No sleep till Brooklyn

Das Kindlein verweigert den Mittagsschlaf, welchen ich allerdings ganz dringend benötige, um überhaupt was gebacken zu bekommen, wie in Ruhe duschen, Behördenkram erledigen oder Monster erlegen.

Zum Thema Behörden: Letzten Dienstag habe ich mich online offiziell beim Arbeitsamt als arbeitssuchend zum 1.7.2015 gemeldet, am Donnerstag kam ein Anruf von der Agentur, wo ein paar Angaben abgefragt wurden. Es ging vor allem um meinen letzten Arbeitgeber, der der Agentur noch nicht bekannt war, alles andere wäre ja noch in meinem Profil gespeichert. Am Sonnabend kam ein dicker Umschlag mit Unmengen an Formularen, die ich doch bitte ausfüllen solle. Unter anderem wird ein kompletter Lebenslauf inklusiver sämtlicher Zeugnisse in Kopie gefordert. Und zwar bis morgen. Persönlich abzugeben oder per Post.

Geht’s noch?!

Dafür, dass ein möglicher Termin mit meinem Arbeitsvermittler frühestens im Mai kommt, finde ich den Zeitraum ein klitzekleinwenig knapp. Außerdem habe ich alle Daten elektronisch vorliegen, warum kann ich sie im digitalen Zeitalter, in dem wir uns angeblich befinden, nicht per Email schicken oder über eine Portalseite hochladen? Zumal es ja nur um die beiden letzten Arbeitgeber geht, denn alles andere sollte noch in meinem Profil hinterlegt sein.

Dann geht es morgen Vormittag zum Kinderarzt, MMR-Impfung abholen, damit wir den Kindergartenstarttermin auch wahrnehmen können. An sich wollten wir heute nachmittag zum Arzt, aber der Sturm hat uns zum Umdenken bewogen. Unterstützt wurde diese Entscheidung dadurch, dass heute nur lauwarmes Wasser aus der Leitung kam und ich eine zu große Memme bin, als das ich mich bei weniger als 38 Grad unter den Wasserstrahl stelle.

Aber sonst ist alles gut. Oder so 😉

Verlorene Zeit

Das Jahr begann bekanntermaßen mit einigen Tiefschlägen, die meinem eh schon schwer angeschlagenen Selbst den Rest gaben. Jetzt, mit einigem Abstand, erkenne ich das ganze Ausmaß.

Mir fehlt ein ganzer Monat in meiner Erinnerung. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass es dieses Jahr einen Februar gegeben hat, doch kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen, was ich in dieser Zeit gemacht habe. Ich nehme an, dass ich gegessen und geschlafen habe, mich um die Kinder gekümmert habe. Es gibt Fotos, ich kann mich aber nicht daran erinnern, diese geschossen zu haben.

Erst gegen Ende des Monats setzen meine Erinnerungen langsam wieder ein, als ich funktionieren musste, der Geburtstag meines Mann und meines Sohnes standen an. Ich musste Geschenke besorgen, Feiern planen.

Es gab schon mal eine vergleichbare Zeit, nach meiner ersten stationären Therapie. Als ich entlassen wurde, fühlte ich mich wie ein rohes Ei ohne Kalkschale, nur durch dieses dünne Häutchen darunter geschützt. Zu wenig Schutz für meine Seele, die einfach dicht machte. Damals war ich auch ungefähr einen Monat „weg“, ohne jegliche Erinnerungen.

Ich würde gerne sagen, dass mir diese Blackouts Angst machen, aber das tun sie nicht. Weil ich in dieser Zeit gar nicht mitbekomme, dass ich mich im abgeschalteten Zustand befinde. Das wird mir immer erst einige Zeit später bewusst.

Und nun? Warte ich einfach ab, dass ich in einem Monat meine Therapie beginnen kann und hoffe, bis dahin keinen Blackout mehr zu haben.

Erster und Letzter

Heute war mein erster Arbeitstag nach der Elternzeit. Wie angekündigt, sollte es gleichzeitig auch mein letzter sein.

Pünktlich 9 Uhr fand ich mich an meinem Arbeitsplatz ein und stellte erfreut fest, dass der Aufzug defekt ist. Dann eben zu Fuß in den 4. Stock. Passte perfekt zu dem Tag. Etwas außer Atem oben angekommen, erwartete mich bereits meine Chefin.

Nach kurzem Smalltalk überreichte sie mir die Kündigung und mein Zwischenzeugnis, ich gab meine Zugangskarte ab, zwei Unterschriften und drei Jahre Betriebszugehörigkeit waren vorbei. Mir war ehrlich zum Heulen zumute. Ich war damals so froh, endlich einen Job gefunden zu haben, der mir liegt, bei dem ich die Kollegen mag und sie mich mögen und wo ich gerne jeden Tag hingehe. Ich hatte mich so auf den Wiedereinstieg gefreut und so ganz habe ich den Boden unter den Füßen noch nicht wieder gekriegt.

Schweren Herzens ging ich mich von den Kollegen verabschieden. Ich hatte vorher überlegt, ob ich zum Ausstand Donuts mitbringen sollte, mich aber dann dagegen entschieden, ich war absolut nicht in Feierlaune. Es stellte sich außerdem heraus, dass sämtliche IT-Kollegen durch Abwesenheit glänzten, sie waren in einem Workshop. War mir ganz recht, der Gang war so schon schwer genug.

So habe ich mich von meinen Buchhaltungsmädels verabschiedet. Sie erzählten mir von ihrer Unzufriedenheit, dass immer mehr Stellen gekürzt werden, aber die anfallende Arbeit gleich bliebe oder sogar noch mehr würde. Generell bereitet ihnen die Entwicklung große Sorgen.
Nach vielen Umarmungen und guten Wünschen verließ ich dann endgültig die nicht mehr ganz so heiligen Hallen.

Gegen den Frust und weil sich diverser benötigter Kleinkram angesammelt hatte, ging ich ein wenig shoppen. Ein Fühl-Bilderbuch für meine Süße zum Geburtstag, ein Fußballkartenspiel für den Großen für Ostern, ein neues Halstuch für ihn, weil er sein altes, innig geliebtes gestern im Urlaub mit den Großeltern verschmissen hat, Schuhe für meine Süße, weil ich beim ersten Versuch zu optimistisch war, was ihre Schuhgröße anbelangt und für mich einen neuen Whisky, irgendwie muss ich das ja alles ertragen 😉

Zum Abschluss noch einen großen, leckeren Kaffee und dann ab nach Hause, Sonnenfinsternis im Livestream gucken.

sofi

Kripp, Kripp, Hurra

Gestern kam die mündliche Zusage für einen Krippenplatz für meine Süße vom gleichen Kindergarten, in den auch schon der Große geht. Scheint, als hätten wir tatsächlich noch von der Geschwisterregelung profitieren können.

Jetzt müssen wir schauen, wie wir die Eingewöhnung gestalten. Den Platz haben wir ab 1.4., die U6 mit der zugehörigen MMR-Impfung ist aber erst am 7.4., danach noch 7-10 Tage warten, bis Antikörper gebildet wurden, so dass es effektiv erst Mitte April losgehen kann.

Ist mir ganz recht, denn so schnell wollte ich meine Süße eigentlich nicht hergeben, aber so können wir uns beide darauf einstellen, uns ganz langsam voneinander abzunabeln. Bin gespannt, wie gut sie dann in der Krippe zurecht kommt. Beim Großen war das alles ganz einfach, er wurde abgegeben, entdeckte ein Spielzeugauto und schon waren wir vergessen. Erst, als wir ihn 7 Stunden später wieder abholten, erinnerte er sich an uns.

So unkompliziert wird es wohl diesmal nicht laufen.

Schlaflos in L. an der P.

Bisher war der Nachtschlaf bei meiner Süßen eine zuverlässige Größe. Gegen 23 Uhr wurde sie langsam müde, dementsprechend bettfertig gemacht und spätestens um 24 Uhr lag die Kleine friedlich schlummernd im Bett. Um 2 oder 3 Uhr wurde sie kurz wach, wanderte dann zu uns ins Familienbett und schlief dann weiter bis zum Morgen.

Seit vier Tagen allerdings ist alles anders. Schlafen ist doof. Und zwar so richtig. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kindlein hundemüde ist, sich ständig die Augen reibt und gähnt. Alle üblichen Maßnahmen greifen nicht, sie knatscht muntermüde weiter. Am Ende schläft sie halb oder um 3 Uhr ein, aber nur, wenn ich neben ihr liege, alles dunkel ist und ganz fest mindestens eine ihrer Hände halte.

Die drei Stunden bis dahin zehren extrem an den Nerven, zumal wir Großen ja auch schon einen ganzen, anstrengenden Tag hinter uns haben. Außerdem sind, seit mein Mädchen laufen kann, diese 2 – 3 Stunden nachts, bevor sie wieder wach wird, die einzige Zeit am Tag, an dem ich mal effektiv etwas am Rechner machen kann. Tagsüber gehen nur Dinge, die ich jederzeit unterbrechen kann.

Gerade eben liegt sie an ihren Papa gelehnt auf der Couch, welcher schon eingenickt ist und glotzt die bunte Sternchenlichterkette an, die unser Wohnzimmer nur dürftig erhellt. Von Schlafen weiterhin keine Spur. Würde ich jetzt versuchen, sie ins Bett zu bringen, würde es nur in einer weiteren Schreiorgie enden. Kleinste Geräusche machen sie sowieso wach.

So werde ich mich wohl mit ihr und dem Harry Potter Hörbuch ins Bett begeben und hoffen, dass wenigstens das schnell hilft. Zumindest bei mir wirkt das zuverlässig 😉

Neunundneunzig

So alt war meine Omi, als sie letzte Nacht friedlich für immer eingeschlafen ist 😥

Und auch, wenn bei Menschen über Neunzig der Tod nicht mehr plötzlich und unerwartet kommt, war es bei meiner Oma doch überraschend. Bis zuletzt war sie erstaunlich fit, konnte sich größtenteils selbst versorgen und immer noch gut laufen. Erst vor drei Jahren kam sie ins betreute Wohnen, vorher lebte sie mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienst in ihrer eigenen Wohnung.

Mein Großer hatte von je her eine besondere Beziehung zu ihr. Er hat sie oft besucht, sie hatten ihre kleinen Rituale entwickelt, er durfte immer auf ihrem Rollator mitfahren und er hatte sogar ein paar Spielsachen bei ihr. Aufgrund ihres Alters, und vielleicht war es auch beginnende Demenz, ließ ihr Gedächtnis nach. Menschen, die sie selten besuchte, erkannte sie zwar noch als irgendwie bekannt, konnte sie aber nicht mehr zuordnen oder sich an den Namen erinnern. Ich war schon lange Zeit nur noch die Mama des Großen, mein Papa war ihr nur noch als ihr Sohn bekannt, aber meinen Großen nannte sie immer beim Namen.

Ich weiß noch nicht so richtig, wie ich ihm das beibringen soll, es ist der erste Todesfall in seinem bewussten Leben (seine andere Uroma starb, als er 1,5 Jahre alt war und er hatte sie nur einmal kurz gesehen). Der Tod gehört zum Leben dazu, ich werde das nicht vor ihm verheimlichen.

Am 11. April wäre meine Oma 100 Jahre alt geworden und wir hatten eine große Feier mit allen Familienmitgliedern geplant. Jetzt werden wir sie wohl an diesem Tag beerdigen, sich an ihr Leben erinnern und dieses feiern.

Mach’s gut, Omi!

Gute Reise, Sir

Mit großer Erschütterung habe ich vom heutigen Tod Sir Terry Pratchetts erfahren.

Auch, wenn er bereits lange krank war, ist der Tod dieses großartigen Menschens mit 66 Jahren eindeutig zu früh.

Als mein absoluter Lieblingsautor habe ich natürlich alle Bücher von ihm. Sein Schaffen gipfelte, wie ich finde, in der genialen Zusammenarbeit mit Neil Gaiman und dem Schreiben von Good Omens, ein Buch welches ich regelmäßig lese und verschenke.

Während meines Studiums kam ich das erste Mal mit Pratchetts Werken in Berührung und sie haben mich seitdem nachhaltig geprägt. So sehr, dass ich ihnen Tribut in Form von zwei Todessequenzen zollte in dem Online-Textrollenspiel, in welchem ich seit knapp 20 Jahren aktiv bin.

Wie in jedem anständigen Rollenspiel kann man als Spieler sterben und da der Tod dort relativ wenig bestraft wird, wird der Spieler gezwungen, eine kurze Spielpause einzulegen und die Zwischenzeit mit einer automatisch ablaufenden Textsequenz zu verbringen. Da ich die damals existierenden Sequenzen alle auswendig kannte (ja, ich bin öfter mal über die Klinge gehüpft), beschloss ich, meinen Teil gegen die Langeweile beizutragen.

Hier nun also die beiden von mir verzapften Texte:

Du liegst an dem Platz, an dem Dich Dein grausiges Schicksal ereilt hat. Ein Mann mit dunkler Kapuze steht neben Deiner Leiche. Er wischt die blutige Klinge einer grausigen Sense mit langsamen, gemessenen Bewegungen ab. Das muss TOD sein. Plötzlich hört er auf und schaut Dich mitleidig aus seinen leeren Augenhöhlen an…

Du sagst: Oh, das passt mir aber heute gar nicht. Heute ist kein guter Tag zum Sterben. Kann ich mich irgendwo darüber beschweren?

DU BIST TOT! IST DIR DAS IRGENDWIE BEWUSST?

„Du sagst: Tot? Das ist nicht möglich! Zumindest jetzt ist das nicht möglich! Später wäre mir ja ganz recht, aber grad jetzt? Ich bin noch nicht fertig mit meiner Arbeit. Ich muss noch ein paar Monster metzeln und ein paar Zaubertränke finden und ich bin sicher, dass ich noch nicht alle Forschungspunkte habe…

DAS IST JETZT UNWICHTIG!

Du siehst, dass TOD ein bisschen genervt und verwirrt ist. Normalerweise sind seine Kunden auch viel zu verwirrt, um Widerstand gegen ihn zu leisten. Und normalerweise sind seine Kunden auch nur erleichtert darüber, dass ihnen die schwere Bürde des Lebens endlich von den Schultern genommen wurde.
Du schaust Dich etwas genauer um und bemerkst, dass Du durch Dinge hindurchgehen kannst.

DU SIEHST ES SELBST. ODER GLAUBST DU, DAS WÄRE MÖGLICH, WENN DU NOCH LEBEN WÜRDEST?

Du sagst: Trotzdem passt es mir gerade nicht. Hätte man das nicht zu einem anderen Zeitpunkt arrangieren können?

SO ETWAS LÄSST SICH NUR ÜBER DAS MONSTER MACHEN, DASS DICH GETÖTET HAT. UND MANCHE MONSTER SIND EINFACH ZU UNKOOPERATIV DAZU.

Du sagst: Oh, sowas nenne ich einfach nur schlechte Organisation. Ich will mich beschweren, schließlich ist mit meinem Geld schon vielen Anfängern geholfen worden. Ich will dann auch irgendwas für das Geld bekommen!

ICH BIN TOD, NICHT IRGENDEIN STEUEREINTREIBER ODER BETTLER ODER WOHLTÄTIGER VEREIN. ICH KOMME MEISTENS NUR EINMAL!

Du sagst: Aber es passt mir einfach nicht!

ICH NEHME DAS LEBEN IMMER SO WIE ES KOMMT!

Du sagst: Ich glaube nicht, dass das ein guter Grundsatz fürs Leben ist! Es ist zumindest nicht immer möglich!

BEI MIR JEDENFALLS FUNKTIONIERT ES!

Du siehst, wie TOD sich hilfesuchend umschaut. Du glaubst, in seinen Augen tiefe Verzweiflung zu erkennen. Irgendwo in Deinem Kopf hörst Du TODs Gedanken – nicht gerade sehr freundliche…

SPIELER! IMMER TAUCHEN SIE IM UNPASSENDSTEN MOMENT AUF, ABER WENN MAN SIE MAL WIRKLICH BRAUCHT…

KÖNNTE ARACHNA* NICHT AUFTAUCHEN UND DIESES STERBLICHE WESEN EINFACH WIEDER MIT IN IHRE WELT NEHMEN? DIESMAL WÜRDE ICH NICHT MAL DISKUTIEREN MIT IHR!

Du denkst: Ich wusste gar nicht, dass man mit TOD diskutieren kann. Ich werde es mir auf jeden Fall merken. Vielleicht klappt es ja wieder mal…

ALLES MUSS MAN HIER SELBER MACHEN. ABER ICH SEHE IN DEINEN ARGUMENTEN AUCH VIEL WAHRHEIT. ICH WILL DIR DESHALB NOCH EINMAL EINE CHANCE GEBEN. KEHRE ZURÜCK INS LEBEN UND MACH ES DORT DEN MAGIERN** UND MONSTERN SO SCHWER WIE MÖGLICH. ABER DAS DÜRFTE DIR JA NICHT SCHWER FALLEN…

TOD seufzt erleichtert, als ihm bewusst wird, dass er Dich mit dieser Aussage endlich wieder los wird.
Mit einer kleinen Handbewegung öffnet TOD ein Tor aus hellem Licht, das Dich wieder in die Welt der Sterblichen zurückbringt. Du kannst ein leichtes Lächeln der Zufriedenheit erkennen, soweit ein Skelett überhaupt in der Lage ist zu lächeln.

Du winkst TOD noch ein letztes Mal und gehst dann auf das Tor aus hellem Licht zu, hinter dem Dein neues Leben liegt…
Hinter Dir hörst Du TOD erleichtert aufatmen. Ohne noch weiter darauf zu achten gehst Du weiter durch das Tor. Plötzlich wirst Du von einem Strudel erfasst und durch Raum und Zeit geschleudert. Du verlierst Dein Bewusstsein (welches eigentlich?) und kommst nach einiger Zeit wieder zu Dir und beginnst dunkel, Dich an das vorgefallene zu erinnern und Dich Deiner Körperlosigkeit bewusst zu werden.
Du solltest irgend etwas dagegen tun…

Hier die zweite:

Das hat Dich jetzt aber umgehauen. Du liegst irgendwo, und nicht mal unbequem…

Langsam kommst Du zu Dir und beginnst, Deine Umgebung zu erkunden.

Du liegst weich…

Du tastest die Unterlage ab und fühlst Leder…

Langsam öffnest Du die Augen und siehst – eine weiße Zimmerdecke.

Du kannst sogar einen Plastik-Gummibaum riechen…

Du hörst eine Stimme:

Die Stimme sagt: AH, WIR KOMMEN LANGSAM ZU UNS…

Du denkst: Wir? Und warum in Großbuchstaben?

Ein schrecklicher Gedanke macht sich in Dir breit…

Die Stimme fragt: WIE FÜHLEN WIR UNS HEUTE?

Du denkst: Wieder Wir? Wer Wir?

Du kannst förmlich die Großbuchstaben sehen.

Die Stimme fragt: SIND WIR BEREIT?

Du sagst: Also ich kann nur für mich sprechen und ich weiß ja nicht mal, wofür ich bereit sein soll.

Woran erinnern Dich diese Großbuchstaben nur?

ENTSPANNEN SIE SICH. SIE KÖNNEN MIR VOLL UND GANZ VERTRAUEN. ES GEHT LOS:
HABEN SIE ALS KIND EIN TRAUMATISCHES ERLEBNIS GEHABT?

Du sagst: Ich kann mich nicht erinnern, je eine Kindheit gehabt zu haben. Ich bin schon als ausgewachsener Spieler zur Welt gekommen.

HMMM, WURDEN SIE JEMALS GEHÄNSELT, GEMOBBT ODER DISKRIMINIERT?

Du sagst: Nur in den allgemein üblichen Maßen, aber nichts ernsthaftes.

TRÄUMEN SIE MANCHMAL VOM FLIEGEN?

Du sagst: Ich habe höchstens Alpträume davon – die Netzverbindungen sind doch in letzter Zeit echt das letzte…

ALSO AUCH NICHT SEXUELL UNBEFRIEDIGT?

Jetzt hast Du es. Aber – nein. Dass kann einfach nicht wahr sein. Aber warum eigentlich nicht…

Doch so schlimm warst Du wirklich nicht, um das zu verdienen.

Du denkst: Ich war doch immer lieb! Ich habe fast nie jemandem etwas Böses getan. Ich hab meistens geholfen. Oder zumindest hab ich es oft versucht. Ich kann mich ganz deutlich an einige Male erinnern. ich könnte mindestens ein Beispiel für meine Liebenswürdigkeit nennen – es fällt mir nur gerade nicht ein.
Aber DAS habe ich einfach nicht verdient.

Du beginnst zu zittern, als Dir die schreckliche Wahrheit auf einmal in vollem Maße bewusst wird: Du bist in der Hölle aller Höllen, schlimmer geht es einfach nicht.

Du befindest Dich in einem Psychiaterbüro auf einer schwarzen Couch, und der TOD versucht gerade die Freudsche Psychoanalyse an Dir.

Du schreist: AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!

HEY, FÜR GROSSBUCHSTABEN BIN ICH ZUSTÄNDIG!

Du schreist: ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!

ICH KANN WIRKLICH NICHTS ABARTIGES FINDEN. DA MUSS EIN FEHLER VORLIEGEN. DA HABEN WIR NOCHMAL GLÜCK GEHABT – SIE KÖNNEN GEHEN. KOMMEN SIE.

Du stehst auf und läufst dem TOD hinterher. Schlimmer kann es wirklich nicht kommen.

Du stehst vor einem Fahrstuhlschacht. Du hörst ein Klingeln und die Türen öffnen sich.

Du drehst Dich nochmal erleichtert zum TOD um und winkst.

Dann trittst Du einen Schritt zurück – ins Leere…

Du schreist: AHHHHHHHHHHH – äh sorry – ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh…

…und fällst…

…und fällst…

…und fällst…

Du verlierst das Bewsstsein. Du merkst, wie Dich altbekannte Gefühle warm überkommen.

Als Du die Augen aufschlägst, wirst Du vom Licht geblendet. Langsam beginnst Du Konturen zu erkennen…

*Arachna: Mudgöttin, Schöpferin dieses Onlinespiels und allmächtiges Wesen
**Magier: die Hilfsschöpfer des Spiels, die dessen Inhalte erweitern und Fehler beheben

Es geht voran

Oder so.

Ich habe jetzt einen Termin bei meiner Psychotherapeutin bekommen – Ende April. Mein Arbeitszeugnis werde ich hoffentlich bald in den Händen halten. Innerlich bereite ich mich auf die ersten Bewerbungen vor, merke aber, wie sehr mich das mitnimmt.

Was mich momentan betrübt ist, dass meine Kreativität irgendwie abhanden gekommen ist, was sich unter anderem in den sehr sporadischen Blogbeiträgen niederschlägt. Ich habe zwar noch genügend zu erzählen, aber überhaupt keinen Antrieb, dass aufzuschreiben.

Mein Großer bereitet mir derzeit große Sorgen, da er in der letzten Zeit komplett frei dreht. So schlimm, dass sich sogar schon die Kindergartenerzieherinnen darüber beschwert haben. Er hört nicht zu, benimmt sich wie die Axt im Walde, malträtiert die Katzen bei jeder sich gebenden Gelegenheit und schubst einfach so seine Schwester um. Das alles ohne sichtbare Reue oder ansatzweises Nachdenken. Eine Freundin meinte, dass das Vorschuljahr auch die kleine Pubertät genannt wird und das Verhalten, so doof wir das auch finden mögen, normal ist. Wenn das allerdings die kleine Pubertät ist, ziehe ich bei der großen vermutlich aus.

Ein mächtiger Lichtblick ist meine Süße, welche mittlerweile laufen gelernt hat. Es ist eine wahre Freude, ihr bei den tapsigen Schritten zuzuschauen, mit denen sie die Wohnung erkundet. Sobald irgendwo Musik läuft, fängt sie an zu tanzen und klatscht dabei in die Hände. Das ist so unglaublich herzerwärmend, dass ich das gar nicht richtig in Worte fassen kann.

Dank der steigenden Zahl von Impfgegnern gibt es aktuell auch einen Masernfall im Kindergarten des Großen. Dadurch muss er heute zuhause bleiben, damit der Impfstatus aller Mitarbeiter überprüft und weitere Maßnahmen abgestimmt werden können. Bis auf weiteres haben alle Nichtgeimpften bzw. Personen mit unklarem Masernimpfstatus Hausverbot im Kindergarten. Das betrifft bei uns nur meine Süße, die erst Anfang April ihre erste Masernimpfung bekommt, aber ich habe seit Bekanntwerden der ersten Masernfälle bei uns den Großen eh nicht mehr vom Kindergarten abgeholt, zu groß war mir einfach das Risiko, und das zurecht, wie es sich jetzt herausstellt.

Ansonsten quälen wir uns tapfer durch die Grippe- bzw. Erkältungswelle. Ich bin seit Wochen dauerverschnupft, mein Mann hat seit dem Wochenende die Grippe. Nur die Kinder sind bislang glimpflich davon gekommen. Hoffen wir mal, dass das so bleibt 🙂