Highlight der Woche

Sobald sich die ersten zwei zartfarbigen Streifen auf dem Schwangerschaftstest gezeigt haben und man diese meist erfreuliche Nachricht dem Freundes- und Bekanntenkreis kund getan hat, hagelt es von allen Seiten mehr oder weniger brauchbare Ratschläge und Tipps. Noch häufiger jedoch folgen Kommentare, was denn in den nächsten Monaten und Jahren auf einen als werdende und später seiende Eltern zukommt.

Mit einem hämischen Lächeln auf den Lippen wird vor den schlaflosen Nächten gewarnt, diabolisch grinsend werden die intensivsten Windelwechselgeschichten zum Besten gegeben und mitleidig wird darauf hingewiesen, dass man die Wespentaille ab jetzt getrost für alle Zeiten vergessen kann. Stoisch erträgt man all dies, nur um es dann selbst bei der nächstbesten Gelegenheit den werdenden Eltern aufs Brot zu Schmieren.

Tja, so ist er, der Kreislauf des Lebens.

Aber niemand, wirklich niemand, klärt einen vorher über die wahren Höhepunkte des Elternseins auf: Elternveranstaltungen in den Kinderbetreuungseinrichtungen. Sie kommen meist ganz unschuldig daher und nennen sich „Osterkaffee“. Oder auch getarnt als „Chinesisches Mondfest“. Manchmal versuchen sie auch gar nicht ihre hinterhältige Natur zu verstecken und nennen sich ganz plump „Zuckertütenbasteln für Eltern“.

Je nach Organisationsstufe des Kindergartens wird einem der Termin für die nächste Veranstaltung atemlos zwischen Tür und Angel beim Abholen des Kindes zugerufen, wenn selbiges gerade laut plärrend erzählt, dass ihm der Jeremy-Jason schon wieder eins mit einem Bauklotz über die Rübe gezogen hat, was voll gemein ist, denn dadurch ist der Sprößling mit dem Stift abgerutscht und schon ist sein selbstgemaltes Bild, das viel schöner und glitzriger war als das von Sophie-Anna, total versaut gewesen.
Wenn man Glück hat, wurde der Termin auf einen bunten Zettel gekrakelt, versehen mit ganz vielen Smilies, und an die Tür gepinnt, wo man ihn in Ruhe und viel mühevoller Kleinarbeit entziffern kann, wenn man das Kind abholt. Wenn man Pech hat, holen gerade andere Eltern ihr Kind ab, die Tür steht permanent offen und man bekommt diesen Zettel nie zu Gesicht.
Der 5er im Lotto ist, wenn man auf die Veranstaltungen per Email hingewiesen wird. Der 6er, wenn auch die richtige Emailadresse verwendet wurde. Der 6er mit Superzahl, wenn der gesamte Verteiler im BCC steht.

All diesen Veranstaltungen ist gemein, dass man zwangsläufig auf „andere Eltern“ trifft, während man auf diesen Minikinderstühlen hockt, die Knie irgendwo auf Ohrenhöhe und aus denen man niemals im Leben würdevoll aufstehen kann, sobald man größer als 1,50 m gewachsen ist.

Die „anderen Eltern“ haben zu solchen Veranstaltungen immer den tollsten selbstgebackenen Kuchen dabei, während man selbst froh ist, die letzten vertrockneten Stücke Blechkuchens vom Bäcker um die Ecke ergattert zu haben. Diese Mütter sehen immer aus wie aus dem Ei gepellt, ich bin schon froh, wenn die Essensresteflecke auf meiner Jacke, nachdem sich mindestens eines meiner Kinder unbedingt den Mund daran abwischen musste, während ich ihm zur Verabschiedung einen Kuss auf die Wange gegeben habe, farblich zu denen auf meiner Hose passen.

Allein der Geruch, wenn ich den Hort des GrauensKindergarten betrete. Schon direkt nach Öffnen der Eingangstür schlägt einem der Geruch nach verwesender Kinderkotze entgegen, der sich gleichmäßig im ganzen Haus verteilt hat. Ich weiß nicht, ob die Mischung aus getragenen Kindersocken, trocknenden Matschhosen, Mittagessen und scharfen Reinigungsmitteln diesen Duft erzeugt, oder ob sich tatsächlich vor Urzeiten mal ein Kind an einer unauffälligen Stelle übergeben hat. Ist ja letztendlich auch egal, stinken tut es so oder so erbärmlich.

Heute stand Zuckertütenbasteln auf dem Plan und ich fand mich am vorgeschriebenen Ort zur rechten Zeit ein. Die Erzieherinnen hatten schon mal was vorbereitet und so standen bereits frisch verklebte Tütenrohlinge auf dem Tisch. Ich wurde als Mama des Großen erkannt und prompt gefragt, ob ich lieber eine blaue oder eine grüne Zuckertüte haben möchte. Ich entschied mich für die orangene.

Damit die Tüte nicht sofort den Inhalt preis gibt, lag Krepppapier bereit, mit dem man den Verschluss der Tüte basteln konnte. Ich rissschnitt mit einer Minischere ein entsprechend großes Stück vom roten Papier ab und wollte dieses innen in die Tüte kleben. Mit Leim, der aus dem letzten Jahrtausend stammte. Egal, ich ignorierte die seltsamen Flecken oben auf dem Klebestift und schmodderte den oberen inneren Rand der Tüte ordentlich auf 5 Zentimeter Breite ein.
Vorsichtig drückte ich das Krepppapier auf den Rand, bis ich die Runde rum war. Dann wiederholte ich die Prozedur. Dann wischte ich mir die Kleberklumpen an der Hose ab, bat um den Flüssigkleber und wiederholte die Spiel.

Es gab Buchstaben zum Aufkleben, in bunt, Moosgummi und Glitzer. Die bunten und die glitzernden klebten von selbst, die Moosgummi mussten extra mit Leim versehen werden. Seltsamerweise waren die Buchstaben s, c, h, u, l und e viel zu wenig vorhanden, keine Ahnung warum. Ich half mir, indem ich aus übriggebliebenen Moosgummi-Ns Hs und aus Qs, die eh niemand braucht, Us bastelte. Es gab auch chinesische Drachen und Lampions als Aufkleber, welche ich gerne und reichlich nutzte. Den Namen meines Kindes formte ich aus Glitzerbuchstaben, mit dem Resultat, dass die Hälfte des Glitzers an meinen leimverschmierten Fingern und meiner Hose haftete.
Die Moosgummibuchstaben wollten sich partout nicht der Rundung der Tüte anpassen und flappten ständig vom Untergrund wieder hoch, ganz gleich, wie viel oder welchen Leim ich verwendete. Egal, das ist individuell und wird anderswo Kunst genannt.

Als positiv bleibt mir zu bemerken, dass die Stunde zum Glück frei von „anderen Eltern“ war und ich tatsächlich Spaß hatte. Negativ sticht heraus, dass die „anderen Eltern“ vermutlich so mit Kuchen backen beschäftigt waren, dass sie ihren Kindern nicht so etwas Schnödes wie eine Zuckertüte basteln konnten und die übrigen Eltern zusätzlich diese Aufgabe übernehmen mussten, weswegen es ein paar weniger liebevoll gestaltete Exemplare ohne Namen gibt und weswegen mein Mann grummelnd mit beiden Kindern im Schlepptau vor der Türe wartete, während ich noch fix eine Fremdtüte fertig beklebte.

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Beim nächsten Basteln bringe ich meine eigene Tube Sekundenkleber mit. Wäre doch gelacht, wenn ich mich nicht komplett an eine Zuckertüte pappen könnte 😉

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Geschützter Raum

Seit einigen Wochen habe ich wieder regelmäßige Sitzungen bei meiner Psychologin. Da es mir derzeit einigermaßen gut geht, diskutieren wir jede Woche das Thema, was gerade am meisten brennt. Mal ist es die Jobsuche, mal mein Platz in der Welt – leider ein uraltes, immer noch nicht bewältigtes Thema, mal die Kindererziehung.

Letztere war diese Woche Thema. Ich hatte diverse Blogbeiträge gelesen, wie man möglichst am besten mit seinen Kindern umgeht. Alle leuchteten mir ein, aber bei allen merkte ich auch, dass ich sie derzeit so nicht umsetze und das machte mir ein mächtig schlechtes Gewissen. Beispiel gewaltfreie Erziehung. Natürlich lehne ich jegliche Gewalt ab, auch weil ich genau weiß, wie es sich anfühlt und welche Spuren selbst die kleinste Ohrfeige, von exzessivem Hosenboden versohlen oder gar Schlimmeren mal ganz abgesehen, auf der Kinderseele hinterlässt. Als ich dann aber von einer Studie lass, dass Schreien ähnlich schlimm ist wie körperliche Gewalt, gab mir das schon sehr zu denken, denn das passiert mir dann doch öfter.

Vor allem dann, wenn der Große die Ohren komplett auf Durchzug geschaltet hat. Vor einem Jahr hatten wir massive Schwierigkeiten mit ihm, schoben es aber auf den plötzlichen Weggang seines Bezugserziehers und dem Hinzukommen seiner Schwester. Diese Schwierigkeiten zogen sich eine ganze Weile hin und eine Freundin meinte, dass wäre gar nicht ungewöhnlich, dieser Zeitraum wird nicht umsonst die kleine Pubertät genannt. Das mag alles sein, trotzdem war es anstrengend und ich hab ihn öfter mal angebrüllt, weil einfach die Nerven blank lagen.

Mit dieser Studie nun wurde mein eh schon sehr schlechtes Gewissen noch viel viel schlechter und für mich war dieses Thema einfach mal dran bei meiner Psychologin. Sie selbst hat zwei Jungs, der eine 11, der andere 8, sie wusste also selber genau, worüber ich sprach. Wie sehr mir das Kind den letzten Nerv rauben kann. Wie sehr es mich stresst, wenn die Ohren wie vernagelt sind. Dass sie weiß, wie leicht Kinder es schaffen, einen zur Weißglut zu treiben. Und dass es selbst ihr, der ausgebildeten, gestählten Psychologin nicht immer gelingt, angemessen und pädagogisch wertvoll zu handeln.

Scherzhaft meinte sie, dass die nach ihr kommenden Psychotherapeuten ja auch Arbeitsmaterial bräuchten und diese dann gerne ihre Erziehungsfehler ausbügeln könnten.

Sie gab mir keine konkreten Tipps, sie verurteilte mein Verhalten nicht, wofür ich sehr dankbar bin. Aber sie zeigte mir eine andere Perspektive und das war einer dieser Momente, wo es Klick macht und alle Puzzleteile wie von selbst an die richtige Stelle fallen.

Geduldig erklärte sie mir, dass es ganz normal ist, dass Kinder daheim frei drehen, die Sau rauslassen, den Bogen überspannen. Sie testen ihre Grenzen aus.

Sie werde immer hellhörig, wenn ihr jemand erzählt, wie lieb und folgsam doch das Kind wäre, wie angepasst und pflegeleicht. Wird ihr hingegen von Rabauken, Querulanten, Widerborsten und Aufmüpfigen berichtet, dann ist sie beruhigt.

Folgsam und angepasst werden Hunde, wenn sie ordentlich erzogen werden. Hunde bleiben allerdings auch ein Leben lang in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Herrchen, der sie umsorgt und Futter gibt. Kinder jedoch sind keine Hunde, sondern sie sollen irgendwann zu unabhängigen, eigenverantwortlichen Erwachsenen heranwachsen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und eine eigene Familie gründen wollen. Vor allen Dingen sollen sie irgendwann ausziehen 😉

Damit sie das auch können, müssen sie ihre Grenzen austesten, müssen sich im Konfliktverhalten erproben, müssen über die Stränge schlagen, ihren eigenen Willen durchsetzen. Das wiederum machen sie allerdings nur dort, wo sie sich sicher fühlen. Und am ehesten fühlt sich ein Kind zuhause am sichersten. Im Kindergarten, in der Schule oder bei den Großeltern laufen Kinder immer Gefahr, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden, wenn sie sich nicht an die allgemeinen Gemeinschaftsregeln halten. Deswegen sind sie dort meist auch angepasst, machen widerspruchslos alles mit und sind ein gutes Mitglied der Gruppe.

Aber dieses Angepasstsein strengt unglaublich an. Ständig befindet sich das Kind im Zwiespalt mit sich, soll es gegen die Regeln verstoßen, weil das gerade so unglaublich verlockend ist und damit den Rauswurf riskieren oder bleibt es brav und muss nichts befürchten. Jeden Tag aufs Neue, in hundert verschiedenen Situationen täglich. Kein Wunder, wenn das Kind völlig vogelwild nach Hause kommt.

Meine Psychologin meint, dass es durchaus normal ist, wenn Erzieher oder Lehrer das eigene Kind ganz anders erleben als man selbst. Es ist, als hätte man zwei verschiedene Persönlichkeiten vor sich. Sorgen muss man sich vielmehr machen, wenn das Kind sich auffällig in Schule oder Kindergarten verhält. Das deutet daraufhin, dass es zuhause übermäßig angepasst sein muss und deswegen die Grenzen in Schule oder Kindergarten austestet, weil dort die Konsequenzen weniger schlimm sind, als wenn es das daheim tut.

Denn normalerweise ist es so, dass sich ein Kind zuhause in einem geschützten Raum befindet, wo es bedenkenlos seine Grenzen austesten kann. Egal, was es macht, egal, wie sehr es die Eltern nervt, diese werden es trotzdem lieben und bei sich behalten*. Natürlich mündet das mitunter in Grabenkämpfen, selbstverständlich ist das für beide Seiten Stress! Doch ist es eine Möglichkeit für das Kind, sich von den Eltern abzugrenzen, selbstständig zu werden, sich abzunabeln, für sich einzutreten, den eigenen Willen durchzusetzen. Alles wichtige Dinge, die man später, wenn man groß ist, braucht.

Es sollte also Eltern stolz machen, wenn sich ihr Kind so scheinbar ungezogen verhält, denn es zeugt davon, dass sich das Kind sicher und geborgen genug fühlt, um so agieren zu können. Mich jedenfalls hat es beruhigt und tatsächlich stolz gemacht, es lässt mich nachsichtiger mit meinem Großen sein. Ich schimpfe weniger und mir fällt es leichter, mich in seine Sicht der Dinge hinein zu versetzen. Das heißt nicht, dass ich jetzt bei allem nachgebe, mitnichten. Wir haben die Grabenkämpfe nach wie vor und bestimmte Dinge lasse ich einfach nicht durchgehen, Stichwort Steckdosen, gefährliche Gegenstände oder Straßenverkehr. Aber ich bewerte diese Kämpfe anders. Ich nehme sie nicht mehr persönlich, denke nicht, dass er mir extra eins auswischen will, weil ich ihm vor zwei Stunden im Supermarkt das Ü-Ei verweigert habe. Sondern nehme diese Aktionen für genau das, was sie sind: ausgetestete Grenzen, geprobte Unerzogenheit, getestete Unabhängigkeit, erlebte Persönlichkeit. Manchmal auch nur simples Dampf ablassen nach einem ganzen Tag angepasst sein im Kindergarten.

Daran ist nichts Hinterhältiges, keine Rache, nur normales groß werden. Das natürlich viel zu schnell geht ❤

* Dies deckt sich mit den Beobachtungen einer Heimerzieherin, die ich bei einer meiner Therapien kennenlernen durfte. Sie berichtete, dass neue Kinder im Heim, die ihr zugeteilt wurden, absichtlich irgendeinen Blödsinn angestellt haben, bspw. eine Kleinigkeit in einem Laden geklaut oder einem Schulkameraden „eins auf die Fresse gegeben“ haben, nur um zu testen, ob die Erzieherin sie verstößt, so wie ihre Eltern, oder ob sie bei ihnen bleibt und sie immer noch mag, obwohl sie gegen Regeln verstoßen haben. Schon damals hat mich das unendlich traurig gemacht.

Klette

Meine Süße verweigert – mal wieder – feste Nahrung, nur Mama ist gut genug und allein auf Mama ist das Leben erträglich. Papa ist bloß ein schwacher Ersatz und funktioniert nur für wenige Minuten.

Warum, wieso, weshalb jetzt auf einmal der Rückschritt erfolgte und ob es nur eine (hoffentlich) ganz kurzfristige Phase ist, weiß natürlich auch keiner.

Passt aber ganz wunderbar in die Gesamtsituation, mit der ich persönlich gerade äußerst unzufrieden bin *seufz*

U6

Und dann war da noch die U6, mittlerweile fast einen Monat her. Dem Kindlein geht es gut, es ist altersgerecht entwickelt. Die Ärztin war begeistert, wie gut meine Süße bereits laufen kann. Ich merkte an, dass sie dafür noch nicht sprechen kann. Nicht, dass ich das erwarten würde, aber ihr Bruder konnte zu dem Zeitpunkt schon Mama, Papa, Auto und so, brauchte bis zum ersten Schritt allerdings 14 Monate. Die Ärztin meinte daraufhin nur trocken, dass das völlig normal sei, entweder laufen oder reden, für beides gleichzeitig reichen die Hirnkapazitäten einfach nicht.

Schade, kein Wunderkind 😉

Größe: 73 cm (wobei ich zuhause eher 75 cm gemessen habe, Unterkante meines Schreibtisches, unter dem sie gerade so noch durchlaufen konnte; mittlerweile hat sie 2 kleine Wunden oben auf dem Kopf, weil sie eben nicht mehr drunter passt und erst mehrere schmerzhafte Anläufe brauchte, um das zu verinnerlichen, siehe auch Lernen durch Schmerz)
Gewicht: 9030 g
Kopfumfang: 45,5
Sonstige Bemerkungen: Silbenverdopplung; läuft frei; sehr schöne Entwicklung (steht wirklich da)

Lernen durch Schmerz

Wer auch immer der Meinung war, Lernen durch Schmerz funktioniere und das auch noch gut, hat unsere Kinder nicht erlebt.

Fing beim Großen damit an, dass er den Kater immer wieder am Ohr oder Schwanz zupfte, und im Gegenzug nähere Bekanntschaft mit den Katzenkrallen machen durfte. Gingen wir anfangs davon aus, dass sich das wegen der nicht unbeträchtlichen Schmerzen schnell von selbst geben würde, gaben wir diese Hoffnung bald auf und kauften stattdessen Jodtinktur, damit sich die zahlreichen Kratzer nicht entzündeten.

Allerdings hofften wir, dass Mädchen anders drauf sind und das sind sie tatsächlich. Die können noch viel mehr einstecken, zumindest unseres. Wo der Große schon lange lautestes Wehklagen angestimmt hätte, schüttelt sich die Kurze nur und weiter geht’s. Aber manchmal tut es eben doch richtig weh und wir hofften, dass schmerzliche Lerneffekte besser greifen.

Aber nö. Katzenkratzer noch und nöcher. Blutige Wunden am Kopf, weil das Kindlein nicht begreift, dass es mittlerweile zu groß ist, um aufrecht unter meinem Schreibtisch lang zu laufen und sich deswegen immer wieder die Rübe an der Unterkante des Tisches rammelt. Das Wäscheständer umfallen, wenn man zu sehr an einer Seite zieht, will auch nicht in das kleine Babyhirn rein und so mussten wir die Süße mehr als einmal unter der frisch gewaschenen Wäsche hervorziehen.

Jetzt hoffe ich einfach mal drauf, dass sie größer wird und die Vernunft einsetzt. Wobei, wenn ich mir ihren Bruder so anschaue – ach, lassen wir das 🙂

Zum Scheitern verurteilt

Auf das Thema „Scheitern als Eltern“ bin ich durch den Blogbeitrag von Andrea Harmonika gestoßen, welchen sie im Rahmen einer Blogparade verfasst hat. Ich fand den Beitrag amüsant, da er mir in sehr angenehmer Art vor Augen hielt, dass ich jeden Tag an der Aufgabe Elternsein scheitere und kommentierte das entsprechend.

Doch seit dem lässt mich dieses Thema nicht mehr los. Es geistert in meinem Kopf, schiebt sich immer wieder in mein Bewusstsein, weil ich einfach nicht akzeptieren kann, dass ich als Muttern gescheitert sein soll. Ich fühle mich nicht als gescheitert! Wenn ich meine Kinder so anschaue, dann habe ich bestimmt einiges falsch, aber auch jede Menge richtig gemacht. OK, ich kann keine Hosen für meine Kinder nähen und mit dem Backen ist es auch nicht weit her, aber ist das tatsächlich ein brauchbarer Maßstab für gelungene Elternschaft?

Wer legt denn überhaupt die Maßstäbe fest? Und mit welchem Recht? Beim Sport ist das meist relativ klar geregelt. Wer beim Hochsprung am höchsten springt, hat gewonnen, wer die Latte reißt, ist an dieser Höhe gescheitert. Ist man im Hochsprung nicht besonders gut, dann kann man vielleicht ganz schnell laufen oder etwas sehr weit werfen. Und wem nichts von alledem gut gelingt, der kann immer noch als Zuschauer auf den Rängen Platz nehmen und die Athleten anfeuern.

Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, das Publikum als gescheitert anzusehen. Oder den Hochspringer, der zwangsläufig beim Kugelstoßen versagen muss.
Warum dann also die strengen Vorgaben für Eltern?

Nimmt man sich zwei beliebige Elternratgeber und vergleicht die Ratschläge, dann findet man höchstwahrscheinlich mindestens einen Punkt, der völlig konträr zum gleichen Abschnitt im anderen Buch beschrieben wird. Folge ich nun dem einen Ratgeber, muss ich zwangsläufig an den Maßstäben des anderen Ratgebers scheitern. Das ist übrigens der Grund, warum ich diese Elternratgeber meide wie die Pest, da sie mich letztendlich mehr verwirren als sie mir helfen.

Folgt man den Tipps von Freundinnen, Eltern, Großeltern, Tanten oder den eh alles besserwissenden Miteinkäufern im Supermarkt, bietet sich das gleiche Bild. Der eine rät, man solle das Kind in der Quengelzone schreien lassen, der andere fühlt sich dadurch massiv belästigt und hält das Kind für völlig verzogen. Der Onkel, der entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn wir erzählen, dass wir mit unseren Kindern regelmäßig in Restaurants (und damit meine ich jetzt nicht diese „Restaurants“ zu den goldenen Bögen etc.) zum Essen gehen und wir dort bis 21 Uhr oder gar noch länger bleiben. Dem entgegen steht die Bedienung in besagten Restaurants, die sich freut, dass wir kommen und es schön findet, dass auch Deutsche mal so unverkrampft mit ihren Kindern umgehen (O-Ton).

Wer hat denn jetzt Recht bzw. welcher Maßstab ist denn nun der, an dem ich mich als Mutter messen lassen muss?

Da Menschen Individuen sind mit unterschiedlichsten Erfahrung, Moralvorstellungen und kulturellen Hintergründen, und Eltern entgegen der landläufigen Meinung eben auch nur Menschen sind, können solche allgemeingültigen Maßstäbe gar nicht angelegt werden.

Eine Freundin brachte es, wie ich finde, schön prägnant auf den Punkt: „Als gescheitert würde ich mich betrachten, wenn meine Kinder mir nicht ihre Sorgen anvertrauen können oder sich von mir nicht geliebt fühlen. Alles andere ist doch nur Bonus.“

Ob man dieses Ziel nun mit selbstgenähten Hosen oder selbstgebackenem smartiesgefüllten Regenbogenkuchen schafft oder täglich den Lieferservice bestellt, ist doch letztendlich egal.

 

#geschichtenvomscheitern

Menschliches Nadelkissen und strahlende Windeln

Am Donnerstag stand – mal wieder – eine Kontrolluntersuchung bei meiner Süßen an. Das Wetter dazu hätte nicht besser sein können, Schneesturm genau in den 20 Minuten, die ich brauche, um von der Wohnung zur Uniklinik zu laufen. Auto nützt nichts, da es vor Ort um diese Zeit eh keine freien Parkplätze mehr gibt und ich am Ende vermutlich genauso weit hätte laufen müssen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ich doppelt so lange unterwegs gewesen und hätte trotzdem noch die halbe Strecke laufen müssen.

Da ich glücklicherweise den Kinderwagenregenschutz sehr gut aufgeräumt hatte, mussten wir oben ohne durch das Mistwetter. Ich kam also kurz vor 8 Uhr mit durchweichtem und grummelnden Kind an und kaum hatte ich uns beide einigermassen trocken gelegt, durften wir auch schon zur Anmeldung. Dort ging alles fix, wir wurden erwartet. Dann im Blindflug zur Radiologie, ich brauche mittlerweile nicht mal mehr die lilanen Lurche zur Orientierung.

Der freundliche Empfangsmitarbeiter dort stellte mich vor die zweite große Herausforderung des Tages, indem er mich fragte, wie schwer mein Mädchen sei. Ich schaute ihn mit leerem Blick an und zuckte mit den Schultern. Mein Rücken meint eh immer, dass sie schon mindestens 20 Kilo wiegt, wohingegen mein verliebt-verblendetes Mutterherz nicht wahrhaben will, dass die Kleine schon so groß ist und Stein und Bein schwören würde, dass es kein Gramm mehr als 4 Kilo sind.
Am Ende zeigte ein kurzes Nachmessen: 9,5 Kilo inklusive Klamotten und Windel.

Den Ultraschall fand das Kindlein wie gewohnt sehr doof und protestierte lautstark und mit viel Umherwinden, mit dem Ergebnis, dass sich das glitschige Kontaktgel überall auf ihrem Körper und der Unterlage verteilte und den nur hochgezogenen Body ordentlich verschmodderte. Dass sie auch noch schwungvoll auf die Unterlage pinkelte, rundete diese erste Untersuchung ab.

Zur Abwechslung wurden wir diesmal gleich in die Urologie geschickt, ohne vorher noch auf den Bericht warten zu müssen, welcher direkt in die Abteilung gefaxt würde. Wir wurden sofort ins Behandlungszimmer gerufen und ich freute mich, dass es so schnell ging. Diese ewige Warterei schlaucht nämlich enorm. Der Arzt zerstörte jedoch meine Hoffnungen, an diesem Nachmittag vielleicht noch zum Friseur gehen zu können (in meinen Träumen feierte ich bereits Ostern mit hübschem Haar), indem er mir mitteilte, dass für heute eine Sonderuntersuchung angesetzt sei und diese beinhaltet eine 4-stündige Wartezeit.

Yeah, was’n Glück.

Mein leichtes Aufstöhnen bemerkte eine der Schwestern und fragte mich, ob mir das denn nicht vorher gesagt worden sei.
Offensichtlich nicht, denn DAS hätte ich mir mit Sicherheit gemerkt.
Aber nützt ja alles nix, da müssen wir jetzt durch.

Da die Fachabteilung, die die Spezialuntersuchung namens Szintigrafie macht, so spezial ist, legen die nicht mal einen Zugang, durch den das Kontrastmittel gespritzt wird, sondern überlassen das den anderen Abteilungen. So versuchte der Arzt sein Glück und suchte eine brauchbare Vene an meiner Süßen. Da sie aber nicht nur meine blauen Augen und blonden Haare, sondern auch die schlechten Venen geerbt hat, waren die Bemühungen nur von mittelmäßigem Erfolg gekrönt.

Der Weißkittel piekste einmal in den rechten Fußknöchel, stocherte dort wild herum, bis endlich Blut floss und füllte damit ein Röhrchen zur Blutuntersuchung. Da der Zugang für das Kontrastmittel nicht über diese Einstichstelle erfolgen konnte (medizinisches Fachpersonal unter meinen Lesern kann mir eventuell erklären, warum das so ist), musste jetzt auch noch der linke Fuß gepiekst werden.

Mein Mädchen fand das nur bedingt toll, nicht mal unbedingt wegen der Nadeln und Schmerzen, sondern einfach, dass ihr jemand permanent die Füße festhielt, mit denen sie doch so gerne strampelte.
Der linke Fuß war allerdings noch weniger geeignet für das Vorhaben und so gab der Arzt nach zwei vergeblichen Versuchen auf und zitierte telefonisch einen versierteren Kollegen herbei. Meine Süße hatte sich mittlerweile so in Rage geschrien, dass eine wunderhübsche Vene dick am Kopf hervor trat, welche der neue Arzt umgehend anzapfte. Das ging schnell, tat nicht sonderlich weh und resultierte in einem schicken Turban, damit der Zugang von kindlichen Grabschehänden nicht sofort wieder herausgerissen wird.

So verarztet machten wir uns in die nukularnuklearmedizinsche Abteilung auf. Eine Ärztin klärte uns über Risiken und Nebenwirkungen auf und fragte mich im Laufe dieses Gesprächs, wie viel die Kleine denn an dem Tag schon getrunken hätte.
Wieder so eine unmögliche Frage.
Da ich immer noch in nicht unerheblichen Umfang stille, habe ich keine Ahnung, wie viel sie trinkt. Sie bekommt zwar zusätzlich noch Wasser aus ihrer Trinklernflasche, aber die Gesamtmenge ist für mich unmöglich einzuschätzen. Schien aber für den weiteren Fortgang nicht allzu wichtig zu sein, viel wichtiger war der Ärztin, dass ich das Kind kurz vor der für 14 Uhr angesetzten Untersuchung stille, so dies denn mit meinem Stillplan (häh?) vereinbar wäre.

Wir durften dann zwei Sicherheitsschleusen weiter in ein kleines Zimmer, wo das Kontrastmittel gespritzt werden sollte. Hinter einer durch eine dicke Bleitür gesicherten Durchreiche kam das Mittel in einem kleinen Bleiröhrchen und mir wurde Himmel, Angst und Bange. Das Zeug sollte in mein kleines Mädchen rein? Wenn jetzt noch die Ärztin in einem Hazmat-Anzug aufgetaucht wäre, hätte ich mir die Kleene geschnappt und wäre abgehauen. Da die Ärztin aber nur in einem normalen weißen Kittel gewandet das Zimmer betrat und freundlich jeden Handgriff erklärte, den sie tat (erst mit Kochsalzlösung prüfen, ob der Zugang offen ist, dann das Kontrastmittel spritzen, dann mit Kochsalzlösung spülen), blieben wir und vor allem, entspannt.

Wieder zurück auf der Urologie bekam ich den Termin für die nächste Kontrolluntersuchung genannt, irgendwann im Oktober und dann begann die kniffligste Herausforderung, 4 Stunden warten.

Da ich das überhaupt nicht eingeplant hatte, hatte ich weder Spielzeug noch Nahrung dabei, nur die Trinkflasche der Kleenen. Aber ich wusste, wo der kostenlose Wasserspender stand und so strandeten wir zunächst, unseren Jäger- und Sammlergenen Folge leistend und sich nie zu weit vom nächsten Wasserloch zu entfernen, im direkt angrenzenden Wartebereich. Wir tranken uns beide voll und dann nickte die Süße auf mir ein und ratzte trotz der unsäglich lauten automatischen Krankenhaustüren eine knappe Stunde.

Ausgeruht entdeckte ich dann, dass man im ersten Stock ganz wunderbar um den ganzen Innenbereich wie auf einer Galerie herumlaufen kann. Dazu noch bodentiefe Glaswände als Geländer, durch die man die darunterliegende Cafeteria beobachten kann. Das Kindlein lief also eine Runde nach der anderen, begrabschte die Pflanzen, winkte freundlichen Menschen zu und protestierte lautstark, als ich es davon abhielt, sich todesmutig die Treppe hinunter zu stürzen.
Dadurch verging die Zeit recht fix und schneller als gedacht waren wir schon wieder auf dem Weg in die Nuklearmedizin. Zum Glück hatte der Schneeregen just in diesem Moment wieder angefangen und durchweichte uns auf den gut 500 Metern bis zum Ziel.

Vor Ort stillte ich das Kind wie verabredet und überpünktlich holte uns die Schwester zur Untersuchung ab. Meine Süße wurde in eine Backform gelegt, die sie relativ unbeweglich machte, was ihr natürlich überhaupt nicht gefiel. Dazu noch diese riesige Maschine mit den lauten Geräuschen, die sich brummend über und unter ihr bewegte und fertig sind diverse Therapiestunden im Erwachsenenalter. Die Schwester fragte mich, ob ich sie denn irgendwie beruhigen könne, mit einem Schnuller etwa, da es für die Untersuchung wichtig ist, dass sich der Patient möglichst nicht bewegt.

Da die Maschine die Kleene fast vollständig bedeckte, konnte ich meinem Mädchen nur die Hände halten, beruhigend auf sie einreden und ihr die Stirn küssen. Das klappte ganz gut und Mitte des zweiten 10-minütigen Aufnahmezykluses war sie eingeschlafen. Insofern gut, da der dritte Zyklus über 40 Minuten dauerte. Ich hielt also weiter ihre Hände, aber hatte jetzt genug Zeit mich umzuschauen und entdeckte den Monitor, auf dem live die Aufnahmen zu sehen waren.

Ich konnte ganz gut die zwei eiförmigen Gebilde sehen, die die Nieren darstellen sollten und viele kleine Punkte, die grob den restlichen Körper markierten. Im Laufe der Untersuchung kam noch eine dritte heller leuchtende Stelle hinzu und nach anfänglichem Grübeln erkannte ich die Windel, in der das radioaktive Mittel letztendlich landete. Je länger es dauerte, desto deutlicher wurde der Windelabdruck, was ich irgendwie lustig fand. Vermutlich, weil ich mich so langweilte.

Dann war auch diese Untersuchung vorbei und wir durften wieder zurück in die Urologie, den Zugang entfernen lassen. Das ging dank Zaubermittel ganz schnell und ohne großes Ziepen und Meckern und wir konnten endlich nach Hause gehen, wo wir 16 Uhr ankamen und uns beide erstmal eine Runde aufs Ohr hauten, den Stress wegschlafen.

Ergebnisse gibt es irgendwann diese Woche, ich werde berichten.

Kripp, Kripp, Hurra

Gestern kam die mündliche Zusage für einen Krippenplatz für meine Süße vom gleichen Kindergarten, in den auch schon der Große geht. Scheint, als hätten wir tatsächlich noch von der Geschwisterregelung profitieren können.

Jetzt müssen wir schauen, wie wir die Eingewöhnung gestalten. Den Platz haben wir ab 1.4., die U6 mit der zugehörigen MMR-Impfung ist aber erst am 7.4., danach noch 7-10 Tage warten, bis Antikörper gebildet wurden, so dass es effektiv erst Mitte April losgehen kann.

Ist mir ganz recht, denn so schnell wollte ich meine Süße eigentlich nicht hergeben, aber so können wir uns beide darauf einstellen, uns ganz langsam voneinander abzunabeln. Bin gespannt, wie gut sie dann in der Krippe zurecht kommt. Beim Großen war das alles ganz einfach, er wurde abgegeben, entdeckte ein Spielzeugauto und schon waren wir vergessen. Erst, als wir ihn 7 Stunden später wieder abholten, erinnerte er sich an uns.

So unkompliziert wird es wohl diesmal nicht laufen.

Schlaflos in L. an der P.

Bisher war der Nachtschlaf bei meiner Süßen eine zuverlässige Größe. Gegen 23 Uhr wurde sie langsam müde, dementsprechend bettfertig gemacht und spätestens um 24 Uhr lag die Kleine friedlich schlummernd im Bett. Um 2 oder 3 Uhr wurde sie kurz wach, wanderte dann zu uns ins Familienbett und schlief dann weiter bis zum Morgen.

Seit vier Tagen allerdings ist alles anders. Schlafen ist doof. Und zwar so richtig. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kindlein hundemüde ist, sich ständig die Augen reibt und gähnt. Alle üblichen Maßnahmen greifen nicht, sie knatscht muntermüde weiter. Am Ende schläft sie halb oder um 3 Uhr ein, aber nur, wenn ich neben ihr liege, alles dunkel ist und ganz fest mindestens eine ihrer Hände halte.

Die drei Stunden bis dahin zehren extrem an den Nerven, zumal wir Großen ja auch schon einen ganzen, anstrengenden Tag hinter uns haben. Außerdem sind, seit mein Mädchen laufen kann, diese 2 – 3 Stunden nachts, bevor sie wieder wach wird, die einzige Zeit am Tag, an dem ich mal effektiv etwas am Rechner machen kann. Tagsüber gehen nur Dinge, die ich jederzeit unterbrechen kann.

Gerade eben liegt sie an ihren Papa gelehnt auf der Couch, welcher schon eingenickt ist und glotzt die bunte Sternchenlichterkette an, die unser Wohnzimmer nur dürftig erhellt. Von Schlafen weiterhin keine Spur. Würde ich jetzt versuchen, sie ins Bett zu bringen, würde es nur in einer weiteren Schreiorgie enden. Kleinste Geräusche machen sie sowieso wach.

So werde ich mich wohl mit ihr und dem Harry Potter Hörbuch ins Bett begeben und hoffen, dass wenigstens das schnell hilft. Zumindest bei mir wirkt das zuverlässig 😉