Dunkle Wölkchen

Nachdem ich nun schon gute 3 JahreWochen hier in meiner neuen Firma tätig bin, hat sich die erste Euphorie gelegt und ich durfte ein wenig hinter die Kulissen schauen. Und wie so oft, tummeln sich da in den dunklen Ecken die Wollmäuse und man findet die arbeitstechnischen Rattenköttel, die der Außenstehende auf gar keinen Fall zu sehen bekommen darf.

Die Kollegen sind zum Glück immer noch zum größten Teil nett, nur kann ich diese mittlerweile in supernette, nette und schön-dass-sie-gerade-Urlaub-haben Kollegen unterteilen. Eine Kollegin ist ein wahrer Wirbelwind und bei den gemeinsamen Mahlzeiten gibt sie das Thema vor. Ich finde sie laut und völlig überdreht, aber bin mir dennoch nicht sicher, ob ich sie nun voll doof oder doch supersympathisch finde. Was ich allerdings doof finde ist, dass ich dadurch nichts von den anderen Kollegen erfahre, was diese so erlebt haben oder wie ihre Meinung zu den gerade besprochenen Themen ist. Und bei so manchem Kollegen bin ich mir ziemlich sicher, dass deren Geschichten viel interessanter sind als ihre.

Nur das Genie beherrscht das Chaos! Dies scheint manchmal das Motto der Firma zu sein. Mich wundert das wenig, so etwas habe ich bisher in jeder Firma erlebt, die innerhalb kurzer Zeit enorm gewachsen ist. Und innerhalb von 15 Jahren von einer Handvoll Mitarbeiter auf über 1000 anzuwachsen, ist schon eine Leistung, bei der die Prozessoptimierung und -dokumentation immer in den Hintergrund rückt. Da sich jetzt die Mitarbeiterzahlen eingependelt haben, nimmt man das Versäumte in Angriff, was aber zunächst erstmal bedeutet, sich durch einen riesigen Haufen ungeordneter Dokumente zu wühlen und das Wissen aus den Köpfen der Mitarbeiter zu ziehen, die dafür natürlich keine Zeit haben. Ist so ein bisschen wie Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen, lohnt sich aber am Ende. (Im Übrigen habe ich ein ähnliches Chaos auch in den ganz ganz großen Firmen erlebt, nur wurde es dort schon wesentlich besser verwaltet 😀 )

Das Chaos beschert mir jede Menge Arbeit. Ich darf Formulare entwerfen, mit den Kollegen sprechen, Arbeitsanweisungen schreiben, mir das Gejammer der Kollegen anhören, vorhandene Prozesse überarbeiten, den Weltschmerz der Kollegen lindern und nebenbei versuchen, nicht selber völlig im Chaos zu versinken. Ich mag zwar eine technische Ausbildung haben, aber trotzdem kenne ich noch nicht alle Systeme und Programme und gleich gar nicht die Zusammenhänge. Wer sagte, dass neue Mitarbeiter in der Probezeit noch nicht so produktiv sind, weil sie sich ja erst einarbeiten und angelernt werden müssen, der hat noch NIE in einem aufstrebendem IT-Unternehmen gearbeitet. Die Schonfrist endet dort nach der Mittagspause des ersten Arbeitstages 😉

Da das Unternehmen seine Brötchen hauptsächlich mit der Erbringung von Dienstleistungen für andere Unternehmen verdient und diese Dienstleistung vorwiegend darin besteht, papierne Belege in ein elektronisches System zu klöppeln und es extrem uncool kommt, wenn auf den Belegen Marmeladenflecke oder Kaffeeränder prangen, ist der Verzehr von Speisen und Getränken an sämtlichen Arbeitsplätzen im Unternehmen untersagt. Es gibt zwar auf jeder Etage einen Wasserspender und im Kantinen- und Konferenzbereich Soft- und Kaffeegetränkespender zur kostenfreien Benutzung, aber mir nützt das wenig. Denn wenn mein Blick nicht ab und zu auf ein in der Nähe befindliches Getränk fällt, vergesse ich schlicht, etwas zu trinken. Meist werd ich dann erst durch nervige Kopfschmerzen dran erinnert, dass ein Besuch an der Wasserstelle längst überfällig ist. Bei uns im Bereich, wo keine Belege bearbeitet werden, hat es sich etabliert, Wassertrinkflaschen, wie man sie von Sportlern kennt, zu benutzen, aber dennoch darf man sich dabei nicht erwischen lassen, da sonst eine Abmahnung droht. Cheffe ist da relativ entspannt, der stiefelte auch schon mit seiner Kaffeetasse durchs Büro, aber wenn hier jemand – was gar nicht so unüblich ist – vom Vorstand aufkreuzt, dann sollte die Wasserflasche gut versteckt sein.

Das gleiche gilt für Handies. Absolutes Handyverbot in der gesamten Firma. Weil auf den Belegen vertrauliche, personenbezogene Daten stehen und mittlerweile jedes Handy eine mehr oder minder leistungsfähige Kamera hat, ist die Benutzung untersagt. Muss ich es trotzdem benutzen, dann muss ich mich auspiepsen und das Gebäude verlassen.
Der Datenschutz hat auch eine recht interessante Konseqenz: Es dürfen nur bestimmte Fenster zum Lüften geöffnet werden. Diese Fenster sind alle mit Fliegenschutzgittern versehen und zwar nicht, damit die Insekten draußen bleiben, sondern damit die Belege bei Durchzug drin bleiben. Es ist wohl in der Vergangenheit mal passiert, dass beim Lüften ein Windstoss einen Packen Belege nach draußen pustete und dann eine Heerschar Mitarbeiter versuchte, die davonflatternden Papiere wieder einzufangen.

Was mir allerdings ganz schön dolle ein wenig die Stimmung verhagelte war, als ich letzte Woche erfuhr, wie das Zeitabrechnungssystem hier funktioniert. Die Zeit wird mittels Chipkarte beim Kommen und Gehen erfasst, ebenso die Pausenzeiten. Das Ganze wird in einem elektronischen System verarbeitet und man kann recht zeitnah den aktuellen Stand seines Zeitkontos abfragen. Es wird minutengenau abgerechnet, allerdings nicht die ersten 30 Minuten der Mehrarbeit. Wenn ich also ganz dringend noch etwas fertig machen möchte und deswegen 20 Minuten länger bleibe, dann schenke ich diese 20 Minuten der Firma. Bleibe ich 30 Minuten mehr oder länger da, wird mir das wiederum komplett angerechnet. Ich dachte nun in meinem jugendlichen Leichtsinn, ich arbeite jeden Tag 20 Minuten länger, da kann ich Freitag eine Stunde eher gehen, weil da der Große Fußballtraining hat.
Ha, falsch gedacht. Ich muss jetzt jeden Tag zirkeln und nachrechnen (lassen), ob ich es schaffe, 30 Minuten länger zu arbeiten oder ob ich nach Punkt 8 Stunden nach Hause gehe. Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass das im Sinne des Erfinders ist. Zumal mein Arbeitstag quasi vom Busfahrplan und den Hortzeiten des Großen bestimmt wird und der Bus hier nur alle 20 Minuten kommt.
Mein Chef hat sich auch tierisch über diese Regelung aufgeregt, aber sie scheint wohl rechtlich wasserdicht zu sein. Er versucht trotzdem immer wieder mal, dagegen anzugehen, vielleicht lässt sich ja eines Tages der Vorstand erweichen und diese Regelung wird wieder rückgängig gemacht.

Es ist also nicht alles so rosig hier im Paradies, aber derzeit sind es nur kleinere dunkle Wölkchen. Hoffen wir, dass es nicht mehr werden!

Pontius und Pilatus

Ja, die kenn ich jetzt alle hier in der Firma.

Wie die meisten Geschichten fing auch diese recht harmlos an. Mein Chef gab mir den Auftrag, eine 3-blättrige, recht umfangreiche Exceltabelle auszudrucken. Aber eben nicht irgendwie, sondern auf A3 und in Farbe. Da er allerdings weder wusste, wo ein solcher Drucker steht, noch wie er denn heißen könnte, verwies er mich an unsere Technikabteilung.

Ich rief meinen neuen Lieblingskollegen an, von dem ich bestimmt in Zukunft noch einiges erzählen kann und den ich intern für mich „Sonnenschein“ getauft habe. Besagter Sonnenschein war wie immer schwer begeistert von meiner Anfrage, warf aber dennoch nach kurzem Grummeln seine Druckersuchmaschine an und fand für mich einen A3-Drucker auf unserer Etage. Nach seiner Aussage könne der Drucker auch bunt. Perfekt. Ich bedankte mich artig und verband den Drucker.

Da das Dokument zwar für jeden interessant, aber nicht für jeden sichtbar ist, schaute ich mir vorm drucken an, wo das Gerät steht. So begab ich mich auf die Suche nach Raum 48 und schon nach wenigen Metern ahnte ich, dass der Drucker genau am anderen Ende des endlos langen Flurs stehen wird. Im Zielbereich suchte ich die Türschilder ab, 45, 46, 49.

Hmpf!

Zur Kontrolle schaute ich nochmal, aber die 48 fehlte. In dem Moment kam eine Mitarbeiterin um die Ecke, sah meinen verzweifelten Blick und bot ihre Hilfe an. Ich erklärte mein Dilemma und sie zeigte auf die Tür direkt hinter mir und tatsächlich, in einer kleinen, nicht beschilderten Abstellkammer stand ein großer Drucker. Wieder bedankte ich mich artig, lief an meinen Arbeitsplatz, druckte das Dokument aus und lief wieder zum Drucker. Dieser begrüßte mich freudig piepsend, sein A3-Papierfach sei leer.

Ich schau mich in der Abstellkammer um, typischerweise liegt das benötigte Papier irgendwo in der Nähe rum. Hier aber nicht. Nicht ein Fitzelchen Papier, egal in welchem Format. Direkt neben dem Drucker war allerdings eine Tür und mutigverzweifelt wie ich war, habe ich die einfach mal geöffnet.

Und stand in einem mir fremden Büro mit 3 mir noch fremderen Mitarbeiterinnen. Wieder erklärte ich mein Dilemma, aber leider wussten die Damen nichts von A3, meinten aber, ich solle die Abteilungsleiterin 2 Türen weiter befragen.
Ich also hin, brav geklopft, Tür geöffnet, Abteilungsleiterin beim Telefonieren erwischt. Ein wenig gewartet, nochmal geklopft, diesmal mit mehr Erfolg, die Kollegin hatte Zeit. Ich erklärte mein Dilemma, aber auch die Abteilungsleiterin hatte kein A3-Papier vorrätig und wüßte auch nicht, wo es welches gibt. Aufgeben ist nicht, und so rief sie eine Kollegin an und fragte diese nach A3-Papier. Der Anruf war aber grad ungünstig, sie würde zurückrufen. Und so warteten wir gemeinsam auf den Rückruf.

Vor meinem geistigen Auge lief in der Zwischenzeit die Asterix-Szene mit der Suche nach dem Formular A38 ab.

Der Rückruf kam, die Kollegin hatte A3-Papier und ich könnte es mir bei ihr abholen. Die Abteilungsleiterin beschrieb mir noch den Weg dahin, verhaspelte sich aber bei den Abteilungsnamen und so stand ich kurze Zeit später vor einer verschlossenen Tür, die auch nach mehrmaligem Klopfen niemand aufmachen wollte.

Hmpf!

Zum Glück hatte ich den Namen der A3-Lieferantin mitbekommen und ich lief schnell in mein Büro und rief sie an. Kein Problem, sie würde im Treppenhaus auf mich warten. 2 Minuten später kam sie aus der gegenüber liegenden Tür heraus und hatte tatsächlich einen kleinen Stapel A3-Papier dabei. Ich bedankte mich und machte mich auf den Weg zum Drucker. Noch kurz mit dem Papierfach gehadert, welches auf A4 eingestellt war, bis ich es auf A3 überreden konnte, Blätter eingelegt und zack, 30 Minuten nach dem Abschicken des Auftrags kam er auch schon wunderschön und in schwarzweiß aus dem Drucker.

Hmpf!

Ich kehrte also wieder an meinen Platz zurück und durchforstete nochmals das Druckermenü, fand aber beim besten Willen keine Einstellung, ob und wo man Farbdruck einstellen konnte. Vermutlich war das bei diesem Drucker einfach nicht vorgesehen.

In mir machte sich Verzweiflung breit. Es musste doch in diesem Unternehmen irgendwie möglich sein, farbig A3 zu drucken. Ich überlegte kurz, nochmal den Sonnenschein anzurufen, verwarf den Gedanken aber mangels ausgeprägter masochistischer Neigungen wieder. Gerade, als ich mich in Fötalstellung auf dem Boden zusammenrollen und leise weinen wollte, kam mir ein Geistesblitz. Die Assistentin eines anderen Abteilungsleiters, die mir am Montag eine kurze Einführung ins Assistentenleben gegeben hat, weiß bestimmt, ob es A3 in bunt gibt.

Angerufen und tatsächlich, der Vorstandsdrucker (!) könnte das. Sie nannte mir den Namen und mit welchen Einstellungen ich drucken müsste. Um den Standort zu ermitteln, solle ich in ihr Büro kommen, sie würde mich dann dahin lotsen.

Gesagt, getan. Ich druckte die Tabelle und machte mich auf die Socken. Auf dem Weg zur Assistentin bog ich einmal falsch ab, verlor kurzfristig die Orientierung, landete in der Kantine und beinahe in der Technikabteilung, bevor ich mich besann und doch noch das richtige Büro fand. Die Assistentin guckte mich ein wenig verwirrt an, warum ich so erleichtert aussah, führte mich aber zum Drucker, der dann auch brav meine 3 A3-Seiten Excel in bunt ausdruckte!

Alles in allem hat mich das ganze Thema eine knappe Stunde beschäftigt, aber immerhin hab ich so eine Menge neuer Kollegen kennen gelernt 🙂

Mahlzeit

Es gibt eine Sache, die mich seit jeher als Arbeitnehmer nervt. Sobald sich der Tag der Mittagszeit nähert, also so ab 10:30 Uhr, schalmeit einem jedes Mal, wenn man einem Kollegen begegnet, der Ruf „Mahlzeit“ entgegen. Dieses „Mahlzeit“ finde ich furchtbar, ohne genau sagen zu können, warum.

Was ich allerdings gut finde, ist die Essenskultur in meiner neuen Firma! (Oder zumindest in meiner Abteilung.)

Pünktlich um 9:15 Uhr treffen sich alle Mitarbeiter unserer Abteilung, gehen in die Kantine, um dort gemeinsam zu frühstücken. Manche bringen sich ihr Frühstück von zuhause mit, manche kaufen sich in der Kantine belegte Brötchen, wieder andere holen sich nur einen Kaffee oder Tee und setzen sich so dazu. Es wird bewusst darauf geachtet, nicht über die Arbeit zu sprechen.

Beim Mittagessen ist es ähnlich. 13 Uhr begeben sich alle gemeinsam zur Kantine und jeder bereitet sich sein Mahl nach seinen Präferenzen. Es gibt zwar keine feste Tischordnung, doch es haben sich verschiedene Grüppchen oder Rituale gebildet. So sitzen die wenigen Raucher unserer Abteilung an einem extra Tisch. Nicht, weil die Nichtraucher sie nicht leiden können, sondern weil die Raucher ihr Essen in Lichtgeschwindigkeit in sich hinein schaufeln, um dann ganz fix noch zum Rauchen gehen zu können. Würden sie sich mitten in die anderen setzen, gäbe es nach 10 Minuten unschöne Lücken und man müsste über den halben Tisch brüllen.

Ich habe mich die letzten Tage immer mit dazu gesetzt, mal ganz am Rand, mal mitten drin, wo eben ein Platz frei war und lauschte den Erzählungen der Kollegen. Oft konnte ich auch direkt in die Unterhaltung einsteigen, manchmal hörte ich einfach nur zu. Auf jeden Fall bin ich so aber ganz schnell ein Teil der Gruppe geworden und lerne ganz unkompliziert und nebenbei die Kollegen besser kennen.

Mir gefällt dieses Prinzip und ich finde, so etwas sollte es in anderen Firmen auch geben. Bisher hatte ich immer das Problem, dass es mitunter recht lange dauerte, bis ich ein richtiger Teil des Teams war, gerade als Assistentin/rechte Hand des Chefs, die immer nur doofe Sachen von den Kollegen will oder schlimmer, denen zusätzliche Arbeit aufhalst.. Oft machten die Kollegen zu ganz unterschiedlichen Zeiten Pause und falls es doch mal zeitlich passte, rannten die einen zum Italiener, die anderen zum Dönerstand und der Rest in die Sushi-Bar. Mir blieben zur Integration dann meist nur Geburtstagsrunden und so wahnsinnig oft gab es die nun auch nicht.

Allerdings muss ich die Nahrungsaufnahme noch besser koordinieren. Bislang schaffe ich es morgens nicht, mir ein Brötchen oder Brote zu schmieren und die aus der Kantine sind meist mit Butter bestrichen, was ich nicht sonderlich gut vertrage. Die Mittagessen sind super lecker, aber leider kriegt mein Mann kein warmes Mittagessen und so gibt es bei uns Abends meist auch noch mal warm. Und zweimal eine warme Mahlzeit strapaziert den Hosenbund meiner Jeans schon arg. Für nächste Woche habe ich mir allerdings richtige Mittagessen bestellt, jedoch darauf geachtet, dass es nicht jedes Mal die halbe Haxe ist, sondern Süppchen und leichte Gerichte ausgewählt.

In diesem Sinne: Mahlzeit! 😉

Erster Eindruck

Ich glaube, ich hab meinen Chef heute ein wenig beeindruckt. Er hatte wohl sowas in der Art erwartet, da er immer wieder mal Andeutungen fallen ließ, was er sich durch meine Einstellung erhofft, aber dass es so schnell so konkret wird, hat ihn ein wenig überrascht.

Zum Verständnis muss ich an dieser Stelle einfügen, dass ich ITIL v3 Expert zertifiziert bin. Die Zertifizierung ist das Höchste, was derzeit auf diesem Gebiet verfügbar ist. ITIL ist eine Sammlung von bewährten Strategien und Technicken um (IT-)Dienstleistungen/Services am besten an den Kunden zu bringen. Mein Chef vertritt die Ansicht, dass wenn man ITIL in dem Unternehmen einführen wöllte, müsste man eine Armee an zertifizierten Mitarbeitern (um die 60) beschäftigen bzw. einkaufen, um das einigermaßen zeitnah umsetzen zu können.

Ich seh das ein wenig anders, denn ITIL  zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es eben nicht diese Riesenumstrukturierungen braucht, sondern dass einzelne Prozesse angepasst und optimiert werden und diese Verfahrensbibliothek lediglich  praxisnahe Beispiele gibt, wie man das am Besten macht.

Wieauchimmer, mein Chef schleppte mich heute zum IT-Mail-Support und der jammerte bitterlich über die Flut der Aufgaben und das alles einfach nur per Zuruf erledigt werden soll und wenn etwas schief geht, sind sie trotzdem dran, egal wie schnell sie waren oder wie viel Mühe sie sich gegeben haben.

Bei mir schrillten sofort sämtliche Alarmglocken. Falsche Schuldzuweisung sind immer ein Zeichen mangelnder Dokumentation. „Per Zuruf“ deutet auf fehlende Standards und Prozesse hin. Jammernde Mitarbeiter auf Überlastung bzw. Demotivation.

Sobald wir aus dem Hotliner-Raum raus waren, meinte ich zu meinem Chef, dass hier ganz dringend ein funktionierendes Change Management eingeführt werden muss. Es müssen standardisierte Vorgänge her, damit eben nicht „auf Zuruf“ agiert werden muss und dass die Schuld eben nicht an den Supportern hängen bleibt, wenn der Vorstand eine Entscheidung treffen muss und sich dafür 3 Wochen Zeit lässt. Oder weil durch so eine ad-hoc-Anweisung mögliche negative Auswirkungen nicht eingeschätzt werden können und dann knallt es und natürlich war es – mal wieder – die IT.

Ich bot an, dass ich mich mit den Jungs zusammensetze, die klagen mir 1 oder 2 Stunden lang ihr Leid, ich meisel alles mit und am Ende kommt eine Handlungsanweisung und ein Formular (oder mehrere) raus und an die müssen sich alle handeln. Schafft unseren Jungs Luft und sichert sie ab.

Ein wenig hatte ich den Eindruck, dass mein Chef am liebsten aufgesprungen, um den Schreibtisch herum gelaufen und vor mir auf die Knie gefallen wäre, um mir zuzurufen: „Und genau aus diesem Grund wollte ich dich haben!“ 😉

Fazit: Ich renne offene Türen ein, solange ich es nicht „ITIL-Kompletteinführung“ nenne. Ich halte den „Big-Bang-Ansatz“ (der heißt wirklich so) eh für den ungünstigsten Ansatz und bin der Meinung, dass die Anpassung einzelner Prozesse wesentlich mehr Erfolg verspricht. Die meisten Unternehmen haben doch gelebte und funktionierende Prozesse und sich jetzt da hinzustellen und zu sagen: „ey, dass was ihr macht ist totaler Quark, wir machen das jetzt so!“ empfinde ich als Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter, die jeden Tag ihr Bestes geben.

Am Montag werde ich also meine dicken ITIL-Bücher mit auf Arbeit schleppen, diese durchforsten, was da nun genau empfohlen wird und mich dann mit den Kollegen hinsetzen und alle ihre Anforderungen aufnehmen. Und dass dann in Dokumente, Formulare und Handlungsanweisungen zu gießen wird mich locker bis zum ersten Advent beschäftigen.

Ich finde das cool. Ich wollte immer schon mal irgendwo entscheidend ITIL einführen bzw. die Prozesse entsprechend anpassen. Aber entweder haben die Großkopferlten das Konzept dahinter nicht so wirklich verstanden (vorletzter Arbeitgeber) oder das Thema war schon recht komplett umgesetzt und gelebt (letzter Arbeitgeber). Hier also mehr oder weniger grüne Wiese, ein Chef, der die ganze Sache unterstützt und ein Team, welches über jede Entlastung dankbar ist.

Ganz ehrlich, ich habe mich die letzten beiden Tage mehrmals gefragt, wie die bisher überhaupt überleben konnten. Da ist so viel Potential vorhanden, das ist einfach unglaublich. Vermutlich/wahrscheinlich liegt es wie so oft daran, dass schlicht keine Zeit übrig ist, um sich um die organisatorisch-administrativen Dinge wie eine Handlungsanweisung oder die Erstellung eines simplen Formulars zu kümmern. Und es ist schwierig gegen das „haben wir schon immer so gemacht“ anzukämpfen. Wobei ich den Begriff „Betriebsblindheit“ sympathischer finde.

Bloß gut, dass sie mich jetzt haben 😀

Erster Tag

Das war er also, mein erster Arbeitstag.

Und irgendwie ist diesmal alles anders. Ob es auch besser ist, wird sich zeigen 😉

Es fing schon damit an, dass ich gestern Nacht ziemlich schnell einschlafen konnte und fast gar nicht aufgeregt war. Das mag zum einen daran liegen, dass es eben nicht mein superduper Traumjob ist, zum anderen – und das halte ich für wahrscheinlicher – habe ich jetzt schon so viele Jobs gehabt, dass erste Tage ein bisschen zur Routine geworden sind.

Ich fand mich pünktlich kurz vor 9 Uhr an meiner neuen Arbeitsstelle ein und durfte erstmal warten. Es waren eine handvoll Bewerber vor mir dran und die wurden einer nach dem anderen eingewiesen und fotografiert und dann in die Abteilungen gelotst, was doch recht lange dauerte. Als ich dann fertig war, wartete mein neuer Chef schon ungeduldig und wir gingen erstmal in sein Büro. Er hatte gerade tief Luft geholt und wollte seine Einführungsrede halten, als sein Telefon klingelte und ihn ein Kollege darauf hinwies, dass sie zu einem Meeting verabredet waren. Also ab zum Meetingraum, ich im Schlepptau und ich durfte das erste Mal an den Kaffeeautomaten und mir leckeren Tee brauen.

Das Meeting war hochinteressant, viele anstehende Themen wurden besprochen, einige davon noch geheim, es wurde nur so mit Geld um sich geworfen und ich fand es faszinierend, dass ich als Neuling bei einem solch vertraulichen Gespräch dabei sein durfte. Nach 1,5 Stunden war es vorbei, doch bevor wir wieder ins Büro gingen, stand schon das nächste Meeting an und ich steuerte das zweite Mal den Kaffeeautomaten an. Das Meeting war ähnlich spannend, nur nicht so lang.

Da ich nicht gefrühstückt hatte und es mittlerweile 12 Uhr war, fing mein Magen merklich an zu knurren. Ich hatte keine Ahnung, wo die Kantine ist und wie das dort funktioniert, also trabte ich Cheffe hinterher. Er stellte mir alle anwesenden Mitarbeiter der Abteilung vor und siehe, da war sogar einer dabei, denn ich aus meiner vorvorherigen Firma kannte. Schön, ein bekanntes Gesicht zu entdecken. Danach gab es endlich Mittag.

Die Kantine gut in den Tiefen des verwinkelten Gebäudes versteckt, kann dort alles mit der Mitarbeiterkarte bezahlt werden und wird automatisch am Ende des Monats vom Gehalt abgezogen. Find ich gut, da ich fast NIE Bargeld bei mir habe. Nach dem Mittagessen stand das nächste Meeting an, diesmal mit den Abteilungsleitern. So wie ich Cheffe verstanden habe, soll ich in Zukunft dieses Meeting leiten, aber wenn die ähnlich entspannt wie heute ablaufen, mach ich mir da keine Sorgen. Vorher war wieder der Kaffeeautomat dran. Ist schon ne coole Sache, wenn sämtliche Getränke kostenfrei sind.

Nach diesem Meeting gab es endlich die Einweisung, was man in der Firma darf (arbeiten), was verboten ist (Handynutzung), welche Mitarbeiter Ersthelfer sind (jeder 2.) und wo die Fluchtwege sind. Es gab Hinweise zur Kleiderordnung, zur Aufzugnutzung, Internet, Datenschutz – der übliche Kram halt. Ich musste das alles auf einem Formular abzeichnen und kaum war die Tinte trocken, enteilte der Chef zum nächsten Meeting, hatte aber ein Erbarmen mit mir und ich durfte mir meinen Arbeitsplatz einrichten.

Ich stöberte noch ein wenig im Intranet, unterhielt mich mit meinem Alt-Neu-Kollegen und dann machte ich mich auf den Heimweg, den Großen aus dem Hort abholen.

Und jetzt bin ich doch ziemlich geschafft!