Erste Liebe

Hach, die Liebe. So wundervoll. Und wie immer bei ersten Malen mit einem besonderen Zauber versehen.

Letzte Woche hole ich den Großen aus dem Hort ab und schau wie immer in seinen Ranzen, ob alles drin ist, was reingehört und ob in der Postmappe Schreiben der Klassenlehrerin, der Hort- oder Schulleitung liegen.
Wie ich so stöber, fällt mir ein kleines, selbstgebasteltes Büchlein in die Hände, welches mit pinkfarbenem Kräuselband zusammengebunden wurde.

Scherzhaft frage ich meinen Sohn, ob das denn ein Liebesbrief sei. Ganz stolz und überhaupt nicht schüchtern erzählt er mir, dass das von Zoe sei und auf dem ersten Bild sind er und Zoe zu sehen und jede Menge Herzen. Also ist Zoe jetzt deine Freundin, hake ich nach, was mein knapp 8-jähriger Rabauke bejaht.

Im Augenwinkel bemerke ich ein anderes Hortkind, das gerade Luft holen will, um eine dieser typischen abfälligen Bemerkungen zu machen oder in diesen nervigen Singsang zu verfallen: „Zoe und Großer, Zoe und Großer“. Man kennt das ja noch aus der eigenen Kindheit.
Um dem ganz schnell einen Riegel vorzuschieben, rufe ich, wie toll ich das finde und dass die Liebe doch was ganz Wunderbares sei. Und gerade in den heutigen Zeiten kann es gar nicht genug Liebe auf der Welt geben.

Aus dem Hintergrund ruft die Hortnerin: Oh, ja, das stimmt!

© Foto von Flickr/Evangelisches Schuldekanat Schorndorf/Waiblingen „Herz1“, CC BY 2.0

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Alle Jahre wieder!

Bald nun ist Weihnachtszeit und diese wird wie jedes Jahr von der Jagd nach Geschenken begleitet. Da gibt es plötzlich schwarze Freitage und Cybermontage und alle locken mit kräftigen Rabatten oder superduper Sonderangeboten. Was also liegt da näher, als sich überpünktlich dem Thema Verwandtenbeglückung am Heilig Abend zu widmen.

Weil auch bei uns nicht immer alles schief gehen kann, stellte uns die Hausverwaltung bereits 5 Wochen vor Jahresfrist, und nicht wie sonst üblich erst 2 Wochen eher, die Betriebskostenabrechnung zu. Da wir uns letztes Jahr hartnäckig weigerten, die vorgeschlagene Mietsenkung vorzunehmen, wartet nun eine Rückzahlung von über 700€ auf uns, zeitlich günstig, um sie in Geschenke zu investieren.

Gesagt, getan, schnell mit den Großeltern abgestimmt und so kann ich tatsächlich bereits heute verkünden, bis auf eines sämtliche Weihnachtsgeschenke für dieses Jahr beschafft zu haben. Ich hab sogar schon fast alle Geschenke für die Geburtstagswelle Ende Februar/Anfang März. Mir macht das selber ein wenig Angst, aber irgendwie hatte ich ganz viele Ideen, was denn verschenkt werden könnte.

Falls jemand Inspiration braucht oder einfach nur neugierig ist, das bekommen meine Liebsten (die Links sind bis auf das T-Shirt Affiliates zu Amazon, siehe auch Disclaimer):

das kleine Kind, ein 2 3/4 Jahre altes Mädchen:

das große Kind, ein fast 8-jähriger Junge:

das ganz große Kind, aka Ehemann:

meine Eltern:

  • die CD Hardwired von Metallica
  • 2 Packungen Schwermer Marzipan
  • den jährlichen Kinderfotokalender, ein von uns selbst gestalteter Fotokalender mit den besten Kinderbildern dieses Jahres
  • eine Flasche Limoncello
  • ein Bildband mit historischen Aufnahmen ihrer Heimatstadt
  • den Krimi Binärcode von Christian Gude

Natürlich bekommen alle großen und kleinen Kinder noch Schokoladenhohlkörper in vielen Formen und Größen und jede Menge anderes Naschwerk.

Unschlüssig bin ich noch, ob ich meinem Mann die deutsche Version der Tribute von Panem schenken soll. Er schaut die Filme echt gerne, fragt aber immer wieder nach Details, die Unstimmigkeiten in den Filmen hervorrufen oder nur unzureichend erklärt werden, in den Bücher aber ausführlich abgehandelt worden sind.

Was jetzt noch fehlt ist, alle Geschenke einzupacken. Das werde ich dann vermutlich am 23.12. abends machen, denn wie jedes Jahr kommt Weihnachten doch recht plötzlich. Und ich hoffe, dann sämtliche Geschenke, die in der Zwischenzeit vor neugierigen Kinderaugen versteckt wurden, wieder zu finden 😉

 

Das Urteil

Die Zeiten sind ja geradezu rosig, was die Themendichte für meinen Blog angeht 😉

Heute nun das wunderbare Urteil des Bundesgerichtshofs, welches Eltern Schadensersatz zugesteht, wenn es die Kommune nicht schafft, rechtzeitig einen Kindergartenplatz zur Verfügung zu stellen. Ich hatte sehr auf dieses Urteil gehofft, fand ich doch die Urteilsbegründung des Oberlandesgerichts in Dresden etwas hanebüchen, als es fabulierte, dass der Rechtsanspruch nur für das Kind bestehe, nicht aber für die Eltern.

Ja, aus welchem Grund wurde denn das Gesetz überhaupt gemacht? Damit Eltern nach der Elternzeit zügig wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Denn, so befürchtete die Bundesregierung damals nicht zu unrecht, viele potentielle Eltern würden sich womöglich gegen Nachwuchs entscheiden, wenn sie weiterhin mit enormen finanziellen Einbußen durch verspätete Berufswiedereinstiege rechnen müssen. Vom Karriereknick mal ganz zu schweigen.

Kaum tickerte das Urteil über sämtliche Kanäle, kamen auch postwendend alle „Früher war alles besser“-Kommentierer aus ihren Löchern gekrochen und verbreiteten ihre antiquierten Meinungen:

  • früher ging es doch auch ohne Kindergärten
  • Eltern hätten vorm Kinderkriegen wissen sollen, worauf sie sich einlassen
  • immer nur die Hand aufhalten, damit der Staat alles regelt
  • Kinder wären sowieso viel besser daheim aufgehoben
  • Kinder sollten frühestens mit 3 Jahren in Fremdbetreuung gegeben werden
  • Es müssen ja nur beide Eltern arbeiten, damit man sich zwei Jahresurlaube und 3 Luxuskarossen leisten kann

Mein Lieblingskommentar bislang:

  • Ich habe Teilzeit gearbeitet und war mit weniger Gage zufrieden, weil mir mein Kind wichtig war.

Weil ich gerade in Stimmung bin, geh ich die einzelnen Argumente mal durch!

Früher ging es auch nicht ohne Kindergarten. Man lebte in einer Mehrgenerationengroßfamilie zusammen, wo die (Ur-)Großeltern, Tanten und Cousinen die Kinderbetreuung übernahmen, damit die Eltern aufm Acker die Kartoffeln ernten können. Da spielten auch locker mal um die 20 Kinder zusammen, betreut von 3-4 Erwachsenen.

Als der Trend und die Industrialisierung die Familien in die Städte zog, blieb eben die Frau daheim. Besonders nach dem Krieg hatte dies dramatische Folgen, denn diese Frauen haben während der Kinderbetreuung Null Rentenansprüche gesammelt, aber trotzdem um die 3-4 Kinder bekommen. Mit viel Glück konnten diese Frauen nach dem Auszug der Kinder in wenig lukrativen Berufsfeldern Fuß fassen, aber die Rentenansprüche hat das trotzdem nicht gerettet. Einzig, dass der Mann sie bis zum Lebensende versorgt, sei es durch seine Rente oder ihre Witwenrente, hat diese Frauen vor der völligen Verarmung bewahrt.

Die wenigstens Frauen in der heutigen Zeit gehen blauäugig an das Thema Kinderkriegen heran. Gerade das Thema Kinderbetreuung ist in Schwangeren- und Elternforen ein heiß und innig diskutiertes Thema und meiner Erfahrung nach sind die Pro und Kontras der Fremdbetreuung nicht ansatzweise so intensiv diskutiert wie die Kämpfe um Betreuungsplätze. Da werden Tipps ausgetauscht, Erfolgs- und Leidensgeschichten geteilt und immer wieder Mut zugesprochen. Wenn sich also eine Frau mit Kinderwunsch nicht völlig unterm Stein verkriecht, bekommt sie sehr schnell einen ziemlichen genauen Blick auf die Lage hierzulande. Sollte sie sich dennoch für Nachwuchs entscheiden, dann wird die prekäre Situation in Kauf genommen und es werden eben ab der 12. Schwangerschaftswoche Bedarfsmeldungen an alle Kindergärten der näheren und weiteren Umgebung verschickt. Nur, weil die Situation so ist, wie sie ist, heißt das nicht, dass man sie akzeptieren muss. Man kann sich auch dagegen auflehnen und sein Recht eben einklagen.

Das Argument mit der Hand aufhalten kann ich am wenigsten nachvollziehen. Kinder kosten eine Menge Geld, Zeit und Nerven. Klar, wenn sie einmal lächeln, kriegt man das alles wieder zurück! Aber gerade der finanzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Selbst der Kindergartenplatz schlägt gewaltig ins Kontor, je nach Region werden 120-500€ pro Monat fällig. Da muss eine alte Frau lange für Stricken und bei mancher Mutter frisst der Kindergartenplatz den Großteil des Gehalts auf.

Die landläufige Meinung, dass Kindergärten eh nur Kinderverwahrstationen sind und die Kinder besser daheim blieben, ist schon so oft wiederlegt worden, dass sich eigentlich jede weitere Diskussion erübrigt. Genügend Studien, auch über lange Zeit, zeigen, dass eine Fremdbetreuung nach dem ersten Geburtstag sich nicht zwangsläufig nachteilig auf die Kindesentwicklung auswirkt. Eher ist das Gegenteil der Fall. Das Kind lernt, sich im sozialen Miteinander zu erproben, lernt Konfliktbewältigungsstrategien und Kooperation. Gerade, weil es in den immer häufiger vorkommenden 1-Kind-Familien diese Konstellationen so nicht gibt, da nützt die wöchentliche Krabbelgruppe auch nicht viel.
Natürlich funktioniert das nur, wenn das Umfeld entsprechend stimmt, aber Diskussionen über vernünftige Betreuungsschlüssel und eine adäquate frühkindliche Förderung gehören gerade nicht zum Thema.

Der Mythos des Luxusproblems aber schon. Ich zähle unsere Familie zur Mittelschicht, meine Eltern ebenso, genauso wie ganz viele unserer Freunde und Verwandten. Alle haben eine Lehre oder Studium hinter sich, gehen meist in Vollzeit arbeiten und müssen dennoch am Ende des Monats schauen, dass sie nicht in den Dispo rutschen. Von zwei Mal im Jahr in den Urlaub fahren können die meisten nur träumen und bei vielen reicht es maximal zu einem Auto aus der Kategorie Kleinwagen. Die Zeiten, wo es genügte, wenn nur ein Elternteil arbeiten ging und die ganze Familie damit ernähren konnte, sind lange vorbei.

Hinzu kommt, dass Frauen nicht mehr nur das Heimchen am Herd sein wollen. Sie wollen ihre eigenen Ziele verfolgen, selber Karriere machen und eigenes Geld verdienen. Außerdem haben viele erkannt, dass es im Alter schon praktisch wäre, eine eigene, ausreichend hohe Rente zu beziehen. Ehen werden immer häufiger geschieden und die Klatschblätter sind voll mit Geschichten, wo gutsituierte Männer inmitten der Midlifecrisis ihre Frauen nach 25 Ehejahren verlassen, um mit einer jüngeren Wasserstoffblondine durchzubrennen. Da steht Frau dann da und darf sich mit Sozialhilfe begnügen, weil die 3 Mark fuffzig an Rente vorne und hinten nicht zum Leben reichen.
In vielen Gebieten verschlingen allein die Mietkosten für eine durchschnittlich große Wohnung in durchschnittlich guter Lage die Hälfte des familiären Gesamteinkommen. Mit Luxus hat das in den meisten Fällen nichts zu tun.

Bleibt noch mein Lieblingsargument, weil es gleich mehrere Aspekte auf einmal anspricht. Fremdbetreuung ist doof, wenn, dann sollte es nur ganz kurz erfolgen. Wenn man Vollzeit arbeiten geht, ist man geldgeil. Außerdem sind Vollzeitarbeiter Rabeneltern, denn denen ist das Kind nicht so wichtig.

Was die gute Dame verkennt ist, dass selbst bei Teilzeit eine Fremdbetreuung gesichert sein muss. Wir haben beispielsweise niemanden, keine Großeltern, Freunde oder Verwandte in der Nähe, die diese Aufgabe dauerhaft übernehmen können. Wir sind also so oder so auf Fremdbetreuung angewiesen, ganz gleich ob Teil- oder Vollzeit. Die finanziellen Aspekte habe ich weiter oben (und mehrfach hier im Blog) bereits beleuchtet.
Und als Rabeneltern würde ich uns auch nicht bezeichnen, denn wir lieben unsere Kinder mit Sicherheit nicht weniger, nur weil wir sie in den Kindergarten oder Hort schicken.

Wie immer am Ende einer solchen Diskussion: Jeder sollte sein Kind so aufziehen, wie er oder sie das für richtig hält. Jeder Lebensentwurf hat seine Berechtigung und mit Sicherheit viele Vor- und Nachteile. Wenn sich jemand einzig um Kinder und Haushalt kümmern möchte, dann soll er/sie das tun. Ich verurteile denjenigen nicht deswegen, ich könnte mir das nur nicht für mich vorstellen. Das heißt aber nicht, dass mein Art zu leben, besser oder schlechter ist, nur anders.
Was ich allerdings nicht mag, ist diese absolute Meinung, die nur ganz eng begrenzte Lebenskonzepte als richtig hinstellt. Toleranz ist immer auch die Toleranz gegenüber den Andersdenkenden. Gerade bei der Kindererziehung gibt es so viele Modelle, Ansichten, Meinungen, Erfahrungen und Moden, dass sich solche absoluten Ansprüche von selbst verbieten.

Fazit: Ich bin froh über das Urteil, auch wenn es für uns keine Bedeutung mehr hat, da wir einen Kindergartenplatz haben und das Kinderkriegen für uns abgeschlossen ist 😉

Wochenend und Sonnenschein

Gestern Abend klagte meine Süße über Schmerzen in der rechten Leistengegend. Weil sie kurz darauf einen riesigen Pups freiließ, dachte ich mir nix dabei und brachte sie wie gewohnt ins Bett.
Heute morgen war die Kleene arg knatschig und fühlte sich heiß an und meinte immer noch, der Bauch würde weh tun. Ein wenig ratlos gab ich ihr erstmal Fiebersaft. Der schlug gut an, doch nach 2 Stunden war’s vorbei mit der Ruhe, die Süße wurde unruhig und knatschig. Ein Arztbesuch war also unumgänglich. Blieb nur die Frage, wohin. Durch Zufall hatte heute unsere Kinderärztin Bereitschaft, aber ich war dennoch unsicher, ob nicht die Uniklinik, wo wir wegen der Doppelniere eh schon in Behandlung sind, nicht die bessere Alternative wäre. Ich diskutierte mit meinem Mann, befragte eine kompetente Facebookgruppe, aber so ein wirklich eindeutiges Ergebnis brachte das alles nicht.

Wir sind dann in die Uniklinik gefahren, weil wir dort ja auch standardmäßig wegen der Doppelniere in Behandlung sind und ich dachte, dann könnten die Ärzte das gleich in der Akte alles nachlesen und zum anderen haben sie dort alles vorrätig.
An der Anmeldung kam der Verdacht auf Blinddarmentzündung auf, was ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, aber an sich auch gut zu den Symptomen gepasst hätte.
Daheim hatte ich vorsorglich einen Urinbeutel geklebt, denn ohne Urinprobe würden sie uns bestimmt nicht gehen lassen und bis man so eine Probe hat, kann es ja auch gerne mal dauern.
An der Anmeldung hatte ich bereits die Stichworte Doppelniere und Reflux erwähnt, aber die sind auf dem Weg zur Kinderambulanz verloren gegangen. An der dortigen Anmeldung sagte ich die Losungsworte erneut und verursachte damit Verwirrung, ob dies nun ein pädiatrischer oder chirurgischer Notfall wäre. Wir durften erstmal im Wartebereich Platz nehmen und ich stellte mich auf einen längeren Aufenthalt ein.

Umso überraschter war ich, als wir nach 10 Minuten schon aufgerufen wurden. Eine Schwesternschülerin machte eine Anamnese, ich zählte die Symptome auf und erwähnte wieder Doppelniere und Reflux. Die Schülerin schrieb alles fleißig mit, wog das Kind und maß nochmals Fieber. Das wurde zwar schon bei der zweiten Anmeldung gemacht, aber das Ergebnis offenbar nirgendwo vermerkt.
Ich schaute immer mal nach dem Urinbeutel, aber da war nix und die Kleene jammerte jedes Mal, wenn ich sie fragte, ob sie denn pullern müsste.
Nach 10 Minuten kam der Arzt, ließ sich wieder alles beschreiben, offenbar hatte keinerlei Kommunikation mit der Anmeldung oder der Schwesternschülerin stattgefunden. In meinem jugendlichen Leichtsinn ging ich davon aus, dass der Arzt einen Blick in die Akte geworfen und dort die Doppelniere entdeckt hatte. Seine Untersuchung ging aber auf diesen Aspekt gar nicht ein und erst auf Nachfrage schaute er sehr erstaunt und bestand dann natürlich auf der Urinprobe. Immerhin konnte er Nierenbeckenentzündung ausschließen, denn da hätte die Kleene wohl ganz argen Druckschmerz in der Nierengegend. Wenigstens etwas.

Nach einigem Hin und Her konnte sich die Kleene endlich durchringen, aufs Töpfchen zu gehen und der anschließend durchgeführte Test ergab rote und weiße Blutkörperchen im Urin. Yay 😦
Als letztendliche Diagnose stellte der Arzt dann fest, dass sie einen Harnwegsinfekt + Angina hat, verschrieb uns ein AB und am Montag sollten wir in der Kinderurologie anrufen und die weitere Behandlung abstimmen.

Ich hab jetzt erstmal genug von der Notaufnahme. Können unsere Kinder nicht zu normalen Öffnungszeiten krank werden wie andere Kinder auch?

Ist ja ein Beinbruch!

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und auch ich bilde da keine Ausnahme. In unserem täglichen Chaos haben sich daher gewisse Rituale etabliert. So nehme ich immer den Bus um 7:38 Uhr oder um 7:58 Uhr auf Arbeit, gestern war es der Einrücker um 7:48 Uhr. Bei den zahllosen Besprechungen sitze ich immer auf dem gleichen Platz, gestern allerdings war nur der Platz zwei Stühle weiter rechts noch frei. Von den Kabinen auf der Damentoilette nehme ich immer die rechte, gestern musste ich jedoch auf links ausweichen. Und jede Menge anderer kleiner Abweichungen.

Alles nichts Gravierendes, aber mir fiel es gestern schon auf und da ich überhaupt nicht abergläubisch bin, tat ich es nur als zufällige Merkwürdigkeiten ab, die es eben immer wieder mal gibt. Wäre ich abergläubisch, hätte ich es wohl als Omen gesehen und mich gewappnet für das, was später noch auf uns zukommen sollte.

Nachmittags fuhr ich mit dem Großen wie gewohnt zum Fußballtraining und während der Rabauke sein Ballgeschick verbesserte, nutzte ich den schönen Nachmittag und las in meinem Buch, da mir so gar nicht der Sinn nach den eher inhaltsarmen Gesprächen mit den anderen Fußballmüttern stand. Plötzlich gellte ein markerschütternder Schrei über den Platz, als dessen Ursprung ich umgehend meinen Sohn ausmachte und der mich sofort mein Buch zuklappen ließ. Der Sprößling wälzt sich gerne mal aufm dem Platz rum, sobald ein Spieler ihn nur minimal berührt oder ihm den Ball abgeluchst hat. Wir nennen ihn deshalb manchmal unseren kleinen Italiener 😉
Gestern jedoch blieb er liegen und die Tonlage des Schreis war weit von dem üblichen Mimimi-Gejaule entfernt. Der Trainer trug ihn an den Spielfeldrand, wo ich meine rudimentären medizinischen Kenntnisse ausbuddelte und eine erste Anamnese erstellte.

Es tat an der Innenseite des rechten Unterschenkels weh. Dort war der gegnerische Spieler mit seinem Knie reingerutscht. Ich dachte an eine heftige Prellung und so warteten wir ein paar Minuten. Dann sollte er versuchen, aufzustehen, was aber nicht ging, da die Schmerzen zu heftig waren. Ich entschied, mit ihm ins Krankenkaus zu fahren und es röntgen zu lassen, um einen Bruch oder eine Bänderverletzung auszuschließen. Eine der Mütter meinte, wir sollten doch ins Notfallzentrum fahren, das wäre direkt um die Ecke und nicht so weit wie die Uniklinik. Ok, na gut, hatte ich nicht daran gedacht, können wir machen.

Nach einem kurzen Abstecher nach Hause, wo ich die Kinderkrankenversichertenkarte und die Familienpackung Gummischlangen holte, hielten wir am Notfallzentrum und ich schleppte das mittlerweile 24 Kilo schwere Kindlein zum Eingang, wo mir aber direkt gesagt wurde, dass wir falsch seien, da nur Erwachsene dort behandelt würden. Ich schleppte das Kind zurück zum Auto und fuhr zur Klinik, lautstark fluchend, weil der direkte Weg durch Baustellen versperrt war. Ich fand zum Glück einen Parkplatz in der Nähe des Eingangs, was wirklich keine Selbstverständlichkeit ist. Ich trug das Kind die dennoch gut 200m zur Anmeldung und 5 Minuten später durften wir in die Kindernotfallambulanz. Eine freundliche Schwester nahm uns die eben ausgedruckten Patientenunterlagen ab und wies mich darauf hin, dass um die Ecke Rollstühle standen, von denen wir einen nehmen könnten.

Ich holte einen dieser Rollstühle und setzte das Kind rein, was es total cool fand. Vor wenigen Wochen schauten wir immer wieder mal die Paralympics und der Große wollte seitdem wissen, wie es ist, mit einem Rollstuhl zu fahren und jetzt konnte er es selber ausprobieren. So kurvte er durchs Wartezimmer, bis er die Lust verlor und vor einem großen Aquarium parkte.

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Da wir nicht die einzigen Patienten waren, durften wir ziemlich lange warten. In der Zwischenzeit freundete sich der Große mit einem anderen Jungen an, der beim Lasertag einen heftigen Schlag auf die Nase bekommen hat. Die beiden tauschten ihre ganzen Verletzungen und Unfälle aus. Ich hörte zu und war tatsächlich erstaunt, dass wir 7 Jahre gebraucht hatten, um eine Notaufnahme von innen zu sehen.

Endlich wurden wir aufgerufen und ich rollte das Kind in den Behandlungsraum. Ein freundlicher Arzt ließ sich berichten, was genau passiert ist und seiner skeptischen Mine entnahm ich, dass er ebenso wie ich davon ausging, dass es nur eine ordentliche Prellung, aber keinesfalls etwas ernsthaftes ist. Er untersuchte das Bein ausführlich, streckte und beugte es, drückte hier und da und jedes Mal, wenn er hinten auf die Wade drückte, jaulte das Kindlein auf. Alle anderen Untersuchungen ließ er stoisch über sich ergehen. Weil aber vorn am Schienbein nichts weh tat, dachte ich, dass evtl. das Wadenbein gebrochen ist. Der Arzt blieb bei seiner Meinung, steigerte sie sogar, indem er „wettete“, dass da nichts kaputt sei. Dennoch schickte er uns zum Röntgen, sicher ist sicher.

Ich rollte das Kind zum Röntgen, wo wir zur Abwechslung mal nicht warten mussten. 3 Minuten später kam der Junge aus dem Röntgenraum zurück und die Schwester meinte, sie würde die Aufnahmen fertig machen und direkt zum Rechner des Arztes schicken und wir sollten drauf achten, dass der Große den Fuß auf gar keinen Fall belaste.

Mir schwante übles, da war wohl doch mehr als angenommen kaputt gegangen. Wir meldeten uns wieder zurück und warteten, bis wir erneut zum Arzt vorgelassen wurden. Dieser bestätigte dann meine Vermutung, es war tatsächlich etwas kaputt gegangen, aber nicht das Waden-, sondern das Schienbein. Schöner sauberer Bruch, zum Glück nichts abgesplittert oder verrutscht.

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Die Schmerzen, die beim Drücken auf der Wade entstanden, wurden dadurch verursacht, dass das Wadenbein dann immer auf den Bruch drückte.

Umgehend wurde der Gips vorbereitet und während ich mit dem Arzt noch organisatorisches klärte (Schulbesuch, Weiterversorgung, Lagerung, etc.), kümmerten sich eine Schwester und eine Schwesternschülerin um mein Kind. Als ich dazu kam, lag er auf dem Bauch und ließ sich neugierig jeden Handgriff, der gerade gemacht wurde, erklären. Ich saß daneben und schaute zu, wie eine große Gipsschiene erst angepasst und dann mit Mullbinden ans Bein gebunden wurde. Ich dachte, er würde einen Vollgips bekommen, aber die erste Versorgung sollte mittels Liegegips erfolgen, mit dem der Patient, wie der Name schon sagt, hauptsächlich liegt und das Bein keinesfalls belasten darf.

Wieder daheim angekommen, durfte ihn zur Abwechslung der Papa in den 3. Stock tragen, während ich die Trainingsgruppe und die Großeltern über das Ergebnis informierte. Alle zeigten sich gleichermaßen erschrocken. Die Trainingsgruppe, weil sie damit einen der besten Spieler auf unbestimmte Zeit verlieren. Die Großeltern, weil der Junge die erste Oktoberwoche bei ihnen Urlaub macht und sie schon jede Menge Pläne geschmiedet hatten, die jetzt alle über den Haufen geworden wurden. Während von allen Seiten Genesungswünsche eintrudelten, überlegten wir, wo wir das Kind schlafen legten. Sein Hochbett fiel definitiv aus, dort wird er eine ganze Weile nicht mehr schlafen können.
Kurzerhand verfrachteten wir die Matratze auf den Boden vor den Kleiderschrank, da fiel er nicht so tief, falls er aus dem Bett rollte.

Die Nacht hat er gut überstanden. Der Toilettengang gelingt nach anfänglichen Schwierigkeiten gut, da sich der Patient mit dem steifen Bein nicht wie gewohnt auf die Schüssel setzen kann. Die eigentliche Herausforderung werden aber die nächsten Tage sein. So ein aktives Kind zur Untätigkeit auf der Couch liegend zu verdonnern, kommt schon Folter gleich. Ganz egal, wie lange KIKA läuft oder wie oft es Kekse oder Gummibärchen gibt.

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Am Montag werde ich einen Kinderchirurgen anrufen und mit ihm das weitere Vorgehen abstimmen. Mal schauen, was dieser sagt und wann es einen ordentlichen Gehgips gibt.

Rosa ist scheiße

Ich habe mich ja auch hin und wieder schon aufgeregt, dass meine Tochter für einen Jungen gehalten wird, weil sie keine rosanen Klamotten trägt. Nicht, weil ich rosa nicht mag, aber weil mir dieses Rollenklischee gehörig auf die Nüsse geht und es teilweise sehr schwierig ist, überhaupt ansprechende Kinderkleidung zu finden, die eben nicht stereotypisch blau mit Autos oder rosa mit Herzen ist.

Neulich beim Schlüpferkauf – und ja, diese Teile heißen Schlüpfer oder Unterhosen, aber auf gar keinen Fall Schlübbis – ist mir das auf absurdeste Weise wieder aufgefallen. Es standen zur Auswahl: Grundton weiß, rosa oder pastelllila; Motive: Elsa aus Frozen oder Disney-Prinzessinnen oder Minnie Maus, in der Nicht-Markenabteilung kotzesüße Katzenbabies. Es fehlten: normale einfarbige Schlüpfer in bunt. Bei den Jungs geht das komischerweise. Der Große hat Unterhosen in knallbunt in orange, rot, grün, blau, grau, schwarz, mit Smileys oder Streifen, eher selten mit Autos oder Raketen.

Nun bin ich nicht die Einzige, die das nervt und jetzt hat es eine Journalistin professionell auf den Punkt gebracht:
Rosa ist scheiße

Noch ein wenig amateurhaft ärgert sie sich im Beitrag, dass sie sich entweder ständig erklären muss oder für merkwürdig gehalten wird. Da ich auch ohne Kinder für merkwürdig gehalten werde, prallten solche Resentiments schon immer an mir ab. Mit dem restlichen Artikel spricht sie mir allerdings voll aus der Seele. Vor allem, was den unterschiedlichen Umgang mit Mädchen und Jungs angeht.

Unser Mädchen hat die Bagger- und Traktorensammlung ihres großen Bruders geerbt. Sie hat mehr Schrammen an Knien und Schienbeinen als ihr Bruder, nicht weil sie ungeschickter ist, sondern wagemutiger und damit auch öfter mal auf die Nase fällt. Der Große wollte früher lange Haare haben, damit er Haargummis und – spangen verwenden kann, hat er bekommen. Nagellack wollten beide, haben auch beide bekommen. Ich ermahne meine Tochter nicht, dass sie sich nicht schmutzig machen soll, sondern ziehe ihr stattdessen robuste, erdfarbene Klamotten an. Ihr Lieblingsshirt ist grün und hat ein Kermitbild drauf. Das Lieblingsshirt des Großen ist gelb und trägt den Schriftzug „Auf Forschungsreise, bitte nicht stören“.

Es sind Kinder, sie wollen die Welt entdecken, auf ihre Weise, ungestüm oder beobachtend, immer neugierig, neuen Sachen grundsätzlich aufgeschlossen, solange immer genügend Gummibärchen vorrätig sind. Warum sollte dieser Forschungsdrang in eine Geschlechterrolle gepresst werden, wo Mädchen nur mit Puppen und Jungs nur mit Autos spielen dürfen? In dieser ganzen Diskussion muss ich dauernd an zwei Memes denken, die in schöner Regelmäßigkeit in meiner Facebooktimeline auftauchen:

  • „Das ist aber ein süßer Junge.“
    „Das ist ein Mädchen.“
    „Aber es trägt blau.“
    „Ja, wir erziehen unser Kind zweifarbig.“
  • „Vorsicht, dein Junge spielt mit einer Puppe, er könnte schwul werden.“
    „Ja und? Er könnte auch einfach ein guter Papa werden.“

Leider wird, und das wird im Artikel auch angesprochen, sehr viel Einfluß von der Umgebung ausgeübt. Im Kindergarten, in der Schule, auf dem Spielplatz, wo auch immer, überall werden die Kinder mit den althergebrachten Stereotypen konfrontiert und müssen sich dann rechtfertigen. So kam mein Großer letztens sehr geknickt aus der Schule. Nach einigem Herumdrucksen rückte er endlich mit der Sprache heraus, dass ihn die anderen Kinder in der Schule ausgelacht hatten, weil er Glitzersachen mag. Seitdem will er partout nichts glitzriges oder glänzendes mehr haben und seine Bilder verziert er nicht mehr wie sonst mit Glitter, nur noch mit Buntstiften und da ja keine Pastelltöne. Und seine Winnie-Pooh-Brotdose findet er doof, weil ein Junge ihn deswegen gehänselt hat.

Mich macht das sehr sehr traurig.

Mulmig

Einer der Gründe, warum wir damals so vehement versucht haben, den Großen auf eine andere Schule als die für ihn vorbestimmte zu schicken war, dass der Schulweg wesentlich kürzer und sicherer ist. Das Ziel war, dass er später mal alleine zur Schule und auch wieder nach Hause laufen kann.

Während sich mein Mann sehr gegen diese Vorstellung sträubt, sehe ich die Sache ein wenig entspannter. Als ich so klein war, musste ich mehr oder weniger von Anfang an alleine in den Frühhort laufen und nach dem Hort oder der Schule auch alleine wieder zurück nach Hause. Dabei galt es, eine große und relativ viel befahrene Hauptstraße zu überqueren – natürlich ohne Ampel. Nun war dies in einem anderen Land und in einem anderen Jahrtausend, wo es bei weitem noch nicht so viel Verkehr gab wie heute, dennoch barg diese Straßenquerung einiges an Gefahr.

Definitiv kein Vergleich zum Schulweg des Großen. Der führt durch eine 30er Zone entlang, um dann an einer gut befahrenen Straße zu münden. Dort gibt es aber direkt vor der Schule eine Fußgängerampel. Allerdings ist diese derzeit außer Betrieb, weil die komplette Straße aufgerissen wurde und da sowieso keine Autos mehr fahren. Sehr viel gefahrloser kann ein Schulweg fast nicht sein.

Mein Mann vertritt die Ansicht, dass das Kind bis zum Ende der 4. Klasse gebracht und abgeholt werden muss, ganz egal wie sicher der Schulweg ist, allerdings denke ich, dass man dem Kind durchaus mehr Vertrauen entgegen bringen und es mehr Verantwortung übernehmen lassen kann. Und so habe ich schrittweise den gemeinsamen Schulweg verkürzt, immer in Absprache mit dem Kind, denn nur wenn es sich sicher genug fühlt, den Rest des Weges alleine zu bewältigen, wird er auch die Ruhe haben, um mögliche Gefahren vernünftig einzuschätzen.

Als erstes durfte er allein über die Ampel. Dann durfte er von der einen Straßenecke bis zur Ampel alleine gehen. Seit der Baustelle darf er von der Straßenecke ohne Ampel alleine über die Straße laufen.
So lief es jetzt eine ganze Weile und immer wieder fragte ich, ob er denn ein Stückchen mehr alleine laufen möchte, doch das traute er sich nicht zu. In der Zwischenzeit übte ich mit ihm, wo gute Stellen zum Überqueren der Straße sind oder zeigte, wie groß Auto sind und wie klein er ist und wie leicht er übersehen werden kann, wenn er zwischen Autos auf die Straße läuft. Immer wieder betonte ich dabei, dass wenn er sich in einer Situation unsicher ist, er lieber stehen bleiben und warten soll, bis das Fahrzeug vorbei ist, als einfach über die Straße zu rennen in der Hoffnung, dass es noch reicht. Das gilt vor allem, wenn er befürchtet zu spät zum Unterricht zu kommen, denn es ist weit weniger dramatisch, eine Tadel fürs Zuspätkommen zu erhalten, als in einen Unfall verwickelt zu werden.

Heute nun meinte er völlig unvermittelt auf halber Strecke, er wolle ab da alleine gehen. Ich fragte, ob er sicher ist, was er bejahte und fügte hinzu, dass ich so auch noch meinen Bus erwischen würde. Als ich sagte, dass dies nicht so wichtig wäre, winkte er nur ab. Also umarmte ich ihn, verabschiedete mich und gab ihm als letztes mit auf den Weg, dass ich stolz auf ihn bin. Dass mir plötzlich ganz mulmig wurde und mir das alles wieder viel zu schnell ging, sagte ich ihm nicht.

Ich sah ihm noch nach, bis er an die Straßenecke kam, wollte schauen, ob er wohlbehalten auf der anderen Straßenseite ankommt, aber leider verstellten mir Zäune und Autos den Blick. Ich wartete ein wenig, ob ich quietschende Reifen, lautes Meckern oder Schreie hörte, aber alles blieb ruhig. So drehte ich mich irgendwann um, lief zur Haltestelle und erreichte meinen Bus ganz bequem.

Hello again!

Hat mich eigentlich jemand vermisst? Anyone? Nein?

Egal, ich texte euch auch so zu 🙂

Ganz offensichtlich gibt es mich noch, ich hab mir nur eine kurze Auszeit gegönnt. In dieser waren meine Familie und ich 3 Wochen im Urlaub und unsere Tochter mit mir eine Woche im Krankenhaus. Der Krankenhausaufenthalt war schon länger geplant und musste leider zweimal verschoben werden, so dass er sich jetzt direkt an die Ferien anschloss. Fand ich nicht so dolle, da die damit verbundene OP wie ein Schatten über dem kompletten Urlaub hing.

Ich konnte in der Vergangenheit schon schlecht mit dem Thema umgehen und während der Reise fragte ich mich immer wieder, ob dies die letzten schönen Tage gemeinsam sein werden und tröstete mich, dass wir immerhin noch tolle Erinnerungen sammeln konnten. Ein wirkliches Erholen war aber unter diesen Bedingungen nicht möglich, ganz egal wie entspannt die insgesamt drei Urlaubswochen ansonsten waren.

Der Krankenhausaufenthalt hat dann den minimalen Erholungseffekt umgehend zunichte gemacht, auch wenn sich alle Ärzte, Schwestern und Angestellte unendlich Mühe gaben. Die OP war für letzten Dienstag geplant, doch direkt nach der Ankunft auf Station teilte uns der Arzt mit, dass sie auf Mittwoch verschoben wurde. Dafür durften wir nach den Aufklärungsgesprächen und Voruntersuchungen wieder nach Hause gehen und sollten erst am Mittwoch eine Stunde vor OP-Beginn wieder im Krankenhaus sein. An sich eine gute Sache, bedeutete für mich jedoch einen Tag länger Bangen und Sorgen machen und sämtliche schreckliche Szenarien im Kopf durchspielen.

Am Mittwoch morgen hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch unter der Dusche, die Anspannung der letzten Tage und Wochen war schlicht zu viel für mich. Dazu kam die Befürchtung, mein Kind einem großen Risiko auszusetzen, was am Ende vielleicht völlig unnötig wäre, denn es könnte ja auch weiterhin mit dem Antibiotikum leben. Und mögen Narkosemittel und Operationen heutzutage relativ sicher sein, aber immer wieder liest man von Eingriffen, die eben schief gingen. Da ist es auch wenig tröstlich, wenn sich hinterher herausstellt, dass der Patient einen unentdeckten Herzfehler oder unwissentlich eine Allergie entwickelt hatte.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, schnappte ich mir das Kind und ab ging es ins Krankenhaus. Dort wurden wir bereits erwartet und kurze Zeit später wurden wir zum Aufwachraum gebracht, wo meine Süße 10 Minuten später zur OP abgeholt wurde. Seltsamerweise war ich ab Verlassen der Wohnung total ruhig und gefasst, sämtliche Aufregung und Nervosität verschwunden. Ursprünglich dachte ich, ich könnte während der Wartezeit nix essen, aber als dann die Frühstücksdame mit ihren Essenswagen vor der Tür stand, hab ich mir ein Brötchen geben lassen und das zu meinem größten Erstaunen mit Appetit gegessen.

Nach 1,5 Stunden kam der Oberarzt ins Zimmer und an seinem Lächeln konnte ich ablesen, dass es meinem Mädchen gut ging. Man konnte bestimmt noch in der Nachbarstadt die mir vom Herzen fallenden Steine purzeln hören. Leider teilte mir der Arzt mit, dass die OP nicht wie geplant durchgeführt werden konnte. Durch die Doppelniere und den zusätzlichen Harnleiter lag im Blasenraum nichts da, wo es eigentlich liegen sollte und zusätzlich war die Ureterozelenschleimhaut im Weg und so konnte der Reflux, der zudem am gesunden Harnleiter und nicht wie vermutet am zusätzlichen, erweiterten Harnleiter existiert, nicht behoben werden.

Der Arzt entschied trotzdem, dass in 3 Tagen das Antibiotikum abgesetzt wird und wir schauen, was passiert. Die Chancen stehen wohl relativ gut, dass gar nichts passiert und die Kleene ihr Leben lang ohne Harnwegs- oder Nierenbeckeninfekte bleibt. Sollten vermehrt Infekte auftreten, müsste operiert werden und der Harnleiter verlegt und dann unterspritzt werden. Es könne auch sein, dass der zusätzliche Anteil der Doppelniere Probleme macht, weil er nicht vollständig ausgebildet ist und dann im Körper putzige Dinge auslöst, die zu Bluthochdruck führen. Dann müsste wiederum operiert und der zusätzliche Teil entfernt werden.

Tolle Aussichten, oder?

Eine halbe Stunde nachdem der Arzt mir das alles erklärt hatte, durfte ich in den Aufwachraum gehen und meinem Kind beim Schlafen zuschauen. Nach einiger Zeit ereilte mich ein menschliches Bedürfnis und weil es im Aufwachraum keine Toiletten gibt, tapperte ich wieder in mein Zimmer und auf dem Rückweg nahm ich mir ein Buch mit, war es doch völlig unklar, wie lange die Süße ihren Rausch ausschlafen würde.

Wieder im Aufwachraum angekommen, turnte da ein kleines Mädchen in seinem Bettchen rum, gut umsorgt von einer Schwester. Eben jene Schwester meinte ob meines erstaunten Blicks, dass es bei Kindern häufig so ist, als ob ein Schalter umgelegt wurde. Es ging der Kleenen also gut, nur war sie noch sehr wacklig auf den Beinen und fiel immer wieder mal beim Hüpfen um.

Als wir wieder im Patientenzimmer waren, wurde gerade das Mittagessen verteilt. Ich fragte die Schwester, ob und wann die Kleene was essen dürfte. Erstmal solle sie etwas trinken und wenn das drin bliebe, könnte man über feste Nahrung nachdenken. Der Vorschlag stief auf wenig Gegenliebe beim Patienten und etwas eigenmächtig gab ich ihr einen Pudding, den sie mit großem Appetit vertilgte. Eine Stunde später ließ ich sie aus ihrem Kinderbett frei, woraufhin sie sofort ins Spielzimmer stürzte, sich den Puppenwagen schnappte und diesen fortan 3 Stunden lang über die Krankenhausgänge schob. Die Schwestern schauten ein wenig verwundert, war mir aber egal, dass Theater, bis sie endlich „frei“ gelassen wurde, wollte ich niemanden antun.

Am nächsten Vormittag wurden wir entlassen und wir nutzten den Rest der Woche, diese weniger schönen Erlebnisse wegzukuscheln.

Tja, und seit heute hat mich die Arbeits- und Blogwelt wieder.

Es läuft!

Fazit nach 3 Wochen Klingelhose!

Wenn jemand behauptet, dass er so gut und tief schläft, dass neben ihm eine Bombe einschlagen könnte, ohne das es ihn stört, der muss mal unser Kind erleben.

Die Klingelhose hat ein Alarmteil, das richtig laut und penetrant piepst. Dieses Alarmteil liegt genau am Kopfende des Kinderbettes, keine 30 Zentimeter vom Kinderohr entfernt. Bei den bisher ca. 10 alarmierenden Nächten ging jedes Mal der Alarm los und jedes Mal mussten wir das Kind von Hand wecken, weil es durch das Piepen nicht wach geworden ist.

Bei einem dieser Alarme hatten wir eine der Probewindeln getestet und durften dann das Bettzeug einmal komplett inklusiver aller Plüschtiere dem Vollwaschautomaten zuführen.

Ein anderes Mal war der Sensor nicht richtig an der Unterhose befestigt, der Alarm ging nicht los und das Bett durfte erneut leergeräumt werden.

Da der Inhalt eines ganzen Bettes ca. 2 Waschmaschinenladungen beträgt und wir keinen Trockner haben und daher warten müssen, bis die Wäsche auf natürliche Weise trocken ist, stapeln sich in der Zwischenzeit die normalen Klamotten. Zudem sind in der Packung nur 3 Klingelhosen gewesen, so dass wir aller drei Tage 1-2 Tage Pause vom Klingeln machen müssen.

Bislang können wir keinerlei Verbesserung feststellen. Das Kind schläft genauso tief wie vorher und pullert genauso verlässlich ein. Den einzigen Vorteil, den ich bislang erkennen kann ist, dass wir durch das Klingeln den genauen Zeitpunkt wissen, wann die Blase überläuft. Ein Muster lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten.

Wir geben dennoch nicht auf und hoffen, dass irgendwann in naher Zukunft tatschlich mal der Knoten platzt. Und lieber der als die Blase 😉

© Foto von Flickr/Jonathan Stonehouse „Sleeping Lambs“, cropped, (CC BY 2.0)