Vom Träumen

Ich träume gerne. Nachts. Oder Tags. In den Träumen ist alles möglich.

Da bekomme ich den Job. Gewinne im Lotto. Kann fliegen.

Manchmal träume ich nachts so realistisch, dass es mir nach dem Aufwachen schwer fällt, mich zu orientieren. Dies sind meist ganz alltägliche Träume mit ganz alltäglichen Problemen, mit bekannten Gesichtern, Eltern und Freunde.

Es gibt wiederkehrende Träume. Ein Traum verfolgt mich seit meiner Kindheit. In einem Krankenhaus bricht ein Feuer aus, alle Patienten werden gerettet außer einem, meinem Großvater, während ich hilflos in einiger Entfernung stehe und das ganze Geschehen nicht fassen kann. Mir ist bis heute nicht klar, warum ich immer wieder diesen Traum habe, warum ich ihn schon so lange träume, da nie etwas ähnliches in meiner Nähe passiert ist und ich beim ersten Mal viel zu klein war, um durch Nachrichtensendungen oder Zeitungen getriggert worden zu sein. Besagter Großvater ist seit knapp 20 Jahren tot, dennoch taucht der Traum gelegentlich noch auf.

Einige Träume sind einfach nur schön, friedlich, beruhigend, fließen dahin wie ein großer breiter Strom. Das sind die besten Träume. Ich möchte mich in sie einwickeln wie in die perfekt gewärmte Daunenbettdecke, sie ewig festhalten. Es gibt keine spezielle Handlung, diese Träume werden nur von Gefühlen getragen, wohligen, angenehmen Gefühlen, so anders als die gemeinen, kalten Sorgen, Ängste und Nöte des Alltags.

Mitunter beschäftigen mich Dinge in meinem Alltag so sehr, dass ich sie in die Träume mitnehme. Einen solchen mir immer noch gut in Erinnerung gebliebener Traum träumte ich während meiner Abiturvorbereitung. Ich rechnete eine Beispielmatheabiaufgabe nach der anderen, es machte Spaß und ich fand immer die richtige Lösung. Nur bei einer Aufgabe scheiterte ich immer und immer wieder, und das ließ mir keine Ruhe. Ich rechnete und rechnete, ohne Erfolg. Bis ich eines nachts davon träumte und im Traum erkannte ich meinen Denkfehler, fand den richtigen Lösungsweg. Gleich am nächsten Morgen probierte ich den neuen Ansatz und siehe, auf einmal war die Aufgabe kinderleicht, das Ergebnis stimmte endlich.

Tagträume sind die schwierigsten Träume. Sie spiegeln meine Hoffnungen wieder, meine Wünsche, sind jedoch immer auch von der Gewissheit begleitet, dass diese Hoffnungen zu schnell zerstört werden können. Trotzdem gebe ich mich hin und wieder diesen Träumen hin, tue dann so, als hätten sich meine Wünsche erfüllt. Dann stöber ich nach Häusern, die ich mit dem Lottogewinn kaufen würde, plane Reisen in exotische Länder, überlege, wie ich meinen Tag gestalte, wenn ich nicht mehr zwingend arbeiten müsste. Mit Bedauern verlasse ich diese Träume, stelle mich der Realität, weiter in unserer Schimmelwohnung bleiben zu müssen und unser Kind ein eine Schule in einem berühmt-berüchtigten Stadtteil zu schicken. Und dass der nächste Urlaub wohl doch wieder nur an die Ostsee geht, stand mir auf den Malediven am Strand gekühlte Drinks unter sich sanft im Wind wiegenden Palmen servieren zu lassen. Und statt dem Porsche wird die neue Familienkutsche nur ein gebrauchter Dacia, mit viel Glück in drei Jahren auf Raten abgezahlt.

Gute Nacht und süße Träume 🙂

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