Agentur für Arbeit

Obwohl es mir nicht sonderlich gut geht und mein Selbstvertrauen irgendwo um das Nulllevel herum pendelt, muss ich doch aktiv im Bewerbungsprozess sein. Einen ersten Termin beim Arbeitsamt hatte ich bereits, und wieder habe ich eine sehr nette Sachbearbeiterin zugeteilt bekommen, der das ganze Geschehen am Arsch vorbei geht, die sich aber dennoch um ihre Schützlinge bemüht.

Hintergrund der LMAA-Haltung ist, dass das hiesige Arbeitsamt nur befristete Stellen auf maximal 2 Jahre vergibt. Nach dieser Zeit ist es ausgeschlossen, sich bei irgendeiner Bundesbehörde zu bewerben. Das erklärt, warum ich jedes Mal einen neuen Sachbearbeiter kennen lernen durfte. Bei meinem Termin quatschte ich mit der Sachbearbeiterin über dies und das, weil mein Profil und meine Qualifikationen bereits fein säuberlich im Profil hinterlegt waren und die Dame außer den üblichen Belehrungen und Schriftsätzen nicht wirklich etwas zu tun hatte.

Sie plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. So war sie ebenfalls prekär beschäftigt gewesen und hatte sich beim A-Amt beworben. Die Zusage kam 4 Wochen nach der Geburt ihres 2. Kindes. Da sie Hauptverdienerin ist, musste sie zusagen, nutzte aber die gesetzliche Stillpausenregelung bis zum Erbrechen aus, wofür ich ihr den höchsten Respekt zolle. Ich hätte mir den Stress definitiv nicht angetan.

Mein Termin startete 5 Minuten später, weil sie gerade ihr 8 Monate altes Kind stillte und nicht ganz pünktlich fertig wurde. Seit wann halten sich auch Babies an Termine o.O
Sie erzählte weiter, dass die Arbeitsagentur bemüht war, die Sachbearbeiter nicht in den gleichen Postleitzahlenbereichen wie die Antragsteller zu beschäftigen, um diese vor Übergriffen von Kunden zu schützen. Blöd nur, wenn vor unserer Haustür eine PLZ-Grenze verläuft und die Sachbearbeiterin keine 200m von uns entfernt wohnt und durch das große Einkaufszentrum ums Eck sehr oft in unserer Gegend unterwegs ist.

Sie geht 35 Stunden Teilzeit arbeiten. Ein Kollege in einem benachbarten Kaff von 40k Einwohnern, geht 40 Stunden. Er hat 40 Kunden insgesamt. Sie dürfte wegen der Teilzeit nur 170 Kunden maximal bearbeiten, hat aber nach aktueller Zählung 218 Kunden. Finde den Fehler.

Sie druckte mir den ganzen Papierkram aus, gab mir ein Formular zum ausfüllen, meinte, dass wir uns wahrscheinlich nicht wiedersehen werden, weil ich bis dahin einen neuen Job hätte, aber sie auch nicht so genau hinschaue, ob ich denn alle Kriterien erfülle und alle Bewerbungen abgeschickt hätte. Sie schätzte mich dahingehend ein, dass ich mich schon aus eigenem Antrieb ausreichend bewerben würde. Sollte eine komische Stellenanzeige bei mir landen, auf die ich überhaupt nicht passe, dann sollte ich nur einen Vermerk machen, sie würde mir keine Repressalien auferlegen, da sie weiß, wie mies der Algorithmus des A-Amtes bei der Stellenauswahl ist.

Jetzt müsste ich nur noch den Antrag fürs ALG-1 stellen, aber irgendwie hoffe ich, dass ich doch noch darum herum komme. Da es aber nur noch 10 Tage sind, ist diese Hoffnung realistisch betrachtet extrem unwahrscheinlich.

P.S.: Im Verlauf des aktuellen Bewerbungsprozesses bin ich auch auf alte Bewerbungen gestoßen. Da ich, vor allem digital, nichts wegwerfen kann, habe ich sämtliche Bewerbungsanschreiben der letzten 5 Jahre archiviert. Einige davon finde ich wirklich sehr gelungen, so dass ich diese in einer eigenen Serie veröffentlichen werde.

Ihr dürft gerne raten, ob die jeweilige Bewerbung von Erfolg gekrönt war 🙂

 

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Nicht zu Ende gedacht!

Einer der Fußballmütter des Heimatvereins meines Großen arbeitet bei der Jugendnothilfe unserer Stadt. Sie betreut dort vor allem Familien mit Kleinkindern von 0 bis 3 Jahren. Oft genug passiert es, dass trotz aller Betreuung Kinder aus den Familien herausgenommen werden müssen. In diesem Fall kommen sie zuerst in eine zentrale Notbetreuung, von dort in eine Übergangspflegefamilie, um dann, so denn keine Besserung in der Stammfamilie in Sicht ist, in eine Langzeitpflegefamilie vermittelt zu werden.

Nun gibt es in unserer Stadt eine überdurchschnittlich hohe Zahl solcher Fälle. Zum einen, weil der Anteil der sozial schwachen Familien über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Zum Anderen, weil die Nähe zum osteuropäischen Ausland die Zahl der Crystal-abhängigen Eltern kontinuierlich steigen lässt. Wiederholt sind in der Vergangenheit kleine Kinder gestorben, weil ihre Eltern vollgedröhnt oder gar tot nicht mehr in der Lage waren, sich ausreichend um die Kinder zu kümmern. Das hiesige Jugendamt ist daher entsprechend sensibel und nimmt Kinder lieber zu früh als zu spät aus den Familien.

Besagte Mama arbeitet als Psychologin mit allen Beteiligten und erzählte mir während der letzten Fußballtrainings von ihrer Arbeit und auch davon, dass händeringend Pflegefamilien gesucht werden. Da ich aktuell auf Jobsuche bin und mich im Hinterkopf immer wieder mal mit dem Gedanken getragen habe, ein Pflegekind aufzunehmen, hörte ich aufmerksam zu und dachte ausgiebig über diese Option nach.

Letztendlich musste ich mich aber dagegen entscheiden und dies hat folgende Gründe:

  1. Während der Betreuungszeit wird kein Rentenanspruch aufgebaut.
    Wenn man als natürliches Elternteil in Elternzeit geht, um sich Vollzeit um das eigene Kind zu kümmern, bekommt man in dieser Zeit den durchschnittlichen Verdienst aller Deutschen als Rentenpunkte gutgeschrieben. Dies soll verhindern, dass die Kinderbetreuung die spätere Rente unnötig mindert.
    Betreut man allerdings ein Pflegekind, werden keine Rentenpunkte gutgeschrieben. Dies ist insofern problematisch, als das das Pflegeelter für die Pflege keiner geregelten Arbeit nachgehen darf.
    Der Träger, hier die Diakonie, gibt zwar einen Anteil (aktuell 40€ pro Monat) zu einem Rentenvorsorgeplan dazu, wer aber mal geschaut hat, wie viel Geld pro Monat eingezahlt werden muss, um einen Rentenpunkt zu bekommen, sieht sofort die eklatante Diskrepanz.
  2. Fehlende Krankenversicherung.
    Wenn man als Pflegeelter verheiratet ist, kann man sich über den Ehepartner familienversichern lassen. Ist man allerdings alleinstehend oder ist aus einem anderen Grund eine Familienversicherung nicht möglich, muss man sich selbst krankenversichern. Dies beträgt je nach Krankenkasse und Tarif um die 130€ im Monat.
  3. Kein zusätzliches Kindergeld.
    Der Träger behält das Kindergeld ein und verrechnet es quasi mit der Aufwandsentschädigung.
  4. Kein Pflegekind, kein Geld.
    Die Kurzzeitpflege ist eine Übergangslösung, es ist also normal, dass Kinder nach ein paar Wochen oder wenigen Monaten wieder gehen. Dann muss man als Pflegefamilie auf ein neues Kind warten. Während der Wartezeit erhält man kein Geld. Da man nicht absehen kann, wann ein neues Kind Hilfe benötigt, muss man selber sehen, wie man über die Runden kommt. Zwar sagt oben erwähnte Mutter, dass die längste Wartezeit während ihrer Betreuung 6 Wochen betrug, aber diese 6 Wochen müssen auch erstmal überbrückt werden.
  5. Zu schlechte Entlohnung.
    Aktuell gibt es hier etwas mehr als 1.500€ pro Monat für die Betreuung eines Pflegekindes. Dabei entfallen 500€ auf die Bedürfnisse des Kindes (Kleidung, Nahrung, Windeln, anteilige Miete, etc.), der Rest ist die Aufwandsentschädigung, wobei nicht nachgewiesen werden muss, dass man wirklich die 500€ dem Kinde zugute kommen lassen hat.
    Wenn ich jetzt bedenke, dass wir ca. 1.600€ von mir + das Gehalt meines Mannes benötigen, um halbwegs mit 2 Kindern um die Runden zu kommen, sind die 1.500€ für letztendlich 3 Kinder doch etwas mickrig. Zumal es keinerlei zusätzliche Zuwendungen gibt. So müssen der Urlaub oder andere Sonderlocken allein aus diesem Budget bestritten werden.

Es steht außer Frage, dass man für diese oft traumatisierten Kinder rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss. Aber dann sollte sich dies auch finanziell niederschlagen, sowohl in der monatlichen Aufwandsentschädigung als auch beim Rentenbeitrag. In der aktuellen Form geht Pflegefamilie nur, wenn der Partner einen entsprechend einträglichen Job hat und/oder man mit sehr viel Idealismus gesegnet ist. Beides ist bei uns nicht der Fall und damit fällt die Option Pflegefamilie flach.

Schade!

Ganz dumm gelaufen

Heute hatte ich wieder einen Gerichtstermin als Schöffin. Auf dem Programm stand ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Hört man auch nicht aller Tage und ich war entsprechend gespannt auf das Verfahren.
Da das Verfahren abgeschlossen und das Urteil rechtskräftig ist und außerdem im Zuge eines Rechtsgesprächs (in amerikanischen Gerichtsserien wird das gerne als „Deal“ bezeichnet) gefunden wurde, denke ich, dass es meiner Unbefangenheit als Schöffe nicht im Wege steht, wenn ich darüber berichte.

Wie bei diesem Richter üblich, erklärte er den Schöffen im Richterzimmer vor der Verhandlung, worum es im Groben geht, mit welchen Schwierigkeiten er rechnet und wie lange die Verhandlung ungefähr dauern wird. Dieses Mal bereitete ihm der Verteidiger Kopfschmerzen, der im Vorfeld angekündigt hatte, gegen die Hausdurchsuchung, bei der die belasteten Beweise gefunden wurden, Beschwerde wegen Unrechtmäßigkeit einzulegen. Daher rechnete der Richter damit, jede Menge Anträge zu bekommen, welche er dann bewerten und zulassen oder ablehnen muss. Dazu müssten sich die Richter, also auch die Schöffen, jedesmal ins Richterzimmer begeben, entscheiden, zum Gerichtssaal zurücklaufen und die Entscheidung verkünden. Um vermutlich keine 5 Minuten später das gleiche Prozedere erneut durchzuführen. Entsprechend viel Vorarbeit hatte der Richter an den Tag gelegt und um die 5 Seiten an Argumenten zusammenzutragen, um alle möglichen Anträge schnell bearbeiten zu können.

Während er uns alles noch erklärte, stand plötzlich der zugehörige Staatsanwalt im Raum. Auch er war auf den spitzfindigen Verteidiger eingestellt, wollte aber viel lieber ein kurzes Verfahren und eine zügige, angemessene Verurteilung. Richter und Staatsanwalt besprachen die Möglichkeiten, welche ihnen durch die Gesetze zur Verfügung standen, einigten sich auf eine Alternative und der Staatsanwalt wollte vor der Verhandlung nochmals mit dem Verteidiger sprechen, um ihn vielleicht doch noch in letzter Minute zu einem Umdenken und mehr Einsicht zu bewegen.

Kurz darauf fanden sich alle Beteiligten im Gerichtssaal ein und der Staatsanwalt begann die Anklageschrift zu verlesen: Im Rahmen einer Hausdurchsuchung vor 2 Jahren wurden beim Angeklagten in der Wohnung 10 Stück Munition verschiedenen Kalibers gefunden. Zwei dieser Patronen waren NATO-Munition für das G36 und damit wurde aus dem Munitionsfund automatisch ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Nach der Verlesung der Anklageschrift und der Feststellung der Personalien des Angeklagten bat der Verteidiger um ein Rechtsgespräch. Nun hab ich schon einige Verhandlungen mitgemacht und dabei auch jede Menge juristischer Besonderheiten kennengelernt, aber ein solches Gespräch war mir neu.
Der Angeklagte und die Gerichtsschreiberin mussten den Raum verlassen und dann besprachen Staatsanwalt und Verteidiger unter Aufsicht des Richters das mögliche Strafmaß und die dazu notwendigen Voraussetzungen.

Da der Angeklagte Zeitsoldat ist, und eine Verurteilung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz eine Mindeststrafe von einem Jahr nach sich zieht, was wiederum das sofortige Ende seiner Karriere bei der Bundeswehr bedeutet hätte, wollte der Verteidiger erreichen, dass von einem minderschweren Fall ausgegangen wird, dessen Strafmaß deutlich geringer ausfällt und von einer Geldstrafe über Bewährung bis zu einer Haftstrafe von maximal 3 Jahren führen kann. Relativ schnell waren sich alle Beteiligten einig, dass eine Verurteilung zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen angemessen wäre, vorausgesetzt, der Angeklagte legte ein vollumfassendes Geständnis ab, verzichtete auf die Herausgabe der beschlagtnahmten Beweismittel und zeige sich aufrichtig reuig.
Wir Schöffen saßen schweigend da und beobachteten fasziniert das Geschehen.

Der Angeklagte und die Protokollantin wurden wieder hereingerufen, wobei der Verteidiger um 3 Minuten Besprechungszeit mit seinem Mandanten bat, welche ihm natürlich gewährt wurde.
Danach begann das eigentliche Verfahren. Der Angeklagte räumte alle Vorwürfe ein und wollte auch nichts von den Beweismitteln zurückhaben.
Der als Zeuge einbestellte Vorgesetzte, ein Major, dem der Angeklagte gebeichtet hatte, wie er zu der Munition gelangte, wurde wieder heim geschickt, da seine Aussage durch das Geständnis des Angeklagten hinfällig geworden war.

Wir schauten uns noch Bilder an, die bei der Hausdurchsuchung gemacht wurden. Es stellte sich heraus, dass der Angeklagte die Patronen hübsch dekorativ zentral mittig in seiner Anbauwand platziert hatte. Damit konnte von einem Versehen beim besten Willen nicht ausgegangen werden. Bei der Durchsuchung wurde auch ein Kleinkaliberluftgewehr gefunden, das sich aber rechtmäßig im Besitz des Soldaten befand.
Danach wurde das Gutachten über die gefundene Munition verlesen, welches bestätigte, dass 2 Patronen für das G36 waren, ein paar Patronen waren kleineren Kalibers und fielen unter das Waffengesetzt und die restlichen waren entweder Platzpatronen oder leere Patronenhülsen ohne Projektil und Treibladung.

An sich wäre hier die Beweisaufnahme beendet gewesen, aber der Richter hatte vorsorglich zwei Polizeibeamte geladen, die die Hausdurchsuchung durchgeführt hatten. Einer von den Beamten hatte allerdings genörgelt, dass ihm der Termin so gar nicht passe, weil er an diesem Tag eine Weiterbildung hätte, aber der Richter bestand auf den Termin und betonte die Priorität, welche die Rechtsfindung in seinen Augen hätte. Jetzt die Polizisten unverrichteter Dinge gehen zu lassen, hätte wahrscheinlich den nie enden wollenden Unmut des Polizisten nach sich gezogen, weswegen er diese trotz augenscheinlicher Unnötigkeit dennoch vernehmen wollte. Er erklärte dies den Beteiligten und sie hatten keine Einwände, sind ja doch alles nur Menschen.

Der Durchsuchungsleiter wurde aufgerufen und machte seine Aussage. Die Wohnung war zum Zeitpunkt der Durchsuchung menschenleer, die Patronen lagen in der Anbauwand, wurden eingetütet, fertig.
Der zweite Polizist, der ebenfalls an der Durchsuchung beteiligt war, bestätigte diese Aussage, fügte aber noch hinzu, dass er es war, der das Kleinkalibergewehr gefunden hatte.
Beide wurden unvereidigt entlassen und damit war die Beweisaufnahme beendet.

Der Angeklagte wurde noch über seine persönlichen Verhältnisse und beruflichen Werdegang befragt und der Bundeszentralregisterauszug verlesen, der aber ohne Einträge war, er also keine Vorstrafen hatte.
Beruflich wollte er unbedingt bei der Bundeswehr bleiben, er würde auch demnächst befördert werden, wenn das Verfahren beendet wäre und er ohne Vorstrafe davon kommen würde. Die entsprechenden Formalien waren bereits alle erledigt, jetzt hing alles nur noch vom Urteil ab. Nach dem Ablauf seiner Dienstzeit wollte er mit dem beruflichen Wiedereingliederungsprogramm der Bundeswehr (das heißt wohl offiziell anders) den Meister in seinem ursprünglich erlernten Beruf machen, um dann beruflich abgesichert zu sein und durchstarten zu können.
Es wurden noch die Einkünfte erfragt, welche wichtig sind für die Bemessung des Tagessatzes. Als Soldat ist sein Bruttoeinkommen vergleichsweise niedrig, da aber diverse Steuern nicht fällig werden, beträgt das Nettoeinkommen ca. 3/4 des Brutto und ist damit wiederum ganz anständig, wenn auch nicht allzu üppig.

Der Staatsanwalt verlass sein Abschlußplädoyer, welches eben jene vorher vereinbarte Strafe von 90 Tagessätzen forderte. Der Verteidiger schloss sich dem Strafmaß an, versuchte aber, die Höhe des Tagessatzes ein wenig zu drücken.
Der Angeklagte hatte das letzte Wort. Er räumte erneut die Tat ein, bedauerte sie aufrichtig und nannte sie „den größten Fehler seines Lebens“.

Die Richter zogen sich zur „Urteilsfindung“ zurück. Im Richterzimmer schaute der Richter im Gesetzestext nach, wie hoch der Tagessatz angesetzt werden müsse, denn auch dies ist per Gesetz geregelt und liegt nicht im Ermessensspielraum des Richters. Es stellte sich heraus, dass die vom Staatsanwalt geforderte Tagessatzhöhe dem Angeklagten sogar ein wenig entgegenkam, weswegen dem Anliegen des Verteidigers nicht statt gegeben werden konnte.
Der Richter tippte schnell das Urteil am Rechner und druckte es aus, dann ging es zurück zum Verhandlungssaal.

Der Richter verlass das Urteil: „90 Tagessätze wegen minderschweren Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetzes“.

Zur Begründung meinte der Richter, dass es sich letztendlich nur um 2 Patronen gehandelt habe. Wären Gewehre oder Granaten dabei gewesen, hätte die Verurteilung strenger ausfallen müssen. So könne man von einem minderschweren Fall ausgehen. Zu Gunsten des Angeklagten würden seine vollumfängliche Einlassung, sein Verzicht auf die Herausgabe der beschlagnahmten Beweismittel und seine aufrichtige Reue sprechen. Gegen ihn spräche, dass er die Unrechtmäßigkeit seiner Handlungen zumindest hätte ahnen können.
Dennoch wäre die Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen schuld- und strafangemessen.

Da sowohl Staatsanwalt als auch Verteidigung auf Rechtsmittel verzichteten, war das Urteil sofort rechtskräftig.

Und warum war das jetzt dumm gelaufen?

Meine letzte Verhandlung vor der heutigen drehte sich um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Im Zuge des Verfahrens stellte sich heraus, das ein nicht unbedeutender Drogenschmuggler vor zwei Jahren aufgegriffen worden war und in einem Anfall von biblicher Reue oder satanischer Besessenheit ein dermaßen umfangreiches Geständnis ablegte, dass damit ein größerer Teil des örtlichen Drogensumpfes trocken gelegt werden konnte. Der Schmuggler selbst wurde zu über 5 Jahren verurteilt, von ihm beschuldigte Beteiligte zu insgesamt über 20 Jahren Gefängnis.
Er ging sogar soweit, seine eigene Ehefrau anzuschwärzen, bei deren Verhandlung ich zugegen war.

Und wie kommt da jetzt ein unbescholtener Soldat ins Spiel?

Er hatte sich verliebt. Wie so häufig in die falsche Frau. Denn diese Frau hatte dem obigen Schmuggler angeblich Waffen zum Verkauf angeboten. Als der Schmuggler alles gestand, geriet auch die Frau in den Fokus der Ermittlungen und es stand zu befürchten, dass sie die vermuteten Waffen in der Wohnung ihres Freundes verstecken würde. Daher wurde ein Durchsuchungsbefehl für dessen Wohnung ausgestellt, bei dessen Vollstreckung eben jene Munition gefunden wurde.

Selbstredend ist der Angeklagte nicht mehr mit dieser Frau zusammen.

P.S.: In einem privaten Nachwort im Richterzimmer meinte der Richter, dass man bei fast keinem Zeitsoldaten der Bundeswehr eine Hausdurchsuchung durchführen dürfte, weil da wohl jedes Mal unerlaubte Munition auf dem Kaminsims zutage treten würde.

Unsereines sammelt Magneten von hübschen Urlaubsorten, Soldaten eben Munition von hübschen Gewehren 😉

Klärende Gespräche

Nach meinem letzten Blogeintrag war lange Ruhe, was aber nicht heißt, dass nichts passiert ist. Ganz im Gegenteil!

Ich habe mich am Dienstag nach Ostern zu meiner alten Psychiaterin begeben. Die war bei meinen initialen Problemen (über die ich eventuell mal bloggen werde) sehr hilfreich und ich hoffte, sie wird mir auch diesmal helfen können. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Ärztin in der Zwischenzeit verstorben war und ihre Nichte/Schwester/Enkelin oder wer auch immer ihre Praxis übernommen hatte. Dies war insofern ungewöhnlich, als dass die alte Psychiaterin einen wirklich ungewöhnlichen Namen hatte, den auch ihre Nachfolgerin legitim weiter führte.

Die Sprechstundenhilfe wollte mich abwimmeln, meinte, ich solle zu meiner Hausärztin gehen, denn der frühestmögliche Termin war in 2 Wochen. Oder aber ich müsste sehr lange warten. Ich dachte kurz darüber nach, aber dieses Gefühl der Ohnmacht war so stark, dass ich jede Wartezeit in Kauf genommen hätte. Daran änderte auch nichts, dass ich mit meiner 3-jährigen Tochter dort war, weil der Kindergarten die 4 Tage nach Ostern geschlossen hatte.

Ich nahm im Wartezimmer Platz und beschäftigte, so gut es ging, mein Kind. Die Empfangsdame half tatkräftig mit, indem sie Kinderbücher und Bausteine zur Verfügung stellte. Mit halbem Ohr hörte ich ihr bei einem Telefonat zu, wo ein Patient einen Termin wegen Magen-Darm absagte. Sein Unglück war mein  Glück, denn ich konnte so seinen Termin belegen.

Nach nur einer Stunde Wartezeit durfte ich die Ärztin sehen. Sie lenkte als erstes das Kind mit Spielzeug ab und hörte mir dann zu. Ich erzählte ihr von der unerträglichen Situation auf Arbeit, von dem miesen Chef und seinen Spielchen und den Auswirkungen auf meine Psyche. Sie glaubte mir sofort.

Allein diese Tatsache war so wunderbar für mich. Mein Chef hatte alles daran gesetzt, mich in Misskredit zu bringen, aber diese Ärztin glaubte mir auf Anhieb, ohne Beweise, nur durch meine Erzählungen.
Sie schrieb mich umgehend für 2 Wochen krank und machte einen Vermerk, dass wenn ich kündigen sollte, ich nicht in die Sperrfrist vom Arbeitsamt laufe. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber es gab mir einen unglaublichen Boost für mein Selbstvertrauen.

Wir redeten noch über Medikamente und meine Bulimie, kamen aber zu der Übereinkunft, dass beides nicht schlimm genug wäre, um aktiv dagegen anzugehen. Ich sollte in 2 Wochen wiederkommen.

Eine Woche später schrieb ich C2 eine Email, in der ich mitteilte, dass ich krank geschrieben bin und wenn er sich fragte, was das Unternehmen dagegen tun kann, so solle er den Umgang C3s mit seinen Mitarbeitern hinterfragen. Dies war eine direkte Referenz zu dem Gespräch im März, wo es das erste Mal um meine Zuverlässigkeit ging.

C2 rief mich noch am gleichen Tag an und erkundigte sich nach meiner Verfassung und der generellen Ausgangslage. Ich berichtete ihm vom Verhalten C3s und welche Auswirkungen dieses auf mich hatte.
Er bot an, einen Vorgesetztenwechsel zurück von C3 auf C2 (ihn) vorzunehmen und fragte nach, ob es ok wäre, ein klärendes Gespräch mit C3 und einem Publikum meiner Wahl zu führen. Ich solle darüber nachdenken, wer für ein solches Gespräch in Frage käme und er würde das entsprechend organisieren.

Ehrlich, ich fand das toll. Ich wurde sofort angerufen, mir wurde Glauben geschenkt, ich durfte ein Meeting einberufen.

Im Nachhinein hätte ich anders reagieren sollen, aber in dem Moment war ich so erstaunt und zufrieden, dass ich nur ein Gespräch mit C2 und C3 wollte. Ich dachte, C2 würde im Zweifelsfall meine Partei ergreifen, aber anscheinend hatte ich seine Signale im Telefonat falsch interpretiert.

Statt jetzt also meinen alten Chef, C1, und einen Vertreter der Personalabteilung dabei zu haben, saß ich allein C2 und C3 gegenüber. Ich wiederholte meine Anschuldigungen, die C3 glattweg bestritt. Das einzige Zugeständnis war, dass er evtl. beim ersten Personalgespräch ein wenig sarkastisch gelacht habe.
Er hatte nicht mal bemerkt, dass ich mich gegen sein Verhalten beim zweiten Personalgespräch verwahrt hatte und ihn gebeten habe, respektvoller zu sein.

Mehr brauchte ich in diesem Moment nicht wissen, alles war gesagt.

C2 sah dies aber anders. Er meinte nur, dass die Angelegenheit nicht weiter verfolgt werden könnte, weil ja Aussage gegen Aussage stünde und er nicht entscheiden könne, wer nun Recht hatte. Außerdem hätte C3 nie zuvor ein solches Verhalten gezeigt.

Ja, ne, is klar. Dieses Meeting mit dem Datenschutzbeauftragten ist auch nie passiert, C3 hat nie externe Berater wie Klopse dastehen lassen. Nur ich bin der Störenfried.
In einem letzten Akt der Verzweiflung ließ ich all meine Deckung fallen und erzählte C2 tacheles, was genau wie mit C2 vorgefallen ist. Entweder er glaubte mir und würde entsprechende Schritte unternehmen oder aber ich bin zum Ende meines befristeten Vertrags raus aus der Firma.
C2 hörte sich alles an, sagte aber nichts dazu.

Eine Woche später hatte ich einen weiteren Termin bei der Psychiaterin, bei dem ich ihr erzählte, was im Gespräch passierte. Sie schrieb mich umgehend für weitere 2 Wochen krank und wir vereinbarten, dass wir beim nächsten Termin über eine etwaige Medikation sprechen würden.

Die nächsten 2 Wochen schlief ich hauptsächlich oder las bei Wikipedia oder hörte mein GOT-Hörbuch.

Als ich beim nächsten Termin bei der Psychiaterin am Empfang stand, bemerkte ich einen verpassten Anruf auf dem Handy. Die Nummer kam mir irgendwie vertraut vor und nachdem ich mich angemeldet hatte, ging ich kurz aus der Praxis, um zu telefonieren.
Es stellte sich heraus, dass die Personalabteilung mich anrufen wollte, um einen Termin für ein persönliches Gespräch zu vereinbaren.

Ich sagte für den nächsten Tag zu.

Die Psychiaterin fand dies alles sehr unglücklich, konnte aber meinen finanziellen Zwang verstehen, nach den 6 Wochen wieder arbeiten gehen zu müssen, um keine monetären Einbussen zu erleiden. Um dies zu ermöglichen, verschrieb sie mir Sertralin in einer 2-wöchigen Rosskur, um mich halbwegs arbeitsfähig zu kriegen.

Den nächsten Tag ging ich also in die Firma, zu dem Gespräch mit der Personalabteilung. Ich wiederholte meine Anschuldigungen, erzählte von den Gesprächen, der Schmach, den Demütigungen. Erneut wurde mir gesagt, dass es keine Zeugen für die Gespräche gibt und deswegen keine personaltechnischen Aktionen gegen C3 unternommen werden können. Wenn ich also weiter für das Unternehmen arbeiten wolle, müsste ich unverändert den Umständen agieren.

OK, soweit kannte ich ja schon die Ausgangslage. Wenn C2 dies so propagierte, wird die Personalabteilung dieser Empfehlung folgen.

Dies war aber nicht der einzige Punkt, der in diesem Gespräch angeschnitten werden sollte.
Gleich nach Abschluss der Respektlosigkeiten von C3 wurde mir vorgeworfen, ich hätte trotz Krankschreibung meine Tätigkeit als Schöffe wahr genommen.

Ich überlegte kurz, ob ich dies abstreiten sollte, denn wirkliche Beweise hatten sie gegen mich nicht. Ich entschied mich jedoch dagegen, erstens, weil ich die entsprechenden Freistellungstage beantragt und bereits genehmigt bekommen hatte und zweitens, weil ich fand, das meine Begründung durchaus stichhaltig war.

Und so erklärte ich: C3 hat meine Glaubwürdigkeit und mein Selbstverständnis so dermassen unterminiert, dass ich keinerlei Selbstvertrauen oder Selbstachtung hatte. Durch die Wahrnehmung der Schöffentätigkeit wurde mir hingegen vermittelt, das meine Anwesenheit, meine Meinung und meine Tätigkeit wertvoll ist. Dies würde mein Selbstvertrauen stärken und mich so durchaus wieder arbeitsfähig machen.

Ich erklärte dies 3x, jedes Mal meinte die Personalchefin, sie könnte meine Argumentation nicht nachvollziehen und verstehe nicht, warum ich trotzdem als Schöffe tätig werde.

Dies war der Moment, wo ich mich entschloss, endlich meine Anwältin zu Rate zu ziehen. Ich telefonierte mit der Vorzimmerdame und bekam einen Termin 3 Tage später.
Pünktlich fand ich mich in der Kanzlei ein und die Anwältin hörte mir aufmerksam zu. Sie erklärte mir dann meine Möglichkeiten, welche zu diesem Zeitpunkt eher dünn waren. Es stand Aussage gegen Aussage und wenn sowohl Bereichsleiter als auch Personalabteilung das Verhalten von C3 schützen würden, blieben mir kaum Handlungsmöglichkeiten.

Also ich ließe mich weiterhin krank schreiben und würde die finanziellen Einbußen nach den 6 Wochen in Kauf nehmen oder ich ginge wieder regulär auf Arbeit, müsste die Zähne zusammenbeißen und C3 ertragen.

Da wir tatsächlich auf mein volles Einkommen angewiesen sind, blieb für mich nur Option 2, Zähne zusammen beißen und auf Arbeit gehen. Immerhin wurde dies durch meine Anwältin erleichtert, nach deren Auffassung ich „nur“ durchschnittliche Arbeitsleistung zu erbringen hätte.

Bevor ich jedoch regulär an meinen Arbeitsplatz zurückkehren konnte, wurde mein Großer krank. Aus nicht bekannter Quelle hatte er sich mit Borkenflechte angesteckt. Nachdem diese Hautkrankheit nach 4 Wochen immer schlimmer wurde, gingen wir zum Arzt, der ihm ein Antibiotikum verschrieb und für den Rest der Woche aus der Schule nahm.
Ich war nicht wirklich böse über die 2 weiteren Tage frei und informierte meinen Chef, C2, über die neuesten Entwicklungen per Email.

Er schrieb mir zurück. Ich solle mich nach den Pfingstfeiertagen wie verabredet in der Personalabteilung melden.
Da ich nichts von einer solchen Verabredung mitbekommen hatte, nahm ich diese Mail einfach so hin.

Am Dienstag nach Pfingsten ging ich wie gewohnt zur Arbeit, stempelte mich ein, in voller Absicht, meine bisherige Tätigkeit wie gewohnt auszuüben.

Ich meldete mich wie befohlen in der Personalabteilung. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich ab sofort von der Arbeit frei gestellt bin. Eine Kollegin der Personalabteilung begleitete mich zu meinem Arbeitsplatz, wo ich meinen Rollcontainer und meinen Schreibtisch räumen durfte.

Weil ich so etwas schon eine ganze Weile eher erwartet hatte, habe ich meinen Schreibtisch und alle signifikanten Dokumente bereits Wochen vorher beräumt und es waren nur noch unbedeutende Papiere übrig. Einen Teil davon gab ich meinem Kollegen, damit er die ISO-Zertifizierung weiter vorantreiben konnte. Den Rest gab ich meinem Nachfolger, der nach erster Einschätzung eine völlige Plinse ist.

Dann gab ich meinen Ausweis der Personalerin und wurde zum Ausgang begleitet.
Unendlich erleichtert fuhr ich nach Hause.

Tags darauf mailte ich meiner Anwältin den Freistellungsvertrag, weil ich mir nicht sicher war, was dies für meine Situation konkret bedeutet. Vornehmlich ging es darum, dass in dem Schreiben das Wörtchen „unwiderruflich“, oder alternativ „widerruflich“, fehlte. Dies hat durchaus Auswirkungen auf mein Verhalten. So dürfte ich beispielsweise nicht in den Urlaub fahren, wenn mein Urlaub nicht bereits genehmigt wurde und „widerruflich“/“unwiderruflich“ fehlt.

Da aber mein Urlaub bereits genehmigt wurde, bin ich auf der sicheren Seite. Allerdings kann ich meine verbleibenden 10 Urlaubstage für dieses Jahr nach Ablauf der Befristung geltend machen, da ohne „unwiderruflich“ mein Urlaubsanspruch nicht berührt wird.

Dies werde ich dann bei entsprechender Gelegenheit tun.

Bis dahin genieße ich meinen bezahlten Urlaub bis Ende September. Ehrlich, es hätte schlimmer kommen können.

P.S.: Nach anfänglichen, sehr heftigen Nebenwirkungen schlägt das Sertralin gut an. Die Angstzustände sind fast weg, mein Appetit ist auf ein Minimum reduziert, meine Laune ist gut. Ich schlafe recht schlecht und mein Herz hat häufig Rhythmusstörungen. Ich nehme am öffentlichen Leben teil und kann meine Familie nach Kräften unterstützen. Ich kann unseren Urlaub planen und schaffe es, den Haushalt einigermaßen zu koordinieren. Ich wünschte, ich hätte mehr Schlaf, aber dies ist Jammern auf sehr hohem Niveau!

Xayriel orakelt: Eurovision Song Contest 2017

Die beiden Halbfinale sind durch, die ersten Lieder aus dem Wettbewerb verbannt und morgen steigt mal wieder einer der Höhepunkte des Jahres. Höchste Zeit für mich, meine persönliche Einschätzung zu ausgewählten Beiträgen abzugeben.

Wie immer beginne ich mit Deutschland. Die letzten Jahre hatten wir ansprechende Beiträge mit guten Künstlern und trotzdem landeten wir nur auf den ganz hinteren Rängen. Vermutlich wird es Levina ähnlich gehen. Das Lied ist zu sanft, zu farblos, um wirklich eine größere Menge an Zuschauern vom Hocker zu reißen. Daran wird auch die supersympathische Persönlichkeit der Sängerin und ihre tolle Stimme nichts ändern. (Ich hoffe, ich irre mich gewaltig 😉 )

Mein persönlicher Favorit ist Ungarn. Ein in jeder Sicht ungewöhnlicher Beitrag auf ungarisch und romani. Ein Sänger mit Format, der die verschiedensten Stile bunt durcheinander und dennoch stimmig mixt.

Wenn es Ungarn nicht macht, gewinnt Weißrussland. Das Lied hat einen schönen Beat, kommt kraftvoll daher und ich mag es mir gerne öfter anhören.

Aus der Spaßecke stammt der rumänische Beitrag: Yodel it! Titel ist Programm, es wird gejodelt, was das Dirndl hergibt. Dazu ein eingängiger Beat, muss vorne landen, denn wegen solcher Beiträge wurde der ESC überhaupt erfunden!

Die osteuropäische Ecke kommt gewohnt stark daher und so zählt auch Armenien zu meinen Favoriten. Spannende Choreografie mit landestypischen Einflüssen, an denen man merkt, dass der Orient gleich um die Ecke liegt.

Wird gerne auf der Landkarte übersehen, aber Moldau könnte dieses Jahr richtig groß rauskommen. Das Lied macht richtig gute Laune, das Saxophon geht sofort ins Ohr und krallt sich da fest.

Und der Westen? Strengt sich redlich an, aber liefert nicht wirklich was Überzeugendes ab. Portugal startet mit einem perfekten Schlaflied, was immerhin aus der Masse heraussticht. Eventuell kann Österreich dieses Jahr ein wenig punkten.

Positiv bleibt festzuhalten, dass fast sämtliche Balladen die Halbfinale nicht überlebt haben.
Ein Trend, der mir negativ aufgefallen ist, dass ungefähr die Hälfte der weiblichen Interpreten ein Lady-Di-Gedächtniskleid anhatten, welches durch geschickte Beleuchtung viel Bein ohne viel Haut zeigte. Mir ist das zu billig und zu offensichtlich die sex-sells-Schiene geritten.
Die Herren hingegen glänzten durch häufige Abwesenheit ihrer Socken, die durch Hochwasserhosen noch hervorgehoben wurde. Nennt sich wohl Mode, oder so.

In etwas mehr als 24 Stunden sind wir alle schlauer 🙂

Bloß von hier weg …

… so weit wie möglich!

Ging mir ja bei meinem letzten Blogeintrag nicht so dolle und die einzige vernünftige Lösung war, etwas an dem grundlegenden Problem zu ändern. Da ich C3 nicht austauschen kann, habe ich mich aus der Partie entfernt.

Ich bin also am nächsten Tag zu meiner Psychiaterin von vor zehn Jahren gegangen. Zumindest wollte ich das. Die Empfangsdame allerdings meinte, dass die Ärztin von damals verstorben sei. War mir egal, wie so ziemlich alles an diesem Tag. Die Dame meinte auch, ich könne einen Termin machen, in 2,5 Wochen.

Das wiederum war mir nicht egal, denn es ging mir JETZT schlecht. Ob ich denn nicht zu meinem Hausarzt gehen könne. Theoretisch ja, aber ich wollte auch Medikamente und Hausärzte sind dort nicht so bewandert. Dann müsste ich sehr lange warten. Ok, meinte ich, mir wäre es gleich, mir ging es einfach nur elend.

Ich wartete geduldig und hatte Glück, ein anderer Patient hatte kurzfristig abgesagt und so konnte ich bereits eine Stunde später mit der Ärztin sprechen. Sie ließ sich kurz meinen Werdegang schildern und den Grund für die jetzige Situation und war wie ich der Ansicht, dass aktuell der einzige Weg ist, mich dort rauszuholen, also krankzuschreiben.

Medikamente würde sie mir geben, denke aber, dass ich sie eigentlich nicht nötig habe, weil die Ursache klar ist und ich durch meine Vergangenheit reflektiert genug bin, um das ohne pharmazeutische Unterstützung hinzukriegen. Sie meinte zudem, dass sie keine Schwierigkeiten hätte, mich bis zum Ende der Befristung aus dem Rennen zu nehmen. Außerdem machte sie einen Vermerk, dass falls ich selbst kündigen sollte, ich nicht in die Sperrfrist vom Arbeitsamt laufe.
Am Ende des Gesprächs vereinbarten wir, dass ich es vorläufig ohne Medis versuchen sollte, wenn es aber nicht ginge, ich mir jederzeit das Rezept abholen könne. In zwei Wochen solle ich wiederkommen und die Verlängerung der AU abholen. Falls ich Gesprächsbedarf hätte, könnte ich auch zu ihr rein.

Ich fand das alles super, vor allen Dingen, dass sie mir so vorbehaltlos glaubte und meine Geschichte nicht als Befindlichkeit oder Übertreibung abtat. Erst da merkte ich, wie sehr mir dieses mich als Lügner zu bezeichnen zugesetzt hatte.

Seit drei Tagen bin ich nun zuhause und genieße die Zeit. Ich denke immer noch viel über die ganze Situation nach, habe aber für mich die Entscheidung getroffen, nicht wieder in die Firma zurückzukehren, solange C3 dort noch ist.

Die freie Zeit werde ich nutzen, um Bewerbungen zu schreiben und wieder auf die Beine zu kommen. Mir kommt das alles so bekannt vor, vor 10 Jahren ging es mir ganz ähnlich. Ein doofer Job, ein beschissener Chef, Depressionen und Panikattacken. Nur damals habe ich viel zu lange gewartet, habe völlig am Boden eine neue Stelle angetreten und ein Jahr später musste ich den eigentlich coolen und gut bezahlten Job mit sehr gutem Chef aufgeben. Ich befürchte, dass es diesmal wieder so kommen könnte, von daher bin ich sehr dankbar für die Pause.

Meinen Lebenslauf habe ich schon auf Vordermann gebracht, die wichtigsten Unterlagen hatte ich vor ein paar Wochen bereits mit nach Hause genommen. Nächste Woche werde ich eine Email an meine ISO-Kollegen schreiben, in der ich die Situation erkläre und mich entschuldige, sie im Stich lassen zu müssen. Was C2 oder C3 von meiner Abwesenheit halten, ist mir egal, immerhin haben sie es sich selbst zuzuschreiben.

Seit dieser Entscheidung geht es langsam wieder aufwärts. Ich bin neugierig, wo es mich hinverschlägt. Oder vielleicht mache ich mich auch selbstständig, so ein oder zwei Ideen habe ich bereits seit Längerem im Hinterkopf, bislang aber nie dem Mut gehabt, wirklich intensiver darüber nachzudenken.

Oder aber es kommt wieder alles gaaaaanz anders 🙂

Panik

Das Beste zuerst: ich hatte ein fantastisches Wochenende. Eines, dass einem selbst Tage später noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Immer wieder!

Selbst der Zwischenstopp bei meinen Eltern kann den Gesamteindruck nicht gänzlich trüben, obwohl da schon ein paar Wölkchen dabei sind.

Was mich aber richtig aus den Latschen kippt, ist der morgige Tag. Ich schiebe hier die völlige Panik. Das volle Programm. Herzrasen. Weinkrämpfe. Durchfall. Alles, was man eben so braucht, um am nächsten Morgen fit auf der Matte zu stehen.

Ich habe Panik, ins Bett zu gehen, weil ich dann irgendwann aufstehen muss. Den neuen Tag meistern muss. Und alleine die Vorstellung daran macht mich alle. Raubt mir sämtliche Energie.

Mein alter Chef, C1, meint, ich solle durchhalten, um eben keine neue Munition für die Fehltageproblematik zu liefern. Aber ich sehe den Sinn darin nicht. Erstens bin ich in der Tat völlig alle, körperlich, nervlich. Und zweitens gehe ich einfach nicht mehr davon aus, dass ich entfristet werde, dass mein Arbeitsvertrag über den 30.09. hinaus läuft. Warum also sollte ich mir jetzt noch den Arsch aufreißen?

Sollen sie halt ihren Vertreter finden und einarbeiten. Keinen Job zu haben, womöglich sogar im Hartz IV zu landen, alles ist wirklich besser als das, was ich jetzt durchmache.

Das nur als kurzen Zwischenstand von der Front (ja, das ist ein beschissenes Kriegsgebiet hier), wo sich der letzte Rest Kampfgeist in einem trotzigen Ausbruch manifestiert.

Italien, Tag 17: Venedig I

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Ursprünglich veröffentlicht auf 9erblogunterwegs:
Es gibt drei Dinge im Überfluss in Venedig: Wasser, Touristen und Kirchen. Die Jungs waren extra früh wach und haben die Zeit genutzt, um am nahe liegenden Strand Muscheln zu suchen. Ein paar haben sie auch gefunden, hatten aber mit mehr Beute gerechnet. Nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir…

Personalgespräch – schon wieder

Ich hatte heute ein Personalgespräch – schon wieder. Diesmal mit C3, weil er den Verlauf unseres letzten Gesprächs nicht sonderlich konstruktiv fand.
Ach, echt?

Am Ende des heutigen Gesprächs fragte er mich, ob ich denn jetzt ein besseres Gefühl als nach dem letzten Gespräch hatte, aber statt ihm meine ehrliche Meinung zu sagen, meinte ich, dass ich neutral in dieses Gespräch gegangen bin und keine Erwartungen hatte, die enttäuscht werden konnten.
Denn innerlich brodelte es schon wieder in mir, ohne jetzt konkret sagen zu können, was mir so gegen den Strich lief. Das wurde mir erst auf dem Heimweg klar, als ich das Gespräch nochmals im Kopf durchging.

C3 ist, obwohl er das Gegenteil behauptet, unglaublich eitel. Kritik an ihm oder seiner Arbeit nimmt er grundsätzlich persönlich. Ich konnte das an seiner Körpersprache ablesen, als er das Protokoll unseres letzten Gesprächs durchging.
Selbiges hatte ich aus dem Gedächtnis im Nachgang erstellt und so neutral wie möglich gehalten. Ich habe sogar einen Kollegen drüber lesen lassen, ob die Formulierungen wirklich sachlich sind, was er bestätigte. Trotzdem reagierte C3 wie ein trotziges Kind. Das Protokoll wäre verzerrend, würde Tatsachen weglassen oder falsch darstellen. Er distanziere sich davon und habe das Protokoll mit eben jenem Distanzierungsvermerk an die Personalabteilung geschickt, damit es in meiner Personalakte landet.

Statt mit mir darüber zu reden, über ein internes Protokoll, das nirgendwo öffentlich abgelegt ist, sucht er die Eskalation. Wie im Kindergarten. Soll er machen, ich poliere im Gegenzug meinen Lebenslauf auf und schreibe Personalvermittler an.

Ganz generell zog er das Gespräch immer wieder auf die emotionale Ebene. Er sprach einen Punkt an, ich schilderte meine Sicht der Dinge, er wurde aufbrausend. Ich atmete tief durch und versuchte nochmals, sachlich meinen Standpunkt zu erläutern. Wumm, wieder eine Explosion. Das war unglaublich anstrengend und ist einer der Hauptpunkte, der mir richtig sauer aufstößt. Denn die Anlässe für die Kawumms waren immer die selben.

Nämlich dann, wenn ich einen anderen Standpunkt als er vertrat, wenn er mit meinen Erklärungen nicht einverstanden war. Wie soll ich mich aber erklären, wenn nicht-konforme Meinungen sofort weggebügelt oder niedergebrüllt werden. Diesmal war es zumindest kein Brüllen, aber schon ein beängstigendes Aufbrausen. Ich hatte nicht das Gefühl, wirklich neutral angehört zu werden.
Nur dann, wenn ich aufzeigte, dass wir bei bestimmten Themen die gleiche Sicht der Dinge haben, gab es eine normale Reaktion. Wie ich damit in Zukunft umgehen soll, weiß ich nicht.

Er hat kaum Verständnis für meine Situation bzw. die Einschränkungen, mit denen ich konfrontiert werde, gezeigt. Stattdessen wird mir mangelnde Ergebnisqualität vorgeworfen. Das kam schon ein wenig überraschend, da sowohl C1 als auch C2 – ungeachtet der Fehltageproblematik – mit meiner Arbeit zufrieden waren. Zur Veranschaulichung zog er ein Gesprächsprotokoll von C2 und mir vom November hervor, in dem meine zukünftigen Aufgaben beschrieben sind. Ich hätte schwören können, dass ich dieses Dokument heute zum ersten Mal gesehen habe, aber C3 meinte, da wäre meine Unterschrift drauf. Als ein Punkte stand dort: „Etablierung und Optimierung eines vollumfänglichen Lizenzmanagement bis Ende Q1 2017“.

Als ich das Ding damals unterschrieben habe, hatte ich nicht mal ansatzweise eine Ahnung, was sich hinter diesem Satz verbirgt. Würde ich diese Vorgabe mit meinem jetzigen Wissensstand lesen, würde ich mich lieber lachend in die Kreissäge stürzen. Jeder mit halbwegs Ahnung und klarem Verstand hätte erkennen müssen, wie aussichtslos eine solche Vorgabe ist. Selbst wenn wir ein einsatzfähiges Programm zur Erfassung und Unterstützung einer solchen Aufgabe hätten, ich das Thema in Vollzeit angehen könnte und mir nicht alle notwendigen Informationen von x Stellen mühsam zusammen suchen müsste, würde ich allerfrühestens Ende diesen Jahres eventuell ansatzweise in die Nähe der Vorgabe kommen.
Mich jetzt immer noch darauf festzunageln, empfinde ich als frech und anmassend.

Womit er Recht hatte ist sein Hinweis, dass ich beim Erkennen der Aussichtslosigkeit des Unterfangens das Thema entsprechend hätte eskalieren müssen. Überhaupt mag er gerne Eskalationen. Bei einem anderen Thema, wo ich wiederholt bei den Kollegen nach Unterstützung anfragte, hätte das passieren müssen. Es C2 zu signalisieren, der damals zuständig war, reichte vermutlich nicht als Eskalation aus und weil ich es nicht schriftlich habe, kann ich dies nicht nachweisen.

Überhaupt: ich muss zukünftig alles schriftlich festhalten. Aussagen meinerseits über mündliche Aussagen und Absprachen mit C1, C2 oder der Personalabteilung können jetzt nicht mehr nachvollzogen werden und lassen mich gegenüber C3 als unglaubwürdig dastehen.
Tolle Wurst!
Steh ich also als Lügner da.

Ganz großes Kino war übrigens auch der „ich stelle immer nur Forderungen“ Vorwurf, konkret, dass ich zwei Schulungen angefragt habe. Ernsthaft, ich zweifel ein wenig an der Zurechnungsfähigkeit C3s.
Zur Erklärung muss ich ein wenig ausholen: Bei dem Meeting mit dem ISO-Chef vorletzte Woche meinte C3, er müsse sich schützend vor seine Mitarbeiter stellen, weswegen er dann ja so ausrastete. Als ich heute meinte, dass ich das eher unschön fand, weil mein Kollege und ich ebenso seine Mitarbeiter sind, wir aber die volle Breitseite abbekommen haben, meinte er, in jenem Moment hatten wir beide den ISO-Hut auf und zählten nicht mehr zu seinem Team.
Dann kam der Vorwurf wegen der Schulungen, woraufhin ich meinte, die eine Schulung hätte ich dann, um in seinem Bild zu bleiben, mit dem ISO-Hut auf beantragt. Ja, das wäre aber was ganz anderes, sagte C3.
Ja ne, is klar.

In diesem Zusammenhang meinte er, er könne gar nicht verstehen, warum jene Besprechung so eskaliert sei, denn er würde ja in seinen Augen immer ganz klare Ansagen machen. Gab aber direkt zu, immer wieder und sehr häufig missverstanden zu werden, so dass es wohl doch an ihm liegen würde.

Erkenntnis -> Einsicht -> Besserung? Ich fürchte, wohl eher nicht.

Irgendwann während des heutigen Gesprächs war wieder so eine Situation, wo er aufbrauste und laut loslachte, nur eben völlig humorlos. Ich wies ihn darauf hin, dass ich eine solche Reaktion als respektlos empfinde, worauf er antworte, eine andere Reaktion verdiene meine Aussage nicht.

Ohne mich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber soziale Kompetenz sieht für mich anders aus.

Gegen Ende fragte ich nach, was denn eigentlich das Ziel der Fehltagsgespräche sei. Er konnte hierzu keine anderen Angaben machen, als isso oder kommt eventuell von ganz oben. Bin also auch hier so schlau als wie zuvor.

In all diesem Chaos gab es sogar noch ein paar handfeste Ergebnisse:

  • Es wird ein 8-Augen-Gespräch mit C1, C2, C3 und mir geben, um dieses Wirrwarr aus den mündlichen Aussagen zu entwirren. Mit viel Glück kann ich meine Glaubwürdigkeit so ein wenig wieder herstellen.
  • In zwei Wochen wird es einen Termin mit C3 geben, wo er sich meine bisherige Arbeit zum Thema Lizenzen zeigen lassen wird und wir gemeinsam eine Strategie für die zukünftigen Aufgaben und Ziele erstellen werden.
  • Das Protokoll des heutigen Gesprächs wird C3 erstellen, mir zur Ansicht und Korrektur geben und danach in die Personalabteilung geben.

Was ich mir tatsächlich wünsche, wäre mal ein Gespräch, wo es um meine berufliche Entwicklung, um Gehalt oder ähnliche Dinge geht, nicht immer solcher Mist!