Mama, wie lange lebt man eigentlich noch …

… wenn einem der Kopf abfällt?

Ja, diese Frage wurde mir von meinem 7-jährigen Kind auf dem Schulweg gestellt. Am frühen Morgen, nicht etwa auf dem Heimweg. Dem vorangegangen war ein Urlaub bei den Großeltern, bei dem er mit der Störtebeker-Sage in Berührung kam, was ihn offensichtlich nachhaltig beeindruckt hat. (Und nein, wir lassen das Kind keine Actionfilme schauen und selbst bei den Nachrichten schalten wir bei den grausligeren Themen kurz um.)

Mama: Das kommt drauf an, wo der Kopf entfernt wurde. Wenn das eher weit oben passiert, dann ist man sofort tot. Weiter unten lebt man noch so 20-30 Sekunden.

Kind: Oh. Und warum stirbt man dann?

Mama: Weil zum einen der Kopf kein Blut und somit keinen Sauerstoff mehr bekommt und zum anderen, weil das Herz und der Rest des Körpers vom Gehirn keine Anweisungen mehr bekommen, was sie tun sollen.
Der Kopf, also das Gehirn denkt ja ganz viel und macht ganz viele Sachen. Es sagt dem Herz, es soll schlagen, der Lunge, sie soll Luft holen, den Beinen, sie sollen laufen. Im Gegenzug versorgt der Körper das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen, damit es weiterhin denken kann.

Kind: Und wenn man den Kopf ganz schnell wieder drauf setzt und festnäht?

Mama: Tja, im Prinzip ist das eine tolle Idee, aber um das wirklich machen zu können, müsste man ganz schnell und ganz genau alles wieder zusammennähen können und das geht leider nicht. Es läuft einem schlicht die Zeit davon. Man muss ja Blutgefäße, Sehnen, Nerven, Luft- und Speiseröhre zusammennähen und hat dafür maximal 5 Minuten Zeit. Das ist ungefähr so lang wie dein Schulweg dauert. Bei einer abgetrennten Hand ist das anders, da geht das, weil man viel mehr Zeit hat, aber bei einem Kopf eben nicht. Zumal die wichtigste Nervenverbindung vermutlich nicht in dem Umfang wiederhergestellt werden kann, wie es nötig ist, damit das Gehirn alle Körperfunktionen steuern kann.
Einen abgefallenen Kopf kann man wirklich nicht mehr reparieren.

Kind: Schade.

Grundsätzlich muss ich feststellen, dass das Thema Tod den Großen schon sehr interessiert, vermutlich weil das Konzept für ihn so wenig greifbar ist.

© Foto von Flickr/Véronique Debord-Lazaro „What?“, (CC BY-SA 2.0)

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