Kopfschütteln

Mal wieder Zeit für eine Blogempfehlung. Aber Vorsicht, Nackensteife wegen vermehrten Kopfschüttelns möglich!

Jule Stinkesocke

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Treffsicher

Gibt so Tage, nech?!

Nichts Böses ahnend und eigentlich nur nach Hause wollend, nach meiner heutigen anstrengenden Therapiesitzung, fuhr ich bei schönstem Sonnenschein um die Mittagszeit heim. Auf einer zweispurigen Straße mit erhöhtem Gleisbett an einem und einer dichten Baumreihe am anderen Fahrbahnrand zockelte ich mit den anderen Fahrzeugen gen Stadtmitte. An einer Bedarfsampel musste ich halten. Plötzlich, von irgendwoher ein Martinshorn. Hinter mir ein Großraumtaxi, welches mir fast die komplette Rücksicht versperrte. Ich rotierte in meinem Auto, um herauszufinden, woher der Krankenwagen kam.

Weit hinter mir sah ich es blinken. Nah hinter mir hupte es. Der Taxifahrer meinte, mich durch anhaltendes Hupen von der Straße wehen zu können. Ich jedoch musste mich erst orientieren. Links war keine Ausweichmöglichkeit, rechts fuhren die anderen und einfach nach vorne brettern war auch keine Option. So fädelten sich langsam alle auf der rechten Spur ein, weiterhin begleitet vom Taxifahrerhupen.

Der Krankenwagen fuhr an uns vorbei und auf die nächste Kreuzung zu. Die Autos sortierten sich wieder, diesmal auf die mittlerweile 4 verfügbaren Spuren; ich in die ganz linke, weil ich an der übernächsten Kreuzung links abbiegen wollte und sich zeitiges Einordnen an dieser Kreuzung, eine der größten der gesamten Stadt, bewährt hat.

Auf den drei Spuren neben mir reihten sich diverse andere Fahrzeuge ein, darunter auch ein Transporter oder LKW, welcher mir teilweise die Sicht auf den rechten Teil der Kreuzung versperrte. Es wurde grün, ich fuhr an, ein wegen des Krankenwageneinsatzes auf der Kreuzung verbliebenes, abbiegendes Fahrzeug ebenfalls. Da ich dem anderen Auto die Gelegenheit geben muss, die Kreuzung zu räumen und um einen Unfall zu verhindern, bremste ich ab.

Und bekam einen heftigen Schlag in den Rücken und Nacken.

Der im Rumtönen versierte Taxifahrer hinter mir hatte nicht aufgepasst und war mir volle Kanne hinten drauf gefahren.

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie der „unfallverursachende“ PKW abbog und einfach weiterfuhr. Ich wollte ihm noch hinterherrufen, aber erstens war ich viel zu geschockt und zweitens waren meine Fenster geschlossen, der hätte mich eh nicht gehört.

Da stand nun ich mitten auf der Kreuzung. Ich schaute mich um, wohin ich denn ausweichen könnte, denn da stehen bleiben fand ich aufgrund des doch eher überschaubaren Unfall- und Schadensbild für übertrieben. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine größere Betonfläche zwischen den beiden Richtungsspuren, dorthin setzte ich mich ab und wartete auf den Unfallgegner.

Der kam auch, nachdem er sich seinen Schaden angeschaut hatte, und toffelte mich in gebrochenem Deutsch voll. Joar, das hatte mir jetzt noch gefehlt. Da er außer Toffeln nichts Konstruktives zur Lage beitragen konnte und ich ob der Sprach- und Respektsunterschiede keinen Bock auf eine eingehendere persönliche Auseinandersetzung mit dem Typen hatte, rief ich die Polizei. Sollten die doch die Sache klären, ich war mir keiner Schuld bewusst.

Die Polizei kam nach einer halben Stunde, erkundigte sich über den groben Ablauf und nahm unsere Personalien auf. Ich durfte dem PHK als erstes den genauen Unfallhergang schildern und er bestätigte mir erstmal die grundsätzliche Richtigkeit meines Handelns. Dem anderen Auto ermöglichen, nach dem Krankenwageneinsatz die Kreuzung zu beräumen, steht in der StVO. Gegenseitige Rücksichtsnahme und vorraussschauendes Fahren ebenso. Immer so viel Abstand zu halten, um im Ernstfall ohne Unfall bremsen zu können auch.

Was auch drin steht, ist unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, dem sich der Abbieger schuldig gemacht hat. Mein „Verlassen“ des Unfallortes war angesichts der Situation angemessen. Auch, dass ich die Polizei ob des gegnerischen Sozialverhaltens gerufen habe. Der Beamte konnte verstehen, dass ich das nicht alleine regeln wollte.

Der sehr nette Hauptkommissar widmete sich dann dem Unfallgegner. Sein Polizeikollege vermaß und fotografierte akribisch die Unfallstelle und die Schäden an den Autos. Er fertigte eine ausführliche Skizze des Unfallortes an, benutzte viel Kreide und Klebepfeile. Ich glaube, da hat jemand seine Bestimmung gefunden, denn die ganze Zeit lächelte er zufrieden und malte und markierte und knippste.

Mittlerweile stand ich bereits eine Stunde in der Kälte und spürte langsam meine Füße nicht mehr. Dann durfte ich in den Polizeiwagen einsteigen und der Polizist erklärte mir, dass der Taxifahrer angegeben hat, dass da kein Abbieger auf der Kreuzung war. Nicht nur ungeduldig, auch noch blind.

Ich war ehrlich empört. Der Beamte belehrte mich über dies und jenes, erklärte mir das weitere Vorgehen und erläuterte sehr ausführlich, dass sie als Polizei dem Neutralitätsgebot verpflichtet sind und in der Situation Aussage gegen Aussage steht und sie nach aktuellem Stand weder mir noch dem Unfallgegner eindeutig die Schuld zuweisen könnten.
Hmpf!

Der ganze Vorgang würde jetzt an die Sachbearbeitung weiter gegeben und die entscheide dann über das weitere Verfahren. Dabei gibt es 3 Möglichkeiten:

  1. Gegen mich wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet wegen „blöder Fahrweise“ oder wasauchimmer das im Beamtendeutsch heißt.
  2. Gegen den Taxifahrer wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, weil er den Sicherheitsabstand nicht eingehalten.
  3. Sollte ich mich verletzt haben und einen Arzt aufsuchen müssen, dann wird gegen den Taxifahrer noch ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet, unabhängig von der Schuldfrage.

So langsam wich der erste Schock und das Adrenalin aus meinem Körper und ich merkte den bereits initial gespürten Nackenschmerz wieder. Rache ist ja nun eher nicht meins, aber der Typ hatte mich so penetrant angetoffelt, dass ich diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung zog.
Aber zuerst wollte ich nur nach Hause.

Dort versuchte ich, meinen Mann zu erreichen. Immer wieder schön, wenn beim Anrufversuch das Handy auf der anderen Tischseite vibriert. Ok, ich versuchte, seinen Kollegen zu erreichen; der war aber krank. Ich telefonierte dann mit irgendjemand anderem aus seiner Firma, der meinem Mann Bescheid sagen sollte. Tat er auch, kurz darauf meldete er sich bei mir.

Ich bat ihn, etwas früher heimzukommen, da heute die Kleene vom Großelternbesuch vom Opa wieder bei uns abgeliefert wird. Und da die Nacken- und Kopfschmerzen mittlerweile eine sehr anspruchsvolle Qualität angenommen hatten, wollte ich zum Arzt, das abchecken lassen und wollte aber die Kleene, die eh schon völlig überdreht sein würde wegen Heimkehr und Abschied und Gefühlen, nicht mit zum Arzt nehmen. Da Arztbesuche immer ein zeitlich unbestimmtes Risiko bergen, rechnete ich mit verlängerter Wartezeit und deswegen sollte mein Mann eher heim, damit der Opa rechtzeitig genug losfahren kann, um die Oma von ihrer Arbeit abzuholen. Einfach können wir nicht.

Beim Arzt ging es dann unerwartet schnell, nach einer halben Stunde war ich mit der Diagnose „Distortion der Halswirbelsäule“ und einer Portion Schmerzmittel mit Kortison intramuskulär in der linken Pobacke wieder draußen. So konnte ich mit meinem Pa noch ein paar organisatorische Dinge klären, Weihnachtsgeschenke besprechen und generell Neuigkeiten austauschen.

Jeder, dem ich bis dahin von dem Unfall erzählt hatte, sagte mir, dass bei so einem Unfall eigentlich immer der Hintermann Schuld ist. Ich erwiderte, was mir der Polizist sagte und sah mich schon auf nem Batzen Kosten sitzenbleiben.
Die Spritze wirkte spektakulär, so dass ich sogar noch bei meiner Versicherung anrufen konnte, um den Schaden zu melden, wie es mir der Polizist empfohlen hatte.

Meine Versicherung allerdings weigerte sich, den Schaden aufzunehmen, da ich nach deren Auffassung keinerlei Schuld an dem Unfall trage. Ich sollte mich an die Versicherung des Unfallgegners wenden. Der freundliche Hotliner erklärte mir auch, dass die Polizei gar kein Schuldurteil fällen darf, sofern es nicht eineindeutige Beweise gäbe. Das Vorgehen wäre völlig normal, würde aber die Versicherungen nicht berühren. Würde ich allerdings jetzt meiner Versicherung den Schaden trotzdem melden, dann würde da automatisch die Haftpflichtregulierung einspringen und ich in der Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft. Und das wollen wir doch alle nicht 🙂

Ich versuchte dann, die gegnerische Versicherung anzurufen, aber da war heute niemand mehr zu erreichen. Nächster Versuch dann morgen.

t.b.c.

Grundgesetz

Und dann redest du zwischendurch und völlig unvorbereitet, weil halt gerade der 9. November ist, mit deinem 9-jährigen Kind über das Grundgesetz.

Woraus es entstanden es, wie fortschrittlich es damals war, welche Bedeutung es heute hat. Und irgendwann fragst du bei deinem Kind mal nach, wie es denn ausgerechnet jetzt auf dieses Thema kommt. Es antwortet, weil das Grundgesetz in verschiedenen Sprachen in der Schule aushängt und es sich wundert, was es eigentlich damit auf sich hat.

Als Ossi ist mir die Geschichte des Grundgesetzes nur mäßig vertraut, dennoch versuchte ich mein Bestes. Damals, nach dem 2. Weltkrieg mit sämtlichen Ungeheuerlichkeiten, wollte Deutschland eine Verfassung etablieren, die eben jene Grausamkeiten, wenn nicht gar unmöglich, so doch sehr schwierig wiederholbar machen sollte. Es wurden schlaue Menschen gefragt, was alles im Grundgesetz stehen sollte und die beauftragten Menschen waren nicht nur schlau, sondern auch sehr weise.

Artikel 1 des Grundgesetzes kennt hoffentlich jeder: die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch wenn dieser Satz eher abstrakt und wenig greifbar ist, fußen doch alle anderen Artikel darauf.

Damals revolutionär und noch ein paar Jahre im Brutkasten der Demokratie inkubiert, steht da auch, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Vor allem dieser Artikel ist wichtig für Flüchtlinge, da leider sehr oft in vornehmlich muslimisch geprägten Ländern das Frauenbild doch einer anderen Realität entspringt.

Post- und Briefgeheimnis. Du darfst halt keine fremden Briefe öffnen, egal, wie sehr dich der Inhalt interessiert und du denkst, hey, das ist nur ein Infobrief, was soll da schon drinstehen. Wir halten es in unserer Familie genau so, direkt adressierte Briefe dürfen nur vom Empfänger geöffnet werden. Da tut es auch nichts zur Sache, dass wir letztendlich keine Geheimnisse voreinander haben und den Inhalt trotzdem erfahren.

Die Unabhängigkeit des Journalismus ist fundamental, eine Zensur findet nicht statt. Ein weiteres, fundamentales Gesetz in einer freien Demokratie. Es muss jederzeit möglich sein, auch unbequeme Wahrheiten zu veröffentlichen.

Dann schwand Juniors Interesse, aber ich denke, er hat den Grundgedanken unserer Verfassung verinnerlicht. Den vorurteilsfreien Umgang mit sämtlichen Menschen hat er schon viel früher gelernt!