Ist ja kein Beinbruch

Öfter mal was Neues! Obwohl mit gebrochenen Knochen ins Neue Jahr starten hatte ich schon mal. Diesmal ist es ein Arbeitsunfall. Als Informatiker sind die Möglichkeiten, auf Arbeit zu verunfallen eher gering, es sei dann, man tackert sich versehentlich in den Oberschenkel oder klemmt sich einen Finger in der Tastatur ein. Da sind die Möglichkeiten auf dem Weg von und zur Arbeit ungleich größer und so ist auch mein Arbeitsunfall ein Wegeunfall.

Hier bei uns im Flachland war das Wetter die letzten Tage ein wenig unschlüssig, ob es uns nun doch den richtigen Winter schicken soll oder uns lieber noch ein wenig veralbert. Gestern morgen entschied es sich für die Veralbern-Option und zeigte 7 Uhr morgens satte 2 Grad plus bei sternenklarem Himmel.

Der Große und ich machten uns auf den Weg zur Schule. Der Boden war ein wenig feucht, aber die Temperaturen waren nicht niedrig genug, um das Wasser gefrieren zu lassen. Die auf dem Fußweg benutzten Gehwegplatten sind im Normalzustand schon glatt und bei Feuchtigkeit wird es schnell rutschig, aber es lag noch genug Split vom letzten Wintereinbruch auf dem Weg, um Schlimmeres zu verhindern.

15802783379_0805674d4c_z

Bis auf diese eine Stelle.

Dort, wo seit über drei Jahren moderne Stadthäuser gebaut werden sollen, fehlen Bäume oder Häuser am Straßenrand und der Wind kann ungehindert durch diese Lücke pfeifen. Das hat den Boden gefrieren lassen und die Gehwegplatten waren spiegelglatt. Da die 100m vorher alles gut und unrutschig war, rechnete ich Null damit und mir zog es urplötzlich die Füsse weg und meine nicht unerhebliche Schwungmasse folgte brav der Schwerkraft. Das sah bestimmt aus wie in diesen Schwarzweiß-Slapstickfilmen:

tumblr_me9uzl6hqt1qcxxt0o1_500

 

Jedenfalls war das Ergebnis nur halb so lustig für mich, denn mir taten mein Hintern und mein linkes Handgelenk ganz schön weh. Aber ein echter Indianer kennt keinen Schmerz und das Kind musste zur Schule und der Bus wartete auch nicht auf mich.

Auf Arbeit angekommen, ließ ich mich wie gewohnt auf meinen Bürostuhl plumpsen und sprang wie von der Tarantel gestochen wieder auf, denn das tat mal höllisch weh. Ich setzte mich ein wenig vorsichtiger hin – besser, aber immer noch weit entfernt von gut. Nach ein wenig Rumrutschen und Justieren saß ich dann schief auf halbrechts und konnte einigermaßen arbeiten.

Als mein Chef eine halbe Stunde später kam, erzählte ich ihm vom Missgeschick und er meinte, ich solle das von einem Arzt begutachten lassen und auf jeden Fall vorsorglich das Arbeitsunfallformular ausfüllen. Ich meinte darauf hin, dass ich unbedingt noch bei der Schulung für unser Ticketsystem an diesem Tag dabei sein wollte. Diese wurde bereits einmal verschoben und eine meiner Aufgaben ist es, eine verbindliche Handlungsanweisung für eben jenes Ticketsystem zu erstellen. Die Schulung zu verpassen hätte eine weitere 2- oder 3-monatige Verzögerung des ganzen Themas zur Folge gehabt.

Also Zähne zusammenbeißen und weiterhin schief auf den Stühlen rumlümmeln. 13 Uhr war ich endlich raus aus der Firma und bin nach Hause, weil mein Hausarzt erst um 14 Uhr aufmacht. Pünktlich fand ich mich dort ein, nur um mir mitteilen zu lassen, dass Arbeitsunfälle nicht vom Hausarzt, sondern von einem Durchgangsarzt begutachtet werden müssen.

Ahja.

Zum Glück gibt es bei uns ums Eck eine chirurgische Notfallklinik, die genau das tut. 3 Bushaltestellen später stand ich in dem vollen Wartezimmer, erzählte der Empfangsdame von meinem Missgeschick und sie stellte mir im Gegenzug ganz viele Fragen: Unfallhergang, Unfallzeitpunkt, reguläre Arbeitszeiten, Firma (Adresse wusste die Dame auf Anhieb, scheinen wohl öfter welche von uns zu verunfallen und sich dort behandeln zu lassen), Berufsgenossenschaft. Uh, mit der letzten Frage hatte sie mich erwischt und eiskalt als Ersttäter enttarnt.

Ich suchte die Telefonnummer unserer Hotline raus, rief an, und erhielt nach kurzer Beratung im Hintergrund die Antwort: Verwaltungsberufsgenossenschaft. Stolz trat ich vor die Empfangsdame und sie schalmeite mir schon VBG entgegen – definitiv war ich nicht die Erste.

Trotz des vollen Wartezimmers kam ich schnell dran und wurde zuerst zum Röntgen geführt, wo ich mich flach auf den Rücken auf die Röntgenliege legen sollte. Bis dahin hatte ich die Schmerzen gut im Griff, aber durch das Hinlegen und den Druck auf den unteren Rücken änderte sich das schlagartig. Zwei Knochenfotos und ich durfte mich wieder anziehen und vor dem Behandlungszimmer Platz nehmen.

Drei Minuten später rief mich der Arzt herein und fragte, wo es weh tut.
„Da unten.“
„Wo, da unten? Kreuzbein?“
„Na, dann unten eben, unterm Kreuzbein.“
„Dort?“ Und bohrte mir beiden Daumen da unterm Kreuzbein in die Haut.
„JAAAAAA, genau dort.“
„Oder doch eher hier oben?“ Und drückt schmerzfrei am Kreuzbein rum.
„Nein, dort nicht, darunter. Aber nicht nochmal die Daumen reindrücken!“

Er nickte, setzte sich an den PC und drehte den Monitor zu mir: Steißbeinbruch!

Behandlungsmöglichkeiten gleich Null, nix mit eingipsen oder sowas, sondern einfach nur abwarten und Ibuprofen hochdosiert nehmen. Er schrieb mich bis nächsten Freitag krank und bat mich, an jenem Freitag zur Kontrolle vorbei zu kommen.

Mach ich, Boss, aber nur, wenn Sie dann nicht mehr ihre Daumen da reinbohren!

 

© Foto von Flickr/onnola „Spur der Sterne“, (CC BY-SA 2.0)

© Gif von hier.

 

Advertisements

5 Kommentare zu “Ist ja kein Beinbruch

  1. Ach du scheiße! 😱 Da brichst du dir glatt was, von dem ich gar nicht wusste, dass man es sich brechen kann. Gute Besserung 🍀 🍀 🍀! Kannst du dich mit Ibus denn einigermaßen bewegen, auch mit den Kids? GLG

    Gefällt mir

  2. Ach du Elend. Gute Besserung und bleib tapfer!

    Gefällt mir

  3. stahldame sagt:

    Autsch! So ähnlich lief mein erster Arbeitstag in der aktuellen Abteilung ab. Zum Glück warens nur Prellungen.
    Fürs Steißbein: eventuell sitzt es sich auf einem Nackenhörnchen besser? Da wäre der Steiß entlastet.
    Gute Besserung!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s