Risiken und Nebenwirkungen

Grundsätzlich lese ich keine Beipackzettel von Medikamenten, bis auf die Einnahmehinweise vielleicht, wenn mein Arzt mir da keine klaren Anweisungen gegeben hat oder ich unsicher bin, ob vor, während oder nach dem Essen die beste Zeit ist. Ich denke nämlich, dass wenn ich die Nebenwirkungen kenne, ich diese auch umgehend bekomme 🙂

Am Donnerstag nahm ich die erste halbe Tablette Sertralin und tat das, was ich bis dahin auch schon getan hatte. Nach einer Stunde dieses Tuns merkte ich, dass mir irgendwie labbrig wurde und meine Beine ganz wackelig wurden. Ungefähr so, als wenn ich sehr lange gestanden und dabei nichts gegessen hätte. Beides traf nicht auf mich zu, also schnappte ich mir den Beipackzettel und schaute mir die Nebenwirkungen an. Und siehe, da stand bei „gelegentlich“: Muskelschwäche, Schwindelgefühl beim Aufstehen.

Beim Lesen bis zu dieser Stelle bin ich allerdings über sich widersprechende Nebenwirkungen gestoßen und sowas amüsiert mich immer wieder aufs Neue. Appetitlosigkeit, verstärkter Appetit; Schüttelfrost, Hitzewallungen; langsamer Herzschlag, schneller Herzschlag; Durchfall, Verstopfung.

Ich hab dann gar nicht weiter gelesen, weil schon bei den sehr häufigen und häufigen Nebenwirkungen so ziemlich alles dabei war.

Bis heute. Seit gestern plagen mich abartige Rückenschmerzen, als hätte ich den ganzen Tag Zementsäcke geschleppt oder sowas. Hab ich aber nicht, nur ein wenig die Süße hochgehoben und bei den Arztbesuchen länger mal auf dem Arm gehabt. Aber nichts, was derartige Schmerzen rechtfertigen würde. Außerdem reichte es in der Vergangenheit, wenn ich mir eine volle Dröhnung Paracetamol vorm Schlafen gehen eingeworfen habe, da konnten sich die verspannten Muskeln über Nacht schön entspannen und am nächsten Tag war alles gut.

Nun hat jedoch bereits die dritte Dröhnung ihre Wirkung versagt, so dass ich dann doch noch einmal den Beipackzettel hervorkramte. Angespannte Muskeln, Muskelschmerzen, unwillkürliche Muskelkontraktionen, Muskelzucken, Rückenschmerzen. Gut, dass wir drüber geredet haben :/

Sonst hab ich ganz selten irgendwelche Nebenwirkungen, aber hier fass ich mal richtig tief in die Trickkiste. Obwohl, wenn ich mir den Rest wie Sehstörungen, pfeifender Atem, Bauchschmerzen, Halluzinationen, Amnesie, Nesselsucht so anschaue, sollte ich vielleicht froh sein, dass es nur muskuläre Reaktionen sind.

Ich werde weiter beobachten, mal schauen, ob ich noch was von den seltenen Nebenwirkungen ergattern kann. Ist so ein bisschen wie Bullshit-Bingo 😉

Unser Berufsverband zu Impfpolitik in Deutschland

Dafür!

Kinder- und Jugendärzte: Politik tut nicht genug für Durchimpfung – „Beratungspflicht allein ist zu wenig“

„Gesundheitsminister Gröhe und Entwicklungshilfeminister Müller haben sich bei der Gavi-Konferenz am 26. 1. und 27.1. in Berlin zur globalen Kindergesundheit und zum Grundrecht eines jeden Kindes auf Schutz durch Impfungen geäußert und sich zugleich auch über die nachlassende Impfbereitschaft in Deutschland beklagt. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt diese Haltung, erinnert jedoch gleichzeitig daran, dass der unzureichende Impfschutz und die nachlassende Impfbereitschaft politische Gründe haben und mit den Mitteln der Politik stärker als bisher bekämpft werden müssen.

„Die Bundesregierung handelt nicht konsequent genug, um das Recht eines jeden Kindes auf bestmögliche gesundheitliche Versorgung und auf Schutz durch Impfungen auch in Deutschland durchzusetzen,“ so Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte heute in Köln. „Eltern in Deutschland haben immer noch das Recht, ihren Kindern den Impfschutz vorzuenthalten und Flüchtlingskinder erhalten nur Zugang…

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Zuviel – Update

Ich hab heute meinen ganzen Mut (der Verzweiflung) zusammen genommen und bei meiner Therapeutin angerufen. Sie konnte sich noch an mich erinnern, meinte aber, ich solle im März noch mal anrufen, dann könne sie mir eventuell Termine für April oder Mai oder vielleicht auch erst Juni geben. Nicht so prall, wenn ich jetzt Hilfe brauche. Sie gab mir daher den Hinweis, es bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu versuchen, die würden wohl auch die Anrufe bei den Therapeuten übernehmen, bis jemand gefunden wäre, der freie Termine hätte. Kommt mir mit meiner Telephonphobie sehr entgegen.

Also Nummer rausgesucht, angerufen, bei der Vermittlung gelandet, Sprüchlein aufgesagt, sollte weiter verbunden werden, aber dann sagte mir die Dame, dass Telefonzeiten nur von 8:30 – 12:30 Uhr sind. Tja, da war ich um 13 Uhr ein bissl zu spät dran. Sie hat mir aber noch die direkte Durchwahl gegeben und ich versuche es morgen nochmal.

Dann war ich noch bei meinem Hausarzt, für ein bisschen medikamentöse Unterstützung, welche er auch gewährte, kennt er doch meine Vorgeschichte. Sertralin bekommen und den Hinweis, das Medikament schleichend einzuführen, also erst eine Vierteltablette pro Tag in der 1. Woche, dann eine halbe in der 2. und ab dann die normale volle Dosis. Ja, würde ich machen, bis ich die Tablettengröße gesehen habe. Beim Teilen in Hälften hab ich mir fast die Finger gebrochen, so winzig sind die Dinger. Wie ich da Viertel draus machen soll, ohne die zu pulverisieren, weiß ich nicht, also fang ich mit der halben Dosis an und hoffe aufs Beste.

Zuviel

Sieht so aus, als müsste ich den vergangenen Monaten letztendlich Tribut zollen.

Mir geht es nicht gut. Ich schlafe schlecht. Bin häufig mies gelaunt. Kann mich zu nichts aufraffen. Habe ständig Kopfschmerzen.

Am liebsten würde ich mich für 1-2 Wochen einfach aus der Welt ausklinken, ganz allein irgendwo hin fahren, egal wo, Hauptsache weg von der Verantwortung, der Abhängigkeit, dem Müssen.

Ich liebe mein Mädchen über alles, doch derzeit nervt es mich so unglaublich, da sie – mal wieder – jegliche feste Nahrung verweigert und nur auf mich fixiert ist. Meist mag ich die intimen Momente des Stillen, aber gerade jetzt ist es mir zuviel.

Zuviel, immer diese Familie vorm Zerbrechen zu bewahren, zumal ich das Gefühl habe, dass diese Bestrebungen nur einseitig sind. Mein Mann weigert sich, sich professionelle Hilfe zu suchen und macht einfach weiter wie bisher. Für ihn scheint das alles normal zu sein, während ich leide. Darüber reden will er nicht.

Mein Vertrauen ist zerstört. Schön, dass er jetzt wieder öfter weggeht, sich mit Freunden trifft, aus seiner Lethargie erwacht. Bei mir ist jedoch jedes Mal die Angst dabei, dass am nächsten Morgen alles anders ist, dass nachts zuvor erneut jemand war, der ihm gezeigt hat, was alles möglich sein kann.

Aus dem angepeilten Gespräch zwischen Weihnachten und Neujahr ist nichts geworden, er hat es schlicht ausgesessen. Als ich ihn darauf ansprach, zeigte er sich gesprächsbereit, doch am Ende habe nur ich Vorschläge gemacht, welche er alle gut fand, von denen aber nicht ein einziger bisher umgesetzt wurde.  Von ihm kam nichts.

In all dieses Chaos kam die Nachricht mit der Kündigung. Wo meine Kraft gerade so zum Überleben reicht, soll ich mich zudem noch dem demütigenden Prozess der Bewerbungen, Vorstellungsgespräche und Absagen widmen.

Eigentlich steht auch immer noch der Umzug im Raum, da sich die Hausverwaltung wie gewohnt nicht um das Schimmelproblem kümmert. Übrigens kümmert sie sich auch nicht um eine mögliche Ratenzahlung der Nebenkostennachzahlung, ein weiteres Thema, welches unerledigt auf dem Tisch rumlungert. Für einen Umzug bräuchten wir aber eine neue Wohnung, aber wie soll man eine finden, wenn man nicht mal danach sucht. Wenn ich es nicht mache, dann auch kein anderer.

Wie beim Thema Einschulung, Schulwechsel, Schuleingangsuntersuchung, Auto, Urlaub, Kindergrippe, …

Ich könnte mir vom Arzt was verschreiben lassen, doch dazu müsste ich zu ihm hingehen. Derzeit für mich unmöglich. Meine Therapeutin anrufen. Genauso unmöglich.

Mehr schlafen. Mein Kopf lässt mich nicht.

Mehr.

Zuviel.

Superkräfte

Seit heute habe ich auch eine Superkraft: ich kann Heizungsanlagen außer Kraft setzen!

Yay! Mal schauen, wie nützlich sich das im weiteren Verlauf so erweist 😉

 

Heute morgen wurde irgendwas an der Heizungsanlage gemacht. Es gab keine Informationen dazu oder gar eine Vorwarnung. Alles, was wir davon mitbekamen, war ein lautes Geglucker in der Heizung, welches ich dadurch behob, dass ich die Heizung im Schlafzimmer abstellte, mich umdrehte und noch ein wenig ratzte.

Nach dem Aufstehen merkte ich, dass sämtliche Heizkörper kalt sind. Als Klempnertochter kein Ding, erstmal alle Heizkörper entlüften, das Geglucker kam ja bestimmt nicht von ungefähr. Und nötig war es, 4 Heizkörper hatten wohl nur noch Restwasser in sich und da alle Heizkörper in unserer Wohnung in Reihe montiert sind, blockierten die leeren die vollen.

Schon kurz nach dem Entlüften wurden alle Heizkörper warm, aber nach kurzer Zeit war Ruhe, alles wieder kalt. Ich nochmal mit meinem Schlüsselchen losgezogen, aber alle Heizkörper immer noch bis Anschlag voll. Also Heizungsservice angerufen, ging niemand ran. Dann eben der Hausmeister, der explizit für Notfälle vorgesehen ist. Und eine arschkalte Wohnung ist bei mir immer ein Notfall.

Der kam auch recht fix, überzeugte sich von der Richtigkeit meiner Angaben und versuchte dann selbst, den Heizungsservice zu erreichen. Erst im dritten Versuch hatte er jemanden am Ohr, redete kurz mit ihm und wollte dann im zentralen Heizungsraum noch mal nachschauen. Er würde sich aber auf jeden Fall noch mal melden.

10 Minuten später hörte ich das ersehnte Rauschen in der Heizung, zusammen mit ein wenig Gluckern und der Hausmeister meldete sich auch wieder. Es sollte jetzt alles ok sein.

Ursache war, dass ich durch meine Entlüftungsaktion soviel neues Wasser in den Heizungskreislauf gepumpt hatte, dass der zentrale Heizkessel dachte, das es irgendwo ein Leck im System gibt und vorsichtshalber mal abgeschaltet hat. Hätte ich das mit zeitlichem Versatz gemacht, wäre alles heile geblieben und wir hätten es die ganze Zeit schön kuschlig warm gehabt.

Hätte man einem auch mal vorher sagen können.

Bibbern

Pünktlich zum Wochenendfeierabend 13 Uhr ist bei uns die Heizung ausgefallen. Es ist arschkalt in der Wohnung und die mich seit einer Woche plagende Erkältung macht gerade richtig ernst. Kein Wunder, dass das Kind extra kuschelig ist.

Warum passieren solche Dinge nie Dienstag Vormittag?

Neulich um Mitternacht

Aus der Kategorie „Dinge, die einem niemand vor dem Elternwerden sagt“: Einmal um Mitternacht das Bett komplett neu beziehen, weil das große Kindlein einen Alptraum hatte und nicht an sich halten konnte. Gerade, als man es sich selbst im Bett gemütlich machen wollte.

Bonuspunkte gibt es für:

  • Abduschen eines wasserscheuen Jungen
  • dicke Krokodilstränen wegwischen, obwohl niemand geschimpft hat
  • sich ganz dolle beeilen, weil das Kindlein bibbernd in der Kälte steht

Extra-Bonuspunkt für:

  • Trotz des daraus resultierenden Schweißausbruchs nicht ins frische Bett kleckern

Doch, Elternsein fetzt 😉

P.S.: So schön das KURA vom Möbelschweden ist, beim Bett beziehen ist es eine Katastrophe!

28 Stunden

Um 7 Uhr am Dienstag Morgen fanden wir uns in der Uniklinik ein. Als erstes mussten wir zur Anmeldung, alle unsere Daten aufnehmen und eine Unmenge an Klebeettiketten ausdrucken lassen. Mit einem kleinen Stapel an Papierkram, Klebekram, Stoffbeutel und Kugelschreiber sollten wir dann auf Station gehen.

Mittlerweile kenne ich mich so gut in der Klinik aus, dass mir bunte Klebelurche auch nicht mehr weiter helfen und keine zwei Minuten später standen wir am Stützpunkt der kinderchirurgischen Station. Dort wurden die Etiketten und das U-Heft in Empfang genommen und wir bekamen ein Zimmer zugewiesen. Zu diesem Zeitpunkt gingen wir immer noch davon aus, dass die OP für 7:30 Uhr angesetzt war, obwohl ich nicht mehr wirklich daran glaubte. Ich hätte dafür mehr Action erwartet.

Es wurde halb Acht, es wurde um 9 Uhr, es wurde halb 10 Uhr. Es tat sich nichts. Irgendwann sagte mir „meine“ Schwester, dass die OP für 10:30 Uhr geplant war. Immerhin eine erste Aussage. Meine Süße brabbelte vergnügt vor sich hin, sie störte es nicht, dass sie seit 3 Stunden kein Frühstück hatte. Das letzte Mal wurde sie um 3 Uhr nachts gefüttert, das nächste Mal wäre sie unter Normalumständen um 9 Uhr dran gewesen. Da ihr das aber niemand gesagt hatte, ignorierte sie das einfach und wurde ganz spontan gegen 10 Uhr müde.

Ich wiegte sie in den Schlaf und kurz darauf ratzte sie tief und fest in meinem Arm. Ich saß so vor ich hin auf einem Stuhl in dem Krankenzimmer und harrte der Dinge, die da kommen mögen. Und sie kamen. In Form des Stationsarztes und seines Tross. Der Arzt fing an, mich vollzulabern, ich immer noch mit dem gerade eingeschlafenen Kind auf dem Arm. Ich schaute ihn nur verständnislos an, was will der jetzt von mir? „Meine“ Schwester kam zufällig ins Krankenzimmer und wies den Arzt darauf hin, dass dieses Kind gerade eingeschlafen ist, nüchtern sein muss für die OP, und eine Störung eher kontraproduktiv sei.

Ich hätte sie knutschen können, wenn ich nicht gerade das schlafende Kind auf dem Arm gehabt hätte. Der Arzt musste natürlich sein Gesicht wahren und so fragte er mich belangloses Zeug wie ob denn die Temperatur des Kindes ok gewesen sei und wie es mit dem Stuhlgang aussähe. Nach 4 Fragen, und wie ich hoffe meines grummeligen Blickes wegen, trat er den Rückzug an, seine Armada von Ärzten im Praktikum hinter sich her ziehend.
Aber leider gab es immer noch keine Aussage, wann die Kleene denn nun dran wäre.

Mittlerweile war es 11 Uhr geworden. Die letzte Mahlzeit war 8 Stunden her, die letzte Flüssigkeit 3 Stunden, wobei das nur ein paar Tropfen Wasser waren. Wir warteten geduldig, wobei mein Mädchen eine besondere Geduld an den Tag legte.

Immer wieder lief ich mit meiner Süßen auf dem Arm am Schwesternstützpunkt vorbei. Ich wollte den Schwestern, die genügend andere Aufgaben zu erledigen hatten, keinen unnötigen Stress verursachen, aber so ungefähr wissen, wann mein Kind dran wäre, wäre schon cool. Meine Schwester hatte mir schon vor Stunden mitgeteilt, dass 10:30 Uhr DER Termin war, aber die Realität sah anders aus.

Es wurde 11 Uhr, es wurde 12 Uhr, es wurde 12:30 Uhr. Ich bekam mein unglaublich leckeres Mittagessen, irgendein Fisch mit gedünstetem Gemüse und unsäglich harten Kartoffeln. Alle Zutaten schmeckten genau gleich, vor allem die Dillsoße. Während ich mir das Futter hinter die Kiemen schob, schaute meine Kleine interessiert zu und wartete, dass ich ihr auch was in den Mund schob. Was ich aber nicht tat, Rabenmutter und so.

Um 13 Uhr schaute ich wieder am Schwesternstützpunkt vorbei und meine Schwester rief erneut im OP an, ob denn mittlerweile bekannt sei, wann die Kleine dran ist. Leider gab es immer noch keine neuen Informationen, aber die Aussage, dass das Kind an den Tropf angeschlossen werden solle, damit es nicht völlig dehydriert. Ich bin wieder aufs Zimmer gegangen, die Schwester wollte nur alle notwendigen Zutaten besorgen.

Als sie wenige Minuten später mit leeren Händen ins Zimmer kam, schaute ich ein wenig verwundert, doch sie löste das Rätsel schnell auf. Der OP hätte angerufen, es könne jetzt losgehen und wir sollen in den Aufwachraum kommen. Also schnell das Kindlein in ein schickes Baby-OP-Hemd gekleidet. Die Schwester schmierte Betäubungssalbe auf mögliche Einstichstellen für venöse Zugänge und klebte Folie darüber, damit das nicht verschmiert. Mit meiner Süßen im Bettchen fuhren wir zum Aufzug und auf dem Weg dahin schnappte ich etwas von einem Notfall auf, ein Junge mit Hodentorsion, dem ich jedoch mangels medizinischer Kenntnisse keine größere Bedeutung beimaß.

Im Aufwachraum wurden wir von den Schwestern in Empfang genommen. Gleichzeitig mit uns traf ein großes, leeres Krankenbett ein, von dem es nur hieß, das wäre für einen Notfall. Die Schwestern gingen von irgendeinem Notfall in nicht näher bestimmter Zukunft aus und schoben das Bett in eine Ecke. Die Anästhesieschwester schaute sich die Akte meines Kindes an und machte sich dann mit einer Spritze an einem Fläschchen zu schaffen.

Ich fragte, ob dies der Beruhigungssaft sei, was sie bejahte. Ich wies sie darauf hin, dass ich mit der Anästhesieärztin aber vereinbart hatte, dass der Saft nur im Notfall nötig sei und es erstmal ohne probiert werden soll. Ich zeigte ihr die entsprechende Stelle in der Akte, die sie einfach übersehen hatte. Die Schwester rief dann noch jemand wichtiges an, um wirklich sicher zu gehen, bekam aber von dort auch grünes Licht und packte den Saft wieder weg.

Er war tatsächlich zu diesem Zeitpunkt nicht nötig, meine Kleene war trotz Hunger und Durst erstaunlich gut gelaunt, krabbelte in ihrem Bett und strahlte sämtliche andere Anwesenden an. Einer dieser Anwesenden war ein etwas 3-jähriger Junge, aufgrund jeglicher fehlender Behaarung vermutlich Krebspatient, der gerade von einer größeren OP aufwachte, immer die Hand seines Papas haltend. Je wacher er wurde, desto fröhlicher wurde er auch und allen Anschein nach kannte er sich im Aufwachraum gut aus und auch die Schwestern waren ihm nicht unbekannt. Ich fand es stark, wie locker er das alles wegsteckte, so lange sein Papa in der Nähe war, gleichzeitig machte mich das auch unglaublich traurig. Krebs hat in Kindern einfach nix zu suchen.

Kurz nachdem der kleine Junge auf Station geschoben wurde, öffnete sich die Tür und ein schmächtiges verängstigtes Mädchen kam mit seiner Mutter in den Raum. Sie wären der Notfall, von dem aber im Aufwachraum immer noch niemand etwas wusste. Aber immerhin war ja ein Bett da und die Schwestern sind routiniert genug, um zu wissen, was getan werden muss. Erstmal ausziehen, schickes OP-Hemdchen an, viel gutes Zureden und Trösten.

Noch während sich das Kind umzog, betraten mehrere Ärzte das Zimmer und begannen mit der OP-Aufklärung. Sie fragten nach Allergien und dem ganzen Kram. Ich wollte da nicht unbedingt lauschen, aber die ganze Szene fand keine 2 Meter von mir entfernt statt und da ich meine Kleene auf dem Arm hatte, war Ohren zuhalten nur schwer möglich.
10 Minuten war der Spuk vorbei, das Mädchen wurde in den OP geschoben und die Mama auf Station geschickt, um dort erstmal alle Formalitäten zu erledigen.

Da wir nun auch schon wieder eine halbe Stunde warteten, fragte ich mal vorsichtig nach, wann wir denn dran seien. Tja, der Notfall des Jungen hatte sämtliche Pläne verschoben. Welcher Junge, fragte ich, und die Schwestern sagten, dass das Gewusel gerade um einen Jungen ging. Ich hätte schwören können, dass das ein Mädchen war, so feingliedrig wie er aussah. Die sehr langen Haare taten ein übriges in in meiner Wahrnehmung. Also war dies wohl der auf Station erwähnte äußerst schmerzhafte Notfall.

So mussten wir nun warten, bis der Notfall durch war, ehe wir dran kommen konnten. Irgendwann kam jemand vom OP-Team in den Aufwachraum und plauderte mit den Schwestern und ich schnappte „und dann machen wir erstmal Mittag“ auf. Definitiv nichts, was ich in dem Moment hören wollte. Ändern konnte ich aber auch nichts, denn hungrige Ärzte sind unkonzentriert und das Risiko wollte ich genauso wenig eingehen.

Meine Süße wurde unruhig und ich tanzte mit ihr durch den Raum, der gerade frei von irgendwelchen Notfällen oder aufwachenden Patienten war. Die Schwestern machten auch gerade Mittag und wir hatten unsere Ruhe. Irgendwann rieb sich mein Mädchen die Augen und zog an ihren Ohren, ein ganz sicheres Zeichen, dass sie müde ist. Ich wiegte sie so lange hin und her, bis sie eingeschlafen war. Keine 3 Minuten später kam jemand vom OP-Team und meinte, es könnte jetzt los gehen.

Ich küsste sie zum Abschied und übergab sie der Ärztin, schaute ihr hinterher, bis sie hinter einer Tür verschwand und ging auf Station. Es war mittlerweile halb 3, ich war erschöpft durch das viele Tragen, erleichtert, dass es endlich los ging und gleichzeitig besorgt, ob denn alles gut gehen würde.

Ich versuchte, mich abzulenken, nicht nachdenken zu müssen und erstaunlich kurze Zeit später kam eine Schwester und meinte, ich könne wieder in den Aufwachraum. Ein Steinbruch purzelte mir vom Herzen. Fünf Minuten später stand ich neben meinem tief schlafenden Mädchen und sah ihr beim Atmen zu. Eine Schwester stellte mir einen Stuhl neben das Bett, ich setzte mich drauf, schob meine Hand durch das Gitter und hielt ihr die Hand.

Bald fing sie an, sich zu bewegen. Erst den Kopf nach links oder rechts gedreht, dann ein wenig geschnieft, bevor sie blinzelnd die Augen öffnete. Dann ging alles sehr schnell. Sie streckte sich, sie blinzelte noch ein wenig und dann setzte sie sich hin und wollte Action. Die Schwestern im Aufwachraum staunten nicht schlecht, fanden es aber toll, dass sie so gut gelaunt angestrahlt worden. Eine Schester wurde von Station gerufen, damit wir wieder nach oben gebracht werden können und 10 Minuten später waren wir in unserem Zimmer.

Ich legte meine Süße erstmal ausgiebig an, meine Brüste waren kurz vorm Platzen, da sie 12 – 16 Stunden nicht mehr gefordert waren. Mein Mädchen war so ausgehungert, dass es ihr ein Leichtes war, mir Erleichterung zu verschaffen. Derart vollgestopft und immer noch ziemlich erschöpft fiel sie kurz darauf in meinen Armen in den Schlaf und ich war froh, sie halten und wiegen zu können. Kaum hatte sie 5 Minuten geschlafen, ging die Zimmertür auf. Ich dachte zuerst, die Schwester wolle nach uns schauen, aber nein, sie hatte einen neuen Mitbewohner im Schlepptau.

Kaum war dieser in den Armen seines Vaters über die Zimmerschwelle gekommen, fing er an, wie am Spieß zu brüllen. Ich konnte nur noch „Das ist jetzt nicht euer Ernst?!“ denken und es entschlüpfte mir auch ein lautes „Oh nein“. Ich war so froh, dass meine Süße eingeschlafen war und jetzt folgte hier so ein Terror und da wusste ich noch nicht, was noch an Terror folgen sollte. Das andere Kind schrie und schrie, mein Kind schaute nur verstört, blieb aber ansonsten ruhig. Nach einer Viertelstunde dieses Gebrülls setzte ich mein Kind ins Bett und verließ das Zimmer. Ich hatte wahnsinnige Kopfschmerzen und brauchte erst mal einen Tee und musste ganz tief durchatmen.

Als ich kurz darauf ins Zimmer zurück kehrte, saß meine Süße immer noch völlig konsterniert in ihrem Bett und schaute dem Jungen beim Brüllen zu. Der Vater versuchte über das Gebrüll hinweg am Telefon seiner Frau klar zu machen, dass sie ins Krankenhaus kommen solle. Diese schien das nicht zu begreifen und immer wieder musste der Mann ihr erklären, dass es nicht möglich ist, dass er hier mit einer fremden Frau (= mir) in einem Zimmer übernachten darf.

Irgendwann war der Junge so erschöpft vom Brüllen, dass er es einfach einstellte. Allerdings durfte niemand Fremdes an sein Bett heran und Papa durfte nicht weg von ihm. Dieser hatte sich in sein Schicksal ergeben und spielte mit seinem Handy, während sein Kind immer und immer wieder nach im fragte. Störte den Papa aber nicht, erst als sein Kind wieder anfing mit Schreien reagierte er.

Ich kuschelte während dessen mit meiner Kleinen, stillte sie immer wieder, spielte mit ihr, beruhigte sie. Sie schaute immer wieder verschreckt hoch, wenn der Junge den nächsten Wutanfall hatte, was so aller 10-15 Minuten der Fall war. Es gab Abendbrot und für mich eine Entschuldigung, das Zimmer für wenige Minuten verlassen zu können. Mein Mann besuchte uns, überzeugte sich, dass es seiner Tochter wirklich gut geht. Da Krankenhäuser so gar nicht sein Fall sind, wir eh am nächsten Tag entlassen werden sollten und dieser brüllende Junge echt nicht der Brüller war, blieb er nur kurz.

Während dessen telefonierte der Papa noch zwei weitere Male mit der Mutter, welche offensichtlich nicht wusste, wo die Uniklinik ist oder wie sie dahin kommen sollte. Ich finde es eine erstaunliche Leistung, da die Klinik sehr zentrumsnah liegt, ungefähr 4 normale Wohnblöcke umfasst und sehr gut ausgeschildert ist. Selbst als frisch Zugezogener, was sie aber nicht war, hat man relativ schnell herausgefunden, wo man hin muss. Egal, Mama tauchte mit einem nicht näher bekannten Mann auf. Beide betraten grußlos das Zimmer, schauten nur kurz zu uns rüber, bevor sie sich dem Kind widmeten.

Die Mutter fragte erneut, warum denn nicht der Papa im Krankenhaus bleiben könne und er erklärte es ihr erneut. Sie schien es trotzdem nicht zu verstehen, fügte sich aber in ihr Schicksal. Der unbekannte Mann verabschiedete sich wieder und kurz darauf tat das auch der Papa, was einen erneuten Wut- und Schreianfall zur Folge hatte. Erstaunlicherweise blieb meine Süße die ganze Zeit über ruhig, obwohl ich ihr ansah, dass sie völlig erschöpft war und eigentlich nur schlafen wollte.

Da ich selber kurz vorm Umfallen war, kann ich mich an die genauen Ereignisse des Abends nicht mehr erinnern. Ich versuchte, so schnell wie möglich die Nachtruhe einzuläuten. Es nützte nur bedingt etwas, da der Junge aller Stunden wach wurde und nach seiner Mutter brüllte. Wenn diese dann am Bett stand, brüllte er nach seinem Vater. Manchmal brüllte er auch einfach nur so. Meine Kleene schlief entsprechend unruhig, kam oft und so dösten wir uns gemeinsam durch die Nacht. Dass stündlich, gerade wenn alles wieder ruhig geworden war, die Nachtschwester kam und uns mit einem Suchscheinwerfer in die Gesichter leuchtete, fiel dann auch nicht mehr ins Gewicht.

Am Ende der Nacht stand ein karges Frühstück und meine Süße mit extremen Augenringen. Ich war so erschrocken, als ich die dunklen Ringe sah, ich wäre am liebsten sofort nach Hause geflüchtet. Doch mussten wir noch auf den Arztbericht warten. Um 8 Uhr war dann die Erschöpfung zu groß für mein Mädchen, sie schlief in meinen Armen ein und ratzte und ratzte und ließ sich durch kein Gebrüll der Welt mehr stören.

Es kam der Arzt, erklärte mir, dass bei der OP festgestellt wurde, dass die Ureterozele nicht wieder zusammen gewachsen war und auch alle anderen Zu- und Abflüsse offen waren. Also das Optimum in ihrem Zustand. Er würde noch den Arztbrief fertig machen und einen Termin für die nächste Kontrolle vereinbaren, dann dürften wir gehen.

Wir warteten geduldig, ich packte meine Sachen zusammen, gab meinem Mann und meinen Eltern Bescheid. Die Schwester erlöste mein Kind von ihrem Zugang und dann kam endlich der ersehnte Arztbrief. Wir waren entlassen.

Um kurz nach 11 verließen wir die Klinik gen Heimat, wo wir erstmal ausgiebig Mittagsschlaf machten.

 

Zerrbild

Dresden steht in letzter Zeit wegen Pegida im Fokus der Öffentlichkeit. Gierig stürzen sich die Medien auf sämtliche Nachrichten zu dem Thema, endlich wieder ausländerfeindliche Nachrichten aus dem Osten, nach dem es dort schon seit einiger Zeit ruhig geworden war, könnte man meinen. Warum dabei so viele Menschen an den „Spaziergängen“ mitmachen, ist mir ein Rätsel, da ich Dresden als weltoffene und vielfältige Stadt kenne. Ich vermute, dass die Veranstaltung als das Original viele Anhänger von außerhalb anzieht und ich weigere mich, dies als repräsentativ für die Dresdner Bevölkerung anzusehen.

Was mich aber derzeit richtig wurmt ist die Berichterstattung über ein geplantes Asylbewerberheim in Dresden, welches durch Anwohnerproteste nun doch nicht eröffnet wird. Als indirekter Anwohner, meine Eltern wohnen 300 Meter vom Ort des Geschehens entfernt und ich bin öfter für mehrere Tage dort zu Besuch, finde ich das, was die Medien, allen voran ARD und ZDF, da veranstalten unter aller Sau.

Es wird in jedem zweiten Satz ein Bezug zu Pegida oder zum Rassismus hergestellt. Schaut man sich allerdings die Hintergründe ein wenig genauer an, und dafür muss man gar nicht großartig recherchieren, entsteht ein ganz anderes Bild.

Im Dezember 2014 beschließt die Stadt Dresden, dass sie ganz dringend Flüchtlingsheime braucht und findet ein Dutzend Örtlichkeiten. Diese werden ohne Einbeziehung der Bevölkerung einfach so festgelegt, Hauptsache, man bekommt die gewünschte Quote an Flüchtlingen untergebracht.

Eine dieser Örtlichkeiten ist das 4-Sterne-Hotel „Prinz Eugen“ im Stadtteil Laubegast. Dieses Hotel ist derzeit immer noch als solches in Betrieb und es gab nie Hinweise, dass es in wirtschaftlicher Schieflage oder zu gering ausgelastet war. Die Anwohner von Laubegast fühlen sich ob der Entscheidung ein wenig vor den Kopf gestoßen und möchten gerne informiert werden, wie denn die Unterbringung der Flüchtlinge genau erfolgen soll und welche Betreuungskonzepte es gibt.

Dazu wurde eine Ortschaftsratsversammlung (o.ä.) anberaumt, diese aber kurzfristig und ohne Angabe von Gründen wieder abgesagt. Der Dresdner Stadtrat beschließt kurz danach ganz offiziell, dass der „Prinz Eugen“ Flüchtlingsunterkunft wird. Wenige Wochen danach zieht der Betreiber des Hotels angeblich auf Drängen der Anwohner seine Zusage wieder zurück, dass Hotel bleibt weiterhin Hotel.

Soweit das bisherige Geschehen.

Was aber die Anwohner umtreibt, sind die Dinge, die nicht angesprochen worden.

  • In dem Heim sollten ausschließlich Männer untergebracht werden, über 90 Personen
  • es wird einmal die Woche ein Sozialarbeiter für einen halben Tag zur Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt
  • ein weitergehendes Betreuungskonzept gibt es nicht

Da kommen also Männer aus Kriegsgebieten, die wahrscheinlich schreckliches erlebt haben und traumatisiert sind, in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur ihnen fremd ist. Die Männer gehören verschiedenen Religionen und Bevölkerungsgruppen an, möglicherweise sind diese untereinander verfeindet. Sie sind von ihren Familien getrennt, was sicher nicht zu einer Entschärfung der Lage beiträgt. Diese Menschen werden die meiste Zeit sich selbst überlassen in einer Gegend, in der sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und in der es so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten gibt.

Die Anwohner machen sich Sorgen, welche Probleme daraus erwachsen können. Vielen sind die Vorfälle vor wenigen Wochen in Chemnitz noch gut im Gedächtnis, wo 5 männliche Flüchtlinge miteinander in Streit gerieten, dieser eskalierte und am Ende 2 Menschen tot waren. Reicht es, wenn es im Hotel rund um die Uhr einen Wachdienst gibt? Verhindert das solche Situationen?

Meine Eltern berichteten von einer Bekannten, die in einem dörflichen Supermarkt beobachtete, wie ein Flüchtling versuchte, ein paar Sachen einzukaufen. Er suchte sich seine Waren zusammen, ging zur Kasse und hielt der Kassiererin einen 20-Euro-Schein, den er als Taschengeld erhalten hatte, hin. Er verstand aber nicht, dass er noch Wechselgeld zurück bekam und die Kassiererin, gestresst und auf die lange Schlange an der Kasse schauend, reagierte ungehalten und verständnislos. Beide diskutierten einige Zeit lang ergebnislos, bis sich die Bekannte, die hinter dem Mann in der Schlange stand, einmischte, das Wechselgeld nahm, ihre Einkäufe bezahlte und dann dem Mann in Ruhe und mit viel Geduld, aber ohne gemeinsame Sprache, versuchte zu erklären, wie das mit dem Geld funktioniert. Übernimmt der Sozialarbeiter die Einweisung in solch praktische Dinge?

Das sind ganz praktische Probleme, an die vermutlich die wenigsten, schon gar nicht die Entscheider, denken. Laubegast wurde zwar vor gut einem Jahrhundert eingemeindet, hat sich aber über all die Jahre seine dörfliche Struktur bewahrt. Weder beim Fleischer noch beim Bäcker wird es Verkäufer geben, die Englisch können und ob die Kassierer in den örtlichen Discountern das können, ist auch eher fraglich. Und wer sagt denn, dass die Flüchtlinge mehr als ihre Muttersprache sprechen. Stehen überhaupt genügend und die richtigen Dolmetscher zur Verfügung?

Ich denke, dass sind ganz normale und berechtigte Sorgen, die nichts mit Rassismus zu tun haben. Natürlich gibt es unter den Anwohnern auch welche, die Fremde ganz grundsätzlich ablehnen, aber es werden dort nicht mehr wie anderswo sein. Genauso bin ich der Überzeugung, dass wenn man die Anwohner frühzeitig mit einbezieht, sich ihrer Ängste, Sorgen und Bedenken annimmt und ganz viel erklärt, Stichwort Transparenz, dass man dann auch gemeinsam Konzepte finden kann, wie die Flüchtlinge untergebracht und betreut werden können. Es wird sicherlich Freiwillige geben, die sich um die Menschen kümmern möchten und tatkräftig zur Seite stehen können.
Die Anwohner aber einfach vor vollendete Tatsachen stellen, stößt alle möglichen Helfer vor den Kopf und vergiftet das Klima. Leider passiert dies viel zu oft und nicht umsonst wird dieser Punkt gerne von Pegida aufgegriffen, er kommt nicht von ungefähr.

So beruhigend es für die Flüchtlinge sein mag, eine ordentliche Unterkunft in einem kriegsfreien Land zu haben, so reicht das alleine eben nicht aus für ein menschenwürdiges Leben. Ich bin der Überzeugung, dass die allermeisten Flüchtlinge bereit sind, sich hier ein neues Leben aufzubauen, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen. Nur so ganz ohne Hilfe wird dies sehr schwer. Allein die Traumabewältigung dürfte für viele ein unüberwindbares Hindernis sein und die Hilfsangebote stoßen bereits jetzt an ihre Grenzen.

Vor diesem Hintergrund ärgert mich die Berichterstattung, weil da ein Stadtteil völlig zu Unrecht in Verruf gebracht wird. Viel besser wäre es, wenn die Vorgänge der Dresdner Stadtverwaltung näher beleuchtet und die fehlende Transparenz der Entscheidungen sowie die mangelnden Betreuungskonzepte angeprangert werden.

Aber die rechte Ecke ist so viel quotenträchtiger!