Trinity, Teil 1

Nachdem der Versuch mit Murphy leider nicht so gut geklappt hatte, wollten wir noch einen letzten Versuch starten, unserer Jeannie einen Gefährten zur Seite zu stellen.

Wieder führte uns unser Weg zum Tierheim und wir überlegten, ob wir eine der größeren Katzen aus dem Katzenhaus nehmen sollten. Wir besprachen unser Vorhaben mit dem Personal, aber wie schon zuvor rieten sie uns zu einer ganz jungen Katze. Nach dem Drama mit dem Kater wollten wir diesmal eine Katze, Zickenkrieg hin oder her.

Wir bekamen die Adresse einer netten, alten Dame, die die Katzenjungen in Pflege genommen hatte. Schnell war ein Besuchstermin vereinbart und wir fuhren alle zusammen hin. Die Katzenbabies waren noch sehr jung, gerade mal 10 Wochen alt. Die Dame erzählte uns, dass die Katzen im Alter von 4 Wochen kurz vorm Verhungern gefunden wurden und von der Katzenmama jede Spur fehlte. Seitdem würden sie von ihr aufgepeppelt.

Und es waren auch echte Dürrländer, nur Fell und Knochen, obwohl sie jetzt regelmässig Futter bekamen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sie ursprünglich ausgesehen haben. Der Wurf bestand aus 3 Schwestern, von denen wir aber nur 2 zu sehen bekamen. Die dritte verkroch sich die ganze Zeit hinterm Sofa. Die zweite wurde von der Pflegemama hochgenommen und als ich sie streicheln wollte, biss sie mir energisch in den Finger. Sympathie sieht irgendwie anders aus.

Blieb noch ein Kätzchen übrig. Dies wagte sich nach gutem Zureden hinter dem Sessel hervor, beschnupperte meine Hand und ließ sich streicheln. Kurz darauf rannte es zwar in irgendeine Ecke, schaute aber immer wieder mal neugierig zu uns herüber. Als die Dame mir die Katze dann auf den Arm setzte, schnurrte sie kurz, aber wollte wieder runter. Mir hat das aber gereicht, für mich war die Entscheidung gefallen. Wir fragten die Pflegerin noch ausgiebig, ob die Katzen auch wirklich stubenrein waren und erzählten ihr von unserem Dilemma mit dem Kater, welches wir unbedingt wieder vermeiden wollten. Aber sie sagte, die Katzen würden von Anfang aufs Katzenklo gehen und es gab nicht ein einziges Missgeschick.

Also war auch diese Hürde genommen. Wir müssten jetzt nur noch alles mit dem Tierheim klar machen, die Gebühren bezahlen und die Katze müsste zur Abschlussuntersuchung und letzten Impfung noch mal dem Tierarzt vorgestellt werden. Dann könnten wir sie mitnehmen.

Eine Woche später war es dann soweit. Wir holten eine gut 1000 Gramm schwere Katze von ihrer Pflegestelle ab und fuhren sie in ihr neues Zuhause. Wir waren sehr gespannt, wie Jeannie mit dem neuen Familienmitglied zurecht kommen würde. Und wir hatten sogar schon einen Namen gefunden, Trinity, in Anlehnung an den 3. Versuch.

Wie erwartet, war unsere alte Dame nicht sonderlich erfreut, über dieses neugierige, vorlaute Fellknäuel, welches ohne irgendwelche Vorbehalte aus der Transportbox sprang. Jeannie knurrte und fauchte, was das Zeug hielt, was aber Trinity unbeeindruckt ließ. Wohl auch, weil sie die Feinheiten des kätzischen Verhaltens nicht von ihrer Mutter lernen konnte und es für sie nur Hintergrundrauschen war.

Nach der ersten Nacht entdeckten wir das Malheur: die kleine Katze hatte in die Küche gekackt. Natürlich waren wir voller Sorge, dass sich das murphische Drama wiederholen würde. Unsere Befürchtungen wurden auch nicht weniger, als wir in nach der 2. Nacht eine Haufen auf der Schlafzimmerschwelle fanden. Da nun mittlerweile Wochenende war und wir mehr Zeit hatten, beobachteten wir die Katzen und ihren Umgang miteinander sehr genau. Und es stellte sich heraus, dass die kleine Katze durchaus aufs Katzenklo ging und dies auch ausgiebig nutzte, nur versperrte ihr die Große immer wieder mal den Weg dahin. Und irgendwann kann sich eine von Verdauungsproblemen geplagte Katze nicht mehr zurückhalten.

Übers Wochenende hatten sich die größten Aversionen der Dicken gelegt, so dass Trinity nun ungehindert Zugang zum Katzenklo hatte. Und seitdem gab es nie wieder Zwischenfälle in Sachen Katzenhygiene.

Wir versuchten inzwischen, die Katze so gut es geht an uns und unser Zuhause zu gewöhnen. Dazu gehörte auch, dass sie so schnell wie möglich den Geruch der alten Damen los wird und unseren annimmt. Wir hofften so auch auf bessere Akzeptanz bei Jeannie. Da ich gegen Katzenbaden bin, es sei denn aus wirklich triftigem Grund, hab ich mir die Kleine immer wieder mal in den Pullover gepackt. Sie fand es herrlich. Es war dunkel, es war warm, es war kuschlig und sie war geschützt. Und in nullkommanix „stank“ sie dann nach mir.

Und der Plan schien auch aufzugehen, an Tag 10 wurden beide Katzen friedlich nebeneinander schlafend auf der Couch gesichtet. 🙂

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Murphy

Als unsere große Katze Jeannie ein gutes Jahr alt war und ich das mit der Allergie ganz gut auf die Reihe gekriegt habe, beschlossen wir, uns eine zweite Katze zuzulegen, damit die erste nicht so allein ist.

Uns wurde vom Tierheim ein junger Kater empfohlen, 12 Wochen alt, die Mutter ein Fundtier, über deren Verbleib nichts bekannt ist.
Er war so total anders als Jeannie, voller Energie, sprang und rannte durch die Wohnung und wagte sich auch an unseren Kleenen ran. Allerdings wehrte er sich auch, wenn der Kurze ihn zu sehr piesakte und so gab es öfter mal Geschrei und Kratzer auf dem Kindergesicht. Anscheinend funktioniert Lernen durch Schmerz nicht immer 🙂

Murphy ist ein absoluter Fresssack. Alles, was nicht in Schränken oder Plastikboxen verpackt wurde, wurde vom Kater gefressen. Silberpapier oder Folie hin oder her, der Typ hatte ständig Knast. Und er war erfinderisch. Er schaffte es, unseren Kühlschrank aufzubekommen und auszurauben, so dass wir an diesem eine Kindersicherung anbringen musste, obwohl unser Kind unseren Kühlschrank höchst uninteressant findet.

So sehr sich der Kater bei uns wohl fühlte, so vertrug er sich gar nicht mit Jeannie. Oder sie mit ihm. Sobald er der Dicken gewahr wurde, stürmte er auf sie los und tatzte ihr auf den Kopf oder versuchte, sie in den Nacken zu beißen. Das besserte sich auch nicht, als wir ihn kastrierten.
Er hatte sich in der Zwischenzeit leider auch angewöhnt, in die Wohnung zu pinkeln. Er wusste durchaus, was ein Katzenklo ist und wie man das benutzt, nur weigerte er sich eben. Vermutlich aus Protest oder eben doch zur Reviermarkierung.

Und er pinkelte wirklich alles an. Unser Sofa, unser Bett, die Sessel, an Türen, auf Tische, in Zimmerecken, an Wände. Egal, was, es wurde mit Urin getränkt. Er erhielt dann frühzeitig ein Schlafzimmerverbot – auf einem nach Katzenpisse stinkendem Bett zu schlafen ist wirklich eklig – und wurde nachts in die Küche eingesperrt. Auch, damit Jeannie nicht bestraft würde und sich weiter frei bewegen konnte.

Er pinkelte sogar in seinen Fressnapf. Und wie bei den Kerlen üblich, war er dabei nicht besonders treffsicher. Wir holten also eine flache Katzenkloschale, füllten sie halbvoll mit Katzenstreu und stellten dahinein seinen Fressnapf. Das ersparte uns immerhin das tägliche Aufwischritual. Ansonsten pinkelte er so 1-2 mal die Woche in eine Ecke. Einmal auch gegen die Arbeitszimmertür, als keinen Meter entfernt mein Mann sass und sich über das strullernde Geräusch wunderte. Oh mei, war der sauer. Aber Murphy hat das nicht weiter gestört.

Und er konnte so lieb und treudoof gucken und herzzerreissend niedlich liegen und schlafen. Und er ließ sich streicheln und sanft an den Ohren zupfen und am Bauch kraulen und konnte sich dekorativ zusammen rollen. Das hat einiges vom Ärger wieder wett gemacht.

Doch dann kam auch für ihn der Umzug. Da wir in der neuen Wohnung kein Laminat mehr haben, sondern schönen alten Dielenboden mit teilweise fingerbreiten Spalten zwischen den Dielen und der einzige „katersichere“ Raum die 8 m² große Küche gewesen wäre, durfte Murphy nicht mit in die neue Wohnung. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, wir haben Freunde und Bekannt gefragt, auf Arbeit Aushänge gemacht, aber niemand wollte oder konnte den Kater aufnehmen. Also sind wir wieder zum Tierheim gefahren und haben um Aufnahme des Katers gebeten.

Sie waren verständlicherweise wenig begeistert, haben ihn dann aber doch aufgenommen. Wir haben, auch um zu zeigen, dass es uns nicht um die finanziellen Aspekte ging, für ihn ein sogenanntes Sponsoring übernommen. Dabei zahlt man einen monatlichen Betrag, der zur Pflege des Tieres (und vermutlich auch der anderen Tiere) genutzt wird. Außerdem erfährt man so auch, wenn das Tier weitervermittelt wird, weil dann automatisch das Sponsoring endet.
Und es war uns schon wichtig zu wissen, dass es dem Kerl gut geht und dass er hoffentlich bald eine neue Familie findet.

Dennoch war der Tag des Abschieds absoluter Horror. Wir hatten Murphy ja lieb gewonnen und er war Teil unserer Familie. Das Verhalten des Tierheims war auch nicht hilfreich.
Wir klingelten am Katzenhaus, eine mürrische Frau öffnete und nahm uns wortlos, nachdem wir unser Anliegen schilderten, die Transportbox samt Katze ab, schlug uns die Tür grußlos vor der Nase wieder zu. Sie brachte den Käfig dann in ein Behandlungszimmer und stellte ihn auf den Tisch. Dort stand sie dann für längere Zeit, niemand kümmerte sich um Murphy. Wir standen draußen und ich weinte und ärgerte mich zugleich, weil ich so gerne noch Abschied genommen hätte.

Wir sind ein paar Tage später zur regulären Besuchszeit wieder ins Katzenhaus gefahren, um Murphy zu besuchen und zu schauen, wie es ihm geht. Wir haben ihn kaum wieder erkannt, so vollgefuttert war er. Aber es schien im gut zu gehen und er kam mit dem anderen Katzen gut klar.
Als wir einen Monat später zur Adventsvesper wieder vorbei schauen wollten, war Murphy bereits wieder vermittelt und die 10 Tage Probezeit waren auch schon rum.

Er hatte also ein neues Zuhause gefunden 🙂

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EDIT: Gestern war eine Dame vom Tierheim da, die sich vergewissern wollte, dass es Trinity gut geht. Und als sie von Murphy hörte, läutete bei ihr ein Glöckchen, den Namen hatte sie doch erst vor Kurzem auf der Liste gehabt und er war so ungewöhnlich, dass er sich bei ihr eingeprägt hat. Sie erzählte uns, dass es dem Kater im neuen Zuhause gut ginge und es dort auch keine Probleme mit dem Pinkeln gäbe. Und sie meinte, es wäre nicht so ungewöhnlich, wenn zwei Katzen sich nicht vertragen, dass dann eine „komisch“ wird und es durchaus normal ist, wenn die komische Katze dann in einer neuen Umgebung und dort der alleinige King ist, sich die anderen Probleme geben.

Coole Sache das 🙂

 

Jeannie, Teil 3

Doch mit dem Umzug sollte das Abenteuer für unsere Jeannie erst so richtig los gehen.

Knapp zwei Monate später kam das Baby. Jeannie hatte es bereits gemerkt, da sie ihren Lieblingsplatz auf meinem Bauch aufgeben musste, weil sie sonst dauernd runter gepurzelt wäre. Wir hatten uns auch lange und ausführlich mit unserer Hebamme darüber unterhalten, und sie ermutigte uns und meinte, wir sollen rein zufällig einen getragenen Strampler neben den Wäschekorb legen, damit die Katze daran riechen und sich auf den neuen Mitbewohner einstellen kann. Doch unsere Sorgen waren völlig unbegründet, denn Jeannie entwickelte sowas wie Beschützerinstinkte für den kleinen Kerl und passte mit auf, dass ihm nichts passierte.

Zumindest am Anfang, als er noch nicht so mobil war. Sobald das Greifen und Krabbeln ordentlich funktionierte, war die Freundschaft zwischen den beiden vorbei und Jeannie machte einen großen Bogen um ihn.

Und es kam noch schlimmer für sie. Denn wir beschlossen, ihr einen Weggefährten zur Seite zu stellen. Wir fuhren also zum örtlichen Tierheim und erkundigten uns, was für ein Tier für eine Katze mit Jeannies Charakterzügen am besten geeignet war. Sie empfahlen uns, einen jungen Kater zu nehmen, da zwei Weibchen zu Zickenkriegen neigen. Mein Mann wollte unbedingt eine getigerte Katze haben, also entschieden wir uns für einen 12-Wochen alten Kater, nannten ihn Murphy und brachten ihn mit nach Hause.

Leider ging unser Plan nicht so auf, wie wir uns das vorgestellt hatten. Die Große war zwar Cheffin, hat sich aber nie mit dem Kater vertragen und musste sich ständig gegen dessen Übergriffe, obwohl er kastriert war, wehren. Murphy reagierte seinerseits auch recht seltsam, aber dies wird in seiner Geschichte erzählt.

Jeannie durfte mittlerweile zu uns ins Schlafzimmer und dankte uns dies, indem sie manchmal auf unseren Füßen schlief. Ansonsten wurde sie immer größer und hat auch ordentlich an Gewicht zugelegt, jedoch soviel, dass der Tierarzt ein wenig mit uns schimpfte. Wir versuchten eine Ernährungsumstellung, aber Jeannie ist wählerisch und mag nur Trockenfutter. Und sie ist faul. Die einzige sportliche Betätigung ist, wenn sie Klinken anspringt oder Insekten hinterher jagt.

Nach gut 3 Jahren und einigen familiären Turbulenzen entschieden wir uns erneut zum Umzug. Diesmal parkten wir Jeannie bei Freunden, die einen total lieben und knuffigen Kater haben und hofften, dass dies weniger stressig ist, als wenn sie einen ganzen Tag verängstigt in einer Ecke oder in ihrer Transportbox hockt. Nunja, über das Ergebnis darf man sicher geteilter Meinung sein. Sie hockte die anderthalb Tage auf dem Fensterbrett im Katzenzimmer und sobald sich Jamie, der Gastgeber, auch nur einen Millimeter rührte, knurrte sie ihn an. Wir pflückten sie also zwei Tage später wieder vom Fenstersims und brachten sie ins neue Heim.

Hier mag sie es sehr und ist fast so zutraulich geworden wie in der ersten Wohnung, wo sie unumstrittene Chefkatze war – und das trotzdem sie ihr Reich mit einer zweiten Katze teilen muss.

Gerade eben liegt sie wieder ausgestreckt zwischen Tastatur und Monitor auf meinem Schreibtisch und ab und zu wedelt ihr Schwanz über die Tastatur.

Ich glaube, unglücklich sieht irgendwie anders aus 🙂

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Jeannie, Teil 2

Am nächsten Morgen sahen wir, dass die kleine Katze gefressen, getrunken und ihr Katzenklo bestimmungsgemäß genutzt hatte und sie rannte auch nicht mehr vor uns weg. Also öffneten wir die Küchentür und die Katze konnte anfangen, die gesamte Wohnung zu erkunden.

Was sie tat. Gerne. Und viel. Und rennend. Und springend. Und kratzend.

Was jetzt noch fehlte, war ein Name. Mein Mann hatte gelesen, dass Katzen besser auf Worte mit i und a hören und deswegen ein Katzenname diese Buchstaben enthalten sollte. Wir grübelten und schmissen dann unsere Vorschläge zusammen, aber so richtig konnte uns keiner überzeugen.
Ich weiß nicht mehr, wie wir auf Jeannie gekommen sind oder wer den entscheidenden Vorschlag gemacht hat, aber wir waren uns sofort einig: das ist er.

Nachdem das nun geklärt war, blieb noch das Thema der Allergie. Als ich die Zusage für die Katze gemacht habe, konnte ich es nicht ahnen, aber ich war in der Zwischenzeit schwanger geworden. Somit erledigte sich auch das Thema mit der Medikamentenunterstützung. Und wie Katzen nunmal sind, sie gehen immer dahin, wo sie am wenigsten erwünscht sind. In diesem Fall zu mir.
Sobald ich mich auf dem Sofa lang gemacht hatte, kam Jeannie an, hüpfte auf mich drauf und legte sich auf meinen Bauch und schlief dort ein. Ich wurde dann mit schöner Regelmäßigkeit von einem Niesanfall nach dem anderen geplagt, aber das interessierte die Katze wenig.

Aber ich konnte Fortschritte entdecken. Von Tag zu Tag wurden die Niesanfälle weniger und nach 4 Wochen tränenden Augen und krabbelnder Nase waren die schlimmsten Beschwerden vorbei. Nur noch, wenn sie mich kratzte oder ich mir direkt nach dem Streicheln in den Augen rieb, gab es noch unschöne Reaktionen. Aber selbst die haben sich im Laufe der Zeit gegeben.

Jeannie hatte in der Zwischenzeit auch Fortschritte gemacht. Sie ist unglaublich gewachsen, unglaublich frech geworden und stellte sich als unglaublich intelligente Katze heraus. Wenn sie in ein bestimmtes Zimmer wollte, setzte sie sich vor die Tür und wartete, bis wir ihr aufmachten. Dabei beobachtete sie sehr genau, was wir machten und nach 3 Tagen Beobachtung schaffte sie es, von selbst die Türen zu öffnen, in dem sie an die Türklinken sprang und sich mit ihrem Gewicht solange dran hängte, bis sie auf war.
Da wir nur zwei abschließbare Räume hatten, nämlich Küche und Bad, und ich wegen der Allergie nicht wollte, dass sie zu uns ins Schlafzimmer kommt (ich wollte wenigstens einen allergenfreien Raum haben), schlossen wir sie nachts in der Küche ein. Außerdem konnten wir so auch verhindern, dass sie uns nachts sämtliche Pflanzen im Wohnzimmer zerlegt.

Jetzt im Nachhinein war das vielleicht nicht die klügste Entscheidung, aber damals wussten wir es nicht besser. Sie ist lange Zeit nicht so richtig zutraulich geworden, sondern rennt bei jedem etwas lauterem Geräusch erschrocken weg und versteckt sich in der hintersten Ecke. Sei es die Türklingel oder ein knarzender Stuhl – Jeannie macht den schwarzen Blitz. Das wurde dann besonders spannend, als wir schwangerschaftsbedingt umgezogen sind.

Wir hatten sie vorsorglich ins Bad gesperrt, damit sie aus dem größten Trubel raus ist, aber so richtig hat das nicht funktioniert. Als ich das erste Mal nach ihr schaute, hockte sie völlig verängstigt in einer Ecke und zitterte vor sich hin. Ich hab dann meinem Mann Bescheid gesagt, wo ich bin und da ich wegen meines dicken Bauches eh nicht mit tragen helfen könnte, hockte ich mich zu ihr ins Bad, packte sie mir auf den Schoss und streichelte sie beruhigend. Es dauerte ziemlich lange, bis sie mit dem Zittern aufhörte, aber sie rannte auch nicht weg, sondern blieb bei mir.

Und so haben wir gemeinsam den Umzug überstanden.

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Jeannie, Teil 1

Zu unserer Familie gehören auch zwei Katzen und die kommen irgendwie immer bei der Berichterstattung zu kurz, was ich sehr schade finde, da dies zwei wunderbare Geschöpfe sind und ein bißchen mehr Aufmerksamkeit kriegen sollten.

Den Anfang macht Jeannie, die ältere der beiden, auch genannt die Dicke oder Große oder Maus 🙂

Mein Mann hatte als Kind eine Katze und lag mir immer wieder in den Ohren, dass er doch gerne wieder eine haben möchte. Nur leider bin ich allergisch gegen Katzen, weswegen ich dankend ablehnte. Irgendwann im Sommer 2008 erzählte mir eine Bekannte, dass die Katze ihrer Schwester Junges bekommen hätte und sie diese jetzt gern loswerden würden. Und wenn sich niemand finde, dann würde sie eben, wie auf dem Dorf üblich, ertränkt. Es wären auch nur noch 2 Katzen übrig, aber für die gibt es keinerlei Interessenten.

Ich sagte spontan zu, dass wir eine Katze nehmen würden und besprach das dann später mit meinem Mann. Natürlich machte er sich Sorgen wegen der Allergie, aber ich meinte, das würde schon irgendwie gehen und vielleicht könne ich mich ja mit Medikamentenunterstützung selber hyposensibilisieren. Ich hatte da so Geschichten gehört und das würde schon klappen. Dachte ich.

Doch erstmal mussten wir um die Katze kämpfen, denn die Besitzer wollten sie so schnell wie möglich loswerden, am besten sofort, bevor sie irgendwelche Kosten verursachte. Dabei war sie gerade mal 6 Wochen alt und jeder Tierarzt, den wir kennen (und das sind nicht wenige), hat bestätigt, dass Katzen ca. 12 Wochen bei ihrer Mama bleiben sollen, solange, bis die Mama sie verstößt, was ein durchaus natürlicher Prozess ist. Wir redeten immer wieder mit den Besitzern und baten sie, die Katze noch ein wenig länger bei der Mama zu lassen, aber in der 9. Woche setzten sie uns die Pistole auf die Brust. Entweder wir holen die Katze sofort ab oder sie wird ertränkt.

Also sind wir mit einer Transportbox und einem kuschligen Handtuch bewaffnet los, um die Katze abzuholen. Sie war noch total klein, völlig verängstigt und maunzte die ganze Autofahrt zurück in die Stadt, die leider ein wenig dauerte.
Zuhause angekommen packten wir sie in die Küche, in der schon Futter- und Wassernapf, ein Kratzbaum und ein Katzenklohäuschen bereit standen. Wir hatten gelesen, dass man Katzen erstmal in Ruhe lassen sollte, damit sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnen und diese erkunden können. Also haben wir sie allein in der Küche gelassen. Ich hab aller Stunden nachgeschaut, ob alles ok ist, aber jedes Mal hockte sie immer noch in der Transportbox und traute sich nicht raus.

Nach 3 Stunden schaute ich wieder, und diesmal war die Katze weg. Ich suchte unsere überschaubar große 9 m² große Küche ab, konnte aber keine Katze finden. Nur ein leises Maunzen hörte ich, konnte aber nicht orten, woher. Ich rief meinen Mann zu Hilfe und gemeinsam suchten wir jetzt die Katze. Das Maunzen wurde ein wenig lauter und kam aus der Ecke hinter der Tür. Aber dort stand nur der Kühlschrank, sonst nichts. Und eine Katze war auch nicht zu sehen. Nach weiteren 5 Minuten Suchen und Lauschen meinte ich, wir sollten mal den Kühlschrank vorziehen.

Gesagt, getan, Und siehe, da war unsere kleine Katze. Eingeklemmt zwischen Kupferrohren über dem Kühlaggregat des Kühlschrank. Wie sie sich in diese missliche Lage zwängen konnte, ist uns immer noch unklar, weil der Platz hintern Kühlschrank und zwischen den Rohren eigentlich nicht dafür ausreichte. Aber vermutlich wollte sie wohin, wo es warm und dunkel war – und das war der ideale Platz.
Ich hockte mich jetzt also auf den Boden und versuchte, die Katze zum Verlassen zu bewegen. Aber sie hatte sich so verheddert, das ging weder vor noch zurück. Ich versuchte vorsichtig, ein Bein zu lösen, aber sie fing sofort wieder mit Maunzen an, so dass ich befürchtete, ich würde ihr Schmerzen zufügen. Ich war mittlerweile klatschnass geschwitzt und leicht panisch.

Doch ich konnte sie ja nicht da drin lassen. Also probierte ich es weiter, streichelte sie beruhigend und flüsterte ihr leise zu und versuchte es diesmal rückwärts. Ich könnte ein Hinterbein lösen und merkte, wie die Katze langsam nach unten rutschte. Ich war also auf dem richtigen Weg. Dann weiter, immer vorsichtig ziehen, die Vorderpfoten von den Rohren lösen, den Kopf ein wenig nach unten drücken, auf den Schwanz aufpassen und so arbeiteten wir uns Millimeter um Millimeter voran. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich sie aus dem Kühlschrank geschält und hab sie dann erstmal ganz lange bekuschelt und sie weiter gestreichelt. Sie maunze auch nicht mehr, sondern war, glaub ich, ganz dankbar, dass wir sie gerettet haben.

Sie zitterte immer noch am ganzen Körper und wurde auch wieder unruhig, so viel Nähe behagte ihr anscheinend nicht, Rettung hin oder her. Mein Mann verklebte den Spalt hinter dem Kühlschrank mit Pappstreifen, so dass die Katze nicht mehr dahinter krabbeln konnte und ich machte ihr meine Kuschelschafwärmflasche fertig, damit sie etwas zum ankuscheln hatte, wenn sie wieder nach Wärme suchte. Dann ließen wir sie wieder allein, schauten jedoch immer wieder mal bei ihr rein.

Beim letzten Kontrollgang an diesem Abend hatte sie es sich in ihren Katzenklohäuschen bequem gemacht. Höhle ist Höhle.

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