Kein Beinbruch

Wir hatten gestern Abend festgestellt, dass der Schwanz unserer kleinen Katze Trinity einen seltsamen Knick aufweist, direkt am oberen Schwanzende, also dort wo der Schwanz aus der Katze rauskommt, und der restliche Schwanz eher schlaff runterhängt.

Heute morgen nun bin ich mit der Katze zum Tierarzt gefahren. Trinity fand das überhaupt nicht witzig und hat sich mit sämtlichen Krallen gegen das Einfangen gewehrt, mit dem Ergebnis, dass meine schöne Strickjacke jetzt jede Menge gezogene Fäden und mein linker Zeigefinger einen sehr tiefen Riss, der unschön pocht, hat.

Die Tierärztin schaute sich die Katze an, befühlte ausgiebig die geknickte Stelle und maß Fieber. Dann meinte sie, dass man bei einem Schwanzbruch nicht viel machen könne. Sie weiß auch nicht, ob es denn nun ein Bruch oder nur ausgerenkte Wirbel sind, die betroffene Stelle selbst sei aber fest. Schienen oder gipsen geht auch nicht, das würde eh nicht halten.

Also bleibt uns nur, der Katze Schmerzmittel zu geben und die Entwicklung zu beobachten. Bis alles ausgeheilt sei, kann es gut 6 Wochen dauern. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie den Knick im Schwanz behalten, sonst aber keine Einschränkungen haben.

Wir allerdings müssen die nächsten Wochen besonders gut auf Trinity aufpassen und schauen, dass sie immer gut isst und trinkt, dass sie normal und regelmäßig aufs Klo geht, dass sie sich normal bewegt und aktiv ist und dass sie ihren Schwanz immer mehr und bis in die Schwanzspitze benutzt, was sie gestern verständlicherweise eher nicht getan hat, weil das bestimmt höllisch weh getan hat.

Bei abweichenden Verhalten sollten wir sofort wieder zum Tierarzt, vor allem, wenn die Katze anfängt, durch Kratzen oder Kauen ihren Schwanz zu verstümmeln. In 2 bis 3 Wochen müssen wir zur Kontrolle hin.

Jetzt bin ich erstmal froh, dass es nichts ernsthaftes ist und die Katze nicht unters Messer muss. Zuhause hat sich Trinity als erstes auf den Futternapf gestürzt und seitdem liegt sie im Küchenfenster. Jeannie liegt direkt davor und es sieht so aus, als wenn sie die kleine Katze beschützt ❤

Irgendwas ist ja immer

Eigentlich wollte ich morgen ganz in Ruhe ein paar Blogeinträge zu unserem durchaus interessanten Wochenende verfassen.

Doch dann stellten wir heute Abend entsetzt fest, dass sich unsere kleine Katze, die mit dem Dachschaden, ihren Schwanz gebrochen oder wohl zumindest irgendwie ernsthaft verletzt hat. Da sie einen ganz fitten Eindruck und immer noch jede Menge Blödsinn macht, gehen wir nicht davon aus, dass sie unerträgliche Schmerzen leidet und sparen uns den Besuch in der Notaufnahme.

Also werde ich morgen früh erstmal zum Tierarzt gehen und hoffen, dass es dort an einem Montag Morgen nicht so voll ist wie bei einem Menschenarzt.

Highlight der Woche

Sobald sich die ersten zwei zartfarbigen Streifen auf dem Schwangerschaftstest gezeigt haben und man diese meist erfreuliche Nachricht dem Freundes- und Bekanntenkreis kund getan hat, hagelt es von allen Seiten mehr oder weniger brauchbare Ratschläge und Tipps. Noch häufiger jedoch folgen Kommentare, was denn in den nächsten Monaten und Jahren auf einen als werdende und später seiende Eltern zukommt.

Mit einem hämischen Lächeln auf den Lippen wird vor den schlaflosen Nächten gewarnt, diabolisch grinsend werden die intensivsten Windelwechselgeschichten zum Besten gegeben und mitleidig wird darauf hingewiesen, dass man die Wespentaille ab jetzt getrost für alle Zeiten vergessen kann. Stoisch erträgt man all dies, nur um es dann selbst bei der nächstbesten Gelegenheit den werdenden Eltern aufs Brot zu Schmieren.

Tja, so ist er, der Kreislauf des Lebens.

Aber niemand, wirklich niemand, klärt einen vorher über die wahren Höhepunkte des Elternseins auf: Elternveranstaltungen in den Kinderbetreuungseinrichtungen. Sie kommen meist ganz unschuldig daher und nennen sich „Osterkaffee“. Oder auch getarnt als „Chinesisches Mondfest“. Manchmal versuchen sie auch gar nicht ihre hinterhältige Natur zu verstecken und nennen sich ganz plump „Zuckertütenbasteln für Eltern“.

Je nach Organisationsstufe des Kindergartens wird einem der Termin für die nächste Veranstaltung atemlos zwischen Tür und Angel beim Abholen des Kindes zugerufen, wenn selbiges gerade laut plärrend erzählt, dass ihm der Jeremy-Jason schon wieder eins mit einem Bauklotz über die Rübe gezogen hat, was voll gemein ist, denn dadurch ist der Sprößling mit dem Stift abgerutscht und schon ist sein selbstgemaltes Bild, das viel schöner und glitzriger war als das von Sophie-Anna, total versaut gewesen.
Wenn man Glück hat, wurde der Termin auf einen bunten Zettel gekrakelt, versehen mit ganz vielen Smilies, und an die Tür gepinnt, wo man ihn in Ruhe und viel mühevoller Kleinarbeit entziffern kann, wenn man das Kind abholt. Wenn man Pech hat, holen gerade andere Eltern ihr Kind ab, die Tür steht permanent offen und man bekommt diesen Zettel nie zu Gesicht.
Der 5er im Lotto ist, wenn man auf die Veranstaltungen per Email hingewiesen wird. Der 6er, wenn auch die richtige Emailadresse verwendet wurde. Der 6er mit Superzahl, wenn der gesamte Verteiler im BCC steht.

All diesen Veranstaltungen ist gemein, dass man zwangsläufig auf „andere Eltern“ trifft, während man auf diesen Minikinderstühlen hockt, die Knie irgendwo auf Ohrenhöhe und aus denen man niemals im Leben würdevoll aufstehen kann, sobald man größer als 1,50 m gewachsen ist.

Die „anderen Eltern“ haben zu solchen Veranstaltungen immer den tollsten selbstgebackenen Kuchen dabei, während man selbst froh ist, die letzten vertrockneten Stücke Blechkuchens vom Bäcker um die Ecke ergattert zu haben. Diese Mütter sehen immer aus wie aus dem Ei gepellt, ich bin schon froh, wenn die Essensresteflecke auf meiner Jacke, nachdem sich mindestens eines meiner Kinder unbedingt den Mund daran abwischen musste, während ich ihm zur Verabschiedung einen Kuss auf die Wange gegeben habe, farblich zu denen auf meiner Hose passen.

Allein der Geruch, wenn ich den Hort des GrauensKindergarten betrete. Schon direkt nach Öffnen der Eingangstür schlägt einem der Geruch nach verwesender Kinderkotze entgegen, der sich gleichmäßig im ganzen Haus verteilt hat. Ich weiß nicht, ob die Mischung aus getragenen Kindersocken, trocknenden Matschhosen, Mittagessen und scharfen Reinigungsmitteln diesen Duft erzeugt, oder ob sich tatsächlich vor Urzeiten mal ein Kind an einer unauffälligen Stelle übergeben hat. Ist ja letztendlich auch egal, stinken tut es so oder so erbärmlich.

Heute stand Zuckertütenbasteln auf dem Plan und ich fand mich am vorgeschriebenen Ort zur rechten Zeit ein. Die Erzieherinnen hatten schon mal was vorbereitet und so standen bereits frisch verklebte Tütenrohlinge auf dem Tisch. Ich wurde als Mama des Großen erkannt und prompt gefragt, ob ich lieber eine blaue oder eine grüne Zuckertüte haben möchte. Ich entschied mich für die orangene.

Damit die Tüte nicht sofort den Inhalt preis gibt, lag Krepppapier bereit, mit dem man den Verschluss der Tüte basteln konnte. Ich rissschnitt mit einer Minischere ein entsprechend großes Stück vom roten Papier ab und wollte dieses innen in die Tüte kleben. Mit Leim, der aus dem letzten Jahrtausend stammte. Egal, ich ignorierte die seltsamen Flecken oben auf dem Klebestift und schmodderte den oberen inneren Rand der Tüte ordentlich auf 5 Zentimeter Breite ein.
Vorsichtig drückte ich das Krepppapier auf den Rand, bis ich die Runde rum war. Dann wiederholte ich die Prozedur. Dann wischte ich mir die Kleberklumpen an der Hose ab, bat um den Flüssigkleber und wiederholte die Spiel.

Es gab Buchstaben zum Aufkleben, in bunt, Moosgummi und Glitzer. Die bunten und die glitzernden klebten von selbst, die Moosgummi mussten extra mit Leim versehen werden. Seltsamerweise waren die Buchstaben s, c, h, u, l und e viel zu wenig vorhanden, keine Ahnung warum. Ich half mir, indem ich aus übriggebliebenen Moosgummi-Ns Hs und aus Qs, die eh niemand braucht, Us bastelte. Es gab auch chinesische Drachen und Lampions als Aufkleber, welche ich gerne und reichlich nutzte. Den Namen meines Kindes formte ich aus Glitzerbuchstaben, mit dem Resultat, dass die Hälfte des Glitzers an meinen leimverschmierten Fingern und meiner Hose haftete.
Die Moosgummibuchstaben wollten sich partout nicht der Rundung der Tüte anpassen und flappten ständig vom Untergrund wieder hoch, ganz gleich, wie viel oder welchen Leim ich verwendete. Egal, das ist individuell und wird anderswo Kunst genannt.

Als positiv bleibt mir zu bemerken, dass die Stunde zum Glück frei von „anderen Eltern“ war und ich tatsächlich Spaß hatte. Negativ sticht heraus, dass die „anderen Eltern“ vermutlich so mit Kuchen backen beschäftigt waren, dass sie ihren Kindern nicht so etwas Schnödes wie eine Zuckertüte basteln konnten und die übrigen Eltern zusätzlich diese Aufgabe übernehmen mussten, weswegen es ein paar weniger liebevoll gestaltete Exemplare ohne Namen gibt und weswegen mein Mann grummelnd mit beiden Kindern im Schlepptau vor der Türe wartete, während ich noch fix eine Fremdtüte fertig beklebte.

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Beim nächsten Basteln bringe ich meine eigene Tube Sekundenkleber mit. Wäre doch gelacht, wenn ich mich nicht komplett an eine Zuckertüte pappen könnte 😉

Nach Diktat verreist

Ich habe Post von meiner Anwältin bekommen, denn meine alte Firma hat auf ihr Schreiben reagiert. Sie hat mir eine Kopie der Antwort zukommen lassen. Seit ich dieses gelesen habe, rast mein Herz und ich möcht am liebsten irgendwas kaputt machen oder jemanden anschreien. Da mir meine Sachen aber doch recht teuer und meine Familie sehr lieb ist, schreibe ich lieber einen Blogeintrag dazu.

Am besten zitiere ich mal das Schreiben:

Tatsächlich ist der Arbeitsplatz Ihrer Mandantin auch entfallen.

Unrichtig ist, dass sich Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten auf einem anderen Arbeitsplatz ergeben haben oder bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist am 30.06.2015 hinaus ergeben werden. Die Position einer Projektassistentin im IT-Bereich gibt es nicht mehr. Susi (meine Vertretung) bekleidet diese auch nicht. Susi war ursprünglich als Vertreterin Ihrer Mandantin als Projektassistentin im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik im Bereich IT eingesetzt. Nachdem der Arbeitsplatz in der IT für eine Projektassistentin aufgrund der betrieblichen Veränderungen entfallen war, ergab sich eine Einsatzmöglichkeit für Susi aufgrund der besonderen gezeigten organisatorischen und kaufmännischen Leistungen im kaufmännischen Bereich (Finanzbereich) des Unternehmens. Susi hat im Gegensatz zu Ihrer Mandantin auch ein universitäres Studium, das sie zur Übernahme von Projektmanagementaufgaben im Finanzbereich befähigt. Susi ist nunmehr direkt der kaufmännischen Leiterin unterstellt und seit einiger Zeit dort tätig. Für diese Tätigkeit hatte Ihre Mandantin keine Qualifikationen und wäre Ihre Mandantin auch nicht geeignet. Die Tätigkeit verlangt eine andere Qualifikation, die Ihre Mandantin nicht vorweisen kann. Susi ist in dem Finanzbereich im Übrigen nicht erst seit Ausspruch der Kündigung dort eingesetzt. Dementsprechend hätte unsere Mandantin ohnehin keine Verpflichtung gehabt, Einsatzmöglichkeiten Ihrer Mandantin auf dem Platz von Susi zu prüfen. Der Arbeitsplatz ist nach Ausspruch der Kündigung nicht neu entstanden und auch nicht frei geworden.

Einzig und allein im Vergleich zu der ursprünglich einmal ausgeübten Tätigkeit als Projektassistentin im IT-Bereich ist geblieben, dass Susi ihren Arbeitsplatz in demselben Büro hat, in dem ursprünglich Ihre Mandantin gearbeitet hat. Dies ist aber den begrenzten örtlichen Möglichkeiten geschuldet, weil für Susi ein anderes Büro nicht zur Verfügung stand. Über ihren konkreten Einsatz, ihre Stellung und Zuordnung im Unternehmen besagt dies aber nichts.

Der Einsatz Ihrer Mandantin war hingegen auf den reinen IT-Bereich beschränkt. Ein arbeitgeberseitiges Direktionsrecht zu einem Einsatz in einem anderen Bereich bestand nicht. Die Assistenztätigkeit bezog sich ausschließlich auf IT-Themen. Dies ist mit den von Susi ausgeübten Tätigkeiten nicht vergleichbar.

Wir bitten deshalb um Verständnis dafür, dass unsere Mandantin keine Veranlassung sieht, die Abfindung zu erhöhen.

Boar, ich koche!

Nehmen wir das Schreiben mal auseinander.

aufgrund der besonderen gezeigten organisatorischen und kaufmännischen Leistungen im kaufmännischen Bereich (Finanzbereich) des Unternehmens.

Susi hatte genau die gleichen Aufgaben wie ich. Auch ich habe organisatorische und kaufmännische Leistungen erbracht!

Susi hat im Gegensatz zu Ihrer Mandantin auch ein universitäres Studium, das sie zur Übernahme von Projektmanagementaufgaben im Finanzbereich befähigt

Dieser Satz kommt einem Schlag ins Gesicht gleich. Es ist richtig, ich habe „nur“ einen Fachhochschulabschluss. Allerdings ist dies ein Diplom, für das ich 5 Jahre studiert habe. Im Fach Wirtschaftsinformatik. Susi hingegen hat einen Universitätsabschluss. Bachelor. Auch Wirtschaftsinformatik.

Die wollen ernsthaft behaupten, dass ein Bachelor höherwertiger ist als ein Diplom? 2 Jahre besser als 5 Jahre? Ernsthaft? Ob ich eine Anzeige wegen Beleidigung deswegen schreiben kann?

Für diese Tätigkeit hatte Ihre Mandantin keine Qualifikationen und wäre Ihre Mandantin auch nicht geeignet. Die Tätigkeit verlangt eine andere Qualifikation, die Ihre Mandantin nicht vorweisen kann.

Und weiter geht es mit den Beleidigungen. Wie gesagt, Susi hat nur den Bachelor und hatte während und nach dem Studium nur Stellen, die nie auch nur im Geringsten etwas mit Finanzwesen zu tun hatten. Logistikbranche ja, aber keine Finanzen.

Ich hingegen habe in meinem minderwertigen Fachhochschulstudium mehrere Semester Buchhaltung, Kosten-Leistungsrechnung, Betriebliche Steuerlehre, Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre gehabt. Ich habe dort Prüfungen ablegen müssen und habe alle bestanden. Wo ist das bitte keine Qualifikation, um im Finanzbereich arbeiten zu können?

dass Susi ihren Arbeitsplatz in demselben Büro hat […] aber den begrenzten örtlichen Möglichkeiten geschuldet

Rein zufällig hab ich ein ganz gutes geografisches Gedächtnis und weiß, dass mindestens ein Büro frei geworden ist, in das Susi hätte umziehen können, um auch eine räumliche Trennung vom IT-Bereich vorzunehmen. Und mit Sicherheit übernimmt sie auch keinerlei finanzfremde Aufgaben, nachdem sie bereits längerfristig dem IT-Chef unterstellt war und immer noch in dessen Büro sitzt.

Wen wollen die eigentlich verscheißern?

Der Einsatz Ihrer Mandantin war hingegen auf den reinen IT-Bereich beschränkt.

Ähm. Ja. Nein!

Weil ich immer nur in der IT rumgehangen habe, haben mich die Buchhaltungs- und Controllingkollegen auch nie zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Klar, die lassen immer artfremde Kollegen ihre Kuchen und Mettbrötchen wegfuttern, weil sie einfach so wahnsinnig nett sind.

Ich hatte durchaus Aufgaben aus dem Finanzbereich, mehr als einmal kam die kaufmännische Leiterin auf mich zu und bat mich um Zahlen und Hilfe. Die Leiterin übertrug mir ebenso Aufgaben wie mein direkter Chef und sie war mir weisungsbefugt.

Nochmal: wen wollen die verscheißern?

Dies ist mit den von Susi ausgeübten Tätigkeiten nicht vergleichbar.

Ja ne, ist klar.

Leider kann ich derzeit nicht besonders viel tun, weil meine Anwältin gerade im Urlaub ist. Ich werde meine ehemaligen Kollegen befragen, vielleicht können mir diese ein paar Antworten geben.
Als kleines Highlight fand ich allerdings, dass wegen des Urlaubs unter dem Anschreiben der Anwältin tatsächlich stand:
„nach Diktat verreist“ 🙂

Geschützter Raum

Seit einigen Wochen habe ich wieder regelmäßige Sitzungen bei meiner Psychologin. Da es mir derzeit einigermaßen gut geht, diskutieren wir jede Woche das Thema, was gerade am meisten brennt. Mal ist es die Jobsuche, mal mein Platz in der Welt – leider ein uraltes, immer noch nicht bewältigtes Thema, mal die Kindererziehung.

Letztere war diese Woche Thema. Ich hatte diverse Blogbeiträge gelesen, wie man möglichst am besten mit seinen Kindern umgeht. Alle leuchteten mir ein, aber bei allen merkte ich auch, dass ich sie derzeit so nicht umsetze und das machte mir ein mächtig schlechtes Gewissen. Beispiel gewaltfreie Erziehung. Natürlich lehne ich jegliche Gewalt ab, auch weil ich genau weiß, wie es sich anfühlt und welche Spuren selbst die kleinste Ohrfeige, von exzessivem Hosenboden versohlen oder gar Schlimmeren mal ganz abgesehen, auf der Kinderseele hinterlässt. Als ich dann aber von einer Studie lass, dass Schreien ähnlich schlimm ist wie körperliche Gewalt, gab mir das schon sehr zu denken, denn das passiert mir dann doch öfter.

Vor allem dann, wenn der Große die Ohren komplett auf Durchzug geschaltet hat. Vor einem Jahr hatten wir massive Schwierigkeiten mit ihm, schoben es aber auf den plötzlichen Weggang seines Bezugserziehers und dem Hinzukommen seiner Schwester. Diese Schwierigkeiten zogen sich eine ganze Weile hin und eine Freundin meinte, dass wäre gar nicht ungewöhnlich, dieser Zeitraum wird nicht umsonst die kleine Pubertät genannt. Das mag alles sein, trotzdem war es anstrengend und ich hab ihn öfter mal angebrüllt, weil einfach die Nerven blank lagen.

Mit dieser Studie nun wurde mein eh schon sehr schlechtes Gewissen noch viel viel schlechter und für mich war dieses Thema einfach mal dran bei meiner Psychologin. Sie selbst hat zwei Jungs, der eine 11, der andere 8, sie wusste also selber genau, worüber ich sprach. Wie sehr mir das Kind den letzten Nerv rauben kann. Wie sehr es mich stresst, wenn die Ohren wie vernagelt sind. Dass sie weiß, wie leicht Kinder es schaffen, einen zur Weißglut zu treiben. Und dass es selbst ihr, der ausgebildeten, gestählten Psychologin nicht immer gelingt, angemessen und pädagogisch wertvoll zu handeln.

Scherzhaft meinte sie, dass die nach ihr kommenden Psychotherapeuten ja auch Arbeitsmaterial bräuchten und diese dann gerne ihre Erziehungsfehler ausbügeln könnten.

Sie gab mir keine konkreten Tipps, sie verurteilte mein Verhalten nicht, wofür ich sehr dankbar bin. Aber sie zeigte mir eine andere Perspektive und das war einer dieser Momente, wo es Klick macht und alle Puzzleteile wie von selbst an die richtige Stelle fallen.

Geduldig erklärte sie mir, dass es ganz normal ist, dass Kinder daheim frei drehen, die Sau rauslassen, den Bogen überspannen. Sie testen ihre Grenzen aus.

Sie werde immer hellhörig, wenn ihr jemand erzählt, wie lieb und folgsam doch das Kind wäre, wie angepasst und pflegeleicht. Wird ihr hingegen von Rabauken, Querulanten, Widerborsten und Aufmüpfigen berichtet, dann ist sie beruhigt.

Folgsam und angepasst werden Hunde, wenn sie ordentlich erzogen werden. Hunde bleiben allerdings auch ein Leben lang in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Herrchen, der sie umsorgt und Futter gibt. Kinder jedoch sind keine Hunde, sondern sie sollen irgendwann zu unabhängigen, eigenverantwortlichen Erwachsenen heranwachsen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und eine eigene Familie gründen wollen. Vor allen Dingen sollen sie irgendwann ausziehen 😉

Damit sie das auch können, müssen sie ihre Grenzen austesten, müssen sich im Konfliktverhalten erproben, müssen über die Stränge schlagen, ihren eigenen Willen durchsetzen. Das wiederum machen sie allerdings nur dort, wo sie sich sicher fühlen. Und am ehesten fühlt sich ein Kind zuhause am sichersten. Im Kindergarten, in der Schule oder bei den Großeltern laufen Kinder immer Gefahr, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden, wenn sie sich nicht an die allgemeinen Gemeinschaftsregeln halten. Deswegen sind sie dort meist auch angepasst, machen widerspruchslos alles mit und sind ein gutes Mitglied der Gruppe.

Aber dieses Angepasstsein strengt unglaublich an. Ständig befindet sich das Kind im Zwiespalt mit sich, soll es gegen die Regeln verstoßen, weil das gerade so unglaublich verlockend ist und damit den Rauswurf riskieren oder bleibt es brav und muss nichts befürchten. Jeden Tag aufs Neue, in hundert verschiedenen Situationen täglich. Kein Wunder, wenn das Kind völlig vogelwild nach Hause kommt.

Meine Psychologin meint, dass es durchaus normal ist, wenn Erzieher oder Lehrer das eigene Kind ganz anders erleben als man selbst. Es ist, als hätte man zwei verschiedene Persönlichkeiten vor sich. Sorgen muss man sich vielmehr machen, wenn das Kind sich auffällig in Schule oder Kindergarten verhält. Das deutet daraufhin, dass es zuhause übermäßig angepasst sein muss und deswegen die Grenzen in Schule oder Kindergarten austestet, weil dort die Konsequenzen weniger schlimm sind, als wenn es das daheim tut.

Denn normalerweise ist es so, dass sich ein Kind zuhause in einem geschützten Raum befindet, wo es bedenkenlos seine Grenzen austesten kann. Egal, was es macht, egal, wie sehr es die Eltern nervt, diese werden es trotzdem lieben und bei sich behalten*. Natürlich mündet das mitunter in Grabenkämpfen, selbstverständlich ist das für beide Seiten Stress! Doch ist es eine Möglichkeit für das Kind, sich von den Eltern abzugrenzen, selbstständig zu werden, sich abzunabeln, für sich einzutreten, den eigenen Willen durchzusetzen. Alles wichtige Dinge, die man später, wenn man groß ist, braucht.

Es sollte also Eltern stolz machen, wenn sich ihr Kind so scheinbar ungezogen verhält, denn es zeugt davon, dass sich das Kind sicher und geborgen genug fühlt, um so agieren zu können. Mich jedenfalls hat es beruhigt und tatsächlich stolz gemacht, es lässt mich nachsichtiger mit meinem Großen sein. Ich schimpfe weniger und mir fällt es leichter, mich in seine Sicht der Dinge hinein zu versetzen. Das heißt nicht, dass ich jetzt bei allem nachgebe, mitnichten. Wir haben die Grabenkämpfe nach wie vor und bestimmte Dinge lasse ich einfach nicht durchgehen, Stichwort Steckdosen, gefährliche Gegenstände oder Straßenverkehr. Aber ich bewerte diese Kämpfe anders. Ich nehme sie nicht mehr persönlich, denke nicht, dass er mir extra eins auswischen will, weil ich ihm vor zwei Stunden im Supermarkt das Ü-Ei verweigert habe. Sondern nehme diese Aktionen für genau das, was sie sind: ausgetestete Grenzen, geprobte Unerzogenheit, getestete Unabhängigkeit, erlebte Persönlichkeit. Manchmal auch nur simples Dampf ablassen nach einem ganzen Tag angepasst sein im Kindergarten.

Daran ist nichts Hinterhältiges, keine Rache, nur normales groß werden. Das natürlich viel zu schnell geht ❤

* Dies deckt sich mit den Beobachtungen einer Heimerzieherin, die ich bei einer meiner Therapien kennenlernen durfte. Sie berichtete, dass neue Kinder im Heim, die ihr zugeteilt wurden, absichtlich irgendeinen Blödsinn angestellt haben, bspw. eine Kleinigkeit in einem Laden geklaut oder einem Schulkameraden „eins auf die Fresse gegeben“ haben, nur um zu testen, ob die Erzieherin sie verstößt, so wie ihre Eltern, oder ob sie bei ihnen bleibt und sie immer noch mag, obwohl sie gegen Regeln verstoßen haben. Schon damals hat mich das unendlich traurig gemacht.

Lebenszeichen

Zugegeben, ich habe mich ein wenig rar gemacht. Ich habe aber eine richtig gute Ausrede dafür.

Finde ich!

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Dieser knackige Typ ist an meinem derzeitigen akuten Zeitmangel Schuld 🙂

Vor 4 Wochen kam nämlich der 3. Teil der Witcher-Saga heraus und seitdem nutze ich jede freie Minute, um die große weite Welt Temeriens zu erkunden. Mein Geralt hat in der Zwischenzeit ein paar mehr Sachen an und schon diverse Biester erlegt.
Die eine oder andere Frau war auch darunter 😉

Bewerbungstechnisch sieht es nach wie vor mau aus, in den einschlägigen Jobportalen gibt es keine brauchbaren Stellen, dafür hat mir das Arbeitsamt eine Stelle angeboten, die an sich gut passen würde. Wäre der Arbeitsort nicht gute 80 km entfernt, was für mich einen Arbeitsweg von einer guten Stunde ohne Stau für die einfache Strecke bedeutet. Dazu noch im sehr zeitintensiven Projektgeschäft, wo Überstunden eher die Regel sind, was dann in der Konsequenz täglich 11 oder 12 Stunden Abwesenheit von daheim bzw. keinerlei Kontakt mehr mit wachen Kindern bedeutet. Finanziell wäre es auch nicht der Bringer, öffentliche Verwaltung eben. So erpicht bin ich da ehrlich gesagt nicht drauf.

Dafür hatte der Große sein Erfolgserlebnis an der neuen Schule. Dort war am Freitag Schulfest mit Kuchenbasar, Eisstand, Schulführung und Fußballturnier. Als Krönung kam auch noch das Maskottchen des größten lokalen Fußballvereins vorbei und verteilte Autogramme, was meinen Rabauken mal wieder völlig zum Ausflippen brachte ❤
Jetzt kann er es wirklich kaum noch abwarten, dass es endlich mit der Schule losgeht, obwohl er vermutlich ganz bitterlich enttäuscht sein wird, wenn er herausfindet, dass das Maskottchen nicht jeden Tag in der Schule sein wird.
Ganz generell macht die Schule einen echt guten Eindruck, sehr offen, sehr entspannt, sehr tolerant. In einer der Klassen stammten die Kinder aus 17 verschiedenen Nationen.

Meine Süße macht mir allerdings ein paar Sorgen. Seit zwei Tagen fiebert sie vor sich hin, ohne das es einen ersichtlichen Grund dafür gibt. Ihr läuft nur ein wenig die Nase, aber sonst macht sie einen total fitten Eindruck, rennt durch die Gegend, isst wie ein Scheunendrescher, trinkt viel, macht die Windeln ordentlich voll. Plappert in gewohnt fröhlicher Art vor sich hin und deutet auf alles, was sich vor ihren Zeigefinger schiebt. Und das bei knapp 40 Grad Fieber.
Wenn der große Bruder so hohes Fieber hatte, dann lag er immer schlapp in der Ecke und ging sogar freiwillig ins Bett. Die Kleene ist nur ein wenig kuschliger als eh schon, sonst aber wie immer. Sehr seltsam.

Aber sonst ist alles gut bei uns 🙂

Ring Frei – Zwischenstand

Ich hatte also am Montag den Termin mit der Anwältin, um zu klären, welche Möglichkeiten und Chancen ich habe, da nun meine Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung immer noch im Unternehmen war, während ich der Arbeitslosigkeit entgegen sehe.

Bevor es losgehen konnte, musste ich diverse Formulare ausfüllen, haufenweise gespickt mit juristischen Formulierungen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass wenn meine Rechtsschutzversicherung nicht für die Kosten aufkommt, ich automatisch meine Seele verkauft habe, zusammen mit meinem Sparbuch. Je nachdem, was mehr wert ist.

Die Anwältin nahm sich dann der Sache an, studierte meinen Arbeitsvertrag und die Kündigung, ließ sich von den näheren Umständen berichten und besprach dann mit mir meine Optionen.

Da in der Kündigung bereits eine Abfindung vereinbart wurde, so ich denn keine Klage gemäß Kündigungsschutzgesetz erheben, sind meine Möglichkeiten ein wenig begrenzt. Durch diese Formulierung hat sich das Unternehmen quasi freigekauft, aber das widersprach der Berufsehre der Anwältin, die sich generell recht kampfeslustig gab.

Ich kann natürlich jederzeit auf Wiedereinstellung klagen und hätte damit vermutlich sogar Erfolg, müsste dann aber mit den Konsequenzen leben, die laut der Anwältin sehr häufig in Mobbing und über kurz oder lang einer Kündigung durch den Arbeitnehmer, diesmal dann ohne Abfindung, münden würden. Es hat schließlich Gründe gegeben, warum man mich nicht mehr haben wollte. Würde ich in einem großen Unternehmen arbeiten, wo ich nur ein oder zwei Mal im Jahr mit dem Vorgesetzten zu tun habe, könnte man durchaus klagen. Da ich mir aber mit meinem Chef ein Büro teile und jeden Tag mit ihm zusammen arbeite, würde sie von einer Klage abraten. Das entspricht auch meiner Einschätzung und ich hätte sowieso nicht mehr dort arbeiten wollen. Ich finde, so eine Kündigung ist deutlich genug in der Aussage.

Allerdings könnte sie versuchen, eine höhere Abfindung herauszuschlagen, auch wenn ich darauf an sich keinen Anspruch habe. In der Kündigung wurde als Abfindung 0,5 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit vereinbart, was wohl üblich und gesetzeskonform ist. Die Anwältin würde ein Schreiben aufsetzen, in dem sie 1,0 Monatsgehälter fordert und dann warten wir einfach ab, was passiert.

Mein Risiko ist dabei überschaubar, da ich eine Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbeteiligung habe und mir so aller Wahrscheinlichkeit keinerlei Kosten entstehen. (Es gab auch da wieder jede Menge Klauseln, dass bestimmte Aktionen nicht von der Versicherung gedeckt sind, aber ehrlich, mir ist das alles zu hoch, ich vertraue einfach darauf, dass ich da ohne Eigenleistung davon komme.) Die Erfolgsaussichten sind 50:50. Wenn das Unternehmen sich auf die höhere Abfindung einlässt, gut, wenn nicht, hab ich zumindest nichts verloren und es immerhin probiert.

In diesem Zusammenhang betonte die Anwältin immer wieder, dass ohne Rechtsschutzversicherung das finanzielle Risiko recht hoch ist. Die Gebühren richten sich nämlich nach dem Streitwert und es ist in der Vergangenheit mehr als einmal vorgekommen, dass die herausgeschlagene Abfindung nicht mal die Anwaltskosten deckte.

Wir haben uns also darauf geeinigt, dass die Anwältin ein knackiges Schreiben aufsetzt und wir aufs Beste hoffen.
Zwei Tage später hat sie mir per Email eine Kopie des Schreibens geschickt und das war in der Tat knackig. Wäre ich das Unternehmen, ich würde die Abfindung sogar noch freiwillig auf 1,5 oder sogar 2 erhöhen 😉

Meine Versicherung hat sich in der Zwischenzeit auch gemeldet und bestätigt, dass sie sämtliche Kosten, bis auf die üblichen verklausulierten Ausnahmen, übernehmen, ich sie doch aber vor Klageerhebung bitte erneut kontaktieren sollte.

Jetzt bleibt nur noch die Reaktion der Gegenseite abzuwarten, von der ich natürlich berichten werde.

Ring Frei!

Manchmal gibt es Zufälle, die man sich in seinen wildesten Fantasien nicht vorstellen kann.

So surfte ich heute Abend nichtsahnend durch meinen Facebook-Newsfeed, schaute, was meine Freunde und Bekannten so machen und sah, dass Susi (wir erinnern uns: meine Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung und das Beste seit der Erfindung von geschnitten Brot) auf einem Foto markiert wurde, inmitten meiner alten Arbeitskollegen, ganz offensichtlich immer noch dazu gehörend. Das Foto selbst wurde an die Pinnwand einer Kollegin, die heute Geburtstag hat, mit herzlichsten Glückwünschen gepostet.

Ich wurde stutzig, hieß es doch damals, dass Susis befristeter Vertrag nicht verlängert wird. Was macht sie also noch in der Firma?

Ich schrieb umgehend einen Kollegen an, mit dem ich immer gut konnte und fragte nach. Er bestätigte mir, dass Susi noch im Unternehmen ist, mit den gleichen Aufgaben wie vorher und sogar noch ein paar mehr, aber nichts, wofür man extra Qualifikationen braucht. So wie er und ich es verstehen, sitzt sie auf meinem Posten.

Morgen werde ich einen Anwalt für Arbeitsrecht anrufen, damit er sich dieser Sache mal annimmt. Denn soweit ich weiß und es meinem Rechtsverständnis entspricht, ist dieser Vorgang so nicht rechtens.

Mal schauen, was dabei heraus kommt, ich werde berichten.

Was mich aber wieder massiv ankotzt ist, dass ich immer für jeden Scheiß kämpfen muss. Es kann doch zur Abwechslung auch mal was für mich laufen 😦