Vorlesen

Wie das manchmal mit Themen so ist, taucht ein bestimmtes immer wieder innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums auf. In letzter Zeit war es bei mir das „Vorlesen für Kinder“.

Das fing vor einigen Wochen auf Arbeit an, als meine kinderhabenden Kollegen sich über Conni-Bücher unterhielten und ich mein komplettes Unwissen zu diesem Thema zugeben musste. Meine Kollegen schauten mich an wie ein Auto, völlig ungläubig, dass es überhaupt ein Elternteil auf dieser Welt gibt, der noch nie etwas von Conni und ihren Abenteuern gehört hatte. Eine Kollegin übernahm darauf hin die Aufklärarbeit und gab mir eine kurze Einführung ins Conni-Universum. Trotzdem sie sich viel Mühe gab und mit großer Begeisterung erzählte, konnte sie mich nicht vom Sinn oder Nutzen dieser Buchreihe überzeugen.

Eine Woche später war dann der „Vorlesetag“ dieses Jahr und es gab Nachrichten- und Blogbeiträge dazu. Spannend waren die zu diesem Anlass zitierten Studien zum Vorlesen, die klar deutliche Vorteile des Vorlesens aufzeigen konnten, gleichzeitig aber auch eine erschreckend hohe Anzahl an Kindern erwähnte, die selten oder nie vorgelesen bekommen.

Gestern wiederum kam die Sprache im Kollegenkreis erneut auf das Thema Vorlesen und sämtliche daran beteiligten Eltern erzählten die gleiche Geschichte, nämlich dass ihre Kinder die vorgelesenen Bücher alle auswendig könnten und die Eltern sofort beim kleinsten Fehler korrigierten. Ich konnte – mal wieder – nicht mitreden, denn wir haben unserem Großen noch nie eine Geschichte doppelt vorgelesen.

Das wiederum machte mich nachdenklich, ob denn regelmäßiges wiederholtes Vorlesen bekannter Bücher oder jedes Mal neue Inhalte lesen dem Kind mehr Vorteile bringt. Da meinem Mann und mir als Kinder nie vorgelesen wurde, können wir eigene Erfahrungen nicht als Grundlage nehmen. Zu meiner Nachdenklichkeit kam die Erzählung eines sehr guten Freundes hinzu, dessen Vater ihm aus einem Fundus von 20-30 Bilderbüchern jeden Abend eines vorgelesen hatte und er dies jetzt mit seinem Sohn genauso handhabe.

Ich habe keine Ahnung, wie Kinder in diesem Fall ticken, ob die gewohnten Geschichten beruhigender wirken, weil man sie eben kennt und weiß, wie sie ausgehen oder aber ob unbekannte Geschichten die Fantasie mehr fördern und die kindliche Neugierde unterstützen. Wie hält es denn meine Leserschaft, neue Geschichten oder Wiederholungen?

In diesem Zusammenhang fingen mein Mann und ich an zu diskutieren, welche Bücher für welches Alter geeignet seien und ob es irgendwo Altersempfehlungen für Bücher gibt, analog den FSK-Angaben für Filme*. Wir suchten daraufhin im Internet, aber so richtig prickelnd fanden wir das Gefundene auch nicht.

Weswegen ich nachgedacht habe, welche Geschichten wir bislang in den letzten 4 Jahren vorgelesen haben, wie gut diese ankamen und welche Geschichten in Zukunft noch folgen könnten. Hier nun die Ergebnisse.

Angefangen haben wir mit einer Geschichtenzettelbox, in der unterschiedlich lange Geschichten auf jeweils ein Kärtchen gedruckt war. In der Box waren 50 Geschichten und diese jeweils maximal 5 Minuten lang. Gedichte, kurz nacherzählte Märchen oder Fantasiegeschichten, alles ohne große Aufreger und Bösewichte. War insgesamt sehr gut für den Vorleseeinstieg geeignet.

Danach haben wir mit Fix und Fax weitergemacht. Eine Comic-Geschichte erstreckt sich über 3 Seiten und die Themen sind recht vielfältig, aber absolut kindgerecht. Es werden Schurken gefangen, die eine Kamera gestohlen haben, es werden alten Omas die Einkaufsbeutel nach Hause getragen, es werden Rätsel gelöst oder der Schulweg vom Schnee freigeschaufelt. Da die Geschichten aus der DDR stammen, wird besonders viel Wert auf Hilfsbereitschaft und Solidarität gelegt, ohne jedoch die damalige Doktrin zu vermitteln. Und meiner Meinung sind Hilfsbereitschaft und Solidarität nach wie vor vermittelnswerte Tugenden, heute vielleicht sogar noch mehr als damals.
Teilweise gibt es Fortsetzungsgeschichten, die einen längeren Erzählstrang verfolgen, doch auch da sind die einzelnen 3-Seiten-Kapitel in sich geschlossen, so dass man nicht per se in der Verlegenheit kommt, noch das nächste Kapitel lesen zu müssen.
Durch die überschaubare Länge und die vielen Bilder eignen sich die Geschichten gut für 2-3 Jährige, da das Kind durch die Bilder eventuelle Textverständnisschwierigkeiten kompensieren kann.

Als wir mit den Mäusen durch waren – bei derzeit 11 Bänden dauert das ein wenig – suchte mein Mann eine Geschichte aus seiner Kindheit aus, die Drei lustigen Gesellen von Eno Raud. Es wird von den Abteuern der 3 Wichtel Moosbart, Muff und Halbschuh erzählt. Um mitzubekommen, inwieweit unser Nachwuchs einer solch langen Geschichte folgen kann, haben wir ihn jeden Abend erzählen lassen, an was er sich vom Tag zuvor noch erinnert. Wie meist bei Kindern waren das völlig nebensächliche Details wie bspw. dass der Orden einen abgebrochenen Zacken hat oder dass das Gras nicht grasgrün sondern moosbartbartgrün war. Mit ein wenig Nachhilfe konnte er sich aber auch an die eigentliche Geschichte erinnern. Die Erzählung selbst ist kindgerecht, erzeugt ab und zu Spannung, manchmal muss man auch ein wenig um die Helden bangen, aber am Ende geht alles gut aus.

Nach den Wichteln probierten wir es mit einem Klassiker: Pippi Langstrumpf! Ein tolles Buch, tonnenweise Blödsinn und „interessante“ Ideen für das heranwachsende Kind. Mathematik ist doof, ach, da geh ich doch lieber in den Wald! In 10 Metern Höhe über ein Seil balancieren, klar doch. Aus Kindersicht absolut klasse, aus Elternsicht sieht man sich schon den Nachwuchs in die nächste Notaufnahme fahren 😉
Eigent sich vermutlich für größere Kinder so ab der 2. Klasse besser als für Vorschulkinder, die noch völlig diffuse Vorstellungen von Schule haben und es tatsächlich für bare Münzen nehmen könnten, einfach mal so Schulstunden ausfallen lassen zu können.

Für unseren Italienurlaub hatte ich eine besondere Vorleserunde geplant, nämlich Den kleinen Prinzen. Über dieses wunderbare Buch brauche ich nicht viel zu schreiben. Es eignet sich hervorragend zum Vorlesen, die Bilder sind kindlich, die Kapitel ausreichend lang oder kurz. Für unseren dreiwöchigen Urlaub passte die Kapitelanzahl genau und ich habe mich ebenso wie unser Kind jeden Abend aufs Vorlesen gefreut.

Als sich abzeichnete, dass der Große in die Wilhelm-Busch-Schule eingeschult wird, nahmen wir das zum Anlass, ihm allabendlich Das Große Wilhelm Busch Album vorzulesen. Unsere Ausgabe ist schon ein wenig älter, die Seiten leicht vergilbt und die Zeichnungen alle noch schwarz-weiß. Man merkt, dass die Geschichten aus einer Zeit stammen, in der Leid und Tod ständiger Begleiter der Menschen waren, denn es wird relativ freimütig mit diesen Themen umgegangen. Da kann es dem heutigen, wohlbehüteten Kind ein wenig schwer fallen, die Geschichten immer richtig einzuordnen.
Grundsätzlich eignet es sich aber gut zum Vorlesen, die Bilder geben dem noch nicht lesenden Kind etwas zur Beschäftigung, während es der Stimme des Vorlesers lauscht.

Mein Mann versuchte es danach mit den Grimmschen Märchen, fand die aber teilweise so gruselig, dass wir uns schnell nach einer Alternative umschauten. Noch schneller, als das Kind öfter Alpträume von den Märchen hatte, weswegen ich die weniger gängigen Märchen abseits von Dornröschen und Rapunzel auch nur für ältere Kinder empfehlen kann.

Die Alternative präsentierte sich uns in Form Des kleinen Hobbits, welcher dann die Grundlage für eingangs erwähnte Diskussion war. Die Geschichte um Elben und Zwerge ist natürlich klasse für Kinder und besonders unser Großer kann sich die seltsamsten Fabelwesen ausdenken. Doch sind auch alle Kämpfe für kleinere Kinder geeignet, machen vielleicht die riesigen Spinnen zu sehr Angst und was ist eigentlich mit dem Drachen?
Es stellte sich heraus, dass das Buch auf eine völlig andere Weise eine Herausforderung fürs Kind ist: Mama, was ist denn ein Hobbit, ist das sowas wie ein Regenwurm? Was bitte soll denn ein Bühl sein? Und warum heißt Bilbo Beutlin und nicht Beutel, wenn es doch auch Beutelsend und nicht Beutlinsend heißt?
Wenn man dieses Buch also vorliest, sollte man sich auf einige extra Erklärrunden einstellen.

Uns stellt sich nun die Frage, welche Bücher sich an den Hobbit anschließen werden. Der Herr der Ringe steht zum jetzigen Zeitpunkt natürlich außer Frage, aber ich bin in letzter Zeit auf einige Bücher gestossen, die sich wohl ganz gut dafür eignen werden.

Zunächst sei Die verrückte Ballonfahrt mit Professor Stegos Total-locker-in-der-Zeit-Herumreisemaschine genannt. (Der englische Titel ist weniger sperrig und lautet schlicht: Fortunately, the Milk!).
Was eben so passiert, wenn Daddy Milch holen geht, weil sonst die Kinder ihre Frühstücksflocken trocken oder mit O-Saft essen müssen. Ganz ehrlich, ich hab mir gewünscht, dass es dieses Buch schon gegeben hätte, als ich klein war, denn die Geschichten in meinem Kopf waren so ähnlich wie die in diesem Buch.

Ein wenig düsterer und deswegen für nicht ganz so kleine Kinder ereignet, ist Coraline. (Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man eine illustrierte Ausgabe erwerben, ich habe die englische Version mit Zeichnungen von Chris Riddell, die das Gruselige noch ein wenig verstärken.) Für Kinder ab 8 oder 9 Jahren.

Aus einer ähnlichen Liga kommt Maurice der Kater. (Wer übersetzt eigentlich so schludrig die Originaltitel, „Der fantastische Maurice und seine gebildeten Nagetiere“ klingt doch wesentlich faszinierender als „Maurice der Kater“, oder?). Die Geschichte ist relativ komplex und nicht ganz gewaltfrei, ebenso wird das Thema Sterben bzw. Tod thematisiert, jedoch auf durchaus kindgerechte Weise. Auf die vom Herausgeber angegeben „ab 7 Jahre“ würde ich persönlich 1 oder 2 Jährchen drauf schlagen.
Dennoch ein tolles Kinderbuch, welches neben den Tiffany-Aching/Weh-Büchern den Einstieg in die Scheibenwelt leicht macht.

Soweit meine Erfahrungen mit Büchern und Vorlesen.
Welche Kinderbücher sind euch besonders lieb? Wie schätzt ihr ab, für welches Altersklasse ein Buch geeignet ist?

 

* Bei manchen FSK-Freigaben frage ich mich schon, wie die Bewerter da drauf kommen. Letztes Wochenende sahen wir uns mit dem Großen „Mordecai“ an, freigegeben ab 6 Jahren, und kamen während des Films immer wieder in Erklärungsnot, da doch diverse Menschen recht plastisch den Tod fanden und es von sexuellen Anspielungen nur so wimmelte. Vermutlich wird einem das wohl nur richtig bewusst, wenn neben einem ein aufgeweckter 6-jähriger Junge sitzt und fragt, was denn diese oder jede Redewendung bedeutet oder er sagt, dass er gut verstehen könne, warum die eine Frau Reiten so toll findet, damals auf dem Pony im Zoo hat ihm das nämlich auch mächtig Spaß gemacht o.O

Manic Monday

Montag! Heute einer der feineren Sorte :/

Fing ja gestern Abend schon an und setzte sich dann in der Nacht fort. Wegen des verkürzten Feierabends beschloss ich spontan, dass 6 Stunden Schlaf auch ausreichen würden und bin erst eine Stunde nach meiner üblichen Zeit ins Bett gegangen. Allerdings meinte meine Süße um 3:30 Uhr, dass die Nacht vorerst vorbei ist.

Leider konnte ich ihr da nicht zustimmen, aber das machte nichts, sie tobte trotzdem durchs Bett. Erst gute 1,5 Stunden später fand sie wieder in den Schlaf, bis dahin robbte sie zwischen meinem Mann und mir herum, drehte sich mehrmals um sämtliche Achsen und wenn ihr langweilig wurde, fummelte sie an meinem Kopf rum.

Um kurz vor sechs schielte ich auf den Wecker und überlegte kurz, ob ich vielleicht ein wenig eher aufstehen sollte und dadurch einen Bus früher auf Arbeit fahren könnte. Die Überlegungen wurden jäh durch das Klingeln des Weckers unterbrochen, der mich wie vereinbart um 6:30 Uhr aus meinem halbstündigen Tiefschlaf holte, in den ich übers Nachdenken gefallen war.

Maximal grummelnd stand ich auf und schleppte mich unter die Dusche. Weckte danach das große Kind, dass mir sofort eine Diskussion über Schnee und das passende Schuhwerk aufs Auge drückte. Es hatte nämlich des nächtens geschneit, was mich sehr freute, da es das viel zu selten bei uns tut. Das Kindlein freute sich auch und musste mir diese Freude wortreich und lautstark kund tun.

Nun bin ich aber ein ausgesprochener Morgenmuffel, der morgens am Besten überhaupt nicht angesprochen werden sollte, wenigstens nicht vor 9 Uhr. Interessierte den Großen nicht die Bohne und keine 2 Minuten später erklärte er mir, wie ich seinen Schulfrühstücksapfel denn bitte zu schnitzen hätte und quittierte meinen Einwand, dass ich nicht mit der Messerspitze das Kerngehäuse aus der Apfelhälfte puhlen würde, mit lautem Gejammer. Macht meines Elterndaseins stellte ich ihn vor die Wahl, entweder die Apfelhälften mit Kerngehäuse nehmen oder aber den Apfel zu vierteln und dann den Griebsch rauszuschneiden. Über dieses Theater hatte ich ein wenig die Zeit aus dem Blick verloren und es war genau Abmarschzeit, nur hatten wir weder Zähne geputzt noch Schuhe und Jacken angezogen.

Siedendheiß fiel mir zu diesem Zeitpunkt ein, dass ein mit den aktuellen Schulbüchern (Montags Deutsch) bestückter Ranzen wesentlich zum Lernerfolg des Kindes beitragen würde, ebenso wie ein vollständig ausgerüsteter Turnbeutel. Also suchte ich hastig den Kram zusammen, dachte daran, dass am nächsten Wochenende bereits am Sonntag zu machen, lachte mich kurz innerlich selbst für diesen absurden Vorschlag aus, stürmte fix ins Schlafzimmer, Sehhilfe und Handy holen und keine 2 Minuten später standen wir vor der Tür.

An der Haltestelle angekommen zeigte mir die große Uhr an der Abfahrtszeitentafel, dass ich exakt 9 Minuten hatte, das Kind zur Schule zu schaffen und wieder zurück zur Haltestelle zu gelangen, wobei eine Strecke ca. 5 Minuten dauert. Uh, das könnte jetzt ein wenig eng werden. Ich nahm den Kind den Ranzen wieder ab und gemeinsam eilten wir der Schule entgegen. Kind, Ranzen und Turnbeutel an der Schultür übergeben und zur Haltestelle gerannt, wo mir die Anzeigetafel 2 Dinge anzeigte:
1. Ich hatte es eine Minute vor Abfahrtszeit zur Haltestelle geschafft!
2. Der Bus hat geschlagene 8 Minuten Verspätung.

Der Bus hat IMMER Verspätung, meist 2-3 Minuten, was mich jedes Mal wundert, denn vom Busstartpunkt bis zu uns sind es nur 3 Haltestellen und ich frage mich, wie man auf einer derart kurzen Strecke schon einen solchen Rückstand ansammeln kann. Trotzdem verlasse ich mich nicht darauf, dass der Bus tatsächlich verspätet eintrudelt, denn bei meinem Glück ist er nämlich dann an genau diesem Tag pünktlich. So wie vor 2 Wochen, als ich zum Feierabend 2 Minuten vor der Zeit an der Haltestelle stehe und den Rücklichtern des Busses hinterherschaute. Da dies der letzte Bus vor der Hortschließzeit war, kam das einer mittleren Katastrophe gleich und ich hatte damals Glück, dass mein Chef mich zur Schule gefahren hat.

Also stand ich mir in der Kälte die Füße in den Bauch, hundemüde, durchgeschwitzt, frustriert und genervt, während aus den 8 Minuten 12 wurden. Damit konnte ich es heute vergessen, überhaupt meine 8 Stunden auf Arbeit zu erfüllen. Irgendwann bog der Bus dann doch noch um die Ecke und brachte mich meiner Arbeitsstätte näher. Kurz vorm Ziel kam noch eine Durchsage, dass es aufgrund der Witterungsverhältnisse technische Probleme gab, die zur Verspätung führten.

@#*§$! Es lagen ganze 3 Schneeflocken pro Meter auf der Straße, die Temperaturen waren noch im Plusbereich und der Wetterumschwung inklusive Schneefall seit mindestens 3 Tagen in jedem Wetterbericht angekündigt. Zumal ja jedes Jahr auch bei uns in der Stadt Winter ist und es jedes besch… Mal zu technischen Problemen kommt, die man deswegen auch unmöglich vorhersehen kann.

Und das alles vorm ersten Tee und noch weit vorm Frühstück.

Ich hab daher beschlossen, überpünktlich Feierabend zu machen, das Kind vom Hort abzuholen, schnell neue Äpfel für morgen einzukaufen und mich daheim aufs Sofa zu hauen, in der Hoffnung, ein wenig Schlaf nachholen zu können, bevor dann Mann und kleines Kind nach Hause kommen. Ich muss jetzt nur noch die Zeit bis zum Feierabend überstehen *gähn*

Doofe Katze

Manchmal könnten man ihnen doch glatt den Hals umdrehen!

Die Süße war vorhin nach Badewanne und Abendessen grad ganz wunderbar in meinem Arm ins Traumzauberland entschlummert, da fiel der dicken Katze nichts besseres ein, als die Schlafzimmertür mit viel Getöse aufzuspringen.

Nachdem ich die Katze gerade noch daran hintern konnte, im Schlafzimmer zu verschwinden und sie des Wohnzimmers verwiesen hatte, war das Kindlein wieder hellwach und fand die Idee, jetzt tatsächlich schlafen zu müssen äußerst lächerlich. Ich allerdings wollte endlich meinen wohlverdienten Feierabend genießen, aber das geht leider nur, wenn alle Kinder friedlich in ihren Betten schlummern.

Also versuchte ich, mein Mädchen nach allen Regeln der Kunst zum erneuten Nachtschlaf zu überreden, doch dauerte dies gute 1,5 Stunden, während derer die dicke Katze mehr oder weniger pausenlos versuchte, sich durch die Stubentür zu kratzen. Ha, aber die ist dick, da reichen anderthalb Stunden nie im Leben 😛

Irgendwann nach Stunden und Tagen des im Arm wiegen und gut zureden war das Kindlein bereit, ins Bettchen gebracht zu werden. Mein Feierabend hatte sich halbiert und mein linker Arm tut jetzt weh wie sonst was und fühlt sich so schlapp an, dass ich damit kaum das Knabbergebäck zum Ausklang des Tages zum Mund führen kann.

Gute 10 Kilo sind eben nicht mehr so einfach in den Schlaf zu schaukeln :/

Von Flüchtlingen, Politikern und Schreihälsen

Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich am 11.11. angefangen, nicht fertig bekommen und plötzlich überschlugen sich die Ereignisse …

Seit Monaten verfolge ich aufmerksam die Flüchtlingsthematik, das derzeit alles überstahlende Thema in den Medien. Erinnert sich noch jemand an die Griechenlandkrise? Steht das Land eigentlich immer noch kurz vorm Staatsbankrott, oder hat Präsident Tsipras plötzlich im Lotto gewonnen? Was ist eigentlich mit TTIP? Oder der Vorratsdatenspeicherung?
Wenn man ein wenig genauer schaut, sind diese Themen tatsächlich noch hochaktuell, aber Quote machen im Moment nur die Flüchtlinge.

Was ich an sich eine gute Sache und richtig finde. Nur gefällt mir die Richtung, die die Diskussionen in den letzten Tagen eingeschlagen haben, überhaupt nicht. Ganz generell fehlt mir die klare Linie aus der Politik, die immer auch ein verlässlicher Wegweiser für die Bevölkerung sein sollte.

Als Anfang diesen Jahres tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind, gab es einen riesigen Aufschrei, wie man denn diese Tragödie zulassen konnte. Eine Tragödie mit Ansage, denn im Jahr zuvor kündigte Italien an, dass die bestehende und erfolgreiche – sofern man solche Missionen generell als erfolgreich bezeichnen kann – Aktion Mare Nostrum Ende Oktober 2014 aufgrund fehlender Finanzierung eingestellt würde. Stattdessen wurde die Operation Triton gestartet, die mit einem Bruchteil der Kosten Mare Nostrums auch nur einen Bruchteil des Mittelmeeres absichern konnte und eigentlich der Grenzsicherung statt der Flüchtlingsrettung dienen soll. Und so kam es leider, wie es kommen musste und unzählige Menschen kamen direkt vor Europas Haustür ums Leben.

Es folgte aber auch der Aufschrei und plötzlich besann sich die EU darauf, dass man 2012 den Friedensnobelpreis bekommen hatte. Also ein fixer Schwenk. Ohje, die Lage der Flüchtlinge ist ja ganz schlimm, wir müssen was tun. Woher kommen die eigentlich? Und wieso brennt eigentlich der halbe nahe Osten?
Besonders in Deutschland ist die letzte Frage müßig, wenn ein nicht unerheblicher Teil des Bruttoinlandsprodukts durch die hier ansässige Rüstungsindustrie erzielt wird und Waffenexporte in Krisengebiete die Regel sind. Nicht umsonst ist die BRD der drittgrößte Waffenexporteur weltweit. Erst vor 2 Tagen gab es den letzten großen Deal mit Oman, hauptsächlich Kleinwaffen für arabische Länder im Wert von 3,2 Millionen Euro. Mitten rein in die lodernde Feuergrube!

Zwischen all den ertrinkenden Mittelmeerflüchtlingen und den überlebenden Asylsuchenden, die es tatsächlich nach Europa geschafft haben, formierte sich diese unsägliche, kleingeistige Pegida-Bewegung, deren größte intellektuelle Leistung bislang ist, einen Namen zu finden, aus dem ein einigermassen griffiges Akronym gebildet werden konnte. Seit über einem Jahr „spazieren“ besorgte Bürger nun schon wöchentlich durch die Innenstädte Ostdeutschlands, im Westen konnte die Bewegung irgendwie nicht so recht Fuß fassen. Anfangs mag es tatsächlich die Sorge der Bürger gewesen sein, wie mit der Flüchtlingskrise umgegangen werden soll, welche die Menschen auf die Straße trieb, doch bereits nach wenigen Wochen waren die Demonstrationen fest in rechter Hand. Zu Beginn noch versteckt, hinter vorgehaltener Hand, in besorgten Äußerungen getarnt, oft mit der Einleitung „Ich bin kein Nazi, aber […] das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Doch mit jeder weiteren Woche wurde die rechte Gesinnung der Mitläufer offensichtlicher und auch immer offener zur Schau gestellt.

Mitte des Jahres, kurz nachdem Kanzlerin Merkel einem weinenden Flüchtlingsmädchen ein wenig unbeholfen die Wange streichelte, veränderte sich plötzlich die Stimmung im Land. Zwar brannten immer wieder, zum Glück meist noch leerstehende, Flüchtlingsunterkünfte, aber gleichzeitig setzte eine ungeahnte Solidarität mit den Geflohenen ein. Angestachelt durch Merkels „Wir schaffen das!“ (astrein abgekupftert von Bob, dem Baumeister oder Obamas „Yes, we can“ – je nachdem, welcher Altersgruppe man gedanklich näher steht) gab es eine Solidarität und eine Flut von Hilfsangeboten und Spenden, wie sonst nur nach Jahrhundert– oder Jahrtausendfluten.

Die Hilfsbereitschaft war tatsächlich so überwältigend, dass viele Einrichtungen und Organisationen einen Spendenstopp verhängen mussten, weil sie schlicht nicht mehr mit der Organisation und Verteilung der Spenden und Freiwilligen hinterher kamen. So liegen seit über 2 Monaten bei uns zuhause 4 Umzugskartons mit Kinderkleidung in allen Größen und wir warten darauf, dass der Spendenstopp in unserer Stadt aufgehoben und die Sachen tatsächlich gebraucht werden. Viele tausende Menschen helfen in ihrer Freizeit, damit die ankommenden Flüchtlinge versorgt werden, sie medizinische Hilfe, Nahrung, Kleidung, Deutschkurse, Integrationshilfe und ein wenig menschliche Wärme erhalten.

Und warum auch nicht. Wir in Deutschland hätten den Platz und wir haben die finanziellen Möglichkeiten, diesen Menschen zu helfen. Jedoch wird diese Hilfsbereitschaft immer wieder jäh von Störfeuern aus der Politik, allen voran der CSU, dicht gefolgt von der CDU unterbrochen. Grenzen dicht machen, wird da gefordert. Syrischen Flüchtlingen nur subsidiären Schutz gewähren. Nur nach Dublin-Abkommen handeln. Afghanistan als sicheres Herkunftsland deklarieren.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“
Zwei Monate später begann der Bau der Berliner Mauer.

Mittlerweile schlagen im Minutentakt neue Forderungen der CSU oder CDU ein, wie das Asylrecht beschränkt werden könnte. Allerneueste (19.11.) Forderung ist, dass Asylbewerber ohne Pass umgehend zurückgeschickt werden. Ja ne, is klar.

Da werden Menschen zur Flucht gezwungen, weil ihr Haus zerbombt wurde oder weil Milizen mit Gewehren im Anschlag hinter ihnen stehen. Diese Menschen haben keine Zeit mehr, noch ihre Pässe zu suchen, sie fliehen buchstäblich nur mit dem, was sie am Leibe tragen. Wenn sie Glück haben und das Risiko eingehen können oder wollen, ist wenigstens ihre Familie mit im Gepäck. In vielen Ländern gibt es keine Meldebehörden (mehr) und damit auch keine Pässe oder andere Ausweisdokumente. Pässe können auch bei der Flucht verloren gehen, bspw. wenn das Boot, mit dem der Flüchtling übers Mittelmeer flieht, kentert und nur das nackte Leben gerettet werden kann. Oder Pässe werden von Schleusern abgenommen.  Oder, oder, oder. Die Möglichkeiten sind so vielfältig und die wenigsten davon mutwillig – denn dies ist die Einschränkung der Regierung: „Papiere mutwillig vernichtet oder beseitigt“ – dass entweder alle Asylbewerber ohne Pass unter Generalverdacht gestellt werden oder man diesen Passus auch gleich ganz weglassen kann. Und wohin werden die passlosen Menschen geschickt, ins Nimmerland? Woher weiß denn der Sachbearbeiter, in welches Land abgeschoben werden kann? Oder wird das ausgewürfelt?

Was die Bundesregierung und allen voran Thomas de Maizière da veranstaltet, grenzt in meinen Augen teilweise an Menschenverachtung. Da wird jeder Flüchtling grundsätzlich als Verbrecher und Schmarotzer gesehen, der sich in der gut gepolsterten deutschen Hängematte ausruhen will. Dass da Menschen durchaus bereit sind, für die entgegengebrachte Hilfsbereitschaft etwas zu leisten, dass es Menschen evtl. auch unangenehm sein könnte, überhaupt auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, dass grundsätzlich der Wille zur gesellschaftlichen Teilhabe und Integration besteht, wird allen Asylsuchenden kategorisch abgesprochen. Denken die Großkopferlten und Kleingeistigen tatsächlich so, weil sie selbst in einer vergleichbaren Situation schmarotzend und plündernd im Gastland agieren würden?

Durch den angestrebten begrenzten Familiennachzug jedenfalls werden ganze Familien gezwungen, die unsichere Flucht übers Mittelmeer zu wagen und es wird Alltag werden, Bilder von ertrunkenen Kindern zu sehen. Am Wochenende ist wieder ein Boot gesunken, 13 Menschen sind gestorben, darunter 7 Kinder. Erinnert sich noch jemand an Aylan?

Am Freitag, während nebenbei das Freundschaftsspiel Frankreich-Deutschland lief, unterhielt ich mich mit meiner Mutter über diese Thematik. Meine Ma ist eher einfach gestrickt und für mich daher immer der direkte Draht zum „kleinen Mann auf der Strasse“. Sie hat ja nichts gegen Flüchtlinge, aber das Hotel in der Nähe wird nun doch zur Flüchtlingsunterkunft und sie ist nun gespannt, wann die Lage eskaliert. Für sie gibt es kein „ob“, nur das „wann“. Es ist auch ganz schlimm, dass allerorten die Sporthallen belegt werden, so dass die Deutschen dort keinen Sport mehr machen können, allen voran die Behinderten. Ich weiß nicht, seit wann meine Ma ein so großes Herz für Behinderte hat.

Ich wandte daraufhin ein, dass man die Flüchtlinge doch auch als Chance begreifen kann. Denn niemand, der jetzt Arbeit hat, wird wegen den Neuankömmlingen die Arbeit verlieren. Jeder, der derzeit noch einen Job sucht, hat grob geschätzt ein Jahr Zeit, um einen Job zu finden, bevor die ersten Flüchtlinge in den hiesigen Arbeitsmarkt drängen. Wenn man mal nur die syrischen Flüchtlinge betrachtet, dann ist meine Meinung, dass da eine komplette Gesellschaft auf der Flucht ist. Und natürlich bestand auch eine syrische Gesellschaft aus Gaunern und Dieben am unteren sozialen Ende, aber eben auch aus Ärzten und Ingenieuren am anderen Ende. Und allen anderen Berufen, Menschen, Lebensentwürfen dazwischen. Es gilt jetzt, all diese in unsere Gesellschaft zu integrieren und da würde es am meisten helfen, Abschlüsse anzuerkennen bzw. die Möglichkeit anzubieten, Abschlüsse und Zertifizierungen schnellstmöglich nachzuholen.

Aber was uns das alles kostet, warf meine Ma ein. Jein, war meine Antwort. Was denkst du denn, was mit dem Taschengeld passiert, dass die Flüchtlinge bekommen? Das bleibt hier im Land, das wird hier umgesetzt. In Telefongespräche investiert, in Supermärkten ausgegeben, ein Paar neue Schuhe damit bezahlt. Wenn wir also von 1 Million Flüchtlinge sprechen, dann sind das mehr oder weniger auch 1 Million neue Konsumenten, die zwar mit „unserem“ Geld shoppen, das aber eben auch hier tun, dieses Geld bleibt also im Land.
Sobald die Integration erfolgreich ist, die Menschen eine Wohnung und einen Job haben, zahlen sie in unsere Sozialsysteme ein. Wenn dies dann dauerhaft so bleibt, sind die Kosten für die Flüchtlingsunterkünfte und die Verpflegung ebenso schnell wieder ausgeglichen. Dazu muss man aber Integration wollen und fördern. Dies funktioniert jedoch nicht, wenn man den Flüchtlingen die Sprachkurse in Rechnung stellt. Wenn ich als Flüchtling wählen muss, ob ich dafür bezahle die Sprache des Landes zu lernen, bei dem nicht mal sicher ist, ob ich bleiben darf/kann/will oder ob ich das in einen Anruf mit meiner Familie investiere, um herauszufinden, ob diese noch in Sicherheit ist, dann wüsste ich, wie ich mich entscheide und es wäre mir in dem Moment egal, ob es mir als mangelnder Integrationswille unterstellt würde oder dass es nur „symbolische“ 5 Euro sind.

Trotzdem wird uns das alles angelastet, wir müssen das am Ende alles bezahlen und du wirst sehen, schon bald steigen die Krankenkassenbeiträge, sagte meine Ma. Da war im Fernsehen bereits die erste Explosion zu hören gewesen.
Ma, ganz ehrlich, sagte ich, wenn ich in deren Lage wäre, ich würde genauso fliehen. Wenn Krieg herrschte und ich nicht wüsste, ob mein Haus am nächsten Tag noch steht. Oder wenn die Arbeitslosigkeit bei über 50% liegt und ich, egal wie sehr ich mich bemühe, keinen Job finden kann und meine Kinder hungern müssten, ich würde ebenso versuchen, anderswo ein besseres Leben aufzubauen. Ich würde alles tun, um meine Familie zu schützen.

Im Fernsehen ist die zweite Explosion zu hören und meine Ma schweigt. Ich weiß, sie würde zu den Spaziergängen von Pegida gehen, aber sie weiß auch, dass ich ihr hinterher sowas von die Leviten lesen würde, dass es zum Streit kommen würde und sie dadurch ihre Enkel viel seltener sehen und hören würde. Also bleibt sie daheim und wettert vorm Fernseher gegen die Asylanten und klatscht insgeheim Beifall, wenn Ungarn die Grenze dicht macht.

Ich weiß, dass meine Ma so denkt, schon immer so dachte. In unserer Stadt gibt es kaum Ausländer, ihr Intellekt ist definitiv nicht einsteinschen Ausmasses und ihre Interessen drehen sich mehr oder minder um Heim und Herd. Für die weltpolitische Großlage hat sie keinen Sinn, aber sie lässt sich gerne von einfachen Meinungen und Stimmungen beeinflussen. Fette Schlagzeilen, einfache Losungen, nur nichts Kompliziertes, das Leben ist schließlich schon kompliziert genug. Und bitte nichts, was den eigenen hart erkämpften mittleren Wohlstand gefährden könnte.
Immerhin konnte ich sie soweit bringen, dass sie eingesehen hat, das nicht die Flüchtlinge das Problem sind, sondern die Regierung, die nichts tut, um die Lage im Nahen Osten zu stabilisieren, sondern im Gegenteil noch Waffen in die Krisengebiete exportiert, die Afrika seelenruhig verhungern lässt, die sich nicht durchringen kann, bei (Ebola-)Epidemien tatkräftige Hilfe zu leisten und das lieber regierungsfernen Organisationen überlässt. Dass ein mächtiges Land wie Deutschland in Person Angela Merkels mal so richtig mit der Faust auf Europas Tisch hauen müsste und sagen: Wisst ihr, ich hab die Faxen dicke! Entweder jedes EU-Land nimmt entsprechend viele Flüchtlinge analog der jeweiligen Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung auf, oder die Subventionen werden gestrichen und die Länder, die mitmachen wollen, können dieses gesparte Geld dann zur Bewältigung der Flüchtlingskrise verwenden.

Ja, das wäre mal ein Zeichen. Ein wenig bigott durchaus, denn Deutschland hat sich die vergangenen Jahre immer fein auf dem Dublin-Verfahren ausgeruht. Vielleicht wäre es auch vorbei mit der Einheit Europas, aber so richtig solide war die doch nie, von den Kern-/Gründungsländern eventuell mal abgesehen.

Doch das wird wohl nicht passieren. Stattdessen gibt es immer wieder Vorschläge, wie man die Grenzen wenn schon nicht durch tatsächliche Mauern und Zäune, dann durch Vorschriften und Gesetzesänderungen dicht machen kann. Bei fast jedem Artikel zu diesem Thema sitze ich kopfschüttelnd da und denke, dass das doch nicht deren Ernst sein kann. Mit christlichen oder sozialen Werten haben diese Vorschläge schon lange nichts mehr zu tun.

Und nach der Lektüre des Artikels wage ich mich in die Niederungen des heutigen modernen Journalismus: in die Kommentarsektion.

Beim lokalen Käseblatt und auch bei SPON erwarte ich schon, dass dem Vorschlagenden verbal Beifall gespendet wird. Je restriktiver der Vorschlag, desto mehr Applaus. Dort brauche ich gar nicht nach vernünftigen oder relativierenden Kommentaren schauen, die gibt es dort schlicht nicht.
Überrascht hat mich, dass die gleiche Art von Kommentaren auch unter Artikeln der Tagesschau stehen. Und unter Artikeln der Zeit. Der Zeit! Von der ich dachte, dass wenigstens dort ein paar Stimmen laut werden, die das ebenso wie ich doof finden.

Nun gebe ich mich der trügerischen Hoffnung hin, dass die vernünftigeren, empathischeren, weiter denkenden Menschen nicht kommentieren, weil sie ebenso wie ich das Gefühl haben, im Getöse der Dagegen-Brüller nicht gehört zu werden oder sie kommentieren erst Stunden nach dem Erscheinen der Artikel, weil sie in der Zwischenzeit mit Arbeiten oder freiwilliger Flüchtlingshilfe beschäftigt waren, und weiter als bis Kommentarseite 10 konnte ich mir die teils menschenverachtenden Ergüsse der Foristen nicht antun und werden deshalb übersehen.

Oder aber es gibt in der Tat nur noch ganz wenige, die denken, dass Menschen, denen es nicht so gut geht wie „uns“ – dem Großteil der deutschen Bevölkerung – und die bei „uns“ Schutz suchen, geholfen werden sollte und das macht mich sehr sehr traurig.

Mag sein, dass ich ein wenig weltfremd durch die Internetfilterblase geworden bin. Meinen Freundeskreis jedenfalls habe ich entrümpelt. Rassistische, menschenfeindliche oder homophobe Ansichten und der-/diejenige darf auf meine Freundschaft dauerhaft verzichten. Bei meinem Facebookbekanntenkreis bin ich weniger restriktiv. Die ganz Radikalen hab ich auch da aus meiner Freundesliste gestrichen, aber ein paar der Andersdenkenden lasse ich ganz bewusst drin, um eben nicht komplett in der Bubble zu versinken. Das ergibt mitunter interessante Konstellationen. So postete eine lesbische Bekannte, die vor einem Jahr von Schweden in die USA migriert ist, ein Meme, in dem konsequent  jegliche Flüchtlingsaufnahme abgelehnt wird, weil damit ja der Terror ins Land kommt und am Besten bewaffnet man sich zusätzlich noch bis an die Zähne. Zeigt mir allerdings nur einmal mehr, dass Logik und gesunder Menschenverstand bei diesen Diskussionen ganz offensichtlich nachrangig sind.

Jetzt bin ich einfach mal gespannt, welches Thema als nächstes kommt. Gerade eben wurde der Vorschlag, dass minderjährige Flüchtlinge unter subsidiärem Schutz ihre Eltern nicht nachholen dürfen, durch Druck seitens der SPD vom Tisch gewischt. „Eine Einschränkung des Familiennachzugs erscheint daher auch im Interesse der Minderjährigen selbst geboten“ war die Begründung des Bundesinnenministeriums.

Bei sowas fehlen mir einfach die Worte!

Nachtrag: mein lokales Käseblatt überraschte mich gestern Abend positiv. Auf Facebook wurde ein Artikel gepostet, wie viel die Flüchtlinge die Stadt dieses und nächstes Jahr kosten werden und wie viele Flüchtlinge letztendlich aufgenommen würden. Gleich der erste Kommentar ereiferte sich in üblicher braunsumpfiger Manier, woraufhin tatsächlich viele die Gegenposition ergriffen und mit fundierten und empathischen Kommentaren den Hasstreibern entgegentraten. Hat so ein wenig meinen Glauben an die Menschheit wieder hergestellt 🙂

Wer schreibt, der bleibt

Uralte Weisheit, bewahrheitet sich immer wieder 😉

Aktuell geht es dabei um ein Thema bei mir in der Firma, bei dem der Vorstand massiv drängelt, weil die involvierten Kunden so langsam ungeduldig und auch ein wenig ungehalten werden.

Letzten Donnerstag habe ich dazu bereits eine Vorlage erstellt, wo zwei Entscheidungsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen und vor allem Kosten gegenüber gestellt werden. Zumindest war das der Plan, nur scheiterte es an den Kosten. Es gibt nämlich eine spezielle Abteilung bei uns, die sich nur darum kümmert, bei verschiedensten Anbietern Angebote und Kostenvoranschläge einzuholen und nach der Entscheidung für eine Option die entsprechende Bestellung analog des Angebots auszulösen.

An sich eine feine Sache, da diese Abteilung weiß, welche Lieferanten zuverlässig sind und in der Vergangenheit gute Angebote abgegeben haben. Da es sich aber nun um ein Vorstandsthema handelte, war die Angebotseinholung ein wenig dringlicher als sonst üblich. Ich wies die zuständige Kollegin mehrmals darauf hin, aber es kam einfach ein Angebot. Stattdessen wurde mir gesagt, ich solle doch ein altes Angebot nehmen und mir die Zahlen selbst ausrechnen. Im Prinzip ja nicht der schlechteste Ansatz, nur ging es im alten Angebot um die 10-fache Bestellmenge und bei solchen Zahlen greifen eine ganze Reihe von Rabatten und Sonderkonditionen, so dass ich Gefahr lief, einen viel zu niedrigen Preis für das Projekt zu veranschlagen. Als ich das erklärte – worauf die Kollegin eigentlich auch selber hätte kommen sollen – meinte sie, sie würde nochmals nachfragen und sich dann melden, sobald das Angebot da wäre.

Eine Woche später gab es immer noch kein Angebot und mittlerweile eskalierte die Situation. Der Vorstand rief mich persönlich an, ich rief meinen Chef an, wir riefen die Beschaffung an, der Vorstand rief mich erneut an, mein Chef rief den Vorstand an und am Ende bekam ich eine Mail mit dem bereits bekannten alten Angebot und der Aufforderung, doch einfach 5% auf die Preise drauf zu schlagen.

Fand ich jetzt immer noch äußerst suboptimal, aber bevor mich der Vorstand ein drittes Mal anruft, schrieb ich die Vorlage fertig und schickte sie direkt zum Vorstand.

Keine Minute später stand der Auftraggeber für das Projekt bei mir im Büro und wollte wissen, warum das Ganze so lange gedauert hat. Und weil ich zum Glück eben nicht nur alles telefonisch geregelt, sondern auch hin und wieder eine Email geschrieben hatte, konnte ich lückenlos nachweisen, dass unsere Abteilung alle Aufgaben zeitnah erledigt sowie alle Beteiligten über den jeweils aktuellen Stand informiert hatte.

Nur schade, dass der Vorstand mich jetzt als Ansprechpartner auf dem Schirm hat, ich wäre gerne noch eine ganze Weile unerkannt unterm Radar geflogen. Macht das Leben wesentlich ruhiger und außerdem krieg ich viel zu wenig Geld, um in solchen Situationen freiwillig meinen Kopf hinzuhalten 😉