen, dennoch möchte ich beschreiben, wie ein typischer Stadionbesuch aussieht, um unsicheren Eltern zu zeigen, dass man mit Kindern durchaus auch solche eher ungewöhnlichen Veranstaltungen mitnehmen kann. Ich weiß, dass Kinder unterschiedlich sind und es eben nicht jedem Kind gefallen wird. Doch habe ich zwei sehr unterschiedliche Exemplare hier daheim, aber beide lieben bislang diese Besuche.

Der Kleene war mit 6 Monaten das erste Mal bei einem Fussballspiel, bei einer kleinen Dorfmannschaft, wo knapp 500 Zuschauer dabei waren. Er fand das gut, nur beim Torjubel hat er sich erschrocken, weil der so plötzlich kam. Er ist dann quasi in das Fandasein reingewachsen und er freut sich heute immer auf jedes einzelne Spiel, auch weil er dort „seine“ Stadionfreunde wieder sieht und auch mal richtig die Sau rauslassen kann.

Meine Süße war mit 4 Wochen das erste Mal dabei, mittlerweile ist das Dorfstadion einer richtigen Arena gewichen und die Zuschauerzahlen sind entsprechend höher. Deswegen haben wir Kinderohrenschützer geholt, diese bekommt sie noch vor dem Stadion aufgesetzt und sie kann sich ganz ungestört dem Umschauen und fremde Leute angrinsen widmen. Wenn sie Hunger hat, wird sie gestillt, entweder auf der Toilette oder direkt auf dem Rang. Auf der Toilette hat es den Vorteil, dass ich ihr die Ohrenschützer abnehmen und gleich vor Ort wickeln kann. Auf dem Rang verpasse ich nichts vom Spiel, kann aber auch nicht die Ohrenschützer abnehmen und manchmal drücken die etwas doof auf den Arm. Ob die umstehenden Fans etwas davon mitbekommen, ist mir egal, am Ende sind es eh nur ca. 10 mögliche Personen und wenn ich doch mal unvorsichtig genug bin und ein entblößter Nippel für Millisekunden aufblitzt, dann ist es eben so.

Am wahrscheinlichsten verschläft mein Baby das meiste. Sie kuschelt sich dann an mich, ich mach die Schotten vom Bondolino dicht und für mindestens eine Stunde ist dann Ruhe. Wir sind bei uns im Block mittlerweile eine kleine Berühmtheit, viele kennen uns schon und noch nie hat uns jemand darauf angesprochen, wie unverantwortlich das ist. Warum auch, alle sehen ein ausgeglichenes, lächelndes Kind. Sollte ich das Gefühl haben, dass es der Kleenen nicht gefällt, geh ich entweder kurz aus dem Trubel raus oder ganz nach Hause. Letzteres war bislang noch nie nötig.

Wir haben das beim Großen angefangen, ihn zu allen möglichen Veranstaltungen mitzunehmen, mit ihm ins Restaurant zu gehen, zu Freunden auf Geburtstagsfeiern und führen das jetzt mit der Kleinen fort. So sind die Kinder von klein auf so etwas gewöhnt und wir als Eltern müssen nicht komplett auf gesellschaftliches Leben verzichten.

Wie auch immer, ich geh jetzt mit meiner Familie zum Montagsspiel, mit Flutlicht, und werde mich überhaupt nicht schlecht oder als Rabenmutter fühlen.

4 Kommentare zu “Flutlicht

  1. Viel Spaß! Und lass dir das nicht durch irgendwelche Kommentare vermiesen.

    Ich finde es richtig, dass ihr eure Kinder von Kleinauf in eure Fußballleidenschaft integriert. Das Leben hört doch nicht auf, nur weil man Kinder hat. Wir erobern uns auch so langsam das normale Leben wieder.

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  2. Evy sagt:

    Kinderohrenschützer sind doch sehr verantwortungsvoll. Ich habe mich aber auch schon darüber ausgelassen, warum man ein kleines Kind nicht nur nach 22 Uhr auf ein (Mini-)Festival rumtragen, sondern auch mitten in der Menge auf dem Töpfchen sein Geschäft verrichten kann. Du hast natürlich recht: Wenn sie es gewohnt sind und Ohrenschützer aufhaben. Aber was ist, wenn sie schlafen wollen?

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    • xayriel sagt:

      Wenn die Kleine schlafen will, kann sie das jederzeit im Tragetuch/Tragehilfe tun. Der Große ist schon eher ein Problem, denn ab 22 Uhr wird er echt knatschig, aber spätestens dann geht’s eben heim.

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  3. Seh ich auch so. Mein Mann hat die Lütte jede Woche mit bei Kumpels und kommt erst spät nach Hause. Sie schläft dann in der Trage und danach im Bett weiter. Tut ihrem Rhythmus keinen Abbruch und die Männer lieben sie abgöttisch 🙂

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