Es geht auch anders

Da hatte ich nun heute mein erstes Vorstellungsgespräch und bin so schlau als wie zuvor. Grundsätzlich habe ich eh so meine Schwierigkeiten, solche Gespräche einzuschätzen. Immer, wenn ich dachte, och, das lief ja jetzt richtig gut, kam kurz darauf die Absage. Hatte ich den Eindruck, ganz grandios gescheitert zu sein, folgte oft ein Vertragsangebot.

Mit der Zeit konnte ich jedoch zumindest den groben Ablauf eines Vorstellungsgesprächs ausmachen. Man wird von jemandem am Empfang abgeholt, ein Besprechungszimmer wird betreten, der oder die anderen Teilnehmer vorgestellt. Man begrüßt sich, spricht kurz über das Wetter oder ob man gut den Ort gefunden hat, die typischen Eisbrecher-Smalltalk-Floskeln.
Dann stellt der Gesprächsführer kurz das Unternehmen vor und erklärt, was, manchmal auch warum, sie genau  suchen. Im Gegenzug darf der Kandidat von sich und seinem Lebenslauf erzählen, vorzugsweise mit Betonung der auf das Anzeigenprofil passenden Vorzüge.
Aus diesen beiden Abschnitten ergeben sich fast zwangsläufig Fragen, welche dann im Anschluss gestellt und hoffentlich zufriedenstellend beantwortet werden. Hier kann man meist schon feststellen, ob das Gespräch erfolgreich sein wird oder eher nicht. Der Gesprächsführer wird hierbei schnell die Veranstaltung zum Ende bringen, sollte er der Meinung sein, dass der Bewerber nicht der richtige ist. Über den Daumen gepeilt kann man sagen, je länger ein Gespräch dauert, desto besser bzw. aussichtsreicher.

Heute war alles anders. Es war nur ein Gesprächsparter, mein potentieller zukünftiger Vorgesetzter dabei. Er wirkte ein wenig deplatziert, als ob er sich wunderte, warum er mit mir in dem Besprechungsraum saß. Er entschuldigte sich, er käme gerade aus einer Besprechung und hätte keine Zeit gehabt, vorher nochmal in meine Unterlagen zu schauen. Auch würde ihm der Anzeigentext nicht vorliegen und zu allem Überfluss versagte sein Kuli seinen Dienst.

Nach den Eisbrecher-Floskeln drückte er mir einen weißen Laborkittel in die Hand und meinte, er würde mir jetzt das Unternehmen zeigen. Da es sich um ein Medizinlaborunternehmen handelte, wurde ich darauf hingewiesen, dass da mit menschlichen Proben (Blut, Urin, Stuhl, etc.) hantiert würde und ich doch bitte nichts anfassen oder austrinken sollte. WTF? Ärztehumor?
Den Rundgang fand ich richtig interessant, jeden Meter hochmoderne Maschinen, die die Probenröhrchen selbstständig erfassten, aufschraubten, schüttelten, anpieksten und deren Inhalt entsprechend der Vorgaben auf den Lieferscheinen analysierten. Da gab es eine Maschine, da fuhr eine Reihe von 10 Probenröhrchen auf einer Schiene entlang, passierte zwei Analyseplätze, um dann vor dem dritten Platz das Gleis zu wechseln und direkt in die Maschine hinein zu fahren. Das hatte wirklich was von Modelleisenbahn, was ich so auch äußerte und mein Gesprächspartner bestätigte.

Es gab ein Rohrpostsystem, welches direkt zur gegenüber liegenden Klinik führte und über das Proben direkt aus dem OP zur Analyse oder Blutkonserven aus dem Lager direkt in den OP geschickt werden konnten. Rohrpostsysteme find ich per se cool, leider kam während meines Besuchs keine Post an.

IT-Abteilung, Serverraum, Lager- und Probenaufbewahrungsraum, Drogenlabor, Speziallabor für händische Probenanalysen, diverse Kühlräume, Pausenräume – alles war bei der Führung inklusive.

Nach dem Rundgang folgte das eigentliche Gespräch, aber auch das war recht kurz. Ich fragte nach den Punkten aus der Anzeige, die mir unklar waren bzw. Bauchschmerzen bereiteten, er versuchte ansatzweise, seine Checkliste (Können Sie Windows-Server? – Nein) abzuarbeiten. Er listete die Rahmenbedingungen auf (26 Tage Urlaub, Stechkartensystem, Überstunden sammelbar, unbezahlte Rufbereitschaft wochentags, pauschal bezahlte Bereitschaft am Wochenende), wir fachsimpelten noch ein wenig über OTRS und schwierige Kunden und dann war das Gespräch vorbei. Es hatte eine gute Stunde gedauert.

Von der Länge her eher gut, der Rundgang war auch ok, aber was das jetzt im Ergebnis bedeutet, habe ich mal wieder keine Ahnung. Sie würden sich in ein bis zwei Wochen melden.

Na dann, abwarten und Tee trinken 🙂

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3 Kommentare zu “Es geht auch anders

  1. Ich finde, das hört sich gut an. Drücke die Daumen!

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  2. Das klingt doch nicht schlecht. Ich drück auch die Daumen.

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  3. xayriel sagt:

    Hat dies auf 9erblog rebloggt und kommentierte:

    „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für eine/n andere/n Bewerber/in entschieden haben.“

    😦

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