Pattsituation

Seit dem letzten Update zur Anwaltsgeschichte ist es ja schon eine Weile her, was aber nicht heißt, dass in der Zwischenzeit nichts passiert ist. Ganz im Gegenteil.

Nachdem die Gegenseite mit einem um 850 Euro höheren Angebot um die Ecke kam, hatte ich mit meiner Anwältin verabredet, dass sie mit der gegnerischen Anwältin telefoniert und versucht, auf dem kleinen Dienstweg eine höhere Abfindung herauszuschlagen. Wir waren zuversichtlich, dass wenn angedeutet würde, dass wir durch meine Rechtsschutzversicherung ohne Kostenrisiko noch eine ganze Weile weitermachen können, dass sich die Gegenseite kooperativer zeigen würde.

Leider tat sie es gar nicht, sondern deutete im Gegenzug an, dass auch bei Klageerhebung keine höhere Abfindung drin ist. Entweder ich nehme das Angebot bis Ende des Monats an, oder es verfällt und wir sehen uns vor Gericht wieder. Rechtssachen sind immer so kompliziert und vielschichtig und so verabredete ich mit meiner Anwältin einen Termin für heute Vormittag, bei dem wir unsere Optionen besprechen wollten.

Sie erklärte mir heute sehr ausführlich die verbleibenden Möglichkeiten und so viele sind derzeit gar nicht mehr. Entweder ich nehme das Angebot an oder ich klage auf Wiedereinstellung.

Klage ich auf Wiedereinstellung, kommt es zunächst zu einer Güteverhandlung, wo der Richter versucht, beide Seiten zu einer außergerichtlichen Einigung zu bewegen. Hat dies keinen Erfolg, so hat die Gegenseite 4 Wochen Zeit, sich schriftlich zum Sachverhalt zu äußern. Danach haben wir wiederum 4 Wochen Zeit, um auf dieses Schreiben zu antworten. (Kann auch andersherum sein, das weiß ich jetzt nicht mehr.) Danach wird die erste Verhandlung vorm Arbeitsgericht angesetzt, typischerweise 3-6 Monate später, je nach Auslastung des Richters. Dann wird verhandelt und ein Urteil gesprochen.

Auch hier wieder nur 2 Optionen. Wir verlieren. Pech gehabt. Außer Spesen nichts gewesen, aber ich dürfte meine Abfindung behalten.
Wir gewinnen. Yeah. Ich werde wieder eingestellt, muss meine Abfindung zurückzahlen und darf wieder arbeiten gehen. Was vermutlich in einen täglichen Spießrutenlauf auf Arbeit münden wird, bei dem ich sehr wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit mit Burnout durch Mobbing von selbst kündigen werde. So sind zumindest die Erfahrungen der Anwältin und ich denke, sie hat recht. Die Firma ist nicht so groß, dass ich in der Anonymität der Masse untergehen werden, aber leider auch nicht so klein, dass die Anwalts- und Gerichtskosten irgendwie weh tun, da sie vermutlich eh aus der Portokasse gezahlt werden.

Grundsätzlich waren wir uns einig, dass wir die Wiedereinstellung nicht wollen. So wie das Unternehmen die letzten Monate mit mir umgegangen ist und die Lügen und Schmähungen in den Anwaltsbriefen sind ein sehr deutliches Signal, was sie wirklich von mir halten und das muss ich mir echt nicht geben.

Bleibt im Endeffekt nur noch, das Angebot anzunehmen, auf die Ausstellung eines Zeugnisses analog zu meinem Zwischenzeugnis zu pochen und die Geschichte abzuhaken. Ist nicht ganz das erhoffte Ergebnis, aber trotzdem besser als nichts und ich habe die Hoffnung, dass ich sie vielleicht doch ein klein wenig ärgern und ihnen Zeit rauben konnte.

Was aber als große Erkenntnis bleibt ist, dass ich in Zukunft bei einer Kündigung, egal aus welchem Grund, sofort zur Anwältin gehe. Denn sie erklärte, dass wenn ich sofort gekommen wäre, hätten wir ganz andere Möglichkeiten und viel bessere Erfolgsaussichten gehabt. Die Kündigung mit der freiwillig angebotenen Abfindung, die überhaupt nicht gezahlt hätte werden müssen, ist ein Köder, der an sich Unstimmigkeiten bei der Kündigung bzw. dem Kündigungsgrund überdecken sollte. Sie wird bei solchen Kündigungen immer sehr misstrauisch. Außerdem liegt dann in dem Fall die Beweislast beim Unternehmen und nicht wie im aktuellen Fall bei uns. Wir hätten uns entspannt zurücklehnen können und die Gegenseite hätte ackern müssen.

Und ich Depp hab den Köder bereitwillig geschluckt 😦

Nun also nach vorne schauen, wo gerade 3 vielversprechende Angebote am Horizont heraufziehen. Vielleicht kann ich ja pünktlich zu meiner 2. Prüfung auch noch ein weiteres Erfolgserlebnis vermelden! Oder ich versemmel die Prüfung und die Angebote lösen sich in Luft auf. Wär ja typisch …

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