Bewerbungen bisher

Ich wollte bei den derzeitigen Bewerbungen ja ein wenig mutiger sein und bislang haben es folgende Aufhänger in die Anschreiben geschafft:

  • „Pflaster drauf und pusten“ – für ein Medizintechnikunternehmen
  • „den Stier bei den Hörnern packen“ – für einen Spezialwerkzeughersteller, der offensiv mit einem Bullen auf der Unternehmensseite wirbt
  • „völlig elektrisiert“ und „mit Spannung“ – für ein Energieunternehmen

Was mich mal wieder völlig nervt, ist dieser unsägliche Gehaltspoker. Seit ich ins Berufsleben eingestiegen bin, hat sich mein Gehalt immer im gleichen Rahmen bewegt, +- 500€. Das kann es doch irgendwie auch nicht sein, ich habe heute wesentlich mehr Erfahrungen und Zertifikate als direkt nach dem Studium. Gebe ich meine Gehaltsvorstellung jedoch zu niedrig an, wird sich dieser Zustand nie ändern, gehe ich zu hoch rein, fliege ich womöglich wegen zu teuer aus dem Bewerberpool. Dabei hat doch jedes Unternehmen eine Vorstellung, was ihm die Leistung eines neuen Mitarbeiters wert ist. Warum geben sie das nicht an und der Bewerber entscheidet, ob ihm das genug ist. Verhandeln kann man dann ja immer noch. Außerdem diese deutsche Unsitte, bloß nicht über sein Gehalt zu reden. Man könnte sich soviel besser orientieren, was man selber auf dem Markt wert ist. Und dann würden Frauen, die ja eh immer ein wenig zurückhaltender sind, weil wegen der Kinder und so, auch mal ansatzweise die Chance auf Gleichbezahlung haben.

Dann meinte die Personalerin von der DIS-AG, ich solle doch meine beiden Kinder in den Lebenslauf aufnehmen, weil die anderen Personaler dann im Allgemeinen davon ausgehen, meine Familienplanung wäre abgeschlossen, vor allem bei meinem Alter. Bislang habe ich das immer weggelassen, weil Kinder für mich und meine Arbeit nur nebensächlich sind, da sich im Krankheitsfall mein Mann darum kümmert, weil er den flexibleren Job und die besseren Möglichkeiten für Home Office hat. Geben Männer in ihren Bewerbungen die Zahl ihrer Kinder an? Wenn ja, wäre das ebenso ein Einstellungshinderungsgrund wie bei Frauen?
Jetzt bin ich gespannt, wie gut die Kinder ankommen.

Aktuell sind 3 Bewerbungen raus. Bei einer an sich gut passenden Stelle habe ich Kontakt zu meiner Vermittlerin bei der DIS aufgenommen, welche für die Position zuständig ist. Eine Stelle wäre bei einem früheren Arbeitgeber und eine bei Randstad und bei beiden ziere ich mich noch ein wenig.
Bleibt als positive Erkenntnis der ersten Runde: Es ist also nicht komplette Ebbe auf dem Stellenmarkt.

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U6

Und dann war da noch die U6, mittlerweile fast einen Monat her. Dem Kindlein geht es gut, es ist altersgerecht entwickelt. Die Ärztin war begeistert, wie gut meine Süße bereits laufen kann. Ich merkte an, dass sie dafür noch nicht sprechen kann. Nicht, dass ich das erwarten würde, aber ihr Bruder konnte zu dem Zeitpunkt schon Mama, Papa, Auto und so, brauchte bis zum ersten Schritt allerdings 14 Monate. Die Ärztin meinte daraufhin nur trocken, dass das völlig normal sei, entweder laufen oder reden, für beides gleichzeitig reichen die Hirnkapazitäten einfach nicht.

Schade, kein Wunderkind 😉

Größe: 73 cm (wobei ich zuhause eher 75 cm gemessen habe, Unterkante meines Schreibtisches, unter dem sie gerade so noch durchlaufen konnte; mittlerweile hat sie 2 kleine Wunden oben auf dem Kopf, weil sie eben nicht mehr drunter passt und erst mehrere schmerzhafte Anläufe brauchte, um das zu verinnerlichen, siehe auch Lernen durch Schmerz)
Gewicht: 9030 g
Kopfumfang: 45,5
Sonstige Bemerkungen: Silbenverdopplung; läuft frei; sehr schöne Entwicklung (steht wirklich da)

Magengeschwür

Kennt jemand die Folge von Malcolm mittendrin, wo sich Malcolm dauernd auf die Zunge beißt, um nicht in gewohnt sarkastisch-zynischer Art auf Aussagen oder Handlungen seiner Mitmenschen zu reagieren? Anfangs reagiert seine Umwelt überrascht und skeptisch, später finden sie diese neue Entspanntheit einfach nur gut.

Bis zu dem Zeitpunkt, wo Malcolm Blut spuckt, in die Notaufnahme eingeliefert wird, der behandelnde Arzt ein Magengeschwür in der Größe einer Ananas feststellt und sich wundert, woher ein 15-jähriger ein solches Magengeschwür hat.

In letzter Zeit war ich dieser Malcolm. Ich biss mir auf die Zunge, ich setzte mich auf die Hände, ich verkniff mir jeglichen nicht ganz so rosaroten Kommentar, aus Angst, er könnte anecken, Reaktionen provozieren. Zum Glück habe ich kein Magengeschwür entwickelt, aber sonderlich wohl fühlte ich mich auch nicht. Auf endlose Diskussionen mit fremden Menschen hatte ich ebenso keine Lust.

Irgendwann jedoch reichte es mir. Welches widersprüchliche Thema nun letztendlich der Auslöser war, weiß ich nicht mehr, aber ich entschied, mich wieder reinzuhängen. Nicht mehr zu schweigen, wenn mir grenzdebile Idioten die Welt erklären wollen. Ich fand, es ist meine Pflicht, eine wenn schon nicht vernünftige, so zumindest doch eine andere Meinung entgegen zu setzen.

Und so begann ich wieder, gegen Impfgegner zu argumentieren, Rassisten zu widersprechen, Beleidigungen anzukreiden, Fehlverhalten zu melden.

Ob ich damit erfolgreich bin, ist nachrangig. Ich möchte aber nicht das Internet kampflos den Wahnwichteln, den Aluhutträgern, den Volksverhetzern, den geistigen Hartz-iV-Empfängern, den Verschwörungstheoretikern oder den Meinungsdiktatoren überlassen.

Ich werde meine Meinung offen kundtun, höflich und konstruktiv. Dort, wo ich es für wichtig und richtig erachte.

Auf Magengeschwüre hab ich nämlich absolut keinen Bock!

Aghet

Falls jemand noch unsicher sein sollte, ob es denn nun tatsächlich Völkermord war, dem empfehle ich diese wirklich sehr gute Dokumentation:

Den Begriff Völkermord erklärt dieser Artikel der Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/begriff-voelkermord-entscheidend-ist-was-im-kopf-der-taeter-passiert-1.2448778

Außerdem denke ich, dass sich die Deutschen endlich mit ihrer Rolle in „der Blaupause für den Holocaust“ auseinandersetzen sollten. Ich mein, wir haben nun echt ’nen Haufen Scheiße in der Weltgeschichte gebaut, da brauchen wir uns deswegen jetzt nicht so zieren. Vielleicht hilft es sogar, zu verstehen, warum die Judenvernichtung so reibungslos klappte und warum währenddessen und hinterher niemand etwas davon gewusst haben will. Diese Mechanismen zu ergründen verhindert womöglich zukünftiges Leid!

Und was die Türkei angeht: Ehrlich? Lässt sich die Bundesregierung wirklich von einem Land erpressen, in dem immer wieder und immer noch die Menschenrechte mit Füßen getreten werden? In dem ein Präsident wie ein Diktator und Sonnenkönig herrschen kann? Welches bis heute jegliche Verantwortung für diese menschliche Tragödie ablehnt? Ja toll, die Türkei ist praktisch ein riesiger Puffer zwischen dem Nahen Osten mit seinen unzähligen Brennpunkten und Europa, aber rechtfertigt das, sich den Befindlichkeiten dieses Staates bedingungslos zu beugen? Oder ist es nicht viel eher die Feigheit davor, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn der türkische Schutzschild nicht mehr zur Verfügung steht? Wie heuchlerisch und menschenverachtend ist das denn?

Letztendlich bin ich froh, dass das Auslöschen einer ganzen Ethnie dank dem Einsatz vieler selbstloser Helfer nicht gelungen ist und die Menschheit mit einzigartigem Kulturgut bereichert werden konnte:

Lernen durch Schmerz

Wer auch immer der Meinung war, Lernen durch Schmerz funktioniere und das auch noch gut, hat unsere Kinder nicht erlebt.

Fing beim Großen damit an, dass er den Kater immer wieder am Ohr oder Schwanz zupfte, und im Gegenzug nähere Bekanntschaft mit den Katzenkrallen machen durfte. Gingen wir anfangs davon aus, dass sich das wegen der nicht unbeträchtlichen Schmerzen schnell von selbst geben würde, gaben wir diese Hoffnung bald auf und kauften stattdessen Jodtinktur, damit sich die zahlreichen Kratzer nicht entzündeten.

Allerdings hofften wir, dass Mädchen anders drauf sind und das sind sie tatsächlich. Die können noch viel mehr einstecken, zumindest unseres. Wo der Große schon lange lautestes Wehklagen angestimmt hätte, schüttelt sich die Kurze nur und weiter geht’s. Aber manchmal tut es eben doch richtig weh und wir hofften, dass schmerzliche Lerneffekte besser greifen.

Aber nö. Katzenkratzer noch und nöcher. Blutige Wunden am Kopf, weil das Kindlein nicht begreift, dass es mittlerweile zu groß ist, um aufrecht unter meinem Schreibtisch lang zu laufen und sich deswegen immer wieder die Rübe an der Unterkante des Tisches rammelt. Das Wäscheständer umfallen, wenn man zu sehr an einer Seite zieht, will auch nicht in das kleine Babyhirn rein und so mussten wir die Süße mehr als einmal unter der frisch gewaschenen Wäsche hervorziehen.

Jetzt hoffe ich einfach mal drauf, dass sie größer wird und die Vernunft einsetzt. Wobei, wenn ich mir ihren Bruder so anschaue – ach, lassen wir das 🙂

Erster Wurf

Gestern Abend, aus einer Weinlaune heraus, schaute ich bei monster.de vorbei und startete spaßeshalber einen Suchlauf. Ich rechnete nicht mit irgendwas brauchbarem, aber gleich das erste Stellenangebot sah sehr verlockend aus. Ich bastelte ein paar Formulierungen zusammen, die alkoholinduzierte Kreativität ausnutzend. Heute morgen, mit nüchternerm Urteilsvermögen, verfeinerte ich die Texte, schrieb neu, löschte, verfluchte mich und mein Schicksal, diesen doofen Bewerbungskram überhaupt machen zu müssen, schaute hier, klaute da – und schon nach 5 Stunden war das Anschreiben fertig. Selbst mein superkritischer Mann fand den Text gut und nur ein paar kleinere Satzfehler.

Einmal tief durchgepustet, Mail mit der Bewerbung im Anhang verfasst, Augen zu und auf „Absenden“ geklickt.

Jetzt bin ich also ganz offiziell drin im Bewerbungsrennen. Wer möchte, darf mir gerne positive Gedanken senden oder zu einer hübschen Waldnymphe beten oder was auch immer die göttlichen Kräfte veranlassen möge, ein wenig Glück in meine Richtung zu schubsen. Nur bitte kein Daumen drücken, das hat mir in der Vergangenheit kein Glück gebracht 🙂

Strategieplanung

So langsam komme ich in die heiße Phase, mich tatsächlich auf erste Jobangebote zu bewerben, was wiederum in Vorstellungsgesprächen münden kann. Das jedoch bringt mich zur Frage, wie ich ganz generell diese Bewerbungsphase angehe.

Ganz aktuell hab ich ein wenig so eine „leck mich am Arsch“-Stimmung. Nicht, dass mir ein neuer Job egal wäre, aber ich habe keine Lust auf diese Schauspielerei, dieses Hochglanzprospektwerben in eigener Sache.

„Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben?“ – „Weil ich Geld brauche, um die Miete zu bezahlen.“

„Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ – „Ich weiß noch nicht mal, was ich zum Mittagessen haben möchte.“

„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf.“ – „Ja, war geil.“

„Warum haben Sie ihre Kinder nicht im Lebenslauf erwähnt?“ – „Weil diese nicht die nötigen Qualifikationen haben.“

Einerseits könnte das funktionieren, weil es eben nicht das 0815-Standardgeschwurbel eines jeden Bewerbers ist, andererseits kann es auch potentielle Arbeitgeber verschrecken.

Gerade heute bekam ich per Xing folgendes Angebot:

Incident Manager (m/w)

Aufgaben
– 1st level support
– Service Level Management
– Definition, Weiterleitung und Überwachung der eingehenden Tickets laut endsprechender SLAs
– Kategorisierung und Priorisierung
– Reporting
– Initiierung der Abrechnung

Ihr Profil
– Erste Erfahrungen im Arbeiten mit SLM / SLA
– wünschenswert, aber nicht zwingend sind ITIL Kenntnisse
– Erfahrung im Bereich Support
– Organisationstalent

Ihr potentieller zukünftiger Arbeitgeber bietet Ihnen einen hochmodernen, top ausgestatteten Arbeitsplatz und ein inspirierendes Umfeld.

Ernsthaft jetzt? Da wird nicht mal eine abgeschlossene, wie auch immer geartete Ausbildung verlangt, und der Recruiter erwartet, dass ich mit abgeschlossenem Studium, 10 Jahren Berufserfahrung, ITIL v3 Expert Zertifikat UND Festanstellung (auf Xing steht ja nix von meiner Kündigung) darauf eingehe? Ich habe freundlich, aber bestimmt abgelehnt.

Vermutlich werde ich zukünftig einfach improvisieren, je nachdem, wie sympathisch mir das Angebot und die Interviewer sind. Und sollte ich das Gefühl haben, mich zu sehr verbiegen zu müssen, um einigermaßen zu passen, werde ich wohl die gewagteren Antworten probieren, verlieren kann ich dann bei dem Arbeitgeber eh nix mehr.

Wie sind eure Erfahrungen? Welche Strategien habt ihr und wie erfolgreich waren diese?

Einatmen – ausatmen

Orrr man, ich könnt mich grad wieder uffrechen tun.

OK, ich reg mich auch grad tierisch auf – und die Themen, über die ich mich aufrege, sind gerade schier endlos.

  • Diese dusslige #regrettingmotherhood-Debatte.
    Die einen Mütter regen sich auf, dass es überhaupt Mütter gibt, die ihr Muttersein auch nur das kleinste bisschen bereuen.
    Die anderen regen sich auf, dass Mütter, die es bereuen, Mutter geworden sein (also die Hardcore-Variante, die wirklich beim Zeit zurückdrehen kein Kind mehr kriegen will) darüber Blogartikel verfasst, die irgendwann mal von den „ungewünschten“ Kindern im Netz gefunden werden.
    Die nächsten regen sich auf, dass die Mütter sich mit dem Thema auseinandersetzen, die nur einzelne Punkte am Muttersein doof finden, wo es in der ursprünglichen Fassung doch darum ging, das ganze Muttersein doof zu finden.
    Mal schauen, was als nächstes Subthema aufkommt.
  • Da kündigt die ZDF-Sendung „heute nacht“ ihren Beitrag zur Absturztrauerfeier gestern damit an, dass bewusst keine trauernden Angehörigen und Freunde der Opfer gefilmt wurden. Im Beitrag allerdings wird die Schwester eines Opfers gezeigt, in Tränen aufgelöst. Vermutlich galt für sie die Regelung nicht, da sie auch eine Rede vorne am Pult hielt.
    Wie auch immer, es ändert nichts am Zynismus dieser Aussage.
  • Es ertrinken 400 Flüchtlinge im Mittelmeer.
    Wenigstens ein paar Kamerateams sind vor Ort und berichten.
    Die zahllosen Opfer der letzten Jahre hat keine Sau interessiert (zu oft taucht in der verlinkten Liste „Flüchtlingsboot“ auf).
    Da fordert unser Innenminister, dass man endlich was tun müsse, aber wenn, dann in den Ursprungsländern der Flüchtlinge, da man sonst nur die Schleuser noch reicher machen würde. Finde ich einen guten Ansatz. Dann, liebe Bundesregierung, leg mal los, hilf Westafrika, die wirtschaftlichen Schäden der Ebola-Epidemie auszugleichen. Dann intervenier mal in Nigeria, wo Boko Haram fast unbehelligt ihr Unwesen treiben, Menschen entführen und abschlachten kann. Dann schau mal richtig in Syrien hin und versteck dich nicht hinter fadenscheinigen Ausreden wie „Souveränität des Staates“, wenn es dir in der Vergangenheit bei anderen Ländern doch auch egal war.
    Zur Finanzierung darfst du gerne den Soli weiter einziehen, brauchst auch die Steuern nicht zu senken und kannst diese unsäglich-unnütze PKW-Maut einführen.
  • Die doofe Schulbezirkregelung unserer Stadt, die uns heute den Ablehnungsbescheid zu unserem Schulbezirkswechselantrag geschickt hat. Hatten wir zwar nicht anders erwartet, aber aufregen tuts mich trotzdem.

Und wegen all dieser Themen komme ich nicht dazu, über die U6 und die Krippeneingewöhnung der Süßen oder das erste echte Fußballtraining des Großen zu schreiben.

Und das regt mich gleich noch mehr auf!

Reue und Ambivalenz

Einen Beitrag darüber zu schreiben, dass man das eigene Muttersein auf gar keinen Fall bereut, während das kleinere Kindlein einen seiner schlechtesten Tage überhaupt erwischt hat und in einer Tour ningelt, kommt der Quadratur des Kreises gleich.

Ja, es gibt Tage, da möchte ich meine Kinder auf den Mond schnipsen. Ohne Rückfahrkarte. Wenn sie mir so sehr auf den Keks gehen, dass ich meine eigenen Gedanken nicht mehr höre. Oder wenn ich am liebsten allein wäre, aber selbst auf dem Klo nicht in Ruhe gelassen werde, weil der Große ganz dringend ein wichtiges Gespräch durch die geschlossene Badezimmertür führen muss. Wenn die Nacht viel zu kurz war, weil das eine Kind unter spontaner Inkontinenz und das andere unter Zahnungsschmerz leidet und selbst der größte Pott Kaffee der Welt nicht mehr als ein leichtes Flackern der Augenlider bewirkt.

An solchen Tagen wäre ich lieber kinderlos, denn auch das süßeste Lächeln des besten Kindes des Universum macht das nicht wieder wett, egal, wie oft einem dieser Spruch mantraartig vorgebetet wird.

Vielleicht liegt es daran, dass mir solche Tatsachen schon vor der Geburt des ersten Kindes bekannt waren, dass ich nicht generell bereue, Kinder bekommen zu haben, dass ich, könnte ich die Uhr zurück drehen, mich immer wieder für Kinder entscheiden würde.

Würde ich hingegen versuchen, dem von Medien und Tradition vermittelten Idealbild der Mutter zu entsprechen, könnte das wiederum ganz anders aussehen. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Frauen denken, als Mutter würde man dauernd Regenbögen pupsen und tagtäglich in Glückseligkeit vergehen, wenn einem das eigene Kind auch nur das zaghafteste Lächeln schenkt.

Die Realität sieht doch und sah schon immer ganz anders aus. Kinder sind anstrengend. Kinder nerven. Kinden rauben einem Zeit und schränken die persönliche Freiheit ein. Das war bei den Höhlenmenschen nicht anders, nur wurde vermutlich darüber viel offener geredet oder das Zusammenleben war enger und hautnahe Erfahren gang und gäbe, so dass Frauen nicht desillusioniert und völlig frustriert nach wenigen Monaten Muttersein zusammenbrechen.

Ob man zum Muttersein taugt, kann einem niemand vorher sagen. Das ist ein bisschen so wie ein neues, bislang unbekanntes Nahrungsmittel probieren. Da, beiß mal vom Brokkoli ab, der ist lecker. Und erst, nachdem man abgebissen hat, weiß man, ob einem das Grünzeug schmeckt oder man es doch lieber wieder ausspuckt oder schnell herunterwürgt. Dabei kommt es mit Sicherheit auch darauf an, wie sehr mir das Gemüse schmackhaft gemacht wurde. „Probier mal, ich find das lecker“ kontra „Das ist das leckerste, was du jemals essen wirst.“ Bei letzterer Anpreisung ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Essen nicht meine Erwartungen erfüllt und ich enttäuscht oder sogar frustriert bin, immens hoch. Mag beim Brokkoli die Sache im wahrsten Sinne des Wortes schnell gegessen sein, ist das bei Kindern leider nicht so einfach.

Ich behaupte, wenn Eltern von vornherein besser Bescheid wüssten, was auf sie zukommt und gleichzeitig nicht irgendwelchen Idealen hinterher jagten, siehe dieses wunderbare Thema Scheitern, wäre die Anzahl der bereuenden Eltern wesentlich geringer.

Ich liebe meine Kinder. Aber nicht über alles. Ich würde mein Leben für sie geben. Aber nicht mein Leben für sie opfern. Sie geben meinem Leben einen Sinn. Aber nicht den einzigen.

Ich wollte immer Kinder haben, das war Teil meines Lebensplans. Allerdings wusste ich auch von Anfang an, dass ich trotz Kinder Vollzeit arbeiten will. Mir war klar, dass mir Windeln wechseln, Spucktücher nähen oder lustige Pappfiguren basteln nicht die Erfüllung bringen würden.
In diesem Zusammenhang mag es durchaus eine glückliche Fügung sein, dass ich in der DDR aufgewachsen bin, wo arbeitende Mütter und im Haushalt mithelfende Väter Normalität waren und die nichtarbeitende Hausfrau und Mutter das Systemfeindbild schlechthin war. Entsprechend waren alle Mütter meiner Klassenkameraden bis auf eine arbeiten.

Man sollte sich außerdem vor Augen führen, dass Kinder sehr sensibel auf die Stimmungen ihrer Eltern reagieren. Wenn sie merken, dass sich ein Elternteil nicht wohl fühlt, nicht glücklich ist, dann denken sie zuerst, dass sie daran Schuld sind und so falsch liegen sie bei diesem Thema auch nicht. So sollten wir zuallererst den Kindern schuldig sein, unsere Ideale zu überprüfen und offene, ehrliche Diskussionen darüber zulassen und fördern. Es ist absolut niemandem geholfen, wenn die werktätige Mutter oder die passionierte Hausfrau oder die kinderlose Frau für die Wahl ihres Lebensstils angekreidet werden.

Wenn ich die Studienergebnisse und die Artikel dazu lese, denke ich, dass ganz dringend am idealen Mutter- bzw. Frauenbild gearbeitet werden muss. Solange Mütter dafür angegangen werden, dass sie nach einem Jahr Kindererziehung wieder arbeiten gehen wollen – so heute wieder in einer Facebookdiskussion geschehen – oder Frauen sagen, dass sie sich nur als Mutter von der Gesellschaft akzeptiert fühlen, oder von Frauen erwartet wird, dass sie sich vermehren, also weiterhin gesellschaftlicher Druck aufgebaut wird, solange wird es auch Frauen geben, die diese Entscheidung bereuen.

Am Ende sind nicht nur die betroffenen Frauen und Kinder die Leidtragenden, sondern die gesamte Gesellschaft.

Zum Scheitern verurteilt

Auf das Thema „Scheitern als Eltern“ bin ich durch den Blogbeitrag von Andrea Harmonika gestoßen, welchen sie im Rahmen einer Blogparade verfasst hat. Ich fand den Beitrag amüsant, da er mir in sehr angenehmer Art vor Augen hielt, dass ich jeden Tag an der Aufgabe Elternsein scheitere und kommentierte das entsprechend.

Doch seit dem lässt mich dieses Thema nicht mehr los. Es geistert in meinem Kopf, schiebt sich immer wieder in mein Bewusstsein, weil ich einfach nicht akzeptieren kann, dass ich als Muttern gescheitert sein soll. Ich fühle mich nicht als gescheitert! Wenn ich meine Kinder so anschaue, dann habe ich bestimmt einiges falsch, aber auch jede Menge richtig gemacht. OK, ich kann keine Hosen für meine Kinder nähen und mit dem Backen ist es auch nicht weit her, aber ist das tatsächlich ein brauchbarer Maßstab für gelungene Elternschaft?

Wer legt denn überhaupt die Maßstäbe fest? Und mit welchem Recht? Beim Sport ist das meist relativ klar geregelt. Wer beim Hochsprung am höchsten springt, hat gewonnen, wer die Latte reißt, ist an dieser Höhe gescheitert. Ist man im Hochsprung nicht besonders gut, dann kann man vielleicht ganz schnell laufen oder etwas sehr weit werfen. Und wem nichts von alledem gut gelingt, der kann immer noch als Zuschauer auf den Rängen Platz nehmen und die Athleten anfeuern.

Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, das Publikum als gescheitert anzusehen. Oder den Hochspringer, der zwangsläufig beim Kugelstoßen versagen muss.
Warum dann also die strengen Vorgaben für Eltern?

Nimmt man sich zwei beliebige Elternratgeber und vergleicht die Ratschläge, dann findet man höchstwahrscheinlich mindestens einen Punkt, der völlig konträr zum gleichen Abschnitt im anderen Buch beschrieben wird. Folge ich nun dem einen Ratgeber, muss ich zwangsläufig an den Maßstäben des anderen Ratgebers scheitern. Das ist übrigens der Grund, warum ich diese Elternratgeber meide wie die Pest, da sie mich letztendlich mehr verwirren als sie mir helfen.

Folgt man den Tipps von Freundinnen, Eltern, Großeltern, Tanten oder den eh alles besserwissenden Miteinkäufern im Supermarkt, bietet sich das gleiche Bild. Der eine rät, man solle das Kind in der Quengelzone schreien lassen, der andere fühlt sich dadurch massiv belästigt und hält das Kind für völlig verzogen. Der Onkel, der entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn wir erzählen, dass wir mit unseren Kindern regelmäßig in Restaurants (und damit meine ich jetzt nicht diese „Restaurants“ zu den goldenen Bögen etc.) zum Essen gehen und wir dort bis 21 Uhr oder gar noch länger bleiben. Dem entgegen steht die Bedienung in besagten Restaurants, die sich freut, dass wir kommen und es schön findet, dass auch Deutsche mal so unverkrampft mit ihren Kindern umgehen (O-Ton).

Wer hat denn jetzt Recht bzw. welcher Maßstab ist denn nun der, an dem ich mich als Mutter messen lassen muss?

Da Menschen Individuen sind mit unterschiedlichsten Erfahrung, Moralvorstellungen und kulturellen Hintergründen, und Eltern entgegen der landläufigen Meinung eben auch nur Menschen sind, können solche allgemeingültigen Maßstäbe gar nicht angelegt werden.

Eine Freundin brachte es, wie ich finde, schön prägnant auf den Punkt: „Als gescheitert würde ich mich betrachten, wenn meine Kinder mir nicht ihre Sorgen anvertrauen können oder sich von mir nicht geliebt fühlen. Alles andere ist doch nur Bonus.“

Ob man dieses Ziel nun mit selbstgenähten Hosen oder selbstgebackenem smartiesgefüllten Regenbogenkuchen schafft oder täglich den Lieferservice bestellt, ist doch letztendlich egal.

 

#geschichtenvomscheitern