Pontius und Pilatus

Ja, die kenn ich jetzt alle hier in der Firma.

Wie die meisten Geschichten fing auch diese recht harmlos an. Mein Chef gab mir den Auftrag, eine 3-blättrige, recht umfangreiche Exceltabelle auszudrucken. Aber eben nicht irgendwie, sondern auf A3 und in Farbe. Da er allerdings weder wusste, wo ein solcher Drucker steht, noch wie er denn heißen könnte, verwies er mich an unsere Technikabteilung.

Ich rief meinen neuen Lieblingskollegen an, von dem ich bestimmt in Zukunft noch einiges erzählen kann und den ich intern für mich „Sonnenschein“ getauft habe. Besagter Sonnenschein war wie immer schwer begeistert von meiner Anfrage, warf aber dennoch nach kurzem Grummeln seine Druckersuchmaschine an und fand für mich einen A3-Drucker auf unserer Etage. Nach seiner Aussage könne der Drucker auch bunt. Perfekt. Ich bedankte mich artig und verband den Drucker.

Da das Dokument zwar für jeden interessant, aber nicht für jeden sichtbar ist, schaute ich mir vorm drucken an, wo das Gerät steht. So begab ich mich auf die Suche nach Raum 48 und schon nach wenigen Metern ahnte ich, dass der Drucker genau am anderen Ende des endlos langen Flurs stehen wird. Im Zielbereich suchte ich die Türschilder ab, 45, 46, 49.

Hmpf!

Zur Kontrolle schaute ich nochmal, aber die 48 fehlte. In dem Moment kam eine Mitarbeiterin um die Ecke, sah meinen verzweifelten Blick und bot ihre Hilfe an. Ich erklärte mein Dilemma und sie zeigte auf die Tür direkt hinter mir und tatsächlich, in einer kleinen, nicht beschilderten Abstellkammer stand ein großer Drucker. Wieder bedankte ich mich artig, lief an meinen Arbeitsplatz, druckte das Dokument aus und lief wieder zum Drucker. Dieser begrüßte mich freudig piepsend, sein A3-Papierfach sei leer.

Ich schau mich in der Abstellkammer um, typischerweise liegt das benötigte Papier irgendwo in der Nähe rum. Hier aber nicht. Nicht ein Fitzelchen Papier, egal in welchem Format. Direkt neben dem Drucker war allerdings eine Tür und mutigverzweifelt wie ich war, habe ich die einfach mal geöffnet.

Und stand in einem mir fremden Büro mit 3 mir noch fremderen Mitarbeiterinnen. Wieder erklärte ich mein Dilemma, aber leider wussten die Damen nichts von A3, meinten aber, ich solle die Abteilungsleiterin 2 Türen weiter befragen.
Ich also hin, brav geklopft, Tür geöffnet, Abteilungsleiterin beim Telefonieren erwischt. Ein wenig gewartet, nochmal geklopft, diesmal mit mehr Erfolg, die Kollegin hatte Zeit. Ich erklärte mein Dilemma, aber auch die Abteilungsleiterin hatte kein A3-Papier vorrätig und wüßte auch nicht, wo es welches gibt. Aufgeben ist nicht, und so rief sie eine Kollegin an und fragte diese nach A3-Papier. Der Anruf war aber grad ungünstig, sie würde zurückrufen. Und so warteten wir gemeinsam auf den Rückruf.

Vor meinem geistigen Auge lief in der Zwischenzeit die Asterix-Szene mit der Suche nach dem Formular A38 ab.

Der Rückruf kam, die Kollegin hatte A3-Papier und ich könnte es mir bei ihr abholen. Die Abteilungsleiterin beschrieb mir noch den Weg dahin, verhaspelte sich aber bei den Abteilungsnamen und so stand ich kurze Zeit später vor einer verschlossenen Tür, die auch nach mehrmaligem Klopfen niemand aufmachen wollte.

Hmpf!

Zum Glück hatte ich den Namen der A3-Lieferantin mitbekommen und ich lief schnell in mein Büro und rief sie an. Kein Problem, sie würde im Treppenhaus auf mich warten. 2 Minuten später kam sie aus der gegenüber liegenden Tür heraus und hatte tatsächlich einen kleinen Stapel A3-Papier dabei. Ich bedankte mich und machte mich auf den Weg zum Drucker. Noch kurz mit dem Papierfach gehadert, welches auf A4 eingestellt war, bis ich es auf A3 überreden konnte, Blätter eingelegt und zack, 30 Minuten nach dem Abschicken des Auftrags kam er auch schon wunderschön und in schwarzweiß aus dem Drucker.

Hmpf!

Ich kehrte also wieder an meinen Platz zurück und durchforstete nochmals das Druckermenü, fand aber beim besten Willen keine Einstellung, ob und wo man Farbdruck einstellen konnte. Vermutlich war das bei diesem Drucker einfach nicht vorgesehen.

In mir machte sich Verzweiflung breit. Es musste doch in diesem Unternehmen irgendwie möglich sein, farbig A3 zu drucken. Ich überlegte kurz, nochmal den Sonnenschein anzurufen, verwarf den Gedanken aber mangels ausgeprägter masochistischer Neigungen wieder. Gerade, als ich mich in Fötalstellung auf dem Boden zusammenrollen und leise weinen wollte, kam mir ein Geistesblitz. Die Assistentin eines anderen Abteilungsleiters, die mir am Montag eine kurze Einführung ins Assistentenleben gegeben hat, weiß bestimmt, ob es A3 in bunt gibt.

Angerufen und tatsächlich, der Vorstandsdrucker (!) könnte das. Sie nannte mir den Namen und mit welchen Einstellungen ich drucken müsste. Um den Standort zu ermitteln, solle ich in ihr Büro kommen, sie würde mich dann dahin lotsen.

Gesagt, getan. Ich druckte die Tabelle und machte mich auf die Socken. Auf dem Weg zur Assistentin bog ich einmal falsch ab, verlor kurzfristig die Orientierung, landete in der Kantine und beinahe in der Technikabteilung, bevor ich mich besann und doch noch das richtige Büro fand. Die Assistentin guckte mich ein wenig verwirrt an, warum ich so erleichtert aussah, führte mich aber zum Drucker, der dann auch brav meine 3 A3-Seiten Excel in bunt ausdruckte!

Alles in allem hat mich das ganze Thema eine knappe Stunde beschäftigt, aber immerhin hab ich so eine Menge neuer Kollegen kennen gelernt 🙂

Ein Kommentar zu “Pontius und Pilatus

  1. Danke für diesen überaus ermunternden Beitrag 🙂

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