Wenn sich eine Tür schließt …

… öffnet sich eine andere.

Es sei denn, man sitzt im Gefängnis, da sind die Aussichten dann eher trüb.

Oder wie ich gerne sage: Für irgendwas wird es schon gut sein.


Vor 11 Jahren nahm ich einen Job in meiner Heimatstadt an, um nach Jahren im imperialistischen Exil wenigstens wieder in meinem Heimatland arbeiten zu können. Ich war frisch verheiratet und hatte die Nase von Wochenendbeziehungen gründlich voll. Doch leider war die Anstellung nicht von Dauer, denn der Firma fiel nichts anderes ein, als mich als Consultant durch die Weltgeschichte zu schicken. Die Grundsituation war also die gleiche, nur dass ich dafür mehr Geld bekam.

Da dies zu den Hochzeiten meiner damals noch unbehandelten Depressionen war, bat ich darum, nach einem Jahr aus dem Arbeitsvertrag entlassen zu werden. Während des kurzen Intermezzo hatte ich aus Gewohnheit die mir besser bekannten Kollegen im Xing als Kontakte hinzugefügt.

Dann war ich erstmal eine ganze Weile mit mir beschäftigt, machte diverse Therapien, bekam das große Kind, fand einen Job und stieg wieder ins Arbeitsleben ein. Dass dies ein wenig turbulenter war, als ich es gerne gehabt hätte, ist hinlänglich bekannt.

Als ich meine letzte Stelle antrat, änderte ich auch auf Xing wie üblich meine Daten und fügte den neuen Arbeitgeber hinzu. Kurz darauf kontaktierte mich ein Kollege von damals und meinte, dass die Firma einen sehr dubiosen Ruf hätte und mit eher unlauteren Mitteln Geld verdienen würde. Ich horchte auf, forschte im Unternehmen nach und fand heraus, dass die „unlauteren“ Mittel das Geschäftsmodell war und sämtliche Kunden darüber Bescheid wussten.
Ich antwortete dem Kollegen entsprechend und vergaß ihn wie schon zuvor.

Mein nächstes Xing-Update rief wieder jenen Kollegen auf den Plan. Mit Begeisterung sah er, dass ich mich mit dem Thema Datenschutz, Informationssicherheit und ISO 27001 befasste. Er wollte mich für sein Unternehmen abwerben, ich hingegen wollte in diesem umfangreichen und recht unübersichtlichen Themengebiet Erfahrungen sammeln. Wenn wir mit der Zertifizierung durch wären, würde ich mich wieder melden, sagte ich ihm.

Anfang des Jahres, als die Situation unerträglich wurde, nahm zur Abwechslung ich Kontakt zum Kollegen auf und fragte, ob denn sein Angebot noch stehen würde. Kurz darauf trafen wir uns zu einem informellen Gespräch, plauderten über alte Zeiten, er stellte die Firma vor und meinte, dass ich mit meinem Profil ganz gut reinpassen würde.

Ich schöpfte Hoffnung, dass ich sehr bald schon nicht mehr in die alte Firma müsse, sondern mich in einer geordneten Umgebung diesem spannenden Thema widmen könnte.
Aber, natürlich, kam wenig später der Anruf des Kollegen, dass die Firma derzeit umstrukturiert würde (wie ich dieses Wort mittlerweile hasse) und man augenblicklich nicht abschätzen könne, wie lange der Umbau dauere und wie danach der Personalbedarf aussieht. Dennoch habe er mein Profil dem Geschäftsführer vorgelegt, bitte aber um Geduld, er würde sich wieder melden.

Während sich mein befristeter Vertrag dem Ende neigte, fragte ich vorsichtig nach, wie denn die Umbauarbeiten voran gingen. Es wurde nach wie vor gebaut. Ich machte gedanklich einen Haken an die ganze Sache und widmete mich intensiv dem Bewerbungen schreiben. Es gab diverse Angebote, seltsamerweise war die Stellenbörse des Jobcenters die beste Quelle, ich wurde zu vielen Vorstellungsgesprächen eingeladen und bekam aus diesen oder jenen Gründen eine Absage.

Dann kam die Horrorwoche, in der sich mein Opa am Sonnabend umbrachte, am Montag mein Großer auf dem Heimweg vom Hort von einem Junkie überfallen wurde, der ihm den Ranzen klauen wollte und in der ich am Dienstag die niederschmetternde Absage für die Traumstelle bekam. In dieses ganze Chaos hinein bekam ich eine WhatsApp-Nachricht von eben jenem Kollegen, dass der Umbau abgeschlossen und die Stelle, für die er mich im Auge hatte, jetzt von der Geschäftsführung frei gegeben worden sei. Aber vermutlich wäre er eh schon zu spät dran.

Als ob! Ich konnte aber in der ganzen Aufregung nur kurz zurückschreiben, dass meine Welt gerade im Chaos versinkt und ich mich in 2 Tagen melden würde, wenn ich halbwegs wieder geradeaus denken könnte. Und dass er noch nicht zu spät sei.

Am nächsten Tag kam erneut eine Nachricht, ob ich denn am nächsten Dienstag zwischen 10 und 14 Uhr Zeit hätte. Hatte ich, aber nur zwischen 10 und 12 Uhr, da ich um 14 Uhr ein Vorstellungsgespräch hätte, was ich natürlich nicht sagte.
Daraufhin wurde ich für 11 Uhr zu einem Gespräch mit dem Geschäftsführer und Kollegen eingeladen.

Der Dienstag kam, ich packte es gerade noch so pünktlich zum Termin und wurde direkt vom Geschäftsführer in Empfang genommen. Von meinem Kollegen keine Spur, ich war also auf mich allein gestellt. Was aber gar nicht schlimm war, da mein Gegenüber ein sehr angenehmer Gesprächspartner war, mit dem ich über eine Stunde lang plauderte, über meinen Werdegang, die Irrungen und Wirrungen in meinem Lebenslauf, die Herausforderungen auf einem sich ständig wandelnden Markt und sogar privaten Kram.

Die Chemie stimmte auf Anhieb, wie man so schön sagt. Das Beste war allerdings, dass mein kleinteiliger Lebenslauf mal nicht als Nachteil, sondern als absoluter Vorteil angesehen wurde. Der Geschäftsführer sah mich in der Position einer über allen Abteilungen stehenden Stabsstelle, die sich alle Prozesse und Abläufe im Unternehmen anschauen und diese ordnen würde. Zwar seien seine Mitarbeiter hochmotiviert und super qualifiziert, doch fehle ihnen der Blick für das große Ganze. Auch sei die Vernetzung zwischen den einzelnen Abteilungen noch ausbaufähig, denn es sei häufiger so, dass für kurze Zeit in einer Abteilung der absolute Notstand herrscht, während sich nebenan die Mitarbeiter gerade langweilen. Da wäre es doch super praktisch, wenn man die Auslastung gleichmäßiger auf alle Mitarbeiter verteilen könnte, aber das ginge eben nur, wenn jemand den Überblick über alles hätte.

Und genau da sähe er mich.

Und ich mich irgendwie auch.

Vom Klang her wäre das genau was für mich. Ich bin in dem Sinne kein Spezialist, sondern eher Generalist. Ich kann vieles gut, aber nichts sehr gut. Ich mag das themenübergreifende Arbeiten und ich liebe es, zu abstrahieren und auch zu improvisieren. Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, miteinander zu kombinieren.

Leider war das Gespräch zu schnell zu Ende, da der Geschäftsführer bereits den nächsten Termin hatte. Er würde sich aber am Montag melden und mir dann auch genau sagen können, wie die Stelle heißt und mit welchem Gehalt ich rechnen könnte. Vielleicht würde es auch eine etwas andere Stellenbeschreibung als die, über die wir uns unterhalten hätten, er müsse darüber noch nachdenken. Auf jeden Fall würde ich aber sehr gut passen.

Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Klar war ich super erfreut, das alles zu hören, aber gefeiert wird erst, wenn die dicke Dame singt.

Mein Kollege erkundigte sich noch kurz bei mir, wie es gelaufen ist und zeigte sich ebenfalls hoch erfreut.

Ich ging heim und bereitete mich auf das nächste Vorstellungsgespräch vor, welches ich meiner Meinung nach völlig verkackte, mit totalem Blackout und Gestammel über ein Thema, in dem ich sonst sehr sicher bin. Abends war noch Weihnachtsbasteln in der Schule, wo ich mich mit meiner seit 2 Wochen andauernden, richtig fiesen Erkältung hinschleppte. Für Euphorie blieb da kein Platz mehr.

Am Donnerstag bekam ich zuerst einen Anruf, dass ein Vorstellungs-/Sondierungsgespräch mittelprächtig erfolgreich war und ich für eine, aber nicht meine gewünschte, Stelle in Frage käme. Wenn ich Interesse hätte, sollte ich mich melden und ich würde erneut eingeladen.
Kurz danach rief mich meine Personalvermittlerin an und meinte, das Gespräch, bei dem ich dachte, ich hätte es verkorkst, sei erfolgreich gewesen und ich würde am Mittwoch zu einem zweiten Gespräch eingeladen.

Ich sagte zu allem Ja und Amen, schließlich war meine Unterschrift unter keinen Arbeitsvertrag gekritzelt. Und es gibt ja immer noch die berühmten kotzenden Gäule in der näheren Umgebung von legalen Drogenhändlern.

Der Montag kam und ging, ohne dass ich eine Nachricht erhalten hatte. Ich machte mir Sorgen. Am Dienstag fragte ich bei meinem Kollegen nach, ob er mal beim Geschäftsführer vorsichtig nachhaken könne, was denn nun sei und ich bekam als Antwort, dass der Entscheider krank wäre. Also weiter warten. Am Mittwoch hakte ich nochmals nach und bekam als Antwort: „Vertragserstellung ist im Innendienst angeschoben.“

Ein leises Jubeln meinerseits.

Am Wochenende darauf bekam ich per Email den Vertragsentwurf zugeschickt. Sah alles soweit richtig gut aus. Das Gehalt war ein klein wenig geringer als gewünscht, aber immer noch mehr, als ich je zuvor irgendwo verdient hatte. Leider waren die Urlaubstage nur mit 25 angegeben. Schon ein bissl mickrig. Ich konsultierte meine Freunde, wie ich es am cleversten anstellen sollte und sie meinten, ich sollte schlicht nach mehr fragen.

Was ich dann auch tat, mit dem Hinweis, dass meine letzten Verträge alle mindestens 28 Tage Urlaub hatten. Ist nur so halb geflunkert, denn beim Radio hatte ich 30, bei der letzten Firma 26, gibt im Durchschnitt 28 😉

Knapp eine Stunde später kam per Email die Antwort, dass die Urlaubstage im Vertrag auf 28 geändert würden und der Vertrag sich demnächst per Post zu mir auf dem Weg befände.

Uff, das war einfacher als gedacht.

So wartete ich nun auch den Arbeitsvertrag, schrieb weiter Bewerbungen und sah nebenbei eine Sendung, bei der erklärt wurden, dass Pferde aufgrund ihrer Anatomie eher seltenst kotzen würden, es aber auch kein nie dagewesenes Ereignis wäre.

Drei Tage vor Weihnachten kam der Vertrag. Zwei Tage vor Weihnachten meldete ich mich der Agentur für Arbeit ab. An Silvester unterschrieb ich den Vertrag.

Und am Donnerstag war mein erster Arbeitstag!

Gut Ding will Weile haben. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es wirklich ein gutes Ding ist.

Ich werde berichten 🙂

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Es war einmal …

… das beste Jobangebot der Welt.

Das Märchen vom verzweifelten Hoffen

Eine Frau, weder hübsch, noch jung noch Prinzessin, suchte intensiv nach einer neuen Arbeitsstelle, weil es bei der alten nicht so gut gelaufen ist. Ihr wurden vom Jobcenter viele tolle Angebote geschickt, auf die sie sich brav bewarb. Bei einem Angebot allerdings war sie unsicher, ob sich die Mühe überhaupt lohnen würde, denn es war eine Assistentenstelle an einer privaten Hochschule ausgeschrieben und vom Assistentinnendasein hatte die Frau eigentlich die Nase voll.

Bevor es jedoch Ärger mit dem Arbeitsamt geben würde, schusterte die Frau schnell ein Anschreiben zusammen, packte Lebenslauf und Zeugnisse dran und schickte alles ab. Da die Frau mittlerweile sehr viel Übung im Verfassen von Anschreiben hatte, war die ganze Angelegenheit in 20 Minuten erledigt.

Zwei Tage später trudelte eine Email ins Postfach der Frau, die sich verwundert die Augen rieb, denn mit so einer schnellen Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Ein Professor an der Hochschule wollte die Frau auf einen Kaffee einladen, um sie in einem informellen Rahmen näher kennenzulernen, bevor es zu einem richtigen Vorstellungsgespräch mit Vorstand und Verwaltung kommt. Da die Frau offen für Neues ist, ging sie auf das Gesprächsangebot ein und bereits zwei Tage später irrte sie ein wenig verloren durch die Flure des Hochschulgebäudes, auf der Suche nach dem Büro des Professors.

Plötzlich hörte die Frau hinter sich schnelle Schritte und drehte sich erschrocken um. Ein großer, schlanker Mann in ihrem Alter flitzte über den Flur und fragte die Frau, ob sie denn sie sei, für die er sie halte und die er erwarte. Die Frau bejahte und beide machten sich auf den Weg zum Büro des Professors. Der Mann war sehr nervös, vermutlich war er sehr aufgeregt und führte solche Gespräche nicht häufig. Die Frau hingegen war unaufgeregt entspannt, hatte sie doch keinerlei Erwartungen an das Gespräch oder die Stelle.

Schnell entspann sich zwischen dem Mann und der Frau ein angeregtes Gespräch über Datenschutz und Datensicherheit, Cloud Computing, Brexit, Safe Harbor und mögliche zukünftige Entwicklungen auf diesem Gebiet. Beide merkten schnell, dass sie ein ähnliches Verständnis der Materie hatten und sich wunderbar ergänzten. Der Mann hatte das theoretische Wissen und Erfahrungen in der Forschung, die Frau konnte mit allerlei praktischen Erfahrungen glänzen.

Der Mann bemühte sich, ausführlich zu erklären, dass die Stelle mitnichten eine Assistentenposition ist, sondern mehr einer Dozentenstelle glich. Die Frau sollte bestimmte Seminare und Vorlesungen übernehmen, Forschungs-, Bachelor- und Masterarbeiten betreuen, Kursarbeiten korrigieren, Ansprechpartner für Studierende sein. Dabei sollte sie die Themengebiete übernehmen, bei denen der Mann nicht so firm war.

Die Frau traute ihren Ohren kaum. Was für wunderbare Aussichten. Der Mann jedoch zählte die Punkte auf, die gegenwärtig gegen die Frau als Idealbesetzung sprechen würden. Erstens ist die Stelle auf zwei Jahre befristet und die Frau hatte mehrfach erwähnt, endlich eine Arbeit haben zu wollen, wo sie sich langfristig engagieren kann. Der Mann beeilte sich, zu betonen, dass er davon ausginge, dass es nach den 2 Jahren mit 99%iger Sicherheit weitergehen würde, weil die aktuelle Phase nur ein Testlauf ist, der bei entsprechendem Erfolg in eine permanente Arbeit umgewandelt würde. Der Vorstand trieb das Projekt massiv voran und der Mann selbst war ebenso sehr davon überzeugt, dass er sich sogar ein Häuschen in der Stadt gekauft habe, obwohl er von wo ganz anders her stammte.

Zweitens hatte die Frau nur ein FH-Diplom, was nach der Bologna-Reform des Studienwesens einem Bachelor-Abschluss mit 7 Semestern entspräche. Um aber tatsächlich richtige Vorlesungen halten zu können, ist zwingend ein Masterabschluss notwendig.

Die Frau sackte innerlich zusammen. Der Silberstreif am Horizont verblasste zu einem tristen Grau. Noch im gleichen Atemzug sagte der Mann, dass es gar kein Problem wäre, wenn die Frau bei ihm seine Datenschutzvorlesung besuchte und innerhalb eines Jahres den Masterabschluss nachhöle. Das Herz der Frau machte einen kleinen Hüpfer. Der Mann meinte, dass sogar noch mehr drin wäre. Wenn die Frau in der Forschung aktiv tätig ist, dann erwarte er auch regelmäßige Publikationen und nach einigen Jahren könnte man diese Dokumente zusammentackern, ein schönes Vorwort dazu schreiben und letztendlich mit wenig Aufwand eine Dissertation daraus machen. Und mit einem Doktortitel, so meinte der Mann, stünde sogar einer richtigen Professur nichts im Wege. Natürlich würde dies ein paar Jahre dauern, aber der Mann war zuversichtlich, dass dies durchaus realistisch sei.

Das Herz der Frau führte einen Freudentanz auf, das Hirn sang Halleluja in Dauerschleife. Die Frau konnte ihre Freude und Aufregung nicht verhehlen, was der Mann mit einer ebensolchen Freude zur Kenntnis nahm.
Auf den finanziellen Aspekt angesprochen – immerhin hatte sich die Frau eine Familie und einen gewissen Lebensstandard aufgebaut – meinte der Mann, dass die Frau während der ganzen Zeit bei der Firma mit dem großen, magentafarbenen Buchstaben angestellt wäre und diese Firma überdurchschnittlich gut zahlen würde. Wie hoch genau das Einkommen wäre, konnte er nicht sagen. Die Frau erzählte von ihren letzten Einkommen, der Mann lächelte milde und meinte, dass die Frau mit wesentlich mehr Geld rechnen könnte.

Mehrmals versuchte der Mann, die Frau aus der Fassung zu bringen, indem er völlig unvermittelt aus dem Zusammenhang gerissene Fragen stellte.
Der Mann sagte, dass die Frau im Anschreiben erwähnte, dass „Kommunikation und Deeskalation selbst mit schwierigsten Charakteren in einem spannungsgelandenen Umfeld“ für die Frau kein Problem darstellte. Die Frau führte aus, dass ihr nach drei Jahren in einer PC-Hotline nichts menschliches mehr fremd ist. Jegliche Geschichten oder Urban Legends, die man über Hotlines gehört hat, sind real und ihr genauso passiert. Die Frau habe tatsächlich kein Problem, wenn jemand völlig spannungsgeladen vor ihr steht, weil der Chef demjenigen im Nacken sitzt und just in diesem Moment der Rechner oder Drucker ausgefallen ist. Die Frau konnte diese Personen immer wieder beruhigen, herunterbringen und innerhalb kürzester Zeit eine praktikable Lösung herbeiführen.
Die Frau erwähnte, dass solche Wutausbrüche normal seien und sogar ihr passieren. Sie ziehe allerdings die Linie, wenn die Person am anderen Ende persönlich und beleidigend würde. Der Mann nickte verstehend.

Beim nächsten Versuch meinte er, was die Frau denn sagen würde, wenn der Mann ankäme und der Frau offerierte, sie müsse seine Vorlesung halten. Wäre es eher „ok, gut“ oder „oh Gott!“. Die Frau sagte: beides. Sie würde natürlich versuchen, anhand der Folien und Unterlagen des Mannes eine gescheite Vorlesung zu halten und würde sich, je nach Vorlaufzeit, über Randthemen informieren, um den Studierenden Rede und Antwort stehen zu können. Letztendlich würde die Frau die Vorlesung halten, aber würde sich wohl nicht sonderlich wohl dabei fühlen.

Der letzte Versuch, die Frau aus der Fassung zu bringen, begann damit, dass der Mann meinte, was sie denn sagen würde, wenn er ihr die Aufgabe übertrage, 200 Klausuren zu korrigieren.
Innerhalb von 4 Wochen.
Die Frau lachte und meinte, dass dies doch verdammt viel Zeit sei. Sie hätte eher mit drei Tagen gerechnet.
Der Mann staunte. Er konnte die Frau wirklich nicht nervös machen.
Der Mann wusste allerdings auch nicht, welchen Mist die Frau die vergangenen Jahre so mitgemacht hatte und das all dies in ihren Ohren wie Kindergarten klang.

Nachdem die Frau und der Mann noch ein wenig Smalltalk über Interessen jenseits der Hochschule gesprochen hatten und dabei viele weitere Gemeinsamkeiten feststellten, näherte sich das Gespräch dem Ende. Der Mann meinte, er hätte noch zwei andere Kandidaten, welche er interviewen würde und bis auf den fehlenden Masterabschluss könnte er keine negativen Punkte in der Vita der Frau festmachen. Er müsste dann eben entscheiden, ob er das eine Jahr mit Seminarbetreuung und Handlangerarbeiten überbrücken kann oder ob er auf jemanden angewiesen ist, der dringend und sofort komplette Vorlesungen übernehmen könne. Die Frau wäre aber sein haushoher Favorit.

Die Frau konnte ihr Glück kaum fassen. Beschwingt ging sie zum Auto und fuhr heim, immer wieder Doktor und Professor im Ohr. Die ganze Welt war mit einem rosa Schleier umrandet, dabei konnte die Frau rosa eigentlich gar nicht leiden. Sie wollte der ganzen Welt von diesem Gespräch berichten, zusammen mit anderen von der Zukunft träumen, von einer Karriere, die sie längst verloren glaubte. So oft hatte die Frau überlegt, ob sie nochmal studieren sollte, sie fühlte, dass sie mit diesem Thema noch nicht durch war. Aber Studium und Familie ließen sich nur unter hohen Entbehrungen vereinen, weswegen die Frau immer wieder Abstand davon nahm.

Einige Tage schwebte die Frau auf Wolke Nummer 7, bis sie eine nüchterne Email bekam, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sich der Mann für einen der anderen Kandidaten entschieden hatte.

Wäre die Frau eine junge, hübsche Prinzessin gewesen, hätte sie die Stelle wohl bekommen und glücklich bis ans Ende ihrer Tage gelebt. So nahm die Frau Schaufel und Besen und kehrte den Scherbenhaufen ihrer zerbrochenen Hoffnungen routiniert zusammen.

Klärende Gespräche

Nach meinem letzten Blogeintrag war lange Ruhe, was aber nicht heißt, dass nichts passiert ist. Ganz im Gegenteil!

Ich habe mich am Dienstag nach Ostern zu meiner alten Psychiaterin begeben. Die war bei meinen initialen Problemen (über die ich eventuell mal bloggen werde) sehr hilfreich und ich hoffte, sie wird mir auch diesmal helfen können. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Ärztin in der Zwischenzeit verstorben war und ihre Nichte/Schwester/Enkelin oder wer auch immer ihre Praxis übernommen hatte. Dies war insofern ungewöhnlich, als dass die alte Psychiaterin einen wirklich ungewöhnlichen Namen hatte, den auch ihre Nachfolgerin legitim weiter führte.

Die Sprechstundenhilfe wollte mich abwimmeln, meinte, ich solle zu meiner Hausärztin gehen, denn der frühestmögliche Termin war in 2 Wochen. Oder aber ich müsste sehr lange warten. Ich dachte kurz darüber nach, aber dieses Gefühl der Ohnmacht war so stark, dass ich jede Wartezeit in Kauf genommen hätte. Daran änderte auch nichts, dass ich mit meiner 3-jährigen Tochter dort war, weil der Kindergarten die 4 Tage nach Ostern geschlossen hatte.

Ich nahm im Wartezimmer Platz und beschäftigte, so gut es ging, mein Kind. Die Empfangsdame half tatkräftig mit, indem sie Kinderbücher und Bausteine zur Verfügung stellte. Mit halbem Ohr hörte ich ihr bei einem Telefonat zu, wo ein Patient einen Termin wegen Magen-Darm absagte. Sein Unglück war mein  Glück, denn ich konnte so seinen Termin belegen.

Nach nur einer Stunde Wartezeit durfte ich die Ärztin sehen. Sie lenkte als erstes das Kind mit Spielzeug ab und hörte mir dann zu. Ich erzählte ihr von der unerträglichen Situation auf Arbeit, von dem miesen Chef und seinen Spielchen und den Auswirkungen auf meine Psyche. Sie glaubte mir sofort.

Allein diese Tatsache war so wunderbar für mich. Mein Chef hatte alles daran gesetzt, mich in Misskredit zu bringen, aber diese Ärztin glaubte mir auf Anhieb, ohne Beweise, nur durch meine Erzählungen.
Sie schrieb mich umgehend für 2 Wochen krank und machte einen Vermerk, dass wenn ich kündigen sollte, ich nicht in die Sperrfrist vom Arbeitsamt laufe. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber es gab mir einen unglaublichen Boost für mein Selbstvertrauen.

Wir redeten noch über Medikamente und meine Bulimie, kamen aber zu der Übereinkunft, dass beides nicht schlimm genug wäre, um aktiv dagegen anzugehen. Ich sollte in 2 Wochen wiederkommen.

Eine Woche später schrieb ich C2 eine Email, in der ich mitteilte, dass ich krank geschrieben bin und wenn er sich fragte, was das Unternehmen dagegen tun kann, so solle er den Umgang C3s mit seinen Mitarbeitern hinterfragen. Dies war eine direkte Referenz zu dem Gespräch im März, wo es das erste Mal um meine Zuverlässigkeit ging.

C2 rief mich noch am gleichen Tag an und erkundigte sich nach meiner Verfassung und der generellen Ausgangslage. Ich berichtete ihm vom Verhalten C3s und welche Auswirkungen dieses auf mich hatte.
Er bot an, einen Vorgesetztenwechsel zurück von C3 auf C2 (ihn) vorzunehmen und fragte nach, ob es ok wäre, ein klärendes Gespräch mit C3 und einem Publikum meiner Wahl zu führen. Ich solle darüber nachdenken, wer für ein solches Gespräch in Frage käme und er würde das entsprechend organisieren.

Ehrlich, ich fand das toll. Ich wurde sofort angerufen, mir wurde Glauben geschenkt, ich durfte ein Meeting einberufen.

Im Nachhinein hätte ich anders reagieren sollen, aber in dem Moment war ich so erstaunt und zufrieden, dass ich nur ein Gespräch mit C2 und C3 wollte. Ich dachte, C2 würde im Zweifelsfall meine Partei ergreifen, aber anscheinend hatte ich seine Signale im Telefonat falsch interpretiert.

Statt jetzt also meinen alten Chef, C1, und einen Vertreter der Personalabteilung dabei zu haben, saß ich allein C2 und C3 gegenüber. Ich wiederholte meine Anschuldigungen, die C3 glattweg bestritt. Das einzige Zugeständnis war, dass er evtl. beim ersten Personalgespräch ein wenig sarkastisch gelacht habe.
Er hatte nicht mal bemerkt, dass ich mich gegen sein Verhalten beim zweiten Personalgespräch verwahrt hatte und ihn gebeten habe, respektvoller zu sein.

Mehr brauchte ich in diesem Moment nicht wissen, alles war gesagt.

C2 sah dies aber anders. Er meinte nur, dass die Angelegenheit nicht weiter verfolgt werden könnte, weil ja Aussage gegen Aussage stünde und er nicht entscheiden könne, wer nun Recht hatte. Außerdem hätte C3 nie zuvor ein solches Verhalten gezeigt.

Ja, ne, is klar. Dieses Meeting mit dem Datenschutzbeauftragten ist auch nie passiert, C3 hat nie externe Berater wie Klopse dastehen lassen. Nur ich bin der Störenfried.
In einem letzten Akt der Verzweiflung ließ ich all meine Deckung fallen und erzählte C2 tacheles, was genau wie mit C2 vorgefallen ist. Entweder er glaubte mir und würde entsprechende Schritte unternehmen oder aber ich bin zum Ende meines befristeten Vertrags raus aus der Firma.
C2 hörte sich alles an, sagte aber nichts dazu.

Eine Woche später hatte ich einen weiteren Termin bei der Psychiaterin, bei dem ich ihr erzählte, was im Gespräch passierte. Sie schrieb mich umgehend für weitere 2 Wochen krank und wir vereinbarten, dass wir beim nächsten Termin über eine etwaige Medikation sprechen würden.

Die nächsten 2 Wochen schlief ich hauptsächlich oder las bei Wikipedia oder hörte mein GOT-Hörbuch.

Als ich beim nächsten Termin bei der Psychiaterin am Empfang stand, bemerkte ich einen verpassten Anruf auf dem Handy. Die Nummer kam mir irgendwie vertraut vor und nachdem ich mich angemeldet hatte, ging ich kurz aus der Praxis, um zu telefonieren.
Es stellte sich heraus, dass die Personalabteilung mich anrufen wollte, um einen Termin für ein persönliches Gespräch zu vereinbaren.

Ich sagte für den nächsten Tag zu.

Die Psychiaterin fand dies alles sehr unglücklich, konnte aber meinen finanziellen Zwang verstehen, nach den 6 Wochen wieder arbeiten gehen zu müssen, um keine monetären Einbussen zu erleiden. Um dies zu ermöglichen, verschrieb sie mir Sertralin in einer 2-wöchigen Rosskur, um mich halbwegs arbeitsfähig zu kriegen.

Den nächsten Tag ging ich also in die Firma, zu dem Gespräch mit der Personalabteilung. Ich wiederholte meine Anschuldigungen, erzählte von den Gesprächen, der Schmach, den Demütigungen. Erneut wurde mir gesagt, dass es keine Zeugen für die Gespräche gibt und deswegen keine personaltechnischen Aktionen gegen C3 unternommen werden können. Wenn ich also weiter für das Unternehmen arbeiten wolle, müsste ich unverändert den Umständen agieren.

OK, soweit kannte ich ja schon die Ausgangslage. Wenn C2 dies so propagierte, wird die Personalabteilung dieser Empfehlung folgen.

Dies war aber nicht der einzige Punkt, der in diesem Gespräch angeschnitten werden sollte.
Gleich nach Abschluss der Respektlosigkeiten von C3 wurde mir vorgeworfen, ich hätte trotz Krankschreibung meine Tätigkeit als Schöffe wahr genommen.

Ich überlegte kurz, ob ich dies abstreiten sollte, denn wirkliche Beweise hatten sie gegen mich nicht. Ich entschied mich jedoch dagegen, erstens, weil ich die entsprechenden Freistellungstage beantragt und bereits genehmigt bekommen hatte und zweitens, weil ich fand, das meine Begründung durchaus stichhaltig war.

Und so erklärte ich: C3 hat meine Glaubwürdigkeit und mein Selbstverständnis so dermassen unterminiert, dass ich keinerlei Selbstvertrauen oder Selbstachtung hatte. Durch die Wahrnehmung der Schöffentätigkeit wurde mir hingegen vermittelt, das meine Anwesenheit, meine Meinung und meine Tätigkeit wertvoll ist. Dies würde mein Selbstvertrauen stärken und mich so durchaus wieder arbeitsfähig machen.

Ich erklärte dies 3x, jedes Mal meinte die Personalchefin, sie könnte meine Argumentation nicht nachvollziehen und verstehe nicht, warum ich trotzdem als Schöffe tätig werde.

Dies war der Moment, wo ich mich entschloss, endlich meine Anwältin zu Rate zu ziehen. Ich telefonierte mit der Vorzimmerdame und bekam einen Termin 3 Tage später.
Pünktlich fand ich mich in der Kanzlei ein und die Anwältin hörte mir aufmerksam zu. Sie erklärte mir dann meine Möglichkeiten, welche zu diesem Zeitpunkt eher dünn waren. Es stand Aussage gegen Aussage und wenn sowohl Bereichsleiter als auch Personalabteilung das Verhalten von C3 schützen würden, blieben mir kaum Handlungsmöglichkeiten.

Also ich ließe mich weiterhin krank schreiben und würde die finanziellen Einbußen nach den 6 Wochen in Kauf nehmen oder ich ginge wieder regulär auf Arbeit, müsste die Zähne zusammenbeißen und C3 ertragen.

Da wir tatsächlich auf mein volles Einkommen angewiesen sind, blieb für mich nur Option 2, Zähne zusammen beißen und auf Arbeit gehen. Immerhin wurde dies durch meine Anwältin erleichtert, nach deren Auffassung ich „nur“ durchschnittliche Arbeitsleistung zu erbringen hätte.

Bevor ich jedoch regulär an meinen Arbeitsplatz zurückkehren konnte, wurde mein Großer krank. Aus nicht bekannter Quelle hatte er sich mit Borkenflechte angesteckt. Nachdem diese Hautkrankheit nach 4 Wochen immer schlimmer wurde, gingen wir zum Arzt, der ihm ein Antibiotikum verschrieb und für den Rest der Woche aus der Schule nahm.
Ich war nicht wirklich böse über die 2 weiteren Tage frei und informierte meinen Chef, C2, über die neuesten Entwicklungen per Email.

Er schrieb mir zurück. Ich solle mich nach den Pfingstfeiertagen wie verabredet in der Personalabteilung melden.
Da ich nichts von einer solchen Verabredung mitbekommen hatte, nahm ich diese Mail einfach so hin.

Am Dienstag nach Pfingsten ging ich wie gewohnt zur Arbeit, stempelte mich ein, in voller Absicht, meine bisherige Tätigkeit wie gewohnt auszuüben.

Ich meldete mich wie befohlen in der Personalabteilung. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich ab sofort von der Arbeit frei gestellt bin. Eine Kollegin der Personalabteilung begleitete mich zu meinem Arbeitsplatz, wo ich meinen Rollcontainer und meinen Schreibtisch räumen durfte.

Weil ich so etwas schon eine ganze Weile eher erwartet hatte, habe ich meinen Schreibtisch und alle signifikanten Dokumente bereits Wochen vorher beräumt und es waren nur noch unbedeutende Papiere übrig. Einen Teil davon gab ich meinem Kollegen, damit er die ISO-Zertifizierung weiter vorantreiben konnte. Den Rest gab ich meinem Nachfolger, der nach erster Einschätzung eine völlige Plinse ist.

Dann gab ich meinen Ausweis der Personalerin und wurde zum Ausgang begleitet.
Unendlich erleichtert fuhr ich nach Hause.

Tags darauf mailte ich meiner Anwältin den Freistellungsvertrag, weil ich mir nicht sicher war, was dies für meine Situation konkret bedeutet. Vornehmlich ging es darum, dass in dem Schreiben das Wörtchen „unwiderruflich“, oder alternativ „widerruflich“, fehlte. Dies hat durchaus Auswirkungen auf mein Verhalten. So dürfte ich beispielsweise nicht in den Urlaub fahren, wenn mein Urlaub nicht bereits genehmigt wurde und „widerruflich“/“unwiderruflich“ fehlt.

Da aber mein Urlaub bereits genehmigt wurde, bin ich auf der sicheren Seite. Allerdings kann ich meine verbleibenden 10 Urlaubstage für dieses Jahr nach Ablauf der Befristung geltend machen, da ohne „unwiderruflich“ mein Urlaubsanspruch nicht berührt wird.

Dies werde ich dann bei entsprechender Gelegenheit tun.

Bis dahin genieße ich meinen bezahlten Urlaub bis Ende September. Ehrlich, es hätte schlimmer kommen können.

P.S.: Nach anfänglichen, sehr heftigen Nebenwirkungen schlägt das Sertralin gut an. Die Angstzustände sind fast weg, mein Appetit ist auf ein Minimum reduziert, meine Laune ist gut. Ich schlafe recht schlecht und mein Herz hat häufig Rhythmusstörungen. Ich nehme am öffentlichen Leben teil und kann meine Familie nach Kräften unterstützen. Ich kann unseren Urlaub planen und schaffe es, den Haushalt einigermaßen zu koordinieren. Ich wünschte, ich hätte mehr Schlaf, aber dies ist Jammern auf sehr hohem Niveau!

Bloß von hier weg …

… so weit wie möglich!

Ging mir ja bei meinem letzten Blogeintrag nicht so dolle und die einzige vernünftige Lösung war, etwas an dem grundlegenden Problem zu ändern. Da ich C3 nicht austauschen kann, habe ich mich aus der Partie entfernt.

Ich bin also am nächsten Tag zu meiner Psychiaterin von vor zehn Jahren gegangen. Zumindest wollte ich das. Die Empfangsdame allerdings meinte, dass die Ärztin von damals verstorben sei. War mir egal, wie so ziemlich alles an diesem Tag. Die Dame meinte auch, ich könne einen Termin machen, in 2,5 Wochen.

Das wiederum war mir nicht egal, denn es ging mir JETZT schlecht. Ob ich denn nicht zu meinem Hausarzt gehen könne. Theoretisch ja, aber ich wollte auch Medikamente und Hausärzte sind dort nicht so bewandert. Dann müsste ich sehr lange warten. Ok, meinte ich, mir wäre es gleich, mir ging es einfach nur elend.

Ich wartete geduldig und hatte Glück, ein anderer Patient hatte kurzfristig abgesagt und so konnte ich bereits eine Stunde später mit der Ärztin sprechen. Sie ließ sich kurz meinen Werdegang schildern und den Grund für die jetzige Situation und war wie ich der Ansicht, dass aktuell der einzige Weg ist, mich dort rauszuholen, also krankzuschreiben.

Medikamente würde sie mir geben, denke aber, dass ich sie eigentlich nicht nötig habe, weil die Ursache klar ist und ich durch meine Vergangenheit reflektiert genug bin, um das ohne pharmazeutische Unterstützung hinzukriegen. Sie meinte zudem, dass sie keine Schwierigkeiten hätte, mich bis zum Ende der Befristung aus dem Rennen zu nehmen. Außerdem machte sie einen Vermerk, dass falls ich selbst kündigen sollte, ich nicht in die Sperrfrist vom Arbeitsamt laufe.
Am Ende des Gesprächs vereinbarten wir, dass ich es vorläufig ohne Medis versuchen sollte, wenn es aber nicht ginge, ich mir jederzeit das Rezept abholen könne. In zwei Wochen solle ich wiederkommen und die Verlängerung der AU abholen. Falls ich Gesprächsbedarf hätte, könnte ich auch zu ihr rein.

Ich fand das alles super, vor allen Dingen, dass sie mir so vorbehaltlos glaubte und meine Geschichte nicht als Befindlichkeit oder Übertreibung abtat. Erst da merkte ich, wie sehr mir dieses mich als Lügner zu bezeichnen zugesetzt hatte.

Seit drei Tagen bin ich nun zuhause und genieße die Zeit. Ich denke immer noch viel über die ganze Situation nach, habe aber für mich die Entscheidung getroffen, nicht wieder in die Firma zurückzukehren, solange C3 dort noch ist.

Die freie Zeit werde ich nutzen, um Bewerbungen zu schreiben und wieder auf die Beine zu kommen. Mir kommt das alles so bekannt vor, vor 10 Jahren ging es mir ganz ähnlich. Ein doofer Job, ein beschissener Chef, Depressionen und Panikattacken. Nur damals habe ich viel zu lange gewartet, habe völlig am Boden eine neue Stelle angetreten und ein Jahr später musste ich den eigentlich coolen und gut bezahlten Job mit sehr gutem Chef aufgeben. Ich befürchte, dass es diesmal wieder so kommen könnte, von daher bin ich sehr dankbar für die Pause.

Meinen Lebenslauf habe ich schon auf Vordermann gebracht, die wichtigsten Unterlagen hatte ich vor ein paar Wochen bereits mit nach Hause genommen. Nächste Woche werde ich eine Email an meine ISO-Kollegen schreiben, in der ich die Situation erkläre und mich entschuldige, sie im Stich lassen zu müssen. Was C2 oder C3 von meiner Abwesenheit halten, ist mir egal, immerhin haben sie es sich selbst zuzuschreiben.

Seit dieser Entscheidung geht es langsam wieder aufwärts. Ich bin neugierig, wo es mich hinverschlägt. Oder vielleicht mache ich mich auch selbstständig, so ein oder zwei Ideen habe ich bereits seit Längerem im Hinterkopf, bislang aber nie dem Mut gehabt, wirklich intensiver darüber nachzudenken.

Oder aber es kommt wieder alles gaaaaanz anders 🙂

Panik

Das Beste zuerst: ich hatte ein fantastisches Wochenende. Eines, dass einem selbst Tage später noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Immer wieder!

Selbst der Zwischenstopp bei meinen Eltern kann den Gesamteindruck nicht gänzlich trüben, obwohl da schon ein paar Wölkchen dabei sind.

Was mich aber richtig aus den Latschen kippt, ist der morgige Tag. Ich schiebe hier die völlige Panik. Das volle Programm. Herzrasen. Weinkrämpfe. Durchfall. Alles, was man eben so braucht, um am nächsten Morgen fit auf der Matte zu stehen.

Ich habe Panik, ins Bett zu gehen, weil ich dann irgendwann aufstehen muss. Den neuen Tag meistern muss. Und alleine die Vorstellung daran macht mich alle. Raubt mir sämtliche Energie.

Mein alter Chef, C1, meint, ich solle durchhalten, um eben keine neue Munition für die Fehltageproblematik zu liefern. Aber ich sehe den Sinn darin nicht. Erstens bin ich in der Tat völlig alle, körperlich, nervlich. Und zweitens gehe ich einfach nicht mehr davon aus, dass ich entfristet werde, dass mein Arbeitsvertrag über den 30.09. hinaus läuft. Warum also sollte ich mir jetzt noch den Arsch aufreißen?

Sollen sie halt ihren Vertreter finden und einarbeiten. Keinen Job zu haben, womöglich sogar im Hartz IV zu landen, alles ist wirklich besser als das, was ich jetzt durchmache.

Das nur als kurzen Zwischenstand von der Front (ja, das ist ein beschissenes Kriegsgebiet hier), wo sich der letzte Rest Kampfgeist in einem trotzigen Ausbruch manifestiert.

Personalgespräch – schon wieder

Ich hatte heute ein Personalgespräch – schon wieder. Diesmal mit C3, weil er den Verlauf unseres letzten Gesprächs nicht sonderlich konstruktiv fand.
Ach, echt?

Am Ende des heutigen Gesprächs fragte er mich, ob ich denn jetzt ein besseres Gefühl als nach dem letzten Gespräch hatte, aber statt ihm meine ehrliche Meinung zu sagen, meinte ich, dass ich neutral in dieses Gespräch gegangen bin und keine Erwartungen hatte, die enttäuscht werden konnten.
Denn innerlich brodelte es schon wieder in mir, ohne jetzt konkret sagen zu können, was mir so gegen den Strich lief. Das wurde mir erst auf dem Heimweg klar, als ich das Gespräch nochmals im Kopf durchging.

C3 ist, obwohl er das Gegenteil behauptet, unglaublich eitel. Kritik an ihm oder seiner Arbeit nimmt er grundsätzlich persönlich. Ich konnte das an seiner Körpersprache ablesen, als er das Protokoll unseres letzten Gesprächs durchging.
Selbiges hatte ich aus dem Gedächtnis im Nachgang erstellt und so neutral wie möglich gehalten. Ich habe sogar einen Kollegen drüber lesen lassen, ob die Formulierungen wirklich sachlich sind, was er bestätigte. Trotzdem reagierte C3 wie ein trotziges Kind. Das Protokoll wäre verzerrend, würde Tatsachen weglassen oder falsch darstellen. Er distanziere sich davon und habe das Protokoll mit eben jenem Distanzierungsvermerk an die Personalabteilung geschickt, damit es in meiner Personalakte landet.

Statt mit mir darüber zu reden, über ein internes Protokoll, das nirgendwo öffentlich abgelegt ist, sucht er die Eskalation. Wie im Kindergarten. Soll er machen, ich poliere im Gegenzug meinen Lebenslauf auf und schreibe Personalvermittler an.

Ganz generell zog er das Gespräch immer wieder auf die emotionale Ebene. Er sprach einen Punkt an, ich schilderte meine Sicht der Dinge, er wurde aufbrausend. Ich atmete tief durch und versuchte nochmals, sachlich meinen Standpunkt zu erläutern. Wumm, wieder eine Explosion. Das war unglaublich anstrengend und ist einer der Hauptpunkte, der mir richtig sauer aufstößt. Denn die Anlässe für die Kawumms waren immer die selben.

Nämlich dann, wenn ich einen anderen Standpunkt als er vertrat, wenn er mit meinen Erklärungen nicht einverstanden war. Wie soll ich mich aber erklären, wenn nicht-konforme Meinungen sofort weggebügelt oder niedergebrüllt werden. Diesmal war es zumindest kein Brüllen, aber schon ein beängstigendes Aufbrausen. Ich hatte nicht das Gefühl, wirklich neutral angehört zu werden.
Nur dann, wenn ich aufzeigte, dass wir bei bestimmten Themen die gleiche Sicht der Dinge haben, gab es eine normale Reaktion. Wie ich damit in Zukunft umgehen soll, weiß ich nicht.

Er hat kaum Verständnis für meine Situation bzw. die Einschränkungen, mit denen ich konfrontiert werde, gezeigt. Stattdessen wird mir mangelnde Ergebnisqualität vorgeworfen. Das kam schon ein wenig überraschend, da sowohl C1 als auch C2 – ungeachtet der Fehltageproblematik – mit meiner Arbeit zufrieden waren. Zur Veranschaulichung zog er ein Gesprächsprotokoll von C2 und mir vom November hervor, in dem meine zukünftigen Aufgaben beschrieben sind. Ich hätte schwören können, dass ich dieses Dokument heute zum ersten Mal gesehen habe, aber C3 meinte, da wäre meine Unterschrift drauf. Als ein Punkte stand dort: „Etablierung und Optimierung eines vollumfänglichen Lizenzmanagement bis Ende Q1 2017“.

Als ich das Ding damals unterschrieben habe, hatte ich nicht mal ansatzweise eine Ahnung, was sich hinter diesem Satz verbirgt. Würde ich diese Vorgabe mit meinem jetzigen Wissensstand lesen, würde ich mich lieber lachend in die Kreissäge stürzen. Jeder mit halbwegs Ahnung und klarem Verstand hätte erkennen müssen, wie aussichtslos eine solche Vorgabe ist. Selbst wenn wir ein einsatzfähiges Programm zur Erfassung und Unterstützung einer solchen Aufgabe hätten, ich das Thema in Vollzeit angehen könnte und mir nicht alle notwendigen Informationen von x Stellen mühsam zusammen suchen müsste, würde ich allerfrühestens Ende diesen Jahres eventuell ansatzweise in die Nähe der Vorgabe kommen.
Mich jetzt immer noch darauf festzunageln, empfinde ich als frech und anmassend.

Womit er Recht hatte ist sein Hinweis, dass ich beim Erkennen der Aussichtslosigkeit des Unterfangens das Thema entsprechend hätte eskalieren müssen. Überhaupt mag er gerne Eskalationen. Bei einem anderen Thema, wo ich wiederholt bei den Kollegen nach Unterstützung anfragte, hätte das passieren müssen. Es C2 zu signalisieren, der damals zuständig war, reichte vermutlich nicht als Eskalation aus und weil ich es nicht schriftlich habe, kann ich dies nicht nachweisen.

Überhaupt: ich muss zukünftig alles schriftlich festhalten. Aussagen meinerseits über mündliche Aussagen und Absprachen mit C1, C2 oder der Personalabteilung können jetzt nicht mehr nachvollzogen werden und lassen mich gegenüber C3 als unglaubwürdig dastehen.
Tolle Wurst!
Steh ich also als Lügner da.

Ganz großes Kino war übrigens auch der „ich stelle immer nur Forderungen“ Vorwurf, konkret, dass ich zwei Schulungen angefragt habe. Ernsthaft, ich zweifel ein wenig an der Zurechnungsfähigkeit C3s.
Zur Erklärung muss ich ein wenig ausholen: Bei dem Meeting mit dem ISO-Chef vorletzte Woche meinte C3, er müsse sich schützend vor seine Mitarbeiter stellen, weswegen er dann ja so ausrastete. Als ich heute meinte, dass ich das eher unschön fand, weil mein Kollege und ich ebenso seine Mitarbeiter sind, wir aber die volle Breitseite abbekommen haben, meinte er, in jenem Moment hatten wir beide den ISO-Hut auf und zählten nicht mehr zu seinem Team.
Dann kam der Vorwurf wegen der Schulungen, woraufhin ich meinte, die eine Schulung hätte ich dann, um in seinem Bild zu bleiben, mit dem ISO-Hut auf beantragt. Ja, das wäre aber was ganz anderes, sagte C3.
Ja ne, is klar.

In diesem Zusammenhang meinte er, er könne gar nicht verstehen, warum jene Besprechung so eskaliert sei, denn er würde ja in seinen Augen immer ganz klare Ansagen machen. Gab aber direkt zu, immer wieder und sehr häufig missverstanden zu werden, so dass es wohl doch an ihm liegen würde.

Erkenntnis -> Einsicht -> Besserung? Ich fürchte, wohl eher nicht.

Irgendwann während des heutigen Gesprächs war wieder so eine Situation, wo er aufbrauste und laut loslachte, nur eben völlig humorlos. Ich wies ihn darauf hin, dass ich eine solche Reaktion als respektlos empfinde, worauf er antworte, eine andere Reaktion verdiene meine Aussage nicht.

Ohne mich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber soziale Kompetenz sieht für mich anders aus.

Gegen Ende fragte ich nach, was denn eigentlich das Ziel der Fehltagsgespräche sei. Er konnte hierzu keine anderen Angaben machen, als isso oder kommt eventuell von ganz oben. Bin also auch hier so schlau als wie zuvor.

In all diesem Chaos gab es sogar noch ein paar handfeste Ergebnisse:

  • Es wird ein 8-Augen-Gespräch mit C1, C2, C3 und mir geben, um dieses Wirrwarr aus den mündlichen Aussagen zu entwirren. Mit viel Glück kann ich meine Glaubwürdigkeit so ein wenig wieder herstellen.
  • In zwei Wochen wird es einen Termin mit C3 geben, wo er sich meine bisherige Arbeit zum Thema Lizenzen zeigen lassen wird und wir gemeinsam eine Strategie für die zukünftigen Aufgaben und Ziele erstellen werden.
  • Das Protokoll des heutigen Gesprächs wird C3 erstellen, mir zur Ansicht und Korrektur geben und danach in die Personalabteilung geben.

Was ich mir tatsächlich wünsche, wäre mal ein Gespräch, wo es um meine berufliche Entwicklung, um Gehalt oder ähnliche Dinge geht, nicht immer solcher Mist!

Henkersmahlzeit

Das war es also, das letzte gemeinsame Mittagessen mit meinen alten Kollegen. Ab Montag werden alle komplett an einem neuen Standort arbeiten. Ich werde sie ganz furchtbar vermissen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten waren der Höhepunkt jeden Tages. Es spielten sich Dramen ab, wenn Termine in unsere Essenszeiten gelegt wurden. Und ich habe sie im Laufe der Zeit lieb gewonnen. Alle! Ausnahmslos.

Die Kollegen sind ebenfalls wehmütig, denn am neuen Standort gibt es keine Kantine und der Speiseraum fasst nur 10 Personen. Zuviel für unsere 40-Personen-Abteilung. Auch wenn ständig über das Essen gemeckert wurde, sind die Alternativen am Zielort wenig verlockend. An Döner oder Asianudeln hat man sich eben auch schnell übergessen.

Gestern Abend waren wir alle zum Abschluss gemeinsam Bowlen. Es war herrlich, wundervoll, lustig und tottraurig. Die Stimmung war wie zu den besten Zeiten, ausgelassen und fröhlich, alle lachten, alle waren integriert, niemand saß ausgegrenzt irgendwo am Rand. Es war ein Blick zurück ins Paradies, welches ab nächster Woche verloren ist. Leider konnte ich den Abend nicht geniessen, weil er mir allzu schmerzlich vor Augen führte, was sich in den vergangenen Monaten verändert hat, wie hoch die Fallhöhe tatsächlich ist und was ab kommenden Montag unwiderbringlich vorbei sein wird. Egal, wie sehr alle beschwören, in 2 Jahren wieder an einem gemeinsamen Standort vereint zu sein.

Selbst, wenn es diesen ominösen, bisher nur theoretisch angedachten Standort geben sollte, werden sich die Teams und die Menschen bis dahin so verändert haben, dass es illusorisch ist zu glauben, man könnte wieder zum Anfang zurück. Fast alle Kollegen, mit denen ich die letzten Tage gesprochen habe, signalisierten, dass sie sich anderweitig umschauen, da die Atmosphäre im Unternehmen untragbar geworden ist. Wer weiß, wer von denen in 2 Jahren tatsächlich noch dabei sein wird.

Guten Appetit!

Woah!

Ich bin also zu C3 gegangen und habe das Gespräch gesucht. Und was das für ein Gespräch war. Voller Vorwürfe, Kritik, Zurechtweisungen. Ich muss das noch sortieren, aber ein gutes Gefühl habe ich nicht.

Es gab mehrere Kernthemen.

Es konnte nicht nachvollzogen werden, warum ich zwei Weiterbildungen für die ISO 27001 Zertifizierung beantragt habe. Das wurde immer und immer wieder angebracht, bis ich schon nachfragen wollte, ob C3 wisse, dass ich zu 50% in dem Thema bin. C3 erwähnte es dann selber, Zitat: „Sie werden mir ja die Hälfte Ihrer Arbeitszeit weggenommen.“ Ich erklärte, dass alle bei der Zertifizierung Involvierten nur eine knappe Grundbesohlung erhalten haben und wir uns jetzt nach bestem Wissen und Gewissen durch die Themen wurschteln. Weil es aber nicht mein Anspruch ist, mich durch Themen zu wurschteln, sondern ich lieber fundiert arbeite und wir uns außerdem wegen der Kürze der Zeit ein Herumwurschteln gar nicht leisten können, bat ich um Teilnahme an einer Schulung, die genau die praktischen Schwierigkeiten zum Thema hat. Der ISO-Chef ist zusätzlich der Ansicht, dass ein weiterer Auditor für interne Audits unbedingt benötigt wird, was wiederum die zweite Schulung begründet.
Daraufhin wurde mir vorgehalten, warum ich denn C2 um die Schulungen bat und nicht den ISO-Chef, was ich damit begründete, dass der ISO-Chef dafür kein Budget von der Geschäftsführung zur Verfügung gestellt bekommen habe und ich es – in direkter Absprache mit dem ISO-Chef – über C2 versuchen wollte.

Ich würde nur Forderungen stellen. Nach dem höhenverstellbaren Tisch, nach einem ruhigeren Zimmer, nach Schulungen, etc. Worauf ich erwiderte, dass wenn mir Ausfallzeiten vorgeworfen würden, die unter anderem wegen zweimal eines Bandscheibenvorfalls herrühren, denen ein höhenverstellbarer Tisch vorbeugen könnte, der mir seit Dezember genehmigt wurde und ich nachfrage und niemand etwas weiß oder sich darum kümmert, ich dann sehr wohl mal bei C3 nachfrage, was mit dem Tisch ist. Ich erzählte dann, wie C2 zu mir meinte, dass der Tisch ja genehmigt worden sei und er diese Information augenscheinlich aus der Personalabteilung haben muss, bei meiner Nachfrage dort aber niemand je etwas davon gehört haben will und das mich eben misstrauisch macht. Direkt im Gegenzug warf mir C3 vor, ich würde C2 unterstellen, dass er mir den Tisch unterschlägt. Was ich wiederum sofort verneinte, dass ich C2 das mitnichten unterstelle und das auch nie getan habe. Daraufhin folgte der Vorwurf, dass ich doch nur wieder von den eigentlichen Themen ablenken würde. Wenn ich aber bei ihm, meinem Chef, diese Themen nicht anbringen kann, wo denn dann?

Er sagte dann, dass mir nicht unterstellt würde, dass ich blau machte, aber es ist Tatsache, dass ich viele Ausfallzeiten habe, dieses Jahr eben diese 3 Wochen am Stück und letztes Jahr noch viel mehr. Ich meinte daraufhin, dass es doch nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, dass Menschen ausfallen und erwähnte den berühmten Busfaktor. Es kann jederzeit ein Mitarbeiter (theoretisch) vom Bus angefahren werden und für unbestimmte Zeit ausfallen und dass es ein grundlegendes Problem im Unternehmen sei, keine Vertreter für wichtige Positionen zu schaffen. Ja, den Bus kann man in der Tat nicht vorhersehen, sagte C3, aber andere Ausfallzeiten müssten minimiert werden. „Dann“ sagte ich „sind wir direkt bei der vielzitierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und wenn meine Kinder krank sind, dann werde ich mich um ihre Betreuung kümmern.“ Worauf C3 sagte, dass er auch ein kleines Kind habe und dann eben auch mal 10 Tage ausfalle. Ich erwiderte, durchaus trotzig, dass ich zwei Kinder habe und dementsprechend 20 Tage fehlen könnte. Worauf er mich entsetzt ansah.

Und dann noch die Schöffentätigkeit. Wieder der Vorwurf, ich würde mir da einfach 4 Tage frei nehmen. Ich erklärte, dass ich mich 2013 für die Tätigkeit beworben habe, als ich noch in einem anderen Unternehmen tätig war. Ich könne die Termine nur mit triftigem Grund ablehnen und nur Arbeit ist kein triftiger Grund. Was C3 völlig anders sah. Zitat: „Dann müssen Sie dem Gericht mitteilen, dass Sie nicht an den Terminen teilnehmen können, weil dadurch Ihr Arbeitsvertrag gefährdet ist.“
Ich zitierte also die entsprechende Gesetzespassage, dass einem Arbeitnehmer durch die Ausübung seiner Schöffentätigkeit keine beruflichen Nachteile entstehen dürfen. Und ob er mir jetzt wirklich vorwirft, mich ehrenamtlich zu engagieren und meine demokratische Pflicht zu erfüllen. Dann könnten wir ja auch die Freiwilligen Feuerwehren einstampfen, für die nämlich ähnliche Regelungen gelten. Er tiradierte dann, was er so alles machen würde und dass seine Freizeitgestaltung eben seine Freizeit ist und was ich ihm jetzt mit Ehrenamt komme. Und überhaupt würde ich ja wieder nur vom Thema ablenken.

Mir wird vorgeworfen, dass ich als Wirtschaftsinformatikerin doch über die Basics der Lizenzierung insbesondere bei Microsoft Bescheid wissen müsse und auch wissen müsse, wie massenhaft Softwareinstallationen vorgenommen werden und wie das dort mit den Lizenzschlüsseln geregelt ist. Könnte ich wissen, wenn ich dies tatsächlich in meinem täglichen Berufsleben machen würde. Ich habe bisher aber als Wirtschaftsinformatiker, durchaus auch erfolgreich, gerarbeitet, ohne auch nur ein einziges Mal mit dem Thema Lizenzen konfrontiert worden zu sein. In diesem Zusammenhang bat ich darum, eine generelle Lizenzmanagementschulung besuchen zu dürfen, da ich merke, dass ich mich nur durchwurschtel und es wie gesagt nicht mein Anspruch ist. Er meinte, eine solche Schulung gibt es nicht, worauf ich widersprach und sagte, doch, bei Bechtle oder Comparex wird das angeboten. Er wüsste auch gar nicht, was für Inhalte eine solche Schulung hätte. Es war ihm unverständlich, dass es so viel Erklärungsbedarf zu Lizenzmetriken oder Volumenlizenzen oder Best Practices gibt.
Die Schulung werde ich mir wohl abschminken können.

(So ganz nebenbei: Wenn ich diese Basics wissen muss, dann erwarte ich aber im Gegenzug von meiner Führungskraft aber auch, dass sie die Basics des Arbeitsrecht kennt und dazu zählen auch ehrenamtliche Tätigkeiten, seien es Schöffendienst oder Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr.)

Er versteht auch nicht, warum ich für manche Themen so lange benötige. Er hätte bei einem aktuellen Thema nur zweimal telefoniert und schon hatte er alle nötigen Informationen. Ich erklärte, wie ich mir die Knie zerschunden habe, weil ich die IT-Mitarbeiter so oft bekniet habe, mir diese Informationen zu geben. Und ich sagte, wie er, C3 vor einer Woche ganz richtig erkannt hatte, dass solche Informationen schon lange, auch schon lange vor mir, hätten ordentlich dokumentiert werden müssen.  Und dass es mir bei so vielen Themen so geht. Dass ich im Zweifelsfall erstmal rausfinden muss, wer überhaupt Informationen dazu haben könnte. Und ich mir jedes Fitzelchen mühsam zusammensuchen muss, weil nichts, aber auch gar nichts, dokumentiert wurde.

C3 fand es ganz mies, dass ich letzte Woche, einen Tag nach dem sehr ausführlichen Gespräch mit ihm, zu C1 gegangen bin und die Rückkehroption gezogen habe. Meine Einwände, dass dies überhaupt nichts mit dem Gespräch, sondern mit den ganzen Entwicklungen davor und vor allem dem Personalgespräch mit der Personalabteilung zu tun hatte, nahm er gar nicht wahr, sondern pochte immer wieder auf den vermeintlichen Verrat. Er würde auch gar nichts machen, solange ich ihm nicht schriftlich bestätige, dass ich die Rückkehroption nicht mehr in Erwähnung ziehe, was mich direkt zur Entfristung des Arbeitsvertrages brachte.

Da vertritt er nämlich die Meinung, dass eine Entscheidung kurz vorm Auslaufen des Vertrags völlig ausreiche. Mit viel Gnade sagt er sogar so zeitig Bescheid, dass man sich immerhin nicht beim Arbeitsamt melden muss, so man denn verlängert würde. Er könne auch nichts zu früher gegebenen Versprechungen sagen, davon wüsste er nichts und er fühle sich denen auch nicht verpflichtet.

So.Ein.Arsch!

Abgerundet wurde das Gespräch mit dem Hinweis, dass er bei seinen Entscheidungen an die Vorgaben von C2 gebunden ist und mit ihm in regem Austausch stehe.

Heißt also für mich, dass ich jetzt zwei supertolle Chefs auf einmal habe.

P.S.

Woah!

Ich komme gerade aus einem Meeting, wo sich C3 zusammen mit dem ISO-Team und den unterstützenden Admins über den aktuellen Stand eines wichtigen Programms informieren wollte. Die Diskussion eskalierte nach der Hälfte der Zeit, weil C3 einen Rundumschlag an Vorwürfen in alle Richtungen verabreichte, gegen den sich unser ISO-Zertifizierungschef versuchte zu wehren und die Diskussion von der emotionalen zurück auf die Sachebene zu lenken. Es endete damit, dass C3 wütend den Raum verließ und der ISO-Chef eine Email an die Geschäftsführung schreibt, worin er darum bittet, nicht mehr mit C3 zusammen arbeiten zu müssen.

Für mich persönlich war diese Diskussion 1:1 so, wie das Gespräch, dass ich eine Stunde zuvor mit ihm hatte. Es sind grundsätzlich die anderen Schuld, alle arbeiten gegen ihn, jeder regt sich auf und beschimpft die IT und überhaupt. Mir wurde Wahrnehmungsverzerrung vorgeworfen, obwohl C3 derjenige ist, der darunter leidet. Dies wird ganz wunderbar an einem Beispiel deutlich:

Wir wissen, dass es bei der Implementierung des wichtigen Programms einige Schwierigkeiten gab. Der zuständige Kollege hat sich mit viel Einsatz darum gekümmert und den Fortschritt ausführlich dokumentiert. Mein Kollege und ich haben diese Kommentare aufmerksam verfolgt, der ISO-Chef leider nicht. Verständlich, dass er sich hin und wieder (also einmal in zwei Wochen oder länger) erkundigt, wie der aktuelle Bearbeitungsstand ist. Diese Nachfrage, die ohne jegliche Kritik oder Untertöne erfolgte, wurde von C3 als Gängelei gewertet und dass ständig (!) Kritik an seiner Abteilung geübt würde.

Wenn es mich nicht persönlich betreffen würde, täte ich mir ne Schüssel Popcorn holen und das Drama weiter beobachten.

Ende der Fahnenstange

Boah! Ich bin gleichzeitig sprachlos und könnte ausflippen. Und worum geht’s, um die Arbeit. Natürlich!

Ein Kollege aus dem IT-Bereich, der mit mir angefangen hat, fragte die letzte Zeit immer öfter nach, wie es denn mit der Entfristung seines Arbeitsvertrages aussieht. Erst wurde ihm empfohlen, sich doch drei Monate vorm Vertragsende beim Arbeitsamt zu melden, könne ja nicht schaden. Dann wurde ihm gesagt, dass man noch nicht einschätzen könne, ob er tatsächlich ein Zugewinn fürs Team ist und sie noch mehr Zeit benötigen – nach 1,5 Jahren Firmenzugehörigkeit. Dann wurde ihm gesagt, sie würden die Teams neu zusammenwürfeln und sie müssten schauen, ob er von seinen Qualifikationen in eines der neuen Teams passe.

Super Aussagen, die mich sehr hoffnungsvoll gestimmt haben, denn auch bei mir geht es um die Entfristung. Da bei mir aber die gleichen Leute die Entscheidung fällen, erwarte ich keine anderen Aussagen und habe mir Nachfragen bislang gespart.

Jetzt allerdings meinte eine Kollegin, dass neuerdings eine Stellenanzeige auf der Firmenhomepageaufgetaucht ist, die genau meine jetzt von mir besetzte Position beschreibt. Veröffentlichungsdatum: heute, 30.03.2017.

Ich koche innerlich und weiß nicht, was ich dazu sagen soll!

Nichts Neues!

Feuervogel hatte mich bei Achterbahn gefragt, ob es etwas Neues gibt und nach dem initialen

Nö, aktuell nicht.

merkte ich, dass die nachfolgende Antwort doch länger wird und einen eigenen Beitrag verdient. Also dann ein wenig ausführlicher.

Es ist vergleichsweise ruhig, aber irgendwo so, wenn man im Auge eines Tornados steht. Da kann jederzeit die Apokalypse wieder hereinbrechen. Die Stimmung auf Arbeit ist irgendwie seltsam, als ob alle den Atem anhalten.

Der erste Teil der Umzüge wurde in einer großen Hauruckaktion fast ohne Zwischenfälle über die Bühne gebracht. Auf der einen Seite freut es mich, dass die Mitarbeiter so großartige Arbeit geleistet haben, aber auf der anderen Seite wird damit ein völlig falsches Signal an die Geschäftsführung gesendet. „Seht her, wozu brauchen wir irgendeine Planung oder professionelle Helfer, wir kriegen das doch locker nebenbei aus dem Handgelenk geschüttelt.“ Dass meine Kollegin, die das ganze organisiert, kurz vorm Kollaps steht, sieht niemand der Entscheider.

Mit dem Umzug ist auch C1 an den neuen Standort gezogen und evtl. kann ich seinen Firmenparkplatz „beerben“. Das wäre toll, da ich derzeit immer halb illegal parke und Gefahr laufe, dass mein Auto abgeschleppt wird. Trotzdem ich das Fahrrad habe, werde ich an mindestens zwei Tagen pro Woche mit dem Auto auf Arbeit fahren, damit ich das Fußballtraining des Großen zeitlich besser gebacken kriege.

BK ist immer noch im Lizenzteam und macht weiterhin jede Menge Blödsinn. Es gibt bislang keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird, ich weiß aber auch nicht, ob C1 bereits mit C3 darüber sprechen konnte. Meine Einstellung ist, dass ich nur noch meinen Teil mache und alles, wofür ich nicht zuständig bin, geht zurück an BK. Wie sie es dann verbockt, ist allein ihre Entscheidung, ich werde mir da nicht mehr die Finger verbrennen.

Als nächstes habe ich für Mai ein Mitarbeitergespräch mit C3 geplant, wo ich um die Entfristung und eine Gehaltsanpassung auf die Gehaltsstufe meines Vorgängers bitten werde. Bis dahin sollte ich dann auch ein ruhigeres Büro und meinen seit Dezember genehmigten höhenverstellbaren Tisch gegen meine Rückenschmerzen haben. Beides bereits beantragt. Außerdem möchte ich eine generelle Schulung zum Thema Lizenzmanagement haben, da ich mich bislang nur mit selber angeeignetem Wissen und einer mickrigen Microsoft-Schulung durch die komplexen Strukturen wurschtel. Wird auch nur einer der Punkte nicht erfüllt, fange ich an, Bewerbungen zu schreiben.

Bis dahin kümmer ich mich um meinen Seelenfrieden, der in letzter Zeit massiv zu kurz gekommen ist. Dazu gehören unter anderem weitere Reiseblogeinträge und der Erfahrungsbericht zum neuen Zimmer unseres mittlerweile 3-jährigen und mächtig großen Mädchens. Nebenbei planen wir unseren Sommerurlaub, nachdem sich die Chinareise wohl zerschlagen hat. Da war vom chinesischen Kindergarten eine einwöchige Reise nach Nanjing geplant, wo deutsche Familien bei chinesischen Familien wohnen. Die Eltern würden auf dem Sofa schlafen, die Kinder auf Luftmatratzen in den Kinderzimmern und man käme hautnah in Kontakt mit dem chinesischen Alltag und dem Familienleben. Fanden mein Mann und ich eine klasse Idee und wollten ursprünglich noch ein oder zwei Wochen Individualurlaub hinten dran hängen und das Land erkunden, wo wir doch schon mal da wären, denn der Flug ist immer noch das Teuerste an so einer Reise. Leider hat der Kindergarten bisher auf keine unserer Anfragen bezüglich Kosten oder konkreter Planungen reagiert.

So machen wir nun 12 Tage Urlaub in Dänemark, wo genau wissen wir noch nicht, auch nicht, was wir uns da ansehen werden. Falls jemand Tipps hat: her damit.

Also wirklich Neues gibt es nicht 😉