Bambinitraining

Ich hab mir beim heutigen Fussballtraining des Großen mal Notizen zum Trainingsverlauf gemacht. Er übt seit Frühjahr in der kleinsten Gruppe und heute war das erste Training nach der Sommerpause 🙂

Das Aufwärmen

  • Die Kinder sollen auf Zehenspitzen von einer Seite des Minispielfelds auf die andere laufen: die Hälfte der Kinder hat die Aufgabe nicht verstanden, 2 fallen hin und bleiben liegen, 3 weitere legen sich aus Sympathie dazu
  • Der Weg zurück soll auf den Hacken gelaufen werden: 4 Kinder geben mittendrin auf, werfen sich auf den Rasen und sprinten nach Ermahnung des Trainers zur Ziellinie
  • Über den Platz hüpfen: 10 Kinder fallen hin, der Rest läuft normal rüber
  • Mit Trippelschritten zur anderen Seite laufen: die eine Hälfte rennt rüber, die andere trippelt, 5 Kinder fallen hin
  • Der Platz soll mit so wenigen Schritten wie möglich überquert werden: die Hälfte läuft normal, hat die Aufgabe nicht verstanden, 4 machen Trippelschritte, 5 haben die Aufgabe tatsächlich verstanden, davon fallen 3 hin, weil sie durch die Riesenschritte das Gleichgewicht nicht halten
  • Zurück sollen sich die Kinder vorstellen, sie wären Zwerge und müssten beim Laufen nach oben schauen: ein Kind fällt hin, 4 weitere purzeln drüber, 3 weitere fallen einfach so hin, 2 andere laufen im Halbkreis über den Platz
  • im 4-Füsslerlauf über den Platz: alle Kinder fallen hin

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Mannschaftsgeist oder Neudeutsch Teambuilding

Es werden 4 Mannschaften à 4 Kindern gebildet. Es geht um Staffellauf, also ein Kind rennt los, macht was, rennt zurück, klatscht das nächste Kind in der Reihe ab, das rennt los, ….

  • Am Anfang ganz einfach, einmal übers Feld, zurück, abklatschen: bei einer Mannschaft laufen alle Kinder los, bei einer nur 2, 3 Kinder fallen hin
  • übers Feld, Kreis um Wendepunkt drehen, zurück, abklatschen: 5 Kinder vergessen den Kreis, 2 drehen 2 Runden, 4 Kinder fallen hin
  • Die Teams werden aufgeteilt, 2 Mann auf der einen Seite, 2 auf der anderen, das erste Kind läuft los, klatscht das Kind auf der Gegenseite ab, das läuft los, …: 3 der 4 Mannschaften verstehen die Aufgabe nicht, trotzdem fallen 6 Kinder hin
  • das Gleiche, diesmal aber mit Ball in der Hand als Staffelstab: 8 Kinder fallen hin, zwei Mannschaften finden kein Ende und klatschen ab und klatschen ab …
  • das Gleiche, diesmal soll der Ball übers Feld gedribbelt und dann dem Mitspieler übergeben werden: 3 Kinder enden in der falschen Mannschaft, 2 vergessen den Ball unterwegs

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Spieltraining

Die Spiele werden auf zwei Kleinstfeldern ausgetragen, ca. 20×10 Meter. Es gibt auf jeder Seite 2 Tore, markiert durch flache Plastehütchen.

  • Der Trainer erklärt aller 2 Minuten, was und wo die Tore sind.
  • Minütlich einmal verlagert sich das Spielgeschehen auf das Feld nebenan.
  • Auf beiden Feldern finden in loser Folge Purzelbäume und spontane Sitzstreiks statt.
  • Es gibt immer wieder Unsicherheiten, was das eigene Tor und das des Gegners ist.
  • Bei einem Tor jubeln grundsätzlich beide Mannschaften.
  • Zwischenzeitlich gibt es 3 Torhüter in einer Mannschaft.
  • Beim Mannschaftswechsel gelb-rot/schwarz-weiß zu gelb-schwarz/rot-weiß spielen die ersten Minuten 4x buntgewürfelte Teams, bis auch der letzte Spieler den Wechsel verstanden hat.
  • Grundsätzlich liegen mindestens 2 Spieler ohne erkennbaren Grund auf dem Boden.

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Abgerundet wurde das Training durch ein Elfmeterschießen mit dem Trainer als Torwart. Überraschenderweise haben alle Kinder dies verstanden und es fiel auch keines hin.

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Jeder zweite Satz während des gesamten Trainings: Hände aus den Taschen!

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Arztwechsel

So an und für sich bin ich eine treue Socke und wenn ich mich mal für etwas oder jemanden entschieden habe, dann bleibe ich fast immer dabei. Es sei denn, das- oder derjenige ist nicht mehr verfügbar oder hat mich schwer enttäuscht.

So wie mein Hausarzt letztens. Ich komme schlicht nicht über die Tatsache hinweg, dass er mich einfach ausgelacht hat, als ich mich mit meinen Sorgen und Nöten vertrauensvoll an ihn gewandt habe. Hätte er es bei ein paar beschwichtigenden, vielleicht auch relativierenden Worten belassen, hätte ich noch darüber hinweg sehen können. Aber einen Patienten auslachen geht echt gar nicht, mein gekränktes Ego hin oder her.

Nun ist es aber so, dass ich seit über drei Wochen einen echt ekligen, hartnäckigen Husten habe, der mich fast rund um die Uhr plagt. Morgens und vorm Einschlafen ist es am Schlimmsten, da krampft mein ganzer Körper. Richtig schlafen kann ich deswegen auch nicht, ich werde viel wach und habe sofort einen neuen Hustenanfall. Tagsüber sind die Anfälle seltener, aber trotzdem sehr nervig, vor allem wenn ich versuche, mich auf meine Prüfung vorzubereiten. (Zum Glück habe ich da keinen Termindruck, ich sollte sie nur bis irgendwann Ende September machen, vermutlich ginge aber auch noch später.)

Der normale Mensch würde zum Arzt gehen und das abchecken lassen, kann ja alles Mögliche sein. Auf jeden Fall kann der Arzt ein paar erleichternde Medikamente verschreiben oder sowas. Doch jedes Mal, wenn ich mir vorstellte, zum Arzt zu gehen, sah ich nur wieder meinen lachenden Hausarzt vor mir, der mir sagt, ich solle mich nicht so anstellen, ist doch nur’n Husten. Als wenn ich mich anstellen würde, wenn ich kurz vorm Ersticken bin. Als wenn ich mir die Schmerzen nur einbilden würde, gegen die auch eine volle Dröhnung Paracetamol nicht hilft, weil sämtliche Rippen und Muskeln weh tun durch die Attacken.

So kann es irgendwie nicht weiter gehen und deswegen werde ich morgen zu einem neuen Arzt gehen, eine Ärztin diesmal, zwei Straßen weiter. Mehr wie auslachen kann sie mich auch nicht und falls sie das tut, gibt es noch 10 andere im Umkreis von einem Kilometer. Darunter wird bestimmt einer sein, der seine Patienten ernst nimmt, auch wenn sie mit scheinbar seltsamen Anliegen bei ihm aufschlagen.

Ich werde berichten …

Schulchaos

An sich dachte ich ja immer, dass uns die NichtOrganisation im Kindergarten gegen sämtliche Unbilden des Bildungsalltags abgehärtet hat, aber weit gefehlt, es geht nahtlos so in der Schule weiter.

Wir bekamen zum Informationselternabend eine lange Liste mit all den Sachen, die das Kindlein für einen erfolgreichen Schulstart benötigt. Da waren Bleistifte gelistet, farbige Hefter und dazu passende farbige Buchumschläge, Schere, Leim, Bastelschürze, weiße Blätter, Turnschuhe für drinnen und draußen, etc.

Alles wurde nach den Vorgaben besorgt, vieles eignete sich ganz wunderbar zum Verteilen auf Onkel, Tanten und Großeltern, so eine Zuckertüte braucht eben auch substantiellen und nicht nur zahnschädigenden Inhalt.

Heute nun kam das Kind zum dritten Mal aus der Schule und zum dritten Mal fand ich im Ranzen Arbeitsmaterialien, für die wir nichts vorbereitet hatten. Keinen passenden Umschlag, keine gewünschten Tüten oder Bänder. Dafür haben wir jede Menge „Alt“material, dass hier rumliegt und Staub ansetzt, weil es bislang noch nicht benötigt wird.

Ich weiß nun nicht, was von mir erwartet wird. Soll ich jeden Tag loslaufen und die fehlenden Materialen besorgen? Bleiben die Sachen solange daheim, bis wir die Umschläge geholt haben? Pack ich das jeden Tag dem Kind in den Ranzen, auf die Gefahr hin, dass er das völlig unnötig durch die Gegend trägt und den ohnehin schweren Ranzen zusätzlich belastet?

Zu allem Überfluß haben die neuen Materialien so wunderbare Formate wie 23 x 16,5 cm, so dass ich Standardsachen glatt vergessen kann. Das Kind fragen nützt auch nichts, es leidet an hochgradiger Amnesie und ich bin froh, wenn es mir immerhin sagen kann, dass sie die Lehrerin begrüßt und verabschiedet haben. Was dazwischen passiert ist, daran kann er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern.

Zum Glück ist nächsten Dienstag der erste Elternabend, da werden hoffentlich einige Fragen geklärt.

Damals und heute

Der Große ist mittlerweile eine Schulkind – der Schuleinführungspost folgt irgendwann – und war heute den zweiten Tag in der Schule. Er hatte ja schon ein wenig Bammel, als ihm bewusst wurde, dass er jeweils 45 Minuten am Stück stillsitzen muss, aber ansonsten überwog ganz klar die Vorfreude.

Ein bisschen schüchtern war er, als er gestern das erste Mal das Klassenzimmer betrat, so viele neue, unbekannte Gesichter, das Gewusel der Eltern, die noch Fragen an die Lehrerin hatten, dazwischen weinende Kinder, die sich im Klassenzimmer geirrt hatten. Typischer Montag Morgen also.

Als ich ihn nachmittags vom Hort abholte, spielte er mit einem älteren Kind und es war keinerlei Schüchternheit mehr zu spüren. Die zuständige Hortnerin bestätigte meinen Eindruck, dass alles gut sei und es keinerlei Probleme gab. So was hört man als Eltern doch gerne 🙂

Heute Morgen ein ähnliches Chaos wie gestern, ich musste noch die Schulbücher bezahlen, 39,45 Euro bitte passend, die ich gestern nicht hatte und anderen Eltern ging es ähnlich. Mein Sohn beschwerte sich zudem gestern, dass er noch gar kein Mathematikbuch bekommen hätte und ich fragte nach, ob diese generell schon ausgegeben wurden, was die Lehrerin verneinte. Ich sah außerdem einen Stapel Hausaufgabenhefte auf dem Lehrerschreibtisch liegen und eines sah aus wie das meines Jungens und machte mir keine weiteren Gedanken. Beim Ausräumen des Ranzens allerdings lag sein Hausaufgabenheft noch jungfräulich drin und auf meine Nachfrage schauten mich zwei riesige Augen an und meinten, das sie das noch nie gesehen hätten und gar nicht wussten, dass das das Hausaufgabenheft sei. Also bekam er für morgen die Aufgabe, das Heft seiner Lehrerin zu geben.

Beim heutigen Abholen vom Hort bemerkte ich, dass der Süße eine mir fremde Jogginghose anhatte. Als ich ihn danach fragte, meinte er, er hätte eingepullert und als Ersatz diese Hose bekommen. Da er bei großen Ereignissen nachts vor Aufregung öfter mal einpullert und dies auch in den letzten beiden Nächten der Fall war, hielt sich meine Überraschung durchaus in Grenzen. Erstaunt war ich nur, dass es tagsüber, quasi bei vollem Bewusstsein erfolgte. Die Hortnerin erklärte mir auch noch mal den Sachverhalt und bat darum, die Hose bitte zeitnah wiederzubekommen, da ihr Kontingent an Wechselsachen sehr beschränkt sei.

Auf dem Heimweg fragte ich den Großen, ob er mir erzählen möchte, wie das Malheur passiert sei. Wollte er nicht. Ich konnte sehen, dass es ihm peinlich war, so als großes Schulkind. Also erzählte ich ihm meine Geschichte, der er gespannt lauschte:

Mir ist als Kind etwas ganz ähnliches passiert. Ich war vielleicht 8 oder 9 Jahre alt, also ein paar Jahre älter als du jetzt. Ich war mit meinen Eltern – deinen Großeltern – im Urlaub an der Ostsee. Das war in den Winterferien und genau zu dieser Zeit war Fasching. Du kennst Fasching, das mit dem Verkleiden?
Es gab dort am Ferienort eine spezielle Faschingsveranstaltung für Kinder, mit einem großen lustigen Programm. Die Veranstaltung fand in einem großen Saal statt und in einer Ecke des Saals stand ein großer, eiserner Käfig. Der Moderator, der die Spiele und Lieder und Tänze ankündigte, sagte ganz am Anfang, dass alle, die nicht Mitsingen und Mittanzen und bei den Spielen mitmachen, zur Strafe in den Käfig kommen würden.

„Und da hattest du große Angst, oder?“, fragte mich mein Kind.

Ja, ich hatte sehr große Angst, in den Käfig zu kommen. Da die Veranstaltung recht lange dauerte, musste ich irgendwann auch mal aufs Klo. Aber ich traute mich nicht, denn wenn ich aufgestanden und aufs Klo gegangen wäre, hätte ich in der Zeit nicht mitklatschen und mittanzen können und dann wäre ich bestimmt in den Käfig gekommen.

Der Junge nickte verständnisvoll.

Irgendwann konnte ich es nicht mehr zurückhalten und habe eingepullert. Mir war das total peinlich, aber ich hatte doch so furchtbare Angst.
Heute weiß ich, dass es total doof war, solche Angst zu haben. Niemand wäre eingesperrt worden, weil er mal aufs Klo musste, aber damals als Kind wusste ich es eben nicht besser.*

Wir liefen weiter und schwiegen eine ganze Weile.

Ich fragte ihn, ob er mir denn jetzt erzählen würde, warum er eingepullert hat. Er wollte. Zögernd erzählte er, dass er in der Schulstunde merkte, dass er aufs Klo musste, aber sich nicht melden wollte. Er wartete und es wurde immer schlimmer. Irgendwann hielt er es nicht mehr aus, meldete sich und durfte aufs Klo gehen. Kurz vorm Erreichen der Klotür konnte er es aber nicht mehr zurückhalten und das Unglück war passiert. „So kurz vorm Ziel!“, meinte ich und er nickte nur traurig.

Ich fragte nach, warum er sich nicht eher gemeldet hat? Er hätte sich nicht getraut. Was er denn befürchtet hat, dass passieren könnte? Das ihn die anderen Kinder auslachen. Ob sich denn auch schon andere Kinder mal gemeldet hätten, weil sie aufs Klo mussten? Ja, viele. Ob denn diese Kinder ausgelacht wurden? Nein, wurden sie nicht. Warum er dann denke, dass ausgerechnet er ausgelacht würde? – Schweigen!

Einige Zeit später meinte er leise, dass er noch nicht so richtig wüsste, wie das mit dem Klo wäre und wo das genau ist und wie das funktioniere. Ich sagte ihm dann, dass er seine Lehrerin (die wirklich eine total Liebe ist) das alles fragen kann und wenn er unsicher ist, kann er ihr das sagen und sie zeigt ihm bestimmt, wo die Toiletten sind und beantwortet alle seine Fragen.

Abschließend gab ich ihm noch den Tipp, in den Pausen aufs Klo zu gehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in der Schulstunde muss, wesentlich geringer.

Trotz dieser dramatischen Thematik verlief das ganze Gespräch völlig unaufgeregt und an sich entspannt. Ich bin so stolz auf mein Kind, welches mir so sehr vertraut, dass es mir seine Geschichte erzählt und seine Ängste anvertraut hat. Hoffentlich verliert er nie dieses Vertrauen ❤

*Das darauf von meiner Mutter folgende Donnerwetter samt der Tracht Prügel verschwieg ich meinem Kind. Meine Ma hat nie nach den Gründen gefragt, ich hatte ihr Schande gebracht, ein so altes Mädchen das noch einpullert, sowas peinliches und nur das war ihr wichtig.

Pattsituation

Seit dem letzten Update zur Anwaltsgeschichte ist es ja schon eine Weile her, was aber nicht heißt, dass in der Zwischenzeit nichts passiert ist. Ganz im Gegenteil.

Nachdem die Gegenseite mit einem um 850 Euro höheren Angebot um die Ecke kam, hatte ich mit meiner Anwältin verabredet, dass sie mit der gegnerischen Anwältin telefoniert und versucht, auf dem kleinen Dienstweg eine höhere Abfindung herauszuschlagen. Wir waren zuversichtlich, dass wenn angedeutet würde, dass wir durch meine Rechtsschutzversicherung ohne Kostenrisiko noch eine ganze Weile weitermachen können, dass sich die Gegenseite kooperativer zeigen würde.

Leider tat sie es gar nicht, sondern deutete im Gegenzug an, dass auch bei Klageerhebung keine höhere Abfindung drin ist. Entweder ich nehme das Angebot bis Ende des Monats an, oder es verfällt und wir sehen uns vor Gericht wieder. Rechtssachen sind immer so kompliziert und vielschichtig und so verabredete ich mit meiner Anwältin einen Termin für heute Vormittag, bei dem wir unsere Optionen besprechen wollten.

Sie erklärte mir heute sehr ausführlich die verbleibenden Möglichkeiten und so viele sind derzeit gar nicht mehr. Entweder ich nehme das Angebot an oder ich klage auf Wiedereinstellung.

Klage ich auf Wiedereinstellung, kommt es zunächst zu einer Güteverhandlung, wo der Richter versucht, beide Seiten zu einer außergerichtlichen Einigung zu bewegen. Hat dies keinen Erfolg, so hat die Gegenseite 4 Wochen Zeit, sich schriftlich zum Sachverhalt zu äußern. Danach haben wir wiederum 4 Wochen Zeit, um auf dieses Schreiben zu antworten. (Kann auch andersherum sein, das weiß ich jetzt nicht mehr.) Danach wird die erste Verhandlung vorm Arbeitsgericht angesetzt, typischerweise 3-6 Monate später, je nach Auslastung des Richters. Dann wird verhandelt und ein Urteil gesprochen.

Auch hier wieder nur 2 Optionen. Wir verlieren. Pech gehabt. Außer Spesen nichts gewesen, aber ich dürfte meine Abfindung behalten.
Wir gewinnen. Yeah. Ich werde wieder eingestellt, muss meine Abfindung zurückzahlen und darf wieder arbeiten gehen. Was vermutlich in einen täglichen Spießrutenlauf auf Arbeit münden wird, bei dem ich sehr wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit mit Burnout durch Mobbing von selbst kündigen werde. So sind zumindest die Erfahrungen der Anwältin und ich denke, sie hat recht. Die Firma ist nicht so groß, dass ich in der Anonymität der Masse untergehen werden, aber leider auch nicht so klein, dass die Anwalts- und Gerichtskosten irgendwie weh tun, da sie vermutlich eh aus der Portokasse gezahlt werden.

Grundsätzlich waren wir uns einig, dass wir die Wiedereinstellung nicht wollen. So wie das Unternehmen die letzten Monate mit mir umgegangen ist und die Lügen und Schmähungen in den Anwaltsbriefen sind ein sehr deutliches Signal, was sie wirklich von mir halten und das muss ich mir echt nicht geben.

Bleibt im Endeffekt nur noch, das Angebot anzunehmen, auf die Ausstellung eines Zeugnisses analog zu meinem Zwischenzeugnis zu pochen und die Geschichte abzuhaken. Ist nicht ganz das erhoffte Ergebnis, aber trotzdem besser als nichts und ich habe die Hoffnung, dass ich sie vielleicht doch ein klein wenig ärgern und ihnen Zeit rauben konnte.

Was aber als große Erkenntnis bleibt ist, dass ich in Zukunft bei einer Kündigung, egal aus welchem Grund, sofort zur Anwältin gehe. Denn sie erklärte, dass wenn ich sofort gekommen wäre, hätten wir ganz andere Möglichkeiten und viel bessere Erfolgsaussichten gehabt. Die Kündigung mit der freiwillig angebotenen Abfindung, die überhaupt nicht gezahlt hätte werden müssen, ist ein Köder, der an sich Unstimmigkeiten bei der Kündigung bzw. dem Kündigungsgrund überdecken sollte. Sie wird bei solchen Kündigungen immer sehr misstrauisch. Außerdem liegt dann in dem Fall die Beweislast beim Unternehmen und nicht wie im aktuellen Fall bei uns. Wir hätten uns entspannt zurücklehnen können und die Gegenseite hätte ackern müssen.

Und ich Depp hab den Köder bereitwillig geschluckt 😦

Nun also nach vorne schauen, wo gerade 3 vielversprechende Angebote am Horizont heraufziehen. Vielleicht kann ich ja pünktlich zu meiner 2. Prüfung auch noch ein weiteres Erfolgserlebnis vermelden! Oder ich versemmel die Prüfung und die Angebote lösen sich in Luft auf. Wär ja typisch …

T -18

Morgen, also quasi heute, ist die Einschulung vom Großen. Meine Ma hat es sich in den Kopf gesetzt, dass dieses Event ohne ihr Zutun komplett in die Hose gehen wird. Hier ausgewählte WhatsApp-Nachrichten von ihr an mich und meine Antworten.

Ma: Gibt es schon konkrete Pläne für das Kaffee trinken zur Schuleinführung?

Me: Nach dem Mittagessen ein Ausflug zu einer örtlichen, in der Nähe befindlichen Sehenswürdigkeit, zum Füße vertreten und soll ja angenehmes Wetter werden, und danach Kaffee trinken bei uns, so wie du das wolltest.

Ma: Ich will gar nichts, da ich kein Kaffee Trinker bin*. Soll ich nun so eine Kindertorte bestellen oder reicht ein Käsekuchen.

Me: Wenn wir es bei uns machen, dann kann die Torte bei uns in den Kühlschrank. Aber an sich würde der Käsekuchen reichen, großartigen Hunger wird nach dem griechischen Mittagessen ja keiner mehr haben.

* 3 Wochen zuvor hat sie mir Beispiele für Motivtorten geschickt und wir mussten uns unbedingt für eine entscheiden und das Kaffee trinken ging definitiv von ihr aus, mir hätte die Sehenswürdigkeit völlig gereicht, da man nach dem Griechen eh immer für 3 Tage pappsatt ist.

Einen Tag später:

Ma: Braucht ihr fürs Kaffee noch Tassen, Teller und Kuchengabeln und Tischdecken etc.?

Ja bitte, sonst müssen wir den Kuchen wie sonst auch vom Boden essen und den Kaffee aus der hohlen Hand trinken o.O
Geantwortet habe ich, allerdings 2 Tage später, wegen Blutdruck und Prüfungsvorbereitung:

Me: So, habe heute meine erste Prüfung bestanden.
Me: Wir haben unsere normalen Abendbrotteller, keine Kuchengabeln und keine Tischdecken. Ob wir das brauchen, weiß ich nicht.

Ma: Ich auch nicht, wollte nur wissen, ob wir noch etwas mitbringen sollen.

Me: Kleine Löffel haben wir genug, und Tischdecken werden eh nur dreckig. Außerdem zieht die Kleene gerade sehr gerne an herunter hängenden Sachen.

Ende dieser Konversation. Dem aufmerksamen Leser mag nicht entgangen sein, dass die bestandene Prüfung überhaupt nicht gewürdigt wurde. Hauptsache unsere Gäste müssen nicht vom Fußboden essen!

Wiederum 2 Tage später, vorgestern:

Ma: Braucht ihr sonst noch irgendwas?

Me: Nö, sonst haben wir alles.

Heute:

Ma: Alles im grünen Bereich?

Me: Sind mit Großputz beschäftigt, damit es nicht wie Humbatz bei uns aussieht morgen.

Eigentlich wollte ich schreiben: Sind mit Großputz beschäftigt, damit du dich morgen nicht für uns und unseren Saustall schämen musst. Hab es mir aber um des Familienfriedens Willen verkniffen. War aber knapp.

Ma: Ich habe mir diese Nachricht stark vergrößert.

Am liebsten hätte ich geantwortet: Leck mich! Wenn es dir bei uns zu dreckig ist, kannste gerne daheim bleiben. Aber Familienfrieden und so.

3 Stunden später:

Ma: Soll ich noch unsere Kaffeemaschine mitbringen oder reicht eure?

Wir reden von insgesamt 12 Teilnehmern, davon sind 3 1/2 Kinder. Der halbe ist bereits 16, der trinkt vielleicht schon Kaffee 😉 Und wir haben eine stinknormale handelsübliche, je nach Skala 10-15 Tassen fassende Kaffeemaschine, die uns meine Eltern geschenkt haben.

Me: Unsere reicht ja wohl hoffentlich!

Eigentlich wollte ich wieder was ganz anderes schreiben, aber hab es mir geschenkt.

Wenn sie aber morgen irgendeinen dussligen Spruch loslässt, wenn sie auch nur irgendwas am Sauberkeitszustand der Wohnung zu kritteln hat, wenn ihr der Tisch im Restaurant zu zugig/zu nah am Klo/zu nah am Eingang/zu nah an der Küche/zu weit abseits/zu was auch immer ist, wenn das Essen nicht pünktlich kommt, wenn die Rede bei der Feier in der Schule zu langweilig, die Zuckertüte für den Kleenen zu schwer oder wenn wasweißich irgendwas ist, flipp ich aus.

Noch 18mittlerweile 17 Stunden, dann sind meine Eltern hoffentlich wieder auf dem Heimweg und alle leben hoffentlicher noch!

Aber derzeit mag ich dafür nicht garantieren …

Heraufziehende Krise?

Gerne würde ich an dieser Stelle schreiben, dass ich endlich einen neuen Job gefunden habe, aber leider kann ich nicht mal schreiben, dass es überhaupt passende Stellenanzeigen gibt. Der Stellenmarkt scheint zumindest in meiner Region derzeit wie leer gefegt. Es gibt hauptsächlich Stellen von bundesweiten Personalvermittlern und nur ganz vereinzelt verirrt sich eine Anzeige tatsächlich aus der Region, aber auf die passt mein Profil nicht.

Meine Suchanfrage lautet „IT“ und dazu mein Stadtname und 50 km Umkreis und die Ergebnisliste sieht aus wie der aktuelle Pegelstand der Elbe. Gerne würde ich daran glauben, dass es nur das Sommerloch ist und sich der Zustand in 1,5 Wochen ändert, wenn die Ferien vorbei sind und die Wirtschaft dann wieder auf Hochtouren läuft.

Die Personalvermittlerin der DIS AG, die mich betreut, hat mir allerdings Anfang der Woche diese Hoffnung ein wenig zerstört. Wir hatten ein intensives Gespräch, in dem ich ihr meine Erfahrungen schilderte und die Sommerlochhoffnung erwähnte, woraufhin sie meinte, dass sie nicht glaubt, dass es nur ein jahreszeitliches Tief ist. Sie als Agentur bekommen ebenfalls sehr wenige Anfragen zur Personalvermittlung, viele ihrer Leiharbeiter wurden von den Firmen zurückgeschickt und neue Leihverträge sind nicht in Sicht. Für sie sind das alles eindeutige Anzeichen einer nahenden Wirtschaftskrise, die erfahrungsgemäß als erstes immer die Personalvermittler/-verleiher trifft. (Ebenso wie ein Aufschwung sich zuerst in einer steigenden Nachfrage nach Leiharbeitern zeigt.)

Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass sie sich irrt, aber bei meinem Glück wird sie wohl Recht behalten. Umso mehr kotzt es mich an, dass ich regelwidrig aus meiner alten Stelle gekickt wurde und mein eh schon krummer Lebenslauf dadurch noch krakeliger ist. Weil sowas ja immer extrem gut bei potentiellen Arbeitgebern ankommt. Ich hatte mir auch überlegt, die Kinder nicht im Lebenslauf zu erwähnen, um dadurch meine Chancen zu steigern, aber wenn ich gar nicht erst Bewerbungen verschicken kann, ist das irgendwie auch egal.

Vielleicht sollte ich heute Nacht noch mal nach Sternschnuppen Ausschau halten und mir was wünschen. Vielleicht habe ich so mehr Chancen auf Erfolg. Schlimmer als jetzt kann es jedenfalls nicht mehr werden :/

Moderne Zeiten?!

Mir war heut ein wenig fad, wie der Südländer so sagt, und ich überlegte, was ich dagegen tun könnte. Mir juckte es dabei ganz arg im Zockerdaumen, also musste ein Computerspiel her. Am besten ein neues. Spontan fiel dabei mein Blick auf die Assassin’s Creed Reihe, die ich in der Vergangenheit sehr gern und ausgiebig – bis auf Assassin’s Creed 3, mit dem ich einfach nicht warm werde – gespielt habe. Der nächste Titel in der Reihe namens Black Flag verspricht Piraten und die sollten es jetzt sein.

Wobei die Betonung auf JETZT liegt.

Bei Amazon geguckt, zwei Versionen gefunden. Aber immer nur bei Amazon kaufen ist doch doof, mal direkt beim Hersteller Ubisoft gucken. Der hatte ebenso zwei Versionen im Shop und nach einigem Hin und Her entschied ich mich für die Deluxe Version. In den Einkaufswagen gepackt, mir die Mail zur Passwortänderung schicken lassen, das Passwort geändert, den Warenkorb erneut aufgerufen und auf den Weg zur Kasse gemacht. Aber an der Kasse kam ich nicht weiter, denn

Aufgrund des Jugendschutzgesetzes sind einige Titel nur zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr erhältlich. In der Zeit zwischen 6:00 Uhr und 22:00 Uhr können Sie das Produkt nicht erwerben. Sie können es aber in Ihren Einkaufswagen legen und später kaufen.

Hatte ich erwähnt, dass ich das Spiel JETZT wollte und nicht erst heute nacht? Und ich bin wirklich auch schon erwachsen, ganz großes Indianerehrenwort. Mit Spucke drauf!

Also dann doch wieder zu Amazon, das Ding in den Einkaufswagen gelegt, ab zur Kasse und den Download starten.

Theoretisch.

Praktisch stürzte das Downloadprogramm nach 10 Sekunden ab. Immer und immer wieder. Als die Geduld verteilt wurde, stand ich gerade hupend im Stau und so langsam war ich ein wenig genervt, wollte ich doch nur ein Spiel herunterladen. Ich dachte zwischenzeitlich an die Piratenbucht, aber so ein bisschen motzte mein schlechtes Gewissen im Hintergrund rum und ich dachte an die Abmahngebühren und verwarf den Gedanken wieder.

Aus dem Augenwinkel sah ich aber, dass in der Amazon-Spielebibliothek der Produktschlüssel mit aufgelistet wurde. Da ich nicht das erste Mal Schwierigkeiten mit Ubisoft-Spielen hatte, konnte ich mich dunkel daran erinnern, dass der Schlüssel reicht, um das Spiel direkt von deren Seite runterladen zu können ohne den Umweg über Amazon gehen zu müssen.

Also den supertollen UPlay-Client gestartet, der sich erstmal eine Viertelstunde updaten musste. Als er dann fertig war, konnte ich mich anmelden und das Spiel aktivieren und tadaaaaa, sofort erschien eine Schaltfläche „Download“.

So, und jetzt warte ich darauf, dass der 33 GB Download abgeschlossen ist.

Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als die richtig coolen Spiele auf vier oder fünf  3,5 Zoll-Disketten passten?

Kaufrausch

An sich mag ich ja Facebook.

Ich bekomme so mit, was meine Freunde treiben. Die meisten haben Familie oder stressige Jobs oder zeitintensive Hobbies oder wohnen in anderen Städten oder Ländern oder auch alles zusammen und da finde ich diese verbindende Plattform echt hilfreich. Außerdem bekomme ich mit, wie sie so ticken und konnte bereits diverse versteckte Nazis oder Homophobe aus meinem Freundeskreis entfernen.

Früher™ habe ich einige Spiele auf Facebook gespielt, bei denen man eine Meeeeeenge Freunde brauchten, die dieselben Spiele spielten, um halbwegs darin mithalten zu können. Da Geld bekanntermaßen eher knapp bei uns ist, war das schiere, bedingungslose Anhäufen von „Freunden“ immerhin eine Alternative. In meinen Hochzeiten hatte ich weit über 1000 Freunde bei Facebook.

Mittlerweile habe ich solche Spiele eingestellt und meine Freundesliste gründlich ausgemistet. Dennoch sind über 100 Personen geblieben, die ich nur wegen der Spiele befreundet habe, mit denen ich aber über die Zeit eine mehr oder weniger intensive Beziehung aufgebaut habe. Bei vielen lese ich interessiert die Updates, gratuliere zu Kindern, kondoliere bei Trauerfällen und hinterlasse Geburtstagsgrüße. Bei einigen jedoch hat sich tatsächlich so etwas wie eine Freundschaft aufgebaut. Wir chatten in unregelmäßigen Abständen miteinander, wenn ich über Bilder oder Links stolpere, die mich an diese Person erinnern, dann teile ich das mit ihnen, ich frage nach, wenn ich längere Zeit nichts von ihnen höre.

Mich erstaunt es immer wieder, wie solche Fremden zu echten Freunden geworden sind, allein durch das Medium Facebook. Bei einer Handvoll bin ich sogar überzeugt, dass wenn ich sie mitten in der Nacht anrufe, sie würden mir Obdach geben oder sich zumindest mein Geheule anhören, was ich genauso im Gegenzug auch tun würde. Sollte ich mal in den USA, Australien, auf den Malediven oder in Serbien stranden, wäre ich nicht komplett auf mich gestellt.

So toll ich das alles finde, so sehr wird das manchmal zum Fluch. Wenn meine Freunde Links posten mit kreativen Ideen, mit genialen Produkten oder geekigen Gadgets, die mir gefallen. Manchmal kann ich widerstehen, meist, weil der Preis vieeeel zu hoch ist. Manchmal eben nicht.

Da gab es diesen Post, und ich musste unbedingt ein entsprechendes T-Shirt für unser Kind machen lassen.

Und dann tauchte dieser Werbelink in meiner Timeline auf. Und was soll ich sagen, wir werden bald um 4 T-Shirts reicher und einige Euros ärmer sein.

Vor einigen Wochen wurde ich auf den Ausverkauf im Nicht-Lustig-Shop aufmerksam gemacht, das Paket kommt morgen. Oder den Saisonabschluss-Sale unseres Fussballvereins, bei dem mehrere Sachen in der Schultüte des Großen landen werden.

Vielleicht sollte ich einfach mal eine Facebookpause machen 😀