Ring Frei – Zwischenstand

Ich hatte also am Montag den Termin mit der Anwältin, um zu klären, welche Möglichkeiten und Chancen ich habe, da nun meine Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung immer noch im Unternehmen war, während ich der Arbeitslosigkeit entgegen sehe.

Bevor es losgehen konnte, musste ich diverse Formulare ausfüllen, haufenweise gespickt mit juristischen Formulierungen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass wenn meine Rechtsschutzversicherung nicht für die Kosten aufkommt, ich automatisch meine Seele verkauft habe, zusammen mit meinem Sparbuch. Je nachdem, was mehr wert ist.

Die Anwältin nahm sich dann der Sache an, studierte meinen Arbeitsvertrag und die Kündigung, ließ sich von den näheren Umständen berichten und besprach dann mit mir meine Optionen.

Da in der Kündigung bereits eine Abfindung vereinbart wurde, so ich denn keine Klage gemäß Kündigungsschutzgesetz erheben, sind meine Möglichkeiten ein wenig begrenzt. Durch diese Formulierung hat sich das Unternehmen quasi freigekauft, aber das widersprach der Berufsehre der Anwältin, die sich generell recht kampfeslustig gab.

Ich kann natürlich jederzeit auf Wiedereinstellung klagen und hätte damit vermutlich sogar Erfolg, müsste dann aber mit den Konsequenzen leben, die laut der Anwältin sehr häufig in Mobbing und über kurz oder lang einer Kündigung durch den Arbeitnehmer, diesmal dann ohne Abfindung, münden würden. Es hat schließlich Gründe gegeben, warum man mich nicht mehr haben wollte. Würde ich in einem großen Unternehmen arbeiten, wo ich nur ein oder zwei Mal im Jahr mit dem Vorgesetzten zu tun habe, könnte man durchaus klagen. Da ich mir aber mit meinem Chef ein Büro teile und jeden Tag mit ihm zusammen arbeite, würde sie von einer Klage abraten. Das entspricht auch meiner Einschätzung und ich hätte sowieso nicht mehr dort arbeiten wollen. Ich finde, so eine Kündigung ist deutlich genug in der Aussage.

Allerdings könnte sie versuchen, eine höhere Abfindung herauszuschlagen, auch wenn ich darauf an sich keinen Anspruch habe. In der Kündigung wurde als Abfindung 0,5 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit vereinbart, was wohl üblich und gesetzeskonform ist. Die Anwältin würde ein Schreiben aufsetzen, in dem sie 1,0 Monatsgehälter fordert und dann warten wir einfach ab, was passiert.

Mein Risiko ist dabei überschaubar, da ich eine Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbeteiligung habe und mir so aller Wahrscheinlichkeit keinerlei Kosten entstehen. (Es gab auch da wieder jede Menge Klauseln, dass bestimmte Aktionen nicht von der Versicherung gedeckt sind, aber ehrlich, mir ist das alles zu hoch, ich vertraue einfach darauf, dass ich da ohne Eigenleistung davon komme.) Die Erfolgsaussichten sind 50:50. Wenn das Unternehmen sich auf die höhere Abfindung einlässt, gut, wenn nicht, hab ich zumindest nichts verloren und es immerhin probiert.

In diesem Zusammenhang betonte die Anwältin immer wieder, dass ohne Rechtsschutzversicherung das finanzielle Risiko recht hoch ist. Die Gebühren richten sich nämlich nach dem Streitwert und es ist in der Vergangenheit mehr als einmal vorgekommen, dass die herausgeschlagene Abfindung nicht mal die Anwaltskosten deckte.

Wir haben uns also darauf geeinigt, dass die Anwältin ein knackiges Schreiben aufsetzt und wir aufs Beste hoffen.
Zwei Tage später hat sie mir per Email eine Kopie des Schreibens geschickt und das war in der Tat knackig. Wäre ich das Unternehmen, ich würde die Abfindung sogar noch freiwillig auf 1,5 oder sogar 2 erhöhen 😉

Meine Versicherung hat sich in der Zwischenzeit auch gemeldet und bestätigt, dass sie sämtliche Kosten, bis auf die üblichen verklausulierten Ausnahmen, übernehmen, ich sie doch aber vor Klageerhebung bitte erneut kontaktieren sollte.

Jetzt bleibt nur noch die Reaktion der Gegenseite abzuwarten, von der ich natürlich berichten werde.

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