Achterbahn

Jeden Tag was Neues, soll ja nicht langweilig werden.

Ich hatte am Dienstag meinen alten Chef gebeten, mich quasi wieder zurückzunehmen, weil die Situation zu belastend für mich geworden war. Dass dies nicht ging, war uns beiden klar, aber er versprach, sich etwas zu überlegen. Gestern fragte ich vorsichtig nach und er lud mich zu einer kurzen Unterhaltung ein.

Dabei kam heraus, dass ich neuerdings und von mir unbemerkt einen neuen Chef bekommen hatte, der dritte in 3 Monaten. Ich sollte anfangen, sie für den Blog durchzunummerieren. Chef 3 also ist der neue IT-Leiter, mit dem ich am Montag ein sehr ausführliches Gespräch geführt hatte, ohne zu wissen, dass das mein neuer Vorgesetzter ist. Es ging um die aktuelle generelle Situation und wie man am Besten die alten verkrusteten Strukturen aufbrechen und neue, zielführendere Prozesse etablieren kann. Ich fand ihn erfrischend, aber auch ein wenig naiv, versprach dennoch, tatkräftig mitzuhelfen.

Einen Tag später erzählte ein Kollege von seinen Erfahrungen mit Chef 3, welche mein Bild von ihm ein wenig eintrübte. Gestern rasselte ich ja persönlich mit ihm zusammen. Als mich dann Chef 1 fragte, wie ich Chef 3 einschätzte, konnte ich nur sagen, dass sich meine Meinung quasi stündlich ändere. Mal finde ich ihn toll, mal denke ich, was für ne Plinse. Was ich ihm aber zugute halten muss ist, dass ich offen mit ihm über Probleme reden kann, dass ich nicht das Gefühl habe, auf jedes Wort achten zu müssen und ich denke, dass er eher niemand ist, der andere in die Pfanne hat. Mit der Faust auf den Tisch hauen, das denke ich schon, aber kann bei den IT-lern nicht schaden, die lebten zu lange in ihrem Dornröschenschloss.

Chef 1 meinte weiterhin, dass er Chef 3 empfehlen wird, sich zwischen sämtliche seiner Mitarbeiter und der Beschaffungsabteilung, namentlich BK, zu stellen, um so einen Puffer zu bilden. C1 hätte das auch schon so gemacht, weil anders eine halbwegs konstruktive Zusammenarbeit mit BK nicht möglich gewesen wäre. Ich meinte, das ist toll, nur ist BK Teil des Lizenzmanagementteams, was es mir quasi unmöglich macht, C3 als Puffer zu verwenden, ich könne ihn ja schlecht zu den Teammeetings mitnehmen. C1 sagte, dass er empfehlen wird, das Lizenzmanagementteam aufzulösen, da die Beschaffung dort gar nichts zu suchen hat, sondern erst ins Spiel kommt, wenn es um den letztendlichen Kauf geht. Da sind alle wichtigen Fragen schon geklärt.

Ich hätte C1 knutschen können.

Erneut brachte ich die Sprache auf die Entfristung meines Vertrags und C1 war erstaunt, dass dies immer noch nicht geschehen ist. Ich erklärte, dass ich mit C2 damals beim Positionswechsel vereinbart hatte, dass dies mit der Entfristung einhergeht, aber als ich zwei Wochen später nachfragte, konnte sich C2 nicht mehr daran erinnern. Als ein Kollege C3 vor Kurzem nach der Entfristung fragte, meinte der nur trocken, es wäre ja noch genug Zeit und er sähe gar kein Problem darin, wenn sich der Kollege am 1. Juli erstmal auf dem Amt meldet.

Sowas kommt gar nicht gut und entsprechend zurückhaltend bin ich, jetzt selber C3 zu fragen. Das sagte ich C1 und der kannte – natürlich – die Geschichte auch schon. Und meinte, dass er diese Aussage für sehr unglücklich hielt und dafür C3 ein wenig den Kopf gewaschen hätte, woraufhin C3 einlenkte und seinen Fehler tatsächlich einsah. Der Kollege ist zwar immer noch befristet, aber ein Chef, der einen Fehler einsieht, ist schon mal eine klasse Sache.

Wenn sich die Umzugsgeschichte hier ein wenig beruhigt hat, werde ich einen erneuten Versuch der Entfristung starten. Muss doch irgendwie möglich sein.

Ansonsten unterhielten sich C1 und ich noch über dies und das, an generellen Gesprächsthemen mangelt es derzeit nicht. Ich bin jetzt ein wenig entspannter, was meine persönliche Situation angeht. Dafür verschärft sich die Arbeitslast gerade dramatisch, da wir Ende Mai das Voraudit zur ISO27001-Zertifizierung haben und aktuell nicht ein einziges Dokument auf einem halbwegs brauchbaren Stand ist. Diese ca. 50 Dokumente bis zum Termin aufzupäppeln, ist jetzt meine Aufgabe und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das schaffen soll. Vermutlich so wie immer, ein Dokument nach dem anderen.

Mögest du in interessanten Zeiten leben.

Tja

Hier sollte ein nichtlustig-Comic erscheinen, aber WordPress verweigert die gescheite Einbettung. Wer trotzdem neurierig ist, hier entlang: http://static.nichtlustig.de/toondb/071213.html

Ich sollte einen reinen Arbeitsblog aufmachen.

Ehrlich, was hier gerade abgeht, das kann man sich nicht vorstellen. Wenn man das in einem Film sehen würde, fragte man sich, was für Drogen die Drehbuchschreiber genommen haben. Doch der Reihe nach.

Seit ich hier angestellt bin (vermutlich auch schon seit langer Zeit davor) fährt die Firma voll auf Verschleiß. Es gibt gerade genügend Mitarbeiter, um die anfallenden Arbeiten zu schaffen. Fällt einer aus, wegen Krankheit oder Urlaub, bleiben die Aufgaben dieses Mitarbeiters liegen, weil es niemanden gibt, der sie fachlich und zeitlich übernehmen kann. Eine Kollegin hatte sich beim Skifahren das Bein gebrochen und stand 6 Wochen nicht zur Verfügung. Dieses Ereignis ist jetzt knapp 2 Jahre her, die betroffenen Kollegen, die versuchten einzuspringen, haben sich bis heute nicht davon erholt.

Nicht nur, dass es keine Vertreter gibt, es wird auch nichts dokumentiert. Das Wissen ist allein in den Köpfen der Mitarbeiter und selbst wenn man versucht, die Aufgaben zu übernehmen, muss man sich alles allein durch Versuch und Irrtum erarbeiten. Es gab immer wieder Versuche, wenigstens die zu erledigenden Aufgaben schriftlich festzuhalten, aber nach 2 Mitarbeitern war Schluss, weil wichtigere Dinge dazwischen kamen.

Es gibt keine gescheite Projektkoordination, obwohl es haufenweise Projektmanager gibt. Die Geschäftsführung leiert einfach irgendwelche Sachen an, pocht auf deren zeitnahe Umsetzung, kümmert sich aber Null darum, ob überhaupt genügend Ressourcen dafür vorhanden sind. Und kosten darf es natürlich auch nichts. Das aktuellste Projekt verdeutlicht das am Besten. Es sollen ca. 100 Mitarbeiter von Standort A nach Standort B ziehen, im Gegenzug wechseln 100 Mitarbeiter von B nach A. Jede andere Firma würde dafür ein ordentliches Projekt aufsetzen, mit Projektplan und Budget. Hier hingegen wird das Ganze ad hoc über die Bühne gebracht und die Umzugshelfer sind die Mitarbeiter des IT-Service, welche jetzt 3 Wochen lang nichts anderes machen, als Kartons, Tische und Rechner von A nach B zu schleppen. In der Zwischenzeit bleiben natürlich alle anderen Aufgaben einfach liegen. Ein professionelles Umzugsunternehmen dafür zu beauftragen, wäre zu naheliegend gewesen.

Blöd nur, dass gerade ich jetzt ein Anliegen habe, dessen Umsetzung sehr eklig und nervenaufreibend ist, welches aber trotzdem bis zum 31.3. fertig werden muss. Ich versuche seit drei Monaten, dieses Thema anzubringen, aber immer wurde mir gesagt, dass dies gerade nicht möglich ist, weil andere Projekte wichtiger sind. Nun können sie es aber nicht mehr ignorieren, können es aber auch nicht umsetzen, weil ja alle gerade Umzugskisten schleppen müssen.

Seit 2 Monaten hat die IT-Abteilung einen neuen Chef und dieser schlägt gerade sehr unsanft in der Realität auf. Hatte er am Montag noch euphorisch verkündet, dass er Ordnung in den Laden bringen möchte und die alten Strukturen aufbrechen wird, motzt er die letzten 2 Tage nur noch rum, was das für ein Saftladen hier ist. Am Montag hat ihm mein alter Chef einen ersten Teil von Aufgaben und Projekten übergeben, für die der neue Leiter jetzt zuständig ist. Da sind schon einige Brocken dabei, die einem die gute Laune vermiesen können. Ich hatte ihm gestern mein Thema übergeholfen, welches er – Überraschung – wegen zu hoher Arbeitsbelastung seiner Mitarbeiter abgelehnt hat. Da er aber meinte, wir können das gerne persönlich klären, war ich gerade bei ihm und habe ihm von der Dringlichkeit berichtet und auch, welche Unannehmlichkeiten daraus resultieren könnten.

Er verstand erstens nicht, warum wir nicht schon längst eine solche Übersicht haben und zweitens warf er mir vor, warum ich erst so spät damit ankomme. Tja, weil eben alles andere immer wichtiger war als das. Ich verstehe, dass es nervig und zeitaufwändig ist, die gewünschte Übersicht zu erstellen, aber wir kommen schlicht nicht darum herum. Er meinte dann, ich hätte das eher eskalieren sollen. Joar, weil sich mein Chef in der Vergangenheit bei Eskalationen so gut bewährt hat. „Frau Xayriel, da müssen Sie einfach energischer darauf hinweisen, wie wichtig das Thema ist, dann helfen Ihnen die IT-Kollegen auch.“ Ich kann ihn förmlich in meinem Kopf hören.

Neulich kam eine Kollegin an, die die Projektleitung für die Umzüge übernommen hatte, und meinte, sie freue sich auf den nächsten Mittwoch. Sie hätte da eine Zahnwurzelbehandlung und alles wäre besser, als hier auf Arbeit zu müssen.

Notbremse

Schrieb ich gestern noch, dass ich immerhin nicht heulend im Auto auf dem Weg zur Arbeit sitze, hat sich das heute bereits überholt.

Mir geht es richtig schlecht. Obwohl alle gestern total nett waren und selbst das Personalgespräch sehr angenehm verlief, gab es zwischen den Zeilen Aussagen, die mich sehr daran zweifeln lassen, dass meine Arbeitskraft überhaupt noch geschätzt wird.

Mitten in der Nacht, ich glaube, es war halb 5, bin ich heute aufgewacht und sofort stürmten die Gedanken über die Arbeit auf mich herein. Ich ging all die Gespräche der letzten Wochen und Monate in meinem Kopf durch, überlegte, was mich störte, wo die bisher übersehenen Haken lauerten. Das da Haken lauerten merkte ich daran, wie sehr mich das alles beschäftigt und an den höllischen Schmerzen in meiner rechten Schulter. Ein todsicherer Indikator, dass Dinge massiv im Argen liegen.

Am Ende kam eine Liste von Ereignissen heraus, die mich verstörte und von Weinkrämpfen geschüttelt im Bett zurück ließ. Mal schauen, ob ich das noch zusammen bekomme.

  1. Die Beschwerde über BK, besagte Kollegin, die mir wiederholt so massiv ans Bein gepinkelt hat, dass ich mich gezwungen sah, dies meinem Chef zu melden. Seine Reaktion war, dass es wohl nur daran liegt, dass die Rollen im Team nicht klar genug definiert seien und wir diese Rollen anpassen sollten. Wirklich ernst genommen fühlte ich mich nicht, obwohl ich der Meinung war, in meiner Email verdeutlicht zu haben, wie sehr mich diese Situation belastet.
    Bei einem Meeting wenige Zeit später, unterstellte er mir vor versammelter Mannschaft, die den Hintergrund gar nicht kannte, seltsame Befindlichkeiten in dieser Sache und forderte mich auf, diese sein zu lassen.
    Dies hat mich so sprachlos und wütend gemacht, dass ich es mir gespart habe, die ganzen Vorfälle danach, die BK verzapft hat und die negativ auf mich zurückfielen (dooferweise immer nur auf mich), zu melden, weil ich mir weitere Schmähungen in Gegenwart von Kollegen ersparen wollte. Dadurch kann aber BK jetzt quasi machen, was sie will.
  2. Das Personalgespräch wegen meiner Abwesenheiten. Mein alter Chef kannte die ganzen Hintergründe, ihm habe ich vertraut und mich auch anvertraut, warum ich jeweils ausfalle. Er weiß, dass ich trotz des Steißbeinbruchs mit extremen Schmerzen 3 Wochen auf meinem schicken Sitzkissen im Büro saß. Er weiß auch, dass ein Beinbruch beim Kind ein unvorhersehbares Ereignis ist.
    Trotzdem hätte er mir nie Drückeritis oder Faulenzerei unterstellt.
  3. Das Schöffenthema. In der Personalabteilung hat niemand auch nur den Hauch einer Ahnung, wie das mit den Schöffen und den Gerichtsterminen abläuft. Trotzdem wurde mir unterstellt, ich hätte mir die Termine selbst ausgesucht, hätte mir die Termine selbst so gelegt, wie ich gerne frei hätte und so weiter. Dass nichts davon in meinem Einflussbereich liegt, musste ich erst mühsam und ausführlichst erklären.
  4. Der geplante Umzug. Die Firma hat vor einem Jahr ein kleineres Konkurrenzunternehmen aufgekauft und jetzt steht die Verschmelzung der beiden Unternehmen an. Dazu gehört auch, dass Abteilungen von den beiden Standorten zusammengelegt werden. Dafür ziehen Teile der Mitarbeiter von Standort B nach Standort A und umgedreht. Es war immer geplant, dass ich bei dem Umzug mit dabei bin, um so weiter in Kontakt mit meinen alten Kollegen bleiben zu können. Diese Tatsache hat mich ein Stück weit durch den Stress getragen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen waren ein guter und willkommener Ausgleich zum Irrsinn im Büro.
    Als ich nach meiner Krankheit wiederkam, wusste niemand mehr davon, dass ich mit umziehen sollte. Stattdessen wurden Begründungen gesucht, warum es unbedingt besser ist, dass ich hier bleibe. Ich bin anderer Ansicht, aber das ändert nchts daran. In weniger als zwei Wochen werde ich das vorerst letzte Mittagessen mit meinen geliebten Kollegen haben.
  5. Die Arbeitsüberwachung. Seit zwei Monaten müssen sämtliche Mitarbeiter unserer Unternehmenseinheit ihre Arbeitszeit komplett im Ticketsystem erfassen. Alles. Die ganzen 100%. Erreichen wir die 100% nicht, gibt es einen Rüffel.
    Ich halte dies für hochgradigen Blödsinn.
    Dass man versucht, den Arbeitsaufwand in Projekten zu erfassen, ist ok. Dies wird eh meist dem Kunden in Rechnung gestellt oder kann für zukünftige Projekte als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Selbst um kurzfristig verdeutlichen zu können, wie hoch die Arbeitsbelastung von Mitarbeitern generell ist, könnte man eine solche Erfassung nutzen. Es wird aber dauerhaft gefordert.
    So muss nun jeder Klogang, jedes Telefonat, jedes Emailwegsortieren erfasst werden. Ich empfinde das als Gängelei. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die so empfindet.
  6. Die Arbeitsbelastung. Ich erwarte von einem Chef, dass dieser grob abschätzen kann, wie viel Aufgaben pro Tag oder Woche von einem Mitarbeiter erledigt werden können. Und ich erwarte, dass wenn die Grenze erreicht ist, der Chef entsprechende Maßnahmen ergreift. Mein Chef jedoch kippt alles, was bei ihm auf dem Tisch landet, einfach bei den Mitarbeitern ab, ohne Rücksicht auf Verluste. Und beschwert sich dann, wenn Aufgaben liegen bleiben oder erst verspätet erledigt werden. Schiebt aber gleichzeitig immer noch höher priorisierte Aufgaben dazwischen, die immer gestern fertig sein müssen.
    Von Rücken frei halten, von Druck von oben wegnehmen, von schützend vor den Mitarbeiter stellen keine Spur.

All das war mir dann einfach zu viel. Ich bedauerte, dass ich freiwillig meinen Assistenzposten aufgegeben hatte. Hätte ich damals gewusst, was für Konsequenzen es haben würde, ich hätte dankend abgelehnt. Ich erinnerte mich aber auch daran, dass mit mir im Zuge des Positionswechsel eine interne Probezeit vereinbart wurde, um zu schauen, ob das Thema Lizenzen überhaupt was für mich ist. Sollte sich herausstellen, dass ich ungeeignet dafür bin, könnte ich wieder zurück auf meinen alten Posten.

So führte mich heute morgen mein erster Weg zu meinem alten Chef, wo ich ihm mitteilte, dass ich die Probezeit beenden und wieder zurück will. Ich erklärte ihm die Gründe, erklärte, wie unglücklich ich bin, wie allein gelassen ich mich fühle und wie schlecht es mir geht. Dass ich derzeit keine andere Möglichkeit sehe, etwas an meiner Situation zu ändern.

Der alte Chef schüttelte nur den Kopf. Er war wütend, wie mein neuer Chef in so kurzer Zeit so viel verbrannte Erde erzeugen konnte. Er meinte, dass dies nicht nur mir so geht, sondern es an allen Ecken und Enden brennt, für die mein neuer Chef zuständig ist. Er fragte sich, was mit dem Kerl los sei. Aber am Ende war er auch ratlos. Ich kann nicht auf meinen alten Posten zurück, den hat nämlich eine andere Kollegin inne. Und im Grunde will ich ihn auch gar nicht wieder, ich mag das Lizenzthema immer noch. Ich mag es, mich in diese Themen einzuwühlen, Detektiv zu spielen, mit Zahlen zu jonglieren.

Was ich nicht mag, ist das Umfeld, das Drumherum, die Unterstellungen und die gehen eindeutig von einer Person aus. Wer sagt, ich solle mir einfach ein dickeres Fell zulegen, dem kann ich nur sagen, dass mein Fell bereits viel dicker ist als bei anderen. 3 Jahre Hotline überlebt man nur, wenn man sich ein kilometerdickes Fell wachsen lässt. Eigentlich habe ich bereits viel zu lange gewartet, habe zu lange Entschuldigungen für meinen neuen Chef gesucht, es auf die Umbruchssituation im Unternehmen geschoben, aber letztendlich waren dies nur Ausreden.

Ein mieser Chef bleibt einfach ein mieser Chef!

Am Montag nichts Neues

Oder auch: Same procedure as last monday? Same procedure as every monday.

Vor zwei Wochen hatte ich mein tolles Personalgespräch mit meinem Chef wegen meiner vielen Abwesenheiten. Ein Thema war unter anderem meine Schöffentätigkeit und die Aussage, dass ich dafür nur 3 Tage pro Jahr freigestellt werden müsste. Eine kurze Internetsuche zeigte, dass diese Aussage eher ein alternativer Fakt ist, denn der Wahrheit zu entsprechen.

Letzte Woche hatte ich es außerdem gewagt, mir 3 Tage Urlaub zu nehmen, um das Zimmer für meine Tochter einzurichten. Der Bericht dazu folgt, sobald ich den Muskelkater vergrault habe. Nach dieser erneuten Abwesenheit ging ich erwartungsfroh und mit dem Schlimmsten rechnend ins Büro.

Kurzer Einschub: Ich hatte schon einige Jobs in meinem Leben und auch welche mit echt üblen Chefs. Es gab Zeiten, da hatte ich Panik, auf Arbeit zu gehen, heulte den ganzen Weg zur Arbeit, riss meine 8 Stunden ab, heulte auf dem Weg nachhause und hatte massivste Schlafstörungen. Ich kenne die dunkle Seite und war so froh, mit dem neuen Job einen tollen Chef und nette Kollegen erwischt zu haben.

Ich ging gerne auf Arbeit. Zwar bin ich nicht jeden Morgen jubelnd aus dem Bett gehüpft, dafür bin ich viel zu wenig Morgenmensch. Aber ich freute mich auf die Kollegen, auf die Arbeit, auf spannende Themen. Nicht jeder Tag war eitel Sonnenschein, doch die vielen guten Tage überwogen und trugen mich über solche Durststrecken.

Mit dem Wechsel zur neuen Position und mit dem neuen Chef änderte sich daran auch erstmal nichts. Ich machte weiter mein Ding, traf mich weiter mit den Kollegen zum Essen und ich freute mich sogar auf den bevorstehenden Umzug im Rahmen der Unternehmensfusion.

Das ist jetzt ganze 3 Monate her. Inzwischen kann sich niemand mehr daran erinnern, dass ich mit umziehen sollte. Ich werde also in 1-2 Wochen den direkten Kontakt zu meinen Kollegen fast vollständig verlieren und mit dem übrig gebliebenen Rest vorlieb nehmen müssen. Mein Chef verliert immer mehr den Kontakt zur Realität, was auch andere, die viel mit ihm zu tun haben, immer wieder zu spüren bekommen.

Und zu allem Überfluss habe ich heute ein erneutes Personalgespräch, diesmal direkt mit der Personalabteilung. Es geht um meine Schöffentätigkeit. Vermutlich fanden sie meine Aussage, dass Schöffen zur Ausübung der Schöffentätigkeit von der Arbeit freigestellt werden müssen und durch ihre Schöffentätigkeit keine Benachteiligung im Job erfahren dürfen, nicht so prickelnd.

Um 14 Uhr habe ich das Gespräch und bin gespannt, was diesmal dabei herauskommt. Vorsichtshalber werde ich mir den Gesetztestext ausdrucken und mitnehmen.

Gerne auf Arbeit gehe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Gründe, Freude an meiner Tätigkeit zu haben, werden jeden Tag geringer. Noch ist es nicht so weit, dass ich heulend hinterm Lenkrad sitze. Heute morgen noch dachte ich mir, dass ich bis Mai durchhalten müsse, dann kriege ich vielleicht doch die Entfristung durch und dann können sie mich alle mal gern haben.

Jetzt stelle ich mir die Frage, wozu überhaupt.

P.S.: Trotz der vielen Gespräche in letzter Zeit hatte ich in den 1,5 Jahren, die ich nun hier bin, kein einziges richtiges Personalgespräch, wo die Leistung als Mitarbeiter eingeschätzt wird und Entwicklungsmöglichkeiten oder Gehaltsstrukturen verhandelt werden. Kommt vielleicht nächsten Montag, wer weiß.

Absicht

So richtig habe ich das gestrige Gespräch noch nicht verdaut. Dauernd muss ich daran denken, was das eigentliche Ziel  sein sollte. Ich habe Ewigkeiten wach gelegen und immer wieder kreisten die gleichen Fragen in meinem Kopf herum. Seltsame Träume begleiteten mich durch die Nacht, die nach nur 5 Stunden Schlaf vorbei war.

Was zur Hölle bezweckte mein Chef mit dem Gespräch? Was war die Absicht dahinter?

Wollte er wirklich herausfinden, ob eine mögliche psychologische Komponente meine Fehltage begünstigt?

Wollte er mir einen Schuss vor den Bug geben? Wollte er mich warnen, dass übermäßiges blau machen doch auffällt? Mich auf eine seltsame verschlungene Art motivieren?

Erwartet er, dass ich jetzt nicht mehr krank werde? Oder dass ich mich krank zur Arbeit schleppe, um dann hier die halbe Belegschaft anzustecken? Soll ich meine Kleene aus dem Kindergarten nehmen, damit sie dort nicht mehr den vielen Viren ausgesetzt ist? Oder meinen Großen vom Verein abmelden, um so das Risiko möglicher zukünftiger Verletzungen zu senken?

All das werde ich nicht tun. Wenn ich krank bin, bin ich krank. Wenn ihm das ärztliche Attest, dass bescheinigt, dass ich zu krank bin, um zu arbeiten, nicht ausreicht, dann ist das sein Problem. Mir hat noch nie ein Arzt den Schein ausgestellt, nur weil ich ein wenig unpässlich war.

Wenn meine Kinder krank sind, werde ich sie pflegen und zwar die jeweils 10 Tage pro Jahr, sofern nötig. Sollte eines meiner Kinder darüber hinaus ins Krankenhaus müssen, so werde ich an der Seite meiner Kinder sein und auf sie aufpassen, egal wie lange es dauert. Meine Familie ist mir hundert, tausend Mal wichtiger als irgendein Job. Und erst recht nicht mehr der aktuelle.

Wenn es meinem Chef zu unsicher ist, dann soll er sich um einen Stellvertreter oder gleich um einen vollständigen Ersatz kümmern. Ich jedenfalls werde nichts an meinem Verhalten ändern und wenn dadurch mein Vertrag nicht entfristet ist, dann ist es eben so.

Ich werde mich nicht erpressen lassen!

Panic Monday – Nachtrag

Das Gespräch war  in etwa das, was ich befürchtet hatte.

Es wurde eröffnet mit „Frau Xayriel, gibt es etwas, was wir als Unternehmen tun können, damit Sie weniger Ausfallzeiten haben?“
Eigentlich ganz nett, aber dann ging es richtig rund. Dieses Jahr hätte ich schon 23 Tage krankheitsbedingt gefehlt, letztes Jahr waren es inkl. Urlaub um die 80 Tage. Wenn man das hochrechnet, werden es dieses Jahr wohl wieder mindestens 60 Tage werden (inklusive Urlaub versteht sich). So viel Abwesenheit ist nicht hilfreich in einer solch verantwortungsvollen Position.

Ich erwiderte, dass weder das Unternehmen noch ich in der Lage sind, diese Fehlzeiten zu beeinflussen, da weder das Unternehmen noch ich vorhersehen können, wann sich eines der Kinder das Bein bricht oder wegen einer notwendigen Operation ins Krankenhaus muss oder ich mir das Steißbein breche oder einen wirklich eklig-hartnäckigen Virus einfange. Um dies zu verhindern, müsste ich ins stille Kämmerlein gesperrt werden, die Kinder dürften nicht zum Training oder in den Kindergarten und überhaupt müsste jeglicher Kontakt zur Außenwelt minimiert werden.

„Aber Frau Xayriel, Sie haben ja auch über Rückenprobleme geklagt und da wurde ja jetzt ein höhenverstellbarer Tisch bestellt.“ – „Ach, wurde das endlich gemacht?“
Das Attest des Betriebsarztes dazu hatte ich noch im alten Jahr erhalten. Ich erzählte dann, was für ein Spießrutenlauf es war, der über ein halbes Jahr dauerte, um das OK für den Tisch zu bekommen und dass, wenn man sich als Unternehmen ein wenig entgegenkommender gezeigt hätte, zwei der letztjährigen Krankheitswochen vermutlich hätten vermieden werden können.

„Aber was machen wir denn nun mit Ihnen?“
„Wenn es Ihnen zu unsicher ist, müssen Sie sich halt nach einem Ersatz umschauen. Die Ausfälle sind wie gesagt nichts, was ich beeinflussen kann oder was ich forciere. Ich sage ja meinem Kind nicht, es soll sich das Bein brechen. Und ich mache auch nicht blau, weil ich gerade keine Lust zum arbeiten habe.“
Mir war das an der Stelle echt zu dusslig.
„Das unterstellen wir Ihnen auch gar nicht.“ Der Einwurf kam einen Zacken zu zügig, um wirklich glaubhaft zu sein.

„Und dann haben Sie ja heute, direkt nach Ihrer Wiederkehr, Urlaub und Freistellungen wegen Schöffentätigkeit beantragt. Das sieht auch nicht sonderlich toll aus.“
„Ich dachte, es wäre von Vorteil, wenn ich die Termine, da sie ja nun bekannt sind, so zeitig wie möglich beantrage, damit sich alle darauf einstellen können. Immerhin sind die Gerichtstermine auch nichts, was ich beeinflussen kann, sondern die werden von außen vorgegeben.“
Dazu erklärte ich noch, dass ich mich bereits 2013 als Schöffe beworben hatte, zu einem Zeitpunkt, wo nicht mal in meinen kühnsten Träumen absehbar war, dass ich hier in dieser Firma landen würde. Mir wurde dann mitgeteilt, dass die Personalabteilung meinte, dass man für solche Tätigkeiten nur 3 Tage im Jahr freigestellt werden muss.* Worauf ich meinte, dass dies spannend ist, da niemand bei Gerichtsverfahren vorher genau sagen kann, wie viele Termine letztendlich benötigt werden und ich bei einem laufenden Verfahren nicht mittendrin sagen kann, dass ich nicht mehr mitmache kann, weil mich die Firma nicht mehr freistellt, weil dann nämlich das gesamte Verfahren neu aufgerollt werden müsste. Fand mein Chef ebenfalls nicht witzig, aber was willste machen?!

Insgesamt lief es also darauf hinaus, dass ich zu viel krank feiere. Ich denke nicht, dass damit mein Vertrag entfristet wird und jede neuerliche Krankheit wird mir über kurz oder lang wieder auf’s Brot geschmiert. Irgendwie weigere ich mich, jetzt zu hoffen und zu beten, dass weder meine Kinder noch ich erneut krank werden, weil ich das für den falschen Weg halte. Menschen werden krank, Menschen werden immer zum unpassendsten Zeitpunkt krank, Menschen haben Kinder, die krank werden, Menschen werden vom Bus angefahren.

Letztendlich fördert ein solches Verhalten doch nur, dass sich die Mitarbeiter todkrank zur Arbeit schleppen, dort die Kollegen anstecken und den Produktionsausfall potenzieren. Und es erzeugt einen Leistungsdruck, der zur innerlichen Kündigung oder zum Burn-out führt und den wieder gerade zu biegen, dauert wesentlich länger, als eine hartnäckige Grippe zu kurieren.

* Eine kurze Internetrecherche hat gezeigt, dass es da keine Begrenzung gibt. Der Arbeitgeber hat den Schöffen freizustellen und der Schöffe darf durch seine Schöffentätigkeit keine beruflichen Nachteile erleiden. Was freue ich mich darauf, dass morgen meinem Chef zu verklickern.

Panic Monday

Nach drei Wochen sehr hartnäckiger Krankheit machte ich mich nun heute morgen einigermassen vollständig genesen auf den Weg zur Arbeit. Direkt nach Verlassen des Hofes waren wir schon mitten drin im Verkehrschaos, irgendwo war entweder eine Baustelle oder ein Unfall, und jetzt waren sämtliche Straßen im näheren Umfeld verstopft. Unter Missachtung einiger Verkehrsregeln gelang es mir trotzdem, das Kind pünktlich an der Schule abzuliefern. Danach reihte ich mich brav in die Autoschlange ein und wartete, bis ich aus der Chaoszone heraus war.

Auf Arbeit angekommen, checkte ich als erstes meine Emails. Knappe 200 Stück in einer Woche geht ja noch. Ich hatte bei meinem Intermezzo letzte Woche bereits ein wenig aufgeräumt, so dass ich heute nicht völlig in einer Mailflut unterging.

Eine der ersten Mails war jedoch eine Einladung von meinem Chef zu einem Personalgespräch. Sofort ratterten sämtliche Horrorszenarien durch meinen Kopf. Denn eigentlich, bis auf die dreiwöchige Krankheit, gibt es keinen Grund für ein solches Gespräch. Ich bin erst seit November offiziell, real erst seit Dezember meinem neuen Chef unterstellt, danach war Weihnachten und Winterferien. Für ein jährliches Gespräch oder eine echte Mitarbeitereinschätzung halte ich den Zeitpunkt für zu früh.

Für die diversen Themen mit Brisanz, auf die ich meinen Chef mehrmals per Mail hingewiesen habe, würde kein Personalgespräch, sondern ein themenbezogenes Meeting einberaumt werden. Ich habe mich auch seitdem nicht mehr mit Kollegen gefetzt oder habe Projekte blockiert oder sonstigen Unfrieden verbreitet.*

Bleibt also nur noch das Worst Case Scenario: Kündigung oder Abmahnung oder Nichtverlängerung oder Kopfwaschen wegen zu hoher Ausfallrate.
Entsprechend entspannt  und vorfreudig bin ich gerade auf diesen Termin, der für 14 Uhr angesetzt ist.

Das einzig tröstliche: ich habe wieder genug Zeiten gesammelt, um für 12 Monate ALG I zu bekommen. Und in einem Jahr wird sich bestimmt was finden, die eine oder andere Anfrage von anderen Firmen gab es bereits.

 

* Ja, sowas kann ich, habe ich aber seit Jahren nicht mehr gemacht. Ich habe jetzt andere Mittel 😉

Wer lesen kann …

… ist klar im Vorteil.

Nie war dieser Spruch so aktuell wie heute bei mir auf Arbeit.

Wie bekannt, arbeite ich seit mehreren Wochen an einem Dokument, anhand dessen die Geschäftsführer entscheiden sollen, wie es mit der Microsoft Lizenzierung bei uns im Unternehmen weitergeht.

Bei der Besprechung eines ersten umfangreichen Entwurfs kam es bereits wegen Nichtlesens zu einem Eklat. Im Nachgang hatte ich meinem Chef eine entsprechende Email geschickt, in der ich mich unter anderem beschwerte, dass bevor Anmerkungen zu dem Dokument gemacht werden, dieses doch bitte vorher wenigstens einmal gelesen werden sollte.

Nun gut. Die Wogen glätteten sich, das Dokument wurde weiter von mir überarbeitet, ich habe mit externen Beratern gesprochen, welche das Dokument ebenfalls überprüften und auch alle anderen Beteiligten brachten sich in den Entwurf ein. Gestern konnte ich endlich den finalen Entwurf präsentieren.

Mein Chef wollte, dass in dem Dokument zwei Entscheidungsvarianten aufgelistet werden. Bei meiner Arbeit stellte ich aber fest, dass die gewünschte 2. Option gar keine Option mehr ist, weil sie schlicht viel zu teuer ist. Also nicht nur so ein bisschen teurer, sondern so im mittleren 6-stelligen Betrag teurer. Deswegen liess ich diese weg und erklärte dies in der Informationsmail an alle Beteiligten. Ebenso erwähnte ich in dieser Email, dass ich heute erst ab 12 Uhr im Unternehmen bin, weil hier bei uns die Lehrer streiken und mein Kind erst ab 12 Uhr in den Hort kann.

Ich kam also um 12 Uhr in die Firma und sah mein Telefon wild blinken. Ich solle dringend zurückrufen. Hab ich getan, nur ging keiner ran. In meinem Postfach ebenso eine Mail mit der Bitte um Rückruf.

Als ich endlich die Beteiligten erreicht hatte, beschwerte sich BK (ausgerechnet), dass ich den ganzen Vormittag nicht zu erreichen gewesen wäre. Außerdem beschwerte sie sich, dass sich mein Chef bei ihr beschwerte, dass ich nicht zu erreichen wäre. Ja, beide haben meine Email bekommen.

Mein Chef beschwerte sich außerdem, warum denn nicht wie abgesprochen die 2 Varianten im Dokument wären. Und er wollte eine ausführliche Begründung im Dokument mit konkreten Zahlen und Verlinkungen zu den Beispielrechnungen. Das alles ist aber schon im Dokument drin, auf Seite 2. Hat er also nicht nur meine Email nicht gelesen, sondern auch das Dokument nicht, welches er heute eigentlich der Geschäftsführung vorlegen wollte.

Hab ich gestern noch gefeiert, dass diese leidige Thema endlich vom Tisch ist, darf ich heute nun wieder an diesem beschissenenwundervollen Dokument arbeiten, um die Änderungen einzubauen, die entweder keinen Sinn machen oder aber bereits drin sind.

Ich höre Schilda leise aus der Ferne grüßen …

Torpedo – Nachtrag

Ursprünglich habe ich angefangen zu bloggen, um mir Dinge von der Seele zu schreiben. Ich dachte, wenn ich meine Gedanken zu (virtuellem) Papier bringen würde, verschwinden sie aus meinem Kopf und geisterten da nicht länger herum. Das funktioniert im Allgemeinen recht gut, bei manchen Themen aber überhaupt nicht. So ärgerte ich mich gestern Abend immer wieder über besagte Kollegin und erst nach einer ausgiebigen Runde Diablo 3 wurde es soweit gut, dass ich wenigstens einschlafen konnte.

Erstaunlich ausgeruht und gut gelaunt ging ich heute auf Arbeit, nur um direkt in meinem Büro ebenjene Kollegin vorzufinden, die mit der Assistentin meines Chefs (mit der ich mir das Büro teile) versuchte, einen Termin zu finden, an dem wir gestern durchgesprochenes Dokument finalisieren können. Sie überlegten hin und her und fanden dann einen Termin. Sie fragten mich, ob ich an diesem Termin könne, was ich verneinen musste. An diesem Tag haben wir eine ganztägige Besprechung mit einem externen Berater, den BK (besagte Kollegin) vereinbart hatte und auch mit daran teilnehmen wird.

Könnt ich mich schon wieder aufregen, dass man solche eigenen Mammuttermine nicht auf dem Schirm hat. Dass halbstündige Termine über weniger wichtige Themen untergehen, kein Ding, aber ein ganztägiges Meeting komplett ausblenden?
Nun gut.
Es wurde ein für alle geeigneter Termin gefunden und die Sache war erstmal erledigt. Bis BK auf mich zukam mit einem Vorgang, den an sich sie zu erledigen hat, den sie aber mir aufs Auge drücken wollte. Als ich fragte, warum ich das machen sollte, meinte sie, das wäre eben meine Aufgabe als Lizenzmanagerin. Schulterzuckend nahm ich das Papier entgegen, in der Fülle meiner Aufgaben macht das Ding das Kraut nun auch nicht mehr fett.

BK fragte mich dann, ob was mit mir sei. Und ob was mit mir ist. Zugegebenermassen heftig erklärte ich ihr, was ist. Wie sehr es mich geärgert hat, dass ich bei der Bearbeitung des Dokuments komplett allein gelassen worden bin. BK verneinte dies sofort, meinte, sie und Teammitglied 3 hätten während meiner Abwesenheit zusammengesessen und sich über das Dokument unterhalten und Anmerkungen gemacht. Ich fragte, wo denn diese Anmerkungen sind. Na, die stünden doch in dem Dokument. Darauf erwiderte ich, dass eben nichts in dem Dokument geändert wurde, dass sämtliche Versionen von mir stammen und dass sie, so sie denn tatsächlich Änderungen gehabt hätten, diese per Änderungsverfolgung einarbeiten oder mir per Mail hätten schicken können. Nichts davon ist aber passiert, also solle sie jetzt nicht behaupten, sie hätten an dem Dokument gearbeitet.

Ich führte weiter aus, wie wütend es mich gemacht hat, dass als ich meinen Vortrag begann, sofort der erste Abschnitt als falsch hingestellt wurde. Ja, das hat sie gar nicht gemacht.

Mittlerweile war ich echt richtig sauer. Mir Fehler im Dokument während meiner Präsentation vor meinem Chef vorzuwerfen ist eine Sache, aber hinterher noch abstreiten, genau dies getan zu haben, ist nochmal ein ganz anderes Kaliber. Ist ja nicht so, dass sie das irgendwie diplomatisch geäußert hätte, sondern sie sagte knallhart „das ist aber falsch“. Ich äußerte mich entsprechend und auch entsprechend laut.

Ich solle mich doch beruhigen und sie wüsste gar nicht, warum ich mich so aufrege. Ja, Mädel, DAS ist genau dein Problem. Du hast KEINE Peilung, was du sagst, was du schreibst, was du anrichtest. In deiner kleinen rosaroten Welt machst du alles richtig und alle anderen machen die Fehler.

Hab ich natürlich nicht gesagt, ich war viel zu wütend, um überhaupt noch reden zu können. Mir zitterten die Hände, mein Herz raste und ich hätte am liebsten geweint. Mir war hundeelend zumute. Ich schwieg und wartete, bis sie von alleine gegangen war.

An Arbeit war erstmal nicht mehr zu denken, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, so verletzt, gedemütigt und allein fühlte ich mich. Im Büro konnte ich auch nicht bleiben, denn die Assistentin ist soooo dicke mit BK, da war auch kein einordnendes Gespräch möglich. So machte ich mich auf, meinen Kollegen aus der ISO27001-Zertifizierung zu besuchen. Der war auch öfter schon mit BK zusammengerasselt und der würde mich verstehen oder zumindest meinen Ärger ansatzweise nachvollziehen können.

Konnte er auch und ich beruhigte mich ein wenig. Wir konnten sogar noch ein paar Lizenzthemen auf dem kurzen Dienstweg klären.
Wieder zurück am Platz überlegte ich, was ich machen könnte. Mich belastet die Situation dermassen, dass ich immer noch heulen könnte und ich das nicht als allerbeste Grundlage für konstruktive Zusammenarbeit in der Zukunft erachte. Ich dachte daran, meinem Chef eine Email zu schreiben, ihm die Situation zu erläutern und darum zu bitten, BK aus dem Lizenzteam zu nehmen. Zuvor allerdings wollte ich mit meinen alten Kollegen drüber sprechen, am liebsten hätte ich mit meinem ehemaligen Chef geredet, aber der steckte wie üblich in jeder Menge Terminen fest.

Die Mädels aus meinem alten Team waren aber auch hilfreich. Sie hörten zu und sie sagten ihre Sicht der Dinge. Und was ich ihnen hoch anrechne, sie redeten mir nicht nach dem Mund. Sie sagten mir offen ihre Meinung, waren aber auch grundsätzlich der Ansicht, dass das Verhalten so gar nicht geht. Das (vermeintliche) Bloßstellen vorm Chef nicht, das Abstreiten hinterher erst recht nicht. Ich solle das Wochenende abwarten und drüber schlafen, am Montag wäre immer noch genug Zeit. Sie schafften es sogar, mich zum lachen zu bringen, wofür ich sehr dankbar bin.

Doch nun sitze ich wieder am Platz. An Arbeit ist nicht zu denken und das Bedürfnis zu heulen, ist so stark wie zuvor. Keine Ahnung, wie ich den Tag überstehen soll 😦

Torpedo

Wenn man in Interaktion mit anderen Menschen tritt, kann es passieren, dass man auf jemanden trifft, mit dem man jetzt nicht so gut kann. Wenn derjenige nicht zum eigenen Team gehört, kann man die Antipathie gut umgehen. Wenn doch, wird es ein wenig schwieriger.

Nun gibt es eine Kollegin, die es sich außerhalb ihrer Abteilung mit so ziemlich jedem verscherzt hat, mit dem sie zu tun hatte. Sie verkompliziert Dinge unnötig. Ihr muss man Sachen 2 oder 3 Mal erklären und dann hoffen, dass sie es verstanden hat. Sie bringt immer wieder unqualifizierte Einwürfe, die gar nichts mit der Sache zu tun haben. Oder verbessert einen, hat aber selber keine Ahnung.

In der Vergangenheit hatte ich nur selten mit ihr zu tun, war aber jedes Mal genervt. Seit meinem Upgrade zur Lizenzmanagerin allerdings gehört diese Dame zum Lizenzmanagementteam, damit sie die Sichtweise der Beschaffungsabteilung bei diesem Thema vertreten kann.

Vor Weihnachten bin ich bereits zweimal mit ihr richtig heftig zusammengerasselt, weil sie mir in ihrer dummdreisten Art mächtig gewaltig ans Bein pinkeln wollte. Das erste Mal hat sie in unserem Ticketsystem einen von ihr geschriebenen Kommentar dahingehend geändert, dass ich angeblich die Freigabe für ein bestimmtes Produkt erteilt hätte. Der ursprüngliche Kommentar wurde 5 Tage nach meiner Ernennung gemacht, zu einem Zeitpunkt also, wo ich mir nicht mal ansatzweise anmaßen würde, einen halbwegs tiefreichenden Einblick in die Materie zu haben, um eine solche Freigabe erteilen zu können. Leider werden diese Kommentaränderungen nur per Email erfasst, aber sind im Ticket selbst nicht mehr inhaltlich nachvollziehbar.

Da dieses Vorgehen nicht nur gegen meine Ehre, sondern auch gegen meinen Kragen ging, bat ich die Kollegin, die fragliche Passage wieder zu löschen. Was sie vehement ablehnte, denn ich hätte ihr mündlich während einer Schulung dies wohl bestätigt und sie hätte das nur aufgeschrieben. Ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr an diese Aussage erinnern, schon gar nicht in diesem Zusammenhang und bat erneut um Löschung. Wieder vergeblich. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihr mitzuteilen, dass ich den Vorgang an meinen Chef eskalieren werde und zack, schon änderte sie den Kommentar.
Zudem wies ich darauf hin, dass in Zukunft nur ich selbst solche Freigabe-Kommentare verfasse.

Zum Glück war dann erstmal Weihnachten und wir konnten alle ein wenig verschnaufen, bis der Wahnsinn im neuen Jahr in die nächste Runde ging.

Es steht die Verlängerung des Microsoft-Lizenzvertrages an, der uns, je nach Entscheidung, für bis zu 3 Jahre in nicht unerheblichem Umfang an die Softwareschmiede knebeln würde. Wer sich mal zuhause die Lizenzbestimmungen für sein Windows durchgelesen hat, wird gemerkt haben, dass es da jede Menge Kleingedrucktes gibt. Das gibt es für Firmenkunden auch, nur gibt es dort noch verschiedene Rahmenverträge, Lizenzmodelle, Lizenzversionen und Abhängigkeiten kreuz und quer durch die gesamte Produktpalette. Also nichts, was man mal an einem Nachmittag gemütlich bei Kaffee und Kuchen durchblickt und entscheidet.

Weil es hier um sehr hohe 6-stellige Beträge geht, haben wir uns zwei externe Beraterfirmen ins Boot geholt, die mit ihrer Erfahrung und anderen Einblicken wertvolle Tipps geben konnten. Das Ziel war, dass am Ende ein übersichtliches Schriftstück herauskommt, anhand dessen die Geschäftsführung entscheiden kann, was wir machen. Außerdem wollte mein Chef, der eine Stufe unterhalb der Geschäftsführung steht, ein Dokument, mit dem er dann gegenüber den obersten Bosse sämtliche Varianten und Optionen erklären kann.

Ich habe also die letzten zwei Wochen fast nichts anderes gemacht, als jenes Dokument für meinen Chef zu erstellen, aus dem dann die Übersicht für die Geschäftsführung gebastelt werden kann. Es war kompliziert, es war nervenaufreibend und arbeitsaufwändig. So sehr, dass ich so viele Überstunden in den zwei Wochen angesammelt habe, wie im gesamten letzten Jahr. Immer wieder stellte ich die aktuellsten Versionen ins Intranet, informierte die Kollegen darüber und bat um Anregungen und Feedback.

Immer wieder stimmte ich zusätzlich die Ergebnisse mit den Beratern ab, auch in persönlichen Meetings, bei denen eben auch jene Kollegin dabei war. Diese Besprechungen hatten immer ganz enge Themen, je nachdem, was gerade dran war. Immer wieder grätschte die Kollegin dazwischen mit Themen, die entweder bereits geklärt oder zeitlich unkritisch waren. Durch diese Störfeuer ging immer wieder wertvolle Zeit verloren.

Am Ende eines der letzten dieser Meetings, als ich bereits einen ersten Entwurf für besagtes Dokument vorlegen konnte und auch signalisiert hatte, weiterhin an diesem Schreiben zu arbeiten, kam die Kollegin auf mich zu, meinte like a boss, ich müsse da ganz dringend dieses Dokument erstellen und müsste spätestens am nächsten Tag damit anfangen.

Ich war so baff ob dieser Anweisung, dass ich gar nicht reagieren konnte.

Wie auch immer, ich werkelte an dem Dokument, schlug mich weiter mit den Beratern rum, die mir ständig falsche oder wenig brauchbare Informationen schickten und las Lizenzbestimmungen noch und nöcher. Ich war so sehr in das Thema vertieft, dass ich sogar nachts davon träumte.
Da für heute eine finale Abstimmung angesetzt war, und ich gestern erst um 16 Uhr die Preislisten, die für eine qualifizierte Entscheidungsgrundlage elementar sind, erhalten hatte, saß ich also bis 19 Uhr auf Arbeit, geschlagene 11 Stunden, während daheim meine Familie wartete.

Nun gut, ausnahmsweise geht sowas auch, aber traurig fand ich es schon, weil meine Kinder sehr enttäuscht waren, dass ich sie gerademal ins Bett bringen konnte.

Während all dieser Zeit arbeitete ich quasi im Blindflug. Keine meiner Emails wurde beantwortet. Es gab keine Kommentare oder Änderungen am Dokument. Nichts. Nur Stille.

Heute nun war mein Chef im Abstimmungsmeeting dabei, um sich die Ergebnisse zeigen zu lassen. Als Erstes stellte er die Frage in die Runde, ob mir denn jemand geholfen hätte. Schweigen. Die zweite Frage war, ob irgendjemand das Dokument überhaupt gelesen hätte. Das Schweigen wurde lauter.
Ich begann, das Dokument zu erläutern und gleich beim ersten Abschnitt quatschte die Kollegen rein und meinte, dass das, was ich aufgeschrieben hätte, gar nicht mehr gültig wäre.

Ich schloss die Augen, sammelte mich kurz und las, entgegen meiner eigentlichen Absicht, den einleitenden Satz nach der Überschrift „Historischer Abriss“:

Bei der initialen Entscheidung für Vertrag XY wurden die folgenden Argumente als ausschlaggebend erachtet: […]

Beim zweiten Abschnitt das gleiche Spielchen. Mir wurde unterstellt, einen Sachverhalt fehlerhaft dargestellt zu haben. Wieder kurzes Sammeln, wieder Vorlesen eines Satzes, der den beanstandeten Punkt eineindeutig erläuterte.
Danach gab sie erstmal Ruhe und ich konnte den Vortrag ungestört beenden.

Mein Chef hatte ein paar Fragen, kleinere Punkte fehlten und bei den Berechnungen wollte er noch zwei weitere Alternativen haben. Nix weltbewegendes, krieg ich alles morgen hin.
Er bedankte sich für das Dokument, lobte Inhalt, Ausführlichkeit und Struktur. Wir stimmten noch den weiteren Zeitplan ab. Da die Kollegin zu diesem Zeitpunkt wieder mit den Störfeuern begann, verabschiedete ich mich eilig, weil ich den Großen aus dem Hort abholen müsse.

Jetzt kann ich nur hoffen, dass mein Chef sich auch bei meiner nächsten Mitarbeitereinschätzung an all das erinnern wird. Dass ich das Teil im Alleingang gewuppt habe  – geschenkt. Aber dass dann trotzdem noch versucht wird, mich zu torpedieren, um selber nicht ganz so doof dazustehen, finde ich ganz unterste Schublade!