Eiskalt (ab-)serviert!

Die Beiträge in letzter Zeit sind ein wenig rar, weil ich schlicht zu beschäftigt bin, um ausschweifend zu schreiben und für kurze Notizen bin ich nicht der Typ. Ich hätte sicherlich darüber berichten können, wie sich unser neues Auto fährt oder wie unverschämt hoch ich die Bereitstellungsgebühren der Bank für die Anzahlung eben jenes Autos fand oder wie ungerecht, dass die Ärztin mir erst so ein schickes Sitzkissen für meinen gebrochenen Steiß verschrieben hat, als ich meinte, ich wolle unbedingt wieder arbeiten gehen, fürs zuhause Rumlungern hätte es das nicht gegeben, da kann man ja auch die Schmerzen ertragen.

Genug Aufregpotential wäre also vorhanden, doch gab es heute Neuigkeiten, die ein bisschen wieder meinen Glauben ans Karma hergestellt haben.

Ganz unschuldig erkundigte sich gestern einer meiner ehemaligen Kollegen, wie denn die Sache mit dem Anwalt und der Abfindung ausgegangen sei. Ich erzählte ihm kurz von der endgültigen Vereinbarung und wie menschlich enttäuscht ich von meiner ehemaligen Chefin bin, aber dass dafür meine neuen Kollegen ganz großartig sind und mein angeschlagenes Ego gut wieder aufbauen. Darauf erwiderte er ganz kryptisch, ich solle doch bei meiner alten Firma anrufen und Susi verlangen, den Rest könne ich mir ja selbst zusammenreimen.

Oar, sowas kann ich ja gar nicht. Für mich bedeuten solche Aussagen alles Mögliche: Kündigung, Beförderung, Versetzung, …

Ich hakte nach, schwor hoch und heilig, dass ich es nicht weiter tratschen würde – schließlich sind wir hier unter uns – und letztendlich offenbarte mir der Kollege, dass Susi hochkant aus dem Unternehmen geflogen ist. Nichts genaues weiß man nicht, aber das Gerücht geht, dass sie Firmeninterna ausgeplaudert habe und deswegen fristlos entlassen wurde.

Am liebsten würde ich am Montag in der Mittagspause in meine alte Firma fahren, mich vor meine ehemalige Chefin stellen und laut „Ällerbätsch Ällerbätsch“ rufen. Ich weiß, in dieser Hinsicht bin ich nie übers Kindergartenstadium hinaus gekommen, aber für mich ist das ein wahres Inneres Bratkartoffelessen 🙂

Ich bin dann mal eine ausgiebige Runde tanzen und zwar dazu:

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Ist ja kein Beinbruch

Öfter mal was Neues! Obwohl mit gebrochenen Knochen ins Neue Jahr starten hatte ich schon mal. Diesmal ist es ein Arbeitsunfall. Als Informatiker sind die Möglichkeiten, auf Arbeit zu verunfallen eher gering, es sei dann, man tackert sich versehentlich in den Oberschenkel oder klemmt sich einen Finger in der Tastatur ein. Da sind die Möglichkeiten auf dem Weg von und zur Arbeit ungleich größer und so ist auch mein Arbeitsunfall ein Wegeunfall.

Hier bei uns im Flachland war das Wetter die letzten Tage ein wenig unschlüssig, ob es uns nun doch den richtigen Winter schicken soll oder uns lieber noch ein wenig veralbert. Gestern morgen entschied es sich für die Veralbern-Option und zeigte 7 Uhr morgens satte 2 Grad plus bei sternenklarem Himmel.

Der Große und ich machten uns auf den Weg zur Schule. Der Boden war ein wenig feucht, aber die Temperaturen waren nicht niedrig genug, um das Wasser gefrieren zu lassen. Die auf dem Fußweg benutzten Gehwegplatten sind im Normalzustand schon glatt und bei Feuchtigkeit wird es schnell rutschig, aber es lag noch genug Split vom letzten Wintereinbruch auf dem Weg, um Schlimmeres zu verhindern.

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Bis auf diese eine Stelle.

Dort, wo seit über drei Jahren moderne Stadthäuser gebaut werden sollen, fehlen Bäume oder Häuser am Straßenrand und der Wind kann ungehindert durch diese Lücke pfeifen. Das hat den Boden gefrieren lassen und die Gehwegplatten waren spiegelglatt. Da die 100m vorher alles gut und unrutschig war, rechnete ich Null damit und mir zog es urplötzlich die Füsse weg und meine nicht unerhebliche Schwungmasse folgte brav der Schwerkraft. Das sah bestimmt aus wie in diesen Schwarzweiß-Slapstickfilmen:

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Jedenfalls war das Ergebnis nur halb so lustig für mich, denn mir taten mein Hintern und mein linkes Handgelenk ganz schön weh. Aber ein echter Indianer kennt keinen Schmerz und das Kind musste zur Schule und der Bus wartete auch nicht auf mich.

Auf Arbeit angekommen, ließ ich mich wie gewohnt auf meinen Bürostuhl plumpsen und sprang wie von der Tarantel gestochen wieder auf, denn das tat mal höllisch weh. Ich setzte mich ein wenig vorsichtiger hin – besser, aber immer noch weit entfernt von gut. Nach ein wenig Rumrutschen und Justieren saß ich dann schief auf halbrechts und konnte einigermaßen arbeiten.

Als mein Chef eine halbe Stunde später kam, erzählte ich ihm vom Missgeschick und er meinte, ich solle das von einem Arzt begutachten lassen und auf jeden Fall vorsorglich das Arbeitsunfallformular ausfüllen. Ich meinte darauf hin, dass ich unbedingt noch bei der Schulung für unser Ticketsystem an diesem Tag dabei sein wollte. Diese wurde bereits einmal verschoben und eine meiner Aufgaben ist es, eine verbindliche Handlungsanweisung für eben jenes Ticketsystem zu erstellen. Die Schulung zu verpassen hätte eine weitere 2- oder 3-monatige Verzögerung des ganzen Themas zur Folge gehabt.

Also Zähne zusammenbeißen und weiterhin schief auf den Stühlen rumlümmeln. 13 Uhr war ich endlich raus aus der Firma und bin nach Hause, weil mein Hausarzt erst um 14 Uhr aufmacht. Pünktlich fand ich mich dort ein, nur um mir mitteilen zu lassen, dass Arbeitsunfälle nicht vom Hausarzt, sondern von einem Durchgangsarzt begutachtet werden müssen.

Ahja.

Zum Glück gibt es bei uns ums Eck eine chirurgische Notfallklinik, die genau das tut. 3 Bushaltestellen später stand ich in dem vollen Wartezimmer, erzählte der Empfangsdame von meinem Missgeschick und sie stellte mir im Gegenzug ganz viele Fragen: Unfallhergang, Unfallzeitpunkt, reguläre Arbeitszeiten, Firma (Adresse wusste die Dame auf Anhieb, scheinen wohl öfter welche von uns zu verunfallen und sich dort behandeln zu lassen), Berufsgenossenschaft. Uh, mit der letzten Frage hatte sie mich erwischt und eiskalt als Ersttäter enttarnt.

Ich suchte die Telefonnummer unserer Hotline raus, rief an, und erhielt nach kurzer Beratung im Hintergrund die Antwort: Verwaltungsberufsgenossenschaft. Stolz trat ich vor die Empfangsdame und sie schalmeite mir schon VBG entgegen – definitiv war ich nicht die Erste.

Trotz des vollen Wartezimmers kam ich schnell dran und wurde zuerst zum Röntgen geführt, wo ich mich flach auf den Rücken auf die Röntgenliege legen sollte. Bis dahin hatte ich die Schmerzen gut im Griff, aber durch das Hinlegen und den Druck auf den unteren Rücken änderte sich das schlagartig. Zwei Knochenfotos und ich durfte mich wieder anziehen und vor dem Behandlungszimmer Platz nehmen.

Drei Minuten später rief mich der Arzt herein und fragte, wo es weh tut.
„Da unten.“
„Wo, da unten? Kreuzbein?“
„Na, dann unten eben, unterm Kreuzbein.“
„Dort?“ Und bohrte mir beiden Daumen da unterm Kreuzbein in die Haut.
„JAAAAAA, genau dort.“
„Oder doch eher hier oben?“ Und drückt schmerzfrei am Kreuzbein rum.
„Nein, dort nicht, darunter. Aber nicht nochmal die Daumen reindrücken!“

Er nickte, setzte sich an den PC und drehte den Monitor zu mir: Steißbeinbruch!

Behandlungsmöglichkeiten gleich Null, nix mit eingipsen oder sowas, sondern einfach nur abwarten und Ibuprofen hochdosiert nehmen. Er schrieb mich bis nächsten Freitag krank und bat mich, an jenem Freitag zur Kontrolle vorbei zu kommen.

Mach ich, Boss, aber nur, wenn Sie dann nicht mehr ihre Daumen da reinbohren!

 

© Foto von Flickr/onnola „Spur der Sterne“, (CC BY-SA 2.0)

© Gif von hier.

 

Motivationsloch

Irgendwie fehlt mir gerade jeglicher Antrieb.

Nein, SO stimmt das nicht. Ich hätte Bock auf genau zwei Sachen: Entweder eine richtig lange, gute Geschichte schreiben oder aber stundenlang und vermutlich laut fluchend durch The Secret World zu ziehen.

Zu beidem fehlt mir leider die (Frei-)Zeit und zu ersterem ein spannendes Thema, in das ich mich so richtig reinknien könnte.

Und so sitze ich auf Arbeit und warte auf den Feierabend. Aktuell ist hier gerade sehr wenig los, wofür ich grundsätzlich sehr dankbar bin, da die Wochen vor Weihnachten und die erste Arbeitswoche im neuen Jahr der absolute Wahnsinn gewesen sind. Gestern und heute war mein Chef so mit zwei Terminen beschäftigt, dass er nur morgens ganz kurz am Platz war und ich den Rest des Tages das Büro für mich hatte. Ich hätte also an den Themen weiterarbeiten können, die ich wegen des Chaos immer wieder vor mir hergeschoben hatte und auf die ich so ganz generell schon Bock habe. Themen, die mich interessieren und die ich kann.

Also lese ich alle Nachrichtenseiten, von denen ich einigermassen was halte oder stöbere bei Wikipedia. Aber davon geht die Zeit nicht rum, andererseits brauche ich die Überstunden, um Freitags eher gehen und den Kurzen zum Fußballtraining begleiten zu können.

Ein bisschen vermisse ich schon die ausgedehnte Freizeit meiner Schwangerschaft und Elternzeit.

Mal schauen, wie es nächste Woche wird, da hat mein Chef nämlich Urlaub!

Stolz wie Oskar!

Freitags, 16 Uhr ist das Fußballtraining des Großen. Also eile ich kurz nach 15 Uhr zur Schule, hole den Kurzen vom Hort ab, hoffe inständigst er hat seinen Turnbeutel nicht im Klassenzimmer vergessen, dann gehen wir kurz nach Hause, ich packe den Turnbeutel mit seinen Fußballsachen voll und dann ab zur Turnhalle, wo im Winter das Training stattfindet.

Diesen Freitag nun das gleiche Spielchen, alles klappte soweit, wir waren pünktlich beim Training und während ich es mir auf einem Stapel Turnmatten in der eher spärlich geheizten Halle gemütlich machte, kam der Trainer an und wünschte der neben mir sitzenden Mutter und mir ein gesundes neues Jahr und fragte dann im gleichen Atemzug an, ob unsere beiden Kinder denn am nächsten Tag an einem Turnier teilnehmen können. Start um 9 Uhr, Treff 8:15 Uhr.

Mein erster Impuls war, abzusagen, da der Termin noch mitten in meiner Tiefschlafphase lag. Doch dann dachte ich, es wäre eine coole Möglichkeit, das Kindlein zum einen wertvolle Spielerfahrung sammeln zu lassen und andererseits stellte ich mir vor, dass bei solchen Turnieren Talentscouts der großen Vereine zu finden sind, die nach talentiertem Nachwuchs schauen.

Mir persönlich ist es völlig egal, ob mein Kind mal Profifußballer oder Elektriker wird, Hauptsache er kann das machen, was ihm wirklich Freude bereutet. Und aktuell ist sein größter Wunsch, Fußballer zu werden. Glücklicherweise haben wir in der Stadt einen Klub, der ihm dies ermöglichen könnte und der Verein hatte im Dezember relativ kurzfristig einen Talentsichtungstermin für die 2009er Jahrgänge angesetzt, zu dem ich den Großen angemeldet hat. Denn er möchte nicht irgendein Fußballer werden, sondern ein Fußballer bei eben jenem Verein. Die letzten Trainings waren ganz gut verlaufen, er machte gut mit, war konzentriert und immer auf den Ball und die generelle Spielsituation fokusiert – so gut dass eben ein 6-jähriges Kind hinbekommt.
Beim Sichtungstermin allerdings holte er sich beim Aufwärmen eine Schürfwunde am Knie, daraufhin störten ihn seine kurzen Hosen, deren unterer Saum ständig über diese Schürfwunde schabte und er war mehr damit beschäftigt, die Hosenbeine hochzuziehen als wirklich Fußball zu spielen. Zudem hatte er nach einer Stunde keinen Bock mehr, hampelte rum, hörte den Trainern nicht mehr zu, führte die Übungen nur halbherzig oder gar nicht aus und bei den Testspielen lag (!) er lieber im Tor rum, als sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Entsprechend kam eine Woche später die Absage, allerdings mit dem Zusatz „wir werden ihn im Auge behalten“. Ob das nur eine abmildernde Floskel ist oder die jetzt mein Kind für die Zukunft auf dem Zettel haben, weiß ich nicht.

Jedenfalls wollte ich kein Risiko eingehen und dem Kind die Gelegenheit geben, zu zeigen, was wirklich in ihm steckt, falls es eben nicht bloß eine Floskel war. Außerdem war der Trainer die letzten Male ganz angetan von seine Leistungen, steckte ihn aber durch Zufall immer wieder mit den Schwächsten zusammen in eine Gruppe.
Es gibt in der Bambinigruppe des Vereins zwei Kinder, die sind einfach nur unmöglich. Der eine Junge kann nur Gewalt, er tritt, er beißt, er schlägt, klaut anderen Kindern den Ball, oder semmelt volle Kanne gegen den Ball, wenn ein anderes Kind ihn aufheben will. Mein Großer hat dadurch schon diverse blaue Flecken abbekommen, weil sie eben wie gesagt bei jedem Training in das gleiche Team gesteckt werden.
Beim zweiten Jungen bin ich mit immer noch nicht sicher, ob er geistig beeinträchtigt oder einfach nur so doof ist. Wenn man dem Kind was sagt, dann starrt es einen verständnislos an und macht dann irgendwas, meist das Gegenteil vom Gesagten. Selbst wenn ihn der Trainer an die Hand nimmt, die Abläufe Schritt für Schritt erklärt und außerdem noch vormacht, weiß das Kind hinterher nicht, was es tun soll. Ständig müssen ihm Oma, Mutter oder Vater erklären, was es zu tun hat. Es peilt nicht mal, auf welches Tor es zu spielen hat. Und tja, dieses Kind war auch jedes Mal im Team des Großen.

Also ein weiterer Grund für das Turnier, weil dann die AKs nicht dabei sein werden, sondern nur die eher besseren Spieler und der Große bei den Spielen nicht so frustriert ist. Mein Mann fand die Idee nicht so toll, hauptsächlich wegen der Uhrzeit und weil wir eigentlich schon andere Pläne hatten. Nichtsdestotrotz machten wir uns am Sonnabend morgen ein wenig zu spät auf den Weg, wurden mit Turnierklamotten versorgt, der Trainer gab noch kurze Anweisungen und dann ging das Turnier los. Es gab zwei Gruppen, die in der Vorrunde die Teilnehmer des Halbfinales ermittelten. 1. und 2. jeder Gruppen kamen ins Halbfinale.

Für unseren Verein ging es fantastisch los, das erste Spiel wurde 2:0 verloren. Das zweite Spiel  endete 0:0. Da die anderen Spiele ganz gut für uns liefen, reichte ein Sieg im dritten und letzten Spiel der Vorrunde, um noch das Halbfinale zu erreichen. Jedoch waren sowohl Trainer als auch Eltern ob der bisher gezeigten Leistung mehr als skeptisch, dass die Kleinen das schaffen würden. Aber die knieten sich voll rein und schafften tatsächlich einen 1:0 Sieg und zogen als Gruppenzweite ins Halbfinale ein. Dort trafen sie auf den Gruppenersten der zweiten Gruppe und der hatte in der Vorrunde alle Gegner mit mindestens 2:0 platt gemacht.

Entsprechend gedämpft waren die Erwartungen, aber erneut überraschten uns die Kinder. Sie spielten konzentriert und als Team, passten aufeinander und den Gegner auf und kassierten erst in den letzten Sekunden der Spielzeit ganz unglücklich den Gegentreffer. Der Trainer lobte sie trotzdem und zu Recht über den grünen Klee und immerhin bestand ja noch die Chance auf Platz 3, wenn sie den Verlierer des zweiten Halbfinales im kleinen Finale schlagen sollten.

Im Unterschied zu früheren Turnieren hatte der Trainer dieses Mal sogar eine taktische Aufstellung gebastelt. Es gab zwei Spielerblöcke, da wir zu viele Spieler hatten und damit jeder mal dran kommt, wurde ein Auswechselplan geschmiedet, bei dem es fliegende Wechsel wie beim Eishockey geben sollte. Zu Anfang jedoch stand immer die stärkste Mannschaft auf dem Platz. Taktisch wurde in einem 1-2-2 System gespielt, also Torhüter, davor ein Verteidiger, dann zwei Mittelfeldspieler und dahinter zwei Stürmer. Meiner Erfahrung nach war eine solche Aufstellung bisher immer völlig sinnlos, denn in dem Alter spielen die Kinder Fußball, in dem sich alle auf den Ball stürzen und schauen, was dann passiert.

Mein Großer jedenfalls wurde als Verteidiger im ersten Block gesetzt, was ich schon mal gut fand. Mir war in den Trainings aufgefallen, dass er ganz gut in die Gegner grätschen kann und durchaus Talent bei der Balleroberung hat. Wenn er dann allerdings den Ball hat, weiß er nicht, was er damit machen soll und ihm fehlt bislang jeglicher Zug zum Tor, was ihn als Stürmer eher unbrauchbar macht.
Es ist nun einem Kind eher schwierig beizubringen, dass ein Verteidiger ebenso ein ganz wichtiger Spieler ist, wenn bei den Profis fast immer nur die Stürmer oder Torhüter im Fokus stehen. Dementsprechend fand mein Kind das auch eher doof und vorm letzten Spiel – dem alles entscheidenden Spiel um Platz 3 – fragte er den Trainer, ob er nicht auch mal als Stürmer spielen darf. Der Trainer meinte daraufhin, dass er den Wunsch versteht, aber ihn ganz unbedingt als Verteidiger braucht und nicht auf ihn in dieser Position verzichten kann.

Oar, das ging runter wie Öl. So ein Kompliment hatte der Trainer noch nie gemacht. Die beiden vereinbarten dann einen Kompromiss, der Große würde zu Anfang wie gewohnt als Verteidiger spielen und wenn er dann erneut eingewechselt wird, darf er als Stürmer ran. Leider hatte der Trainer die Spielzeit nicht im Blick und so konnte mein Großer nicht nochmal eingewechselt werden.

Das Spiel ging übrigens 0:0 aus und wurde im Elfmeterschießen entschieden, wo unsere Schützen zweimal sicher verwandelten und unser Torhüter spektakulär zweimal hielt. Und so belegte die Mannschaft des Großen mit nur einem während der regulären Spielzeit erzielten Tor und insgesamt nur 3 Gegentoren den 3. Platz im Turnier. Effektiver geht’s nicht.

Die Kleinen konnten die Siegerehrung kaum abwarten, sie wollten endlich den Pokal in die Höhe recken, mussten aber noch das Finale abwarten. In der Zwischenzeit diskutierten sie, wer als erstes den Pokal bekam und ob ihn wirklich jeder mal anfassen dürfte.
Bei der Siegerehrung wurden noch der Torschützenkönig und der beste Torhüter geehrt. Den Torschützenkönig stellte der 2.-platzierte, der beste Torhüter kam natürlich von uns.

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Alles in allem ein gelungenes Turnier und vielleicht hat ja doch ein Scout zugeschaut 😉

Zahnwechsel

Wir hatten schon eine ganze Weile darauf gewartet und jetzt ist er endlich da: der erste bleibende Zahn vom Großen.

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Da normal bei uns eher die Ausnahme ist, schubst der neue Zahn auch nicht wie üblich den alten Zahn vorher aus der Zahnleiste raus, nein, er versteckt sich dahinter, vermutlich ist er schüchtern.

Ich hatte immer inständig gehofft, dass die neuen Zähne erst nach der Schuleinführung kommen, denn ich finde diese Zahnlückenbilder irgendwie gar nicht süß.

Und weil ich das mit dem dahinter rauswachsen nicht kannte, habe ich gegoogelt und mehrere Zahnarztpraxen mit Internetseiten schreiben dort in ihren FAQ, dass dies absolut nicht ungewöhnlich ist und der neue Zahn später, nachdem der alte endlich abgedankt hat, durch die Zungenbewegungen an die richtige Position geschubst wird.

Dann drück ich mal die Daumen, dass dem auch bei uns so ist, denn ich möchte dem Kleenen gerne die langwierigen und schmerzhaften kiefertherapeutischen Maßnahmen ersparen, welche ich ertragen musste!

Neuanfang, mal wieder

Heute kam der Große nach knapp 1,5 Wochen Großelternurlaub nach Hause und ich hatte mir ganz fest vorgenommen, nach meinen riesigen Gewissensbissen der letzten Zeit ihm wenigstens einen schönen Empfang zu bereiten.

Er kam zum Glück als Erster die Treppe hoch und so konnte er sich ungestört in meine Arme werfen. Ich glaube, er war ein wenig überrascht, als ich sagte, es ist schön, dass er wieder da ist. Verdutzt hielt er mir die riesige Dose Plätzchen hin, welche er mit der Oma gebacken hatte. Der Großteil des Nachmittags waren die Großeltern noch bei uns und kümmerten sich abwechselnd um ihn, während ich mich um das neue Handy seiner Oma kümmerte und mein Mann sich um den Laptop seines Opas.

Als die Großeltern weg waren, fing das übliche Gerangel zwischen den Geschwistern an, die Süße malträtierte den Großen, der Rabauke jagte seine Schwester durch die Wohnung, beide verdrückten Unmengen Kekse und fabrizierten dabei tonnenweise Krümel und der Lautstärkepegel war gewohnt enorm. Bis sich mein Mann mit seinem Sohn in sein Zimmer zurück zog, um ungestört die Mathehausaufgaben zu erledigen, die wir während der Ferien völlig vergessen hatten. Die Kleene jagte ersatzweise den Katzen nach, was wesentlich weniger lärmintensiv ist, es sei denn, eine der Katzen kann nicht schnell genug fliehen und fährt stattdessen die Krallen aus.

Das Abendbrot ging auch recht gut über die Bühne und dann kam der kritische Moment, wo der Große ins Bett soll. In der Vergangenheit war das der Zeitpunkt, wo er ein lautes Gejammer anfing, wie sehr er doch die Großeltern vermisse und wieder dorthin zurück will und nichts konnte ihn trösten.

Heute gab es kein Gejammer. Er kam auf mich zu, und bevor er sein übliches Gute-Nacht-Sprüchlein aufsagte, fragte er mich, ob ich ihn vermisste habe. Ich erwiderte, dass ich ihn ganz sehr vermisst habe, er mir sehr gefehlt hat und ich mich auf ihn gefreut habe. Er gab mir spontan einen riesen Knutscher auf die Wange und dann folgte das Sprüchlein. („Morgen früh bin ich ein Stücken größer, ein Stückchen stärker und ganz viel lieber und ein bisschen älter.“ – „Gute Nacht, schlaf schön, träum was süßes, ich liebe dich.“ – „Gute Nacht, schlaf schön, träum was süßes, ich liebe dich.“) Kein Weinen nach den Großeltern, kein Gezeter, dass er ins Bett muss.

Immerhin ein Anfang. Mal schauen, wie es im Alltag weiter geht.

Liebe und Schmerz

Dem einen oder anderen mag es aufgefallen sein: meine Blogaktivität hat rapide abgenommen. Der Adventskalender ist nur zur Hälfte fertig geworden – die andere Hälfte gibt es nächsten Advent, da mindestens die Negativ- und Positivcharts fertig werden sollen – und ohne diese Beiträge sieht es seit September insgesamt doch recht mau aus. Ist nicht so, dass ich nichts mehr zu erzählen hätte, ganz im Gegenteil, in mir stauen sich so viele Geschichten, dass ich überlege, zwei weitere Blogs zu starten.

Immer, wenn es mir nicht gut geht, habe ich das Bedürfnis zu schreiben. Über mein Elend, meine Dämonen, meine seelischen Schmerzen. Gerade in den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass ich definitiv noch viele weitere Sitzungen bei meiner Psychologin gebraucht hätte, ihre Öffnungszeiten (9-15 Uhr) sich Null mit meinen Arbeits- bzw. den Hortzeiten vereinbaren lassen. Heute Nacht ist es wieder besonders schlimm und eine kleine, unschuldig gestellte Frage meines Mannes war der Auslöser.

Der Große ist wie üblich seit Weihnachten auf Urlaub bei den Großeltern, morgen soll er wieder nach Hause kommen. Mein Mann freut sich richtig auf ihn, während mir nur ein tiefer Seufzer gelang. Er fragte mich, ob ich denn den kleinen Rabauken gar nicht vermisst hätte. Wenigstens so ein bisschen. Und was soll ich sagen: Nein. Hab ich nicht.

Diese Tatsache hat mich erschreckt. Sie hat mich traurig, wütend und hilflos gemacht. Seit einiger Zeit nagt in mir das Gefühl, dass ich keine gute Mutter mehr für ihn bin und diese Frage hat diesen Eindruck bestätigt. Ich möchte damit keine Reaktionen à la „doch, du bist eine fantastische Mutter“ erzeugen, ich weiß, dass dem so nicht ist.

Mir geht mein Junge seit geraumer Zeit gehörig auf den Senkel. Wenn ich ihn sehe, bin ich genervt, ich möchte mich nicht mit ihm beschäftigen, wenn er mir etwas erzählt, höre ich nur halbherzig zu und viel zu oft brülle ich ihn nur noch an. Bei den kleinsten Fehltritten ticke ich aus. Bis er weint. Und wenn ich ihn weinen sehe, ist es mir egal. Ich empfinde dann nichts, außer vielleicht ein wenig Triumph.

Mich ekelt mein Verhalten an. Ich hasse mich dafür, mache mir ständig bittere Vorwürfe. Dauernd rede ich mir ein, dass ich das Kind doch lieben müsse, es ist meines, er ist klein, er braucht Liebe, Verständnis, offene Ohren und Arme. Dinge, die ich ihm nicht gebe, obwohl ich müsste. Manchmal denke ich, er wäre ohne mich besser dran, weniger Verletzungen und er könnte seine abwesende Mutter glorifizieren.

Ich frage mich, wie es soweit kommen konnte, denn früher war es ganz anders. Als er klein war, liebte ich ihn abgöttisch. Allein der Gedanke, dass ihm etwas zustoßen könnte, hat mein Herz zusammenkrampfen lassen. Ich habe es nicht ertragen, ohne ihn zu sein, denn nur in meiner Anwesenheit konnte ich sämtliche Gefahren von ihm abwenden. Mir blutete das Herz, wenn ich sah, wie schnell er groß wurde, aber gleichzeitig war ich unglaublich stolz auf ihn und auf alle Dinge, die er gelernt hat. Über allem hing jedoch die Angst, dass das von jetzt auf gleich vorbei sein könnte, wie ein Damoklesschwert über unseren Leben.

In der Vergangenheit wurde ich oft gefragt, wie viele Kinder ich denn mal haben möchte. Ich antworte stets mit: Mindestens zwei, falls mal eins kaputt geht. Als dann das erste Kind da war, erkannte ich, wie schrecklich wahr diese als Scherz gedachte Antwort war. Mir wurde bewusst, dass ich es wohl in der Tat nicht überleben würde, wenn mein süßer kleiner Junge sterben würde. Hätte ich noch andere Kinder, so könnte ich mich nicht einfach aus dem Leben stehlen, sondern müsste für diese weiter da sein, müsste diese lieben und könnte sie wachsen sehen.

Aber noch bevor ich mit der Süßen schwanger war, in einer eh sehr turbulenten und aufwühlenden Zeit, tat mein Herz etwas, was ich nie für möglich gehalten hatte. Es entliebte sich von meinem Kind. Anfangs tat das sogar gut, denn ich lebte nicht mehr jeden Tag in Angst, ich konnte mein Kind loslassen, es in den Kindergarten schicken oder allein mit dem Papa etwas unternehmen lassen. Zu meinem größten Bedauern bin ich dabei unfassbar weit übers Ziel hinaus geschossen.

Bei den Hypnosesitzungen bei meiner Psychotheurapeutin tauchte dieses kleine Mädchen auf. Ein Kind, dem nicht zugehört wurde, welches viel zu selten in den Arm genommen wurde, das nie gehört hat, dass die Mutter stolz auf es ist, welches zu oft geschlagen und noch öfter angeschrien wurde.
Und ich bin derzeit dabei, ein weiteres solches Kind zu erzeugen.

Was mich zusätzlich in Panik versetzt ist, dass sich das im Moment alles zu wiederholen scheint. Ich schaue mein süßes kleines Mädchen an und mein Herz zerspringt fast vor Liebe und Stolz. Ich möchte jede Sekunde bei ihr sein, keinen Moment in ihrem Leben verpassen, immer in der Gewissheit, dass das alles viel zu schnell vorbei sein kann. Wenn ich morgens das Haus verlasse, denke ich zwangsläufig daran, dass sie eventuell nicht mehr nach Hause kommt. Wenn ich sie ins Bett lege, rechne ich jeden Abend damit, dass sie nicht mehr atmet, wenn ich ein paar Stunden später nachschaue. Grundsätzlich jede Situation birgt eine potentielle Gefahr in sich.
Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ob sich bei ihr die Geschichte wiederholt, ob ich mich erneut entliebe, um den täglichen Panikattacken zu entgehen. Oder ob ich es dieses Mal schaffe, mit dem Herzen bei ihr zu bleiben und weiterhin eine liebende Mutter zu sein.

Zudem quält mich die Ratlosigkeit, wie es mit meinem Jungen weiter geht. Dass sich etwas ändern muss, steht außer Frage. Denn da wartet ein kleiner Junge darauf, geliebt, respektiert und beachtet zu werden. Die Welt ist schon voll genug von seelisch verkrüppelten Menschen – einer davon bin ich – da braucht es keine weiteren mehr.

Irgendwie muss ich es schaffen, mich wieder in ihn zu verlieben, ihn mit vor Liebe und Stolz platzendem Herzen anschauen zu können, an seinen Lippen zu kleben, wenn er mir mit leuchtenden Augen seine Welt erklärt und bereit sein, wenn er kuscheln möchte oder getröstet werden will. Ich will ihn wieder vermissen, wenn er nicht da ist. Dafür nehme ich auch gerne sämtliche Panikattacken in Kauf und ertrage die Katastrophenbilder in meinem Kopf.

Bleibt nur zu hoffen, dass der angerichtete Schaden noch nicht zu groß ist und tatsächlich noch etwas übrig ist, das gerettet werden kann.

2015 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 11.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 4 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.