Wenn der Wurm drin ist

Aaaaaaargh!

Kollegen!

Echt jetzt mal!

Ich habe einen Kollegen, der im Umgang ein wenig – nunja – schwierig ist, was hauptsächlich daran liegt, dass er immer davon ausgeht, grundsätzlich Recht zu haben. Was die Zusammenarbeit einigermaßen erträglich macht ist, dass er durchaus was auf dem Kasten hat und sich in die Themen reinknien kann. Ist er aber einmal gedanklich falsch abgebogen, wird es anstrengend.

Denn er ist der Meinung, alles müsste so gemacht werden, wie er es sagt und wenn das jemand nicht tut, nimmt er es persönlich, obwohl er hierarchisch gesehen genauso ein kleines Licht ist wie alle anderen Angestellten. Woran das Nichtbefolgen liegt, ist nachrangig, er hat das Vorgehen so festgelegt, also ist es gültig. Dass es bspw. gar nicht kommuniziert wurde oder die Umsetzung so schlicht unmöglich ist, ist egal.

Wie gesagt, dadurch, dass er durchaus eine Menge brauchbarer Ideen hat, kann ich die meiste Zeit ganz gut mit ihm umgehen, beiß mir eben ab und an auf die Zunge und warte ab, bis ihm die gedanklichen Fehlleistungen auf die Füße fallen.

Heute allerdings wurde es mir zuviel. Bei einer morgendlichen Besprechung, wo wir das weitere Vorgehen bei einem Projekt abstimmen wollten, tickte er bei einem völlig harmlosen Thema aus. „Das nützt uns gar nicht, es befolgt niemand. Außer mir macht eh niemand was. Die eine Abteilung hat 1,5 Jahre gebraucht, um eine meiner Anfragen zu beantworten. Wozu wir uns überhaupt die Mühe machen. Und überhaupt. Und jenes.“

Hatte er so alles bereits an anderer Stelle geäußert, weswegen ich das neuerliche Hochkochen unnötig fand. Sagte ich ihm auch, ebenso was ich von diesem Ausbruch halte. Klar gibt es Probleme bei bestimmten Abläufen, aber gerade dafür ist das Projekt ja da, um genau das zu identifizieren und die Abläufe zu verbessern. Danach war er wieder etwas ruhiger und ich dachte, das Thema wäre erledigt.

Ich redete trotzdem mit meinem Chef darüber, denn ich fand den Ton, den Inhalt und Zeitpunkt unangemessen und ungewöhnlich und ich vermutete, dass da noch mehr dahinter steckt, als nur das Projekt. Chef war ebenso erstaunt, sah sich aber in einer vor Kurzem getroffenen Entscheidung bestätigt. Er war jedoch ebenso ratlos, was mögliche Ursachen anbelangt.

Der Terminplan wollte es, dass wir kurz darauf wieder ein gemeinsames Meeting hatten. Dort überreichte mir der Kollege eine große Tabelle (2 A3-Seiten), die er vorbereitet hatte. Ich nahm sie zur Kenntnis, fand sie aber nur bedingt hilfreich für unser Vorhaben.

Konkret geht es darum, im Rahmen der ISO 27001 Zertifizierung eine Risikoanalyse der Unternehmensassets durchzuführen. Die ISO-Norm unterscheidet dabei primäre und unterstützende Assets. Primäre sind Geschäftsprozesse, also womit ein Unternehmen Geld verdient (bspw. Autos bauen, Haare schneiden oder Steuererklärungen erstellen), und Informationen. Unterstützend ist alles, was für die Durchführung der Geschäftsprozesse und die Informationsbestände wichtig sind, also Personal, Software, IT-Technik, Datenbanken, Gebäude, etc. Im Idealfall bilden die Assets eine Kette: Information A liegt in Datenbank B, welche auf Server C liegt, welcher im Serverraum D steht, der sich in Gebäude E befindet. Um Prozess F zu erfüllen wird Information A von Software G benutzt, die von Mitarbeiter H an Standort J verwendet wird. Das ist insofern wichtig, als die jeweiligen Assets (A-J) ihre Risiken an den Nachfolger vererben. Asset C beinhaltet also die Risiken von Asset A und B und ergänzt die eigenen noch dazu. Ist so ein bisschen wie „ich packe meinen Koffer“.

Nun hat der Kollege in oben erwähnter Liste sämtliche vermeintliche Risiken für die Assets der letzten 3 Ebenen (Server, IT-Infrastruktur, Gebäude) aufgelistet, was zwar recht hübsch und umfangreich aussieht, aber genau den Vererbungsprozess außer acht läßt. Meiner Ansicht nach hat der Kollege nichts anderes gemacht, als eine völlig allgemeingültige Ansammlung von Risiken erstellt, die sich auf 95% aller Unternehmen anwenden lässt. Widerspricht völlig dem Zertifizierungsgedanken. Zur Veranschaulichung: Es macht einen Unterschied in der Risikobewertung, ob auf einem Server hochsensible personenbezogene Daten liegen, die bei Vertraulichkeitsverlust oder Löschung die Unternehmensexistenz gefährden, oder ob auf dem Server nur die Softwarepakete liegen, die bei Bedarf auf die Mitarbeiterrechner verteilt werden. In der Tabelle werden beide Server unter „IT-System“ zusammengefasst.

Als mich der Kollege anrief, um mit mir über diese Tabelle zu sprechen, konnte ich ihn nicht vorbehaltlos für seinen Aufwand loben, sondern wollte ihn darauf hinweisen, wie ich die Sache sehe. Aber ich kam gar nicht dazu, jedes Mal, wenn ich Luft holte, um meinen Ansatz zu erklären, unterbrach er mich und erklärte mir wortreich, warum und wie er die Tabelle erstellt hatte und wie viel Aufwand das war.

Beim dritten Mal reichte es mir. Sehr bestimmt sagte ich ihm, dass er mich nicht unterbrechen sollte und ich ihm jetzt meine Sicht der Dinge darlegen möchte. Er fiel mir prompt ins Wort und schob ein „mich lässt nie jemand ausreden“ hinterher, worauf ich erwiderte, dass ich ihn gerade sehr wohl mehrere Male habe ausreden lassen und ihm auch aufmerksam zugehört habe und ich jetzt schlicht dran bin. Ich erklärte meine Sicht, aber die wurde weggebügelt. Er hätte sich ja mit dem externen Berater abgestimmt und der hätte gesagt, genauso ist es richtig und überhaupt. Originalaussage: „Und nur dieser Ansatz ist richtig.“ Eine echte Diskussion war so nicht möglich.

Ich legte dann auf, das war mir zu blöd. Leider bin ich gerade zu sehr mit anderen Themen eingebunden, so dass ich mich diese Woche nicht mehr um das Thema kümmern kann. Nächste Woche bin ich erst am Mittwoch wieder an Bord, aber bereits am Donnerstag kommt der externe Berater und wir sollen ihm einen ersten Entwurf der Risikoanalyse vorlegen. Der Kollege hatte bereits in einem Nebensatz fallen gelassen, dass es gar kein Problem sei, wenn ich keine Zeit habe, dann erstellt er die Liste. Meine Befürchtung ist, dass er eine riesige Tabelle erzeugt, die am Ende unbrauchbar ist, weil sie nicht im mindesten unsere speziellen Risiken berücksichtigt, was den Kollegen umso mehr frustrieren wird, was die Zusammenarbeit weiter erschwert.

Wie auch immer, ich werde versuchen, die Restwoche so gut wie möglich über die Runden zu bringen und dann meine beiden freien Tage sinnvoll gestalten, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Denn ganz generell ist die Stimmung im Unternehmen gerade sehr seltsam, von vielen meiner Kollegen werden ähnliche Geschichten berichtet, die zwar alle nicht unbekannt, aber in der Häufung sehr ungewöhnlich sind.

Es bleibt also spannend.

Das Urteil

Die Zeiten sind ja geradezu rosig, was die Themendichte für meinen Blog angeht 😉

Heute nun das wunderbare Urteil des Bundesgerichtshofs, welches Eltern Schadensersatz zugesteht, wenn es die Kommune nicht schafft, rechtzeitig einen Kindergartenplatz zur Verfügung zu stellen. Ich hatte sehr auf dieses Urteil gehofft, fand ich doch die Urteilsbegründung des Oberlandesgerichts in Dresden etwas hanebüchen, als es fabulierte, dass der Rechtsanspruch nur für das Kind bestehe, nicht aber für die Eltern.

Ja, aus welchem Grund wurde denn das Gesetz überhaupt gemacht? Damit Eltern nach der Elternzeit zügig wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Denn, so befürchtete die Bundesregierung damals nicht zu unrecht, viele potentielle Eltern würden sich womöglich gegen Nachwuchs entscheiden, wenn sie weiterhin mit enormen finanziellen Einbußen durch verspätete Berufswiedereinstiege rechnen müssen. Vom Karriereknick mal ganz zu schweigen.

Kaum tickerte das Urteil über sämtliche Kanäle, kamen auch postwendend alle „Früher war alles besser“-Kommentierer aus ihren Löchern gekrochen und verbreiteten ihre antiquierten Meinungen:

  • früher ging es doch auch ohne Kindergärten
  • Eltern hätten vorm Kinderkriegen wissen sollen, worauf sie sich einlassen
  • immer nur die Hand aufhalten, damit der Staat alles regelt
  • Kinder wären sowieso viel besser daheim aufgehoben
  • Kinder sollten frühestens mit 3 Jahren in Fremdbetreuung gegeben werden
  • Es müssen ja nur beide Eltern arbeiten, damit man sich zwei Jahresurlaube und 3 Luxuskarossen leisten kann

Mein Lieblingskommentar bislang:

  • Ich habe Teilzeit gearbeitet und war mit weniger Gage zufrieden, weil mir mein Kind wichtig war.

Weil ich gerade in Stimmung bin, geh ich die einzelnen Argumente mal durch!

Früher ging es auch nicht ohne Kindergarten. Man lebte in einer Mehrgenerationengroßfamilie zusammen, wo die (Ur-)Großeltern, Tanten und Cousinen die Kinderbetreuung übernahmen, damit die Eltern aufm Acker die Kartoffeln ernten können. Da spielten auch locker mal um die 20 Kinder zusammen, betreut von 3-4 Erwachsenen.

Als der Trend und die Industrialisierung die Familien in die Städte zog, blieb eben die Frau daheim. Besonders nach dem Krieg hatte dies dramatische Folgen, denn diese Frauen haben während der Kinderbetreuung Null Rentenansprüche gesammelt, aber trotzdem um die 3-4 Kinder bekommen. Mit viel Glück konnten diese Frauen nach dem Auszug der Kinder in wenig lukrativen Berufsfeldern Fuß fassen, aber die Rentenansprüche hat das trotzdem nicht gerettet. Einzig, dass der Mann sie bis zum Lebensende versorgt, sei es durch seine Rente oder ihre Witwenrente, hat diese Frauen vor der völligen Verarmung bewahrt.

Die wenigstens Frauen in der heutigen Zeit gehen blauäugig an das Thema Kinderkriegen heran. Gerade das Thema Kinderbetreuung ist in Schwangeren- und Elternforen ein heiß und innig diskutiertes Thema und meiner Erfahrung nach sind die Pro und Kontras der Fremdbetreuung nicht ansatzweise so intensiv diskutiert wie die Kämpfe um Betreuungsplätze. Da werden Tipps ausgetauscht, Erfolgs- und Leidensgeschichten geteilt und immer wieder Mut zugesprochen. Wenn sich also eine Frau mit Kinderwunsch nicht völlig unterm Stein verkriecht, bekommt sie sehr schnell einen ziemlichen genauen Blick auf die Lage hierzulande. Sollte sie sich dennoch für Nachwuchs entscheiden, dann wird die prekäre Situation in Kauf genommen und es werden eben ab der 12. Schwangerschaftswoche Bedarfsmeldungen an alle Kindergärten der näheren und weiteren Umgebung verschickt. Nur, weil die Situation so ist, wie sie ist, heißt das nicht, dass man sie akzeptieren muss. Man kann sich auch dagegen auflehnen und sein Recht eben einklagen.

Das Argument mit der Hand aufhalten kann ich am wenigsten nachvollziehen. Kinder kosten eine Menge Geld, Zeit und Nerven. Klar, wenn sie einmal lächeln, kriegt man das alles wieder zurück! Aber gerade der finanzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Selbst der Kindergartenplatz schlägt gewaltig ins Kontor, je nach Region werden 120-500€ pro Monat fällig. Da muss eine alte Frau lange für Stricken und bei mancher Mutter frisst der Kindergartenplatz den Großteil des Gehalts auf.

Die landläufige Meinung, dass Kindergärten eh nur Kinderverwahrstationen sind und die Kinder besser daheim blieben, ist schon so oft wiederlegt worden, dass sich eigentlich jede weitere Diskussion erübrigt. Genügend Studien, auch über lange Zeit, zeigen, dass eine Fremdbetreuung nach dem ersten Geburtstag sich nicht zwangsläufig nachteilig auf die Kindesentwicklung auswirkt. Eher ist das Gegenteil der Fall. Das Kind lernt, sich im sozialen Miteinander zu erproben, lernt Konfliktbewältigungsstrategien und Kooperation. Gerade, weil es in den immer häufiger vorkommenden 1-Kind-Familien diese Konstellationen so nicht gibt, da nützt die wöchentliche Krabbelgruppe auch nicht viel.
Natürlich funktioniert das nur, wenn das Umfeld entsprechend stimmt, aber Diskussionen über vernünftige Betreuungsschlüssel und eine adäquate frühkindliche Förderung gehören gerade nicht zum Thema.

Der Mythos des Luxusproblems aber schon. Ich zähle unsere Familie zur Mittelschicht, meine Eltern ebenso, genauso wie ganz viele unserer Freunde und Verwandten. Alle haben eine Lehre oder Studium hinter sich, gehen meist in Vollzeit arbeiten und müssen dennoch am Ende des Monats schauen, dass sie nicht in den Dispo rutschen. Von zwei Mal im Jahr in den Urlaub fahren können die meisten nur träumen und bei vielen reicht es maximal zu einem Auto aus der Kategorie Kleinwagen. Die Zeiten, wo es genügte, wenn nur ein Elternteil arbeiten ging und die ganze Familie damit ernähren konnte, sind lange vorbei.

Hinzu kommt, dass Frauen nicht mehr nur das Heimchen am Herd sein wollen. Sie wollen ihre eigenen Ziele verfolgen, selber Karriere machen und eigenes Geld verdienen. Außerdem haben viele erkannt, dass es im Alter schon praktisch wäre, eine eigene, ausreichend hohe Rente zu beziehen. Ehen werden immer häufiger geschieden und die Klatschblätter sind voll mit Geschichten, wo gutsituierte Männer inmitten der Midlifecrisis ihre Frauen nach 25 Ehejahren verlassen, um mit einer jüngeren Wasserstoffblondine durchzubrennen. Da steht Frau dann da und darf sich mit Sozialhilfe begnügen, weil die 3 Mark fuffzig an Rente vorne und hinten nicht zum Leben reichen.
In vielen Gebieten verschlingen allein die Mietkosten für eine durchschnittlich große Wohnung in durchschnittlich guter Lage die Hälfte des familiären Gesamteinkommen. Mit Luxus hat das in den meisten Fällen nichts zu tun.

Bleibt noch mein Lieblingsargument, weil es gleich mehrere Aspekte auf einmal anspricht. Fremdbetreuung ist doof, wenn, dann sollte es nur ganz kurz erfolgen. Wenn man Vollzeit arbeiten geht, ist man geldgeil. Außerdem sind Vollzeitarbeiter Rabeneltern, denn denen ist das Kind nicht so wichtig.

Was die gute Dame verkennt ist, dass selbst bei Teilzeit eine Fremdbetreuung gesichert sein muss. Wir haben beispielsweise niemanden, keine Großeltern, Freunde oder Verwandte in der Nähe, die diese Aufgabe dauerhaft übernehmen können. Wir sind also so oder so auf Fremdbetreuung angewiesen, ganz gleich ob Teil- oder Vollzeit. Die finanziellen Aspekte habe ich weiter oben (und mehrfach hier im Blog) bereits beleuchtet.
Und als Rabeneltern würde ich uns auch nicht bezeichnen, denn wir lieben unsere Kinder mit Sicherheit nicht weniger, nur weil wir sie in den Kindergarten oder Hort schicken.

Wie immer am Ende einer solchen Diskussion: Jeder sollte sein Kind so aufziehen, wie er oder sie das für richtig hält. Jeder Lebensentwurf hat seine Berechtigung und mit Sicherheit viele Vor- und Nachteile. Wenn sich jemand einzig um Kinder und Haushalt kümmern möchte, dann soll er/sie das tun. Ich verurteile denjenigen nicht deswegen, ich könnte mir das nur nicht für mich vorstellen. Das heißt aber nicht, dass mein Art zu leben, besser oder schlechter ist, nur anders.
Was ich allerdings nicht mag, ist diese absolute Meinung, die nur ganz eng begrenzte Lebenskonzepte als richtig hinstellt. Toleranz ist immer auch die Toleranz gegenüber den Andersdenkenden. Gerade bei der Kindererziehung gibt es so viele Modelle, Ansichten, Meinungen, Erfahrungen und Moden, dass sich solche absoluten Ansprüche von selbst verbieten.

Fazit: Ich bin froh über das Urteil, auch wenn es für uns keine Bedeutung mehr hat, da wir einen Kindergartenplatz haben und das Kinderkriegen für uns abgeschlossen ist 😉

Erschreckend

Alle Welt, zumindest die deutschsprachige, spricht über den vorgestern ausgestrahlten Fernsehfilm „Terror“.

terror-darsteller-101-_v-modpremium

Ein Luftwaffenoffizier schießt ein Passagierflugzeug mit 164 Menschen an Bord ab, weil ein Terrorist droht, dieses Flugzeug in ein mit 70.000 Menschen gefülltes Stadion zu steuern. Der Offizier tut dies, obwohl er Kenntnis des Bundesverfassungsgerichtsurteils hat, das solche Abschüsse verbietet. Daraufhin wird er angeklagt und die Gerichtsverhandlung ist der Inhalt des Terror-Films, an dessen Ende die Zuschauer abstimmen durften, ob der Angeklagte schuldig oder freizusprechen ist.

Satte 86,9% der Zuschauer stimmten für Freispruch!

Ich finde diese Zahl erschreckend. In den Augen der Zuschauer scheint es völlig legitim zu sein, eine verhältnismäßig kleine Anzahl Menschen zum Schutz einer größeren Anzahl zu opfern.

Wenn man dieser Argumentation folgt, stellt sich zwangsläufig die Frage, wo man die Grenze zieht? Ist ein Verhältnis von 164 Passagieren zu 70.000 Stadionbesuchern angemessen? 100 zu 50.000? 10 zu 1.000? 1:2? Ein behindertes Kind für ein nichtbehindertes Kind? Wer oder was entscheidet, dass ein Leben wertvoller ist als ein anderes?

Genau dies hat das Bundesverfassungsgericht bemängelt und hat den Abschuss eines Flugzeugs in einer solchen Situation unter Strafe gestellt. Es ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, Menschen zu Objekten zu degradieren, die man wie Figuren auf dem Schachbrett hin- und herschieben kann. Die Würde des Menschen ist unantastbar und jedes Leben ist wertvoll, das des Bauerns genauso wie das des Königs.

Natürlich ist mein erster Impuls, mein Bauchgefühl auch, die Rettung der 70.000 anzustreben. Doch es gibt zu viele Unwägbarkeiten. Ist wirklich ein Terrorist an Bord? Steuert er das Flugzeug wirklich Richtung Stadion? Ist er präzise genug, es genau dort zum Absturz zu bringen? Kann ausgeschlossen werden, dass beim Abschuss des Flugzeugs nicht noch weitere Menschen zu Schaden kommen? Besteht die Möglichkeit, dass Passagiere oder Crew den Terroristen überwältigen können? Überlegt es sich der Terrorist kurz vor knapp noch anders? Zu viele wenns, um wirklich sicher den Ausgang beurteilen zu können. Und selbst wenn es zu 100% sicher ist, bleibt immer noch das Menschenwürdeurteil!

Ein Kollege hatte am Montag mit mir eine Diskussion darüber vom Zaun brechen wollen. Er hatte den Film am Sonntag im Kino gesehen und er war in seinem früheren Leben Offizier der Luftwaffe. Sein Urteil war eindeutig. Er rechnete allerdings nicht damit, dass ich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts kannte und ihm nicht bedingungslos zustimmte. Er brach daraufhin sehr schnell die Diskussion ab, was ich nachvollziehen kann. Wenn in einer Armee Menschen als „weiche Ziele“ und Bombenabwürfe auf Schulen und Krankenhäuser als „Kollateralschäden“ bezeichnet werden, fällt es schwer, die Menschen nicht als Objekte zu sehen und die simplen mathematischen Kosten-Nutzen-Rechnungen sein zu lassen.
Aus genau diesem Grund sollte man dem Militär auch nicht die Regierungsverantwortung überlassen.

Einen spannenden Ansatz zu diesem Trolley-Problem bildet derzeit die Programmierung der selbstfahrenden Autos. Auch solche Fahrzeuge werden früher oder später in Gefahrensituationen kommen und der Bordcomputer muss dann „entscheiden“, welche Maßnahmen er einleitet. Das MIT hat dazu eine kleine App entwickelt, bei der reale Menschen entscheiden dürfen, wie in solchen Situationen verfahren werden sollte.
Ein Szenario zeigt beispielsweise, wie eine Familie mit 3 Kindern regelwidrig bei Rot die Straße überquert. Der Fahrer hat die Wahl zwischen draufhalten und Mutter und ein Kind töten, oder ausweichen und sich selbst töten.
Ganz klar ausweichen, oder?
Wie fällt allerdings die Entscheidung aus, wenn statt der Familie ein dicker Mann, eine alte Frau und eine Katze die Straße queren? Beim Draufhalten sterben alle Fußgänger, beim Ausweichen nur der Fahrer.
Eher draufhalten, oder?

Bei Harry Potter hat der jugendliche Albus Dumbledore zusammen mit Gellert Grindelwald ganz ähnliche Fantasien. Sie wollen wenige opfern, damit viele besser leben können. Vorzugsweise sind die Opfer Muggle und die Nutznieser Zauberer und begründet wird dieses Vorgehen mit „the greater good“. Relativ schnell sieht Dumbledore seinen generellen Denkfehler ein und zieht sich demütig zurück, während Grindelwald seine Machtfantasien weiter auslebt.
Dennoch, in der entscheidenden Phase im Kampf gegen Voldemort erinnert er sich an seinen jugendlichen Idealismus:

„Ja“, rief Dumbledore, „manchmal muss man eben an das größere Ganze denken!“

Im Gegensatz zu allen anderen Szenarien läßt er aber Harry selber entscheiden, ob er sich Voldemort stellen und sich für die anderen opfern soll.

Ein anderes, extremeres Beispiel wurde in den Tributen von Panem beschrieben, als im 3. Teil eine kleine Explosion in einer Menge von Kapitol-Kindern herbeigeführt wurde. Als sich die herbeigeeilten Rettungskräfte um die Menschen kümmern, gibt es eine riesige Explosion, die fast alle Kinder und Retter tötet, unter anderem auch Katniss‘ Schwester.
Als ersten Impuls hat Katniss Präsident Snow in Verdacht, aber es stellt sich heraus, dass der Anschlag von Rebellenpräsidentin Coin geplant war, weil sie hoffte, dass damit der Widerstand der Kapitolbewohner entgültig gebrochen würde und das Blutvergiessen aufhören. Der Plan ging auf, die Kämpfe wurden umgehend eingestellt und so wurden vermutlich tausende Menschenleben gerettet.
Gerechtfertigte Aktion, oder?

Von daher finde ich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts wichtig und wertvoll, weil es einen ganz klaren moralischen Kompass vorgibt. Egal in welcher Situation, niemand darf oder kann entscheiden, welches Leben wertvoller ist. Niemand hat das Recht, einem 95-jährigen mit einer Überlebensprognose von nur noch einer Woche, diesem sein Recht auf Leben zu nehmen. Es ist nicht möglich, den Wert eines Menschen zu bestimmen, denn jeder Mensch ist in seiner Individualität anders wertvoll, so dass allgemeingültig angelegte Maßstäbe zwangsläufig scheitern müssen. Und weil diese Wertbestimmung unmöglich ist, können Menschenleben nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Nicht 1:1, nicht 1:100 und schon gar nicht 164:70.000!

#TerrorIhrUrteil

Frauenquote und Quotenfrauen

Frauen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Bei vielen Stellenanzeigen, auf die ich mich beworben hatte, stand dieser Satz ganz am Ende und machte mir Hoffnung. Ich hab ein abgeschlossenes Studium, umfangreiche branchenübergreifende Berufserfahrung und eine erkleckliche Liste an brauchbaren Zertifikaten und Weiterbildungen. Ich bin flexibel und gewillt, 40 Stunden Vollzeit arbeiten zu gehen. Sollten Bereitschaften gefordert werden, übernehme ich auch diese. Ich bin selbstbewusst, arbeite mich schnell in neue Themengebiete ein, bin im zwischenmenschlichen Bereich nicht völlig unbrauchbar (andere würden es teamfähig nennen), entscheidungsfreudig, mit analytischem Verstand und guter Intuition.

Mit diesen Voraussetzungen sollte es doch ein Leichtes sein, einen ordentlichen, gut dotierten Job mit Aufstiegschancen zu finden. Leider sieht die Realität völlig anders aus, bislang reichte es immer nur zur Assistenz. Und das, obwohl ich mich durchaus auf die anspruchsvollen Positionen beworben habe, die mit der Führungsverantwortung oder im Projektmanagement. Letztendlich habe ich die Assistenzjobs angenommen, um überhaupt etwas zu haben und weil ich dachte, dass ich bei guter Leistung und dem praktischen Nachweis meiner Fähigkeiten innerhalb des Unternehmens aufsteigen könnte. Wieder leider ging dieser Plan nicht auf, ich blieb Assistentin, ganz egal, welch vorzüglichen Leistungsbeurteilungen ich von meinen Chefs auch bekam.

Nun könnte das daran liegen, dass ich einfach Pech hatte. Oder die Beurteilungen geschwindelt waren. Oder dass ich eine Frau bin.

Nachdem ich in den letzten Tagen über eine Reihe Artikel gestossen bin, die genau dieses Thema aufgreifen, glaube ich immer weniger an Pech und Schwindelei.

Jetzt mag bei mir noch erschwerend hinzukommen, dass ich in einem eh schon sehr männerlastigen Berufsfeld unterwegs bin. Frauen in der Informatik sind zugegebenermassen eher selten, wodurch rein statistisch die Wahrscheinlichkeit von Frauen in Führungspositionen geringer ist. Wobei sich wiederum die Frage stellt, warum der weibliche Anteil gerade hier so niedrig ist. Liegt es nicht an der überholten Vorstellung, dass Frauen bevorzugt soziale Berufe ergreifen, weil sie entsprechend sozialisiert wurden und dass der Frauenanteil in technischen Berufen sprunghaft ansteigt, wenn eine solche Sozialisierung nie stattgefunden hat, wie bpsw. in der Sowjetunion oder auch der DDR, wo es ganz selbstverständlich Programmiererinnen und Mathematikerinnen gab. Würde also ein größerer Bestand an qualifizierten Mitarbeiterinnen auch den Anteil an weiblichen Führungskräften erhöhen?

Die Wirklichkeit kann das eindeutig mit Nein beantworten. Wenn ich in die Bereiche mit Frauenüberschuss schaue, ist das Bild in den oberen Etagen ebenso männerlastig. Verwaltungsfachkräfte sind vorwiegend weiblich, der letztjährige Abschlussjahrgang einer zufällig ausgesuchten Verwaltungsfachhochschule hatte doppelte so viele weibliche Absolventen wie männliche. Wenn ich in Ämter und Behörden schaue, dann werden meine Anliegen fast immer von Frauen bearbeitet, der Abteilungs- oder Amtsleiter ist hingegen männlich.

Woran liegt es denn nun und kann eine Quote helfen?

In den Artikeln bin ich über folgenden Satz gestolpert:

Menschen in Führungspositionen fördern Menschen mit einem ähnlichen sozialen Hintergrund, mit ähnlichen Eigenschaften.

Und der größte gemeinsame Nenner aller Personen, mal vom allgemeinen Menschsein abgesehen, ist das Geschlecht. Ich kenn das selber, Frauen bin ich grundsätzlich erstmal aufgeschlossener gegenüber, ist ja quasi meine Spezies und unser Frausein das zunächst verbindende Merkmal. Mehr als genug stellt sich schnell heraus, dass ich die Frau dann doch doof finde oder es außer unserem gemeinsamen Frausein keine weiteren Gemeinsamkeiten gibt, aber der Grundbonus ist erstmal vorhanden.

Männer werden genauso ticken und warum auch nicht. In einer Welt voller Unwägbarkeiten braucht es solche Kleinigkeiten, um sich wenigstens ein bißchen sicher fühlen zu können. Schwierig wird es dann, wenn dieser Grundbonus immer besteht und nie verrückt oder aufgebraucht werden kann, wenn er den Blick für vielleicht wichtigere Dinge verstellt oder eine Kurskorrektur bzw. Meinungsjustierung blockiert.

Männer bauen sich Netzwerke auf, zu vornehmlich anderen Männern. Klar, ähnliche Themen und Interessen, Männer lieben nunmal Fußball und Frauen können nicht mal Abseits erklären.

Ich habe kein Netzwerk. Ich finde das heuchlerisch, mit Menschen nur Kontakt zu halten, weil ich mir später daraus einen Vorteil erhoffe. Wenn ich Kontakt halte, dann weil ich die Menschen mag, weil ich gerne Zeit mit ihnen verbringe. Meine Freunde sind aber keine Aufsichtsräte oder Topmanager, sie sind Angestellte, Arbeiter, Hausfrauen, Studenten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es anderen Frauen ähnlich geht und das Netzwerk aufgrund eines so unbrauchbaren Kriteriums wie Sympathie erstellt wurde.

Es mag im Ansatz sogar nachvollziehbar sein, wenn der Unternehmensberater bei der NZZ darüber philosophiert, dass eine Frauenquote nur das Leistungsprinzip negieren würde und den Frauen letztendlich mehr schade als nütze. Die Quote bewirke nur, dass irgendeine beliebige Frau einen Posten besetzt, der sonst von einem fähigen Mann bekleidet wäre.

Die Förderung spricht Frauen implizit die Fähigkeit ab, ihre Ansprüche aus eigener Kraft durchzusetzen. Nur wo Schwäche ist, muss man fördern.

Nun, die Schwäche könnte auch schlicht daran liegen, dass die Paritätsförderung (siehe obiges Zitat) eben Frauen grundsätzlich benachteiligt. Dies ist ein Missstand und diesen gilt es zu bekämpfen. Es gibt die gleich- oder höherwertig qualifizierten Frauen, die aufsteigen wollen, die fähig sind und ihren Aufstiegswunsch klar kommunizieren. Aber entweder werden sie nicht gehört, weil sie sich nicht wie ein Silberrücken laut auf die Brust trommeln, um Aufmerksamkeit zu erregen oder sie werden bewusst übergangen, weil dem Entscheider der männliche Kollege eben doch näher ist.

Was man daraus keinesfalls ableiten sollte, ist die Annahme, dass bei einer Frauenquote nur unfähige Weibchen auf verantwortungsvolle Positionen gehievt werden, die dort nichts zu suchen haben. Andererseits möchte ich nicht ausschließen, dass dies doch hin und wieder passieren wird, aber die unfähigen gibt es unter Männern genauso.

Den ganzen anderen Mist von wegen Frauen fallen öfter aus, werden schwanger, müssen sich um die Kinder kümmern und Führungskraft geht nicht in Teilzeit schenke ich mir. Ich halte das alles für vorgeschobene Argumente, die sich bei einer wirklich gleichberechtigten Herangehensweise an dieses Thema in Wohlgefallen auflösen würden, sobald Männer ohne Gesichts- und Karriereverlust ebenso in Elternzeit gehen können und Frauen in signifikanten Anteilen Führungspositionen besetzen.

Damit sich dieses gleichberechtigte Bild in den Köpfen der Kinder einprägt und dort zur Selbstverständlichkeit heranwächst, so dass in Zukunft das Geschlecht wirklich nur noch darüber entscheidet, welche Toilettenräume man benutzt, damit sich Mädchen und Jungen bei ihrer Berufswahl nur danach richten, was sie tatsächlich gerne machen möchten und was ihren Fähigkeiten entspricht und nicht, was typisch für sie ist, dafür braucht es die Frauenquote, denn dieses Bild lässt sich am effektivsten nur im praktischen Erleben vermitteln.

Wenn das Bild dann Realität geworden ist, wird sich die Diskussion um die Frauenquote von ganz allein erledigen. Und ich würde vielleicht nicht mehr bloß Assistentin sein.

 

Schmerzgrenze

Was ich ja überhaupt nicht mag ist, wenn mich Menschen frühmorgens zutexten und nicht mal in Ruhe abwarten können, bis ich ausreichend wach bin. Noch dazu montags, wenn mein Gehirn sich noch krampfhaft an den vergangenen Sonntag klammert und die Nacht wie so oft viel zu kurz war.

Während heute morgen mein Rechner auf Arbeit gerade startete, tapperte ich mit müde verquollenen Augen und meiner Wasserflasche zum Wasserspender. Diese Gelegenheit nutzte ein Kollege sofort aus, kam auf mich zu und fragte mich, wie gut ich denn im Schmerzen aushalten bin. Dass es mich nur zur Wasserstelle trieb, damit ich die zwei Paracetamol gegen meine Rückenschmerzen nicht trocken herunterwürgen musste, konnte er ja nicht ahnen. Vielmehr wollte er mir ganz stolz von seinem neuen Tattoo berichten und wie sehr es doch an seiner Wade zwicken und jucken würde.

Mein Mitleid hielt sich in Grenzen und ich murmelte was von „selbstgewähltes Schicksal“. Er meinte, es würde mich vielleicht interessieren, wenn ich dann selber mein Tattoo stechen ließe. Ja ok, wir hatten uns ein paar mal darüber unterhalten und ich hätte auch gerne eins, aber im Moment habe ich weder das Geld noch irgendeine Idee, was wo wie hin soll. Wahrscheinlich war ich der erste Mensch abseits der sozialen Medien, dem er davon erzählen konnte, was mich schon traurig machte und normalerweise hör ich auch gern zu. Nur heute hatte er sich einfach einen sehr ungünstigen Moment ausgesucht.

Der erste Schultag nach den Herbstferien, dazu der erste Tag, wo der Große mit Krücken zur Schule und dort in den 4. Stock musste. Mein Plan, deswegen extra zeitig loszugehen, ging nicht auf, weil ich die einbeinigen Hygiene- und Bekleidungskünste meines Kindes maßlos überschätzte. So machten wir uns eine Viertelstunde vor Schulbeginn auf den Weg und die 500 m, für die wir sonst 5 Minuten benötigen, dauerten 20 Minuten. Dann noch die nicht enden wollende Treppe hinauf zum Klassenzimmer, wohin ich den Rabauken heute ausnahmsweise begleitete, denn Eltern dürfen sonst nur bis zum ersten Treppenabsatz mit und müssen sich dann von ihrem Nachwuchs verabschieden.
Die Lehrerin war aber verständnisvoll, ließ mich das Kind samt Ranzen an seinem Platz parken und erkundigte sich, ob wir den Schulstoff nachgeholt hatten, was ich bejahte.

Alsdann flitzte ich zur Haltestelle, wo ich meinem Bus nur noch hinterherwinken konnte. Machte aber nichts, denn der nächste Bus sollte bereits 3 Minuten später kommen. Die 3 Minuten dauerten aufgrund eines Fehlers im Raum-Zeit-Gefüge (oder wegen einer Baustelle) 15 Minuten , so dass ich knapp eine Stunde nach meiner üblichen Zeit endlich auf Arbeit war.

Das Schmerzmittel hatte noch nicht angefangen zu wirken, als ich den ersten Anruf in einer langen Reihe von Telefonaten bekam, alle mit dem gleichen Inhalt. Man warte auf Zuarbeiten meines Chef, ob ich ihm denn Bescheid sagen könnte. Kann ich, wenn ich ihn sehe, was aber unwahrscheinlich ist, denn erstens ist sein Terminkalender lückenlos bis zum späten Nachmittag voll und zweitens ist für die nächsten drei Tage eine wichtige Revision anberaumt. Aber Sie sagen ihm Bescheid? Ja, wenn ich ihn sehe, dann tue ich das, aber wie gesagt, es ist nicht sicher, dass ich ihn überhaupt sehe. Aber Sie sagen ihm Bescheid?!
Aaaaargh! Kopf -> Tisch!
Und nach dem 5. Mal tut es schon weh.

Ich rettete mich bis zum Mittag, wo ich mir zwei Ibuprofen einwarf, denn die Schmerzen waren immer noch unerträglich. Wie ich es bis 15 Uhr geschafft habe, wo ich erneut 2 Paras schmiss, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, woher diese unsäglichen Schmerzen kommen, aber ich weiß, dass sie mir aktuell den Nerv rauben und ich kaum noch klar denken kann. 😦

Sprich nicht drüber

Herland

36240_10150354206180371_5676022_nWenn es um sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt geht, lautet immer noch oft genug der Ratschlag im Familien- und Freundeskreis: Sprich nicht drüber. Mach dich nicht öffentlich zum Opfer. Mach dich nicht angreifbar. Die Gründe sind klar – häufig sind die Vorfälle nur sehr schwer zu beweisen, und immer setzt ganz schnell das victim blaming ein, wenige Dinge sind verlässlicher auf dieser Welt. Warum sich also all dem aussetzen, wenn sowieso nichts bei rauskommt? Warum sich beschimpfen lassen, verbal aufs Neue vergewaltigen lassen, mit Dreck bewerfen lassen? Augen zu und durch.

Sieht man sich an, wie Donald Trump und seine Anhäger*innen auf die Vorwürfe reagieren, der Präsidentschaftskandidat hätte sich Frauen unsittlich genähert, stößt man immer wieder auf die Behauptung: Das muss ausgedacht sein, sonst hätten die Frauen doch sofort etwas gesagt. Dies wiederum führte auf Twitter zu #WhyWomenDontReport, und wie jeder Hashtag wurde auch dieser von der Gegenseite gekapert und…

Ursprünglichen Post anzeigen 490 weitere Wörter

Neulich auf Facebook

Mitunter gebe ich mich diesem Neuland hin und bewege mich im Internet. Dabei bevorzuge ich Facebook als soziales Medium. Dort bin ich auf eine Gruppe gestoßen, deren Hauptaufgabe es ist, in diversen anderen Gruppen den Impfgegnern und Berufsschwurblern mit handfesten Argumenten Einhalt zu gebieten. Bekanntermaßen ist das ein äußerst enervierender und kraftraubender Akt und so werden in dieser Gruppe immer wieder mal völlig artfremde Diskussionen vom Zaun gebrochen. Katzenbilder gibt es übrigens jeden zweiten Tag 😉

Heute nun regte sich aus aktuellem Anlass ein Mitglied über alte Leute und ihre Marotten auf. Immer im Weg stehend, ständig grantelnd, damals war eh alles besser. Nun mag ich Verallgemeinerungen gar nicht, alte Menschen hingegen schon und äußerte mich entsprechend. Daraufhin wurde der Fokus korrigiert und auf grundsätzlich meckernde Menschen eingenordet. Und da kann ich mitreden. Gerne und viel! Und weil das eine geschlossene Facebookgruppe ist, kopiere ich meine Kommentare eine hier in diesen Blogpost. 🙂

Um mal eine Lanze für die Alten zu brechen: war heute (kurz) im Drogeriemarkt (Windeln) und meine kranke Tochter durfte einen dieser Kindereinkaufswagen schieben, der genauso wie seine größeren Brüder extrem schlechtgängige Rollen hatte und dadurch heftige Zickzacklinien fuhr. Eine der Omis freute sich über den Anblick, ging extra zur Seite und feuerte die Kleene an. Dazu lobte sie noch ihre tolle Mithilfe und hielt einen Miniplausch mit mir.

Zu den Ewig-Meckernden hab ich auch nen Beitrag:
Vor einigen Jahren waren mein Mann, mein frisches Kindlein (2 Monate) und ich zum Hexenbrennen bei den Sorben. Das ist eine nette Freiluftveranstaltung, den die sorbischen Studenten in Ossistadt organisieren, mit Speis, Trank und Musik und großem Lagerfeuer, bei der am Höhepunkt des Tages eine Hexe aus Stroh und Lumpen verbrannt wird. Dieses Ereignis dient den hiesigen Studentenelferräten als nettes, ungezwungenes Come-Together, zum gediegenen Biertrinken und vor allem zum Plauschen.
Als frischgebackene Mutter sind Kontakte außerhalb von Mamigruppen eher rar und so war ich dankbar, an diesem Event teilnehmen zu dürfen. Zu später Stunde saßen wir ums Lagerfeuer, das Kindlein schlief friedlich im Kinderwagen, wir schwatzten über Gott und die Welt, als uns auf einmal ein Mit-Elferrätler anging, was wir doch für Rabeneltern wären, dass wir um diese Zeit – es ging auf Mitternacht zu – noch mit dem Kind draußen wären und wir wären total verantwortungslos. Zur Erinnerung: wir saßen am Lagerfeuer, an frischer Luft, unterhielten uns, im Hintergrund spielte in Wohnzimmerlautstärke die Musik und das Kind schlief friedlich.
Ich wusste gar nicht, was ich darauf sagen sollte, so baff war ich. Selbst heute noch, knapp 7 Jahre später, regt mich diese Geschichte auf.

Wir feiern unseren Hochzeitstag traditionell beim Griechen. Find ich deshalb gut, weil mein Mann keinen Ouzo mag und ich seinen Gratis-Ouzo immer mittrinken darf, aber das nur nebenbei. 😉
Natürlich sind unsere Kinder immer mit dabei und wir sitzen da auch gerne mal länger. Die Kinder finden das Stillsitzen irgendwann doof und laufen durch das Restaurant. Die Kellner machen dann extra theatralische Gesten, wenn sie mit dem Essen um die Kinder balancieren. Anfangs hatte ich noch Angst, dass wir ermahnt würden, unsere Kinder doch am Platz zu behalten, weil sie den Betrieb stören würden.
Doch ganz im Gegenteil, zu späterer Stunde plauschten die Kellner mit uns und meinten, sie fänden es toll, dass wir die Kinder dabei hätten und auch um diese Uhrzeit. Sie könnten gar nicht verstehen, warum die Deutschen ihre Kinder immer so zeitig ins Bett bringen würden, in Griechenland wäre es völlig normal, dass die Kinder an Feierlichkeiten teilnehmen und auch bis spät aufblieben. Dann schenkten sie beiden Kindern noch einen Lutscher und wünschten uns einen schönen Abend.

Vielleicht habt ihr ja ähnliche Beispiele. Mit alten Menschen. Oder mit Jungen. Oder mit den Alt-Geborenen.

Wie geht ihr mit Einladungen und euren Kindern um? Wurdet ihr auch schon beschimpft? Oder seid ihr Befürworter der festen Bett-Geh-Zeiten?

Wochenend und Sonnenschein

Gestern Abend klagte meine Süße über Schmerzen in der rechten Leistengegend. Weil sie kurz darauf einen riesigen Pups freiließ, dachte ich mir nix dabei und brachte sie wie gewohnt ins Bett.
Heute morgen war die Kleene arg knatschig und fühlte sich heiß an und meinte immer noch, der Bauch würde weh tun. Ein wenig ratlos gab ich ihr erstmal Fiebersaft. Der schlug gut an, doch nach 2 Stunden war’s vorbei mit der Ruhe, die Süße wurde unruhig und knatschig. Ein Arztbesuch war also unumgänglich. Blieb nur die Frage, wohin. Durch Zufall hatte heute unsere Kinderärztin Bereitschaft, aber ich war dennoch unsicher, ob nicht die Uniklinik, wo wir wegen der Doppelniere eh schon in Behandlung sind, nicht die bessere Alternative wäre. Ich diskutierte mit meinem Mann, befragte eine kompetente Facebookgruppe, aber so ein wirklich eindeutiges Ergebnis brachte das alles nicht.

Wir sind dann in die Uniklinik gefahren, weil wir dort ja auch standardmäßig wegen der Doppelniere in Behandlung sind und ich dachte, dann könnten die Ärzte das gleich in der Akte alles nachlesen und zum anderen haben sie dort alles vorrätig.
An der Anmeldung kam der Verdacht auf Blinddarmentzündung auf, was ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, aber an sich auch gut zu den Symptomen gepasst hätte.
Daheim hatte ich vorsorglich einen Urinbeutel geklebt, denn ohne Urinprobe würden sie uns bestimmt nicht gehen lassen und bis man so eine Probe hat, kann es ja auch gerne mal dauern.
An der Anmeldung hatte ich bereits die Stichworte Doppelniere und Reflux erwähnt, aber die sind auf dem Weg zur Kinderambulanz verloren gegangen. An der dortigen Anmeldung sagte ich die Losungsworte erneut und verursachte damit Verwirrung, ob dies nun ein pädiatrischer oder chirurgischer Notfall wäre. Wir durften erstmal im Wartebereich Platz nehmen und ich stellte mich auf einen längeren Aufenthalt ein.

Umso überraschter war ich, als wir nach 10 Minuten schon aufgerufen wurden. Eine Schwesternschülerin machte eine Anamnese, ich zählte die Symptome auf und erwähnte wieder Doppelniere und Reflux. Die Schülerin schrieb alles fleißig mit, wog das Kind und maß nochmals Fieber. Das wurde zwar schon bei der zweiten Anmeldung gemacht, aber das Ergebnis offenbar nirgendwo vermerkt.
Ich schaute immer mal nach dem Urinbeutel, aber da war nix und die Kleene jammerte jedes Mal, wenn ich sie fragte, ob sie denn pullern müsste.
Nach 10 Minuten kam der Arzt, ließ sich wieder alles beschreiben, offenbar hatte keinerlei Kommunikation mit der Anmeldung oder der Schwesternschülerin stattgefunden. In meinem jugendlichen Leichtsinn ging ich davon aus, dass der Arzt einen Blick in die Akte geworfen und dort die Doppelniere entdeckt hatte. Seine Untersuchung ging aber auf diesen Aspekt gar nicht ein und erst auf Nachfrage schaute er sehr erstaunt und bestand dann natürlich auf der Urinprobe. Immerhin konnte er Nierenbeckenentzündung ausschließen, denn da hätte die Kleene wohl ganz argen Druckschmerz in der Nierengegend. Wenigstens etwas.

Nach einigem Hin und Her konnte sich die Kleene endlich durchringen, aufs Töpfchen zu gehen und der anschließend durchgeführte Test ergab rote und weiße Blutkörperchen im Urin. Yay 😦
Als letztendliche Diagnose stellte der Arzt dann fest, dass sie einen Harnwegsinfekt + Angina hat, verschrieb uns ein AB und am Montag sollten wir in der Kinderurologie anrufen und die weitere Behandlung abstimmen.

Ich hab jetzt erstmal genug von der Notaufnahme. Können unsere Kinder nicht zu normalen Öffnungszeiten krank werden wie andere Kinder auch?

Loneliness: the secret circle of hell

Treffender kann man Einsamkeit wohl nicht beschreiben. Sehr bewegender Text.

Gordon Darroch's Unreal Domain

7428137392_2f7c91274c_b Picture: The lonely runner, by Nick Kenrick on Flickr

“We cannot cope alone,” wrote George Monbiot in his essay on the age of loneliness, published in The Guardian two years ago. Human beings are social animals: we crave the support, approval and love of like-minded individuals. But society in the last 50 years has become steadily more atomised, with a relentless focus on individual success. The Olympics have been reduced to the singularity of winning – silver medallists cry tears of rage and act as if a close relative has died, just because one person out of thousands performed slightly better than them at an arbitrary task. We commiserate with losers rather than celebrate their contribution to the spectacle. There is no solidarity with, or appreciation for, a worthy adversary. And so it is in society: performance is paramount, failure is shameful and social status depends on meeting somebody else’s…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.590 weitere Wörter