Autoritätsproblem

Bei meiner ersten stationären Therapie bescheinigte mir die für mich zuständige Psychologin ein Autoritätsproblem, was ich vehement verneinte. Diese Verneinung sah die Psychologin wiederum als Bestätigung ihrer Diagnose. :/

Nun bin ich immer noch der Meinung, dass ich kein Autoritätsproblem habe, denn wie sonst könnte ich seit Jahr und Tag als Angestellte mit unterschiedlichsten Vorgesetzten erfolgreich zusammenarbeiten? Ich habe kein Problem damit, wenn mir jemand Anweisungen gibt und in der Regel befolge ich diese auch. Allerdings folge ich nicht willenlos wie ein Schaf, sondern ich mache mir schon Gedanken über die Sinnhaftigkeit meines Tuns. Würde mein Chef von mir verlangen, dass ich für den Rest des Monats nur noch Büroklammern sortiere, dann werde ich sehr wohl nachfragen, zu welchem Zweck ich dies tun soll. Ob das dann als Autoritätsproblem gilt, darf jeder für sich selbst beantworten, ich habe mich jedenfalls dagegen entschieden.

In letzter Zeit muss ich jedoch öfter an mein Autoritätsproblem denken und stelle mir immer wieder die Frage, ob denn die Psychologin recht hatte. Denn ich komme mit der Klassenlehrerin des Großen überhaupt nicht klar. Im Grunde halte ich sie für eine doofe Nuss.
Natürlich sage ich das nicht in der Gegenwart des Großen und halte mich auch sonst mit negativen Einschätzungen zurück, denn ich möchte den Kleenen ja nicht mit meiner Meinung belasten oder sein Verhältnis zur Lehrerin stören.

Gestern war wieder so eine Situation, die sofort meinen Blutdruck in die Höhe schießen ließ. Ich hatte am Wochenende den Ranzen ausgeräumt, alle Sachen durchgesehen, den Ferienanmeldezettel des Horts gefunden, ausgefüllt und wieder in die Postmappe gelegt, das Hausaufgabenheft und alle Schulmaterialien durchgesehen, mich ein wenig über die sehr ramponierten Schutzumschläge geärgert und alles wieder ordentlich für den Montag fertig gemacht. Am Montag selbst habe ich wieder alles durchgeschaut, festgestellt, dass der Hortferienzettel vom Hortpersonal gefunden wurde und die Postmappe wieder leer ist. Weitere Zettel oder Mitteilungen fand ich nicht.

Dennoch prangte gestern im Hausaufgabenheft in dicker grüner Tinte der Satz:

Unterschrift Deutschtest fehlt!

Mein erster Reflex war zu sagen: Und jetzt? Das ist ein toller Aussagesatz, aber was soll ich damit anfangen? Mal ganz abgesehen davon, dass ich nirgendwo einen zu unterschreibenden Deutschtest gefunden habe.

Ich dachte an mein Autoritätsproblem und versuchte herauszufinden, warum dieser olle Satz mich so nervte. Zum einen sicherlich, weil kein Deutschtest im Ranzen war, aber den konnte ja auch das Kind verschlampt haben, wofür die Lehrerin nichts kann. Zum anderen aber deswegen, weil es nur eine Feststellung ist, es aber eigentlich eine Aufforderung ist, die ganz wunderbar passiv-aggressiv verpackt wurde. Und den passiv-aggressiven Scheiß kenne ich von meiner Mutter zur Genüge, den brauch ich nicht noch von der Lehrerin. Zumal von einer Deutschlehrerin, die sich der Vielfältigkeit und Interpretationsfülle von Sprache bewusst sein sollte. Wäre es denn so schlimm, den Satz als Aufforderung zu formulieren?

Bitte Deutschtest unterschreiben!

Dies ist eine klare Ansage, eine höflich formulierte Bitte, nicht länger als die ursprüngliche Feststellung und ohne versteckte Anklage (du vergesslicher Elternteil hast dich nicht gekümmert und jetzt fehlt die Unterschrift). Ich könnte daraufhin schauen, wo der Deutschtest geblieben ist, ob ihn das Kind nur vergessen hat einzupacken oder ob ich ihn in dem Wust von Kinderzeichnungen, Sachkundearbeitsmaterialien und der Papierfliegerarmada übersehen habe. Ich würde dies tun, ohne mich in die „du hast das verschlampt“ Ecke gedrängt zu fühlen.

So aber bin ich automatisch im Abwehr- und Rechtfertigungsmodus, was mich extrem nervt.

Diesen Satz hatten wir jetzt übrigens schon mehrmals im Hausaufgabenheft, weil ich tatsächlich oft vergesse, jeden Tag in die Postmappe zu schauen. Ich finde das auch nicht dramatisch, weil ich der Meinung bin, dass niemandem ein Zacken aus der Krone fällt, wenn der Test erst eine Woche später unterschrieben zurück geht. Ändert am Ergebnis ja eh nix mehr.

Schön war auch die Aufforderung im Hausaufgabenheft, dass wir mit dem Großen doch bitte Schreiben üben sollen, weil seine Handschrift noch sehr krakelig und unleserlich ist. Ich habe ungelogen 10 Minuten gebraucht, um den Satz zu entziffern, denn er sah vom Schriftbild her sehr schön und gleichmäßig aus, war aber einfach nur unleserlich, was nicht zuletzt an der dicken grünen Tinte lag, die die einzelnen Striche ineinander verlaufen ließ. Zugegeben, die dadurch entstandene Ironie hat mich mehr amüsiert als aufgeregt.

Mein persönliches Highlight ist bislang allerdings ein Satz aus dem Zwischenzeugnis.

Das Kindlein hatte im Herbst eine sogenannte Projektwoche, auf die uns die Lehrerin mit einem Zettel hinwies und auf dem stand, was die Kinder für Materialien bräuchten und wie es ablaufen sollte. Unter anderem stand da, dass die Kinder bis zur 4. Stunde Unterricht haben. Ich packte also den Ranzen und schickte das Kind damit zur Schulprojektwoche. War aber falsch, denn da hätte ein Rucksack mit Federmappe und Hausaufgabenheft genügt.

Weil ich wissen wollte, ob ich schlicht zu doof für die deutsche Sprache bin, hab ich den Zettel bzw. dessen Inhalt bei Facebook gepostet und meine Freundescrowd gefragt, wie diese den verstehen würde. Die jüngeren Bekannten und die projektwochenerfahrenen Wessis hatten ihn im Sinne der Lehrerin interpretiert, die nur im Osten zur Schule gegangenen so wie ich. Der Text war schlicht nicht eindeutig formuliert.

Mir tat mein Junge leid, weil er sich den einen oder anderen doofen Kommentar wegen meines Falschpackens anhören musste. Nachdem ich ihm das so gut es ging erklärt habe, war er es zufrieden und hat mir meinen Fehler auch schnell verziehen.

Irgendwann hatte ich unabhängig davon im Montagmorgenpackstress vergessen, eines der 5 verschiedenen Deutschhefte einzupacken, was natürlich sofort mit einem dickgrüntintlichen Satz im Hausaufgabenheft quittiert wurde. Ich ärgerte mich natürlich darüber, aber der Ärger war nichts im Vergleich zu dem, was ich empfand, als ich das Zwischenzeugnis las. Nach einer längeren, im Allgemeinen guten Einschätzung des Kindes stand als Abschluss:

Leider hat K. nicht immer die erforderlichen Unterrichtsmaterialien parat.

Ernsthaft jetzt? Wegen EINES vergessenen Heftes und EINMAL Ranzen statt Rucksack steht jetzt dieser Satz für alle Zeit auf dem Zeugnis? Der Satz, der so klingt, als würde ich den Kleenen jeden Tag nur mit einem Blatt Papier und einem angenagten Bleistift in die Schule schicken. Leider gab es seitdem keinen Elternabend mehr, denn dazu hätte ich der Lehrerin gerne ein paar Takte gesagt!

Aber die Frau ist eh ein wenig weltfremd. Der Kleene trägt den Spitznamen „Kleener“ nicht nur, weil er im Vergleich zu uns so klein ist, sondern weil er auch im Vergleich zu Gleichaltrigen ein wenig kleiner ist. Außerdem ist an dem Kerl nix dran, da kannste Klavier auf den Rippen spielen. Ich bemühte mich daher, seinen Schulranzen so leicht wie möglich zu packen und eine Maßnahme war, ihm seine Trinkflasche leer mitzugeben und er füllt sie dann am Waschbecken im Klassenzimmer auf.

Das wiederum fand die Lehrerin überhaupt nicht witzig. Das Kind durfte seine Flasche nämlich nicht am Waschbecken auffüllen, da die Lehrerin der Meinung war, das Wasser wäre mit Bakterien verseucht und überhaupt nicht zum Trinken geeignet, weil die Wasserleitungen total veraltet sind.

Ja ne, is klar. Eine vor 20 Jahren modernisierte Schule, eine Wasserleitung, aus der regelmäßig Wasser entnommen wird, ein dichtes Kontrollnetz gerade bei öffentlichen Einrichtungen, aber das Wasser ist bakterienverseucht. Immerhin hat sie ihm Wasser aus ihrer Wasserflasche abgefüllt. Seltsamerweise darf er im Hort, zwei Stockwerke darunter, Wasser aus dem Wasserhahn nehmen und die Hortner schüttelten nur mit dem Kopf, als ich mich wegen des Wassers erkundigte.
Wie auch immer, seitdem muss das Kind jetzt jeden Tag mit einem halben Kilo zusätzlich auf dem Rücken zur Schule laufen :/

Und dann war noch die Füllergeschichte. Beim allerersten vorbereitenden Elternabend wurde uns mitgeteilt, dass die Kinder zunächst mit Bleistift schreiben lernen und erst, wenn sie das gut können, auf Füller gewechselt wird. Typischerweise findet das um Weihnachten herum statt, so dass es sich anbietet, den ersten Füller als Weihnachtsgeschenk zu präsentieren. Wir würden aber vorher entsprechend informiert und das Kind erhält einen sogenannten Füllerpass und erst mit diesem Pass wäre ihm erlaubt, auch mit Füller zu schreiben.

Wir warteten auf den Füllerpass, aber Weihnachten und Neujahr, sogar die Winterferien vergingen, ohne dass das Thema Füller aufploppte. Beim Durchsehen der Postmappe fand ich eines schönen Donnerstags einen Zettel, dass die Kinder ab Montag mit Füller anfangen zu schreiben. Datiert war der Zettel auf den vergangenen Dienstag. Da ich tags zuvor die Postmappe ebenfalls kontrolliert habe, wusste ich, dass der Zettel wirklich erst am Donnerstag da reingelegt wurde. Blieben uns also 2,5 Tage zum Füllerkauf. An diesem Abend war es bereits zu spät zum Einkaufen, am Freitag ist Fußballtraining und den Sonnabend hatten wir komplett verplant. Mir blieb also nichts weiteres übrig, das Risiko einzugehen, einen erneuten grünen Eintrag ins Hausaufgabenheft zu bekommen, weil das Kind am Montag füllerlos in der Klasse auftauchte.

Als ich das Kind am Montag von der Schule abholte, fragte ich, ob sie denn schon mit dem Füller geschrieben hätten. Das Kind verneinte, denn es hätten zu wenige Kinder überhaupt einen Füller dabei gehabt.
Puhh, waren also auch andere Eltern von der Kurzfristigkeit des Anliegens überrascht worden.

Ich bin direkt an diesem Montag mit dem Kind in die Stadt gefahren und wir haben im gut sortierten Einzelhandel jede Menge Füller probiert, bis wir zwei fanden, die dem Kind gut in der Hand lagen, nicht den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens hatten und vom Design her den hohen kindlichen Ansprüchen genügten. Wir kauften dazu auch ein Glas mit 100 Tintenpatronen, denn man kann ja nie wissen.
Stolz packte ich die Füller in die Federmappe und freute mich, dass mein Kind bei der morgigen Frage nach dem Füllerbestand die Hand heben konnte.

Ich fragte am nächsten Tag nach, ob sie denn heute mit dem Füller geschrieben hätten. Das Kind verneinte erneut. Nach zwei Wochen verneinte es immer noch, da sie noch nicht alle Buchstaben gelernt hatten. Nach drei Wochen auch.
Aber bloß gut, dass wir den Füller so dringend besorgen mussten.

Einen Füllerpass haben wir übrigens bis heute nicht zu sehen bekommen.

Aber hey, liegt bestimmt alles nur an meinem Autoritätsproblem.

© Foto von Flickr/Roberto Verzo „Teacher“, (CC BY-NC-ND 2.0)

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12 Kommentare zu “Autoritätsproblem

  1. „Unterschrift Deutschtest fehlt!“ ist ja gar kein vollständiger Satz! Bei einem Deutschtest würde das fehlende „am/unter dem“ doch sicher als Fehler markiert werden? Und in grüner Schrift betrachte ich so etwas (einen fehlerhaften Satz) schon gar nicht als Aufforderung, da müsste es schon mit roter Tinte geschrieben sein 😉

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  2. Uiuiui, da freue ich mich ja jetzt schon auf die Schulzeit. Ich würde vermutlich regelmäßig mit eurer Lehrerin aneinandergeraten.

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    • xayriel sagt:

      Dabei hatten wir uns doch vorgenommen, nicht diese nörgelnden Eltern zu sein, die immer alles Elend auf die Lehrer schieben 😀
      Und ja, das sind auch so Dinge, die einem niemand erzählt vorm Kinderkriegen 😉

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  3. Nenu sagt:

    Hihi, ich muss sagen, die Sache mit dem Wasser hätte mich auch mit Fragezeichen in den Augen zurück gelassen.. die meisten anderen Szenarien nicht so sehr. Gut, das mit dem Füller ist ärgerlich, aber ich nehme an, dass die Lehrerin ihre Pläne da recht kurzfristig geändert hat, weil ihrer Meinung nach die Kinder doch noch nicht so weit waren. Blöd, dass ihr dann im Vorwege so einen Stress deswegen hattet, aber solche Dinge lassen sich wohl im Schulalltag nicht immer vermeiden.

    „Leider hat K. nicht immer die erforderlichen Unterrichtsmaterialien parat.“ hätte ich ehrlich gesagt eher so verstanden, dass das Kind es gelegentlich versäumt, die nötigen Dinge rechtzeitig aus der Tasche zu holen…? Jetzt muss ich dazu erklärend sagen, dass ich diese Situation vom LEHRERstandpunkt aus kenne. Es ist einfach so: so einen Unterrichtsstunde ist oft einfach sehr knapp bemessen. Wenn man die Schüler auffordert, die Materialien x und y hervorzuholen (oder oft wird es ja so geregelt, dass die direkt zu Beginn der Stunde auf dem Tisch bereit liegen sollen), dann braucht es an sich schon mal einige Zeit, bis alle so weit sind. Nun gibt es natürlich immer Schüler, die dann mal nicht oder nicht so genau zugehört haben, ein bisschen verträumt sind (mea culpa, zu denen gehörte ich früher auch öfter) oder in deren Taschen so viel Unordnung herrscht, dass sie eine Weile lang suchen müssen. Und das hält enorm auf. Ja, ich weiß, das klingt irgendwie korinthenkackerisch und kleinlich und pingelig, aber ich kann dir sagen: wenn du da vorne stehst und musst Paul und Lukas und Annegret noch dreimal auffordern, bis endlich jeder sein Heft auf dem Tisch hat (in der Zwischenzeit fangen die andern schon wieder an, sich anderweitig zu beschäftigen), und du musst dann ein Diktat, für das eigentlich 20 Minuten geplant waren in 10 herunter reißen und hast anschließend keine Zeit mehr, die Hausaufgaben vernünftig zu erklären.. dann geht das schon ein wenig an die Substanz. Auf Dauer. Denn das passiert dir in JEDER Stunde an JEDEM Tag. Und wenn es immer die gleichen Schüler sind, die länger brauchen, dann merkst du das vielleicht auch irgendwann auf deren Zeugnis an.
    Kann aber natürlich auch sein, dass ICH den Satz falsch verstanden habe und die Lehrerin tatsächlich die einmalig falsch gepackte Tasche meinte – in dem Fall kann ich deine Entrüstung eindeutig nachvollziehen. Ich würde sie einfach bei Gelegenheit noch einmal darauf ansprechen.

    „Ich finde das auch nicht dramatisch, weil ich der Meinung bin, dass niemandem ein Zacken aus der Krone fällt, wenn der Test erst eine Woche später unterschrieben zurück geht. Ändert am Ergebnis ja eh nix mehr.“
    Das natürlich nicht. Ich kann aber auch hier nur darauf plädieren, das einmal aus Lehrersicht zu betrachten. Die Unterschrift benötigt die Lehrerin deshalb, weil es ihre Pflicht ist, dass du über die Leistungen deines Kindes informiert bist – d.h. in diesem Fall über das Vorhandensein des Tests und auch die Leistung deines Kindes in demselben Bescheid weißt. Anhand deiner Unterschrift weiß sie, dass du beides wahrgenommen hast. So weit, so gut. Nun ist es natürlich erstmal gar nicht so dramatisch, wenn die Unterschrift mal einen Tag länger dauert. Denkt man sich so als Elternteil. Für den Lehrer sieht das aber folgendermaßen aus: er muss von jedem Kind diese Unterschrift der Eltern haben und die Übersicht darüber behalten, von wem er noch keine hat. Jetzt besteht ja eine Klasse nicht nur aus einem Schüler, sondern aus.. tja, keine Ahnung ehrlich gesagt wie das in den Grundschulen momentan so ist, aber am Gymnasium in der Großstadt sind es gerne 30+. Jetzt hat ein Lehrer aber auch nicht nur eine Klasse, sondern je nach Stundenzahl vielleicht so… sagen wir mal, 10. Das sind dann Pi mal Daumen 300 Schüler. Geh davon aus, dass du (kommt natürlich auch darauf an, welche Fächer du unterrichtest, bei Sport, Kunst oder so natürlich eher nicht) alle drei bis fünf Wochen in jeder Klasse einen Test schreiben lässt (aber natürlich nicht immer zeitgleich) und für jeden einzelnen dieser Tests von jedem einzelnen Schüler eine Unterschrift brauchst… Dann ist es dir mit ziemlicher Sicherheit ziemlich wichtig, dass du die Unterschriften zeitnah bekommst und nicht erst nach ein, zwei oder drei Wochen oder irgendwann im Laufe des Schuljahres – weil du sonst einfach binnen kürzester Zeit den Überblick verlierst. Dann stehen die Eltern bei dir am Elternsprechtag auf der Matte und beschweren sich über die schlechte Note ihres Sprösslings und warum du sie nicht früher darüber informiert hast…
    Ich gebe zu, die Formulierung „Unterschrift fehlt!“ klingt nicht besonders höflich (ich persönlich hätte zumindest das Ausrufezeichen weggelassen), ist aber denke ich mehr als sehr knappe Information denn als Rüge zu verstehen. Stell dir einfach vor, die Frau musste nicht nur dir, sondern einem Dutzend anderer Eltern mitteilen, dass sie noch die Unterschrift benötigt – und das in mehreren Klassen. Da schreibt man dann vielleicht einfach irgendwann nicht mehr „bitte seien Sie so freundlich“ sondern nur noch ganz radikal „fehlt!“… 😉

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    • xayriel sagt:

      Ich kann deine Sicht der Dinge durchaus nachvollziehen. Aber wir reden hier von einer 1. Klasse und der dazugehörigen Klassenlehrerin, da erwarte ich schon ein wenig Nachsicht, wenn die Unterrichtsmaterialien nicht sofort auf dem Tisch liegen. Die meisten Materialien bleiben auch in der Schule, nur übers Wochenende werden die Deutsch- und Mathesachen mit nach Hause gegeben. Es gibt auch keine Noten, sondern nur Lernzielkontrollen, die dann unterschrieben werden müssen. Ohne den Arbeitsaufwand der Lehrerin schmälern zu wollen, aber für mich besteht da schon ein großer Unterschied zu einer Gymnasialklasse mit 30+ Schülern. Und ich hatte einen gleichlangen, aber meines Erachtens freundlicheren Alternativsatz angeführt. Ich denke mir, dass wenn sie schon so einen herrischen Ton anschlägt, der sich im übrigen in ihren anderen Schriftstücken, siehe Projektwoche und Füller, fortsetzt, wird sie mit den Kindern ähnlich reden. Was ich wiederum doof finde, denn dieses hintenrum formulieren ist genau das Gegenteil von dem, was wir unserem Kind beibringen: klare Ansagen, vollständige Sätze und ordentliche Fragen (statt Ich habe Durst. zu sagen Kann ich bitte etwas zu trinken haben?)
      Naja, sind wir eben auch eines dieser schwierigen Elternexemplare 😉

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      • Nenu sagt:

        Klar, in einer ersten Klasse muss man viele Dinge schon etwas milder betrachten. Und ich kenne ja – im Gegensatz zu dir – die Lehrerin nun gar nicht persönlich und kann von daher auch gar nicht wirklich für sie argumentieren. Ich finde deinen Alternativsatz auch besser. Wenn ich jetzt so an meine Erfahrungen als (zugegeben noch nicht fertig ausgebildete) Lehrerin zurückdenke, hätte ich das zum Beispiel vor allem bei den „jüngeren“ Klassen auch selbst so formuliert. Die von eurer Lehrerin verwendete Variante wäre bei mir vermutlich eher ab 8. Klasse aufwärts mal zum Einsatz gekommen, in diesen Fällen, wo man wirklich ständig erinnern muss. (Denn, ganz ehrlich, irgendwann ist man schon genervt. Gar nicht so sehr von den Eltern persönlich – man weiß ja meist nicht aus welchen Gründen die Unterschrift fehlt -, sondern weil es anstrengt wenn solche Versäumnisse oft auftreten.)
        Ob sie mit den Kindern ähnlich spricht, kann ich nicht sagen. Schriftverkehr und mündlicher Umgang sind ja oft zwei sehr verschiedene Dinge, vielleicht hat sie für letzteres ja eher ein Händchen. Tatsache ist, an jeder Schule tummeln sich Lehrer, bei denen man sich fragt, warum zum Henker sie eigentlich ausgerechnet diesen Beruf ergriffen haben. Tatsache ist aber auch, dass man als Lehrer sehr schnell von außen kritisiert wird. Man steht permanent unter Beobachtung und jeder hat eine Meinung, wie man den Job zu erledigen hat, weil jeder ja einschlägige Erfahrung mit Schule und Lernen und Lehrern gemacht hat. (Wenn ich so drüber nachdenke: ist eigentlich genau wie mit dem Mutter sein. Da weiß auch jeder, wie man als perfekte Mutter zu sein hat. *g*) Unter diesen Umständen ist es manchmal nicht ganz einfach, den Spagat zu schaffen und allen Anforderungen gerecht zu werden. Im Endeffekt hilft auch wieder nur der offene Austausch. 🙂

        Und noch mal zu der Fomulierung, fällt mir gerade so ein: Danke, werde ich glaube ich mal selber im Deutschunterricht als Beispiel nehmen, wenn das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun wieder Thema ist. Würde mich nämlich sehr interessieren, was die Schüler in dem Fall aus dem kurzen Satz so herauslesen! 😀

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        • xayriel sagt:

          Im Gegensatz zum Muttersein haben Lehrer aber eine umfangreiche Pädagogikausbildung erhalten, weswegen ich ihnen da durchaus viel mehr Kompetenz zusprechen möchte als Müttern im Allgemeinen 😉
          Ich bin auch nicht der Meinung, dass die Erziehung komplett den Lehrern überlassen werden sollte oder wenn das Kind schlechte Noten hat, dies grundsätzlich die Schuld des Lehrers ist. Ich halte mich da auch mit Kritik zurück, weil Kind daheim und Kind in Schule zwei völlig verschiedene Themen sind und sich die Sicht des Lehrers von der der Eltern erheblich unterscheiden kann und ich mir der Schwierigkeiten im Lehrerdasein durchaus bewusst bin. Dennoch schafft es diese Frau immer wieder, einen bestimmten Nerv bei mir zu treffen.

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          • Nenu sagt:

            Hihi, ich muss leider sagen, dass mir das, was ich an Pädagogik in der Ausbildung gelernt habe, jetzt als Mutter irgendwie mehr bringt als tatsächlich in der Schule (der didaktische Anteil war mir immer zu gering und was ich fast schon unverantwortlich finde, ist, dass zum Beispiel nicht verpflichtend der Umgang mit Mobbing und ähnlichem gelehrt wird). Aber es stimmt natürlich schon, ein gewisses Grundwissen sollte vorhanden sein.
            Du kennst die Dame ja auch persönlich, wahrscheinlich hast du einen realistischeren Einblick in ihren Charakter als ich 😉
            Ich bin aber sehr gespannt, wie wohl mein Verhältnis zum späteren Lehrpersonal meiner Kinder sein wird.. wenn nämlich jemand gerne Lehrer kritisiert, dann sind das Eltern, die selber Lehrer sind 😜

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  4. Evy sagt:

    Ich glaube, solche Sätze kenne ich aus meiner Schulzeit. Ich denke, dass der Satz bei dir tatsächlich falsch angekommen ist – ob man das nun Autoritätsproblem nennt oder nicht. Ich fühlte mich bei solchen Sätzen als Kind immer ermahnt – daher denke ich, dass der Satz vor allem an das Kind gerichtet war, um ihm kurz und deutlich zu sagen „DU hast einen Fehler gemacht! Sag deiner mami, dass sie das machen soll!“ – das sollte streng klingen und das tut es auch. Und ich vermute, es kommt auch in deiner kindlichen Seite an und tut deswegen weh. Es könnte auch eine Notiz gewesen sein…

    lehrer sind ca. 40 Jahre im Schuldienst und es gibt menschen, die sich nicht an jeden Entwicklung gewöhnen. Die denken, mit starkem Auftreten kommt man weit, dass man seine Aggression an Eltern loslassen kann und dass Wasser bakterien-verseucht ist (ich hätte als Leherin übrigens auch gestutzt, aber vlt. kannste das mit dem Direktor klären? oder nach einem Spind fragen.. oder einen Roll-Ranzen kaufen?)

    Der Satz auf dem Zeugnis.. manchmal müssen die vlt. etwas hinschreiben?

    ich glaube, es wäre gut, wenn ihr nochmal persönlich redet – wenn es keinen Elternabend gibt, kannst du um einen Termin bitten? Wäre doof, wenn sich Aggressionen aufstauen. Vielleicht schafft ihr es, ein Stück verständnis zu entwickeln?

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    • xayriel sagt:

      Die Lehrerin ist ca. 30 Jahre alt und ihre Kinder 8 und 2 Jahre, da erwarte ich eigentlich noch keine festgefahrenen Denkmuster und mehr Verständnis für die Schüler. Aber da erwarte ich wohl zuviel 🙂

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