Adventskalender – Türchen 7: Das Versteck

In einer Zeit, als ich nicht mehr ganz Kind, aber eben auch noch nicht ganz erwachsen war, wandelte sich auch mein Verständnis von Weihnachten. Ich wusste, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und dass meine Eltern die Geschenke kauften. Trotzdem konnte man mich noch mit der „Lieb sein, sonst Rute“-Masche ködern.

Was sich nicht gewandelt hatte, war die Spannung, mit der ich den Weihnachtsabend erwartete. Vor allem den Moment, an dem endlich die Geschenke ausgepackt werden durften.

Während dieser Phase war mir das Warten eines Weihnachtens zuviel und als ich alleine zuhause war, machte ich mich an die Suche nach Geschenken. Ich schaute in allen Schränken nach, im Keller, in Schubladen, hinter Kommoden. Ich fand diverse Geschenke, alle von meiner Wunschliste und ich freute mich diebisch darüber.

Leider musste ich die Freude vorerst für mich behalten, da meine Eltern nicht erfahren durften, dass ich gestöbert hatte. Der Weihnachtsabend kam und mit ihm der Moment, an dem die Geschenke ausgepackt wurden. Ich packte meine Päckchen aus, aber rechte Freude wollte sich nicht einstellen, wusste ich bereits, was drin war. Ich versuchte, Freude und Überraschung zu spielen, um meine Eltern nicht zu enttäuschen, aber das gelang mir nur mässig, zu gewöhnlich waren die Geschenke durch meine Stöberei geworden.

Ohne es zu beabsichtigen, hatte ich mich selbst der größten Freude zu Weihnachten beraubt. Seit dem habe ich nie wieder gestöbert, nie auch nur ansatzweise versucht herauszufinden, was mir denn möglicherweise geschenkt werden würde.

© Foto von Flickr/Kevin Dooley „Christmas from the present’s perspective“, (CC BY 2.0)

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Adventskalender: Türchen 6 – Das Klebeband

Ich wuchs in einer Zeit und in einem Land auf, welches vor allem durch den Mangel geprägt wurde. Gutes Brot war selten, Butter gab es nicht immer, Obst und Gemüse nur in der jeweiligen Jahreszeit und für exotische Früchte musste man stundenlang Schlange stehen. Auf Autos wartete man mehrere Jahre und in der Zwischenzeit war man damit beschäftigt, eventuell später benötigte Ersatzteile für den fahrbaren Untersatz vorsorglich einzutauschen.

In jener Zeit hatten viele Dinge einen völlig anderen Wert als heute, wo ich jederzeit alles haben kann. So finde ich immer wieder in alten, dicken Kinderbüchern sorgfältig glatt gestrichenes Einwickelsilberpapier von Schokoladenweihnachtsmännern aus dem Westen. Manchmal ist es auch die Papierumhüllung einer Tafel Schweizer Schokolade. Alles aufbewahrt, weil es das eben nicht jeden Tag gab und dadurch wertvoll war.

Ebenso wurden viele Dinge mehrfach verwendet. Das Geschenkpapier wurde nicht einfach aufgerissen und danach weggeworfen, nein, das Geschenk wurde vorsichtig aus seiner Verpackung gelöst, das Papier ordentlich gefaltet und in einer Schublade für die nächste Verwendung gelagert, ebenso wie das Geschenkband. Damals war es geradezu frevelhaft, das kostbare Papier mit Klebeband zu verschandeln und es so unbrauchbar zu machen.

Aus jener Zeit stammt vermutlich meine Abneigung, Klebeband zum Geschenke verpacken zu benutzen. Verstärkt wurde diese Abneigung, als ich diverse Präsente bekam, die teilweise so mit Plastik zugeklebt waren, dass man das Papier nur noch zerschneiden konnte, um an den Inhalt zu gelangen.

Ich weiß, dass es ein wenig Mühe erfordert, Geschenke ohne diese kleinen praktischen Helferlein zu verhüllen, aber mit ein wenig Übung und dem einen oder anderen helfenden Finger ist das durchaus möglich. Für mich ist das in etwa so, wie einen Brief per Hand mit einem Füller zu schreiben, anstatt nur schnell eine Email zu tippen.

Am Ende ist die Verpackung jedoch völlig egal, denn die Devise lautet immer:
Der Inhalt ist das Wichtigste! 😉

Fröhlichen Nikolaus!

Adventskalender: Türchen 5 – Negative Weihnachtscharts: Platz 5

Es gibt eine Unmenge an Weihnachtsliedern und sobald der 1. Dezember oder der 1. Advent da ist, schalten sämtliche Radiostationen dieser Welt in den Weihnachtsmodus um und berieseln den geneigten Hörern mit einer nicht enden wollenden Schleife dieser mehr oder weniger schönen Werke. Im Adventskalender gibt es daher hinter 5 Türchen meine persönliche Minusweihnachtsliedtabelle.

Auf Platz 5 rangiert Band Aid’s „Do They Know It’s Christmas“.

An sich ja nicht so schlecht, aber es wurde so oft gespielt, dass sich bei mir mittlerweile ein leichter Würgereiz einstellt, sobald ich nur die ersten Takte höre.

Ich verzichte auf eine Youtube-Verlinkung, das Ohrwurmquälpotential ist auch so schon groß genug 😉

 

© Foto von Flickr/Kevin Dooley „Dicken’s Village – Teaman & Crupp Fine English China“, (CC BY 2.0)

Adventskalender: Türchen 4 – Der Wunsch

Meine Mama ist ein Mensch mit relativ wenigen Interessen und keinen Hobbies, wenn man von exzessivem Putzen und Kochen mal absieht. Sie hat auch keine besonderen Vorlieben, was Süßigkeiten oder Knabbereien angeht, sie liest selten bis gar nicht, sie geht nie ins Kino, hat keine Lieblingsmusik oder ist Fan einer Band oder eines Künstlers und sie sammelt nichts oder was auch immer man sonst als Geschenkebasis heranzieht. Diese Konstellation macht es mir seit je her schwer, Geschenke für sie zu finden, die ihr auch gefallen könnten. Diverse Versuche scheiterten und die Enttäuschung war auf beiden Seiten recht groß.

Als ich als Teenager in der Weihnachtszeit mal wieder vor der Frage stand, was ich schenken sollte und mir partout nichts einfallen wollte, wandte ich mich an meine Ma und fragte sie einfach. Als Antwort bekam ich: „eine liebe Tochter“.
Da ich mich im Allgemeinen eher selten wie die Axt im Walde aufgeführt habe, fand ich den Wunsch jetzt nicht so dolle, weil es einfach nichts besonderes war. Immer wieder fragte ich meine Ma in der Adventszeit, ob sie nicht doch noch einen Wunsch habe, während ich mir gleichzeitig nächtelang den Kopf zerbrach. Aber außer dem 10. Küchenmesser oder den 15. Kochlöffel wollte mir einfach nichts einfallen.

Also ließ ich es am Ende drauf ankommen und erfüllte meiner Ma ihren Wunsch und war eine liebe Tochter. Als es am Heiligen Abend zum Verteilen der Geschenke kam, hatte ich kein Geschenk für sie und sie war verständlicherweise wahnsinnig enttäuscht. Auch meine Antwort, dass ich doch ihrem Wunsch entsprechend eine sehr liebe Tochter bin, konnte sie nicht versöhnen. Es folgte ein recht frostiges Weihnachten, nicht das letzte dieser Art.

Aber immerhin äußert meine Ma seitdem jedes Jahr Anfang Dezember mindestens einen Wunsch und es war nie mehr „die liebe Tochter“, die bekommt sie nämlich auch so!

© Foto von Flickr/JD Hancock „Jum-bow“, (CC BY 2.0)

Flunkern für Fortgeschrittene

Erzählt mir der Große heute morgen:

„In der Hofpause, wenn wir Fußball spielen, da hab ich auch schon mal einen Pokal gewonnen.
Und eine Medaille. Einen Pokal und eine Medaille. Jahaa!“

„Das ist toll! Warum hast du mir die noch nicht gezeigt, ich würde sie mir gerne mal anschauen.“

„Die sind noch in der Schule.“

Kurze Denkpause.

„Auf dem Jungenklo.
Da haben wir die nämlich hingestellt.“

„Das ist aber ein eingewöhnlicher Ort für Medaillen und Pokale.“

„Das ist bei uns aber an der Schule so.“

„Oder liegt es daran, dass du mich angeflunkert hast und die Medaillen gar nicht existieren?“

„Doch, doch, die gibt es schon. Und meine Medaille ist nämlich aus echtem Gold und nicht wie die Pokale aus Knete. Wenn man die Knete nämlich da dran pappt und dann wieder abmacht und dann wieder irgendwo anders dran macht und die dann abmacht, dann wird die immer weniger, weil nämlich immer etwas von der Knete an den Sachen hängen bleibt. Aber meine Medaille ist ohne Knete, die wird nie weniger, weil …“

Adventskalender: Türchen 3 – Schenken

Schenken

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
sei Dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei, was in Dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk, daß Dein Geschenk
Du selber bist.

(Joachim Ringelnatz)

 

© Foto von Flickr/Dr. Wendy Longo „Holiday Bokeh“, (CC BY-ND 2.0)

Adventskalender: Türchen 2 – Die Weihnachtsgurke

Auf den verschlungenen Pfaden, die einen das Leben manchmal so entlang führt, habe ich bei Facebook einige amerikanische Freunde (ja, tatsächlich Freunde und nicht nur bloße Bekannte) kennengelernt. Eine dieser Freundinnen sprach mich vor ein paar Jahren an, was es denn mit der deutschen Tradition der Weihnachtsgurke auf sich hat.

Leider konnte sie über Facebook nicht sehen, wie verwirrt ich ob dieser Frage geguckt habe. Ich fragte nach, was sie denn mit Weihnachtsgurke und Tradition meinte und sie erzählte mir:
Der Weihnachtsbaum wird in den USA ja bereits um den ersten Advent herum aufgestellt und reichlichst mit Glitzer- und Leuchtkram dekoriert. Mitunter so reichlich, dass man gefahrlos einen künstlichen Baum unter der Dekoration verstecken kann, ohne dass das großartig auffällt. Zwischen all die bunten Christbaumkugeln und Perlenketten wird außerdem eine Weihnachtsgurke gehangen. Wer diese Gurke als erstes entdeckt, bekommt als Belohnung ein kleines Extrageschenk. Diese Überraschung ist hauptsächlich für Kinder gedacht und je nach Alter der Kinder variiert die Größe der Gurke.

Mir war diese Geschichte absolut unbekannt und wie ich an anderer Stelle bereits ausführte, sind wir beileibe keine Anfänger, was Weihnachtsbaumdekoration angeht.
Da sich meine Erfahrungen jedoch nicht auf ganz Deutschland erstrecken, konsultierte ich Wikipedia, aber auch dort war von der Tradition nichts bekannt. Ich erklärte all diese Umstände meiner Freundin und wir amüsierten uns eine ganze Weile köstlich darüber.

Allerdings ziert seitdem eine kleine, grüne Gurke sehr versteckt unsere Weihnachtsbäume und wer die Gurke entdeckt, bekommt ein kleines Extrageschenk 😉

 


Gurkenbild: „Weihnachts Gurke“ von Christbaumschmuck der Firma Inge-Glas, Neustadt bei Coburg, Deutschland – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weihnachts_Gurke.jpg#/media/File:Weihnachts_Gurke.jpg

Adventskalender: Türchen 1

Weil das jetzt irgendwie alle machen, warum auch immer, dachte ich, ich bastel ebenso einen virtuellen Adventskalender. Heute also Türchen 1, was jetzt wirklich überraschend kommt 😉

Beim gemeinsamen Frühstück werteten meine lieben Kollegen ihre Adventskalender aus und mit welch leuchtenden Augen der jeweilige Nachwuchs die selbstgeklöppelten Säckchen, Kästchen oder Socken aufgefummelt und den Inhalt, meist irgendwas biologisch abbaubares, herausgeklaubt hat.
Ich erzählte, dass wir nur industrielle, immerhin selbst gekaufte Adventskalender aufgehängt haben und die schokoladigen Inhalte wegen chronischem morgendlichen Zeitmangels noch nicht von Kinderhänden großflächig in der Wohnung verteilt werden konnten.

Ich wurde sehr entsetzt und sehr schief angeschaut – mal wieder!