Zum Scheitern verurteilt

Auf das Thema „Scheitern als Eltern“ bin ich durch den Blogbeitrag von Andrea Harmonika gestoßen, welchen sie im Rahmen einer Blogparade verfasst hat. Ich fand den Beitrag amüsant, da er mir in sehr angenehmer Art vor Augen hielt, dass ich jeden Tag an der Aufgabe Elternsein scheitere und kommentierte das entsprechend.

Doch seit dem lässt mich dieses Thema nicht mehr los. Es geistert in meinem Kopf, schiebt sich immer wieder in mein Bewusstsein, weil ich einfach nicht akzeptieren kann, dass ich als Muttern gescheitert sein soll. Ich fühle mich nicht als gescheitert! Wenn ich meine Kinder so anschaue, dann habe ich bestimmt einiges falsch, aber auch jede Menge richtig gemacht. OK, ich kann keine Hosen für meine Kinder nähen und mit dem Backen ist es auch nicht weit her, aber ist das tatsächlich ein brauchbarer Maßstab für gelungene Elternschaft?

Wer legt denn überhaupt die Maßstäbe fest? Und mit welchem Recht? Beim Sport ist das meist relativ klar geregelt. Wer beim Hochsprung am höchsten springt, hat gewonnen, wer die Latte reißt, ist an dieser Höhe gescheitert. Ist man im Hochsprung nicht besonders gut, dann kann man vielleicht ganz schnell laufen oder etwas sehr weit werfen. Und wem nichts von alledem gut gelingt, der kann immer noch als Zuschauer auf den Rängen Platz nehmen und die Athleten anfeuern.

Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, das Publikum als gescheitert anzusehen. Oder den Hochspringer, der zwangsläufig beim Kugelstoßen versagen muss.
Warum dann also die strengen Vorgaben für Eltern?

Nimmt man sich zwei beliebige Elternratgeber und vergleicht die Ratschläge, dann findet man höchstwahrscheinlich mindestens einen Punkt, der völlig konträr zum gleichen Abschnitt im anderen Buch beschrieben wird. Folge ich nun dem einen Ratgeber, muss ich zwangsläufig an den Maßstäben des anderen Ratgebers scheitern. Das ist übrigens der Grund, warum ich diese Elternratgeber meide wie die Pest, da sie mich letztendlich mehr verwirren als sie mir helfen.

Folgt man den Tipps von Freundinnen, Eltern, Großeltern, Tanten oder den eh alles besserwissenden Miteinkäufern im Supermarkt, bietet sich das gleiche Bild. Der eine rät, man solle das Kind in der Quengelzone schreien lassen, der andere fühlt sich dadurch massiv belästigt und hält das Kind für völlig verzogen. Der Onkel, der entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn wir erzählen, dass wir mit unseren Kindern regelmäßig in Restaurants (und damit meine ich jetzt nicht diese „Restaurants“ zu den goldenen Bögen etc.) zum Essen gehen und wir dort bis 21 Uhr oder gar noch länger bleiben. Dem entgegen steht die Bedienung in besagten Restaurants, die sich freut, dass wir kommen und es schön findet, dass auch Deutsche mal so unverkrampft mit ihren Kindern umgehen (O-Ton).

Wer hat denn jetzt Recht bzw. welcher Maßstab ist denn nun der, an dem ich mich als Mutter messen lassen muss?

Da Menschen Individuen sind mit unterschiedlichsten Erfahrung, Moralvorstellungen und kulturellen Hintergründen, und Eltern entgegen der landläufigen Meinung eben auch nur Menschen sind, können solche allgemeingültigen Maßstäbe gar nicht angelegt werden.

Eine Freundin brachte es, wie ich finde, schön prägnant auf den Punkt: „Als gescheitert würde ich mich betrachten, wenn meine Kinder mir nicht ihre Sorgen anvertrauen können oder sich von mir nicht geliebt fühlen. Alles andere ist doch nur Bonus.“

Ob man dieses Ziel nun mit selbstgenähten Hosen oder selbstgebackenem smartiesgefüllten Regenbogenkuchen schafft oder täglich den Lieferservice bestellt, ist doch letztendlich egal.

 

#geschichtenvomscheitern

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Ein Kommentar zu “Zum Scheitern verurteilt

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