Am Montag nichts Neues

Oder auch: Same procedure as last monday? Same procedure as every monday.

Vor zwei Wochen hatte ich mein tolles Personalgespräch mit meinem Chef wegen meiner vielen Abwesenheiten. Ein Thema war unter anderem meine Schöffentätigkeit und die Aussage, dass ich dafür nur 3 Tage pro Jahr freigestellt werden müsste. Eine kurze Internetsuche zeigte, dass diese Aussage eher ein alternativer Fakt ist, denn der Wahrheit zu entsprechen.

Letzte Woche hatte ich es außerdem gewagt, mir 3 Tage Urlaub zu nehmen, um das Zimmer für meine Tochter einzurichten. Der Bericht dazu folgt, sobald ich den Muskelkater vergrault habe. Nach dieser erneuten Abwesenheit ging ich erwartungsfroh und mit dem Schlimmsten rechnend ins Büro.

Kurzer Einschub: Ich hatte schon einige Jobs in meinem Leben und auch welche mit echt üblen Chefs. Es gab Zeiten, da hatte ich Panik, auf Arbeit zu gehen, heulte den ganzen Weg zur Arbeit, riss meine 8 Stunden ab, heulte auf dem Weg nachhause und hatte massivste Schlafstörungen. Ich kenne die dunkle Seite und war so froh, mit dem neuen Job einen tollen Chef und nette Kollegen erwischt zu haben.

Ich ging gerne auf Arbeit. Zwar bin ich nicht jeden Morgen jubelnd aus dem Bett gehüpft, dafür bin ich viel zu wenig Morgenmensch. Aber ich freute mich auf die Kollegen, auf die Arbeit, auf spannende Themen. Nicht jeder Tag war eitel Sonnenschein, doch die vielen guten Tage überwogen und trugen mich über solche Durststrecken.

Mit dem Wechsel zur neuen Position und mit dem neuen Chef änderte sich daran auch erstmal nichts. Ich machte weiter mein Ding, traf mich weiter mit den Kollegen zum Essen und ich freute mich sogar auf den bevorstehenden Umzug im Rahmen der Unternehmensfusion.

Das ist jetzt ganze 3 Monate her. Inzwischen kann sich niemand mehr daran erinnern, dass ich mit umziehen sollte. Ich werde also in 1-2 Wochen den direkten Kontakt zu meinen Kollegen fast vollständig verlieren und mit dem übrig gebliebenen Rest vorlieb nehmen müssen. Mein Chef verliert immer mehr den Kontakt zur Realität, was auch andere, die viel mit ihm zu tun haben, immer wieder zu spüren bekommen.

Und zu allem Überfluss habe ich heute ein erneutes Personalgespräch, diesmal direkt mit der Personalabteilung. Es geht um meine Schöffentätigkeit. Vermutlich fanden sie meine Aussage, dass Schöffen zur Ausübung der Schöffentätigkeit von der Arbeit freigestellt werden müssen und durch ihre Schöffentätigkeit keine Benachteiligung im Job erfahren dürfen, nicht so prickelnd.

Um 14 Uhr habe ich das Gespräch und bin gespannt, was diesmal dabei herauskommt. Vorsichtshalber werde ich mir den Gesetztestext ausdrucken und mitnehmen.

Gerne auf Arbeit gehe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Gründe, Freude an meiner Tätigkeit zu haben, werden jeden Tag geringer. Noch ist es nicht so weit, dass ich heulend hinterm Lenkrad sitze. Heute morgen noch dachte ich mir, dass ich bis Mai durchhalten müsse, dann kriege ich vielleicht doch die Entfristung durch und dann können sie mich alle mal gern haben.

Jetzt stelle ich mir die Frage, wozu überhaupt.

P.S.: Trotz der vielen Gespräche in letzter Zeit hatte ich in den 1,5 Jahren, die ich nun hier bin, kein einziges richtiges Personalgespräch, wo die Leistung als Mitarbeiter eingeschätzt wird und Entwicklungsmöglichkeiten oder Gehaltsstrukturen verhandelt werden. Kommt vielleicht nächsten Montag, wer weiß.

3 Kommentare zu “Am Montag nichts Neues

  1. Ich hoffe, du bist gut durch den Tag gekommen.

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  2. Das hoffe ich auch. Das hört sich echt nicht gut an dort. Besonders blöd, wenn es schon deutlich besser lief.

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